Inhalt
Inhalt 2
Einleitung 3
Giovanni Antonio Campano 5
Biographisches 5
Campano als Bischof 10
Campano am Reichstag zu Regensburg 1471 12
Was berichtet Campano vom Reichstag? 15
Die Rede Campanos am Reichstag 19
Der Patrizi-Bericht und die tatsächlichen Ergebnisse des Reichstages. 22
Fazit und Ausblick 23
Literaturangaben 26
Quellen 26
Biographisches 26
Weiteres 26
2
Einleitung
Pius II. und die Türken. So lautete das Thema des Seminars im vergangenen Sommersemester 2004, aus dem diese Arbeit hervorgegangen ist. Ausgehend von der Untersuchung der Epistola ad Mahumetem beschäftigte sich das Seminar also mit der Frage, wie sich Enea Silvio Piccolomini, der spätere "Humanistenpapst" Pius II., lange Jahre vor und während seines gesamten Pontifikats mit der Lösung der Türkenfrage auseinander gesetzt hat. 1 Der Brief an Mehmet II., Sultan des Osmanischen Reiches, den Reinhold F. Glei und Markus Köhler jüngst ediert haben, 2 bildete die Grundlage für eine Untersuchung humanistischer Beschäftigung mit den Türken.
Nach dem Fall Konstantinopels am 28. Mai 1453, der ein großes Wehklagen über Europa hereinbrechen ließ, trat Enea Silvio Piccolomini als einer der wichtigsten Befürworter eines Türkenfeldzuges hervor. Noch in seiner Position als kaiserlicher Sekretär am Hof Friedrichs III. schrieb er nach der Eroberung unter anderem Briefe an Nikolaus von Kues und Domenico Capranica, in denen er Gehör für seine Stimmung gegen die Türken suchte. Doch trotz der berühmten Rede Constantinopolitana Clades am Frankfurter Reichstag 1454 gelang es ihm noch nicht, ausreichende Unterstützung zu erlangen. 3 Erst mit der Besteigung des Heiligen Stuhls 1458 als Nachfolger von Calixt III. war er in einer Position, die es ihm ermöglichte, sein Streben nach einem Feldzug gegen Mehmet II. und die Rückeroberung der antiken Werte aus den Händen der Barbaren fort zu führen. Nachdem auch der Kongress von Mantua 1459 gescheitert war, machte sich Pius II. nach der Eroberung Trapezunts und Sinopes 1461 durch die Türken auf seine ganz eigene Art Gedanken über den türkischen Sultan: Er verfasste vermutlich in diesem Zeitraum die oben genannte Epistola ad Mahumetem, die man als
1 Zur Biographie Pius II. vgl. z. B. Enea Silvio Piccolomini - Papst Pius II. Ausgewählte Texte aus seinen Schriften, hg., übersetzt und biographisch eingeleitet von Berthe Widmer, Basel /
Stuttgart 1960; Ludwig Freiherr von Pastor: Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des
Mittelalters, Zweiter Band, 3. u. 4. Auflage, Freiburg i. Br. 1904.
2
Pius
Colloquium 50), Trier 2001.
3 Zur Rede siehe unten S.16ff.
3
bestes Beispiel seiner humanistischen Denkweise und wahrscheinlich als rein theoretische Überlegung zur Bekämpfung der Türken bewerten sollte. 4 Schon auf der Durchreise zum Kongress von Mantua trafen Pius II. und Giovanni Antonio Campano 1459 in Perugia aufeinander und letzterer erhielt schnell den Zutritt zu Pius' philosophischem Zirkel, in dem man auch noch andere Humanisten jener Zeit finden kann: Flavio Biondo, Agostino und Francesco Patrizi, Agapito de' Rustici, Giacomo Ammanati und Leonardo Dati.
Die vorliegende Arbeit versucht nun die Verknüpfung von Humanismus, Diplomatie und Türkenpolitik im Quattrocento an Hand des Beispiels von Campano näher zu untersuchen. Gelang es ihm, die politischen Bestrebungen und Ideale von Pius II. auch nach dessen tragischem Tod 1464 aufrecht zu erhalten?
Dabei soll nach einem biographischen Überblick zu Campano der Schwerpunkt auf den Regensburger Reichstag von 1471 gelegt werden. Dies ist die einzige wichtige politische Erfahrung, die Campano in seiner Karriere gemacht hat. Seine dortige Bedeutung, sein Verhalten gegenüber den Deutschen, seine Äußerungen in Briefen nach Italien und besonders die geplante Rede gegen die Türken bilden einzelne Aspekte der Arbeit, bevor sie mit den tatsächlichen Ereignissen und Ergebnissen des Reichstages verglichen werden sollen.
4 Vgl. dazu Johannes Helmrath: Pius II. und die Türken, in: Bodo Guthmüller / Wilhelm Kühlmann (hg.): Europa und die Türken in der Renaissance, Tübingen 2000, S. 79-137, hier S.
126.
4
Giovanni Antonio Campano Biographisches
"Si paragonò ad una pianta cresciuta negli «orticelli» di Enea Silvio." 5
Giovanni Antonio De Teolis, genannt 'il Campano', wurde am 27. Februar 1429 in Cavelli/ Cavelle di Gallucio in der Nähe von Sessa Aurunca in Kampanien geboren. 6 Die nächstgrößeren Orte der Umgebung sind Teano und Capua. Damit liegt seine Heimat auch nur unweit von Neapel, zu dem er später noch eine intensivere Beziehung aufbauen sollte.
Vorweg lässt sich sagen, dass sich Campano - zu Lebzeiten bereits beliebt - zu einem der bedeutendsten Redner, Historiographen, Philosophen, Briefstilisten und Dichter seiner Zeit entwickeln konnte. Doch kann man ihn auch als einen fähigen und bedeutenden Politiker - oder vielleicht besser: Diplomaten - bezeichnen? Die Hauptquelle zu Giannantonio Campanos Leben ist die Biografie des Mailänder Editors Michele Ferno, der 1495 in Rom die Opera Omnia des Campano herausgegeben hat. 7 Ferno greift in seinen Schilderungen auf drei verschiedene Quellengruppen zurück: Die erste genutzte Gruppe dieser Art bilden für Ferno Erzählungen und angedichtete, legendenhafte Schilderungen, die sich um die Person Campano ranken: dazu zählt beispielsweise die Legende seiner Geburt, auf die auch Hausmann verweist. 8 Die Augen- und Ohrenzeugenberichte derer, die ihn selbst gesehen, gehört oder gekannt haben, also meist Mitglieder seines Freundeskreises und der Familie, die 1495 noch lebten lassen sich in einer zweiten Gruppe zusammenfassen. Schließlich bedient sich Ferno drittens bei den Angaben von Campano selbst, die er in seinen Briefen, Schriften und Gedichten gemacht hat.
5 "Man verglich ihn mit einer im Garten von Pius II. gediehenen Pflanze." Flavio Di Bernardo:
Un vescovo umanista alla Corte Pontificia, Giannantonio Campano (1429-1477) (= Miscellanea
historia pontificiae 39), Rom 1975, S. 17.
6 Information nach Frank-Rutger Hausmann: Giovanni Antonio Campano (1429-1477). Ein Beitrag zur Geschichte des italienischen Humanismus im Quattrocento, in: Römisch-Historische
Mitteilungen 12 (1970), S. 125-178, hier S. 129. Siehe besonders dortige Anm. 25ff.
7 Nach Hausmann: Campano, S. 126. Flavio Di Bernardo: Campano, S. 1 nennt ihn Michele
Ferni.
8 Hausmann: Campano, S. 130.
5
Die Literaturlage insgesamt zu Campano fällt recht dürftig aus. Die wichtigsten Editionen seines Werkes sind die Opera Omnia des bereits oben erwähnten Ferno, sowie die edierten Briefe und Gedichte von Johann Burckhardt Mencken von 1707. 9 Aus neuerer Zeit lassen sich noch die von Campano verfassten Biographien über Braccio, Pius II. und den Herzog von Montefeltro anführen, von denen die zweite den Anstoß gab, die vorliegende Arbeit zu schreiben. 10 Frank-Rutger Hausmann hat 1968 in seiner Dissertation Campanos Briefe erläutert und ergänzt, 11 und gibt in seinem biographischen Aufsatz über Campano im Anhang noch eine Übersicht über dessen wichtigste verzeichnete Werke. 12 Die einzige Monographie über Leben und Wirken von Giovanni Antonio Campano überhaupt ist die von Flavio Di Bernardo 13 - bis dahin hatte es nur Aufsätze oder den Werkeditionen vorangestellte Viten gegeben. 14 Die eingehenden Schilderungen über Physis und Familie Campanos, wie man sie bei Hausmann finden kann, sollen hier ausgeklammert werden, da sie für die vorliegende Arbeit von weniger wichtiger Bedeutung sind. Einzig die - wahrscheinlich von ihm selbst in Umlauf gebrachte - Anekdote über die Umstände seiner Geburt sollte man herausstellen: Der Legende nach soll er unter einem Lorbeerbaum zur Welt gekommen sein. Dies soll ein Vorzeichen auf seine spätere Dichterlaufbahn gewesen sein. 15 Sicher ist, dass Campano unter einer schwerwiegenden Krankheit leiden musste: morbus comitialis, wie er sie selbst beschrieb - also vermutlich Epilepsie. 16 Diese sollte
9 J. B. Mencken: Jo. Antonii Campani Epistolae et Poemata una cum Vita Auctoris, Leipzig
1707.
10 Die Biographie Pius II. in: Le vite di Pio II di Giovanni Antonio Campano e Bartolomeo Platina, a cura di Giulio C. Zimolo (= Rerum Italicarum Scriptores III, 3), Bologna 1964.
Weitere Angaben zu den anderen beiden Biographien bei Hausmann: Campano, S. 127.
11 Frank-Rutger Hausmann: Giovanni Antonio Campano (1429-1477). Erläuterungen und
Ergänzungen zu seinen Briefen, Phil. Diss., Freiburg i. Br. 1968.
12 Hausmann: Campano, S. 171ff.
13 Di Bernardo: Campano, wie Anm. 5.
14 So z. B. den Aufsatz von Giuseppe Lesca: Giovannantonio Campano detto l'episcopus
Aprutinus. Saggio biografico e critico, Pontedra 1892, in: Rassegna Bibliografica della
letteratura italiana I (1893), S. 111-115. Zitiert nach Hausmann: Campano, S. 128, Anm. 17.
15 Vgl. Hausmann: Campano, S. 130ff.
16 Hausmann: Campano, S. 131, Anm. 45 und S. 146, Anm. 129/130 verweist auf Epilepsie als
Krankheit, weil Campano selbst in einem Brief von morbus comitialis schreibt, welche aber
natus a stomacho sei. In jener Beschreibung ist jedoch ein Widerspruch, da Epilepsie durch eine
Störung im Gehirn verursacht wird und nicht in der Bauchgegend. Zudem sind die - im Verlauf
6
sich besonders 1463 und 1474 schädlich auf seine Karriere auswirken, da er sich monatelang in verschiedenen Bädern (u. a. in Viterbo) aufhalten musste und nicht am öffentlichen und politischen Leben teilnehmen konnte. 17 Die Kindheits- und Jugendjahre Campanos sind nur schwach dokumentiert und hier auch von wenig entscheidender Bedeutung. Seine erste Bildung erhielt er durch einen befreundeten Priester, obwohl er eigentlich zum Viehhirten bestimmt war. Wenige Jahre später (1448) begab sich Campano nach Neapel und wurde als Hauslehrer bei Carlo Pandoni, Mitglied einer bedeutenden neapolitanischen Familie, eingestellt. 18 Vermutlich studierte er nebenbei an der Universität Neapel, an der er eventuell auch Lorenzo Valla gehört haben kann. 19
Ab 1452 studierte er in Perugia, wo er unter dem Schutz der Familie Baglioni lebte. 20 Auf diese Weise erhielt er seine erste humanistische Grundausbildung durch das Studium der artes liberales: Grammatik, Rhetorik, Philosophie und Dialektik, und konnte so den Grundstein für seine spätere Entwicklung legen. Drei Jahre später wurde er in Perugia auf den Lehrstuhl für Rhetorik berufen. Die Professur wurde zwar nur recht mäßig entlohnt, war jedoch auf der Karriereleiter eine weitere Sprosse, die Campano erklimmen konnte. Als Teilnehmer der perusanischen Oboedienzgesandtschaft für Calixt III., der im April 1455 die Nachfolge von Nikolaus V. angetreten hatte, reiste er nach Rom. In diesem Zusammenhang konnte er dort am 21. Oktober 1455 in Anwesenheit vieler Gelehrter der Hochschule und des päpstlichen Legaten seine Rede Oratio in studio Perusino 1455 habita halten, die Hausmann als eine Art Antrittsvorlesung bezeichnet. 21 Aus jener Zeit stammen noch mindestens eine Grabrede Campanos 22 und die Vita et res gestae Braccii Fortebraccii libri i-vi, jene oben angesprochene Vita, die bei Silber im Druck erschienen ist. 23
der Arbeit noch zu erwähnenden - Rekonvaleszenzphasen für eine Epilepsie viel zu lang.
Ähnlich äußert sich auch Di Bernardo: Campano, S. 158f.
17 Ebd.
18 Vgl. Hausmann: Campano, S. 132.
19 So Di Bernardo: Campano, S. 36.
20 Di Bernardo: Campano, S. 46 nennt einige Professoren, die Campano wohl gehört hat.
21 Hausmann: Campano, S. 134 und auch Di Bernardo: Campano, S. 55ff.
22 Die Rede In funere Nelli de Balionibus oratio hält er im Juni 1457, wie Hausmann: Campano,
S. 136 berichtet.
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Arbeit zitieren:
Philippe Metzger, 2005, Humanismus, Diplomatie und Türkenpolitik im Quattrocento, München, GRIN Verlag GmbH
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