

hinreichenden Ursache zumindest ebensoviel enthalten sein muß wie in der Wirkung ebenderselben Ursache.“ 5 Für Cottingham sagt dieses Prinzip im Grunde, dass für jedes x mit der Eigenschaft F, die Ursache von x mindestens genausoviel F-heit haben muss wie x selbst. 6 Descartes verteidigt dieses Prinzip als eine Version des Axioms: Aus Nichts kommt nichts. 7 Bei der dritten Phase - wiederum eine Prämisse - erklärt Cottingham, dass Descartes zu begründen versucht, warum das Prinzip der kausalen Angemessenheit auch auf den repräsentativen Inhalt von Ideen angewandt werden muss. Das heißt, dass für jede Idee A gilt: wenn A ein Objekt mit der Eigenschaft F repräsentiert, dann muss die Ursache von A mindestens genausoviel F-heit besitzen, wie man in der Idee repräsentativ findet. 8 An dieser Stelle ist es wichtig zu erläutern, wie Cottingham zu dieser Form der dritten Prämisse gelangt. Und zwar versteht er Descartes' Gebrauch von objektiver Realität 9 , entgegen dem heutigen Sprachgebrauch, als repräsentativen Inhalt einer Idee. Cottingham erläutert das an dem Beispiel des Eiffelturms:
So if my idea of the Eiffel Tower represents it as having the property of tallness, say, then tallness, which really belongs to the actual tower, will be said to be present ‚objectively‘ or
‚representatively‘ in my idea. 10
Für Cottingham ist die Bedeutung von „objektiv“ bei Descartes folglich nicht in dem Sinne zu verstehen, wie man heute von „objektiv wahr“ spricht, sondern vielmehr, mit anderen Worten gesagt, die Repräsentation eines Objekts. 11
Bis zu diesem Punkt wird das Argument von Cottingham wie folgt zusammengefasst: (1) ich habe die Idee eines Gottes mit Eigenschaften der Vollkommenheit; (2) und (3) die Ursache meiner Idee muss in etwas liegen, dass die Eigenschaften wirklich besitzt, die sich nur repräsentativ in meiner Idee befinden. 12
Nun wird in der vierten Phase das Argument zum Abschluss gebracht. Dabei findet Cottingham noch mehrere Prämissen bei Descartes, bevor er zu der Konklusion kommt. Eine der Prämissen ist die von Descartes erkannte persönliche Begrenztheit. Er als Individuum ist offensichtlich unvollkommen. Das wird beispielsweise daran deutlich, dass er nicht alles weiß. Daher kann er auch nicht die Ursache der Idee von Gott sein. Genauso wenig kann die
5 Descartes 2008, 81.
6 Vgl. Cottingham 1986, 49.
7 Cottingham schreibt jedoch an anderer Stelle, dass das Descartes nicht ausreicht. Vgl. Cottingham 1993, 165-
166.
8 Ganzer Absatz: vgl. Cottingham, 1986, 49-50.
9 Beispielsweise: Descartes 2008, 81.
10 Cottingham 1986, 49.
11 Ganzer Absatz: vgl. ibid.
12 Vgl. ibid, 50.
2
Idee von ihm selbst zusammengestellt werden, da es bei der Bildung der einen Idee aus einer anderen zu einem unendlichen Regress kommen würde. Auf Grund dieser beiden zusätzlichen Prämissen, lassen sich die eigene Person und andere Ideen als Ursache der Vorstellung von Gott ausschließen. Daher muss die eigentliche Ursache eine Entität sein, die all die Eigenschaften wirklich besitzt, die sich nur repräsentativ in der Idee befinden. Diese Entität ist daher Gott. 13
Cottinghams Diskussion des ersten trademark-Arguments
Ein fragliches Element des ersten Arguments ist das Prinzip der kausalen Angemessenheit. Cottingham nennt mehrere Probleme die sich am Prinzip und dessen Anwendung finden. Descartes selbst erläutert es am Beispiel eines Steins, der von einem Ding produziert werden muss, in dem alles, was im Stein ist, formal oder eminent vorhanden ist. 14 Diese Form der Verursachung scheint für Cottingham eine Art Vererbung zu beinhalten. Wie er es am Beispiel der Stärke einer Brücke deutlich macht, die ihre Gesamtstärke aus den Stärken der Einzelteile erhält, scheint diese Verursachung „materiell“ zu sein. Dieses Prinzip lässt sich aber durch viele Gegenbeispiele entkräften. Cottingham verwendet als Gegenbeispiel den Schwammkuchen. Einige seiner Eigenschaften (z. B. die „Schwammigkeit“) sind nicht in den Zutaten (z. B. Eier, Butter usw.) enthalten. Natürlich ließe sich argumentieren, dass die Eigenschaften potentiell in den Zutaten enthalten sind (und erst durch chemische Prozesse zu Tage gekommen sind). Aber das würde für Descartes Argument nicht ausreichen. Für ihn wäre vielmehr nötig, wie bereits dargelegt, dass die Ursache der Idee von Gott die Eigenschaften wirklich besitzt. 15
Es taucht noch ein weiteres Problem an Descartes' Formulierung des Prinzips der kausalen Angemessenheit auf. Dazu nennt Cottingham einen frühen Einwand gegen das Prinzip, der noch über die materielle Verursachung hinaus geht. Und zwar konfrontierte ein Freund Descartes' diesen mit der Möglichkeit, dass das Leben aus unbelebten Ursachen, wie Sonne und Regen, entstanden sein könnte. Auf diese Weise wäre eine ganz neue Realität entstanden, die nicht in den Ursachen vorhanden war. Darauf erwiderte Descartes zunächst, dass Tiere keine Perfektionen (vermutlich sind damit mehr oder weniger Eigenschaften gemeint) haben, die sich nicht auch in unbelebten Gegenständen befinden. Dann stellt er auch heraus, dass das Prinzip die totale Ursache von etwas fordert. Für Cottingham scheint dies
13 Ganzer Absatz: vgl. ibid.
14 Vgl. Descartes 2008, 81. Auf die Begriffe „formal“ und „eminent“ wird in Kürze eingegangen werden.
15 Ganzer Abschnitt: vgl. Cottingham 1986, 50-51.
3
Arbeit zitieren:
Jan Hoppe, 2009, Cottinghams Analyse von Descartes' trademark-Argument für die Existenz Gottes, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache): neuer Titel erschienen: Cottinghams Analyse von Descartes' trademark-Argument für die Existenz Gottes
Jan Hoppe hat einen neuen Text hochgeladen
Cours d'analyse de l'École Royale Polytechnique. I partie. Analyse alg...
Augustin-Louis Cauchy
0 Kommentare