Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 1
1. Einleitung. 2
2. Friedrich I. Barbarossa und Karl der Große 6
2.1 Der Kultakt vom 29. Dezember 1165. 6
2.2 Das Barbarossa-Privileg für die Stadt Aachen 11
2.3 Die Aachener Vita Karoli Magni. 16
2.4 Saint-Denis und Westminster in ihrer Vorbildfunktion
f ür Aachen 23
3. Politischer Kontext 27
3.1 Zur Politik Friedrich I. Barbarossas - ein kurzer Abriss 27
3.2 Papst Alexander III. und der kaiserliche
Gegenpapst Paschalis 30
3.3 Der Würzburger Hoftag zu Pfingsten 1165 33
3.4 Zum Herrschaftsverständnis Friedrich I. Barbarossas. 35
4. Mögliche Kritikpunkte an dem Kanonisationsverfahren.
Karls des Großen 38
4.1 Vorbemerkung 38
4.2 Was galt im Mittelalter als heilig? 41
4.3 Die besondere Entwicklung des
Heiligsprechungsverfahren im Mittelalter. 42
4.4 Besonderheiten bei der Kanonisation Karls des Großen 47
5. Otto III. und Karl der Große 52
5.1 Vorbemerkung 52
5.2 Graböffnung durch Otto III. 53
5.2.1 Vorgang der Graböffnung 53
5.2.2 Die Glaubwürdigkeit der Quellen. 57
5.3 Plante Kaiser Otto III. eine Heiligsprechung
Karl des Großen? 60
6. Zur politisch ideologisierten Figur Karls des Großen 65
6.1 Vorbemerkung 65
Leben und Wirken Karls des Großen des
6.2
ersten abendländische Kaisers 66
6.3 Karl der Große und Aachen 70
7. Die Intention Friedrich I. Barbarossas bezüglich
der Kanonisation Kaisers Karls des Großen. 76
7.1 Vorbemerkung 76
Karl der Große ein Reichsheiliger? 78
7.2
Die Kanonisation Karls des Großen ein Schlag
7.3
gegen Frankreich? 83
7.4 Der Barbarossaleuchter. 87
8. Karl der Große - ein unbekannter und/oder verkannter
Heiliger ? 92
9. Schlussbemerkung 99
Quellen - und Literaturverzeichnis 105
Verzeichnis der Quellen und Quelleneditionen. 105
Verzeichnis der Sekundärliteratur 107
Anhang 113
Abkürzungsverzeichnis
ebd. ebenda ed. ediert f. folgende ff. fortfolgende H. Heft hg. herausgegeben i.d.R. in der Regel Kap. Kapitel
MGH SS rer. Germ. Monumenta Germaniae Historica Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum MGH Monomenta Germanica Historica N. N. Nomen Nominandum Nr. Nummer S. Seite vgl. vergleiche zit. n. zitiert nach
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1. Einleitung
Am 28. Januar 814 starb Karl der Große, der „erste Kaiser des Abend-landes“ 1 , im Alter von knapp 66 Jahren während eines Winteraufenthaltes in Aachen. 2 Sein Ansehen war bereits zu seinen Lebzeiten sehr hoch. Dichter und Geschichtsschreiber seines Kaiserhofes priesen ihn wegen seiner Taten als „Vater Europas“. 3 Seine Zeitgenossen, die Päpste Hadrian I. und Leo III., gaben ihm den Titel eines „großen Königs“. Dieser Titel wurde dann auch verstärkt in der Schriftlichkeit und Urkunden benutzt, was dazu führte, dass Karl der Große in dem Epitaph als magnus et orthodoxus imperator bezeichnet wurde. 4 Der Glanz dieses Kaisers und seine Anziehungskraft auf Herrscher und Volk hatte über viele Jahrhunderte hinweg Bestand. Karl stellte für viele seiner mittelalterlichen Nachfolger ein großes Vorbild und für das Volk eine Identifikationsfigur dar. Am 29. Dezember 1165 ließ Friedrich I. Barbarossa Karl den Großen in Aachen heilig sprechen. Die vorliegende Untersuchung soll vor allem den Aspekt analysieren, welche Intentionen der Stauferkaiser mit dieser Kanonisation Karls des Großen verbunden hat. Hierbei sollen primär folgende Fragestellungen thematisiert werden:
Sind die Gründe für diesen von Barbarossa durchgeführten Kultakt in dessen Verehrung für den ersten Kaiser des Abend-landes zu suchen, oder ging es um gänzlich andere Aspekte? Hat hier vielmehr eine politische Instrumentalisierung der Herrscherfigur Kaiser Karls des Großen stattgefunden? Wie und in welchem Maße fügte sich die Kanonisation vom 29. Dezember 1165 in das Herrschaftsverständnis des Stauferkaisers?
In welchem Ausmaß und in welcher Form reflektierte diese Handlung die politische Situation und hier vor allem die Aus-einandersetzung zwischen Kaiser und Papst?
1 Vgl. Geith, K., Karl der Große, S. 87.
2 Vgl. Einhard, Vita Karoli Magni, S. 34 ff.
3 Vgl. Geith, K., Karl der Große, S. 87.
4 Vgl. Kerner, Max, Die Magie der Anfänge, S. 13.
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Der Vorgang der Kanonisation Karls des Großen wirft neben diesen grundlegenden Fragestellungen auch andere Problematiken auf, die es gilt, ebenfalls zu behandeln. Hier ist vor allem zu beachten, dass dieser Kultakt zeitlich parallel zu dem großen Konflikt zwischen Kaiser und Papst liegt, so dass es nicht verwundert, dass Friedrich bei der Kanonisation nicht mit dem rechtmäßigen Papst Alexander III., sondern dem kaiserlichen Gegenpapst Paschalis III zusammenwirkte. Außerdem erscheint ein nicht zu vernachlässigender Problempunkt darin zu liegen, ob das Leben und Wirken Karls des Großen überhaupt dessen Heiligsprechung rechtfertigen, geschweige denn legitimieren konnte.
Um diese Fragestellungen in einer wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Form und Weise beantworten zu können, ist die folgende Vorgehensweise beabsichtigt:
Der Einstieg in das Thema der vorliegenden Untersuchung soll direkt mit der Kanonisation Karls des Großen erfolgen. Neben den eigentlichen „Feierlichkeiten“ der Heiligsprechung sollen das am 8. Januar 1166 von Friedrich I. Barbarossa ausgestellte Privileg für die Stadt Aachen und das dazugehörige Marienstift intensiv analysiert werden, da in diesem Privileg die Kanonisation Karls des Großen verkündet wird. Um die Intention, die den Staufer hierbei geleitet hat, herauszuarbeiten, werden zwei weitere Beispiele von Heiligsprechungen, die in einem engen zeitlichen Zusammenhang zu den Vorgängen in Aachen stehen, herangezogen. Deren Relevanz für die vorliegende Untersuchung resultiert nicht zuletzt aus dem Umstand, dass dem Stauferkaiser sowohl die Erhebung des heiligen Dionysius in Saint-Denis im Jahr 1144 durch König Ludwig VII. von Frankreich als auch die Heiligsprechung Eduard des Bekenners vom 7. Februar 1161 in Westminster durch König Heinrich II. von England als Vorbild gedient haben durfte. 5
Nach der Kanonisation Karls des Großen ist im Auftrag Friedrich I. Barbarossas eine „neue“ Vita Karoli Magni in Aachen entstanden, die von den „wunderbaren Taten“ Karls des Großen berichtet, obwohl
5 Vgl. Engels, Odilo, Karl der Große und Aachen, S. 350.
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schon eine Vita Karoli Magni existierte, die der Hofbiograph Karls, Einhard, verfasst hatte. Da eine solche Neufassung des Lebens Karls des Großen von Friedrich Barbarossa nicht ohne Grund und Hintergedanken in Auftrag gegeben worden ist, ist davon auszugehen, dass die Beschäftigung mit den Kernaussagen dieses Werkes eine nicht zu unterschätzende Interpretationshilfe für die Vorgänge und Intentionen der Kanonisierung sein kann. In diesem Zusammenhang stehen vor allem das kaiserliche Herrschaftsverständnis und die politischen Probleme im Fokus, mit denen sich der Kaiser konfrontiert gesehen hat. Nicht von ungefähr hatte sich Friedrich kurze Zeit vorher gezwungen gesehen, auf dem Würzburger Hoftag den dort beteiligten Anwesenden den Eid abzuverlangen, wodurch dieser Hoftag ebenfalls eine gewisse Bedeutung für diese Thematik besitzt. In den anschließenden Ausführungen soll eine kritische Analyse der Heiligsprechung selbst in Hinblick auf deren Rechtfertigung und Legitimation vorgenommen werden. In diesem Zusammenhang erscheint es notwendig, sich mit den mittelalterlichen Vorstellungen, Konventionen und Riten unter folgenden Fragestellungen auseinanderzusetzen: Welche Voraussetzungen mussten erfüllt sein, damit eine Heiligsprechung legitimiert erschien? Was galt als heilig?
Wie sah das Kanonisationsverfahren zu dieser Zeit vor allem unter rechtlichen und liturgischen Aspekten aus? Eine möglichst weitgehende Beantwortung dieser Fragen soll es ermöglichen, eine Einordnung dieser Handlung im Kontext der teilweise geäußerten Kritik an der Kanonisation vornehmen zu können. 6 Mit der Heiligsprechung hat die Verehrung Karls des Großen ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden, jedoch war Friedrich I. Barbarossa nicht der erste Kaiser, der sich intensiv mit Karl dem Großen beschäftigt, ja dessen Person, Wirken und fast schon Mythos instrumentalisiert hat. Kaiser Otto III. hatte zum Pfingstfest des Jahres 1000 im Anschluss an seine Gnesenreise ins Piastenreich das Karlsgrab in der
6 Vgl. Pauls, Emil, Die Heiligsprechung Karls des Großen, S. 335.
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Aachener Marienkirche öffnen lassen. 7 Mit Hilfe der Interpretation der entsprechenden Quellen soll versucht werden, die Frage zu beant-worten, ob auch Otto III. - 165 Jahre vor dem Stauferkaiser - eine Heiligsprechung des ersten abendländischen Kaisers geplant haben könnte, jedoch dieses Ziel letztlich aufgrund seines frühen Todes im Jahre 1002 nicht hatte realisieren können. Es stellt sich also die Frage, was für eine Persönlichkeit Karl der Große darstellte und welche Symbolik, ja welchen Mythos er repräsentierte. Hieraus kann dann gefolgert werden, was ihn für die ihm nachfolgenden Kaiser der unterschiedlichen Geschlechter so bedeutsam machte. In diesem Zusammenhang soll vor allem auf Karl den Großen als Herrscherfigur eingegangen werden.
Daneben soll auch das Verhältnis des Kaiser zu der Stadt Aachen thematisiert werden. Dieses Verhältnis wird nicht zuletzt durch das angeblich vom Kaiser verfasste Karlsdekret für die Stadt, bei dem es sich um eine Fälschung handelt, aufgezeigt. Hier erscheint es mir von nicht zu unterschätzender Bedeutung, dass in dem Barbarossaprivileg für die Stadt Aachen der Stauferkaiser nicht nur das alte Karlsdekret eingegliedert, sondern noch einmal ausdrücklich bestätigt hat. 8 Nach einer intensiven Beschäftigung mit diesem Themenkomplex stellt sich abschließend die Frage nach der Stellung Karls des Großen als einem Heiligen. Handelt es sich bei dem Kaiser um eine Person, die durch seine großen Taten in den Kanon der Heiligen aufgestiegen ist oder ist Karl der Große lediglich eine Figur oder stellt er sogar ein politisch instrumentalisiertes Konstrukt dar, das von seinen Nachfahren - vor allem von Otto III. und besonders Friedrich I. Barbarossaideologisiert wurde, unter Berufung auf dessen Heiligkeit, die sich nach mittelalterlichem Verständnis auch auf seine Nachfahren übertragen sollte, ihre politischen Ziele zu verwirklichen und auf nahezu allen Bereichen zu legitimieren? Handelt es sich bei Karl dem Großen vielleicht um einen verkannten Heiligen? Eine Diskussion dieser The- 7 Vgl. Kerner, Max, Karl der Große, ein Mythos wird entschleiert, S. 97 ff.
8 Vgl. Engels, Odilo, Karl der Große und Aachen, S. 348.
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sen erscheint mir notwendig, um sich ein abschließendes Urteil über die Kanonisation bilden zu können.
2. Friedrich I. Barbarossa und Karl der Große
2.1 Der Kultakt vom 29. Dezember 1165
Am 29. Dezember 1165 wurden die Heiligsprechung, die Elevation sowie die Translation 9 Kaiser Karls des Großen durchgeführt. Dieser Tag war zudem der Tag, an dem das kirchliche Fest des König Davids begangen wurde, der - als Gesalbter des Herren und als der Stammvater Christi - ein Vorbild für die Verehrung schlechthin symbolisierte. 10 Karl der Große hatte sich bereits mit diesem biblischen Idealkönig identifiziert. 11 Dieser von Friedrich I. Barbarossa ausgewählte Sonntag, im Kirchenkalender Laetare 12 , besitzt noch eine weitere, nicht zu vernachlässigende Bedeutung, da er zugleich auch Krönungstag des staufischen Kaisers gewesen ist. 13
Die Quellenlage bezüglich dieses Ereignisses ist als eher spärlich anzusehen. Es erscheint als merkwürdig, dass kein eigenständiger Bericht überliefert ist, der die Intention der Verbreitung dieser Heiligsprechung besitzt. Über den Verlauf, sowie die bei diesem Kanonisationsakt anwesenden Personen gibt vor allem ein bedeutendes diplomatisches Zeugnis Auskunft: das Barbarossaprivileg für die Stadt Aachen vom 8. Januar 1166, in dem die Heiligsprechung Karls des Gro-
9 Bei dem Akt der Elevation und Translation handelt es sich um die Überführung der Gebeine eines als heilig verehrten Verstorbenen von seiner bisherigen Grablage an einen herausragenden und für die Zelebrierung der Messe besonders geeigneten Ort. Vgl. Sieger, M., Die Heiligsprechung, S. 34.
10 Vgl. Engels, O., Karl der Große und Aachen im 12. Jahrhundert, S. 348.
11 Vgl. Lohrmann, D., Politische Instrumentalisierung, S. 104.
12 Der Sonntag Laetare ist der nach dem Anfangswort des Introitus in der katholischen Liturgie benannte 4. Fastensonntag oder der 3. Sonntag vor Ostern. Er steht in der Mitte der Fastenzeit und wird als fröhlicher und tröstlicher als die übrige Fastenzeit definiert. Vgl. N.N. : Lätare, in : http://lexikon.calsky.com/de/txt/l/la/la_tare.php., letzter Zugriff 23.09.2006.
13 Vgl. Vones, L., Heiligsprechung und Tradition, S. 89.
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ßen bekannt gegeben wird. 14 Aus diesem Privileg können jedoch keine detaillierten Erkenntnisse über die genuin liturgischen Vorgänge der Zeremonie gewonnen werden, obwohl gerade in Bezug hierauf ein solcher Akt, der eine hochgradige Symbolik manifestiert, doch besondere liturgische Vorkehrungen hätte implizieren müssen. Auch über die Personen, die an diesem Kultakt teilgenommen haben, gibt das Barbarossaprivileg lediglich rudimentär Auskunft:
Inde est, quod nos gloriosis factis et meritis tam sanctissimi imperatoris Karoli confidenter animati et sedula peticione karissimi amici nostri Heinrici illustris regis Anglie inducti, assensu et auctoritate domini pape Paschalis et ex consilio principum universorum tam secularium quam ecclesiasticorum pro relevatione et exaltatione atque canonizatione sanctissimi corporis eius sollempnem curiam in natali domini apud Aquis Granum celebravimus, ubi corpus eius sanctissimum pro timore hostis exteri vel inimici familiaris caute reconditum, sed divina revelatione manifestatum as laudem et gloriam nominis Christi et ad corroborationem Romani imperii et salutem dilecte con-sortis nostre Beatricis imperatricis et filiorum nostrorum Frederici et Heinrici cum magna frequentia principum et copiosa multitudine cleri et populi in ymnis et cancticis spiritalibus cum timore et reverentia elevavimus et exaltavimus IIII kal. ianuarii. 15
Der Narratio des Barbarossaprivilegs für die Stadt Aachen ist zu entnehmen, dass viele weltliche und geistliche „Größen“ des Reiches bei dem Akt der Heiligsprechung zugegen gewesen sind. Daneben habe der engste Familienkreis des Kaisers - Kaiserin Beatrix und die Söhne Friedrich und Heinrich - teilgenommen. Welche Persönlichkeiten genau an der Durchführung des liturgischen Kultaktes beteiligt waren, verrät diese Quelle nicht. Es wird lediglich betont, dass die Kanonisation Karls des Großen auf Bitten König Heinrichs II. von England, auf Rat „aller“ weltlichen und geistlichen Fürsten des Reiches und mit der Erlaubnis des kaiserlichen Gegenpapstes Paschalis III. vollzogen worden sei.
14 Vgl. Vones, L., Heiligsprechung und Tradition, 89.
15 MGH Friderici I. Diplomata 10. 2., S. 432 ff.
7
Als Begründung für die Heiligsprechung führt die Narratio des Barbarossaprivilegs die „ruhmreichen Taten und Verdienste des allerheiligsten Kaisers Karl“ an. In Anwesenheit aller Fürsten und zahlreicher Laien seien während des Weihnachtsfestes und im Kontext eines feierlichen Hoftages unter Hymnen und feierlichen Gesängen die heiligen Gebeine, die aus Furcht vor äußeren und inneren Feinden sorgfältig im Verborgenen gelegen hätten und deren Auffindung nur auf-grund einer göttlichen Offenbarung habe geschehen können, mit Furcht und Ehrerbietung am 29. Dezember 1165 rituell geborgen worden.
Zieht man jedoch andere Quellen, die sich im selben zeitlichen Rahmen bewegen, wie die Nachrichten der Kölner Königschronik (um 1170/1175), die Annalen von Cambrai (um 1170), die Chronik des Geoffroi von Breuil (ca.1183/1184), die von Erich Meuthen bearbeiteten Aachener Urkunden (1101- 1250) 16 , das Diplom für die burgundische Abtei Bonne-Espérance sowie die für die Bürger von Duisburg existierenden Zeugenlisten hinzu, kann der Kreis der an der Kanonisation teilnehmenden Personen konkretisiert werden. 17 Hierbei handelt es sich laut Ludwig Vones, der sich ausführlich mit diesem Aspekt beschäftigt hat, um den Erzkanzler und Erzbischofselekten Christian von Mainz, den Erzbischof Rainald von Dassel als dem Metropoliten von Köln, der ein enger Vertrauter und Berater des Kaisers war und ebenso das Amt des Reichskanzlers inne hatte, 18 um die Bischöfe von Lüttich, Paderborn, Minden, Utrecht und Cambrai sowie um die niederlothringischen Herzöge und Grafen, die dem Umfeld der Kaiserin Beatrix zuzuordnen seien. Graf Philipp von Flandern habe bei dieser Gelegenheit ein Freundschaftsbündnis mit der Kaiserin abgeschlossen. 19
In der historischen Forschung wird überwiegend die Meinung vertreten, dass Papst Paschalis III. mit großer Wahrscheinlichkeit den Akt der Heiligsprechung auf den Kölner Erzbischof Rainald von Dassel
16 Vgl. Petersohn, J., Kaisertum und Kultakt in der Stauferzeit, S. 110.
17 Vgl. Vones, L., Heiligsprechung und Tradition, S. 92.
18 Vgl. Lohrmann, D., Politische Instrumentalisierung, S. 101.
19 Vgl. Vones, L., Heiligsprechung und Tradition S. 92.
8
und den Bischof Alexander von Lüttich übertragen habe. 20 Aus diesen Quellen geht zudem hervor, dass Friedrich I. Barbarossa eine entscheidende Rolle bei dem eigentlichen Kanonisationsakt gespielt habe. Die Quellen bestätigen, dass der Stauferkaiser mit „eigenen Händen“ die sterblichen Überreste Karls des Großen aus dem bisherigen Sarkophag erhoben und in ein neues Reliquiar übergetragen habe. 21 Friedrich I. Barbarossa hat auch vor und nach der Karlstranslation an der Übertragung von Heiligenreliquien mitgewirkt. So war er zwei Jahre zuvor, im Jahre 1163, an der Überführung der Gebeine des heiligen Bassianus aus Alt-Lodi in die Kathedrale der sieben Kilometer entfernt errichteten neuen Stadt persönlich beteiligt. Ebenso hat er an der im Jahre 1187 erfolgten Translation der Reliquien des heiligen Ulrichs in die neu erbaute Klosterkirche St. Ulrich und Afra in Augsburg mitgewirkt.
Ein solches Verhalten erscheint, berücksichtigt man, dass es sich hierbei um einen Brauch handelte, der sich bereits in der Spätantike nachweisen lässt und dann im Frankenreich bis in die Merowingerzeit hinein praktiziert worden ist, nicht unbedingt als ungewöhnlich. 22 Ein solches Handeln des Kaisers erscheint vielmehr als ein symbolischer Akt, durch den die Verehrung des Stauferkaisers für Karl den Großen besonders deutlich zum Ausdruck gebracht wird. Hierdurch wird nicht nur die Bedeutung des ersten abendländischen Kaisers für Barbarossa versinnbildlicht, sondern es wird zudem auch öffentlich eine persönliche Verbundenheit zu Karl dem Großen demonstriert, da der Kaiser als Hauptbeteiligter fungiert. Allein durch diesen Umstand findet bereits eine gewisse Instrumentalisierung des neuen Heiligen für die Belange Friedrich I. Barbarossas statt. Durch die Suche nach Heiligengräbern und deren Öffnung sowie durch die Prozession von Reliquienschreinen bis hin zu dem feierlichen Akt des Verschließens von Reliquiaren manifestiert der ausführende weltliche Herrscher nicht nur sein „ausgeprägtes Nahverhält- 20 Vgl. Petersohn, J., Kaisertum und Kultakt in der Stauferzeit S. 108.
21 Vgl. Meuthen, E., Aachener Urkunden 1101 - 1250, S. 118 ff.
22 Vgl. Petersohn, J., Kaisertum und Kultakt in der Stauferzeit, S. 110.
9
nis“ 23 zu den „Gebeinen des Heiligen“. Vielmehr wird durch diese Handlungen auch eine weitere Erhöhung des Handelnden gegenüber seinen Untertanen manifestiert. Durch die Nähe zu dem Heiligen und die persönliche Beteiligung an den die Kanonisationen repräsentierenden Kultakten signalisiert der weltliche Herrscher nicht nur seine Demut, sondern nicht zuletzt auch seine Kompetenz bezüglich der Befugnisse, die über den weltlichen Rahmen seines Herrscheramtes hinausreichen und in geistlich konnotierte Bereiche hineinreichen können. Allerdings fällt das persönliche Mitwirken des Herrschers von Natur aus nicht in den Bereich der „Königsgeschäfte“ In dem Moment, in dem sich ein weltlicher Herrscher an einer solchen Zeremonie beteiligt, „degradiert“ er sich selbst zu einem Diener, da er im Verhältnis zu dem Heiligen, der ja von Gott ausgewählt worden ist, in „voller Demut“ handelt. Aus diesem Grund ist es nach mittelalterlichen Verständnis eine Notwenigkeit, dass der Herrscher für diesen Moment seinen äußeren Habitus verändern muss - symbolisiert durch das Ablegen der kaiserlichen Gewänder und der Insignien bei der Durchführung des Kultaktes, da humiliatio und exaltatio des Königs oder Kaisers im herrschaftlich theologischen Verständnis des Mittelalters besonders eng zusammen gehören. Der Herrscher, der sich vor Gott demütigt und Verhaltensweisen annimmt, die nicht zu dem passen, was er in dem Bereich seines weltlichen Herrscheramtes zeigt, legitimiert auf diese Weise seinen erworbenen Sonderstatus und kann durch diese demütige Haltung gegenüber dem Heiligen Ansprüche auf dessen besondere Hilfeleistungen anmelden.
Friedrich I. Barbarossa beanspruchte durch sein Mitwirken aber nicht nur die Hilfe der Heiligen zur Befriedigung seiner spirituellen Bedürfnisse. Darüber hinaus wird ein weiterer politischer Aspekt deutlich, indem er durch seine direkte Beteiligung die Tradition des Herrscherverhaltens bei den Reliquientranslationen der Spätantike und Karolingerzeit erneuerte. 24 Durch diese Akte versuchte sich der Staufer in eine direkte Linie zu seinen großen Vorbildern zu stellen. An seiner
23 Vgl. hierzu und den weiteren Ausführungen Petersohn, J., Kaisertum und Kultakt in der Stauferzeit, S. 119 f.
24 Vgl. Petersohn, J., Kaisertum und Kultakt in der Stauferzeit, S. 109.
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persönlichen Beteiligung an dem Aachener Kultakt vom 1165 werden bereits die Motive deutlich, die Friedrich zur Heiligsprechung veranlasst haben. Hierbei treten eindeutig die rein spirituellen Aspekte und die persönliche Verehrung Friedrich I. Barbarossas für Karl den Großen in den Hintergrund. Die wahre Intention, die der Stauferkaiser verfolgt haben dürfte, wird deutlicher, wenn man die Heiligsprechung in den Kontext der übrigen politischen Handlungsweisen stellt. In diesem Zusammenhang soll zunächst das am 8. Januar 1166 im Kontext der Kanonisation ausgestellte Barbarossaprivileg für die Stadt Aachen analysiert werden.
2.2 Das Barbarossa-Privileg für die Stadt Aachen
Am 8. Januar 1166 wurde die Heiligsprechung Kaiser Karls des Großen in dem so genannten „Barbarossaprivileg“ für die Stadt Aachen bekannt gegeben. Die Urkunde ist als Transsumt Kaiser Friedrichs II. von 1244 überliefert und befindet sich heute noch im Aachener Stadtarchiv. Die Urkunde ist außerdem abschriftlich in einer Londoner Handschrift des British Museum - zusammen mit den deutschen Krö-nungsordines - sowie im Chronicon Heinrichs von Herford (1355) überliefert. Sie ist auch Bestandteil der Aachener Vita Karoli Magni. Ein weitere Abschrift ist zudem in einer Bonner Handschrift erhalten, das im Jahre 1916 als verschollen geltendes Manuskript wieder aufgetaucht ist. Der Urkundeninhalt wird in der historischen Forschung als echt angesehen. 25 Bei diesem Schriftstück handelt es sich um die einzige urkundliche Überlieferung, die im Rahmen dieses Kultaktes ent-standen ist. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass es nachvollziehbare Gründe dafür gegeben haben muss, warum die Verlautbarung der Heiligsprechung Karls des Großen gerade in dieses Privileg integriert worden ist. 26 Die hiermit verbundenen Überlegungen werden teilweise bereits bei der Analyse der chronologisch geordneten Aspekte dieser Urkunde
25 Vgl. Kerner, M., Heiligsprechung Karls des Großen, S.258.
26 Vgl. Meuthen, E., Karl der Große, S.54.
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deutlich. Das Barbarossaprivileg wird mit dem so genannten „Karlsdekret“ eingeleitet, dass einfach übernommen wurde. 27 Die Urkunde berichtet im Anschluss daran zunächst, in welcher Verbindung Friedrich I. Barbarossa zu dem heilig gesprochenen Kaiser steht, und versucht, die Kanonisation durch die berichteten „Wundertaten“ Karls des Großen zu legitimieren:
In nomine sancte et individue trinitatis. Fredericus divina favente clementia Romanorum imperator et semper augustus. Ex quo primitus divina ordinante clementia imperii Romani fastigia gubernanda suscepimus, voluntatis nostre atque propositi summum desiderium fuit, ut divos reges et imperatores, qui nos precesserunt, precipue maximum et gloriosum imperatorem Karolum quasi formam vivendi atque subditos regendi sequeremur et sequendo pre oculis semper haberemus, ad cuius imitationem ius ecclesiarum, statum rei publice incolumem et legum integritatem per totum imperium nostrum servaremus. Ipse enim tota cordis intentione ad eterne vite premia anhelans ad dilatandam gloriam christiani nominis et cultum divine religionis propagandum, quot episcopatus constituerit, quot abbatias, quot ecclesias a fundamento erexerit, quantis prediis ac beneficiis illas ditaverit, quantarum largitate elemosinarum non solum in cismarinis, sed etiam in transmarinis partibus resplenduerit, ipsa eius opera et gestorum volumina, que plurima et maxima sunt fide oculata, plenius declarant. In fide quoque Christi dilatanda et in conversione gentis barbarice fortis athleta fuit et verus apostolus, sicut Saxiona et Fresonia atque Westphalia, Hispani quoque testantur et Wandali, quos ad fidem catholicam verbo convertit et gladio. Licet etiam ipsius animam gladius non pertransierit, diversarum tamen passionum tribulatio et periculosa certamina et voluntas moriendi cotidiana pro convertendis incredulis eum martyrem fecit. Nunc vero electum et sanctissimum con-fessorem eum fatemur et veneramur in terris, quem in sancta conversatione vixisse et pura confessione et vera penitencia ad deum migrasseet inter sanctos confessores sanctum confessorem et verum confessorem credimus coronatum in celis. 28
27 Eine intensive Analyse dieses Bestandteils wird an anderer Stelle erfolgen. Vgl. unten, Kap. 7.3
28 MGH Friderici I. Diplomata 10. 2, S. 432.
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Hier werden einleitend die Verdienste des ersten abendländischen Kaisers für den christlichen Glauben und für die Kirche herausgestellt. Da Karl der Große nicht als ein Märtyrer gestorben ist, ein Umstand der seine Heiligsprechung nach mittelalterlichem Verständnis sofort legitimieren würde, 29 wird er in dieser Urkunde zu einem „Bekenner“ stilisiert, der sich durch die Bekehrung der Barbaren als Apostel erwiesen habe. Dieses stetige Bemühen habe ihn zu einem Märtyrer werden lassen. Dies sei der Grund, dass er nun als heiliger Bekenner im Himmel verweile.
Nachdem in dem Privileg die Gründe für die Kanonisation dargelegt worden sind, wird die Bergung der Gebeine Karls des Großen in Aachen thematisiert. Diese Bergung habe nur mit Hilfe einer göttlichen Offenbarung vollzogen werden können, da die Gebeine des großen Kaisers aus Angst vor äußeren und inneren Feinden sorgfältig verborgen gewesen seien. Friedrich I. Barbarossa wolle sich zwar sämtliche seiner Vorgänger zum Vorbild nehmen, besonders gelte dies aber für Karl den Großen, den Friedrich als „allerheiligsten Kaiser“ bezeichnet.
Der Umstand, dass die Lage des Grabes angeblich in Vergessenheit geraten sei, ist auf zwei wahrscheinliche Gründe zurückzuführen. Einerseits ist es möglich, dass tatsächlich die Lage des Grabes Karls des Großen in Vergessenheit geraten ist. Hiergegen spricht jedoch die seit dessen Tod anhaltende Verehrung für diesen Kaiser. Es erscheint daher wesentlich wahrscheinlicher, dass es sich hierbei um einen Topos handelt, da die Auffindung der Gräber von Heiligen allgemein eine Vision voraussetzt. 30 Es ist also in diesem Zusammenhang eher von der Eingliederung eines Stilmittels auszugehen, da durch die Vision noch einmal explizit die Heiligkeit, die Karl den Großen auszeichnet, zum Ausdruck gebracht werden soll. Nach der urkundlichen Bestätigung der Heiligkeit Karls des Großen scheint es für Barbarossa nur natürlich, dass nun ein Teil der Heiligkeit des großen Herrschers auf ihn übergeht, da die von der Amtsweihe ausgehende Heiligkeit sich
29 Vgl. Angenendt, A., Heilige und Reliquien, S. 35 f.
30 Vgl. Engels, O., Des Reiches heiliger Gründer, S. 41.
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mit der erblichen Geblütsheiligkeit verbunden hat, die durch die Heiligsprechung eines Vorfahrens nicht nur bestätigt, sondern sogar noch gesteigert worden ist. 31
Ein weiterer wichtiger Aspekt besteht nämlich darin, dass Friedrich I. Barbarossa sich als ein blutsmäßiger Nachfahre Karls des Großen definieren konnte. Da die Hohenstaufen durch die Heirat Herzogs Friedrich von Schwaben mit Agnes, der Tochter Heinrichs IV. von den Saliern abstammten, die wiederum durch die Heirat Konrad II. mit Gisela von Burgund, der Nichte Rudolfs III., von den Karolingern abstammten, konnte sich Barbarossa auf die blutsmäßige Nachfolge Karls berufen. 32 Nicht zuletzt deshalb konnte sich Friedrich in diesem Privileg als ein neuer Karl der Große definieren. 33 Über den feierlichen Akt wird, wie bereits angesprochen, nur rudimentär berichtet. Es wird lediglich davon gesprochen, dass die Bergung auf Bitte König Heinrichs II. von England mit Vollmacht des Papstes Paschalis III. und auf Rat der Fürsten zu der Kanonisation Karls des Großen durchgeführt worden sei. 34 Nun ist das Barbarossaprivileg aber nicht genuin als eine Heiligspre-chungsurkunde zu verstehen, die auf eine Etablierung und Verbreitung des Karlskultes abzielen soll. Die Veröffentlichung der Heiligsprechung nimmt nur einen geringen Teil der Urkunde ein. Das Privileg Barbarossas hat die Funktion, ein ihm inseriertes, unechtes Privileg Karls des Großen für die Stadt Aachen zu bestätigen: das so genannte
31 Vgl. Meuthen, E., Karl der Große, S. 63.
32 Vgl. Sieger, A., Probleme um die Kanonisierung Karls des Großen, S. 648.
33 Vgl. Meuthen, E., Karl der Große, S. 63.
34 Inde est,quod nos gloriosis factis et meritis tam sanctissimi imperatoris Karoli confidenter animati et sedula peticione karissimi amici nostri Heinrici illustris regis Anglie inducti assensu et auctoritate domini pape Paschalis et ex consilio principum unversorum tam secularium quam ecclesia-ticorum pro relevatione et exaltatione atque canonizatione sanctissimi cor-poris eius sollempnem curiam in natali domini apud Aquisgranum celebravimus, ubi corpus eius sanctissimum pro timore hostis exteri vel inimici familiaris caute reconditum, sed divina revelatione manifestatum as laudem et gloriam nominis Christi et ad corroborationem Romani imperii et salutem dilecte consortis nostre Beatricis imperatricis et filiorum nostrorum Frederici et Heinrici cum magna frequentia principum et copiosa multitudine cleri et populi in ymnis et cancticis spiritalibus cum timore et reverentia elevavimus et exaltavimus IIII kal. ianuarii, MGH Friderici I. Diplomata 10. 2, S. 432 ff.
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Karlsdekret, das eindeutig als Fälschung angesehen wird. 35 Das Karlsdekret nimmt den größten Textteil des Barbarossaprivilegs ein. Ein Teil der Forschung bringt die Entstehung des Karlsdekrets in einen direkten Zusammenhang mit der Heiligsprechung Karls des Großen 1165/1166. Das Karls- und das Barbarossaprivileg für die Stadt Aachen erscheinen auf den ersten Blick als ein „echtes Zeugnis der kaiserlichen Kanzlei aus einem Guss.“ Trotzdem werden sie schon auf-grund ihrer stilistischen Unterschiede verschiedenen Verfassern zugeschrieben. 36 Im Mittelpunkt beider Schriften steht die Stadt Aachen, wobei fünf Motive in beiden Urkunden besonders betont werden: 1. Die antike Tradition des Ortes,
2. die Gründung der Stadt Aachen als Sitz und Haupt des Reiches durch Karl den Großen, 37
3. die einzigartige Auszeichnung der Stadt durch die Präsenz ihres heiligen Gründers,
4. Aachens verfassungsrechtliche Bedeutung für das Königtum und das Reich sowie
5. die zu bestätigenden Rechts- und Handelsfreiheiten der Stadt Aachen.
Betrachtet man diese Aspekte, wird die Intention dieses Diploms deutlich: Die Stadt Aachen soll Hauptstadt des Reiches werden. Das Karlsdekret wird inseriert, um sich als Gründungsurkunde der Stadt Aachen mit einer Verleihung von besonderen Hauptstadtrechten, durch den mittlerweile heilig gesprochenen Kaiser Karl dem Großen zu erweisen. 38 Die Privilegierung der Aachener Kleriker und Laien vollzieht sich formal durch die wörtliche Übernahme des Karlsdekrets, das daneben auch den Kern des Barbarossaprivilegs bildet. Der Text Barbarossas berichtet von der Heiligsprechung Karls des Großen und von der Bestätigung des Karlsprivileg und umschließt den Kern
35 Vgl. Meuthen, E., Karl der Große, S. 54.
36 Vgl. ebd., S. 57.
37 ut in templo eodem regia sedes locaretur et locus regalis et caput Gallie trans Alpes haberetur ac in ipsa sedes regnes successores et heredes regni iniciarentur et sic iniciati iure dehinc imperatoriam maiestatem Rome,sine ulla interdictione planius assequerentur. Zit. n. Meuthen, Erich, Aachener Urkunden 1101-1250, S. 115.
38 Vgl. Meuthen, E., Karl der Große, S. 61.
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der Urkunde. 39 Anschließend an den Karlstext konkretisiert der Stauferkaiser noch einmal einen Teil des Karlsprivilegs, in dem er der Stadt Aachen, der „Zierde des Römischen Reiches und des Hauptes des deutschen Königtums“ alle Freiheiten und Rechte, die ihr Kaiser Karl der Große in seinem Privileg verliehen hatte, noch einmal rechtskräftig bestätigt. Friedrich I. Barbarossa hat am 8. und 9. Januar 1166 je ein weiteres Diplom ausgestellt.
Eine Urkunde bestätigt den Kanonikern des Marienstiftes Einkünfte, die ihnen von ihren Pröpsten zugewiesen worden seien. Die andere Urkunde gewährt der Stadt Aachen die Abhaltung zweier Jahrmärkte mit voller Zollfreiheit für die Kaufleute. Außerdem gewährt sie das Recht der Münzprägung in Aachen. Die Begründung für diese Privilegien liegt darin, dass Aachen, der Grabstätte Karls des Großen und Krönungsstätte der deutschen Könige, angemessene Rechte zugesichert werden sollen.
Odilo Engels hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass diese Aufteilung der Aspekte auf drei unterschiedliche Urkunden nicht zufällig geschehen ist:
Der Karlstext aus dem Barbarossaprivileg richtet sich auf die Vergangenheit: Karl der Große habe die Stadt Aachen zu dem gemacht, was sie heute ist.
Die beiden anderen Urkunden sind in ihrer Gesamtheit auf die Zukunft der Stadt gerichtet und sollen für einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung sorgen.
2.3 Die Aachener Vita Karoli Magni
Kurz nach der Kanonisation Karls des Großen wurde - wahrscheinlich von einem Aachener Kanoniker - ein ausführliches Lebensbild des Kaisers verfasst. 40 Der Entstehungszeitpunkt lässt sich etwa auf die Jahre 1169/1170 datieren. Gesichert ist der 28. Dezember 1165 als
39 Vgl. hierzu und den übrigen Ausführungen Engels, O., Karl der Große und Aachen, S. 349.
40 Vgl. Engels, O., Karl der Große, S. 353.
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terminus post quem, da aus dem Einleitungskapitel des ersten Buches und dem letzten Kapitel des dritten Buches hervorgeht, dass die Kanonisation Karls des Großen schon erfolgt ist. Der terminus ante quem lässt sich auf einen Zeitpunkt kurz nach 1179 datieren, da eine der Abschriften nicht später entstanden sein kann. Eine genaue Datierung ist bis jetzt aber noch nicht möglich.
Diese Vita ist heute in 34, teilweise auch unvollständigen Textzeugen überliefert, wobei sich der Urtext nicht erhalten zu haben scheint. 41 Da das Autograph nicht mehr vorhanden ist, fehlt auch der ursprüngliche Titel. In den Abschriften befinden sich folgende Bezeichnungen: De sanctitate merittorum et gloria miraculorum beati karoli magni ad honorem et laudem nominis dei, Vita sancti karoli magni gloriosi im-peratoris oder Vita sancti karoli und Liber de sanctitate beati karoli magnis imperatoris. 42
Die Vita ist in drei Bücher zu je 18, 24 und 19 Kapiteln unterteilt. 43 Das erste Buch umfasst eine Charakterisierung Karls, die Verdienste um die Kirche und seine durch Gott begründete Auserwählung. 44 24 Kapitel des zweiten Buches sind mit der so genannten Descriptio identisch. 45
Das dritte Buch enthält unter anderem sieben Kapitel der verkürzten Version des Pseudo-Turpin und daneben elf weitere Kapitel, welche die Wunder beschreiben, die nach Karls Tod und seiner Kanonisation geschehen seien sollen.
Der Autor bezieht sich also auf mehrere, unterschiedliche Quellen. Teilweise übernimmt er diese wörtlich oder sinngemäß und verbindet diese Teile lediglich miteinander. Andere Teile, wie beispielsweise die Einleitung scheinen aus seiner Feder zu stammen. Die selbstverfassten Abschnitte sind sofort zu erkennen, da sie erheblich mit Bibelzitaten
41 Vgl. Müller, S., Defensor et Patronus Ecclesiae, S. 277.
42 Zit. n. Müller, S., Defensor et Patronus Ecclesiae, S. 277; Kerner, M., Karl der Große, S. 124.
43 Vgl. ebd., S. 277.
44 Vgl. ebd., S. 277.
45 Auf die Descriptio soll im weiteren Verlauf dieses Kapitels noch näher eingegangen werden.
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durchsetzt sind und einen sehr konstruierten und manierierten Sprachstil aufweisen. 46
Die Aachener Vita Karoli Magni entstand im Auftrag von Friedrich I. Barbarossa. 47 Eine simple Beschreibung des Lebens und Wirkens Karls des Großen kann jedoch nicht das primäre oder sogar einzige Ziel gewesen sein, das der Stauferkaiser mit diesem Auftrag verfolgt haben kann. Eine solche Intention des Staufers erscheint allein schon deshalb als unwahrscheinlich, da bereits eine Vita Karoli Magni existierte, die Einhard, der Hofbiograph Karls des Großen, knapp drei Jahrhunderte vorher, verfasst hatte. 48 Betrachtet man den Inhalt dieser von Einhard verfassten Biographie und vor allem die Darstellung der Person Karls des Großen, erscheint der Auftrag Barbarossas für eine „neue“ Vita verständlich. Einhards Vita konzentriert sich vor allem auf das weltliche Wirken und die Wiedergabe biographischer Daten. Sie wird mit einer Erläuterung über das Geschlecht der Merowinger eingeleitet und beschäftigt sich im Anschluss daran mit Karls Vorfahren und seinen Bruder Karlmann. 49 Schwerpunkte der anschließenden Ausführungen sind die von Karl geführten Kriege und seine Eroberungen. 50 Daneben werden seine außenpolitischen Taten und Bestrebungen sowie seine rege Bautätigkeit behandelt. 51 Sein „Privatleben“, die Erziehung seiner Kinder, seine Gewohnheiten sowie seine Erscheinung und das kulturelle Interesse des Kaisers werden außerdemwenn auch relativ kurz - skizziert. 52 Kaiserkrönung 53 und Ableben 54 Karls des Großen werden von Einhard ausführlich beschrieben. Neben diesen Zentrierungen ist es mehr als auffällig, dass Einhard nur ungefähr eine Seite seiner Biographie der Beschreibung der Frömmigkeit des Kaisers widmet. 55 Die Vita Karoli Magni Einhards besitzt also eindeutig nicht den Charakter einer Heiligenvita, zumal ihr auch keine
46 Vgl. Müller, S., Defensor et Patronus Ecclesiae, S. 277.
47 Vgl. Engels, O., Des Reiches heiliger Gründer, S 354.
48 Einhard, Vita Karoli Magni, S. 1.
49 Vgl. Einhard, Vita Karoli Magni, S. 2 ff.
50 Vgl. ebd., S. 7 ff.
51 Vgl. Einhard, Vita Karoli Magni, S. 19 ff.
52 Vgl. ebd., S. 23 ff.
53 Vgl. ebd., S. 32.
54 Vgl. Einhard, Vita Karoli Magni, S. 34.
55 Vgl. ebd., S. 30.
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Wunder zu entnehmen sind. Diese biographische Abhandlung zeichnet eher das Bild eines großen Kaisers und stilisiert ihn zu einem gebildeten und großen Krieger, als zu einen Heiligen, Märtyrer oder Beschützer der Christenheit, wie es der Intention des Stauferkaisers entsprach. Die Setzung dieser Zentrierungen konnte also nicht dem entsprechen, was für den Stauferkaiser notwendig schien, um seine Position zu legitimieren und/oder zu stärken. Das Lebensbild eines Heiligen wurde in der Regel längst vor seiner Kanonisation als Beweis seiner Heiligkeit erstellt. 56 Bezüglich der Person Karls des Großen musste also eine solche Vita nachgeliefert werden, da Einhards Vita diese Kriterien nicht erfüllte, ja auch nicht erfüllen konnte, war sie doch zu einem anderen Zweck erstellt worden. Die Intention der Aachener Vita, die auch in der Forschung als Karlslegende bezeichnet wird, beschränkt sich also zunächst auf die Ausgestaltung des Karlskultes und eine möglichst umfassende Begründung der Heiligsprechung. 57 Sie verfolgt im Vergleich zur Karlsvita von Einhard konträre Motive. Die Absicht des unbekannten Verfassers wird schon im Prolog der Karlslegende deutlich, wo er erklärt, dass sein Ziel darin bestehe, dass „jener wahre Verehrer Christi“ 58 hiermit ist Friedrich I. Barbarossa gemeint - von der Heiligkeit Karls noch überzeugter wäre und dieser sich noch mehr darüber erfreuen möge, jene Sonne, die 351 Jahre lang verborgen gewesen sei, wieder ans Licht gebracht zu haben. 59 Weiter führt der Verfasser ausdrücklich in der Einleitung seiner Vita aus, dass er die Beschreibung der Taten und Triumphe Karls des Großen anderen Biographen überlassen wolle. Er konzentriere sich stattdessen auf Karls Tätigkeit als Gründer
56 Vgl. Engels, O., Karl der Große, S. 354.
57 Vgl. Lohrmann, D., Die politische Instrumentalisierung, S. 106.
58 Intendimus igitur succincte quedam insignia virtutum et celebrem gloriosamque miraculorum seriem in laudem dei et prefati piissimi imperatoris contexere, quatinus verus ille Christi cultor Fredericus Romanorum impera-tor vere augustus certior de sanctitate morum et vite beatissimi Karoli magni in amplius et perfectius gaudeat se solem illum trecentis annis et LI occultatum in lucem gentium divina cooperante gratia produxisse. Vere etenim speramus eum huius canonizationis auctorem a deo ad id preelectum, quem a primo illo iustissimo Karolo magno alterum magnum Karolum mundo credimus illuxisse. Deutz H./Deutz I., Die Aachener Vita Karoli Magni, S. 56.
59 Vgl. Lohrmann, D., Die politische Instrumentalisierung, S. 106.
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von Kirchen und Klöstern sowie seiner Fürsorge für diese kirchlichen Institutionen, seinen unermüdlichem Reliquienerwerb sowie deren großzügige Weitergabe, seinen Aufenthalt in Jerusalem und seine erfolgreiche Unterstützung der dort ansässigen Christen. Weiter wolle sich der Verfasser ausführlich Karls Reise nach Spanien widmen, bei der sich dem Kaiser der Apostel Jacobus zu erkennen gegeben habe. Als Reaktion hierauf habe Karl dort eine Basilika für den Apostel bauen lassen. Karl wird in diesem Zusammenhang vor allem deshalb gerühmt, da er dort die Hilfe des heiligen Jacobus erfleht habe, um dadurch die Stadt Pamplona zu erobern und somit die Rechristianisierung Spaniens in die Wege leiten zu können. 60 Der auffälligste Unterschied zwischen der Karlsvita von Einhard und der Aachener Karlsvita besteht darin, dass in der ersteren die politischen und militärischen Leistungen Karls des Großen im Vordergrund stehen während die Aachener Vita von Beginn an auf eine Erhöhung Karls auf Gottes Wunsch hinarbeitet. Im zweiten und dritten Teil dieser Vita wird eine sagenartige Überlieferung aus Frankreich in den Text einbezogen, die über die Informationen der Vita Einhards hinausreicht und dadurch den imperialen Anspruch des Kaisertums stützt. 61 Das Ziel, das von der neuen Karlsvita verfolgt wurde, besteht also vordergründig primär darin, den heiligen Lebenswandel Karls des Großen zu beschreiben. Hiermit könnte auch der Zweck verfolgt werden, die Kritik, die Heiligsprechung Karls beruhe nicht auf heiligen Taten, zu entkräften. Der Entkräftung dieser Kritik diente nicht zuletzt das von der Barbarossaurkunde behauptete Martyrium Karls des Großen. Dieses Martyrium wurde mit Karls Heimsuchung, seinen gefahrvollen Schlachten und seinem täglichen Wunsch, für den Glauben zu sterben, begründet. 62
Ähnlich zu interpretieren ist der Schwerpunkt „Spanien“. Die diesbezüglichen Ausführungen stehen im krassen Gegensatz zur Realität, da Karl gar nicht der Verbreitung des Christentums in dieser Region hatte dienen können. Die Umdeutung des spektakulären Scheiterns des Sa- 60 Vgl. Engels, O., Karl der Große, S. 354.
61 Vgl. Lohrmann, D., Die politische Instrumentalisierung, S. 106.
62 Vgl. Vones, L., Heiligsprechung und Tradition, S. 95.
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ragossa - Unternehmens Karls des Großen zu einer eindrucksvollen Heldensage scheint vor allem dem Zweck gedient zu haben, Karl posthum gegen jegliche Kritik zu verteidigen und das „heilige Wirken“ des Kaisers zu bekräftigen. 63 Der Entkräftung der Kritik dient nicht zuletzt auch die Einbeziehung zweier bekannter Zeugnisse in die biographische Abhandlung. Hierbei handelte es sich einerseits um die Descriptio qualiter Karolus magnus clavum et coronam Domini a Constantinopoli Aquisgrani detulerit qualiterque Dionysium retulerit, 64 in der Karl als der erwartete Befreier Jerusalems gefeiert und ihm sogar die Einnahme der Stadt zugeschrieben wurde. Er habe zudem von seinem Zug in das heilige Land zahlreiche Reliquien mitgebracht. Durch diese Erzählungen wurde Karl der Große aus seiner Zeit gleichsam in die Gegenwart des 12. Jahrhunderts transferiert und zu einem Kreuzfahrer im klassischen Sinn, dessen primäres Lebensziel von der Befreiung Jerusalems bestimmt war. 65 Bezüglich der Entstehung des mittelalterlichen Kaisertums enthält die Descriptio einen bemerkenswerten Satz, den sowohl die Aachener Vita Karoli Magni als auch die staufisch gesinnten Annalen von Marbach übernommen haben:
Romani magno terrore perterriti potentissimum Romanum imperium, immo etiam papa electionem, ipsi prescripserunt. 66 Die Aachener Vita Karoli Magni führt hierzu ergänzend aus: Ita Dei providentia precurrente Romanus imperator effectus est. 67 Die signifikante Gemeinsamkeit, die hier sofort auffällt, besteht darin, dass die Mitwirkung des Papstes bei der Übertragung des Kaisertums keine Erwähnung findet; Die Würde des Kaisertums wird als etwas interpretiert, das nicht durch den Papst gewährt wird, sondern quasi naturgegeben durch Gott dem Karolinger zuteil geworden ist. Neben der Descriptio wurde auch der so genannte Pseudo-Turpin verwendet, der als viertes Buch in das Liber Sancti Jacobi der Jakobuskirche integriert ist, dessen älteste, erhaltene Handschrift die wohl
63 Vgl. Vones, L., Heiligsprechung und Tradition, S. 98.
64 Vgl. Geith, K., Karl der Große, S. 90.
65 Vgl. Vones, L., Heiligsprechung und Tradition, S.99.
66 Zit. n. Lohrmann, D., Die politische Instrumentalisierung, S. 106.
67 Zit. n. ebd., S. 106.
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zwischen 1160 und 1170 in Santiago de Compostela angefertigte Codex Calixtinus darstellt.
Hier beschreibt angeblich Erzbischof Turpin von Reims (748/49-794), der zuvor Mönch von Saint-Denis und Abt von St. Remigius in Reims gewesen war, die Unternehmungen Karls des Großen in Spanien. 68 In dieser Schrift wird Karl sowohl als großer Spanienkämpfer ideologisiert als auch zum Märtyrer erhoben. Diese Deutung wird zusätzlich durch die Darstellung des eines Heiligen gemäßen Lebens Karls betont, wobei vor allem diverse Wundertaten Erwähnung finden, um die Heiligkeit Karls zum Ausdruck zu bringen. Die geschickte Argumentation und Strategie wird nicht zuletzt daran deutlich, dass bei den verwendeten, gekürzten Fassungen alle Hinweise getilgt wurden, welche die Stellung von Saint-Denis oder auch der Jakobuskirche zu stark hätten herausstellen können. Hierdurch werden die Fixierung des Kaisers auf Aachen hervorgehoben und die Bedeutung Aachens verstärkt. 69 Es wurde nicht nur versucht, die Heiligkeit Karls zu legitimieren und die Versäumnisse bei den Vorgängen 1165 auszugleichen. Vielmehr sollte die Heiligkeit Karls des Großen als etwas Selbstverständliches und von Gott Gewolltes dargestellt werden. Diesem Zweck dient auch die Darstellung des Todes des Kaisers, der mit allen einhergehenden Naturzeichen dargestellt wird. 70 Friedrich I. Barbarossa erscheint in diesem Zusammenhang als die Inkarnation des karolingischen Kaisers, als alter Karolus, wie er sich schon in dem Aachener Markt-, Zoll-, und Münzprivileg von 1166 hatte stilisieren lassen, als er für die Gestaltung des Aachener Halbdenars bestimmt hatte, dass eine Seite mit dem Abbild Karls und die andere Seite mit seinem Abbild zu versehen sei. Er stellte sich nicht nur auf eine Ebene mit Karl dem Großen, sondern versuchte den Karlskult in engster Verbindung mit Aachen zu etablieren. 71 Die Aachener Vita Karoli Magni lässt Karl den Großen als ein auserwähltes Werkzeug Gottes erscheinen und dies gilt somit auch für
68 Vgl. Vones, L., Heiligsprechung und Tradition, S. 99 f.
69 Vgl. ebd., S. 100.
70 Vgl. Geith, K., Karl der Große, S. 90.
71 Vgl. Vones, L., Heiligsprechung und Tradition, S. 100 ff.
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Yvonne Plonka, 2006, Die Kanonisation Kaiser Karls des Großen 1165, München, GRIN Verlag GmbH
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