

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Vorgehensweise 3
2. Zur Situation Deutschlands 4
2.1 Geschichtlicher Abriss 4
2.2 Publizistik unter dem Einfluss der SED 5
2.3 Die FDJ und ihre Lieder 5
3. Appelle und ihre Funktionen in den Gründungsjahren der DDR 7
„Jugend erwach, erhebe dich jetzt“ - Ein Beispiel für Appelle im
4.
sowjetisch -sozialistischen Liedgut 8
4.1 Allgemeine Anmerkungen 8
4.2 Einordnung 8
4.3 Akteure 9
4.4 Adressaten 10
4.4 Appelle 11
4.6 Anreden (Duzen) 13
4.7 Der Bezug zum Fahnenappell 13
4.8 Der Unterschied zwischen Lesen des Liedtextes und Singen des Liedes 14
5. Fazit und Schlussbemerkungen 16
I Abkürzungsverzeichnis 17
II Quellenverzeichnis 18
III Anhang 20
2
1. Einleitung und Vorgehensweise
„Vorwärts, Freie Deutsche Jugend“ 1 - „Singe, Freie Deutsche Jugend“ 2 - „Baut die Straßen der Zukunft“ 3
Zahlreiche Appelle (vor allem an die deutsche Jugend) schmücken die Liedpublizistik der sowjetischen Machthaber in der Zeit der DDR. In der folgenden Arbeit sollen charakteristische Merkmale von Appellen in diesen Liedern anhand des Liedbeispiels „Jugend erwach, erhebe dich jetzt“ bearbeitet werden. Das Lied selbst ist im Jahre 1951 entstanden, weshalb auch nur auf diese Zeit eingegangen werden soll und andere Abschnitte (wie z.B. spätere Jahre der DDR) außer Acht gelassen werden können. Zunächst soll kurz die Situation Deutschlands in der relevanten Zeit betrachtet werden, um die ganze Arbeit zeitlich einordnen zu können und Hintergründe und Motive für bestimmte Charakteristika des Liedguts zu verstehen. Dazu ist es ebenso notwendig, kurz die Publizistik dieser Zeit und in diesem Zusammenhang auch die FDJ und ihren Einfluss auf diverse Veröffentlichungen etc. zu beleuchten. Im Hauptteil soll dann das Lied „Jugend erwach, erhebe dich jetzt“ analysiert werden, wobei Bezug genommen werden soll zu Akteuren im Lied, Appellen und deren Empfänger sowie die Anreden, also das Duzen. Ebenso ergibt sich ein Zusammenhang mit den zu dieser Zeit häufig durchgeführten Fahnenappellen, welcher ebenso kurz aufgezeigt werden soll. Unterschiede, die sich bei der Betrachtung des Liedes als Text und in gesungener Form ergeben, runden den Hauptteil der Arbeit ab. Ziel soll es weiterhin sein, einen Überblick darüber zu bekommen, wie die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands es durch Lieder schaffen konnte, ihr Gedankengut so präzise unter die Massen zu bringen. Dazu verweise ich hiermit schon einmal auf den Schlussteil, welcher diese Frage (ebenso als Zusammenfassung der gesamten Arbeit) beantworten wird.
In der Hausarbeit selbst werden zahlreiche Abkürzungen verwendet, die im Abkürzungsverzeichnis wiederzufinden sind und dort erklärt werden.
1 Titel eines FDJ-Liedes in: Leben - Singen - Kämpfen. Liederbuch der Freien Deutschen Jugend, Hrsg.
Zentralrat der Freien Deutschen Jugend, VEB Friedrich Hofmeister Musikverlag Leipzig, Leipzig 1981,
S. 17
2 Titel eines FDJ-Liedes, ebd., S. 19
3 Titel eines FDJ-Liedes, ebd., S. 24
3
2. Zur Situation Deutschlands
2.1 Geschichtlicher Abriss
Nach der militärischen Kapitulation am 8. Mai 1945 und der darauf folgenden Kapitulations-Deklaration vom 5. Juni 1945 entwickelten sich, die von den vier Besatzungsmächten Frankreich, USA, Sowjetunion und Großbritannien verwalteten Gebiete, zunehmend unterschiedlich. 4 Die Sowjetunion, die alsbald unter Leitung der SED 5 stand, nahm dabei eine zentrale Rolle ein. In der sowjetischen Besatzungszone entwickelte sich die SED zum zentralen Machtorgan. Diese Monopolstellung blieb ihr auch während der Zeit der DDR bis zur Wiedervereinigung im Jahre 1990 erhalten.
Auf Antrag der KPD wurde in der sowjetischen Besatzungszone am 7. März 1946 die Freie Deutsche Jugend (FDJ) gegründet. 6 Als einzige Jugendorganisation in der SBZ und DDR, als sogenannte Massenorganisation, bestand sie bis 1990 in ihrer ursprünglichen Form und existiert noch heute mit äußerst geringer Mitgliederzahl. 7 Wichtig für die FDJ waren vor allem ihre zahlreichen Veröffentlichungen, welche unter anderem auch Lieder beinhalteten, die zahlreiche Appelle und Anreden enthielten.
Die Zeit, die für diese Arbeit eine wichtige Rolle spielt, ist die Zeit der Besatzung (vor allem im Hinblick auf die sowjetische Besatzungszone) sowie die ersten Jahre der DDR. Wichtig dafür waren die Grundsätze der SED, die jedem Bürger Gesetz sein sollten. Somit waren die Anfänge der DDR geprägt von Sozialismus, Frieden und Heimat, die sich bis zum Ende der DDR konstatierten. Auch im kulturellen Leben, vor allem aber in der Literatur und der Musik wurden diese Grundsätze immer wieder aufgegriffen, so auch in der FDJ und ihren Aktivitäten. Grundlage der FDJ waren somit die Beschlüsse und das Programm der SED, wie auch im Statut der FDJ festgehalten wurde: „Die Freie Deutsche Jugend arbeitet unter Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und betrachtet sich als deren aktiver Helfer und Kampfreserve. Grundlage für ihre gesamte Tätigkeit sind das Programm und die Beschlüsse der SED.“ 8
4 Hagelweide, Gert: Das publizistische Erscheinungsbild des Menschen im kommunistischen Lied. Eine
Untersuchung der Liedpublizistik der KPD (1919-1933) und der SED (1945-1960), Selbstverlag des
Autors, Bremen 1968, S. 126f.
5 Die SED entstand ursprünglich aus dem Zusammenschluss von SPD und KPD im April 1946.
6 Walter, Michael: Die Freie Deutsche Jugend. Ihre Funktionen im politischen System der DDR,
Arnold- Bergstraesser-Institut, Freiburg 1997, S. 33
7 Geschichte der FDJ [URL: http://www.fdj.de/FDJ_Homepage_08/Seiten/Geschichte.html], Stand:
15.07.2010
8 Statut der Freien Deutschen Jugend [URL: http://www.ddr-schulrecht.de/Schulrechtssammlung%20-
%20DDR-Dateien/pdf/Statut-FDJ.pdf], Stand: 20. März 2003
4
2.2 Publizistik unter dem Einfluss der SED
Mit der Gründung der DDR waren öffentliche Meinungs- und Pressefreiheit durch deren Verfassung nur insofern abgesichert, dass sie im Artikel 6 derer lediglich im Sinne des Staates verbreitet werden durfte und somit eine freie Meinungsäußerung unmöglich war. 9 Durch diverse Einschränkungen in der Praxis (wie zum Beispiel Papierkontingentierung) wurden sämtliche Veröffentlichungen der SED unterstellt, die sich gleichsam auch den Einfluss auf Rundfunk und Fernsehen sicherte. Die Partei leitete und überwachte somit die komplette Publizistik der DDR. 10 Hauptverantwortlich für die Musikpublizistik und damit auch Herausgeber von Liederbüchern waren lediglich die FDJ (und deren Pionierorganisation), die SED, der FDGB, der Berliner VVN-BdA, der VDK sowie die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Somit waren alle Dichter und Liedermacher diesen unterstellt und durften keine Texte veröffentlichen, die gegen den Staat sprechen. 11 Ebenso sicherte sich die SMAD nach Kriegsende die Kontrolle und den Wiederaufbau sämtlicher Musikverlage, die während des Krieges weitestgehend zerstört wurden. Es entstanden die Verlage „Volk und Wissen“, „Lied der Zeit“, „Neues Leben“, „Thüringer Volksverlag“ und der „Mitteldeutsche Verlag“. 12
2.3 Die FDJ und ihre Lieder
Walter unterscheidet innerhalb der FDJ in grundlegende Funktionen derer: Sozialisationsfunktion, Kontrollfunktion, Partizipationsfunktion, Rekrutierungsfunktion, wirtschaftliche Leistungsfunktion und Botschafterfunktion. 13 Vor allem sozialisiert wurden Kinder und Jugendliche in der FDJ (bzw. deren Pionierorganisation) durch zahlreiche Aktivitäten, durch Unterricht und Schulung, aber auch durch kulturelle Aspekte wie die Musik. Da die FDJ sehr eng mit den örtlichen Schulen kooperierte, erhielten deren politisch ausgerichteten Inhalte auch Einzug in Lehrpläne, Stundengestaltung und andere Aktivitäten, wie zum Beispiel das Fahnenappell (siehe dazu auch Punkt 4.7).
9 „Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen, Mordhetze gegen
demokratische Politiker, Bekundung von Glaubens-, Rassen-, Völkerhaß, militaristische Propaganda
sowie Kriegshetze und alle sonstigen Handlungen, die sich gegen die Gleichberechtigung richten, sind
Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches. Ausübung demokratischer Rechte im Sinne der
Verfassung ist keine Boykotthetze.“ (aus: Die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik,
Artikel 6 (2). [URL: http://www.documentarchiv.de/ddr/verfddr1949.html#b1], Stand: 19. Juli 2010
10 Hagelweide, S. 127f.
11 Ebd. S. 128f.
12 Ebd., S. 132
13 Walter, S. 71ff.
5
Den Musiklehrern einer Schule wurde dazu eine „parteiliche Interpretation“ 14 abverlangt, d.h. eine Interpretation der Lieder im Sinne der SED, im Sinne des Sozialismus. Weiterhin sollte das Singen außerhalb der Schule gefördert werden, um die Kinder und Jugendlichen zum Sozialismus zu führen. So sang man in Chor- und Singgemeinschaften, aber auch an FDJbzw. Pioniernachmittagen etc. Es berichtet zum Beispiel die Zeitzeugin Dagmar Röhler- Schelerüber die Pioniernachmittage: „Es konnte zum Beispiel jeder sein Lieblingsspielzeug mitbringen oder auch sein Lieblingsbuch. […] Oder es wurde musiziert. Es waren im Grunde immer schöne Aktivitäten.“ 15 Die Musik und das Singen wurde von Kindern und Jugendlichen somit zumeist als etwas sehr Positives betrachtet. Somit konnte es der SED wiederrum leicht fallen, ihre Appelle und Aufforderungen an die Jugend heran zu tragen. Die Lieder hatten neben dem Zwecke der Ausrichtung der Jugend auf die Grundsätze der SED und dem Vermitteln und Verbreiten sozialistischen Gedankenguts sowie der Bewahrung der Freundschaft mit allen sozialistisch ausgerichteten Ländern der Welt einen weiteren wichtigen Aspekt inne: eine Art Kampfauftrag. Das Vaterland sollte geschützt und verteidigt werden, was sich auch im Vorwort (allein aber auch schon im Titel) des Liederbuches der FDJ „Leben - Singen - Kämpfen“ belegen lässt:
„Nutzt es [das Liederbuch], wo immer Ihr beisammen seid! Singt die Lieder unserer durch uns erbauten Welt, die unserer Freunde und Mitstreiter auf allen Kontinenten, die unserer Vorkämpfer für das sozialistische Heute! In diesem Sinne: Kämpft und singt mit uns!“ 16
Die FDJ und ihre Lieder hatten damit einen streng sozialistischen Charakter, der durch die SED geprägt wurde. Somit lassen sich die FDJ-Lieder unter der Bezeichnung „sowjetischsozialistisches Liedgut“ zusammenfassen.
14 Hagelweide, S. 140
15 Dagmar Röhler-Scheler in: Renner, Wolfgang et al.: Kinder in Uniform. Generationen im Gespräch
über Kindheit und Jugend in zwei deutschen Diktaturen, Hrsg. Schulmuseum - Werkstatt für
Schulgeschichte Leipzig, Passage-Verlag, Leipzig 2008, S. 321
16 Vorwort des Zentralrats der Freien Deutschen Jugend in: Leben - Singen - Kämpfen, S. 5
6
3. Appelle und ihre Funktionen in den Gründungsjahren der DDR
Unter Appell wird im Allgemeinen eine Funktion von Texten verstanden, die zur „Beeinflussung des Verhaltens oder der Meinung des Adressaten“ 17 dient. Genauso kann ein Appell auch während der Zeit der Monopolstellung der SED verstanden werden, allerdings muss man hierzu die Richtung der Beeinflussung noch genauer festlegen. Die SED vertrat die Ansichten des Sozialismus, die unter das Volk gebracht werden mussten. Sie verlangte Arbeit und Wiederaufbau, zu dem aufgerufen werden sollte. Zahlreiche propagandistische Methoden wurden hierzu eingesetzt.
Ein wichtiges Instrument der SED-Propaganda stellte die FDJ dar, die „zur Verwirklichung der Jugendpolitik der SED und des sozialistischen Staates der DDR [diente].“ 18 Vor allem für die Jugend war es notwendig, gewisse Richtlinien vorgestellt zu bekommen. Zum Ende des NS-Regimes waren nahezu alle Jugendlichen in der Hitler-Jugend vertreten 19 , die sich nun aber auf eine ganz andere Weltanschauung einlassen mussten. Somit waren Propaganda und die darin enthaltenen Appelle für die Jugendlichen von besonderer Bedeutung. Die FDJ, die vollkommen auf die deutsche Jugend ausgerichtet war, konnte dazu einen wesentlichen Beitrag leisten, wie zum Beispiel durch ihre Lieder und andere Aktivitäten, wie oben schon beschreiben. Appelle konnten die Jugendlichen über sämtliche Medien erreichen, da die SED die gesamte Publizistik dieser Zeit kontrollierte und somit ihre Propaganda überall verbreiten konnte.
17 Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft, 4. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart
2008, S. 50
18 Alpen, Feige et al.: DDR - Gesellschaft Staat Bürger, Staatsverlag der Deutschen Demokratischen
Republik, Berlin 1974, S. 35
19 Am 25. März 1939 wurde von der NSDAP die s.g. „Jugenddienstpflicht“ erlassen, welche die
Mitgliedschaft in der Hitlerjugend zum Zwang erklärte. Doch schon vor 1939 wuchsen die
Mitgliederzahlen erheblich, obwohl die Mitgliedschaft bis dahin freiwillig war. Siehe dazu auch: Die
Hitler-Jugend (HJ) [URL: http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/organisationen/jugend/index.html],
Stand: 20.07.2010
7
Arbeit zitieren:
Monique Wicklein, 2010, „Jugend erwach, erhebe dich jetzt“ - Analyse der Appelle in der Liedpublizistik der SED, München, GRIN Verlag GmbH
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