(5) Die Ideen der sinnlich wahrnehmbaren Welt sind zu komplex, als das sie in einem endlichen Geist existieren könnten (6) Daher müssen Ideen in einem unendlichen Geist existieren
Meine Kritik wendet sich gegen Prämisse (1). Und zwar stelle ich mir den Vorgang der sinnlichen Wahrnehmung wie folgt vor. Nimmt man das Beispiel des Sehen, so kann man sich eine kausale Kette vom Gegenstand bis zur entstehenden Idee vorstellen: Licht fällt auf einen Gegenstand, dieser reflektiert und absorbiert bestimmte Wellenlängen, wodurch charakteristische Farben entstehen. Die Rezeptoren im Auge nehmen die einzelnen Farben war (oder „mischen“ sie zu Farben) und formen sie in Signale um. Das Gehirn decodiert diese Signale und stellt sie zu einem Bild zusammen.
Auf ähnliche Weise funktionieren Computer, oder noch deutlicher, Digitalkameras. Das macht deutlich, dass „Sinneseindrücke“ auch ohne einen Geist zu einem „Bild“ („Idee“) werden können. Natürlich sind diese Bilder oder Ideen nicht die wirklichen Gegenstände, sondern vielmehr Abbilder eines bestimmten Teils der Gegenstände (wenn man mit Infrarotkameras fotografieren würde, wäre die Idee eine ganz andere). Mein Argument würde ungefähr wie so verlaufen: (1) Ideen entstehen durch geschlossene Kausalketten (2) Geschlossene Kausalketten führen zu Abbildern von Sinnendingen (3) Abbilder sind keine Sinnendinge (4) Also sind Ideen keine Sinnendinge
Auf diese Weise wäre das Argument für die Existenz Gottes aufgrund einer ungültigen Prämisse widerlegt. 6
Das nächste Argument Berkeleys wendet sich gegen den Versuch, Materie als sekundäre Ursache (neben Gott) einzuführen. Er behauptet dabei, dass es keinen Sinn mache, von einer Tätigkeit zu reden, die nicht mit einem Willen in Verbindung stehe. Und da Materie keinen Willen habe, könne sie nicht tätig werden. Um aber etwas zu verursachen, müsse sie tätig werden. 7 Das Argument hat die Form:
(1) Es gibt keine Tätigkeiten, die nicht mit einem Willen in Verbindung stehen (2) Materie kann nichts wollen und damit auch nicht tätig werden (3) Wenn Materie etwas anderes verursacht, dann muss sie tätig sein. (4) Daher kann Materie nichts verursachen
6 Aufgrund der Kürze kann nicht auf Berkeleys Einwände gegen Abbilder (vgl. Berkeley 1713, 107-108) und seinem Vorwurf der Zirkularität dieses Gegenarguments, weil die Existenz der Materie quasi vorausgesetzt wird, (vgl. Ibid. 126) eingegangen werden.
7 Vgl. Ibid. 68-69.
2
Arbeit zitieren:
Jan Hoppe, 2008, Kritik an Berkeleys Argumenten für die Existenz Gottes und die Nichtexistenz von Ursachen unserer Wahrnehmung außer ihm, München, GRIN Verlag GmbH
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