Gliederung
Einleitung 3
1.Die allgemeine Situation der gewerblichen Prostitution vor der Reformation 4
1.1 Die gewerbliche Prostitution und die Frauenhäuser 4
1.2 Die Frauenhäuser aus Sicht der „gemeinen Frauen“ 6
2. Die neue Sittlichkeit und der soziale Aufstieg der Frauen 8
2.1 Die Neuordnung der gewerblichen Prostitution unter Luther 8
2.2 Die Veränderungen aus der Perspektive der Prostituierten 10
3. Schlussbemerkung 13
4. Literaturverzeichnis 14
2
Einleitung
Die Prostitution in all ihren Formen und Erscheinungen gehört zum gesellschaftlichen Kontext seit Angedenken der Menschheitsgeschichte. Überlieferte Reliquien aus den unterschiedlichsten Kulturen und Epochen der Erde zeugen von der Existenz der „käuflichen Liebe“ und der mehr oder weniger sittlichen Prostitution. Eine einschneidende Zäsur diesbezüglich stellte der Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit dar. Die von Luther postulierte Reformation der katholischen Christenwelt erschütterte die abendländische Kultur und zog Veränderungen in allen Teilen der Gesellschaft nach sich. Die Rolle der Frau, ihre Rechte und Pflichten im frühneuzeitlichen Idealbild des „ganzen Hauses“ differenzierte sich weitestgehend von der allgemeinen bekannten Darstellung der Frau im Mittelalter und zentralisiert einen Schwerpunkt moderner Gender-Forschung. 1 Wenn auch der Grundbegriff „Prostitution“ erst im 19. Jahrhundert Einzug in die deutsche Sprache hielt und zunächst ein „öffentliches Zuschaustellen“ 2 verkörperte, bezieht sich die vorliegende Hausarbeit auf den Begriffsgegenstand, der den rein sexuellen Aspekt berücksichtigt. Obwohl das „älteste Gewerbe der Welt“ bis heute als unmoralisch und verrufen gilt, steht das Frauenhaus damals wie heute für einen finanzstarken Wirtschaftszweig, welcher schon aus steuerlichen Einnahmegründen legitimiert werden musste. Das Kriterium der freiwilligen und erzwungenen Prostitution, andere Formen wie „fahrende Frauen“ oder „Kupplerinnen“ werden aufgrund des Umfangs nicht näher analysiert. Der folgende wissenschaftliche Ansatz soll lediglich auf die allgemeine und wirtschaftliche Prostitution angewandt werden. Die vorliegende Arbeit bezieht sich somit auf die genannten Aspekte und stellt sie in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext. Mit den unterschiedlichen Formen der Prostitution und der Funktion städtischer Frauenhäuser soll ein allgemeines Bild jenes Gewerbes vermittelt werden, aus welchem sich seine Existenz begründen lässt. Grundlage für die vorliegende Arbeit war die Frage, ob sich durch die neue Sittlichkeit und die Abschaffung der Frauenhäuser die wirtschaftliche und soziale Position der Frauen wirklich verbessert hat und welche Nachteile sich aus der Dezimierung der Bordelle ergaben. Die Frage kann dennoch, aufgrund des Umfangs der Hausarbeit und des spezifischen
1 Vgl. Olwen Hufton: Frauenleben. Eine europäische Geschichte; 1500-1800. Frankfurt/Main 1998, S.
420.
2 Beate Schuster: Die freien Frauen: Dirnen und Frauenhäuser im 15. und 16. Jahrhundert.
Frankfurt/Main 1995, S. 10.
3
Wissenstandes, nicht ausführlich beantwortet werden und dient somit als restriktiver Ansatz weiterer intensiver Forschungen der Geschlechtergeschichte in der frühen Neuzeit.
1.Die allgemeine Situation der gewerblichen Prostitution vor der Reformation
1.1 Die gewerbliche Prostitution und die Frauenhäuser
Wenn man die gewerbliche Prostitution vor der Reformation betrachtet, muss sowohl die Definition eines Gewerbes in der frühen Neuzeit als auch der religiöse Aspekt einbezogen werden, der bis dahin das komplette Leben der Menschen in Europa regelte. Das „Gewerbe“ dient der systematischen Einteilung der verschiedenen Bereiche ökonomischen Handelns. Derartige Bereiche waren u.a. das Handwerk, die Kunst, der Verlag oder Manufakturen mit all ihren Untergruppierungen wie das Berg-, Hütten- und Salinenwesen. 3 Prostitution unterlag demnach keiner gewerblichen Definition und wurde erst später als solche aufgefasst. Die moderne Geschichtsforschung tut sich deshalb oft schwer, den Begriff der Sexualität aus heutigem Verständnis in den Kontext des ausgehenden 16. Jahrhunderts einzuordnen. Beate Schuster lässt die geschlechtlichen Beziehungen in Zusammenhang mit einer Sexualfeindlichkeit der christlichen Kirche aufkeimen, die das Recht des Mannes über die Frau impliziert. 4 Nichtsdestotrotz wurden Frauenhäuser gesetzlich geduldet, wenn sie auch nicht zünftisch organisiert und kein reiner „Herrenbetrieb“ waren. 5 Aus der Legitimation ergab sich somit ein gewisser Nutzfaktor, dessen Querschnitt eine rege Beteiligung von Männern aus allen Schichten der Gesellschaft aufwies, welcher jedoch gewisse Einschränkungen enthielt. 6 In der eigentlichen Bestimmung diente das „freie Haus“ oder auch „gemeine Haus“ 7 den Junggesellen und Lehrlingen als Ort sexuellen Vergnügens, wenn auch die niedrigen Tarife im Bordell eine bedeutende Rolle spielten. Der wohlhabendere Teil der männlichen Gesellschaft war hingegen selten auf einen Bordellbesuch angewiesen, da er in der Lage war, sich dauerhaft eine
3 Vgl. Wilfried Reininghaus: Gewerbe in der frühen Neuzeit. In: Lothar Gall (Hrsg.): Enzyklopädie
deutscher Geschichte. Bd. 3. Oldenbourg 1990, S. 3.
4 Vgl. Beate Schuster : Die freien Frauen: Dirnen und Frauenhäuser im 15. und 16. Jahrhundert.
Frankfurt/Main 1995, S. 10.
5 Vgl. Wilfried Reininghaus: Gewerbe in der frühen Neuzeit. In: Lothar Gall (Hrsg.): Enzyklopädie
deutscher Geschichte. Bd. 3. Oldenbourg 1990, S. 14.
6 Vgl. Schuster : Die freien Frauen, S. 10.
7 Vgl. Lyndal Roper: Frauen und Moral in der Reformation. Frankfurt/Main 1999, S. 83.
4
Mätresse oder Geliebte halten zu können. 8
Obwohl jeder Mann das Frauenhaus nutzen konnte, war gleichzeitig nicht allen der Zutritt gestattet. Verheirateten Männern war der Besuch im Bordell ohne Ausnahmen untersagt, wobei das Nichteinhalten mit erheblichen Strafen in Form von körperlicher Folter oder hohen finanziellen Abgaben geahndet wurde. Betrachtet man hingegen die geistliche Schicht, fällt eine gewisse Divergenz zum „einfachen Mann“ auf, die sich nicht nur aus ständischer Sicht, sondern auch aus politischer Perspektive definieren lässt. Die Situation im Alten Reich, welches aus zig Einzelstaaten, Fürsten- und Kurfürstentümern bestand, erlaubte in jedem Teil ein unterschiedliches politisches Reglement, welches durch die „Goldene Bulle“ von 1356 in Form von Reichsgrundgesetzen verankert worden ist. 9 Betrachtet man hierzu den historischen Aspekt des Fürstbischoffs, der sowohl geistliche als auch weltliche Ämter in unterschiedlichen Teilen des Reiches inne haben konnte, kommt man auf eine schwer überschaubare Zahl an politisch-legislativer Aktivität. 10 Daraus resultiert, dass Klerikern der Besuch, beispielsweise in der Reichsstadt Nürnberg, generell untersagt wurde, wohingegen in Nördlingen ein Aufenthalt, unter der Bedingung vor Nachteinbruch zu verschwinden, gewährt wurde. 11
Im Allgemeinen jedoch, ist das Frauenhaus mit der regen Beteiligung aller sozialen Schichten, ein fester Bestandteil des städtischen Lebens geworden. Die Organisation in und um das Bordell war im Vergleich zum 16. Jahrhundert relativ modern und gut strukturiert. Die oben genannten steuerlichen Vorteile der Stadt ergaben sich aus der Verpachtung an den Frauenwirt, wodurch gleichzeitig eine permanente Absprache beider Parteien ermöglicht werden konnte. Dass es im Interesse der Stadt lag, einen reibungslosen und seriösen Gewerbebetrieb zu unterhalten, beweist die alljährliche Vereidigung des Frauenwirts vor dem Stadtrat. Er sollte, so der „Ulmer Eid“, die Interessen der Stadt und die der Bürger fördern und sie vor Schaden bewahren. 12 Die „Interessen“ unterlagen entgegen der weitläufigen Meinung, dass Bordelle jener Zeit nur als Ort des sexuellen Vergnügens fungierten, weitaus umfangreicheren Parametern. Das Frauenhaus galt gleichzeitig als Lokalität populären Vergnügens. Es wurden alkoholische Getränke ausgeschenkt, Speisen gereicht und Spieleabende vollzogen.
8 Vgl. Roper: Das fromme Haus, S. 83.
9 Vgl. Helga Schnabel-Schüle: Die Reformation 1495-1555. Stuttgart 2006, S. 18.
10 Ebd. S. 20-27.
11 Vgl. Roper: Das fromme Haus. Frankfurt/Main 1999, S. 82.
12 Ebd. S. 81.
5
Arbeit zitieren:
Stephan Gottschalt, 2010, Die Neuordnung der gewerblichen Prostitution durch die Reformation, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit: Die Neuordnung der gewerblichen Prostitution durch die Reformation ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit: neuer Titel erschienen: Die Neuordnung der gewerblichen Prostitution durch die Reformation
Stephan Gottschalt hat einen neuen Text hochgeladen
Konversion und Konfession in der Frühen Neuzeit
Ute Lotz-Heumann, Jan F. Mißfelder, Matthias Pohlig
Orden und Klöster im Zeitalter von Reformation und Katholischer Reform...
Friedhelm Jürgensmeier, Regina E. Schwerdtfeger
Golgatha in den Konfessionen und Medien der Frühen Neuzeit
Johann Anselm Steiger, Ulrich Heinen
Konfession und Sprache in der Frühen Neuzeit
Interdisziplinäre Perspektiven
Jürgen Macha, Anna-Maria Balbach, Sarah Horstkamp
Kommunikation und Transfer im Christentum der Frühen Neuzeit
Wolf-Friedrich Schäufele, Irene Dingel
Die Goldene Bulle von 1356 - das vornehmste Verfassungsgesetz des Heil...
650 Jahre nach der Verabschied...
Dietmar Lutz
Politik - Wahrnehmung - Rezept...
Ulrike Hohensee, Mathias Lawo, Michael Lindner, Michael Menzel, Olaf B. Rader
0 Kommentare