2.2 Unterkambrium
Die Überflutung des Gebietes erfolgte schrittweise und pulsierend, so daß es zu mehreren Meeresvorstößen und -rückzügen kam (Jäger 1984:23).
Unterkambrische Ablagerungen bestehen aus gut sortierten, mittelkörnigen, teilweise etwas
Sandsteinen mit Schrägschichtung, Rippeln, Kriechspuren, Grabspuren (z.B. vertikale Röhren
(Bengtson o.J.(b)) und tonigen Banken. Die Skolithos-Ichnofazies Ablagerungen oberhalb der Normalen Wellenbasis.
Diese
zusammengesetzt und repräsentieren die Reste von verwitterter Landoberfläche, die von Wellen und Strömung in flachem Wasser sauerstoffreichen organische
Lebensspuren sind in Form von Grabspuren vorhanden, Schalenreste sind aber selten, weil Kalk im kalten Wasser auf 60 bis 70° südlicher Breite (kühl und windig) relativ gut löslich ist (Eliason 2000:15).
Die Mächtigkeit dieser Einheit liegt zwischen 100 und 200 m. Sie ist geringer im Zentrum des Baltischen Schildes.
Obwohl das sandige Sediment auf ein flaches, energiereiches Meeresmilieu schließen läßt ist doch im oberen Teil der sandigen Ablagerungen Glaukonit enthalten, dessen Genese auf Meerestiefen von ca. 200 m hinweist (Murawski 2004:76). In Süd-Skandinavien ist Glaukonit in den oberen Lagen angereichert, weshalb von einer Verlangsamung der Sedimentation ausgegangen werden kann. Weiterhin nehmen Tonschiefer mit eingelagerten Kalkbänken zu - ebenfalls ein Indiz für eine Transgression. Es kommen jedoch auch Aufarbeitungshorizonte und Schrumpfrisse auf Tonschichten vor - ein übergeordneter transgressiver Trend wurde wohl immer wieder von Regressionen z.T. mit Trockenlegung unterbrochen.
2.3 Mittelkambrium
Jaeger (1984:17) weist darauf hin, daß im älteren Mittelkambrium „örtlich bis 100 m mächtige grauschwarze bis graugrüne Ton- und Siltsteine (Öland) und sogar Sandsteine (Gotland) vorherrschen“. Gleichwohl ordnet er das Einsetzen der „Alaunschieferfazies mit Stinkkalken“ dem Mittelkambrium zu. Nach Lindström (1971:419) erfolgte im Mittelkambrium zunächst im „Westen“ („im Oslo-Gebiet“) der Übergang von sandigen Schüttungen zur Ablagerung von Faulschlamm, die Grundlage für die Bildung von Schwarzschiefer. Auf dem Schwarzschiefer bildet sich Alaun (Al-Sulfat) als
Andreas Waldow Seite 2 Juli 2008
Verwitterungsprodukt von im Schiefer enthaltenem Sulfid (Pyrit) - deshalb wird dieser Schiefer "Alaunschiefer“ genannt.
Im „Osten“ (Ostseegebiet) wurde zunächst („über 10 Mill. J.“) noch tonig-sandiges Material abgelagert (Lindström 1971:424). Dabei handelt es sich eventuell um aufgearbeitetes unterkambrisches Sediment. Die Fauna war hier noch einigermaßen vielfältig.
Der Übergang zur Tonsedimentation weist auf nun größere Ablagerungstiefen mit ruhigen Sedimentationsbedingungen ohne den Einfluß von Wellen oder Strömungen hin (Eliason 2000:15f.).
2.4 Oberstes Mittelkambrium bis Ordovizium
Die kambrischen Alaunschiefer Baltoskandiens bestehen aus terrigenem Materialüberwiegend Quarz und Kalifeldspat in der Tonfraktion (>>Pelite). Es können bis über 20% organische Substanz (Kohlenstoff) und über 10% fein verteilter Pyrit und/ oder Markasit enthalten sein. In Verbindung mit dem enthaltenen organischen Material enthält der Schiefer auch Schwermetalle wie U, Th, V, Cr, Mo als Spurenelemente. Eine dunkelgraue bis schwarze Färbung der Alaunschiefer rührt von enthaltenem FeS 2 (Murawski 2004:20) und organischem Material (Eliason 2000:16) her.
Andreas Waldow Seite 3 Juli 2008
Die Fauna ist individuenreich und artenarm. Das weist auf extreme Lebensbedingungen hin. Trilobiten und spezialisierte Brachiopoden kommen vor. Sie sind in bituminösen, früh lithifizierten „Stinkkalk-Konkretionen“ (= Orsten) besonders gut erhalten. Als Konkretionen entstanden sie postsedimentär im Sediment in einem frühen Stadium der Diagenese - vor einer Kompaktion, weshalb Fossilien in den Stinkkalkkonkretionen meist besser erhalten sind als außerhalb. Diese Stinkkalkkonkretionen bilden Kalksteinlinsen, die bis zu einem Meter Durchmesser erreichen können.
Größere Mächtigkeiten der Alaunschiefer-Einheit sind assoziiert mit erhöhten Eintrag von terrigenem Material, so daß in diesen Gebieten (z.B. in Schonen) der Gehalt an „Stinkkalk“ am geringsten ausfällt (Bengtson o.J.(b)). Die Schiefer und Stinkkalklinsen sind laminiert, eine Bioturbation ist nicht erkennbar. Die Ablagerung der Alaunschiefer geschah langsam (ca. 1 mm/ ka) und landesentfernt. Die Sedimentation erfolgte nicht im Flachwasserbereich, weil sie räumlich und zeitlich monoton erfolgte. Das „Alaunschiefermeer“ hatte seine größte Ausdehnung im späten Kambrium (Lichtenberger o.J.).
Im Alaunschiefer vorhandene Markasit- und Pyritknollen weisen auf sauerstoffarme Bodenverhältnisse hin, was auch die geringe Artendiversität auf dem Meeresboden erklärt. Da grabende, sedimentfressende Lebewesen bei diesen Bedingungen nicht am Meeresboden leben konnten, sammelten sich Überreste von freischwimmenden Trilobiten am Meeresboden an und blieben gut erhalten. Der Eintrag von organischem Material war höher als der Abbau (Eliason 2000:16).
2.5 Übergang Kambrium/ Ordovizium
Auf dem Übergang von Kambrium zum Ordovizium gab es eine weitverbreitete Unterbrechung der Sedimentation. Diese kambro-ordovizische Diskontinuität ist typischerweise assoziiert mit Eisen-Sulfidvererzungen.
Es gibt Kondensations- und Aufarbeitungshorizonte mit regionaler Verbreitung. Hier kommen korrodierte Fragmenten von bituminösem Kalk vor. Diese Fragmente wurden nur wenig bewegt und befinden sich zusammen mit Trilobiten-Stücken (gemischt, aus verschiedenen aufeinanderfolgenden Zonen) in einer ebenfalls bituminösen Kalkmatrix. Oszillationen eines Flachmeeres werden als Ursache für solche konglomeratischen Aufarbeitungshorizonte angesehen (Bengtson o.J.(b)).
In Südschweden gibt es Kondensationsbreccien im dm-Bereich. Z.B. in Nord-Öland eine Breccie mit (geringfügig bewegten) Fragmenten mittelkambrischen Siltsteins in einer Matrix, die auch Fossilien aus dem Oberkambrium und aus dem unteren Tremadocium enthält.
Die einheitlichen Sedimentationsverhältnisse, wie sie bisher im Kambrium bestanden, fanden ein Ende (Bengtson o.J.(b)). Ab dem Ordovizium erfolgte eine Zweiteilung der Fazies.
Andreas Waldow Seite 4 Juli 2008
Arbeit zitieren:
Dipl. Min. Andreas Waldow, 2008, Sedimentologische Aspekte im südskandinavischen Ostsee-Becken im Paläozoikum, München, GRIN Verlag GmbH
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