z.B. ob es keine andere Erklärung für die Komplexität gibt oder ob es nicht auch andere mögliche Abfolgen geben kann). Auch wenn es vernünftiger sein sollte, die einzelne Prämisse für wahr zu halten als ihre Negation, so ist ihre Wahrheit nicht offensichtlich.
In Bezug auf die subjektive Überzeugungskraft sehen sich die Gottesbeweise mit zusätzlichen Schwierigkeiten konfrontiert (auch wenn damit nichts über die Güte der Beweise ausgesagt wird). Es kommt nämlich hinzu, dass die Existenz eines solchen Gottes Konsequenzen für das persönliche Leben nach sich zieht. Menschen lassen sich durch Gottesbeweise im Allgemeinen nicht so überzeugen, dass sie ihr Weltbild und vor allem ihre Lebensführung umkrempeln. Daher müssen die Erfolgsaussichten einen Beweis zu finden, dem jeder zustimmt, aufgrund der genannten Probleme stark herabgesetzt werden. Schließlich lässt sich immer irgendetwas an einem Argument finden, das im Nachhinein kritisiert werden kann, wenn die Schlussfolgerung nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt. Diese Tendenz hat auch Kelly James Clark beobachtet, während er sich intensiv mit verschiedenen Gottesbeweisen auseinander gesetzt hat. Er bemerkt dazu auf seine ironischen Art:
A suspicion arises: Theistic proofs and Christian evidences support what the Christian [...] wishes, with all her heart, to believe (and vice versa for the nontheist). Lucky (or providential) for her that all of the evidence comes out -forcefully, clear, and unambiguously - on her side. The suspicion ripens: The heart guides, for better or for worse, the assessment of the evidence (on both sides of the debate). (Clark 2000, 365).
Meiner Meinung nach ist das Grund genug anzunehmen, dass es keinen Beweis für die Existenz eines theistischen Gottes geben kann. Zumindest keinen der in seiner Überzeugungskraft z. B. mit dem Beweis eines mathematischen Theorems vergleichbar wäre. Und sollte es doch welche geben, so würden die meisten Menschen sich nicht überzeugen lassen, wenn sie nicht wollen. Die nächste Schwierigkeit, der sich Gottesbeweise stellen müssen, betrifft die Attribute Gottes. Schließlich soll uns das Argument von der Existenz eines theistischen Gottes überzeugen. Jeder der klassischen Gottesbeweis zielt jedoch nur auf einzelne Eigenschaften Gottes ab. Der kosmologische begründet die Macht Gottes, indem er von der Bewegung in dieser Welt auf einen unbewegten Beweger schließt. Der teleologische zeigt seine Weisheit oder Intelligenz, aufgrund des Eindruckes, dass die Natur und das Leben auf ein Ziel ausgerichtet zu sein scheinen. Andere Beweise begründen andere Eigenschaften. Es reicht nicht, sich
2
auf ein einzelnes Argument zu stützen, wenn man einen theistischen Gott beweisen will. Man würde nur zu einem übernatürlichen Wesen mit einer bestimmten Eigenschaft gelangen. Daher verwenden die meisten heutigen Theisten mehr als ein Argument, von denen jedes ein anderes Attribut zusammen mit der Existenz Gottes nachweist. 2
Es sind also viele Gottesbeweise nötig, die wie sich einander ergänzende Puzzleteile, das Gesamtbild eines theistischen Gottes ergeben. Aber jeder dieser Beweise muss schlüssig sein. Daher könnte ein einzelnes, nicht überzeugendes Argument, eine einzelne notwendige, aber unbeweisbare Eigenschaft das gesamte Unterfangen zum Scheitern bringen. Wir wären bei einem Wesen angekommen, der zwar eine Menge Eigenschaften (indem wir z.B. Weisheit und Macht nachgewiesen haben) hat, aber wir könnten nicht beweisen, dass er vollkommen ist (weil wir z.B. seine Allwissenheit nicht haben nachweisen können). Dieses Wesen wäre Gott in vielerlei Hinsicht ähnlich, aber noch nicht nachweislich mit ihm identisch. Für einen Untersuchenden selbst mag ein einzelner Schwachpunkt nicht soviel ausmachen, wenn die anderen Argumente ihn überzeugen. Er mag dann persönlich entscheiden, dass er gute Gründe hat an einen theistischen Gott zu glauben, wenn genügend viele seiner Attribute nachgewiesen wurden. (Oder, um das eben erwähnte Beispiel aufzugreifen, das Bild Gottes trotz fehlender Puzzleteile erkennbar ist.) Aber der Versuch, einen theistischen Gott rational zu beweisen, wäre gescheitert.
Obwohl klassische Theisten wie Thomas von Aquin (1225-1274) davon überzeugt waren, dass alle wesentlichen Eigenschaften Gottes aus der Natur erkannt werden können, 3 ist ein solches Unterfangen wohl nicht möglich. Wie bereits angedeutet, lässt sich aus dem kosmologischen Argument zeigen, dass Gott als Verursacher dieser Welt sehr mächtig sein muss. Aber lässt sich auch zeigen, dass er allmächtig ist? Genauso zeigt die zielgerichtete Natur, dass Gott sehr weise im Vergleich zum Menschen ist. Aber zeigt sie auch seine Allweisheit und Allwissenheit? Vielleicht lassen sich rationale Gründe finden, die nachweisen, dass Gott ein sehr gütiges und sehr moralisches Wesen ist. Aber auch ein allgütiges? Um solche all-Eigenschaften rein rational zu begründen, reichen die begrenzten Beobachtungen und Zusammenhänge, zu denen Menschen Zugang haben, nicht aus. Dafür würde man verlässliche Offenbarungen eines solchen Gottes benötigen. Eine Ausnahme hierzu bildet der ontologische Gottesbeweis, der von der
2 Vgl. Geisler 1999, 283.
3 Vgl. Ibid. Das heißt, ohne zwingend ein heiliges Buch für ihre Begründung heranziehen zu müssen .
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Arbeit zitieren:
Jan Hoppe, 2009, Ist die Existenz eines theistischen Gottes beweisbar?, München, GRIN Verlag GmbH
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