gen Kants zu dem nun kommenden Beweis Gottes.
Kant leitet diesen Teil mit einer Frage ein: Wie wird es möglich, dass er hoffen darf Glückseligkeit zu erlangen, wenn er sich ihrer würdig verhält? Darauf stellt er die Behauptung auf, dass das sittliche Verhalten - nach der praktischen Vernunft - proportional zu dem Maß der zu erhoffenden Glückseligkeit sein muss. 4 In einer intelligiblen Welt bildet die Moralität den Grund für die Freiheit, die wiederum Glückseligkeit hervorbringt. Somit könnten dort Menschen die Schöpfer ihrer eigenen Glückseligkeit und der ihrer Nächsten sein. 5 Aber das lohnt sich nur dann, wenn jeder sich an die moralischen Gesetze hält. Aber das genaue Gegenteil davon beschreibt der Naturzustand, den der Mensch durch seine Erfahrungen wahrnimmt. Das heißt aber wiederum, dass der Mensch aufgrund seiner Erfahrungen die notwendige Verbindung (die Proportionalität) zwischen Sittlichkeit und Glückseligkeit nicht wahrnimmt, wenn es nichts über diesen Naturzustand hinaus gibt. 6 Folglich ist eine höchste Vernunft nötig, die auch Ursache der Natur ist. In dieser höchsten Vernunft ist - so Kant - das Ideal der höchsten Sittlichkeit zusammen mit höchster Glückseligkeit verkörpert. 7 Und nur aus diesem Ideal heraus kann die reine Vernunft eine intelligible Welt ableiten. 8 In seinen bisherigen Überlegungen hat Kant bereits gezeigt, dass der Mensch sich einer solchen Welt zugehörig denken muss. Da diese aber seinen Erfahrungen widerspricht, muss sie eine zukünftige Welt sein, die irgendwann einmal die Proportion zwischen Sittlichkeit und Glück ins Lot bringt. 9
Somit hat Kant zwei Dinge gezeigt. Zum einen braucht man ein höchstes Ideal - Gott, anhand dem man eine intelligible Welt erkennen kann. Zum andern muss es diese zukünftige intelligible Welt selbst auch geben - womit die Unsterblichkeit der Seele gezeigt wäre. Kant erläutert seine Idee noch einmal mit zwei kurzen Gedanken: Zunächst muss es entweder eine zukünftige intelligible Welt oder die moralischen Gesetze nicht geben, da die für sie notwendigen Belohnungen sonst nicht begründet werden können. 10 Genauso müssen moralische Gesetze Folgen haben, sonst wären es keine Gesetze. Aber für die Folgen brauchen wir einen Gott der sie durchsetzt. 11
4 Vgl. ibid., B 837.
5 Vgl. ibid.,
6 Vgl. ibid., B 838.
7 Vgl. ibid.
8 Vgl. ibid., B 838-839.
9 Vgl. ibid., B 839.
10 Vgl. ibid.
11 Vgl. ibid., B 840.
2
Kants Gottesbeweis in „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“
In seiner Religionsschrift bringt Kant einen weiteren Gottesbeweis ins Spiel. Dieser hat qualitativ gewisse Ähnlichkeiten zu dem bereits behandelten, geht aber von ganz anderen Prämissen aus. In der Vorrede der Religionsschrift, stellt er eine knappe Version seines Arguments voran, das in dem dritten Stück dem eigentlichen Werk in Tiefe ausgeführt wird. So kann man auf zwei Formulierungen des Arguments zurückgreifen. Ich werde versuchen, es in vier Schritten zu rekonstruieren, indem ich (wenn möglich) auf beiden Versionen zurückgreife.
Kant beginnt damit, dass Moral an sich keinen Zweck braucht, aber ohne ihn nur sagen kann wie man handeln soll, nicht worauf hin. 12 Im Verlauf des dritten Stücks zeigt er dann, dass jede Gattung von Menschen ein Ziel verfolgen soll, nämlich das höchste gemeinschaftliche Gut zu fördern. 13 Somit kommt aus der Moral ein Zweck hervor.
Als nächstes schreibt Kant, dass wir zwar auf dieses höchste Gut - ein ethisches Gemeinwesen - zustreben sollen, aber wir haben ihr Erreichen nicht voll in unserer Gewalt. Wir können nicht wissen, ob wir es umsetzen können oder nicht. 14 Ein weiteres Problem ist auch, dass wir die ethische Gemeinschaft nicht als für sich gesetzgebend ansetzen können. Denn Menschen können nur legalistisch beurteilen, ob jemand seiner Pflicht entsprechend handelt. Das angestrebte Ziel sieht jedoch vor, dass wir die innere Moral eines Menschen fördern, betrachten und daher auch diese beurteilen müssen, was uns aber nicht möglich ist. 15
Der entscheidende Schritt ist der dritte. Da wir ein ethisches Gemeinwesen errichten sollen, aber es nicht können, müssen wir jemand Anderes heranziehen, der für die ethische Gemeinschaft als Richter fungiert. Dieser muss die ethischen Gesetzte jedoch nicht nur erlassen (was zum Legalismus führen würde), sondern es müssen auch seine eigenen Gesetze sein. 16 Er muss sich um die Umsetzung kümmern.
Dieser Andere entspricht der Idee eines höchsten Guts in dieser Welt, in der alle Pflichten und Gesetze zusammen mit allen Zwecken die wir verfolgen
12 Vgl. Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft, B V-VI.
13 Vgl. ibid., B 135.
14 Vgl. ibid., B VII & B 136.
15 Vgl. ibid., B 137-138.
16 Vgl. ibid., B 138-139.
3
Arbeit zitieren:
Jan Hoppe, 2009, Ein Vergleich zwischen den Gottesbeweisen in Kants „Kritik der reinen Vernunft“ und „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“, München, GRIN Verlag GmbH
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