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Inhalt:
1. Einleitung: 3
1.1 Was ist Kohäsion 3
2. Wie hängen Kohäsion und Leistung zusammen? 5
2.1 Heuristisches Modell (1998) 6
2.2 Gruppenzusammensetzung 7
2.3 Gruppenkontext 8
2.4 Gruppenstruktur 9
2.5 Kritik 10
2.6 Kommunikation 10
2.7 Konvergenz 10
2.8 Soziales Faulenzen 11
3. Ergebnisse 12
4. Praxis 16
5. Zusammenfassung 17
6. Literatur 19
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1. Einleitung
Eine Mannschaft aus hochbezahlten Stars verliert gegen eine
Überraschungsmannschaft ohne herausragende Spieler - eine der gängigen Erklärungen ist oft der mangelnde Zusammenhalt. Die Vermutung, dass der Gruppenzusammenhalt, der in der Sozialpsychologie mit dem Begriff Kohäsion untersucht wird, sich durch Kommunikation, Akzeptanz, Hilfsbereitschaft und andere Gruppenprozesse auf die Leistung einer Gruppe auswirkt, liegt nahe. Von Trainern sind Aussagen wie „elf Freunde müsst ihr sein“ und „der Star ist die Mannschaft“ bekannt, aus den leistungsorientierten Spitzenklassen des Sports wie aus Managerkreisen hört man immer wieder von Teambildenden Maßnahmen. Was ist dran, wie lässt sich der Zusammenhang untersuchen, welche Erkenntnisse gibt es bereits? Die Fragestellung bezieht sich hier natürlich auf den Sport, Vergleiche mit anderen Bereichen werden nur am Rande vorkommen. Es sei jedoch vorweggenommen, dass Gruppen im Sport oft deutlichere Zusammenhänge zwischen Kohäsion und Leistung zeigen als anderswo, insofern ist der Sport für dieses Thema anscheinend ein geeignetes Beobachtungsfeld.
1.1 Was ist Kohäsion?
Das Wort stammt aus dem lateinischen cohaerere, cohaesio und bedeutet zusammenhängen, Zusammenhang. In mehreren Wissenschaften wird es verschieden benutzt, z.B. in der Physik und Chemie für die
Zusammenhangskräfte zwischen den Atomen bzw. Molekülen eines Stoffes, in der Biologie ein Phänomen, welches für die Abgrenzung von Spezies zu anderen Spezies und deren inneren Zusammenhalt verantwortlich ist. Für den Sport interessiert uns die Kohäsion aus der Sozialpsychologie, ein Phänomen des Zusammenhalts von Gruppen. Einer der ersten, die Kohäsion direkt im Sport untersuchten war Albert V. Carron. Seine Definition von Kohäsion als „a dynamic process which is reflected in the tendency for a group to stick together and remain united in the pursuit of its goals and objectives“ (1982, S. 124) greift bereits den veränderlichen Charakter auf. Auffallend ist aber der Zusatz der Orientierung auf Gruppenziele hin - wie er dazu kam wird sich im folgenden noch zeigen. Weil sich mit zunehmendem Interesse an sozialpsychologischer Kohäsion und zunehmenden Definitionen ihre Mehrdimensionalität verdeutlicht, soll hier die so treffende wie weitfassende Definition aus dem Jahr 1950 von Festinger et al. den
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Anfang machen: „...the total field of forces which act on members to remain in the group...“ (nach SCHLICHT, STRAUß 2003, S. 80).
Wie Kohäsion entsteht und wie sie sich auf Leistung auswirkt soll im Folgenden anhand einiger Kohäsionsfaktoren und an für Gruppen leistungsrelevanten Vorgängen, in denen sie wiederum einen Faktor ausmacht, gezeigt werden. Selbstverständlich ist das Suchen und Aufzählen von Kohäsionsfaktoren nie abschließend möglich. Nach neueren Ansätzen der Kohäsionsforschung (vgl. CARRON 1998) wird Kohäsion wesentlich von zwei Dimensionen bestimmt: Vom Zusammenhalt der einzelnen Gruppenmitglieder vor dem Hintergrund der Teamaufgabe und dem persönlichen sozialen Bedürfnisse jedes einzelnen Mitglieds des Teams. Wie oben bereits angedeutet ist der Gruppenzusammenhalt in jeder Gruppe verschieden bedingt und meist dynamisch. Sogar bei Gruppen mit gleicher Struktur oder Aufgabe können der interpersonelle und der aufgabenorientierte Zusammenhalt verschieden verteilt sein. Die zweckorientierten Gründe einer Gruppenbildung unterscheiden sich ebenso: Sportgruppen, Arbeitsgruppen und sogar reine soziale Gruppen (z.B. um andere Menschen kennen zu lernen oder Zugehörigkeit zu entwickeln). Schließlich hat Kohäsion auch eine affektive und zeitliche Dimension. Zum einen sind da die verschiedenen Phasen im Verhältnis Subjekt-Gruppe und auch in der Gesamtgruppe können soziale Beziehungen innerhalb einer Gruppe von Anfang an da sein oder sich dort erst entwickeln. Im Groben wird Kohäsion in zwei Dimensionen unterteilt: In die Aufgabenorientierte und in die Beziehungsorientierte. Diese Frageorientierungen werden je weiter unterschieden für die Gruppe als ganzes und für das Individuum in der Gruppe.
(Abb. 1: Strukturierung der Untersuchung von Kohäsion (vgl. Copper, Mullen, 1994, S. 212)
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2. Wie hängen Kohäsion und Leistung zusammen?
Zunächst könnte man annehmen, dass ein starker Zusammenhalt z.B. auch eine zusätzliche Motivation liefert, Kooperation erhöht und vielleicht Schwachstellen im Team auszugleichen in der Lage ist, kurzum einfach immer leistungsfördernd ist, wenn nicht sogar eine Leistungs-vorraussetzung. Man kann sich andersherum vorstellen, dass z.B. die Vorgänge bei einem Teambuilding-Seminar (Fallenlassen in Gruppe, gemeinsames Erleben, erfolgreiches Lösen von Gruppen-aufgaben) mit ihrem gemeinsamen Erleben von Erfolg das Bestehen einer Gruppe suggerieren oder dass der gemeinsame Erfolg erst die Attraktivität der Gruppe und deren Zusammenhalt ausmacht. Und ist Kohäsion überhaupt immer leistungsförderlich oder steht der Leistungsfaktor Kohäsion dem Faktor Konkurrenz gegenüber, kann ein individualistisches Team besser sein als ein teamorientiertes, und wenn, nach welchen Prinzipien stelle ich z.B. meine Mannschaft auf? Oder sind die direkten Gruppenprozesse wie Kommunikation, Kooperation und Konkurrenz unter Umständen gar unabhängig von Kohäsion?
Die Messung von Kohäsion geschieht meist über verschiedene Fragebögen („Sport Cohesiveness Questionaire“ (SCQ) 1972 von MARTENS, LANDERS u. LOY. “Kohäsionsfragebogen Sport“ (KFS) 1999 von SCHMIDT, HENKIES und FISCHERdiese beschränken sich aber überwiegend auf die interpersonelle Attraktivität der Gruppenmitglieder und die Attraktivität der Mannschaft. „Multidimensional Sport Cohesion Instrument“ (MSCI) 1984 von YUKELSON, WEINBERG u. JACKSON, ebenso wie der bis heute viel genutzte „Group Environment Questionaire“ (GEQ) 1985 von CARRON, WIDMEYER u. BRAWLEY unterteilen weiter in den vier oben erwähnten Dimensionen). Mannschaftsleistungen werden meist in Anzahl gewonnener Spiele gemessen. Übergeordnete Zusammenhänge im Bereich des Sports fassten 1994 COPPER/MULLEN (s. S 12) und 2002 CARRON, COLMAN, WHEELER und STEVENS (s. S. 12) in Metastudien zusammen, kamen aber zu unterschiedlichen Ergebnissen. Auf die Ergebnisse dieser Studien wird im Weiteren noch eingegangen. Zunächst soll zur Vereinfachung und Veranschaulichung im nächsten Abschnitt ein Modell vorgestellt werden, das Bedingungen von Kohäsion und ihren Zusammenhang zur Gruppenleistung beinhaltet.
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2.1 Heuristisches Modell (1998)
Dass der Begriff „Gruppe“ dynamisch zu verstehen ist, wird deutlich, wenn man bedenkt, auf welche Weise eine Gruppe auf das dazugehörige Individuum wirkt und inwiefern die Individuen die Gruppe gestalten. Gruppen spielen quantitativ und qualitativ im Leben eines jeden Menschen eine große Rolle. Jeder Mensch gehört im Laufe seines Lebens vielen unterschiedlichen Gruppen an. Mit der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit können sich die Bedürfnisse des Individuums wandeln. Vorher interessante Gruppen können dann uninteressant werden und zu einem Verlassen der einen Gruppe und dem Beitritt zu einer anderen Gruppe führen. Gruppen beeinflussen die dazugehörigen Individuen in ihren Verhaltensweisen und Ansichten. Ebenso beeinflussen die Individuen die Gruppe als ganzes. Die Höhe der Kohäsion kann hier die Intensität dieser Wechselbeziehung beeinflussen. In dem folgenden Modell von CARRON und HAUSENBLAS geht es um die Erforschung sozialer Prozesse speziell in Sportgruppen. Sportgruppen definieren sich zum Beispiel durch gemeinsame Gruppenziele. Die Mitglieder teilen dadurch eine gewisse Identität und das gleiche Schicksal. Gruppen verfügen über typische Interaktions- und Kommunikationsmuster. Es kennzeichnet sie also eine spezielle Gruppenstruktur, die auch durch die jeweiligen sportartspezifischen Regeln determiniert wird. Wenn die Sportpsychologie hier von Gruppenforschung spricht, geht es ins Besondere um die Mannschaftsleistung und die dafür verantwortlichen Variablen im Zusammenhang mit der Gruppenkohäsion
Abb.2: Das heuristische Modell (Alfermann, Strauß, 2001, S. 82)
Arbeit zitieren:
Wanja von der Felsen, 2009, Kohäsion und Leistung im Sport, München, GRIN Verlag GmbH
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