

Inhalt
1. Einleitung 3
2. Die Geschichte der Indianerpolitik und der Indianerrechte in den USA 4
2.1 Erschließung der Landesmitte 4
2.2 Zivilisation und Segregation 5
2.3 Vertreibung und Zwangsumsiedlung 6
2.4 Assimilation und Staatsbürgerschaft 7
2.5 Der “Indian Reorganization Act und die Termination 8
2.6 Gleichberechtigung und politische Partizipation 9
3. Die heutige Situation der indigenen Bevölkerung 9
3.1 Rechtliche Stellung 10
3.2 Politische Organisation und Partizipation 11
3.3 Sozialstruktur. 12
3.4 Umweltverschmutzung der Reservate 14
4. „Citizenship constellations“ 16
Literaturverzeichnis 18
Internetquellen 19
2
1. Einleitung
Auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika leben etwa 4 Millionen Menschen indigener Abstammung, die sich 565 verschiedene, staatlich anerkannte indigene Stämme verteilen (vgl. U.S Bureau of Indian Affairs: Who We Are). Diese sind hinsichtlich ihrer Lebensweise, Kultur und Sprache teilweise vollkommen different. So gibt es unter den Indianern sowohl Stadtbewohner, die völlig an die US-amerikanische Kultur angepasst leben als auch Einwohner spezieller Indianerreservate, die praktisch in Unabhängigkeit von den USA mit eigener Verfassung und gewählter Regierung ein stärker ihrer traditionellen Kultur verpflichtetes Leben führen.
Gleichwohl das medial vermittelte Bild der Indianer als alkoholabhängige Reservatsbewohner, die ihr Geld allein als Glücksspiel-Veranstalter verdienen, maßlos übertrieben und einseitig ist, kann man die vielen Probleme der indigenen Bevölkerung der Vereinigten Staaten nicht abstreiten. So ist die Alkoholismus-Rate ebenso wie die Arbeitslosigkeit im landesweiten Vergleich tatsächlich drastisch erhöht, der Bildungsstand erschreckend niedrig.
Ziel dieser Arbeit ist es, die aktuelle politische, rechtliche und soziale Stellung der indigenen Bevölkerungsteile in den Vereinigten Staaten zu schildern und Gründe für die massiven Probleme aufzuzeigen. Da sich die Situation der Indianer in urbanen und ruralen Gebieten stark voneinander unterscheidet, wird sich diese Arbeit hauptsächlich auf die Bewohner der Indianerreservate konzentrieren. Weiterhin soll insbesondere der Staatsbürgerschaftsstatus der indigenen Bevölkerung untersucht werden und die „citizenship constellations“, die sich aus der gleichzeitigen Stammeszugehörigkeit ergeben. Einer Analyse der aktuellen Situation muss jedoch ein historischer Exkurs durch die Geschichte der US-amerikanischen Indianerpolitik vorangehen, ohne den ein Verständnis der heutigen Problemlagen nicht möglich ist. Außerdem wird der Indianerstamm der Navajo im Laufe der Arbeit immer wieder gesondert betrachtet, um an ihm die konkrete Geschichte und Gegenwart eines einzelnen Stammes exemplarisch greifbar zu machen.
Als Ausgangspunkt dieser Arbeit dienen ergo zwei Fragen: einerseits, ob die indigenen Reservatsbewohner tatsächlich als US-amerikanische (Staats-)bürger im vollen Sinne betrachtet werden können und andererseits, inwieweit sie primär als Amerikaner, Indianer oder aber als beides zu betrachten sind.
3
2. Die Geschichte der Indianerpolitik und der Indianerrechte in den USA
2.1 Erschließung der Landesmitte
Als die Kolonialstaaten am 4. Juli 1776 ihre Unabhängigkeit von der britischen Krone erklärten, spielten die verschiedenen Indianerstämme bereits eine bedeutende machtpolitische Rolle. Einige Stämme nämlich unterstützten die Amerikaner in den darauf folgenden Jahren des Unabhängigkeitskrieges, wohingegen andere sich auf die Seite der Briten geschlagen hatten. Nach der Niederlage des Königreichs ergab sich für die Siedler eine schwierige Konstellation. Auf der einen Seite hatten sich zahlreiche Indianerstämme als wichtige Verbündete in ihrem Kampf um Souveränität erwiesen, andererseits benötigte man angesichts des steten Zustroms neuer Siedler und hoher Geburtenraten dringend neue Ländereien. Außerdem stellte der Verkauf von Land an die Zuwanderer zunächst die wichtigste Einnahmequelle des nach Jahren des Krieges überschuldeten Staates dar. Eine territoriale Expansion musste jedoch zwangsläufig auf Kosten der indigenen Stämme erfolgen und gewaltsamer Landraub und Missionierung, wie vor allem von den Spaniern in Süd- und Mittelamerika ausgeübt, stand für die Amerikaner zunächst nicht zur Debatte. Sie führten die Indianerpolitik der britischen Krone fort, die die Stämme wie souveräne Nationalstaaten im völkerrechtlichen Sinne behandelt hatte und begannen darauf aufbauend eine Phase vorsichtiger Kolonialisierungsbestrebungen. Die indianischen Gebiete wurden also nicht mit militärischen Mitteln erobert, sondern Besitz- und Nutzungsrechte der Siedler wurden von den Regierungen der Kolonialstaaten und den Häuptlingen der Stämme ausgehandelt und vertraglich geregelt. Nichtsdestoweniger war die Akzeptanz der indianischen Rechte und Ansprüche auf Seiten der amerikanischen Bevölkerung und der Siedler sehr gering, zu groß die Angst und Skepsis gegenüber den fremden Völkern sowie die Überzeugung von der eigenen kulturellen und moralischen Überlegenheit. Die Amerikaner „vereinnahmten entgegen den mit den Stämmen abgeschlossenen Verträgen indianisches Land und behandelten die amerikanischen Ureinwohner in diskriminierender Art und Weise“ (Wenzel 2008: 273). Von einer kontrollierten Besiedlungspolitik konnte nicht mehr die Rede sein und Auseinandersetzungen zwischen Indianern und Siedlern nahmen stetig zu (vgl. Wenzel 2008: 272 f.).
Die Diné-Indianer hatten in diesem Zeitraum noch keinerlei Kontakt mit den amerikanischen Siedlern, da ihre Heimatgebiete fernab der Ostküste in den Halbwüsten im Süden lagen.
4
Auf ihren Territorien hatten sie es dagegen mit spanischen Siedlern zu tun, die den Stamm militärisch zu unterwerfen versuchten. In der kargen, unfruchtbaren Wüstenlandschaft war lediglich der Anbau von Mais und Bohnen möglich und so wurde die Zucht von Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen, die sie den Siedlern stahlen zum wichtigsten ökonomischen Grundpfeiler der Diné. Ihre Expertise auf dem Gebiet des Pferdediebstahls sollte ihnen in Form eines zweifelhaften Rufs noch lange anhaften (vgl. Peters 1992: 143).
2.2 Zivilisation und Segregation
Seit 1786 verfolgte die amerikanische Regierung unter Präsident George Washington daher das Ziel der Zivilisation und Assimilation der indigenen Bevölkerung. Sie sollten die Vorzüge der vermeintlich fortschrittlichen Lebensweise der weißen Siedler erkennen, sie übernehmen und so zum Teil der amerikanischen Gesellschaft werden. Dies gelang jedoch nur äußerst selten und die Assimilationsversuche scheiterten insgesamt am erbitterten Widerstand der Indianer. Ihre Versuche, sich der Anpassung an die Kultur der weißen Siedler zu erwehren hatten zahlreiche gewaltsame Aufstände und Kriege zur Folge. Die Amerikaner erklärten die militärische Unterwerfung zum neuen Ziel ihrer Indianerpolitik. Die Zahl der Ureinwohner war durch Kriege mit den Siedlern, aber auch durch ihnen unbekannte Infektionskrankheiten und die systematische Ausrottung der Bisons, die als Nahrungsquelle und Pelzlieferant ihre Lebensgrundlage darstellten, dramatisch eingebrochen (vgl. Sonneborn 2007: 101). Fortan kam es zu den ersten Zwangsumsiedlungen der Indianer in spezielle Reservate, die ihnen ein Leben in Sicherheit vor den weißen Siedlern und unter Achtung ihrer traditionellen Kultur ermöglichen sollten. Die Reservate wurden durch das 1824 gegründete „Bureau of Indian Affairs“ (fortan: BIA) treuhänderisch verwaltet. Der Landbesitz wurde den Indianer nicht offiziell entzogen, aber sie konnten ihre Ländereien nach der erzwungenen Ansiedlung in Reservaten de facto nicht mehr nutzen. Tatsächlich ging es den USA also natürlich vor allem um kostengünstige Aneignung indianischer Territorien und um die Schaffung neuer Siedlungsgebiete. Vielen Siedlern ging diese Segregation allerdings nicht weit genug, sie forderten die vollkommene Vertreibung der indigenen Bevölkerung in den Westen des Kontinents, der Anfang des 19. Jahrhunderts noch kaum erschlossen war (vgl. Sonneborn 2007: 101).
5
2.3 Vertreibung und Zwangsumsiedlung
Im Jahre 1830 unterzeichnete der amerikanische Präsident Andrew Jackson ein Räumungsgesetz, das die Zwangsumsiedlung der Indianer in Gebiete westlich des Mississippi ermöglichte („Indian Removal Act“). Klagen verschiedener Indianerstämme wurden mit der Begründung abgewiesen, sie seien keine mündigen, souveränen, nationalstaatlichen Gebilde und hätten sich der Regierung unterzuordnen. Die folgenden staatlich organisierten Vertreibungen, die als Pfad der Tränen (“Trail of Tears“) in die Geschichte eingingen, kosteten allein im Winter 1838/1839 4.000 der insgesamt 15.000 vertrieben Indigenen das Leben. Bis zum Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs im Jahre 1861 wurden etwa 70.000 Indianer auf den Pfad der Tränen gezwungen, der einem Viertel von ihnen das Leben kostete (vgl. Marsico 2010: 53 ff.).
„Auf lange Sicht konnte jedoch auch das removal die Landbedürfnisse der Siedler nicht befriedigen“ (Wenzel 2007: 277) und sie strömten scharenweise über den Fluss um sich neue Ländereien anzueignen. Wie schon an der Ostküste kam es zum indianischen Widerstand gegen die Besiedlung ihrer Gebiete und erneut folgten Kriege zwischen amerikanischen Truppen und Indianerstämmen, die mitunter schreckliche Massaker an der indianischen Zivilbevölkerung zur Folge hatte. Die militärische Unterwerfung der Indianer war etwa bis Ende des des 19. Jahrhunderts abgeschlossen und die Verdrängung in Reservate war die Regel, wenngleich der gewaltsame indianische Widerstand in Guerillakriegen teilweise noch lange anhielt (vgl. Sonneborn 2007: 134 f.).
Die Navajo-Gebiete gingen 1848 nach dem siegreichen Krieg gegen Mexiko in den Besitz der USA über. Die Indianer waren jedoch unwillig, sich den Amerikanern zu unterwerfen und in Reservate abdrängen zu lassen. Die Kämpfe zwischen den Navajos und der Armee dauerten Jahre an und waren für die Amerikaner erst von Erfolg gekrönt, als sie die Maisfelder der Indianer zerstört hatten. Nachdem sich die Navajos angesichts einer drohenden Hungersnot ergeben hatten, wurden die Gefangenen „im legendären ‚Langen Marsch‘ 1864 nach Osten […] verschleppt. Hunderte von Indianern starben auf dem Marsch und später im Lager […].“ (Peters 1992: 144). Die Sinnlosigkeit der Deportation zeigte sich schon vier Jahre später, als die Navajos ein neues Reservat in ihren alten Gebieten erhielten. Die weißen Farmer hatten kaum Interesse an dem kargen Wüstenland gezeigt und der Unterhalt der Indianer an für sie fremden Orten war für die US-Regierung daher schlichtweg unrentabel (vgl. Peters 1992: 143 f.).
6
Arbeit zitieren:
Tobi Remsch, 2011, Die US-amerikanischen Ureinwohner im 21. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter: Die US-amerikanischen Ureinwohner im 21. Jahrhundert ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter: neuer Titel erschienen: Die US-amerikanischen Ureinwohner im 21. Jahrhundert
Tobi Remsch hat einen neuen Text hochgeladen
Lizenzkartellrecht - US-amerikanische und europäische Entwicklungen
US-amerikanische und europäisc...
Markus Veil
US-amerikanisches Gesellschaftsrecht
Recht der Internationalen Wirt...
Hanno Merkt, Stephan R. Göthel
Grundlagen des US-amerikanischen Steuerrechts
Mit Schaubildern und rund 160 ...
Thomas A. Jesch, Andreas Striegel
Die Haftung für Verstöße gegen Privacy Policies und Codes of Conduct n...
Zugleich ein Beitrag zur Recht...
Christian Schröder
0 Kommentare