2. Didaktische Reflexion 2.1 Begründung der Themenwahl
Die Wahl des Themenkomplexes „schriftliches Erzählen“ in Verbindung mit dem Verfahren der Textproduktion ist durch ein hohes Maß an Transfermöglichkeiten begründet. In Klasse 5 wird eine Grundlage bezüglich der Kenntnisse des schriftlichen Erzählens gelegt, auf die in Klasse 6 direkt aufgebaut wird, aber auch in höheren Klassen immer wieder indirekt Bezug genommen wird, da die Form der Erzählung eine einfache Textsorte mit einem Muster von Einleitung, Hauptteil und Schluss ist. Die Textsorte „Erzählung“ stellt somit die Basis dar, mit deren Hilfe die erworbenen Kenntnisse auf anspruchsvollere Textsorten transferiert werden können. Ebenso unterstützt die Kenntnis über Erzählungen die eigene Textproduktion, zum Beispiel bezüglich der Strukturierung. Die SchülerInnen können des Weiteren das Erlernte auf ihre mündliche Kommunikation übertragen und Erlebnisse und Geschichten strukturierter und lebendiger, spannender vortragen. Dabei hilft ebenfalls die Unterscheidung von wichtigen und unwichtigen Informationen, welche in der Stoffeinheit besprochen werden soll. So werden langfristige Kenntnisse über Textstrukturen und Textproduktion erworben, auf die die nächsten Klassenstufen aufbauen können, aber den SchülerInnen auch im Alltag und anderen Schulfächern helfen können, Texte strukturiert und präzise zu verfassen. Mit Hilfe von Methoden und Erzählplänen werden eigene Geschichten verfasst und diese wiederum überarbeitet werden. Die SchülerInnen sollen zur Einsicht kommen, dass eine erste Textfassung nicht die Letzte ist. Die SchülerInnen lernen Verfahren der Textüberarbeitung kennen und wenden diese gezielt an. Mittels eines Schreibportfolios erkennen sie die Notwendigkeit der Überarbeitung von Texten. Zudem zielen einzelne Übungen auf die sprachliche Kompetenzerweiterung ab. Beispielsweise soll beim Stationslernen der eigene Wortschatz (Adjektive, Synonyme, Verben, Satzanfänge) erweitert werden.
Die Einführungsstunde leistet einen transparenten Beitrag zum Ziel der Stoffeinheit. In der ersten Stunde stellt die Lehrerin die Stoffeinheit vor und das übergeordnete Ziel eines Schreibportfolios wird klar benannt. Die erste Stunde knüpft an bereits Bekanntes an und bietet somit einen leichten Einstieg. Unter Beachtung des Ziels, eine eigene Geschichte zu schreiben, werden in der Einführungsstunde „erste Schritte als GeschichtenerfinderIn“ getätigt und erarbeitet. Dazu zählen der Rückgriff
1
auf Vorkenntnisse der Bildergeschichte und der mündlichen Kommunikation, sowie der Beginn der Erstellung eines Erzählrezepts. 1
2.2 Sachanalyse
Das schriftliche Erzählen unterliegt einem narrativen Textmuster, welches Handlungen und Vorgänge wiedergibt. Ziel des Erzählens ist es ein Ereignis spannend und unterhaltsam auszugestalten.
Erzählungen können vielfältiger Art sein und durch unterschiedliche Impulse initiiert werden: Bildergeschichten, Nacherzählungen, Erlebnisgeschichten und,
Fantasiegeschichten. Alle Formen verlangen einen lebendigen Erzählstil, knappe Satzstrukturen, direkte Rede und das Präteritum als bevorzugte Zeitform. Aber auch Adverbialbestimmungen zur Orientierung für den Leser in Raum und Zeit und verdeutlichen von wichtigen Kausalzusammenhängen. Dabei muss sich der Schreiber in das Geschehen hineinversetzen und anhand eines Strukturschemas sein Ereignis als Beteiligter oder Allwissender erzählen.
Eine Erzählung folgt der klassischen Gliederung in: Einleitung, Hauptteil und Schluss, welche textsortenspezifische Merkmale aufweisen. Die Einleitung beantwortet die so genannten W-Fragen: Wer? Wann? Wo? (Was?). Nachdem der Schreiber die Informationen eingeführt hat, baut er eine Spannungskurve im Hauptteil durch kleinere Episoden mit Ereignissen auf, welche entweder in einer Reaktion oder einer überraschenden Wende münden und in einer Auflösung im Schlussteil enden, welcher eine Rückschau und Bewertung des Geschehens durch den Erzähler beinhalten kann. Es folgt der zeitlichen Ordnung des Nacheinanders. Es ist notwendig in einer Erzählung lebendig und anschaulich zu erzählen. Erreicht wird dies unter anderem durch die direkte Rede und vermitteln von Gedanken und Gefühlen, detailliertes Beschreiben durch Adjektive und Adverbien,
abwechslungsreiche Wortwahl und Nennung von Ort und Zeit, aber auch der Ausgestaltung des Höhepunktes. Werden diese Mittel beachtet, schlussfolgert sich, dass eine Erzählung subjektbezogen, emotional, szenisch, perspektivisch und stimmungsvoll ist.
1 Für das Erzählrezept habe ich mich entschieden, da zu einer guten Geschichte viele Details, zum Beispiel die
Verwendung von vielen Adjektiven, variable Satzanfänge, Synonyme und direkte Rede (Zutaten) gehören und
nicht nur eine bloße Abfolge, ein Erzählplan.
2
In Bezug auf Phasen der Textproduktion gibt es ebenfalls eine Struktur. Planen, Formulieren und Überarbeiten stellen dabei die Subprozesse dar. Nach Fix werden in der Planungsphase Ideen geschaffen und gesammelt, Informationen beschaffen und analysiert, der Prozess organisiert und strukturiert. Das Schreibziel wird festgelegt und mittels eines Planungsschemas (Mindmap, Cluster, etc.) erarbeitet. Daran anschließend wird in der Formulierungsphase das Raster verschriftlicht. Nicht unbedingt anschließend, sondern oft im Wechsel erfolgt die Phase des Überarbeitens. Schon in der Formulierungsphase kann im Kopf eine Revision stattfinden. Das Überarbeiten kann mittels unterschiedlicher Methoden erfolgen, beispielsweise einer Schreibkonferenz, einer Textlupe, Kommentar, Über-den-Randhinaus-schreiben, Experten-Team, etc. oder für den Einzelnen durch Ergänzen, Korrektur, Verbesserung, etc.
2.3 Didaktische Reduktion
Das Verfahren des Erzählens wird in der Klassenstufe 6 noch einmal aufgegriffen, daher wird zum einen für Klasse 5 und selbstverständlich für die geplante Einführungsstunde „die ersten Schritte als Geschichtenerfinder“ eine didaktische Reduktion vorgenommen. So liegt der Schwerpunkt der Unterrichtssequenz vor allem
auf Fantasiegeschichten. 2 Die SchülerInnen sollen den Aufbau einer Erzählung kennen und umsetzen können, sowie vor allem auf die Zeitform, Satzanfänge und Adjektive achten. Die Erzählung als Textform wird in der Stoffeinheit im Allgemeinen ganz behandelt und nur in einigen Details reduziert.
Die Textproduktion wird ebenso auf die Kenntnis und Anwendung dieser reduziert. Dabei geht es vordergründig darum, den SchülerInnen den Prozess des Überarbeitens nahe zu bringen und deshalb wird dieser häufige Anwendung finden. Die Einführungsstunde bietet vor allem eine Einstimmung und Motivierung auf das Thema durch einen bekannten Bezug. Die SchülerInnen können bereits fabulieren und wenden dieses an. Bevor es darum geht, dass die SchülerInnen selbst produktiv werden, sollen sie an Beispieltexten Vorwissen zur Grobgliederung (Einleitung, Hauptteil, Schluss) aktivieren und einzelne Merkmale der Einleitung erarbeiten.
2 Fix verweist mit einer Statistik auf die Bevorzugung von Fantasieerlebnissen und -geschichten. Den
SchülerInnen fällt es bezüglich dessen leichter ihre Kreativität zu entfalten und Geschichten zu verfassen. Daher
wird Klasse 5 in Bezug auf das Thema „Erzählen“ darauf eingehen.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Anne Golatowski, 2011, Schriftliches Erzählen einer Abenteuergeschichte - 1. Stunde: Die ersten Schritte als Geschichtenerzähler, München, GRIN Verlag GmbH
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