Inhalt
1. Einleitung 3
2. Québec, eine von Identitätskrisen geplagte Nation 5
3. Nicolas Dickner 7
3.1. Biographie 7
3.2. Nikolski 8
3.2.1. Inhalt 8
3.2.2. Struktur, Stil und Erzählweise 9
4. Auf der Suche nach dem Ich 10
4.1. Über Identitätsprobleme 10
4.2. Die Suche nach familiären Wurzeln 14
5. Schlussbetrachtung 21
6. Bibliographie 22
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1. Einleitung
Identität, so könnte man sagen, ist der wesentlichste Anteil unserer Persönlichkeit, den wir neben unserem Zugehörigkeitsgefühl zu einem bestimmten Land oder Ort, mit in die Wiege gelegt bekommen. Sie ist es, die uns als Mensch ausmacht, über die Mann und Frau sich zu definieren versuchen und die uns zeigt, welch bewusste (aber auch unbewusste) vererbte Wesensanteile wir von unseren Bezugspersonen, zumeist unseren Eltern, mit auf den Lebensweg bekommen haben. Identität ist folglich eine Eigenschaft per se, die niemals in Frage gestellt wird, da wir alle sie automatisch in uns verankert haben. Wendet man allerdings den Blick von unserem europäischen Raum ein wenig ab und widmet sich einem Land und seiner Bevölkerung, die sich als Kanadier bezeichnet, so stößt man hier auf ein ganz anderes Bild und wird mit einer Frage konfrontiert, die sich hierzulande wohl kaum jemand im Laufe seines Lebens stellen muss, nämlich „Was ist Identität?“. Die Geschichte der kanadischen Provinz Québec und die seiner Bewohner ist zweifellos eine problematische, man wage sogar zu behaupten, Québec sei eine von Identitätskrisen geplagte Nation. Die ständige Frage der Zugehörigkeit, das Problem der Amtssprache und die eigentliche Vorgeschichte dieses Landes tragen dazu bei, dass wohl jeder Quebécer und jede Quebécerin schon in frühen Lebensjahren mit dem Problem der Identität konfrontiert wird. Wie jedoch jeder Einzelne damit umgeht und welche Lösungen es gibt, eine für sich stimmige Antwort zu finden, ist unterschiedlich. Eine Möglichkeit unter vielen wäre beispielsweise ein Buch darüber zu schreiben und sich mit der Frage zu beschäftigen, wohin einen das Leben führt, wenn man sich dazu entschließt, seine wahre Identität und somit seine Wurzeln im Leben zu suchen. Ausgehend von der Identitätsproblematik vieler QuébecerInnen schildert Nicolas Dickner in seinem Roman Nikolski die Schwierigkeit der Identitätsfindung, nämlich wenn es darum geht, seine familiären Wurzeln zu finden, um in weiterer Folge die wohl wichtigste Frage, nämlich „Wer bin ich“, beantworten zu können.
Die Gründe, weshalb es sich bei der Provinz Québec um eine von Identitätskrisen geplagte Nation handelt, sollen im ersten Teil dieser Arbeit behandelt werden. Anhand der von mir ausgewählten Sekundärliteratur möchte ich sowohl einen historisch-politischen Überblick über die quebécische Geschichte in den 1980er und 90er geben, als auch eine kurze Definition über Identität aufzeigen.
Der Roman Nikolski und dessen Autor Nicolas Dickner sollen in einem anschließenden zweiten Teil vorgestellt werden. Eine biographische Übersicht des Autors, eine kurze inhaltliche
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Zusammenfassung des Romans und auch ein kleiner Einblick in dessen Struktur, Stil und Erzählstil runden diesen Abschnitt ab.
Der dritte Teil meiner Seminararbeit, welcher zugleich das Hauptthema darstellen soll, widmet sich der Identitätsproblematik in Nikolski. Es soll aufgezeigt werden, inwiefern die Protagonisten dieses Romans unter der Frage nach der eigenen Identität zu leiden haben und inwiefern die familiären Wurzeln diesbezüglich eine Rolle spielen.
Eine abschließende Konklusion im vierten Teil dieser Arbeit soll die wesentlichen Erkenntnisse zusammenfassen und die Frage beantworten, ob die Suche nach dem Ich in Dickners Roman ein gutes Ende genommen hat.
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2. Québec, eine von Identitätskrisen geplagte Nation
Betrachtet man den geschichtlichen Hintergrund Québecs, so ist es wohl wenig überraschend, dass dieses Land und seine Bevölkerung seit jeher mit dem Problem der Identität zu kämpfen hatte. Wirft man einen Blick auf die historischen Ereignisse der 80er und 90er Jahre, jener Zeitraum, der in Nikolski behandelt wird, so zeigt sich vor allem im politischen Bereich eine unstabile, gar zerbrechliche Entwicklung. Bereits in den frühen 1980er Jahren sieht sich das Land mit einer scheinbar unüberwindbaren Krise konfrontiert. Wirtschaftliche Probleme, die Rezession der Weltwirtschaft, eine hohe Inflation und die nicht enden wollende steigende Zahl der Arbeitslosen stellt die BewohnerInnen vor große Probleme. Zwar versuchte die damals an der Macht stehende reformwillige Parti québécois die Missstände zu beheben, doch gelang ihr dies nicht. Die Folge war ein Regierungswechsel, welcher unter dem Wahlsieg der liberalen Partei mit Rober Bourassa an dessen Spitze eine neue und bessere Epoche für Québec einleiten sollte. Weiters legte Québec einen Fünf-Punkte-Plan vor, der u. a. die Anerkennung der eigenen Provinz als „distinkte“ Gesellschaft und eine größere Mitsprache in Fragen der Immigration forderte. Stand man einer Umsetzung dieses Planes in den späten 80er noch positiv gegenüber, so sollte sich das Blatt 1990 wenden. Sowohl die autochthonen Abgeordneten erhoben Einspruch gegen den Ablauf des Verfahrens, als auch das Parlament von Neufundland erklärte die freie Abstimmung für nichtig, ein schwerer Rückschlag für die kanadische Verfassung. Doch vier Jahre später, als die Parti québécois mit Jacques Parizeau erneut die Wahlen gewann, wurde der Wunsch nach Unabhängigkeit so stark wie nie zuvor. Ein Referendum wurde organisiert und ein Jahr später, am 30. Oktober 1995 abgehalten. Das Ergebnis war jedoch weniger erfreulich. Mit einer knappen Mehrheit von 0,5 % konnten die Föderalisten den Sieg davontragen und der Traum von einem unabhängigen Québec zerplatzte. 1
Es ist also in Anbetracht dieser Ereignisse durchaus verständlich, dass viele KanadierInnen mit dem Problem der Identität zu kämpfen haben und verschiedene Wege und Möglichkeiten in Betracht ziehen, um diese innere Zerrissenheit auf individuelle Art und Weise aufzuarbeiten. Stellt man sich nun die Frage, welchen Standpunkt die Identität generell für den Menschen in der heutigen Zeit einnimmt, so lässt sich sagen, das diese im ausgehenden 20. Jahr-hundert eine wie noch nie zuvor präsente Rolle in Politik und Medien, im alltäglichen Sprachgebrauch sowie im Wissenschaftsdiskurs eingenommen hat. Es scheint, als unterliege die Beschaffenheit und Bedeutung von Identität einer wachsenden Unsicherheit. Leben wir in
1 Vgl. Ertler, S. 209f.
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einer Welt, die mittlerweile so stark von Migration und Globalisierung durchwachsen ist, dass wir im Laufe der Zeit vergessen haben, uns als Individuum anstelle eines Kollektivs zu sehen? 2 Doch wie genau setzt sich Identität zusammen? Stuart Hall zufolge gibt es im Wesentlichen zwei verschiedene Modelle der Identitätsproduktion. Das traditionelle und „naturalistische“ Modell geht davon aus, dass ein wesenhafter Inhalt oder Kern von Identität angenommen wird, der durch einen gemeinsamen Ursprung und/oder durch gemeinsame Eigenschaften mit einer Gruppe definiert ist. 3 Demzufolge könnte man davon ausgehen, dass wir zwar als Individuum geboren werden und leben, uns aber dennoch gewisse Anteile der Persönlichkeit während unserer Kindheit von den uns umgebenden Menschen, vor allem aber durch die Eltern aneignen. Identität, so könnte man folglich sagen, ist daher eine gewisse Art der Vererbung. Das zweite Modell, welches von Hall vertreten wird, bedient sich des diskursiven Zuganges. Identität wird hierbei als ein Prozess betrachtet, der niemals abgeschlossen ist und immer „gewonnen“ oder „verloren“ werden kann. 4 Man könnte also, dieser Auffassung folgend, sagen, dass wir ein ganzes Leben lang die Möglichkeit haben, unsere Identität zu formen und auch zu verändern.
2 Vgl. Lutter / Reisenleiter 1998, S. 93.
3 Vgl. ebda, S. 96.
4 Vgl. ebda.
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Arbeit zitieren:
Stefan Loidl, 2011, Auf der Suche nach dem Ich, München, GRIN Verlag GmbH
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