Inhalt
1. Einleitung. 3
2. Gespräch zwischen Trevrizent und Parzival, Vers 456 - 502. 4
3. Aspekte des Gesprächs. 10
3.1. Zeitverständnis. 10
3.2. Gralsgesellschaft. 10
3.3. Gottesgläubigkeit. 12
3.4. Sündenbekenntnis. 14
3.5. Herkunft. 15
4. Fazit. 17
Literaturverzeichnis. 18
2
1. Einleitung
Ich beschäftige mich mit der Bedeutung des Gesprächs zwischen Trevrizent und Parzival: Ist Parzival nach diesem Gespräch Mitglied der höfischen Gesellschaft? Ich betrachte genauer, welche Aspekte im Dialog angesprochen werden und wie sich das Gespräch auf Parzivals Verhalten auswirkt. Ebenfalls wird betrachtet, ob Parzival eine anerkannte Stellung innerhalb der höfischen Ordnung erhalten kann.
Im Gespräch in Buch 9 (V. 456 - 502) spricht Parzival alle Fragen an, die ihn quälen, besonders seine Verfehlung auf der Gralsburg beschäftigen ihn.
Er blickt zurück auf seine Fehler und gesteht seine tumbheit ein. Mit Trevrizents Hilfe lernt er, diese Fehler einzuordnen und zu beurteilen. Dies geschieht „im 9. Buch ineins mit einer Deutung des Grals als Zeichen der Gegenwart Gottes.“ 1
Nach dem Gespräch wendet sich Parzival wieder Gott zu und lernt, seine Fehler zu verbessern, die Welt und sein Verhältnis zu ihr nicht mehr bloß mit Blick auf seine subjektive Befindlichkeit zu betrachten.
Voraussetzung für dieses Thema der Hausarbeit ist das Bild des Ritters, wie Wolfram von Eschenbach es im Parzival-Roman zeichnet. Schließlich ist es ja das höfische Ideal des Ritters, nach dem Parzival strebt.
Allerdings soll auch eine vorsichtige Einschätzung der Parzival-Problematik aus heutiger Perspektive versucht werden.
In Wolfram von Eschenbachs Roman „Parzival“ repräsentiert Gawan, dem Parzival einige Male begegnet, das Bild des idealen Ritters. Seine Entwicklung wird parallel zu Parzivals Reifeprozess beschrieben, so dass Wolfram einen Kontrast schafft. Als Mitglied der Artusgesellschaft ist Gawan nicht nur ein guter Kämpfer, sondern auch „empfänglich für die Reize der Frau; tiefer Liebe fähig; dazu stolz, tapfer, beherrscht; ein treuer Freund und liebevoller Bruder; hilfsbereit [...]; voller Verständnis“ 2 . Er vertraut auf Gott und bewahrt andere und sic) vor Problemen und Konflikten.
1 Wieners, Das Gottes- und Menschenbild, S. 148
2 Wieners, Das Gottes- und Menschenbild, S. 24
3
2. Gespräch zwischen Trevrizent und Parzival, Vers 456 - 502
Das Gespräch zwischen Trevrizent und Parzival beginnt bei Vers 456 und endet mit Vers 502.
In den vorigen Büchern beschreibt Wolfram Parzivals Kindheit und Erziehung der Mutter. Diese verheimlicht das Rittertum vor ihm, um ihn zu beschützen. Nachdem er jedoch einem Ritter begegnet ist, zieht es ihn von zu Hause fort. Die Ratschläge seiner Mutter 3 , die sie ihm mit auf den Weg gab, setzt er wörtlich in die Tat um. Als er Jeschute, die erste Frau, die er trifft, begegnet, „trotzt er ihr Kuss und Brosche ab“ 4 . Dadurch stürzt er sie in großes Unglück, da Jeschutes eifersüchtiger Mann Orilus dies sieht und missversteht. Er begegnet im „Zustand der tumbheit“ 5 Gurnemanz, der ihm die „Lehren des höfischen Ritters [...] nur äußerlich“ 6 beibringen kann. Dieser gibt ihm Ratschläge zu ritterlichen Tugenden, seinem Erscheinungsbild und erläutert den Umgang mit Frauen, und den verhängnisvollen Hinweis, nicht zu viele Fragen zu stellen:: „nu lât der ungefuoge ir strît. / irn sult niht vil gevrâgen“ 7 .
Nach dem Gespräch zieht Parzival weiter und tötet auf „unritterliche Art Ither, den roten Ritter, und raubt ihm seine Rüstung“ 8 .
Nach einigen weiteren Reisen und Begegnungen kommt er auf die Gralsburg. Obwohl die Gralsgesellschaft versucht Parzival zum Fragen zu bewegen, erinnert er sich an Gurnemanz Rat und verweigert die Fragenach dem Befinden des Gralskönigs,die diesen von seinem Leid erlöst und Parzival zum Gralskönig gemacht hätte. Von da an begibt sich Parzival auf die Suche nach dem Gral und seiner Gesellschaft.
Nach einem Zeitsprung von vier Jahren - hier fügt der Erzähler die Geschichte Gawans an - befindet sich Parzival immer noch auf der einsamen Suche nach dem Gral. Er lebt in Hass auf Gott und abgeschieden von der Gesellschaft u.a. dem Artushof . Parzival passiert die Stelle, an der er Orilus und Jeschute wieder vereinte und somit seinen ersten Fehler wieder gutmachte. Er begegnet einem Ritter namens „Gahenis“, der an Karfreitag Buße tut. Gahenis schickt ihn zu Trevrizent, einem Einsiedler im Wald, weil Parzival Hilfe und Rat sucht, da er Sünde auf sich geladen hat. Parzival bezeichnet sich hier zum ersten Mal als Sünder: „[…] hêr, nu gebt mir rât: / ich bin ein man der sünde
3 Wolfram von Eschenbach: Parzival. V. 216, 26 - 30
4 Kindlers Literatur Lexikon, S. 7213
5 H. A./ E. Frenzel: Daten deutscher Dichtung, S. 40
6 Ebnd.: Daten deutscher Dichtung, S. 40
7 Wolfram von Eschenbach: Parzival. V. 171, 16 f
8 Kindlers Literatur Lexikon, S. 7214
4
hât. 9 “
Trevrizent erteilt Parzival einen ersten Ratschlag, die das Verhalten in der Gesellschaft erläutert , als er ihm sagt: iwer zuht iu des niht giht, daz ir strîtet wider decheinen wirt, ob unfouge iwer zuht verbirt. 10
Daraufhin beugt sich Parzival dem Willen seines Gastgebers und lässt Trevrizent sein Pferd zur Tränke führen. Auf dem Weg dorthin deutet Trevrizent seinem Gast gegenüber seine vergangenen Rittertaten an.
Als sie in die Hütte Trevrizents kommen, erkennt Parzival auf einem Altar das Reliquiar, auf das er geschworen hatte, um Jeschutes Leid zu erlösen und seine Sünde aufzuheben. Dadurch, dass er das Reliquiar erkennt, kann er sich an seinen Schwur auf das Symbol Gottes erinnern. 11 Er identifiziert das Reliquiar als Lanze, mit der er erfolgreich kämpfte: ein gemâlt sper derbî ich vant: hêr, daz nam al hie mîn hant: dâ mit ich prîs bejagte, als man mir sider sagte. 12
Diese Erinnerung verleitet Parzival zu der ersten wichtigen Frage, er fragt Trevrizent, wie viel Zeit seit seinem letzten Besuch vergangen sei: „wie lanc ist von der zîte her / hêr, daz ich hie nam daz sper?“ 13 Da er sich auf seiner Reise nur auf der Suche nach dem Gral befand und keinen Kontakt zur Gesellschaft hatte, reiste er ohne jedes Zeitgefühl. Die Frage macht die momentane Einsamkeit Parzivals deutlich. Sogar der Einsiedler Trevrizent lebt im Rhythmus der Gesellschaft. Das heißt, er hat die selbe Zeiteinheit und den selben zeitlichen Rahmen wie die gesamte Gesellschaft.
Trevrizent rechnet ihm anhand von Psalmen die vergangene Zeit vor: Parzival war viereinhalb Jahre auf aventuîre und auf Gralssuche. Durch Trevrizents Antwort ist gelangt Parzival in den gesellschaftlichen und zeitlichen Rahmen, er nimmt den Rhythmus der Gesellschaft an.
Dies führt zu einem ersten Rückblick und einer kritischen Einschätzung Parzivals 14 : er sieht, wie lange er schon führungslos umherzieht. Er gab seine Freuden auf, mied Kirchen, da er nur auf der Suche nach kämpferischen Auseinandersetzungen war. Er gesteht seinen Zorn auf Gott und stellt in Frage, ob Gott ihm jemals helfen könne: „ouch trage ich hazzes
9 : Ebnd.: Parzival. V. 456, 29 f
10 Ebnd.: Parzival. V. 458, 24 ff
11 Ebnd.: Parzival. V. 460,2
12 Wolfram von Eschenbach: Parzival. V. 460, 5 - 8
13 Ebnd.: Parzival. V. 460, 17 f
14 Ebnd.: Parzival. V. 460, 28 - 461, 26
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Barbara Conrady, 2008, Wolfram von Eschenbachs Parzival: Die Bedeutung des Gesprächs zwischen Trevrizent und Parzival, München, GRIN Verlag GmbH
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