Inhalt
1. Einleitung 2
2. Überblick über relevante Konzepte der Aufklärung 3
3. Analyse der Unabhängigkeitserklärung unter Einbeziehung aufgeklärten
Gedankengutes 5
3.1 Untersuchung der Argumentationslinie: Die Struktur der Erklärung. 5
3.2 Implikationen der Auseinandersetzung mit der englischen Herrschaft. 6
3.3 Jefferson und Locke: Sichtbare Einflüsse der Aufklärung. 10
4. Schlussfolgerungen 13
5. Literaturverzeichnis 14
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1. Einleitung
Am 4. Juli 1776 verkündete der Kongress die Unabhängigkeit dreizehn amerikanischer Kolonien von der Herrschaft der englischen Krone und legte damit den Grundstein für die Bildung der Republik Amerika und schürte auch in Europa die Revolutionsbereitschaft und das Streben nach einer modernen Gesellschaft (vgl. Hofmeister, 1967: 44).
Ziel dieser Arbeit ist es, die geistigen Einflüsse zu untersuchen, welche der amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 zugrunde liegen und ihre Gestaltung maßgeblich beeinflusst haben. Es wird dabei davon ausgegangen, dass das Dokument in seiner Argumentation für ein freies Amerika die Auseinandersetzung von Aufklärung und vormodernen Wertvorstellungen repräsentiert.
Um diese These hinreichend untersuchen zu können, soll zuerst ein generelles Verständnis für die relevanten Konzepte der Aufklärung geschaffen werden, bevor die Erklärung an sich genauer betrachtet wird. Um die Analyse der Unabhängigkeitserklärung unter Einbeziehung aufgeklärten Gedankengutes möglichst übersichtlich zu gestalten, wird zunächst mit der Untersuchung der inhaltlichen Struktur des Textes begonnen. Es folgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Anklage der englischen Herrschaftspraxis, welche sich insofern als sinnvoll erweist, als dass durch die Verurteilung der willkürlichen Regierung ersichtlich wird, welche Ansprüche die Kolonien an eine aufgeklärte Staatsverwaltung stellen. An diesen Abschnitt schließt sich eine Untersuchung der zugrunde liegenden Philosophie an, welche sich vornehmlich auf Allen Jaynes Ausführungen zum Einfluss des englischen Aufklärers John Locke auf den Hauptverfasser der Erklärung, Thomas Jefferson, stützt. Die so erlangten Erkenntnisse sollen abschließend zusammengeführt und zu einem umfassenden Fazit gebracht werden.
Der zur Analyse verwendete Text der Unabhängigkeitserklärung wurde Jayne (1998) entnommen.
Als besonders hilfreich bei der Erarbeitung haben sich sowohl die Arbeiten von Jayne, als auch Kelleter und May erwiesen. Trotz der bereits einige Jahre
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zurück liegenden Veröffentlichung, gelingt es besonderes Letzterem, grundlegende Zusammenhänge präzise und verständlich darzustellen.
2. Überblick über relevante Konzepte der Aufklärung
Da es sich bei der Aufklärung um eine überaus komplexe Bewegung handelt, deren erschöpfende Darstellung den Rahmen dieser Arbeit weit überschreiten würde, sollen im Folgenden lediglich kurz die Konzepte, welche für die Analyse der Unabhängigkeitserklärung von Nöten sind, berücksichtig werden. Bei der Auseinandersetzung mit der Aufklärung muss beachtet werden, dass sie in ihren Wirkungsgebieten teilweise sehr unterschiedliche Ausprägungen angenommen hat. Aus europäischer Sicht wird in diesem Zusammenhang vor allem auf die verschiedenen Konzepte der Aufklärung in Frankreich, Großbritannien und Deutschland Bezug genommen, welche laut May (1976: xii) als eine wichtige Quelle des amerikanischen Aufklärungsgedankens verstanden werden können. In seiner Auseinandersetzung mit den Ursprüngen der amerikanischen Kultur beschreibt er die Bedeutung des Zusammenspiels von Religion und Aufklärung, da insbesondere der Kalvinismus großen Einfluss auf sie gehabt habe. Als generelle Grundbausteine der amerikanischen Aufklärung versteht May das Streben nach Liberalismus, Fortschritt und Rationalität (vgl. ebd.).
Frank Kelleter verwendet in seiner umfassenden Untersuchung der amerikanischen Aufklärung einen Großteil der Arbeit für die Klärung des Vernunftbegriffs und seine Bedeutung innerhalb der Aufklärung. Er weist darauf hin, dass Kritikfähigkeit ein wesentliches Merkmal des aufgeklärten Menschen sei, da das eigene Denken der Reflexion, sowohl durch ihn selbst als auch andere Menschen, offen sein müsse (vgl. 2002: 26). Mit Bezug auf John Lockes Essay Concerning Human Understanding stellt er fest, dass das Hauptziel der Aufklärung „ein Kampf der direkten Erkenntnis gegen das überlieferte Wissen, ein Kampf der Gegenwart gegen die Vergangenheit, der Lebenden gegen die Toten [ist]“ (2002: 27). Implizit verbergen sich darin auch die Abwendung vom „Alten“ und der Ausgangspunkt für das Streben nach Eigenständigkeit, sowohl in
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Bezug auf das Denken, als auch die Selbstverwirklichung des Menschen. In diesem Zusammenhang spielt der Begriff des Glücks eine wesentliche Rolle, welcher durch Locke folgendermaßen definiert wird:
„Happiness, [...] in its full extent, is the utmost pleasure we are capable of, and misery the utmost pain; and the lowest degree of what can be called happiness is so much ease from all pain, and so much present pleasure, as without which any one cannot be content” (Locke, 1690).
Die Erfüllung sinnlicher Bedürfnisse unter Berücksichtigung der Vernunft ist scheinbar die höchste Anforderung der Aufklärung an das Individuum, wird von Kelleter (2002: 38) aber sinnvoll auf das Abwägen der Auswirkungen reduziert, welche nicht pauschal, sondern situationsbedingt eingeschätzt werden müssen. Auf politisch-sozialer Ebene beschreibt Jeremy Bentham im 18. Jahrhundert die Bedeutung des Individuums in der Gesellschaft und spricht von der Verantwortung einer Regierung, den Staat so zu gestalten, dass die größtmögliche Anzahl von Menschen das größtmögliche Glück erfahren kann (vgl. Blachtley). Die Ermöglichung des Strebens nach Glück wird so zum Teil der aufgeklärten Gesellschaft.
Ebenfalls von Bedeutung ist der Begriff des Naturrechts, welcher Kelleter (2002: 115) zufolge als Rechtfertigung für die grundsätzliche Kritik an bestehenden Herrschaftsverhältnissen verstanden werden kann. Dieses Recht gesteht jedem denkenden Individuum die Möglichkeit zu, „staatliche Gesetze auf ihre Maßgeblichkeit hin zu überprüfen“ (ebd.). Die dadurch vorgenommene Trennung von Wahrheit und Macht ist wesentlich für das Verständnis des Freiheitsgedankens, sowie der amerikanische Revolution und findet sich vermutlich in allen mit ihr verbundenen Auseinandersetzungen wieder. In diesem Kontext schreibt Kelleter der Unabhängigkeitserklärung die Funktion einer Art Bestandsaufnahme zu, welche weder „eine Petition noch eine revolutionäre Absichtserklärung“ (ebd.) darstellt, sondern die bestehenden Umstände reflektiert und infrage stellt.
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Arbeit zitieren:
Janine Börstler, 2011, Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung - Ein Dokument der Aufklärung, München, GRIN Verlag GmbH
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