Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis
1. Einführung Seite 1
1.1. Relevanz des Themas Seite 1
1.2. Forschungsstand und Entfaltung der Fragestellung Seite 2
1.3. Aufbau und Methodik Seite 4
2. Das chinesische Berufsbildungssystem Seite 7
2.1. Identifikation zentraler Probleme Seite 10
3. Förderung der Berufsbildung Seite 12
3.1. Quantitative Ausweitung Seite 12
3.1.1. Zielvorgaben Seite 12
3.1.2. Initiativen und Umsetzung Seite 13
3.1.3. Bewertung Seite 17
3.2. Lehreraus- und -fortbildung Seite 18
3.2.1. Zielvorgaben Seite 18
3.2.2. Initiativen und Umsetzung Seite 19
3.2.3. Bewertung Seite 23
3.3. Reform der Curricula und Lehrmethoden Seite 26
3.3.1. Zielvorgaben Seite 26
3.3.2. Initiativen und Umsetzung Seite 27
3.3.3. Bewertung Seite 31
3.4. Schul-Unternehmenskooperation Seite 33
3.4.1. Zielvorgaben Seite 33
3.5. Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse Seite 40
4. Deutsch-chinesische Berufsbildungskooperation Seite 44
4.1. Entwicklung und zentrale Akteure Seite 44
4.2. Erfahrungen mit Kooperationsprojekten Seite 47
4.3. Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse Seite 59
5. Potenzial deutsch-chinesischer Berufsbildungskooperation Seite 61
5.1. Im Bereich der quantitativen Ausweitung Seite 61
5.2. Im Bereich der Lehreraus- und -fortbildung Seite 63
5.3. Im Bereich der Reform der Curricula und Lehrmethoden Seite 64
5.4. Im Bereich der Schul-Unternehmenskooperation Seite 66
6. Fazit Seite 67
7. Anhang Seite 69
Ehrenerklärung Seite 70
8. Bibliographie Seite 71
Abkürzungsverzeichnis
AFZ Tianjin Aus- und Fortbildungszentrum Tianjin
AG Arbeitsgemeinschaft
BBZ Shanghai Berufsbildungszentrum Shanghai
BIBB Bundesinstitut für Berufsbildung
BIP Bruttoinlandsprodukt
BMZ Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit
BRD Bundesrepublik Deutschland
CDIBB Chinesisch-Deutsches Institut für Berufsbildung
EZ Entwicklungszusammenarbeit
FJP Fünfjahresplan
GTZ Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ)
GmbH
HSS Hanns-Seidel-Stiftung
InWEnt Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH
ITB Bremen Institut Technik und Bildung Bremen
KPCh Kommunistische Partei Chinas
MoE Erziehungsministerium (Ministry of Education)
MOHRSS Ministerium für Humanressourcen und soziale Sicherheit
(Ministry of Human Ressources and Social Security)
NRO Nichtregierungsorganisation
NVK Nationaler Volkskongress
RIBB-L Regionalinstitut für Berufsbildung Liaoning
RIBB-S Regionalinstitut für Berufsbildung Shanghai
RMB Renminbi
Sek.II Sekundarstufe 2
SWOT Analyse Stärken-Schwäche-Chancen-Risiken Analyse (strengths-weaknesses-opportunities-threats)
TZ Technische Zusammenarbeit
VRCh Volksrepublik China
ZIBB Zentralinstitut für Berufsbildung
ZK Zentralkomitee
1.1. Relevanz des Themas
Die Berufsbildung hat direkten Einfluss auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines Landes und gilt in der Volksrepublik China (VRCh, China) als Engpass auf dem Weg zur Modernisierung. 1 Noch nie wurde ihr eine derart große Bedeutung zugemessen wie in den letzten Jahren. Dies lässt sich mit den großen Investitionen der Zentralregierung und den zahlreichen politischen Initiativen zur Verbesserung und Ausweitung der Berufsbildung belegen. 2 Diese neue Gewichtung wird durch den 11. Fünfjahresplan (11. FJP 2006-2010) bedingt, der als Wendepunkt in der Entwicklungsstrategie Chinas bezeichnet wird. Statt dem absoluten Wirtschaftswachstum wird eine ausgeglichene, nachhaltige Entwicklung angestrebt, die soziale Spannungen vermeiden, bzw. auflösen soll. Die Berufsbildung ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Instrument, um den von der Regierung propagierten Aufbau einer „Harmonischen Gesellschaft“ zu unterstützen und der breiten Bevölkerung einen „Bescheidenen Wohlstand“ zu ermöglichen. 3 Dennoch ist sie eine Schwachstelle im chinesischen Bildungssystem. 4 Geht es um Reform und Verbesserung, wendet sich in China der Blick oft zur Bundesrepublik Deutschland (BRD, Deutschland). Die deutsche Berufsbildung gilt als „Geheimwaffe“ und Ursache für den großen wirtschaftlichen Erfolg des Landes nach dem 2. Weltkrieg. 5 Das Duale System findet in der VRCh viel Beachtung. Es garantiert eine praxisnahe Ausbildung, kann sich technischen Veränderungen anpassen und verspricht einen leichten Übergang der Berufsschüler in ein Beschäftigungsverhältnis. 6 Gelobt wird auch das deutsche Lehrerausbildungssystem. 7 Die BRD ist seit langem wichtigster Partner in der bilateralen Berufsbildungskooperation und hat ein Interesse daran, Chinas
1 Vgl. Jiang Jiali 2006, S. 365; Niu Xiaoyan 2007, S. 33; Stockmann et al. 2000, S. 19.
2 Vgl. Ren Yanwu 2010, S. 107.
3 Vgl. Weltbank 2008, S. iv, 6; Jiang Jiali 2006, S. 366; Li Xingyun 2006, S. 13.
4 Vgl. Staatsrat 2005; Stockmann et al. 2000, S. 45.
5 Vgl. Jiang Jiali 2006, S. 365; Niu Xiaoyan 2007, S. 33, Jiang Dayuan 2009, S. 5.
6 Vgl. Li Changhui 1995, S. 188; Yang Yuanfan 1995, S. 161; Cai Heping 2008, S. 52.
7 Vgl. Niu Xiaoyan 2007, S. 34f; Wang Yunhong / Yi Zhiyong 2010, S. 22-24.
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Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Die Pflege der über Jahre gewachsenen stabilen Beziehungen und der Zugang zum „größten Bildungsmarkt der Welt“ 8 ist für staatliche wie nicht-staatliche deutsche Akteure von Bedeutung. 9
1.2. Forschungsstand und Entfaltung der Fragestellung
Die Entwicklung des Berufsbildungswesens in China führte in den letzten Jahren auch zu einer Entwicklung der chinesischen Berufsbildungsforschung. Dies spiegelt sich nicht nur in dem großen Umfang publizierter Artikel wieder, auch das Themenspektrum hat sich von der bisherigen Konzentration auf Lehrmethoden, Curricula, Pädagogik, Arbeits- und Gesellschaftslehre erweitert zu Qualifikations-, Arbeitsmarkt- und vergleichender Berufsbildungsforschung. Die Verbesserung des Lehrprozesses und die Reform des Berufsbildungssystems sind Forschungsschwerpunkte. 10 Zhao Zhiqun setzt sich mit der
Forschungsentwicklung auseinander und befasst sich, wie He Wenjin / Shi Weiping und He Nong, mit der Lehrerqualifikation. 11 Li Dongxue untersucht das Engagement von Unternehmen in der Berufsbildung und die Möglichkeiten der Qualitätssicherung an Schulen. 12 Wang Jianchu und Xu Guoqing analysieren Methoden der Curriculumentwicklung. 13 Jiang Dayuan liefert einen Überblick über die chinesisch-deutsche Berufsbildungskooperation. 14 Empirische Forschung ist in China weniger verbreitet als in westlichen Ländern. 15 Dennoch existieren einige Fallstudien. Wang Wenjin und Yu Zuguang berichten von einer Umfrage über das Engagement von Unternehmen in der Berufsbildung. 16 Zhang Lixiang / Yang Xi führten selbst eine Erhebung bei Unternehmen durch. 17 Liu Xiao et al. befragten
8 Wang Xiufang 2003, Seite 1.
9 Vgl. Stockmann et al. 2000, S. 60f; Wolff 2006, S. 1, 8f.
10 Vgl. Zhao Zhiqun 2010a, S. 1.
11 Vgl. Zhao Zhiqun 2003, 2010a, 2010b; He Wenjin / Shi Weiping 2005; He Nong 2008.
12 Vgl. Li Dongxue 2006, 2010.
13 Vgl. Wang Jianchu 2007; Xu Guoqing 2008, 2009.
14 Vgl. Jiang Dayuan 2009a, 2009b
15 Vgl. Zhao Zhiqun 2010b, S. 1.
16 Vgl. Wang Wenjin 2009; Yu Zuguang 2009.
17 Vgl. Zhang Lixiang / Yang Xi 2008.
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Fortbildungsteilnehmer nach ihrer Zufriedenheit. 18 Mit dem Transfer deutscher Lernkonzepte befassen sich die beiden deutschen Dissertationen von Xu Shuo und Wang Yunfeng. 19
Die deutsche Forschung begann sich erstmals in den 80ern mit der Berufsbildung in China zu beschäftigen. Einflussreiche Publikationen stammen von Münch / Risler sowie von Henze und Risler. 20 1999 erstellten Georg et al. im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH (GTZ) eine Sektorstudie über die chinesische Berufsbildung. 21 Ein Überblick über das gesamte Bildungswesen in China stammt von Fu-sheng Franke / Mitter. 22 Projekte der deutsch-chinesischen Berufsbildungszusammenarbeit wurden u.a. von Koehne, Ziehm und Stockmann et al. 23 evaluiert. 24 Mit der Wirkungsevaluation in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) allgemein haben sich Caspari und Borrmann / Stockmann beschäftigt. 25 Der Einfluss interkultureller Unterschiede auf die bilaterale Zusammenarbeit wurde mehrfach von Wagner thematisiert. 26 Zwar sind in der einschlägigen Forschung zahlreiche deutschsprachige Publikationen erschienen, doch existiert bisher keine, die sowohl die neuesten Reformen als auch die daraus folgenden Konsequenzen für die deutschchinesische Berufsbildungskooperation umfassend berücksichtigt. Um diese Forschungslücke zu schließen wird die vorliegende Arbeit zuerst den folgenden drei Fragen nachgehen: Was sind die staatlichen Entwicklungsziele der Berufsbildung? Mit welchen Maßnahmen wird versucht diese Ziele zu erreichen? Wie sind die Fortschritte? Im Anschluss werden die Konsequenzen für die Zusammenarbeit untersucht. Die erkenntnisleitenden Fragestellungen lauten: Wie können durch die Nutzung der positiven Entwicklungen und bestehenden Stärken
18 Vgl. Liu Xiao et al. 2010.
19 Vgl. Wang Yunfeng 2005; Xu Shuo 2003.
20 Vgl. Henze 1989; Münch / Risler 1986; Risler 1989.
21 Vgl. Georg et al. 1999.
22 Vgl. Fu-sheng Franke / Mitter 2003.
23 Die Methodik der Studie von Stockmann et al. ist umstritten. Wagner kritisiert hierzu die unklare Trennung zwischen Erhebungsresultaten und subjektiver Wertung, die fehlende Beschreibung methodischer Instrumente und das unbestimmte Untersuchungsziel. Doch liefert die Studie, wie auch Wagner anmerkt, einen guten Überblick über deutsch-chinesische Berufsbildungsprojekte. Vgl. Wagner 2001a, S.303ff.
24 Vgl. Koehne 2003; Stockmann et al. 2000; Ziehm 2001.
25 Vgl. Borrmann / Stockmann 2009; Caspari 2004.
26 Vgl. Wagner 1999, 2003.
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bei der Projektdurchführung Synergieeffekte entstehen? Welche Projektformen können die vorhandenen Schwächen ausgleichen? Ziel der Arbeit ist, anhand der bisherigen Erfahrungen mit deutsch-chinesischen Berufsbildungsprojekten und unter Berücksichtigung der programmatischen Schwerpunkte und Entwicklungen im 11. FJP die verschiedenen möglichen Kooperationsfelder zu bewerten.
1.3. Aufbau und Methodik
Die Untersuchung beschränkt sich auf die berufliche Erstausbildung der Sekundarstufe II (Sek.II, in China auch als „mittlere Berufsbildung“ bezeichnet), da dieser Bereich von der chinesischen Regierung schwerpunktmäßig gefördert wird. 27 Hier ist insbesondere die gewerblich-technische Berufsbildung relevant. Sie stellt einen Schwerpunkt in der deutsch-chinesischen Bildungszusammenarbeit und der deutschen Berufsbildungsforschung dar und ist von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Chinas. 28 Die Betrachtung der aktuellen Entwicklungen und Reformen in China setzt mit der Staatsratentscheidung zur tatkräftigen Entwicklung der Berufsbildung von 2005 (Staatsratentscheidung) ein. Darüber hinaus formulieren der 11. Fünfjahresplan für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der VRCh (11. FJP 2006-2010) und der Grundriss für den staatlichen Bildungsentwicklungsplan des 11. Fünfjahresplans (Bildungsentwicklungsplan) von 2007 die Entwicklungsziele für den Berufsbildungssektor. Der 11. FJP wird vom Zentralkomitee (ZK) der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) veröffentlicht. Das Erziehungsministerium (MoE) arbeitet daraufhin den Bildungsentwicklungsplan aus.
Nach einer kurzen Darstellung des Berufsbildungssystems und der Identifikation zentraler Probleme in Kapitel 2, wird in Kapitel 3 die Förderung der Berufsbildung seit 2005 untersucht. Anhand der Vorgaben des 11. FJP können vier Bereiche identifiziert werden, an denen die Reformen ansetzen sollen: Quantitative
27 Vgl. Staatsrat 2005.
28 Vgl. Stockmann et al. 2000, S. 60; Zhao Zhiqun 2003, S. 73, 77.
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Ausweitung und bessere Finanzierung, bessere Qualifizierung der Lehrkräfte, Erneuerung der Lehrinhalte und -methoden, sowie eine engere Kooperation zwischen Schulen und Unternehmen. In jedem der Bereiche werden zuerst anhand der Staatsratentscheidung, des 11. FJP und des
Bildungsentwicklungsplans die Zielvorgaben festgestellt. Anschließend werden die zur Erreichung dieser Ziele durchgeführten Initiativen beschrieben, gefolgt von einer Bewertung der aktuellen Situation. Die Annäherung an die quantitativen Ziele kann anhand statistischer Daten überprüft werden. Hier muss einschränkend angemerkt werden, dass der 11. FJP noch nicht abgeschlossen ist und deshalb keine endgültige Zielerreichung oder Nichterreichung festgestellt werden kann. Um die Maßnahmen zur qualitativen Verbesserung einschätzen zu können, soll, soweit vorhanden, auf empirische Studien zurückgegriffen werden. Da hier jedoch nur eine beschränkte Anzahl existiert, werden auch theoretische Texte verwendet. Kapitel 4 behandelt die deutsch-chinesische Zusammenarbeit im Bereich der Berufsbildung. Nach einem kurzen Überblick über die bisherige Entwicklung und die zentralen Akteure werden Vor- und Nachteile verschiedener Projektformen analysiert. Die Projekte werden in Anlehnung an Stockmann et al. 2000 und Wagner 2003 der Mikro-, Meso- und Makroebene zugeordnet. 29 Da fast alle Projekte nicht nur auf einer Ebene stattfinden sondern sich im Laufe der Zeit auf mehrere Ebenen ausgedehnt haben, findet die Einteilung anhand der ursprünglichen Zielkonzeption statt. Beratungsleistungen auf politischer Ebene gehören zur Makroebene, Multiplikatorenansätze und Fortbildungen zur Mesoebene. Modellschulen zur Facharbeiter- oder Lehrerausbildung sind Teil der Mikroebene. Da insbesondere die neuesten GTZ-Projekte von Beginn an Maßnahmen involvieren, die auf mehreren Ebenen ansetzen, wird als vierte Unterscheidung der integrierte Projektansatz mit aufgenommen. Zur Beurteilung der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit ist die erreichte Nachhaltigkeit relevant. 30 Deswegen soll vorrangig auf Evaluationen 31 bisheriger Projekte zurückgegriffen werden.
29 Vgl. Stockmann et al. 2000, S. 51; Wagner 2003, S. 91f.
30 Zum Verständnis von „Nachhaltigkeit“ vgl. Kapitel 4.1. der vorliegenden Arbeit, sowie Caspari 2004, S. 66ff.
31 Unter „Evaluation“ wird nach dem Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) die „umfassende, systematische Überprüfung von Projekten, Programmen und
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Das Potenzial möglicher Kooperationsprojekte wird in Kapitel 5 der Arbeit durch eine Analyse der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (SWOT-Analyse 32 ) bewertet. Diese Analyseform dient der Erfassung der aktuellen Situation und der Ausarbeitung von Handlungsstrategien. Der klassische Anwendungsbereich liegt in der Unternehmensentwicklung. 33 Da die Methode zwei Ebenen, eine interne und eine externe, aufeinander bezieht, wird sie auch bei der vorliegenden Arbeit für geeignet befunden. Hierzu werden die im ersten Teil der Arbeit identifizierten und in Kapitel 3.5. zusammengefassten Stärken und Schwächen der chinesischen Berufsbildung den im zweiten Teil herausgearbeiteten und in Kapitel 4.3. zusammengefassten Chancen und Risiken verschiedener Kooperationsformen gegenüber gestellt. Das chinesische Berufsbildungssystem stellt folglich den internen Analysebereich und die deutsch-chinesische Berufsbildungskooperation externe Einflüsse dar.
Dies dient der Beantwortung der bereits gestellten Fragen nach Synergieeffekten und Schwächenausgleich in der Berufsbildung durch angemessene Kooperationsformen. Gleichzeitig erlaubt die SWOT-Analyse Aussagen darüber zu treffen, wie ein Projekt konzipiert sein muss, um vorhandenen Risiken vorzubeugen.
Instrumenten unter allen entwicklungspolitischen und fachlich wesentlichen Gesichtspunkten“ verstanden. Zitiert nach Caspari 2004, S.16.
32 SWOT steht für die englischen Begriffe „strengths“, „weaknesses“, „opportunities“, „threats“.
33 Vgl. Simon / von der Gathen 2002, S.214 ff.
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2. Das chinesische Berufsbildungssystem
„Beruf“ (Zhiye) bezeichnet in China eine sehr spezifische auf den Arbeitsplatz ausgerichtete Tätigkeit, die in Deutschland nicht als eigenständiger Beruf gilt. 34 So gibt es in China über 1000 Berufe. 35 In der BRD aber nur rund 340 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe. 36 Der Beruf entscheidet in Deutschland über Gehaltsaussichten, Karrierechancen und soziale Stellung. In China hingegen spielt er weniger eine Rolle, als der Arbeitgeber, der Betrieb, zu dem man gehört. Fachliche Qualifikationen sind bei der Rekrutierung nicht so wichtig wie persönliche Beziehungen oder ein möglichst hoher Schulabschluss. Der chinesische Facharbeiter 37 wird traditionell an seinem Arbeitsplatz angelernt und verfügt so über eine sehr spezifische, eng angelegte Qualifikation. 38 Seit 1996 bildet das Berufsbildungsgesetz der VRCh die rechtliche Grundlage für die Berufsbildung. Eine Überarbeitung des Gesetzes ist bereits seit einigen Jahren im Gange. 39 Ergänzend hinzu kommen Durchführungsbestimmungen und Berufsbildungsgesetze auf Provinzebene. Weitere relevante Gesetzestexte sind das Lehrergesetz 40 , das Arbeitsgesetz 41 , das Bildungsgesetz 42 , das Gesetz zur Bildung 43 und das Gesetz zur Förderung privat organisierter Beschäftigungsförderung 44 .
Der Staatsrat ist für die Berufsbildung insgesamt verantwortlich und plant die Entwicklung. 45 Das MoE setzt die vom ZK der KPCh vorgegebenen Richtlinien um und entwickelt Gesetze und Regelungen für den Bildungssektor. Das Ministerium für Humanressourcen und Soziale Sicherheit (MOHRSS) ist verantwortlich für die Beschäftigungspolitik. Es arbeitet die Berufsbilder aus und führt die Prüfungen für
34 Vgl. Wagner 1999, S. 357f.
35 Vgl. MoE 2010a, S. 2.
36 Vgl. BMBF.
37 Hier, wie im weiteren Verlauf der Arbeit, wird aus Gründen der Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Diese schließt aber immer beide Geschlechter ein.
38 Vgl. Georg 2003, S.22ff; Shich et al. 2008.
39 Vgl. Yan Binggan 2010, S. 34.
40 Vgl. NVK 1993.
41 Vgl. NVK 1994.
42 Vgl. NVK 1995.
43 Vgl. NVK 2003.
44 Vgl. NVK 2007.
45 Vgl. NVK 1996, §11.
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die beruflichen Eignungsnachweise (zhiye zige zhengshu) durch. Die Fachministerien koordinieren die ihnen zugeordneten Berufsschulen. 46 In den Provinzen, den regierungsunmittelbaren Städten und autonomen Regionen sind entsprechende regionale und lokale Institutionen den zentralstaatlichen nachgeordnet. 47 Die Berufsbildung soll von Staat und Gesellschaft gemeinsam finanziert werden. 48 Einige Schulen haben außer den Schulgebühren und staatlichen Geldern weitere Einnahmen durch wirtschaftliche Tätigkeit. 49 Dazu kommen steuerliche Abgaben für die Bildung und die Unterstützung von gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Organisationen. Die Zentralregierung spielt aber bei der Finanzierung die Hauptrolle. 50 In der Sek.II werden drei Schultypen unterschieden: Berufsmittelschulen, Fachmittelschulen und Facharbeiterschulen. 51
Dem MoE unterstehen Berufsmittelschulen, Fachmittelschulen und Erwachsenen-Fachmittelschulen. Theorie und Praxis werden im Verhältnis 2:1 gelehrt. 52 Während Fachmittelschulen über eine relativ gute Ausstattung und qualifizierte Lehrkräfte verfügen, werden die Berufsmittelschulen nicht den qualitativen Anforderungen der Berufsbildung gerecht. Sie entstanden in den 80ern durch eine Umwandlung allgemeiner Mittelschulen. Lehrkräfte und Ausstattung wurden oft beibehalten. 53
46 Vgl. Aulig 2006, S. 85; NVK 1996, §11.
47 Vgl. Ziehm 2000, S. 212.
48 Vgl. NVK 1996, §§ 26-35.
49 Vgl. Fu-sheng Franke 2003, S. 72ff.
50 Vgl. Schnarr et al. 2008, S. 19.
51 Daneben existieren in der Sek.II auch Erwachsenen-Fachmittelschulen. 2008 gab es 1.983 Erwachsenen-Fachmittelschulen. Sie machten 13,4% der beruflichen Schulen der Sek.II aus und wurden von 5,8% der Berufsschüler besucht. Vgl. China Statistisches Jahrbuch 2009a, 2009b.
52 Vgl. Koehne 2003, S. 48ff.
53 Vgl. Schüller 1999, S. 98; Xu Shuo 2003, S. 59.
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Die Facharbeiterschulen sind dem MOHRSS unterstellt. 54 Der Praxisanteil der Ausbildung beträgt über 50%. Die praktische Ausbildung findet in Schulwerkstätten und Betrieben statt. Bei einigen Facharbeiterschulen handelt es sich um Produktionsschulen, die sich über den Absatz der in der Schulwerkstatt hergestellten Produkte finanzieren, andere sind an große Unternehmen angegliedert. 55
Die drei Schultypen werden seit dem Jahr 2000, was Ziele, Inhalte und Studiendauer angeht, einander angeglichen. Aufnahmekriterien und
Ausbildungsdauer sind jetzt einheitlich, und es werden Fachkräfte für alle Berufe ausgebildet. Eventuell sollen sie als „Berufliche und Technische Schule“ vereinheitlicht werden. 56 Es werden hauptsächlich Absolventen der unteren Mittelschule aufgenommen. Zur Zeit dominiert ein schulisches Ausbildungssystem, bei dem in den ersten zwei Jahren allgemeine Fächer und berufliches Fachwissen vermittelt werden und im letzten Jahr ein Praktikum in einem Unternehmen vorgesehen ist. 57 Am Ende ihrer Ausbildung bekommen die Absolventen ein Berufsschulzeugnis (xueli zhengshu). Außerdem gibt es den beruflichen Eignungsnachweis, der berufsbezogenes Wissen und Fertigkeiten beurteilt und die Grundlage für die Einstufung in das dreistufige Lohnsystem bildet. 58 Er wird durch das Ablegen der vom MOHRSS organisierten Prüfung erworben. Dies ist auch im Anschluss an eine Fortbildung oder Umschulung möglich. 59 Im Gegensatz zu den schulischen Abschlussprüfungen sind die Eignungsnachweis-Prüfungen landesweit einheitlich. 60
54 Vgl. Zhao Zhiqun 2003, S. 176.
55 Vgl. Zimmermann 2003, S. 203f.
56 Vgl. Li Dongxue 2010, S. 94; Wang Jianchu 2007, S. 168.
57 Vgl. MoE 2009a.
58 Vgl. Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit; Xu Shuo 2003, S. 59f.
59 Vgl. Zhao Zhiqun 2003, S. 12, 16.
60 Vgl. Schnarr et al. 2008, S.30.
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2.1. Identifikation zentraler Probleme
In der einschlägigen Forschung in Deutschland und China, sowie in den politischen Kreisen Chinas herrscht Einigkeit, wo die zentralen Probleme liegen. Ein Grundproblem ist die geringe staatliche Finanzierung der Berufsbildung und die unübersichtliche Bürokratie, die durch die regional unterschiedliche Aufteilung von Trägerschaft, Fachaufsicht und Kontrollfunktion entstanden ist. 61 Die Schließung, Privatisierung und Verkleinerung eines Großteils der Staatsunternehmen hat zur Entlassung unzähliger Arbeiter geführt. Trotzdem haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, geeignete Arbeitskräfte zu finden. 62 Moderne Produktionsformen verlangen von den Arbeitern mehr
Eigenverantwortlichkeit und Handlungskompetenz. Der Bedarf an unqualifizierten Arbeitskräften sinkt. 63 Von den Facharbeitern in der chinesischen Industrie sind nur 4% hochqualifiziert, 36% sind auf mittlerer und 60% auf Basisebene qualifiziert. In entwickelten Ländern sind dagegen 35% hochqualifiziert, 50% auf mittlerer und 15% auf unterer Ebene. 64 Die Arbeitsproduktivität eines chinesischen Arbeiters liegt weit unter der internationalen Konkurrenz. 65 Es herrscht ein Mangel an Fachkräften bei einem gleichzeitigen Überangebot unqualifizierter Arbeiter. 66 Diese Situation kann u.a. mit dem geringen Ansehen, das die Berufsbildung in der chinesischen Gesellschaft hat, begründet werden. Konfuzius betonte in seinen Lehren die Überlegenheit geistiger Arbeit gegenüber der körperlichen. 67 Eine Berufsausbildung wird von chinesischen Familien nur in Betracht gezogen, wenn keine anderen Bildungsoptionen bestehen. Die Folge ist, dass Berufsschüler tendenziell aus armen Familien kommen, schwache Leistungen erbringen und wenig Selbstwertgefühl haben. 68 Doch nicht nur Eltern und Schüler sehen die Arbeitgeber. 69 Berufsbildung als minderwertig an, oft auch die
61 Vgl. Aulig 2006, S. 89; Ziehm 2003, S. 222f.
62 Vgl. GTZ 2010, S. 5.
63 Vgl. Xu Shuo 2003, S.102ff.
64 Vgl. Jiang Jiali 2006, S. 365; GTZ 2010, S. 5.
65 Vgl. GTZ 2010, S. 5; Jiang Jiali 2006, S. 365.
66 Vgl. Schnarr et al. 2008, S. 12; Xu Shuo 2003, S. 36.
67 Vgl. Xu Shuo 2004, S. 78.
68 Vgl. Shich et al. 2008.
69 Vgl. GTZ 2010, S. 6f.
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Berufsschulabsolventen haben nur geringe
Hochschulabsolventen werden bevorzugt eingestellt und in vielen Städten gehört ein Bachelor-Abschluss zu den Voraussetzungen für die Aufenthaltsgenehmigung. 71
Das schlechte Ansehen der Berufsbildung liegt nicht zuletzt auch an Defiziten in der Lehre. Zu wenige, unzureichend qualifizierte Lehrer, die nach veralteten Curricula in Klassen mit bis zu 60 Schülern unterrichten. Es dominiert der Frontalunterricht. Die praktische Ausbildung wird vernachlässigt. 72 Die oben genannten Probleme können nicht ohne Auswirkungen für Wirtschaft und Gesellschaft bleiben. Deswegen wurde in der VRCh die Reform und Förderung der Berufsbildung zu einer politischen Priorität.
70 Vgl. Xu Ying 2009, S. 60.
71 Vgl. Shich et al. 2008.
72 Vgl. GTZ 2010, S. 6; Wang Jianchu 2007, S. 173; Xu Ying, S. 59.
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3.1.1. Zielvorgaben
Die Staatsratentscheidung greift das aus den Reformbeschlüssen von 1985 stammende Prinzip „Erst Ausbildung, dann Arbeit“ wieder auf. 73 Die Berufsbildung soll durch die Qualifizierung der Arbeiter einen Beitrag zur Entwicklung ländlicher Gebiete leisten. 74 Der Staatsrat legt fest, dass bis 2010 25 Mio. Schüler eine berufliche Ausbildung in der Sek.II abschließen und die Zahl der neu aufgenommenen Schüler 8 Mio. erreichen soll. Durch verschiedene Formen der Berufsbildung sollen jedes Jahr mehr als 100 Mio. Arbeiter qualifiziert werden. 75 Der Staatsrat fordert in seiner Entscheidung die Einrichtung von 2000 Trainingszentren für Schwerpunktfachgebiete. 76 Auf Kreisebene sollen mit staatlicher Unterstützung 1000 Berufsbildungszentren aufgebaut werden. Diese können u.a. zur Verbreitung der Sek.II, zum Transfer ländlicher Arbeitskräfte und zu technischen Fortbildungen genutzt werden. Des Weiteren sollen 1000 Modellberufsschulen gefördert werden. 77 Die Regierungen aller Ebenen müssen ihre Investitionen steigern und die lokalen Finanzbehörden Berufsbildungsfonds einrichten. 78 Ab 2006 müssen die Lokalregierungen mindestens 20% der städtischen Sondergebühren für Bildung 79 in die Berufsbildung investieren, in Gebieten, in denen die neunjährige Schulpflicht schon umgesetzt ist, mindestens 30%. Es müssen Standards für die Schulgebühren erlassen und die Ausgaben für die Berufsbildung besser überwacht werden. 80 Um vorhandene Ressourcen effizient zu nutzen, verlangt der Staatsrat, dass in jeder Stadt zuerst eine
73 Vgl. Koehne 2003, S.36; Staatsrat 2005, Nr.23.
74 Vgl. Staatsrat 2005, Nr.5.
75 Vgl. ebd., Nr.2.
76 Vgl. ebd., Nr. 9.
77 Vgl. ebd., Nr.14, 15.
78 Vgl. ebd., Nr. 25.
79 Es handelt sich um eine Art Bildungssteuer. Vgl. Li Donxue 2010, S. 148.
80 Vgl. Staatsrat 2005, Nr.26.
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Berufsschule schwerpunktmäßig gefördert und auf Kreisebene ein
Berufbildungszentrum der Sek.II mit Modellfunktion aufgebaut wird. 81 Bis 2010 sollen alle Schwerpunktberufsschulen der Sek.II ab der Provinzebene über die Voraussetzung zur Prüfung und Ausstellung beruflicher Eignungsnachweise verfügen. 82 Die Forderungen im 11. FJP und im Bildungsentwicklungsplan decken sich inhaltlich mit der Staatsratentscheidung. Darüber hinaus verlangt das ZK der KPCh im 11. FJP eine Steigerung der Bildungsinvestitionen auf 4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). 83 Das MoE fordert im Bildungsentwicklungsplan einen Anstieg der Schülerzahl in Berufsschulen der Sek.II auf 21 Mio. bis 2010. 84 Das bereits in der Staatsratentscheidung und im 11. FJP erwähnte Hilfssystem für Schüler aus armen Familien wird konkretisiert. 85
3.1.2. Initiativen und Umsetzung
Die Ausweitung der Berufsbildung dient der Entwicklung strukturschwacher Regionen. 86 Die Ziele betreffen den Ausbau der Infrastruktur, die Vergrößerung der Schülerzahl, die Erhöhung der Investitionen und das Erreichen einer größeren Bildungsgerechtigkeit durch ein staatliches Stipendiensystem.
Das Ministerium für Entwicklung und Reform, das MoE und das Ministerium für Arbeit und soziale Sicherheit (heute: MOHRSS) haben 2006 einen Plan zum Aufbau der Berufsbildungsbasis veröffentlicht. Der Plan sieht zwischen 2005 und 2010 zentralstaatliche Investitionen von insgesamt 6 Mrd. Renminbi (RMB) vor. Damit sollen ca. 1000 Berufsbildungszentren oder Berufsschulen auf Kreisebene und ca. 1000 Modellberufsschulen der Sek.II unterstützt werden. 87 Ende 2009 waren bereits 2158 Berufsbildungszentren und Modellberufsschulen mit staatlicher Unterstützung aufgebaut und die Zielvorgaben damit übererfüllt. 88 Die Ergebnisse
81 Vgl. Staatsrat 2005, Nr.13.
82 Vgl. ebd., Nr.9.
83 Vgl. ZK der KPCh, Kap.28.
84 Vgl. MoE 2007a, Kap.2.3. Nr.1
85 Vgl. ebd., Kap.3.9., Nr.2.
86 Vgl. MoE 2007a, Kap.3.3., Nr.1.
87 Vgl. MoE et al. 2006.
88 Vgl. Yan Binggan 2010, S. 34.
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der Umsetzung werden 2010 untersucht. 89 Im Rahmen des Programms zum Aufbau von beruflichen Trainingszentren wurden bis Ende 2009 1270 eingerichtet. 90 Es ist fraglich, ob das gesetzte Ziel von 2000 Trainingszentren bis 2010 noch erreicht werden kann. Auch hier sollen die Ergebnisse der Umsetzung zusammengefasst werden. 91
Die Zahl der neu aufgenommenen Schüler an Berufsschulen der Sek.II (Fachmittelschulen, Berufsmittelschulen, Facharbeiterschulen und Erwachsenen-Fachmittelschulen) überschreitet 2008 8 Mio.. 2009 werden 8,74 Mio. Schüler aufgenommen, erstmals mehr als in die allgemeine Mittelschulen der Oberstufe (8,3 Mio.). 2009 sind 21,78 Mio. Schüler in Berufsschulen der Sek.II eingeschrieben. 92 2006-2009 gab es rund 22 Mio. Absolventen. 93 Das Ziel 21 Mio. eingeschriebene Berufsschüler zu haben wurde erreicht, auch der Umfang der Absolventen kann sich bis 2010 noch auf die erwünschte Zahl (25 Mio.) steigern.
2008 investierte die VRCh 3,48% des BIP in die Bildung. Das ist zwar eine Steigerung im Vergleich zu den 3,22% von 2007, doch liegt China damit deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 4,9% im Jahr 2007. 94 Um 4% des BIP zu erreichen, müssten die Investitionen 2009 und 2010 weiter steigen. Der im Juli 2010 veröffentlichte „Plan für die mittel- und langfristige Entwicklung des Bildungswesens 2010-2020“ setzt 2012 als neue Frist für das Erreichen der 4%. 95 Damit wurde das Ziel bereits zum 3. Mal verschoben. 96 Die Ursachen für den verhältnismäßig niedrigen Anteil der Bildungsinvestitionen am BIP werden im schnellen Wachstum des BIP, den unzureichenden regionalen Investitionen und der fehlenden Transparenz bei der Nutzung der Gelder gesehen. 97 Die Investitionen in die Berufsbildung der Sek.II machten 2007 6,5% der staatlichen Gesamtinvestitionen in die Bildung aus. Die Investitionen in die Oberstufe der
89 Vgl. MoE 2010b, Nr.4.
90 Vgl. Yan Binggan 2010, S.34.
91 Vgl. MoE 2009b.
92 Vgl. China Staatliches Statistikamt 2010.
93 Vgl. China Statistisches Jahrbuch 2007b, 2008, 2009b; China Staatliches Statistikamt 2010.
94 Vgl. UNESCO 2009; Zhongguo Xinwen Wang 2009.
95 Vgl. Xinhuawang 2010.
96 Von 2000 auf 2007 und anschließend auf 2010. Vgl. Schucher 2008, S. 20.
97 Vgl. Xinhuawang 2010; Zhongguo Xinwen Wang 2009.
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Arbeit zitieren:
Isabelle Harbrecht, 2010, Die Förderung der Berufsbildung in der VR China seit 2005, unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-chinesischen Bildungskooperation, München, GRIN Verlag GmbH
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