Mysterien:
Die Mysterien sind eine Gabe der Himmlischen an den Menschen, damit diese den von ihnen auserwählten Gott näher sein konnnten. Laut Euripides (Bakchen) hat Dionysos die Mysterien den Menschen aufgezwungen und Weinopfer sowie weintrinken waren rituelle Erfordernisse der Einweihung. Man ließ sich in die Mysterien einweihen, um die eigene Seele zu retten und zu erleuchten. Man wollte dadurch auch die Wahrheit finden. Exegeten: richterliche und administrativen Tätigkeiten Mystagoge: die Einzuweihenden zu instruieren Demeterhymnos
Mysterien waren allen offen, die unbescholten waren und das nötige Kleingeld hatten, um sich einweihen lassen zu können; wohl eher für die reicheren Bürger
1.1 Mysterienkulte:
Es werden Götter angebetet, die selber Schicksale erdulden mussten bzw. mit dem Tod zu tun hatten. 1 Der zentrale Moment aller Mysterienkulte ist die Gedächtnisfeier, in der man den Schmerz und das Leid des jeweiligen Gottes durchlebt.
Zu den Mysteriengottheiten zählen unter anderem Demeter, Dionyos, Mithras, Isis und Osiris sowie Kybele.
Mithras kämpft als guter Gott gegen das Böse - hat dabei sehr viel ertragen und Schmerzen erlebt.
Demeter verliert ihre Tochter Kore durch Raub. Nach mehreren Monaten des Herumirrens und Suchens erfährt sie, dass ihre Tochter von Hades geraubt wurde und sie ihre Mutter nur 6 Monate im Jahr sehen darf. Hier erfährt die Göttin zuerst Unsicherheit (wo ist meine Tochter), danach Zorn (meine Tochter wurde geraubt) und danach Schmerz (ich darf meine Tochter nur 6 Monate bei mir haben).
Auch Dionysos wurde von seiner Mutter geboren, um danach von seinen Stiefgeschwistern in sieben Teile zerrissen zu werden. Er wurde danach wieder geboren, in dem entweder das Herz - so berichtet es der eine Mythos - oder der Phallos - so will es der andere Mythos - des Dionysos gerettet und seiner Mutter eingepflanzt wurden, damit sie ihn erneut das Leben schenken konnte.
Bei der Initiation bekommt man zum ersten Mal Kontakt zu der Religion. Es gab auch eine Art von Novizenunterricht 2 und es gilt Riten so genannte Initiationsriten zu erfüllen. Dabei konnte es sich um Geißelung handeln oder um Brandmarken. Der Novize wurde aber dabei in Trance versetzt. 3
Das Wort Mysterion kommt von muein und heißt Weinhandlung. Das Wort muein hat indogermanische Wurzeln und zwar im Wort Mu und das heißt „den Mund schließen“. 4
1.1.1 Mithraskult:
Der Name Mithra taucht zum ersten Mal im 14. Jahrhundert in einem Vertrag der Hethiter mit den Mitanni auf. 5 Mithras ist ein guter Gott, der gegen das Böse kämpft und er sieht alles. Deswegen ist er auch ein Gott des Lichtes.
Der Gott Mithras kam zu den Römern um 67 nach Christus und zwar durch die Seeräuber, die in Kleinasien ihr Unwesen trieben.
Mithras wurde speziell von den Soldaten verehrt, denn auch Soldaten kämpfen gegen das Böse. Die Soldaten trugen auch zur Weiterverbreitung bei.
1 Bönisch, 38
2 Bönisch, 49
3 Bönisch, 52f.
4 Giebel, 14
5 Bönisch, 82
2
Der Mythos berichtet, dass Mithras aus einem Felsen hervorbrechend geboren wurde. 6 Ein Fels ist stetig und hat Bestand. Bevor Mithras geboren wurde, war der Himmel dunkel. Erst er brachte das Licht. Sein Geburtstag ist nach unserem heutigen Kalender der 25. Dezember. Deswegen ist der Mithraskult ein Mysterienkult, über den man relativ viel weiß, da er sich mit dem Christentum sehr gut kombinieren lässt.
Mithras wird oft als Stiertöter dargestellt. Er hat nämlich den Urstier getötet. Sein Weg ist also ein Weg voller Mühen und Kämpfe.
Deswegen gibt es im Kult auch immer Stieropfer, die an hohen Feiertagen durchgeführt wurden. Die Kulträume waren Höhlen, weil Mithras eben aus einer solchen hervorgebrochen war. Solche Kulthöhlen des Mithras werden als Mithräum bezeichnet. 7 Im Mithräum gab es Platz für ca. 40 Personen. Der Hauptraum hatte hin und wieder eine Porticus. Zwischen dem Hauptraum und dem Vorraum gab es mehrere Vorräume. Im Hauptraum befanden sich Liegebänke. Es gab auch eine Opfergrube, die abgedeckt war. 8
Da der Mithraskult keine Textquellen hinterlassen hat, sind polemische Darstellungen christlicher Autoren oft die einzige Quelle für die rituellen Handlungen der Mithrasanhänger. Einige wenige Informationen gibt auch Porphyrios in De antro nympharum. Die Reliefs aus den Mithräen sind in dieser Hinsicht nur sehr vorsichtig zu benutzen. Hinweise auf Riten gibt ferner die Archäologie, etwa durch Funde von Tierknochen oder Kultgeräten. Die in der älteren Forschung oft beobachtete Gleichartigkeit mithräischer und christlicher Riten (besonders auf das „Kultmahl“ bezogen) hat zur Annahme eines historischen Zusammenhangs geführt. Die Beobachtungen beruhen jedoch auf den Schilderungen christlicher Schriftsteller, die eine solche Ähnlichkeit sehr bewusst in eigenem Interesse herstellen. Sowohl Justin als auch (hier wohl auf Justin beruhend) Tertullian behaupten, in den Mithrasmysterien stünden vom Teufel initiierte Imitationen christlicher Sakramente im Zentrum des Kultes. Entsprechend dürfte eine Angleichung der paganen Riten an diese These stattgefunden haben; sie ist etwa auch nachzuweisen bei Firmicus Maternus.
Entgegen älteren Ansichten ist über die Initiationsriten des Mithraskultes so gut wie nichts bekannt. Ein Relief aus Capua belegt möglicherweise einen Brotritus; Tertullian spricht von einer „Darbringung von Brot“. Porphyrios nennt Honigriten bei der Einweihung in den Grad des Löwen. Justin vergleicht Eucharistie und die Initiationszeremonien des Mithraskultes; in diesem Kontext berichtet er, Brot und Wasser würden unter Ausspruch bestimmter Formeln gereicht. Tertullian berichtet, dem Mithrasanhänger werde ein Kranz angeboten, den dieser abzulehnen habe mit den Worten „Mithras ist mein Kranz“. Die Initiationsreliefs aus Capua können die Ansicht teilweise bestätigen, dass mit der Initiation gewisse Torturen verbunden waren.
Die in der älteren Forschung weit verbreitete Ansicht, im Mithraskult sei ein Stier geopfert (oder das Taurobolium vollzogen) worden, ist durch die Archäologie widerlegt worden. Die Knochenfunde, die bisher analysiert wurden, enthalten keine Stierknochen.
Das nach der Stiertötung häufigste Motiv der mithräischen Reliefs zeigt Sol und Mithras beim gemeinsamen Mahl. Gelegentlich wird deutlich, dass dabei das Fleisch des Stieres gegessen wird. Die Mithrasanhänger haben anscheinend ihr Gemeinschaftsmahl vor diesem Hintergrund verstanden. Reliefs aus S. Prisca legen den Eindruck nahe, dass die Träger der höchsten Grade (Pater und Heliodromus) auf einer besonderen Bank (die auch in Capua
6 Bönisch, 85
7 Bönisch, 93
8 Bönisch, 97f
3
archäologisch bezeugt ist) die Rollen von Mithras und Sol einnahmen. Unklar ist aber, ob die anderen Mitglieder der Gemeinde zum gleichen Zeitpunkt aßen, ob also jedes Gemeinschaftsmahl diese Form hatte oder dies nur ein einmaliger Ritus war. Die Vermutung, dass Brot und Wein beim Mahl Fleisch und Blut des Stieres symbolisierten, ist nahe liegend. Reliefs zeigen auch Trauben und Fische als Gegenstand des Mahls. In Tienen (Belgien) sind Überreste eines großen Festmahls gefunden worden, das nicht im begrenzten Kreis der Besucher der Mithrasgrotte stattgefunden haben kann. Offenbar war zumindest hier die Teilnahme auch Nichtmitgliedern möglich. Es ist unklar, ob dem Mahl eine kultische Bedeutung zukam.
Wenn das Mahl der Mithrasanhänger so gehalten wurde, wie es Mithras und Sol getan haben, lässt es sich als ein „Nachspielen“ bzw. eine „Reaktualisierung“ des Mythos im Ritual begreifen. Weitere Beispiele dafür finden sich auf dem Mainzer Mithrasgefäß (in der Deutung von Roger Beck): Der Pater wiederholt den Pfeilschuss, mit dem Mithras Wasser aus einem Fels quellen ließ. Der Heliodromus imitiert - nach Beck - den Lauf der Sonne (des Sonnengottes Sol), also keinen Mythos, sondern eine Doktrin. In der engen Beziehung von Mythos und Ritual kann man eine Gemeinsamkeit von Mithrasmysterien und Christentum sehen.
1.1.2 Demeter:
Grundlage für unser Wissen um den Demeter-Kult ist der homerische Demeter-Hymnus. Er wurde im 18. Jahrhundert entdeckt und geht auf die Königszeit in Attika, also das späte siebte bzw. frühe sechste Jahrhundert vor Christus zurück. Der Text ist trotz seines Namens nicht auf Homer zurückzuführen. Wahrscheinlich ist er aber kurz nach Homer entstanden und trägt die Charakteristik des homerischen Erzählstils. Der homerische Demeter-Hymnus ist die erste uns bekannte schriftliche Fixierung der Rhapsodien um Demeter, die von umherziehenden Sängern vorgesungen wurden. Den Götterglauben um Demeter gab es mit Sicherheit schon länger, doch bei dem uns vorliegenden Text handelt es sich um einen so genannten aition, der Gründungslegende, die eine Erläuterung oder Erklärung der eleusischen Mysterien liefert. Obwohl der Text schriftlich fixiert ist, stellte er keine Verbindlichkeit dar - es ist keine Bibel und es wird zahlreiche Varianten des Hymnus gegeben haben.
Der Hymnus erzählt die Entführung von Demeters Tochter Kore durch den Herrscher der Unterwelt Hades. Demeter hört die Schreie Kores, die beim Blumenpflücken entführt wird, und sucht mit Fackeln in den Händen neun Tage nach ihrer Tochter. Während dieser Zeit nimmt sie keine Nahrung zu sich. Als sie auf die Göttin Hekate trifft, gehen die beiden gemeinsam zum Sonnengott Helios. Dieser erklärt, Kore sei von Hades entführt worden und der Göttervater Zeus habe die Entführung geduldet. Demeter meidet daraufhin die Welt der Götter. Sie gibt sich als Mensch aus und kommt als Amme zum Hof des Königs Keleos in Eleusis, wo sie sich um den Königssohn Demophon kümmert. Als Demophons Mutter Metaneira eines Nachts entdeckt, dass Demeter den Jungen in ein Feuer steckt, erzürnt die Göttin. Sie habe den Jungen unsterblich machen wollen, doch die Klagen der Mutter hätten sie daran gehindert. Demeter gibt sich zu erkennen und fordert, dass ihr ein Tempel gebaut und dass ein Fest zu ihren Ehren abgehalten werden solle. In ihrem Zorn und Kummer lässt sie das Getreide eingehen und kümmert sich nicht mehr um die Natur. Zeus sieht die Menschen in Gefahr und schickt den Götterboten Hermes zu Hades, um Kore zurückbringen zu lassen. Als Hades die erfreute Kore entlässt, gibt er ihr heimlich einen Granatapfelkern zu essen. Durch dieses Sakrament bleibt sie mit der Unterwelt verbunden und wird als Königin der Unterwelt zu Persephone. Demeter ist zwar überglücklich, ihre Tochter wieder zu haben, doch erkennt sie den Hinterhalt des Hades. Zeus schlägt den Kompromiss vor, dass Persephone acht Monate des Jahres mit ihrer Mutter verbringen darf und vier Monate bei Hades bleiben muss.
4
Der Demeter-Mythos erklärt den Menschen die Jahreszeiten: acht Monate - die Zeit die Kore bei ihrer Mutter verbringt - sind geprägt von der Blüte der Natur, die vier Monate bei Hades erklären den Winter - die Zeit in der Demeter um ihre Tochter trauert und die Natur vernachlässigt.
Diese Mysterien gab es bereits im 2. Jahrtausend vor Christus. Man unterscheidet zwischen den großen und den kleinen Mysterien.
Die großen Mysterien fanden Ende September/Anfang Oktober statt und man musste die Teilnahme bezahlen und davor bei den kleinen teilgenommen haben. Ursprünglich durften bei den großen Mysterien nur Eleusiner teilnehmen - später dann auch Athener. Noch später dann alle Griechen und auch Sklaven. 9 Die Bezahlung waren 2 Schafe, 1 Widder, 1 Ferkel und Geld. 10
Während der großen Mysterien ruhten alle Kampfhandlungen. 11 Das Fest dauerte mehrere Tage.
Tag 1: An diesem fanden Reinigungspraktiken statt und zwar in der Bucht von Phaleron Dabei wurden Demeter Ferkel geopfert. Das hat mit dem Mythos zu tun. Als Demeters Tochter Kore von Hades geraubt wurde, geschah dies auf einem Feld, auf dem Schweine waren.
Tag 2: Opferkuchen wurden dargebracht. Fasten war angesagt und ein spezielles Getränk mit dem Namen Kykeon wurde zubereitet. 12 Dabei handelt es sich um einen Trank aus Gerstenmehl, über den man Käse streute. In der Ilias wird dieser Trank als Stärkungsmittel verwendet.
Tag 3: Eine Prozession von Athen fand nach Eleusis statt, wo sich das Telesterion befand, der Ort, an dem die Mysterien abgehalten wurden. Es gab in ganz Griechenland und Italien mehrere Telesterien. Das bekannteste und größte ist aber das von Eleusis. Die Prozession führte durch das heilige Tor aus Athen hinaus, die 20 km lange heilige Straße entlang in das 20 km entfernte Eleusis, wo man am Abend ankam. An dieser Prozession nahem bis zu 300 Leute teil. Während der Prozession gab es mehrere Stationen: man musste den Fluss Kephissos überqueren, dort fanden Brückenspäße statt. Dies diente der Abwehr des Bösen. Wenn man den Fluss überquert hatte, war man bereits auf eleusinischem Hoheitsgebiet. Dort bekamen die Mysten einen roten Wollfaden um die rechte Hand und den linken Fuß. 13 Es gibt eine Kulttafel des Ninnos aus dem 4. Jahrhundert vor c Christus 14 , auf dem diese Prozession abgebildet ist. Zuerst gingen die Priester mit Kultbildern, gefolgt von den Priesterinnen mit den heiligen Gegenständen. Dabei handelt es sich um abgedeckte Zisten. Das Gefäß wurde auf dem Kopf getragen. Danach folgten die Frauen, die Gefäße trugen und die Männer, die Kannen hielten. Außerdem trug jeder Teilnehmer einen Stab, an dem ein Bündel hing. Vermutlich handelt es sich dabei um Proviant. Am Telesterion von Eleusis endete die Prozession. Im Vorhof des Temenos befand sich der Kallichoros Brunnen, bei der Demeter auf ihrer Suche nach ihrer Tochter gewartet hatte. Dort fanden ihr zu Ehren Tänze statt.
Danach wurden die Mysten von den Ungeweihten getrennt und die Mysten zogen in den heiligen Bezirk ein.
Die Priester entzündeten Fackeln. Dann wurden die Prozessionsteilnehmer durch die Luft gereinigt werden bevor sie im Meer badeten, um auch durch das Wasser gereinigt zu
9 Giebel, 30
10 Bönisch, 171
11 Giebel, 32
12 Giebel, 33
13 Giebel, 37
14 Giebel, 34
5
Arbeit zitieren:
Dr. Sigrid Vollmann, 2011, Parapsychologische Phänomene in der Antike, München, GRIN Verlag GmbH
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