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INHALT
1. EINLEITUNG 5
1.1 Fragestellung und Ziele der Arbeit 6
1.2 Aufbau der Arbeit 6
1.3 Ein paar Worte zur Form 7
2. ZUR EINORDNUNG DES THEMAS UND ZUM VORGEHEN IN DER UNTERSUCHUNG 9
2.1 Frauenbilder: Sex, Gender, Rollen und Geschlechterstereotype 9
2.1.1 Ein „traditionelles“ Frauenbild 12
2.2 Frauenbilder: Geschlecht und Medien 14
2.2.1 Die Medienform „Lifestyle-Magazin“ 15
2.3 Aufgabenstellung und Vorgehen der Untersuchung 20
3. DAS FRAUENBILD IN DEN LIFESTYLE-MAGAZINEN 23
3.1 Die Profile der untersuchten Lifestyle-Magazine 23
3.1.1 Das Profil des Lifestyle-Magazins „Glamour“ mit Blick auf das
Bild der Frau und des Mannes 23
3.1.2 Das Profil des Lifestyle-Magazins „Men’s Health“ mit Blick auf
das Bild des Mannes und der Frau 28
3.2 Die inhaltliche Gegenüberstellung der Lifestyle-Magazine 34
3.2.1 Schönheit: Mode und Kosmetik 34
3.2.2. Gesundheit: Ernährung, Fitness, Medizin 36
3.2.3 Sport: Training und Motivation 37
3.2.4 Reise und Orte 38
3.2.5 Gesellschaft 38
3.2.6 LeserInnen-Service 40
3.2.7 Prominente 41
3.2.8 Partnerschaft 42
3.2.9 Ratgeber 44
3.2.10 Erotik und Sexualität 46
3.2.11 Kultur und Unterhaltungsmedien 47
3.2.12 Rezepte und Kochen 47
3
3.2.13 Events und Termine 48
3.2.14 Technik 49
3.2.15 Horoskop und Psychotest 49
3.2.16 Humor, Rätsel, Gewinnen 50
3.2.17 Auto 51
3.2.18 Möbel und Einrichtung 52
3.2.19 Zusammenschau: Die thematische Struktur der Lifestyle-Magazine
und ihr Blick auf die Frau und den Mann 52
3.3 Die sprachliche Umsetzung des Frauenbildes in den Lifestyle-Magazinen 56
3.3.1 Die sprachliche Umsetzung des Frauenbildes in der „Glamour“ 56
3.3.2 Die sprachliche Umsetzung des Frauenbildes in der „Men’s Health“ 72
3.3.3 Zusammenschau: Die sprachlichen Mittel zur Umsetzung des Frauen-
bildes in den Lifestyle-Magazinen 80
4. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION: DAS FRAUENBILD IN DEN LIFESTYLE-
MAGAZINEN UND DAS TRADITIONELLE BILD DER FRAU 82
4.1 Das Frauenbild in der „Glamour“ und das traditionelle Bild der Frau 82
4.2 Das Frauenbild in der „Men’s Health“ und das traditionelle Bild der Frau 85
4.3 Zusammenschau: Das Bild der Frau in Lifestyle-Magazinen 87
5. ABSCHLIEßENDE BEMERKUNGEN UND AUSBLICK 89
6. LITERATUR 91
6.1 Untersuchungskorpus 91
6.2 Sekundärliteratur 91
6.3 Internetressourcen 94
ANHANG: TABELLEN
1. Zu den Profilen der untersuchten Lifestyle-Magazine 96
1.1 Statistische Daten 96
1.2 Die Zielgruppen 97
1.3 Das Seitenverhältnis: Werbung und redaktioneller Teil 98
4
2. Zur thematischen Struktur in den Lifestyle-Magazinen 98
2.1 Thematischen Struktur des Magazins „Glamour“ 98
2.2 Thematische Struktur des Magazins „Men’s Health“ 100
2.3 Thematische Struktur der beiden Lifestyle-Magazine insgesamt 103
1. EINLEITUNG
Hausfrau und Mutter oder Karrierefrau und Trendsetterin? „Kinder, Küche, Kirche“ oder „Kosmetik, Kleider, Klatsch und Konsum“ 1 ? Hüterin von trautem Heim und Familie oder ungebundene Kosmopolitin? - Untersuchungen zum Bild der Frau in den Medien gibt es in reicher Zahl. Besonders mit Erstarken der (zweiten) internationalen Frauenbewegung im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts wuchs das Interesse an der öffentlichen Darstellung der Frau, vor allem in den Massenmedien. Unter verschiedenen, (nicht immer) wissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtete man kritisch z.B. „Das Frauen- und Mädchenbild in den Medien“ 2 , „Das Bild der Frau in den US-amerikanischen Massenmedien während des Zweiten Weltkrieges“ 3 , „Das Bild der Frau in Frauen- und Männerzeitschriften“ 4 , „DDR-Zeitschriftenprofile 1950-1980 am Beispiel von
Geschlechtsrollenproblematik und Frauenleitbild“ 5 , wie auch „Frauenzeitschriften und weibliche[n] Lebenszusammenhang“ 6 neben „Frauenbild, Kultur- und Rollenmuster in Kaiserzeit, Republik und Diktatur (1899-1944)“ 7 , um nur einige zu nennen. Zur gleichen Zeit etwa fand ein Prozess seinen Anfang, den man auch mit der
„Evolution der Medien“ 8 betiteln könnte, ein Aufschwung im Sinne einer Entwicklung neuer Medientypen (z.B. Internet, CD, DVD) und der Differenzierung und Entfaltung bereits vorhandener. Das Angebot auf dem Zeitschriftenmarkt beispielsweise vergrößerte sich allein zwischen 1983 und 2000 um „achtzig neueingeführte Publikumszeitschriften“, die sich „mit
einer Auflage von jeweils 15.000 verkauften Exemplaren […] etablieren“ konnten. 9 Darunter befanden sich auch zahlreiche, die heute im Allgemeinverständnis zur damals entstandenen
Gruppe der „Lifestyle-Magazine“ 10 gezählt werden.
1 DUSKE, Dagmar: „Und ewig lockt das Gleiche. Strategien und Inhalte kommerzieller Frauenzeitschriften.“ In: SCHMERL, Christiane (Hrsg.): In die Presse geraten. Darstellung von Frauen in der Presse und Frauenarbeit in den Medien. 2., durchges. Auflage. Köln, Wien: Böhlau 1989. S. 103.
2 SCHMERL, Christiane: Das Frauen- und Mädchenbild in den Medien. Opladen: Leske und Budrich 1984.
3 SCHÖN, Susanne: Das Bild der Frau in den US-amerikanischen Massenmedien während des Zweiten Weltkrieges. Marburg: Tectum 2005.
4 STUCKARD, Bettina: Das Bild der Frau in Frauen- und Männerzeitschriften. Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung über Geschlechtsstereotype. Frankfurt am Main: Peter Lang 2000.
5 SCHEEL, Daniela: Zwischen Wertung und Wirkung. DDR-Zeitschriftenprofile 1950-1980 am Beispiel von Geschlechtsrollenproblematik und Frauenleitbild. Köln: Verlag Wissenschaft und Politik 1985.
6 RÖSER, Jutta: Frauenzeitschriften und weiblicher Lebenszusammenhang. Themen, Konzepte und Leitbilder im sozialen Wandel. Opladen: Westdeutscher Verlag 1992.
7 SCHLINGMANN, Sabine: „Die Woche“ - Illustrierte im Zeichen emanzipatorischen Aufbruchs? Frauenbild, Kultur- und Rollenmuster in Kaiserzeit, Republik und Diktatur (1899-1944). Eine empirische Analyse. Hamburg: Verlag Dr. Kovaþ 2007.
8 ROLF, Nina: Special Interest-Zeitschriften. Münster/ Hamburg: Lit 1995, S. 1.
9 Vgl. ebd..
10 Zur Problematik dieses Begriffs vgl. Kapitel 2.2.1 dieser Arbeit.
Sie bilden die Untersuchungsgrundlage der vorliegenden Arbeit, die sich damit in den Reigen der Überlegungen zum Frauenbild in den Massenmedien einordnet.
FRAGESTELLUNG UND ZIELE DER ARBEIT 1.1
Die Arbeit beschreibt und erläutert eine sprachwissenschaftliche Analyse je eines Exemplars der beiden Lifestyle-Magazine „Glamour“ und „Men’s Health“. 11 Dabei wird grundsätzlich von der Annahme ausgegangen, dass bei der Herstellung einer Zeitschrift Vorstellungen von gesellschaftlichen Zuständen, vom Frau- und Mannsein, eine Rolle spielen, die in die Gestaltung des Heftes mit hineinwirken.
Diese Vorstellungen gilt es herauszuarbeiten, indem der Frage nach dem (oder den) in den Magazinen vermittelten Bild (oder Bildern) der Frau und ihrer Lebenszusammenhänge in der heutigen Gesellschaft nachgegangen wird. Dabei sind sowohl Aspekte ihres Aussehens und ihrer Verhaltensweisen von Bedeutung, als auch der berufliche Status, der ihr zugesprochen wird, sowie die sozialen Rollen, in die sie schlüpft. Ziel der Betrachtungen ist es, das (jeweilige) Bild der Frau in den Lifestyle-Magazinen zu beschreiben und auch vor dem Hintergrund eines traditionellen Frauenbildes 12 zu diskutieren. Die Grundlagen dafür liefert die linguistische Analyse der jeweiligen Sprachverwendung in den Heften. Sie fundiert sämtliche Aussagen zur Beschaffenheit des jeweiligen Frauenbildes.
Dementsprechend gestaltet sich der Aufbau der Arbeit wie im Folgenden beschrieben.
1.2 AUFBAU DER ARBEIT
Kapitel 2 führt in die Thematik der Arbeit ein, indem es zunächst den theoretischen Bezugsrahmen der beschriebenen Untersuchung absteckt. Dafür expliziert es grundlegende Begriffe, ordnet diese überblicksartig in den Kontext ihrer jeweiligen Herkunfts- und Bezugswissenschaften ein und klärt zudem ihr Verständnis im Sinne ihrer Verwendung in dieser Arbeit. Aus diesem Kontext heraus entwickelt es schließlich die genaue Aufgabenstellung und äußert sich zum methodischen Vorgehen in der Untersuchung.
11 Ausgewählt wurden, um möglichst aktuelle Daten zu erhalten, die Ausgaben vom Oktober 2008: „Glamour“ 22/08 und Men’s Health“ 10/08.
12 Ausführungen hierzu finden sich in Kapitel 2.1.1 dieser Arbeit.
Darauf folgt in Kapitel 3 die ausführliche Beschreibung und Auswertung der durchgeführten Untersuchung. Sie erstreckt sich über die Erstellung individueller Profile der untersuchten Lifestyle-Magazine und eine sich anschließende Gegenüberstellung ihrer Themenlandschaften, welche die den Magazinen zugrundeliegenden Geschlechtervor-
stellungen 13 sichtbar werden lässt. Die wesentlichen Aussagen über die Frau werden darauf folgend auf der sprachlichen Ebene hinsichtlich der stilistischen Mittel ihrer Gestaltung analysiert und verifiziert.
In Kapitel 4 schließt sich eine zusammenfassende Diskussion des jeweils ermittelten Frauenbildes im Hinblick auf traditionelle Vorstellungen an, wobei sich eventuelle Entsprechungen oder Abweichungen gegenüber stereotypen Geschlechterbildern zeigen werden. Dazu kommt eine Gegenüberstellung derselben, um gegebenenfalls Entsprechungen und Unterschiede feststellen zu können.
Kapitel 5 schließlich enthält zum einen abschließende Bemerkungen, die Aufschluss über auftretende Auffälligkeiten während der Untersuchungsarbeit geben, und eröffnet zum anderen einen Ausblick auf weitere Möglichkeiten und Fragestellungen für zukünftige Forschungsunternehmen in diesem Bereich.
Das Literaturverzeichnis mit sämtlichen verwendeten Titeln und Schriften und die Anlage, in der sich ermittelten Daten und Tabellen als Hintergrundinformation finden lassen, bilden den Abschluss dieser Arbeit.
1.3 EIN PAAR WORTE ZUR FORM
Neben den üblichen (im Übrigen nicht amerikanischen) Zitierkonventionen, denen in der vorliegenden Arbeit Folge geleistet werden soll, sei hier kurz auf zwei angewandte, eher unkonventionelle Schreibweisen hingewiesen. Zum einen handelt es sich um die Schreibung mit intraverbalem großem „I“ bei der Bezeichnung von gemischtgeschlechtlichen Personengruppen (z.B. LeserInnen für Leserinnen und Leser). Diese zwar nicht orthographisch, wohl aber politisch „korrekte“ Form wurde gewählt, da sie auf sprachökonomische Art und Weise das Vorhandensein von weiblichen Personen erkennbar macht und sie nicht stillschweigend den sprachlichen Maskulina „einverleibt“ 14 .
13 Auch das Selbst- und Fremdbild des Mannes wird beleuchtet, um Schlüsse in Bezug auf eventuelle Ableitungen des Frauenbildes von demselben ziehen zu können. Vgl. hierzu Kapitel 3.
14 Vgl. HÄBERLIN, Susanna/ Rachel SCHMID/ Eva Lia WYSS: Übung macht die Meisterin. Ratschläge für einen nichtsexistischen Sprachgebrauch. München: Verlag Frauenoffensive 1992, S. 104-107.
Zum anderen, aber in eben diesem Sinne, werden AutorInnen, soweit sie im laufenden Text erwähnt werden, entgegen dem üblichen Vorgehen, „Wissenschaftler, Forscher und
Autoren in der historischen Tradition als Männer […]“ 15 zu denken, stets mit ihrem Vor- und Nachnamen genannt. 16
15 KLAUS, Elisabeth: Kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung. Zur Bedeutung der Frauen in den Massenmedien und im Journalismus. Opladen, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1998, S. 11.
16 Vgl. HÄBERLIN/ SCHMID/ WYSS, 1992, S. 104-107 und BRINKMANN TO BROXTEN, Eva: „Der allgemeine Mensch ist immer männlich. Frauen wehren sich gegen ihr Dasein als Außenseiterinnen in der Sprache.“ In: Der Sprachdienst. Nr. 5/1990, S. 142f..
ZUR EINORDNUNG DES THEMAS UND ZUM VORGEHEN IN DER UNTERSUCHUNG 2.
Der Journalismus bestätigt und entwirft Gesellschaftsbilder und Geschlechtervorstellungen. Als moderne Geschichten- und Märchenerzähler sind die Massenmedien Mythenproduzenten und -reproduzenten der Gesellschaft. 17
Die Erforschung der Entstehung, Verbreitung, Wirkung und vor allem der Beschaffenheit von Frauen- bzw. Geschlechterbildern in den Medien ist ein weites Feld. Dieses Kapitel soll Orientierungshilfe leisten, indem es den in dieser Arbeit besprochenen Sachverhalt des Frauenbildes in bestimmten Medienformen in den Kontext seiner Bezugswissenschaften einordnet und die grundlegenden Begrifflichkeiten definitorisch abgrenzt. Dazu gehören Erläuterungen zu relevanten Begriffen der Soziologie, zur Konstruktion von Geschlecht in den Medien und deren Sozialisations- und Orientierungsfunktion, wie auch die grundlegende, nicht unproblematische Klassifizierung und Charakterisierung der untersuchten Medienform „Lifestyle-Magazin“. Über die Funktion der Sprache bei der Konstruktion und Vermittlung von Geschlechterbildern lässt sich anschließend die Aufgabenstellung der vorliegenden Analyse entwickeln und das Vorgehen in der Untersuchung erläutern.
2.1 FRAUENBILDER: SEX, GENDER, ROLLEN UND GESCHLECHTERSTEREOTYPE
Die in der Überschrift genannten Grundbegriffe entstammen der Soziologie und dabei vornehmlich ihrem auf das Geschlecht bezogenen Teilbereich der Gender Studies 18 . Diese gehen davon aus, dass ein Mensch nicht aufgrund seines ihm angeborenen Geschlechts (sex) Verhaltensweisen, Aufgaben oder Rollen übernimmt, die als typisch weiblich oder männlich gelten, sondern dass diese Zuschreibungen gesellschaftlich konstruiert und damit veränderbar sind und von Gesellschaft zu Gesellschaft differieren können (gender). 19 Das bedeutet, dass beispielsweise der Mensch des hiesigen Kulturraumes von Geburt an eine zweigeteilte Welt erfährt, einen Dualismus männlich:weiblich, innerhalb dessen er seinem biologischen Geschlecht entsprechend einer Seite zugeordnet wird. Von nun an lehrt ihn nahezu alles in seiner Umgebung, wie er sich dieser Zuordnung gemäß verhalten, kleiden, wofür er sich interessieren, welche Berufe er ergreifen sollte. Durch alltägliche Diskurse und Interaktionen wird seine Geschlechtsidentität erzeugt, die ihn sich schließlich als Frau oder
17 KLAUS, 1998, S. 388.
18 Vgl. FUCHS-HEINRITZ, Werner u.a. (Hrsg.): Lexikon der Soziologie. 4. grundlegend überarb. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007, S. 226.
19 Vgl. ebd., S. 225f..
Mann fühlen und auch andere Menschen als Frauen oder Männer erkennen lässt. Zu seinem biologischen tritt also sein sozial konstruiertes Geschlecht 20 . An diese Geschlechtsidentität knüpfen sich nun gewisse „Bündel von Erwartungen an das eigene Verhalten und das Verhalten Anderer [als Frau oder Mann, A.W.]“ 21 in bestimmten Situationen. Um diese erläutern zu können, hat sich die Rollentheorie als ein probates Hilfsmittel erwiesen. Als Untersuchungs- und Beschreibungsinstrument sozialer Systeme bemüht sie sich unter Zuhilfenahme des Rollenbegriffs um die Formulierung und Überprüfung von Hypothesen hinsichtlich der „Bedingungen regelmäßigen sozialen
Verhaltens“. 22 Das heißt, der Mensch wird hier „als gesellschaftliches Wesen konzipiert [und
sein] Verhalten als durch Normen geregelt und Sanktionen beeinflusst betrachtet“ 23 . So kann eine Person im System „Familie“ die Position oder Stellung eines Elternteils innehaben und/ oder im System „Firma XY“ die einer Sachbearbeiterin bzw. eines Sachbearbeiters. Ungeachtet ihrer Individualität werden -wie oben erwähnt- an diese Person bestimmte Erwartungen (vom gesellschaftlichen Umfeld oder auch von der Person selbst) aufgrund ihrer Stellung herangetragen. Lässt sie diese und „die eine Stellung ausmachenden Rechte und Pflichten wirksam werden, übernimmt [sie] eine Rolle.“ 24 Kümmert sich also eine Frau ihrer Position in der Familie und den an sie geknüpften Erwartungen entsprechend um die Erziehung der Kinder, übernimmt sie die Rolle der Mutter. Sorgt sich eine Frau als Abteilungsleiterin in einem Unternehmen entgegen der dieser Position entsprechenden Erwartungen nicht um die Belange ihrer Mitarbeiter, so übernimmt
sie in dieser Hinsicht nicht die Rolle der verantwortlichen Vorgesetzten. 25 Wie und auf welche Weise jemand eine Rolle ausfüllt, ob ein Mann als Vater z.B. streng und konsequent oder sanft und nachgiebig mit seinen Kindern umgeht, ob er als Laisser-faire-Chef oder mit autoritärem Führungsstil auftritt, hängt im konkreten Fall natürlich jeweils von seiner individuellen Persönlichkeit ab. Aber auch hier sind verinnerlichte Vorstellungen darüber, wie man sich selbst oder jemand anderer als Frau oder Mann in der jeweiligen Position verhalten sollte, von Belang.
20 Vgl. z.B. ebd., S. 225.
21 Vgl. z.B. ebd., S. 225 und 232.
22 Vgl. z.B. ebd., S. 564.
23 ENDRUWEIT, Günter/ Gisela TROMMSDORFF (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Enke 1989. Bd. 2, S. 547. Die Kursivschreibung wurde aus dem Original übernommen.
24 LINTON, Ralph: Mensch, Kultur, Gesellschaft. Stuttgart: Hippokrates-Verlag 1979, S. 97.
25 Positionen und Rollen „sind untrennbar und die Unterscheidung zwischen ihnen ist nur von akademischem Interesse.“ Vgl. ebd., S. 97.
Klischees oder Vorurteile könnte man diese Geschlechterstereotype auch nennen, verbreitete, feste Auffassungen davon, was im Allgemeinen als typisch weiblich bzw. typisch männlich angesehen wird.
Sie enthalten Informationen über charakteristische Merkmale von Frauen und Männern, die sich auf Persönlichkeitseigenschaften […], das äußere Erscheinungsbild, das Rollenverhalten und den beruflichen Status beziehen. 26
Diese vereinfachende Festlegung der Geschlechter auf bestimmte Eigenschaften erleichtert den alltäglichen Umgang vor allem auch fremder Personen untereinander. Die Erfahrung aus vorangegangenen Begegnungen mit anderen Mitmenschen ermöglicht es den Interaktionspartnern, sich zunächst und vor allem bei steigender Anonymität nicht als komplexe Individuen wahrzunehmen, sondern vereinfachend als Merkmals- und Rollenträger. Jedes Handeln, jede Begegnung wird dabei zu einem an diesem Erfahrungswissen orientierten Tun, in das Verhaltenserwartungen dem Interaktionspartner bzw. der -partnerin gegenüber mit hineinspielen. In diesem Sinne sind auch an das Geschlecht eines Menschen bestimmte, normative (Rollen-) Verhaltenserwartungen geknüpft, die Einfluss auf das Selbst- und
Fremdbild einer Frau bzw. eines Mannes haben. 27
Damit wird deutlich, dass die zugrunde liegenden stereotypen Vorstellungen nicht
statisch sind, sondern dem Wandel der Zeit 28 und der Mode ebenso unterliegen, wiezumindest zu einem gewissen Teil- die subjektiven Erfahrungen und Einstellungen jedes
einzelnen. Sie existieren auf kollektiver und individueller Ebene 29 , beeinflussen unter anderem die weibliche und männliche Kommunikation, die Produktion und Rezeption von Sprache 30 und damit auch die Darstellung der Geschlechter mit ihrer Hilfe. Und auf diese Weise 31 wiederum rücken neben dem gesellschaftlichen Umfeld, neben Eltern, Freunden, Lehrern, Kollegen und anderen Personen also, auch die Medien in die Position des Rezipienten wie Produzenten von stereotypen Geschlechtervorstellungen.
26 GOTTBURGSEN, Anja: Stereotype Muster des sprachlichen doing gender. Eine empirische Untersuchung. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2000, S. 13.
27 Vgl. GÜNTHER, Mario Thomas: Eman(n)zipiert? Eine empirische Studie über den Zusammenhang zwischen dem Männerbild der Zeitschrift Men's Health und der Lebensrealität der Leser. Münster u.a.: Lit 2000, S. 16-22 und GELLER, Helmut: Position - Rolle - Situation. Zur Aktualisierung soziologischer Analyseinstrumente. Opladen: Leske und Budrich 1994, S. 80-87.
28 GOTTBURGSEN, 2000, S. 59.
29 Ebd., S. 59f. .
30 Vgl. ebd., S. 61-66.
31 Natürlich ist die Sprache nur ein Werkzeug der Medien unter vielen, um Geschlechterbilder zu vermitteln. Besonders genannt wird sie hier wegen ihrer Relevanz für die vorliegende linguistische Untersuchung.
2.1.1 Ein „traditionelles“ Frauenbild
In einer Untersuchung Anfang der 1970er Jahre arbeiteten Inge K. Brovermann u.a. stereotyp männliche und weibliche Merkmale heraus, die in den 1960er Jahren die Geschlechterbilder
prägten (siehe Tabelle 1). 32
Anja Gottburgsen stellt diese Ergebnisse denen einer in den 1990er Jahren durchgeführten Untersuchung gegenüber (siehe Tabelle 2). Dabei wird deutlich, dass sich trotz großer gesellschaftlicher Veränderungen in Bezug auf die soziale Stellung der Frau 34 an den ihr gemeinhin zugeschriebenen Eigenschaften und Merkmalen nicht viel geändert hat.
32 Vgl. ebd., S. 61f...
33 Vgl. BROVERMANN, Inge K. u.a.: „Sex-role stereotypes: A current appraisal.“ In: Journal of Social Issues. Nr. 2/1972, S. 63; hier zitiert nach GOTTBURGSEN, 2000, S. 61f..
34 Im Zuge der Frauenbewegung vor allem der 1970er Jahre, die die bestehende gesellschaftliche Wirklichkeit als diskriminierend der Frau gegenüber kritisierte und soziale Gerechtigkeit für die Frau einklagte, entwickelte
Frauen werden demnach mindestens dreißig Jahre lang 36 vor allem als „verständnisvoll“, „warmherzig“, „gesprächig“ und „anlehnungsbedürftig“, Männer dagegen als „selbstsicher“, „ehrgeizig“, „zielstrebig“, „rational“ und „willensstark“ beschrieben. 37 Mit Ariane Barth, die sich auf die Psychologen Stevens und Hershberger 38 beruft, kann hinzufügt werden, dass Weiblichkeit über Jahrzehnte hinweg vor allem mit den Attributen „passiv“, „abhängig“, „emotional“, „unlogisch“, „arglos“, „schön“, „fürsorglich“, „sanft, warm“, „launisch“, „verführerisch“, „künstlerisch“, „psychisch nicht belastbar“ und „physisch schwach“ konnotiert wurde, Männlichkeit dagegen mit den Attributen „stark“, „kontrolliert“, „verantwortungsvoll“, „intelligent“, „gefühlsreduziert“, „technisch veranlagt“,
„dominant“, „beschützend“, „kompetent“, „logisch“, „unabhängig“ und „sportlich“. 39 Damit in Verbindung steht auch der unterschiedliche gesellschaftliche Status, der der Frau und dem Mann traditionell zukommt und an den sich bestimmte Verhaltens- bzw.
sich „ein Gesellschaftsbild der ‚neuen Frau’“, das die Frau aus ihren traditionellen Rollen lösen und neu definieren sollte, „wie die Geschlechter sein sollen“. Vgl. BARTH, Ariane: „Energien vom wilden Mann.“ In: Der Spiegel. Nr. 40/1989. S. 228.
35 Vgl. BORN, Petra: Geschlechtsrolle und diagnostisches Urteil. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 1992, S. 136; hier zitiert nach GOTTBURGSEN, 2000, S. 63.
36 Bezugszeitraum ist der zwischen den genannten Untersuchungen, die mit einem Abstand von dreißig Jahren durchgeführt wurden und kaum voneinander abweichende Ergebnisse zutage brachten.
37 Vgl. GOTTBURGSEN, 2000, S. 61.
38 Die Vornamen waren leider nicht ermittelbar. Vgl. BARTH, 1989. S. 232.
39 Vgl. ebd..
Rollenerwartungen knüpfen. Diese leiten sich aus der „geschlechtstypischen Arbeitsteilung, die bislang trotz eines Wandels der Geschlechterverhältnisse fortbesteht“ 40 , ab und weisen dem Mann die Zuständigkeit für den Beruf 41 und die Position des Familienernährers zu, der fasziniert ist von Großtaten und Sexualität als (seine) Leistung betrachtet 42 . Die Frau dagegen ist als Mutter für die Erziehung der Kinder 43 und für den häuslichen Bereich zuständig. Sie ist romantisch und setzt Sexualität mit Liebe gleich. 44
Ist an späterer Stelle der vorliegenden Arbeit vom traditionellen Frauen- bzw. Männerbild die Rede, so nimmt dies Bezug auf das soeben beschriebene.
2.2 FRAUENBILDER: GESCHLECHT UND MEDIEN
Das Bild, das die deutschen Illustrierten von der Frau in unserer Gesellschaft zeichnen, ist unrealistisch. Als Wunschbild dient es der Verschleierung und der Kompensation von Versagungen, welche die soziale Ordnung den Frauen auferlegt. […] Die Notwendigkeit von Wunschbildern und die Disposition der Menschen, sich ihrer zu bedienen, weisen hin auf den unvollkommenen Zustand der Gesellschaft, in der wir leben. 45
Als Egon Becker vor 45 Jahren diese Feststellung machte, waren die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Idealvorstellung von einer Frau und ihre tatsächliche Situation in Ehe, Familie und Gesellschaft natürlich noch ganz andere als heute. Mittlerweile haben tiefgreifende Veränderungen, angestoßen vor allem durch die Frauenbewegung 46 der 1970er und 80er Jahre, stattgefunden; die Darstellung der Frau in den zeitgenössischen Medien aber bildet bis heute nicht die realen Gegebenheiten ab.
Damals wie heute sind die Medien Vermittler konstruierter Bilder, deren Macher auch nicht umhin können, sich an einem kollektiven Fundus „geschlechtsbezogener sozialer
Informationen“ 47 zu orientieren. Schließlich sind auch sie von den gängigen Vorstellungen
40 FUCHS-HEINRITZ, 2007, S. 233.
41 Vgl. ebd..
42 Vgl. BARTH, 1989, S. 232.
43 Vgl. FUCHS-HEINRITZ, 2007, S. 233.
44 Vgl. BARTH, 1989, S. 232.
45 BECKER, Egon: „Das Bild der Frau in der Illustrierten.“ In: HORKHEIMER, Max (Hrsg.): Zeugnisse. Theodor W. Adorno zum sechzigsten Geburtstag. Frankfurt am Main: Europäische Verlagsanstalt 1963, S. 427.
46 Die Ende der 1960er Jahre einsetzende zweite internationale Frauenbewegung breitete sich schnell und in nahezu alle Lebensbereiche aus. Sie prangerte die noch immer bestehende soziale Diskriminierung der Frau an und wies deren Spuren z.B. auch im allgemeinen Sprachgebrauch oder der medialen Darstellung der Frau nach. Vgl. hierzu z.B. die Untersuchungsansätze der feministischen Sprachwissenschaft in SAMEL, Ingrid: Einführung in die feministische Sprachwissenschaft. Berlin: Erich Schmidt 1995, S. 13-48.
47 GOTTBURGSEN, 2000, S. 13.
und Erwartungen ans „Frausein“ oder „Mannsein“ geprägte, weil mit ihnen aufgewachsene, Frauen und Männer.
Die heutigen (Massen-) Medien wie Fernsehen, Hörfunk und seit jeher die Presse in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen erfüllen verschiedene Funktionen, die auf die zeitgenössischen Anliegen der Gesellschaft rekurrieren. Dabei entsprechen sie den Bedürfnissen des Einzelnen nach Information, Unterhaltung, Identifikation und Integration, indem sie durch die Vermittlung von grundlegendem wie auch aktuellem Wissen auf seine Neugier, Unsicherheit oder Ratsuche reagieren.
Unter anderem mithilfe der Darstellung von (ideal) konstruierten Geschlechterbildern erfüllen die Medien ihre Funktionen der sozialen Orientierung und der Sozialisation, mit ihnen erleichtern sie „ein Zurechtfinden in der immer unüberschaubarer werdenden Umwelt des einzelnen in modernen hochzivilisierten Gesellschaften“ 48 und geben zudem gesellschaftliche Normen, Werte, Denkformen und Verhaltensweisen weiter. 49 Sie können als ein System aufgefasst werden, „das Wirklichkeitskonstruktionen liefert und damit auch das
Geschlecht [als soziale Kategorie „gender“, A.W.] mitentwirft“ 50 . „Sie produzieren Diskurse über angemessenes Rollenverhalten, verweisen auf ein kollektives Bedeutungssystem der
Geschlechtsrollen und fungieren als Orientierungspunkte“ 51 für die RezipientInnen in seiner Geschlechtsidentität(sfindung). Damit sind die Medien laut Mario Thomas Günther ein
„Produktionsort von Gender“ 52 .
In welcher Form sich diese Genderproduktioon im Bild der Frau in Lifestyle-Magazinen niederschlägt, soll nach der folgenden Klärung und Einordnung der untersuchten Medienform erläutert werden.
2.2.1 Die Medienform „Lifestyle-Magazin“
Den Begriff „Lifestyle-Magazin“ aus einem Alltagsverständnis heraus mit Zeitschriften für junge, weltoffene Menschen assoziierend, stößt man bei einem Blick in die entsprechende,
48 PÜRER, Heinz/ Johannes RAABE: Medien in Deutschland. 2., korr. Auflage. Konstanz: UVK Medien 1996, Bd. 1, Presse, S. 308.
49 Vgl. ebd.. Nicht thematisiert werden soll hier der naheliegende Bereich der Wirkung der Medien, der von verschiedenen Ansätzen ausgehend den Effekt der medial vermittelten Werte, Normen und Vorstellungen „auf Einstellungen, Meinungen und Werte der Rezipienten“ untersucht. Zum einen konnten seine Annahmen empirisch bisher nicht umfassend untersucht, geschweige denn überzeugend belegt werden, zum anderen handelt es sich hierbei um ein Forschungsgebiet der Publizistik- und Kommunikationsforschung, dessen eingehende Betrachtung nicht relevant im Rahmen dieser linguistischen Arbeit ist. Vgl. hierzu GÜNTHER, 2000, S. 69-73.
50 KLAUS, 1998, S. 16.
51 GÜNTHER, 2000, S. 69.
52 Ebd., S. 72.
(nicht nur) wissenschaftliche Literatur auf ungeahnte Schwierigkeiten. Die Suche nach einer Definition dieser Medienform gestaltet sich ebenso beschwerlich wie die nach einer systematischen Einordnung und Kategorisierung derselben innerhalb der (Print-) Medien. Wie vielfältig der Begriff gedeutet werden kann, wird deutlich, wenn man ihn einmal in eine große Internet-Suchmaschine eingibt. Das Ergebnis von ca. 238.000 angezeigten Einträgen 53 verweist, sowohl auf Fernseh- und Online- als auch auf Printformate. Lifestyle-Magazine sind also innerhalb verschiedener Medienarten zu finden: in (Fernseh-) Rundfunk, Internet und Printmedien. Zudem sind sie auf verschiedene Rezipientengruppen zugeschnitten und auf ein breites Themenspektrum bezogen. Für Frauen (z.B. „Cosmopolitan“), für Männer (z.B. „MännerTV“) und für ein nicht geschlechtsspezifisches Publikum (z.B. „funsurfen“) bieten sie Inhalte unterschiedlichster Art an, zu denen unter anderen Konsumempfehlungen, Psychologie, Motor und Technik oder prominente Personen zählen. Kurzum, es wird schnell deutlich, dass sich eine eindeutige Bestimmung des Gegenstandes Lifestyle-Magazin angesichts dieser Fülle von Perspektiven, die der Begriff in sich vereint, schwierig gestaltet.
Daher soll zunächst der Untersuchungsradius auf das Gebiet der Printmedien, präziser der Zeitschriften, beschränkt werden. Diese sind
zentrale Funktionsträger politischer, gesellschaftlicher, wissenschaftlicher, technischer, literarischer etc. Entwicklungen […], Medien der jeweils neuen und neuesten Trends und Tendenzen, Indikatoren der Veränderungen im Publikumsgeschmack, in der Mode und Modernisierung ebenso wie Überlieferungsträger der Sozialisationsprozesse, damit aber wesentliche Materialbasen für die Erforschung ihrer Zeit, denn viele Texte sind nur in Zeitschriften zu finden, viele Anfänge und Entwicklungen nur in ihnen nachzuvollziehen. 54
Die in diesem Bereich relevanten Erkenntnisse und Systematiken der Zeitschriftenforschung allerdings geben kaum Aufschluss über die Einordnung und Abgrenzung des Lifestyle-Magazins. Vielmehr stellt man bei einem Blick in die einschlägige Literatur „eine auffällige Diskrepanz des Umfangs wissenschaftlicher Grundlagenforschung zur vorfindbaren Fülle an periodischen Zeitschriften aller Art […]“ 55 fest. Einer gerade in den letzten Jahrzehnten stark
53 Vgl. die Homepage der Suchmaschine „Google“ unter http://www.google.de/search?hl=de&q=Lifestyle-Magazin&btnG=Suche&meta= [30.09.2008].
54 STRAßNER, Erich: Zeitschrift. Tübingen: Niemeyer 1997, S. 32.
55 VOGEL, Andreas/ Christina HOLTZ-BACHA: „Vorwort.“ In: Dies. (Hrsg.): Zeitschriften und Zeitschriftenfor-
schung. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2002, S. 7.
angestiegenen Zahl von publizierten Zeitschriftentiteln 56 stehen noch immer Forschungsdefizite in den grundlegenden Fragen des Faches gegenüber. 57 Dazu gehört z.B. das Fehlen einer „allgemeinverbindliche[n] Zeitschriften-Definition“ 58 . Weder die Versuche, den Gegenstand „Zeitschrift“ mit einer Negativ-Definition in Abgrenzung zur „Zeitung“ zu bestimmen 59 konnten eine hinreichende Erfassung ihrer Formenvielfalt erreichen, noch die Bestrebungen, „die Zeitschrift positiv über ihre eigenen
medienspezifischen Charakteristika und Funktionen zu bestimmen.“ 60 Während Carsten Winter zur Erläuterung aus diesen Versuchen die folgenden, zeitschriftentypischen Merkmale zusammenträgt: „ein umgrenzter Themen- oder Aufgabenbereich, der bewusst nur bestimmte Adressaten mit spezifischen Erwartungen anspricht“ 61 , „kürzere und aktuellere Beiträge“ 62 als im Buch und „die eigene Darstellungsweise und der andere Umgang mit Inhalten“ 63 als im Brief z.B., konstatiert Nina Rolf:
Zeitschriften sind ‚von Natur aus’ undefinierbar. Das einzig Gemeinsame: Sie werden unter dem Begriff ‚Zeitschriften’ in den Statistiken geführt. Ansonsten sind sie so vielfältig wie das Leben selbst. 64
Damit macht sie ergänzend auf die Funktion der Zeitschrift als „soziale[s] Kommunikationsmittel“ 65 aufmerksam, das sich „einem permanenten sozialen Wandel“ 66 anpassen müsse, was wiederum einer eindeutigen, dauerhaft gültigen Definition dieses Mediums zusätzlich entgegenstünde. 67 Die Bezeichnung „Zeitschrift“ erweist sich laut Carsten Winter daher mehr und mehr als „bloßer Sammelbegriff […] für eine Vielfalt von
56 Vgl. ROLF, 1995, S. 1f..
57 Auf die Ursachen des Fehlens grundlegender Forschungergebnisse soll hier nicht weiter eingegangen werden. Eine Darstellung in Kürze findet sich bei STÖBER, Ralf: „Historische Zeitschriftenforschung heute.“ In: VOGEL/ HOLTZ-BACHA, 2002, S. 42-59.
58 WINTER, Carsten: „Zeitschrift.“ In: FAULSTICH, Werner (Hrsg.): Grundwissen Medien. München: Fink 4 2000, S. 413f.
59 Hierbei stützte man sich zunächst auf Kategorien zur Einteilung von Zeitungen und brachte demzufolge auch nur Charakterisierungen der Zeitschrift in steter Abgrenzung zur Zeitung hervor. Die viel zitierte Aussage, „Zeitschriften [seien] regelmäßig erscheinende Druckwerke mit kontinuierlicher Stoffdarbietung und mindestens vier Ausgaben im Jahr - soweit sie keine Zeitungen sind“(WINTER, a.a.O., 2000, S. 427), steht in dieser Logik. Dass sich diese, auf der Dichotomie Zeitung:Zeitschrift aufbauende, Negativ-Definition weder zu einer eindeutigen Einordnung der Zeitschrift innerhalb der Printmedien, noch zu einer hinreichenden Erfassung der ihr immanenten Bedeutungs- und Perspektivenvielfalt eignet, ist nicht zu übersehen. Vgl. ROLF, 1995, S. 13.
60 WINTER, a.a.O., 2000, S. 414.
61 Ebd..
62 Ebd..
63 Ebd..
64 ROLF, 1995, S. 14.
65 Ebd..
66 Ebd..
67 Ebd..
Publikationen, die zu rubrifizieren unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten versucht wurde.“ 68
Wie facettenreich die Zeitschriftenlandschaft in Deutschland tatsächlich ist, offenbart bereits ein Blick in nur wenige der vielen existierenden funktionalen Typologien 69 . Sie unterscheiden sich in ihren Systematisierungen, gehen nach verschiedenen Gesichtspunkten wie Inhalt, Wesensmerkmale, Zielgruppe oder Funktion der Zeitschrift für den Leser 70 vor und bilden Zeitschriftenklassen, die durch die unterschiedlichen (teilweise inkonsequenten) Vorgehensweisen und Differenzierungsmaßstäbe bei ihrer Findung nicht miteinander vergleichbar und dadurch auch schwerlich kombinierbar (im Sinne einer mehrperspektivischen Klassifikation etwa) sind. 71
Nina Rolf führt zu jedem Ansatz beispielhafte Typologien an, wobei auffällt, dass eine Kategorie „Lifestyle-Magazine“, wie sie für die vorliegende Arbeit maßgeblich sein soll, in keinem Zusammenhang erwähnt wird.
Anders dagegen in den Klassifikationen 72 der Pressestatistiken. Die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse z.B. gibt jährlich eine solche heraus, die speziell auf die Bedürfnisse der Werbewirtschaft abgestimmt ist, dabei den starken Wandel des Zeitschriftensystems bzw. der Anteile der Titelgruppen sowie deren Bedeutung widerspiegelt und damit keine gesicherte Grundlage für wissenschaftliche Forschungsinteressen darstellt. 73 Jedoch findet sich in drei von vier dieser Klassifikationen 74 jeweils eine Kategorie „Lifestyle-Magazine“. Die Arbeitsgruppe Media-Analyse führt eine Gruppe
„Lifestyle/Stadtmagazine/Erotik“ 75 , welche die Zeitschriften Cinema, FHM, Fit For Fun, GQ, Maxim, Men’s Health, Neon, Playboy, Prinz, Coupé in sich vereint. 76 Auch die Einordnungen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) und
68 WINTER, a.a.O., 2000, S. 414.
69 Eine Typologisierung in diesem Sinne ist z.B. die nach Heinz Pürer und Johannes Raabe, die in Publikumszeitschriften, Fachzeitschriften, Special-Interest-Zeitschriften, Kunden- und Betriebszeitschriften, Verbands- und Vereinszeitschriften, Amtszeitschriften und Alternative Zeitschriften unterteilen, vgl. PÜRER/ RAABE, 1996, S. 30f..
70 Vgl. ROLF, 1995, S. 16-37.
71 Vgl. ebd., S. 36. Nähere Ausführungen finden sich auch bei PÜRER/ RAABE, 1996, Bd. 1. Presse.
72 ROLF, 1995, S. 38.
73 WINTER, a.a.O., 2000, S. 415-417. Vgl. auch ROLF, 1995, S. 38f. und 44f., sowie STRAßNER, Erich: Zeitschrift. Tübingen: Niemeyer 1997, S. 23-25. Siehe http://www.pz-online.de [07.10.2008] für die aktuelle Zeitschriftenklassifikation der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse.
74 Zu Rate gezogen wurden hier die aktuellen Erhebungen der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (MA), des Media Daten Verlages, der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) und der Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse (AWA), deren Motivation z.B. in werbewirtschaftlichem Interesse liegt.
75 Vgl. die Daten zur Media-Analyse 2008: „ma 2008 Pressemedien II zu ma 2008 Pressemedien I“ unter http://ma.bik-gmbh.de/burda/rw/0k [07.10.2008].
76 Vgl. die Homepage der Burda-Verlagsgruppe, die die Pressestatistik veröffentlicht: http://ma.bik- gmbh.de/burda/rw/0kg15 [07.10.2008].
die Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse (AWA) enthalten eine Kategorie „Lifestyle-Magazine“. Im ersten Fall werden die oben genannten Zeitschriften und dazu die
Matador, Max und Tomorrow darunter geordnet 77 , im zweiten eröffnet man die Kategorie „Lifestyle-, Erotikzeitschriften“, welche die Magazine Tomorrow und Stern Gesund leben
neben den oben genannten umfasst 78 .
Auffällig sind hier vor allem zwei Dinge: einerseits die Nähe, in die die Lifestyle- zu den Erotik-Magazinen gebracht werden (in zwei von drei Fällen werden sie in einer Kategorie zusammengefasst) und andererseits, dass sich die meisten Zeitschriften vorrangig an Männer
richten 79 , weshalb sie in der Statistik des Media Daten Verlages auch in der Rubrik „Männermagazine“ 80 geführt werden.
Mario Thomas Günther verweist zur Klärung dieses Einordnungsproblems auf die Geschichte der Männerzeitschriften. War es demnach in den 1970er bis 80er Jahren noch äußerst verkaufswirksam, leicht bekleidete Frauenkörper in Zeitschriften wie „Playboy“ und „Penthouse“ zur Unterhaltung der männlichen Leserschaft abzubilden, so forderten die
Sättigung des Marktes in diesem Bereich 81 , die Diskussion um Frauenbewegung und Aids und die Veränderungen in den Selbstkonzepten und Lebenszusammenhängen der Männer neue Konzeptionen auch auf dem Sektor der Zeitschriften. Diese widmeten sich nun vielfältigeren Themen und setzten dabei dem Lebensgefühl des „neuen Mannes“ 82 entsprechend auf „Lifestyle“. 83
Damit ist eine Abkehr von einseitigen, erotik- und lustbetonten Inhalten hin zu einer Mischung aus Themen verschiedener Lebensbereiche gemeint, die sowohl Freizeit, Sport, Gesundheit, Motor und Technik als auch Partnerschaft, Sexualität und psychologische Fragestellungen betrachten. Auf diese Weise bieten sie ihren Lesern ein ähnliches thematisches Querschnittsangebot wie bestimmte Gruppen von Frauenzeitschriften ihren
77 Vgl. die Homepage der IVW: http://daten.ivw.eu/index.php?menuid=2141&u=&p=&b=alle&sv=212&sb=212 &t=Publikumszeitschriften +mit+nationaler+Verbreitung&tsub=LIFESTYLEMAGAZINE [29.09.2008].
78 Vgl. die Auflistung der von der AWA untersuchten Medien unter http://www.awa-online.de/ [29.9.2008].
79 Ausnahmen sind die Zeitschriften Neon, die sich an junge Frauen und Männer zwischen 20 und 35 richtet, Cinema, die sich mit Informationen über Kino, DVD und Video an ein breites Publikum wendet, Fit for Fun, die „Männer und Frauen zwischen 20 und 49 Jahre, mit einer höheren Bildung, berufstätig, einkommensstark und vielseitig interessiert“ ansprechen möchte, Tomorrow, das Magazin für Internet, und Stern Gesund leben für gesundheitsbewusste Männer und Frauen zwischen 35 und 60 Jahren.
80 Vgl. die Einordnung unter Publikumszeitschriften zu den Männer-Zeitschriften auf der Homepage des Media-Daten-Verlags unter https://www.mediadaten-online.com/mediadaten/index.do [28.9.2008].
81 Weitere und dazu günstigere Zeitschriften mit dem Blickpunkt Erotik drängten auf den Markt, vgl. GÜNTHER, 2000, S. 84.
82 Zu den Verunsicherungen des Mannes, die ihn durch Sinnkrisen auf die Suche nach neuen Identitätsmodellen für den „neuen Mann“ brachten vgl. BARTH, 1989, S. 228-254. Vgl. zu deren Verarbeitung in Zeitschriften auch RÖSER, Jutta: „Männerzeitschriften - Frauenzeitschriften: Systematisierung eines gemeinsamen Forschungsfeldes.“ In: Medien-Journal: Zeitschrift für Kommunikationskultur Nr. 1/2005, S. 23-25 und 29-32.
83 Vgl. GÜNTHER, 2000, S. 83-85.
Leserinnen. Auch „ähneln viele journalistische Strategien denen der Frauenzeitschriften, so unter anderem die Ratgeberorientierung […]“ 84 . Das heißt, hier leistet die Einordnung der Pressestatistiken keine eindeutige Orientierungshilfe, sie bietet keine schlüssige, konsequente Definition an.
Das allgemeine Nachschlagewerk „Meyers Lexikon“ jedoch formuliert eine Definition für das „Lifestyle-Magazin“, die gleichfalls dem Alltagsverständnis 85 dieses Begriffs entspricht. Demnach handelt es sich um eine
in den 1980er-Jahren nach britischen und amerikanischen Vorbildern entstandene, inhaltlich wie optisch anspruchsvoll gestaltete Zeitschriftengattung mit Berichten zu Mode, Musik, Kunst, Design, Wohnen, Sport, Wellness, Multimedia und anderen Themen, wobei die Grenzen zu Mode-, Frauen- und Männerzeitschriften fließend sind. Lifestyle-Magazine wollen Zeitgeist vermitteln, Identifikation ermöglichen und ein Trendbewusstsein für neue Stilrichtungen schaffen. Zu den bekanntesten, meist international verbreiteten Lifestyle-Magazinen gehören ‚GQ’, ‚FHM’, ‚Max’, ‚Wiener’, ‚Cosmopolitan’ u. a.. 86
„Lifestyle-Magazine“ im Printmedienbereich sind also Zeitschriften 87 , die sich sowohl an ein männliches, als auch an ein weibliches Publikum richten können. Entscheidend für ihre Einordnung ist ihr thematisches Angebot. In diesem Sinne wird auch in der vorliegenden Arbeit für die Auswahl der Zeitschriften das Alltagsverständnis von „Lifestyle-Magazinen“ zugrunde gelegt.
2.3 AUFGABENSTELLUNG UND VORGEHEN DER UNTERSUCHUNG
Es ist „falsch anzunehmen, der menschliche Sprachgebrauch sei, tatsächlich oder in der Intention, seinem Wesen nach informativ. Die menschliche Sprache kann zur Information oder Irreführung benutzt werden, sie kann benutzt werden, um die eigenen Gedanken zu klären oder um die eigene Klugheit zur Schau zu stellen, oder sie kann einfach spielerisch benutzt werden.“ 88
Die Medien nutzen die Sprache in eigener Sache. Sie reflektieren und entwerfen mit ihrer Hilfe eine Welt, mit der sich ihr Publikum identifizieren und von deren Beschaffenheit es sich
84 RÖSER, 2005, S. 31.
85 Das Alltagsverständnis wurde von der Verfasserin selbst in verschiedenen Gesprächen eruiert.
86 Vgl. Online-Ausgabe von Meyers Lexikon: http://lexikon.meyers.de/meyers/Lifestyle-Magazine [22.09.2008].
87 Der Begriff „Magazin“ entwickelte sich im 18. Jahrhundert parallel zu den Begriffen „Zeitschrift“, „Journal“ und „Wochen- bzw. Monatsschrift“, vgl. VOGEL, Andreas: „Pressegattungen im Zeitschriftengewand. Warum die Wissenschaft eine Pressesystematik braucht.“ In: VOGEL/ HOLTZ-BACHA, 2002. S. 13. Ist im Verlauf dieser Arbeit einem Magazin-Titel ein weiblicher Artikel vorangestellt, so bezieht dieser sich nach dem allgemeinen Sprachgebrauch auf dessen Eigenschaft, eine Zeitschrift zu sein: die „Glamour“, z.B..
88 CHOMSKY, Noam: Sprache und Geist. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1973, S. 116.
gleichzeitig in den Bann ziehen lassen kann. In der Folge soll es sich zum Konsum oder Kauf des Mediums angeregt fühlen, was angesichts des stetig wachsenden und sich erweiternden Marktes für dieses existentiell ist.
Entsprechend orientiert sich das Bild der Frau, das in den Lifestyle-Magazinen konstruiert und vermittelt wird, an dem Bild, das den Köpfen der Redakteure und Redakteurinnen entspringt und damit Ausdruck der Vorstellung von „Weiblichkeit“ ist, die in der Gesellschaft vorherrscht, durch die die „Macher“ der Magazine hauptsächlich ihre Sozialisation erfahren (haben).
Bei dieser sprachwissenschaftlichen Erforschung des Bildes der Frau in den Lifestyle-Magazinen soll die Untersuchung der Charakteristika der jeweils ausgewiesenen LeserInnenzielgruppe und der thematischen Zusammensetzung der Zeitschriften Aufschluss über die der Frau zugedachten Eigenschaften, Denkmuster und Lebenszusammenhänge geben. Diese sollen daraufhin anhand von repräsentativen Beispielen sprachstilistischer Merkmale untermauert und erweitert werden.
Als Ergebnis dieser Untersuchung sollen die Vorstellungen von der Frau, wie sie in den ausgewählten Magazinen jeweils zum Ausdruck kommen, beschrieben, miteinander verglichen und in Bezug zu dem im Vorangegangenen präzisierten traditionellen Bild der Frau gesetzt werden, um einen möglichst differenzierten Eindruck desselben zu gewinnen.
Die vorliegende Arbeit richtet ihr Augenmerk auf zwei Lifestyle-Magazine, die „Glamour“ 22/08 und die „Men’s Health“ 10/08. In einem ersten Schritt der Untersuchung wurden die Angaben der Magazine bzw. ihrer Verlage zu ihren LeserInnenzielgruppen eingeholt und gemeinsam mit statistischen Angaben über Erscheinen, Preis, Format, Seitenzahl und Werbeauslastung zu einem Profil des jeweiligen Magazins verbunden. Dieses bezieht auch die inhaltliche Gliederung der Hefte mit ein.
Danach erfolgte eine Kategorisierung der Beiträge der Zeitschriften nach ihrem Inhalt. Dabei wurden sämtliche Beiträge zu einem Themengebiet unter einem entsprechenden Oberbegriff zusammengefasst und ihre Seitenanzahl notiert. Das sich daraus ergebende Bild der quantitativen Inhaltsstrukturierung wurde durch ein qualitatives ergänzt, das für jedes Themengebiet gesondert dessen Bedeutung für das Bild der Frau bzw. des Mannes erläutert. Dabei wurden Selbst- und Fremdbilder der Geschlechter sichtbar, die im Weiteren eine Bestätigung durch die Sammlung und Auswertung von Wort-, Satz- und Phrasenmaterial, das
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