Inhalt:
1. Einleitung 4
2. Kreativität und geistige Behinderung
2.1. Der Begriff der Kreativität S. 5 - 6
2.2. Zur kreativen Person und Persönlichkeit S. 6 - 8
2.3. Zu den Einflüssen der Umwelt S. 8 - 10
2.4. Auswirkungen kreativer Aktivitäten auf die Identitätsentwicklung von
Menschen mit geistiger Behinderung S. 10 - 11
2.4.1. Identitätsentwicklung am Beispiel der Teilnehmer des Howei- Theaters S. 11 - 12
3. Die künstlerische Dimension des Theaters 12
4. Theaterpädagogische Techniken am Beispiel von „Urlaub mit Chaffeur“ S. 13 - 14
4.1. Angewandte Theatertechniken 14
4.2. Entwicklung in der Gruppe- Prozess, Verlauf, Veränderungen S. 14 - 15
4.3. Probenstrukturierung S. 15 - 18
4.4.. Reflexion und Beurteilung einzelner Theatertechniken S. 18 - 19
4.5. Konfliktbehandlung S. 19 - 20
5. Die Rolle der/s Leiters/in S. 20 - 21
6. Fazit S. 22 - 24
7. Quellenverzeichnis
2
„Am meisten Spaß hat mir alles gemacht.“
Olaf Zahn, Teilnehmer der Theatergruppe Howei
3
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit sollen kreative Prozesse und Betrachtungsweisen anhand psychologischer und theaterpädagogischer Aspekte untersucht und am Beispiel der Theatergruppe Howei reflektiert werden. Zunächst wird der Begriff der Kreativität erläutert, mithilfe psychologischer Betrachtungsweisen untersucht und bestimmte Merkmale herausgebildet, die für die theaterpädagogische Arbeit mit Menschen mit Behinderungen von besonderer Wichtigkeit erscheinen. Vor allem der Aspekt der gegenseitigen Beeinflussung von Kreativität und Umwelt ist hier von Bedeutung, aber auch die Entwicklung der Identität des agierenden Subjekts durch kreatives Handeln und Denken.
Neben der psychologischen Wirksamkeit kreativer Prozesse wird die künstlerische Dimension des Theaters untersucht. Anschließend wird die eigene Theaterarbeit reflektiert und die Rolle der Leitung veranschaulicht.
4
2. Kreativität und geistige Behinderung
2.1. Der Begriff der Kreativität
Kreativität stammt aus dem Lateinischen „creare“ und bedeutet „erzeugen, erschaffen, hervorbringen“ 1 . Im Sprachgebrauch bezeichnet man Kreativität auch als Einfall, der „im Unterschied zu dem rein analytischen Denken besonders durch das Finden neuer Problemlösungen gekennzeichnet.“ 2 ist. Es ist also ein Phänomen, das „vom Mensch her gedacht werden sollte“ 3 , das heißt, eine menschliche Eigenschaft und ein Potential jedes Menschen. Eine ethische oder kulturelle Selektion in Hinblick auf die Fähigkeit des kreativen Denkens wird somit ausgeschlossen. Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung, also Menschen mit geistiger Behinderung, verfügen ebenso über kreatives Potential und Ausdrucksfähigkeit. In wie weit das kreative Denken eines Subjekts schließlich konstruktiv ist oder prosozial, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Nicht nur die eigene Fähigkeit zu Offenheit und neuem Denken spielt dabei eine Rolle, sondern auch die Rahmenbedingungen von Außen. So bietet die Eigenschaft der Kreativität jedem „Individuum die Chance, in seiner Interaktion mit den Materialien seiner Erfahrung, mit Dingen, Menschen oder Geschehnisse Produkte neuartiger Gestaltung hervorzubringen.“ 4 Es ist also eine Eigenschaft, die von jedem Menschen ausgeführt werden kann- in welchem Maße jedoch ist letzten Endes von jedem Individuum selbst abhängig.
Wenn ein Mensch kreativ ist, dann führt dies zu einer „inneren Befriedigung“, „einem Erleben von Freiheit“ 5 und zur Selbstverantwortung, da dieser sich selbst und seine ganz individuellen Vorstellungen in Form kreativer Tätigkeiten verwirklicht. Kreativität kann also als eine Möglichkeit der Neugestaltung im Sinne des eigenen Ichs als auch der Umwelt und des menschlichen Miteinanders verstanden werden. Folglich definiert ein kreativer Prozess ein über sich selbst hinaus wachsen, ein Weiterkommen, eine Erkenntnis- vor allem jedoch Veränderung.
Kreativität wird im Zusammenhang mit der theaterpädagogischen Arbeit als ein künstlerischer Prozess gesehen, der sich gleichwohl in dem Spieler, der leitenden Person und dem Publikum als solches vollzieht. Dennoch muss Kreativität nicht per se einen künstlerischen Bezug haben, auch in anderen Bereichen außerhalb des künstlerischen
1 Vgl. dtv Lexikon, S. 156 2 vgl. ebd, S. 156 3 Kreativität von Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen, S. 13 4 ebd, S. 13 5 ebd. S. 13
5
Rahmens kann sich ein kreativer Prozess vollziehen. Kunst jedoch bietet die Möglichkeit, sich selbst frei von gesellschaftlicher Eingrenzungen und der alltäglichen Umgebung auszuprobieren und zu entfalten. Gerade diese Freiheit und Unvoreingenommenheit bietet einen guten Rahmen für kreatives Denken.
Alles in einem führt diese Argumentation zu der Erkenntnis, schöpferisches Denken nicht etwa in einen hierarchischen Kontext zu stellen oder in die Reihe willkürlicher Bewertungsmaßstäbe, sondern vielmehr individuell zu betrachten und entwicklungsbezogen vom Menschen auszugehen, um das Phänomen der Kreativität zu erschließen. Um zu verstehen, wie kreatives Denken funktioniert, wovon es abhängt und welche Gründe möglicherweise dazu führen, dass ein Mensch spontaner und kreativer Denken kann als ein anderer, gibt es verschiedene Ansätze und Betrachtungsweisen in der Psychologie. In der „amerikanischen Kreativitätsforschung“, beispielsweise, werden die „vier so genannten p- Aspekte der Kreativität für wesentlich erachtet.“ Diese p-Aspekte bezeichnen die Umwelteinflüsse („press“), die Person („personality“), das Produkt („product“) und den Prozess („process“), außerdem die „Fähigkeit, Erfüllung zu erlangen“ („flow“). 6
Im Folgenden werden vor allem Aspekte der kreativen Person beziehungsweise Persönlichkeit näher beleuchtet, aber auch die Einflüsse der Umwelt.
2.2. Zur kreativen Person und Persönlichkeit
Kreative Leistungen sind nicht nur ein Merkmal persönlicher Struktur, sondern vielmehr ein von internen und externen Faktoren abhängiges. 7 Dabei ist wichtig zu bekräftigen, dass diese Faktoren für Kreativität universell und allgemein gültig sind und die gesamte Bevölkerung betreffen. Einen Unterschied zwischen Menschen mit oder ohne Behinderungen besteht in diesem Zusammenhang nicht.
Im Folgenden werden einige Forschungsergebnisse aus der Psychologie präsentiert, die diese Aspekte beleuchten. Hier muss angemerkt werden, dass die Ausführungen keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sondern vielmehr einen groben Überblick aus der Kreativitätsforschung ergeben.
6 Kreativität von Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen, S. 40 7 vgl. ebd. S.42
6
Arbeit zitieren:
Evelyn Möcking, 2009, Darstellung und Reflexion kreativer Prozesse anhand psychologischer und theaterpädagogischer Betrachtungsweisen von Menschen mit Behinderung, München, GRIN Verlag GmbH
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