Das Klima zeichnete sich durch eine hohe Stabilität aus. Die Durchschnittstemperaturen lagen ca. 4-6°C 2 niedriger als heute. Die Winter in Europa waren trocken und frostig, arktische Tieftemperaturen wurden nicht erreicht. Der Frühling kam spät, die Sommer waren mild und warm mit Tagestemperaturen bis zu 20°C. Die Vegetation bot genug Nahrung für große Tiere („Megafauna“) wie z.B. Mammut, Wollnashorn, Auerochse, Elche. Menschen konnten von Aas und gejagten Großtieren leben. Die höchste Besiedelungsdichte in Europa lag auf dem Gebiet des heutigen Frankreich, wo während dem Kältemaximum ca. 2000-3000 Menschen lebten. 3
In der „Alleröd-Zeit“ wurde das Klima mit z.T. abrupten Temperatursprüngen (Dansgaard-Oeschger-Events) wärmer und feuchter. Die Gletscher wichen zurück, wodurch sich Flora und Fauna nach Norden ausbreiten konnten. Eine verlängerte Vegetationsperiode ermöglichte ein halbnomadisches Leben von Jägerkulturen. Die Bevölkerungszahl stieg auf dem Gebiet Frankreichs auf ca. 6000-9000 Individuen mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung bis 20 Jahre. 4 Es kam zur Überflutung Beringias 5 (Landbrücke zwischen Nordamerika und Asien), das während den Eiszeiten trockengefallen war - zuletzt vor ca. 25000-14000 Jahren. Über diese Landbrücke erreichten Menschen Nordamerika. Nach der Überflutung verlief die Entwicklung der Kulturen auf den beiden Kontinenten getrennt.
Es kam in Folge des Klimawandels zum Artensterben der Großsäugetiere, deren Lebensraum die eiszeitliche Tundra war, wo der Boden im Sommer nur oberflächlich auftaute und niedrige Pflanzen wuchsen. Auf das Gebiet der eiszeitlichen Tundra drang Wald vor. Die Tundra zog sich in arktische Breiten zurück, wohin die Tiere nicht folgen konnten aufgrund der dort niedrigeren winterlichen Temperaturen. Die Lebensbedingungen der Großtiere veränderte sich. Es wurde wärmer und feuchter. Einige Tierarten hatten unter nassem Fell, nachgebendem Morast und Erkältungskrankheiten zu leiden. Darüber hinaus wurden sie durch den Menschen bejagt - es kam zum Aussterben.
Mit der Verbreitung des Waldes wanderte ortsfeste Waldfauna ein. Dies wirkte sich auf die menschliche Kulturform aus, denn Jäger mußten den Tieren nun nicht mehr nachwandern. Die Sesshaftwerdung begann im Vorderen Orient mit der Anlage fester Kultplätze. Im Gebiet der heutigen Staaten Israel, Syrien, Irak und Südtürkei wurden feste Siedlungsplätze beibehalten, denn es gab genügend Wild zum Jagen und Wildgetreide zum Ernten.
2 Behringer (2007), S. 54
3 Behringer (2007), S. 56
4 Behringer (2007), S. 57
5 vgl. Pielou (1991), S. 10f.
Andreas Waldow Seite 2 von 12 Januar 2008
Während der „Jüngeren Dryas“ (nach der in Norddeutschland vorkommenden Flechte Dryas octopetala) wurde das Klima erneut kühler, Flora und Fauna wieder eiszeitlich (Rentiere statt Großfauna). Die Kulturformen des jägerischen Nomadentums kehrte noch einmal zurück. Im Vorderen Orient wurden alle Siedlungsplätze aufgegeben, die Bevölkerungszahl ging zurück. Vermutlich wurde zu dieser Zeit die Grundlage für das Bild von strafenden Wettergottgestalten gelegt, die in den frühen Kulturen des Vorderen Orients eine große Rolle spielten.
3. Kurzüberblick über die Klimaentwicklung im Holozän Europas 6
Tabelle 7
Im Präboreal waren die Sommer ähnlich warm wie heute, die Winter jedoch aufgrund der noch vorhandenen Eisschilde kalt. Birke und Kiefer breiteten sich aus. Im Boreal waren die Sommer wärmer als heute, die Winter generell mild aber vereinzelt noch kalt. Das Klima war verhältnismäßig trocken. Haselnußsträucher breiteten sich aus - evtl. mit Hilfe des Menschen (Verschonung der Nusslieferanten bei Rodungen). 9 Das Klima im Atlantikum war der wärmste Abschnitt des Holozäns („Optimum“). Die Winter waren sehr mild, die großen Eisschilde waren verschwunden. Am Ende des Atlantikums steigerte sich die Niederschlagsmenge. Zu dieser Zeit kam es zur Bildung von Laubmischwäldern (Eiche, Ulme, Esche, Linde). Am Übergang zum Subboreal gab es Kälteperioden mit Gletschervorstößen. Das Subboreal selbst war größtenteils warm, jedoch mit einer hohen Variabilität. Es war niederschlagsärmer als das folgende Subatlantikum. Das Subatlantikum begann mit einer Kälteperiode. Allgemein lagen in dieser Zeit die Durchschnittstemperaturen in Europa ca. 1-2°C niedriger als heute. Kühle Sommer und milde, niederschlagsreiche Winter sind typisch für diese Zeit.
6 Negendank (2004), S. 7f.
7 zusammengesetzt aus: Roberts (1989), S. 88 und Negendank (2004), S. 2
8 In der Literatur variieren die Zeitangaben stark je nach verwendeter Quelle - hier nach Roberts (1989), S.88
9 Behringer (2007), S.65 Andreas Waldow Seite 3 von 12 Januar 2008
Die weltweite Temperaturdifferenz zwischen dem Maximum der letzten Eiszeit und dem Holozän beträgt ca. 10°C, wobei in mittleren und höheren Breiten größere Differenzen ermittelt wurden als in niedrigen Breiten. 10 [z.B. Januarmitteltemperatur Hamburg -20°C vor 18000 Jahren, heute 0°C] 11 Innerhalb des Holozäns schwankten die Temperaturen um ca. 2°C um einen im Vergleich zum Ende der letzten Eiszeit ca. 7°C höheren Mittelwert. 12 Mit Beginn des Holozäns stieg die Sommertemperatur in Mitteleuropa, so daß zunächst Birken- und Kiefernwälder die eiszeitliche, baumlose Tundrenvegetation ersetzten. Ab dem Atlantikum kamen Haselnuß-, Eichen- und später auch Buchenwälder hinzu. 13
Klimaerwärmungen haben jeweils einen mehr oder weniger ausgeprägten Rückzug bzw. ein Verschwinden von Gletschern mit sich gebracht. Als Folge stieg die Baumgrenze, Gebirgsübergänge wurden passierbar und der Meeresspiegel stieg an. Küstengebiete wurden überschwemmt, dort ansässige Menschen mußten vor dem Wasser zurückweichen. Entsprechendes gilt umgekehrt für Abkühlungen. Erwärmungen wirkten sich meist positiv auf die menschliche Lebensweise aus. Eine verlängerte Vegetationsphase ermöglichte erhöhte Ernteerträge - in Verbindung mit Trockenheit gab es allerdings auch Dürre und Mißernten in Warmphasen. In relativ trockenen Zeiten konnten Sumpfgebiete trockengelegt und besiedelt werden. Ein Anwachsen der Bevölkerungszahl wurde durch höhere Ernteerträge ermöglicht, führte allerdings in darauffolgenden Kälteperioden stets zu Problemen (Hunger, Krankheit, Abwanderungen, kriegerische Auseinandersetzungen). Kälteperioden fallen oft zusammen mit geringen Ernteerträgen und Mißernten. Die Folge waren Hunger, Mangelernährung und Krankheitsanfälligkeit, Seuchen, kriegerische Konflikte und ein Rückgang der Bevölkerungszahl.
Kulturelle und technische Neuerungen setzten sich oft in klimatisch ungünstigen Zeiten flächendeckend durch, denn sie verbesserten die Überlebenschancen der Gesellschaft, die diese Techniken nutzen konnte. Nach dem Wegfall der ungünstigen Bedingungen wurden solche Errungenschaften aber nicht wieder aufgegeben, sondern weiter genutzt.
10 Malberg (2007), S. 311
11 Schönwiese (2003), S. 293
12 Behringer (2007), S. 62
13 Malberg (2007), S. 311 Andreas Waldow Seite 4 von 12 Januar 2008
Arbeit zitieren:
Dipl. Min. Andreas Waldow, 2008, Klima und Global Change im Holozän, München, GRIN Verlag GmbH
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