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Warum sitzt man in Opernhäusern auf gepolsterten Sitzen, riecht Geschichte und hörtsieht Musik? - Gedanken zu einer Synmodalästhetik

Title: Warum sitzt man in Opernhäusern auf gepolsterten Sitzen, riecht Geschichte und hörtsieht Musik? - Gedanken zu einer Synmodalästhetik

Thesis (M.A.) , 2002 , 160 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Stephan Aderhold (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Der ungewöhnliche Titel dieser Magisterarbeit beinhaltet alle fünf grundlegenden Sinne menschlicher Wahrnehmung, wenn man bereit ist, das Schmecken dem Riechen zu subsumieren. Will der geneigte Leser das Gustatorische als eigenständigen Sinn betrachtet wissen, dann sei darauf verwiesen, daß nach dem zweiten Bild des zweiten Aktes der Oper La Traviata von Giuseppe Verdi, also genau in dem Moment als die Existenz von Alfredos Eklat auf dem Fest von Flora eingefroren wird, ein Gang an das Büffet zu Stärkung und zu Genuß anempfohlen wird. Allerdings reichen cirka 20 Minuten Pause selten um das erhoffte Glas Champagner zu ergattern, zumal wenn man nur die billigen Karten des vierten Rangs sein eigen nennen kann. Dafür kann die Hoffnung auf ein distinguiertes Abendessen nach der
Vorstellung, also nach der Rückkehr der Personen und der Handlung in das Kontinuum der Geschichtlichkeit, oder einfacher: nachdem der rote Vorhang, natürlich nach Stürmen des Applauses, gefallen ist, aufkeimen. Nicht selten kommt es dann vor, daß nach kulturellem Genuß, oder Konsum – je nachdem – der Streß des Arbeitstages dem Gefühl der Erholung Platz machen muß. Dann noch ein gutes Gespräch über die stimmlichen Qualitäten der
Violetta und des Alfredos, natürlich auch über die Inszenierung, das Bühnenbild, die Beleuchtung und man ist sich einig: ein Opernbesuch kann viel mehr Kunstgenuß bieten als der perfekte Pavarotti aus der Retorte. Gerade die kleinen Unsauberkeiten in der Höhe sind ja geradezu die Expertise für das Erleben des Originals. Hat man leider keine Begleitung für den Opernbesuch und das nachfolgende Abendessen, schließlich gelangen Opern nicht morgens um Viertel Zehn zur Aufführung, gefunden, dann schreibt man seine Erlebnisse in einem Brief nieder oder flüchtet sich nach Hause vor den heimischen Fernseher. Dann bleibt aber wenigstens die Erinnerung an eine Opernaufführung und die Erinnerung an die Atmosphäre,
die in der Garderobe herrschte, als alle Operngäste, meist zu zweit, sich eilig auf den Weg machten. Vielleicht war es die Atmosphäre der Einsamkeit, schließlich hüllten sich die meisten Paare in ihr feinstes Tuch. Oder aber es war eine Atmosphäre der Erhabenheit – der Stuck an den Wänden wurde so feinsinnig ausgeleuchtet und man atmete ja pure Geschichte: denn die Skulpturen an der Wand sind aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort.

2. Synästhesie ein Begriff mit 11 Buchstaben.

2.2. Erklärungsmodelle.

2.3. Über die Häufigkeit des Auftretens von Synästhesie.

2.4. Synästhesie ist (k)eine Krankheit.

3. Audiovisuelle Wahrnehmung, Synästhesie und Gesamtkunstwerk.

3.1. Film, Gesamtkunstwerk und Synästhesie.

3.2. Synästhesie, intermodale Analogie und Paradigma.

3.3. Audiovisualität.

4. Die Synmodalästhetik.

4.1. Zur Standortbestimmung einer Synmodalästhetik.

5. Die Ästhetik der Atmosphären.

5.1. Subjekt und Objekt in der Atmosphäre.

5.2. Subjektiv, Objektiv, Synjektiv.

5.3. Synästhet und Synästhetiker.

5.4. Die Eigenschaft eines Objekts als dessen Bestimmung.

5.5. Die Wahrnehmung der ästhetischen Atmosphären.

5.6. Musik und Atmosphäre.

5.7. Kommunikative Atmosphären.

6. Resümee.

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Grundlagen einer sogenannten "Synmodalästhetik" zu erarbeiten, um die menschliche Wahrnehmung in rezeptiven Situationen (wie einem Opernbesuch) ganzheitlich – über die traditionell getrennten Sinne hinaus – zu erfassen. Die Forschungsfrage untersucht dabei, inwiefern eine solche Wahrnehmungsästhetik die Konstitution von "Atmosphäre" integrieren kann, um eine Verbindung zwischen Musikpsychologie, Wahrnehmungstheorie und Kunstbetrachtung zu schlagen.

  • Theoretische Abgrenzung und Definition von Synästhesie
  • Analytische Untersuchung des Gesamtkunstwerk-Konzepts
  • Entwicklung des Begriffs der Synmodalästhetik
  • Phänomenologische Betrachtung der Ästhetik der Atmosphären
  • Musikpsychologische Analyse von Wahrnehmungsprozessen

Auszug aus dem Buch

Die Synmodalästhetik

Was bedeutet Synmodalästhetik? Ist ein solcher Terminus notwendig? Er wurde in der Einsicht konstruiert, daß, plakativ ausgedrückt, man in der Oper, im Kino nicht aufhört zu riechen, zu schmecken, die Temperatur zu fühlen. Demzufolge möchte er im Sinne einer ganzheitlich sinnlichen Wahrnehmung all jene Sinne mit in die Betrachtung einfließen lassen, die in der aktuell rezeptiven Situation eigentlich nicht mit angesprochen werden sollen. Auch die Tatsache, daß im Bereich von Unbewußtsein und Vorbewußtsein wahrgenommen wird, dies aber nicht in die Sphäre der rationalen Repräsentation gelangt, macht ein Konstrukt der Synmodalität notwendig. Denn das Riechen ist in der Oper genau so vorhanden wie der eigentlich aktivierte Sinn des Auditiven und Visuellen. Das adjektivische Kompositum, welches aus dem definierenden Prädikat, der A-Konstituente, ‚synmodal’ zusammengesetzt wurde, will diesen Umstand der, überspitzt formuliert, immerwährenden Wahrnehmung durch alle Sinne bezeichnen.

In diesem Sinn soll die B-Konstituente ‚-ästhetik’ auch in seiner ursprünglich griechischen Bedeutung von ‚(leiblichen) empfinden’ verstanden werden. Ausdrücklich soll an dieser Stelle vermerkt sein, daß dieser Terminus nicht auf ein tertium comparationis hinauslaufen will. Er stellt keinen Vergleichspunkt dar, der das Gemeinsame zweier verschiedener, miteinander verglichener Gegenstände oder Sachverhalte, in diesem Fall Sinneswahrnehmungen, zu verbinden vermag. Ein solcher analytischer Zugang benötigte normative Forderungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort.: Einführung in die Thematik der menschlichen Wahrnehmung am Beispiel eines Opernbesuches.

2. Synästhesie ein Begriff mit 11 Buchstaben.: Untersuchung der unterschiedlichen Begriffsdefinitionen und Erklärungsmodelle für Synästhesie in der wissenschaftlichen Literatur.

2.2. Erklärungsmodelle.: Kurzvorstellung verschiedener Ansätze zur Entstehung von synästhetischen Wahrnehmungsmodi.

2.3. Über die Häufigkeit des Auftretens von Synästhesie.: Diskussion statistischer Angaben und Schwierigkeiten bei der Erfassung der Prävalenz von Synästhesie.

2.4. Synästhesie ist (k)eine Krankheit.: Historische Einordnung der Synästhesie hinsichtlich der Kategorisierung als pathologischer Zustand.

3. Audiovisuelle Wahrnehmung, Synästhesie und Gesamtkunstwerk.: Auseinandersetzung mit der Begriffsverwendung von Synästhesie und Gesamtkunstwerk im Kontext der Kunsttheorie.

3.1. Film, Gesamtkunstwerk und Synästhesie.: Analyse des Films als gattungstheoretische Realisation des Gesamtkunstwerks und Abgrenzung zu tatsächlicher Synästhesie.

3.2. Synästhesie, intermodale Analogie und Paradigma.: Kritische Betrachtung der Synästhesie als ästhetisches Paradigma.

3.3. Audiovisualität.: Betrachtung der wachsenden Bedeutung multimodaler Wahrnehmung und deren ökonomische Nutzung.

4. Die Synmodalästhetik.: Einführung und theoretische Konstruktion des Konzepts der Synmodalästhetik.

4.1. Zur Standortbestimmung einer Synmodalästhetik.: Verortung der Synmodalästhetik außerhalb der traditionellen Philosophie im Rahmen der Psychologie.

5. Die Ästhetik der Atmosphären.: Philosophische Grundlegung und Anwendung des Atmosphärenbegriffs in der Ästhetik.

5.1. Subjekt und Objekt in der Atmosphäre.: Erörterung der Beziehung zwischen Subjekt und Objekt innerhalb einer Atmosphäre.

5.2. Subjektiv, Objektiv, Synjektiv.: Einführung des Begriffs "Synjektiv" als dynamische Korrelation von Subjekt und Objekt.

5.3. Synästhet und Synästhetiker.: Differenzierung zwischen den Begriffen Synästhet und Synästhetiker im Kontext der Wahrnehmung.

5.4. Die Eigenschaft eines Objekts als dessen Bestimmung.: Untersuchung der Bestimmung eines Objekts gegenüber seiner bloßen Eigenschaft.

5.5. Die Wahrnehmung der ästhetischen Atmosphären.: Analyse der Wahrnehmungsprozesse als zentrales Element der ästhetischen Atmosphäre.

5.6. Musik und Atmosphäre.: Diskussion der Rolle von Musik bei der Erzeugung und Gestaltung von Atmosphäre.

5.7. Kommunikative Atmosphären.: Analyse der Rolle von Kommunikation und Sprache bei der Etablierung zwischenmenschlicher Atmosphären.

6. Resümee.: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und des Potenzials der Synmodalästhetik.

Schlüsselwörter

Synmodalästhetik, Synästhesie, Atmosphäre, Wahrnehmung, Musikpsychologie, Gesamtkunstwerk, Ästhetik, Subjekt-Objekt-Relation, Multimodalität, Synjektiv, Wahrnehmungsästhetik, Raumgestalt, Erkenntnistheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen für eine Ästhetik, die Wahrnehmung nicht als isolierte, rein visuelle oder auditive Prozesse begreift, sondern als ganzheitliches, körperlich verankertes Erleben – die Synmodalästhetik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die Definition und Einordnung von Synästhesie, die kritische Diskussion des Begriffs "Gesamtkunstwerk" sowie die philosophische und psychologische Fundierung der sogenannten "Ästhetik der Atmosphären".

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, eine neue ästhetische Theorie zu entwerfen, die in der Musikpsychologie verortet ist und die Trennung von Subjekt und Objekt durch eine integrale Wahrnehmung (Synmodalität) überwindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit bedient sich einer interdisziplinären Herangehensweise, die musikwissenschaftliche Analysen mit erkenntnistheoretischen Exkursen und psychologischen Forschungsberichten verknüpft, um das Phänomen der Atmosphäre zu erschließen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Entwicklung der Synmodalästhetik, der Differenzierung von Subjekt und Objekt durch das neue Konzept des "Synjektivs" und der Untersuchung der Wirkung von Musik und Kommunikation im Kontext räumlicher und atmosphärischer Bedingungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Synmodalästhetik, Atmosphäre, Wahrnehmung, Musikpsychologie und Synjektiv charakterisiert.

Was ist die spezifische Bedeutung des Begriffs "Synjektiv"?

Der Begriff "Synjektiv" beschreibt die unauflösliche, dynamische Korrelation zwischen Subjekt und Objekt in der Erfahrung von Atmosphäre – er dient als Integral, um das alte Dualismus-Problem der Ästhetik zu lösen.

Wie unterscheidet der Autor zwischen einem Synästheten und einem Synästhetiker?

Der Autor schlägt eine Differenzierung vor: Der Synästhetiker zeigt die klinisch/physiologische Besonderheit der Synästhesie, während der Synästhet das Individuum bezeichnet, das sich einer bewussten, ganzheitlichen Kunstbetrachtung im Sinne der neuen Synmodalästhetik unterzieht.

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Details

Title
Warum sitzt man in Opernhäusern auf gepolsterten Sitzen, riecht Geschichte und hörtsieht Musik? - Gedanken zu einer Synmodalästhetik
College
Humboldt-University of Berlin  (Musikwissenschaftliches Seminar am Kultur- und Kunstwissenschaftlichen Institut)
Grade
sehr gut
Author
Stephan Aderhold (Author)
Publication Year
2002
Pages
160
Catalog Number
V17603
ISBN (eBook)
9783638221412
Language
German
Tags
Warum Opernhäusern Sitzen Geschichte Musik Gedanken Synmodalästhetik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephan Aderhold (Author), 2002, Warum sitzt man in Opernhäusern auf gepolsterten Sitzen, riecht Geschichte und hörtsieht Musik? - Gedanken zu einer Synmodalästhetik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17603
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