Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Was ist Determinismus? 4
Ein Problem mit der Definition 4
Ein Problem mit unseren Neuronen 6
Fazit 8
Literaturverzeichnis 9
2
Stellen wir uns vor, ein Autofahrer ist einen Moment lang unaufmerksam, vergisst vor einer scharfen Kurve ausreichend zu bremsen und schneidet die Kurve, um nicht von der Fahrbahn abzukommen. Ein entgegen kommendes Motorrad hat nicht mehr ausreichend Platz und muss auf die Grasnarbe ausweichen. Dort überschlägt es sich. Sein Fahrer trifft an einem Baum auf. Stellen wir uns weiterhin vor, der Autofahrer hat zunächst den Impuls zu fliehen. Weit und breit ist niemand zu sehen. Und da alles so schnell ging, ist nicht zu erwarten, dass der Verunglückte sich an Nummernschild oder sonstige verräterische Details erinnern können wird. Aber der Autofahrer flieht nicht. Er fährt ein Stück zurück, steigt aus und leistet erste Hilfe. Da der Motorradfahrer nicht mehr atmet, hat er keine Zeit Hilfe zu holen und sein Mobiltelefon hat er nicht mit. Einige Minuten später kommen zwei Autos hintereinander an der Unfallstelle vorbei. Beide sehen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Und beide halten nicht an. Der erste der beiden Autofahrer fährt nach einem überstundenreichen Arbeitstag nach Hause und ist sehr müde. Er denkt sich, dass der hinter ihm Fahrende doch sicher eher in der Lage und Verfassung ist zu helfen. Der zweite Fahrer ist auf dem Weg zu einer wichtigen Vereinssitzung und etwas spät dran. Er beeilt sich doch noch rechtzeitig anzukommen und nimmt sich aus der Verantwortung, indem er sich einredet, der vor ihm Fahrende hätte bestimmt angehalten, wenn Hilfe nötig wäre.
Wie gehen wir mit einer solchen Situation um? Inwiefern können wir das Verhalten der Fahrer bewerten? Ganz intuitiv wissen wir, dass alle drei die moralische Verantwortung hatten zu helfen - und nur der erste ist ihr nachgekommen. Aber konnte er wirklich etwas dafür? Was ist, wenn er aufgrund von psychischen oder neuronalen Prozessen im Gehirn zu seinem Verhalten gezwungen wurde? Und wenn auch die anderen keine „andere Wahl“ hatten als vorbeizufahren? Inwiefern können wir noch von Verantwortung reden, wenn alle Beteiligten auf-grund ihrer Vergangenheit, getroffener Entscheidungen und neuronaler Prozesse zu ihrem Verhalten determiniert waren. Wenn sie nicht frei (keinen freien Willen hatten) waren, sich anders zu verhalten, dürfen wir sie dann loben oder verurteilen? Diesen Fragen wollen wir uns in dieser Hausarbeit stellen. Eine konkrete Fragestellung wird am Ende des nächsten Kapitels folgen.
3
Was ist Determinismus?
Vorhin sind schon häufig Begriffe und Phrasen wie „keine andere Wahl haben“, „zu ihrem Verhalten gezwungen“ oder sogar „determiniert“ vorgekommen? Was verbirgt sich hinter ihnen?
Determinismus besagt im Grunde, dass es für jedes Ereignis Bedingungen gibt. Wenn diese Bedingungen vorliegen, kann nichts anderes als dieses Ereignis eintreffen. 1 Man kann verschiedene Positionen gegenüber diesem Konzept beziehen. Zum einen kann man den Determinismus ablehnen. In diesem Fall würde man behaupten, Menschen können sich (zumindest manchmal) ungeachtet der Umstände für etwas oder auch sein Gegenteil entscheiden. Für diese Hausarbeit wollen wir jedoch weitgehend annehmen, dass Menschen determiniert sind. Zwei weitere Stellungen bleiben für uns interessant. Zum einen der harte Determinismus, der den freien Willen ablehnt. Zum anderen der Kompatibilismus, der Determinismus und freien Willen für vereinbar hält. 2 Erstere Position würde dazu führen, dass Menschen nicht verant-wortlich sind für ihr Handeln - sie sind nicht frei und können folglich nichts für ihr Verhalten. Letztere würde auf jedenfall für moralische Verantwortung eintreten. Aber wir bräuchten eine Begründung, warum das geht. Denn intuitiv werden die meisten Menschen denken, dass man nur dann wirklich verantwortlich für sein Handeln ist, wenn man die Möglichkeit hat anders zu handeln. Man könnte hier das Beispiel eines jüdischen KZ-Wärters anbringen, der von der Lagerleitung gezwungen wird, für Ordnung im Lager - auch mit Gewalt - zu sorgen. Ihm wird man kaum ein moralisches Vergehen vorwerfen oder ihn für sein Tun verurteilen. Er hatte keine andere Wahl. Aber stellen wir uns vor, alle unsere Entscheidungen sind determiniert. Wir haben nie eine Wahl. Wir müssen immer tun, was wir tun. Auch die drei Autofahrer aus der Einleitung wären aufgrund der Umstände (auch Gehirnzustände etc.) gezwungen zu tun, was sie taten. Müssen wir daher unser Bedürfnis, den einen zu loben und die anderen verant-wortlich zu machen, aufgeben? Kompatibilisten würden sagen: Nein! Und daher wollen wir im Weiteren die Frage untersuchen, ob sich Determinismus und moralische Verantwortung einander ausschließen?
Ein Problem mit der Definition
Eine erste Antwort auf unsere Frage kann uns Harry Frankfurt geben. Er geht dabei von einem Prinzip alternativer Handlungsmöglichkeiten - wie er es nennt - aus. Nach diesem gilt, dass „eine Person moralische Verantwortung für ihr Tun nur dann trägt, wenn sie anders hätte han-
1 Vgl. Craig und Moreland 2003, 268.
2 Vgl. ibid.
4
Arbeit zitieren:
Jan Hoppe, 2010, Determinismus und moralische Verantwortung - Schließen sie sich aus?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...): Determinismus und moralische Verantwortung - Schließen sie sich aus? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...): neuer Titel erschienen: Determinismus und moralische Verantwortung - Schließen sie sich aus?
Jan Hoppe hat einen neuen Text hochgeladen
Verantwortung und Moral in der Wirtschaft - mehr als ein frommer Wunsc...
Gerd Brudermüller, Rudolf Fuhrmann
Ringvorlesungen im Guardini Kolleg Berlin 03. Was heißt Verantwortung ...
Ludger Honnefelder, Matthias C. Schmidt
Wirtschaftswissenschaft in christlicher Verantwortung
Ehrenpromotion von Wilhelm Kre...
Wulff Plinke
0 Kommentare