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Einleitung
Wir leben in einer Zeit, in der sowohl Männer wie auch Frauen nach neuen Beziehungsformen suchen, da die alten nicht mehr taugen. Heute entscheiden sich immer mehr Frauen gegen traditionelle Bindungen.
Eine traditionelle Beziehung bedeutet, dass es einen Haushaltsvorstand (Mann) gibt, der den größeren Teil des Familieneinkommens einbringt und dadurch mehr Macht hat. Die Frau ist von ihm abhängig, spätestens dann, wenn Kinder da sind, arbeitet meist er Vollzeit, sie Teilzeit. Ihr Anteil an der Beziehung besteht darin, ein behagliches Zuhause für Mann und Kinder zu schaffen und dafür zu sorgen, dass die familiären Beziehungen gut funktionieren. Wie kann es auf dieser Grundlage eine gleichberechtigte Beziehung geben? Frauen wünschen sich heutzutage keinen Versorger mehr - und in den meisten Fällen brauchen sie auch keinen. Eine Beziehung, in der die Frau materiell nicht vom Mann abhängig ist, verlangt von beiden Partnern ein Umdenken. Hier funktionieren die klassischen Rollen nicht mehr. Warum sollte eine Frau den Großteil der Kindererziehung, der Hausarbeit und der Beziehungsarbeit leisten, nur damit sie einen Mann im Haus hat? Warum sollte eine Frau kein Bedürfnis danach haben, sich in einer von anderen geschaffenen Beziehungsstruktur zu regenerieren?
Dieser Preis ist für viele Frauen heute zu hoch - wenn sie neben der Mehrfachbelastung durch Beruf, Haushalt und Kindererziehung noch die sind, die daran arbeiten müssen, dass sie eine funktionierende Beziehung zu einem Mann führen können, verzichten sie immer öfter auf die „Belastung Mann“ und wählen das Leben als Single oder als alleinerziehende Mutter.
Warum aber sind Frauen in der Regel die zufriedeneren, meist sogar glücklicheren Singles? Eine Frau gewöhnt sich sehr schnell an die Freiheiten, auf die sie während Ihrer Beziehung häufig verzichtet hat, sagt Döring in ihrem Ratgeber „Glücklich allein: Ohne Partner in die reifen Jahre“.
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Bei allen Vorteilen, die das Single-Leben mit sich bringt - neun von zehn Singles wünschen sich wieder eine Partnerschaft. Hat frau sich aber einmal an die Annehmlichkeiten des Single-Lebens gewöhnt und sich genug Zeit genommen, die eigene Bedürfnislage ausreichend zu erforschen, wird sie anspruchsvoller, was neue Partner betrifft. Viele Frauen, die ihre Zeit als Single konstruktiv nützen, sind nicht mehr bereit, Beziehungen mit Männern einzugehen, die traditionelle Rollenvorstellungen hegen. Die wenigsten Single-Frauen sind dabei „Extrem-Emanzen“ oder Männerhasserinnen. Die moderne Single-Frau schätzt Männer, die an ihrer Persönlichkeitsentwicklung arbeiten, die nicht mehr missioniert werden müssen, damit sie sich für gleichberechtigte Beziehungen interessieren, die nicht gebraucht werden, sondern in einer lebendigen Beziehung ausgewogen geben und nehmen wollen.
Bis ihr so ein Mann über den Weg läuft, genießt eine moderne Single-Frau die Annehmlichkeiten des Lebens allein - über ihre Zeit selbst bestimmen zu können, einen Freundeskreis zu pflegen, ihren Interessen nachzugehen - und auch mal einen Mann für eine Nacht zu goutieren.
Es macht Spaß, sich einer Beziehung zu widmen, die gut läuft - aber es macht genauso viel Spaß, sich der Beziehung zu sich selbst zu widmen! Das Persönlichkeitswachstum wie die Selbstentfaltung in der Single-Phase sind notwendige Voraussetzungen für ein zufriedenstellendes Leben und etwaige spätere befriedigende Beziehungen, darüber sind sich mit Singles und Paaren arbeitende PsychologInnen und TherapeutInnen einig. Singles sind mutige Pioniere zwischen den Zeiten - sie haben die traditionellen Partnerschaften verlassen - und es führt kein Weg zurück. Sie experimentieren mit neuen Lebensentwürfen und suchen nach neuen und lebbaren Formen von Partnerschaft. Dass dieser Aufbruch ins Ungewisse nicht nur „Swinging Single Life“ ist, ist bekannt - der Umgang mit dem Alleinsein, die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen, Wünschen, Ängsten, Hoffnungen und bisher im Dunkeln verborgenen Teilen der Persönlichkeit ist oft schmerzhaft oder bedrückend. Welche Lebensentwürfe haben Single-Frauen?
Mich interessieren die Frauen, die den Mut haben, sich mit der Beziehung zu sich selbst auseinanderzusetzen - Frauen, die Männer nicht als Feinde sehen, sondern daran
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interessiert sind, respektvolle und auf Gegenseitigkeit beruhende Beziehungen einzugehen, da sie wissen, dass es bereichernd ist, mit dem anderen Geschlecht in Verbindung zu sein. Ich interessiere mich für Frauen in einer Orientierungsphase - Frauen, die sich verändern -Frauen, die sich selbst wertschätzen und in einer zukünftigen Beziehung an Lebensqualität und Freude gewinnen wollen.
Natürlich ist es auch für diese Frauen wichtig, ihre Beziehungsmuster anzusehen. Aber das Streben einer Single-Frau nach einer befriedigenden Partnerschaft ist nicht das allein glückselig machende Ziel in ihrem Leben - es interessiert mich, wie viele unterschiedliche Lebensentwürfe es bei Single-Frauen gibt - und wie Frauen für ein erfülltes Leben ihre Träume (sei es nun beruflich, kreativ, sportlich, etc.) mindestens genauso ernst verfolgen wie ihre Partnersuche.
Bei der Recherche zu diesem Buch fand ich v.a. Single-Börsen, die jedem Single versprechen, den „passenden Partner“ zu finden - seien es seriöse stilvolle Singles für kultivierte Liebesbeziehungen, heiratswillige Singles zur Familiengründung, Singles mit Familiensinn für Alleinerziehende, Mailfreundschaften, Partnervermittlung für Akademiker, Single-Tanzkurse, Flirtkurse, Beratungsgespräche mit Single-Coaches, etc. etc., für jeden findet sich scheinbar etwas am „www-Fleischmarkt“, ganz schnell, nur einen Mausklick weit entfernt, am besten direkt drauf los chatten… 1
Auch Online-Beratung wird angeboten, Singles werden angeregt, zu erforschen, warum sie noch immer Singles sind. Warum begegnen sie niemandem für eine dauerhafte Beziehung? Jeder sei doch als Partner geboren. Das Single-Dasein sei keine dauerhafte Lebensform, sondern eine Lebensphase, eine Übergangszeit zwischen zwei Beziehungen. Seminare zu Themen wie „wie man zum idealen Partner wird“ sind ebenfalls zu finden, An die Interviews mit Single-Frauen ging ich neugierig und unvoreingenommen heran. Ich wollte Neues entdecken - und nicht erforschen, was sie falsch gemacht habe und warum es ihnen nicht gelingt, einen Mann an sich zu binden. Mich interessierte viel mehr, von Single-Frauen zu erfahren, was ihnen wirklich wichtig ist im Leben, was sie schon immer tun wollten, wovon sie träumen. Mich interessierte ihre Einstellung zu Liebe, Sex und Partnerschaft, welche Lebensform sie leben wollten. Ich wollte wissen, ob und welchen
1 Online-Dating wird im vorliegenden Buch nicht bearbeitet, gibt es doch bereits eine Fülle von Ratgebern und
Erfahrungsberichten zum Thema.
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Aktivitäten sie nachgingen, um neue Partner zu finden. Wie bauen Frauen nach einer gescheiterten Beziehung ihr Selbstwertgefühl wieder auf? Ich wollte wissen, wie sich Single-Frauen ihr Leben in 5 Jahren vor stellen? Wie stellen sie sich ihr Alter vor? Und wenn sie sich eine neue Beziehung wünschen - wie sieht ihr inneres Bild von Partnerschaft aus, welche Beziehungsphantasien haben sie? Was erwarten sie von einem neuen Mann in ihrem Leben? Welche Form von Partnerschaft entspricht ihnen?
Dazu habe ich acht Frauen interviewt, die sich auf meine Anzeige hin gemeldet haben. Es sind heterosexuell orientierte Frauen zwischen 24 und 52 Jahren, mit unterschiedlichen Berufen und aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten.
Die vorliegenden Interviews sollen davon berichten, wie Frauen das Single-Dasein neu definieren und gestalten, wie sie sich mit ihrem Single-Dasein arrangieren können und nach einer Zeit der "Selbstfindung" als zufriedenere Singles bezeichnet werden können. Die Interviews werden im Folgenden leicht gekürzt (zur besseren Lesbarkeit) und unkommentiert wiedergegeben. Allen Frauen war es ein Anliegen, ihre Erfahrungen mit anderen Single-Frauen zu teilen.
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„Für mich ist das Kriterium für eine Beziehung, dass ich mehr Spaß habe und mehr Energie raushole als ich reinstecke“ Nora, Schauspiel-Studentin, 24
Ich heiße Nora, bin 24, seit 4 Jahren Single und Schauspiel-Studentin. Ich glaube, dass es eher ungewöhnlich ist, in meinem Alter Single zu sein oder dass es wenig so junge Singles gibt, weil sich die dauernd in Beziehungen stürzen und nicht so genau wissen, was sie wollen. Ich glaube, Frauen, die älter sind, wissen schon mehr, was sie wollen, sind anspruchsvoller, vielleicht auch unflexibler, sind kompromissloser, glaube ich, denn je länger man alleine lebt, desto schwerer fällt es einem, sich auf jemand anderen einzustellen. Ich glaube, es gibt mehr ältere Singles, außer ganz junge Frauen, die schüchtern sind und noch nie jemand gehabt haben.
Erzählst du mir bitte von deinen Beziehungserfahrungen?
Meine erste große Liebe war, als ich sechzehn war. Von sechzehn bis achtzehn war ich mit dem zusammen. Ich war total verliebt, das war symbiotisch das Ganze, das heißt, ich habe nichts anderes im Kopf gehabt als ihn von früh bis spät, habe auch keinen Freundeskreis gehabt, war völlig auf den fixiert und allein nicht mehr lebensfähig. Als das dann vorbei war, er hat ein Jahr lang versucht, sich von mir zu trennen, ich habe das aber nicht wahrhaben wollen oder können, das war, als wenn ich sterben müsste. Eine Welt ist zusammengebrochen, ich war nicht mehr fähig, alleine etwas zu tun. Ich hab nicht mal ein Buch lesen können, ich war nur am Heulen. In dieser Zeit meines Lebens habe ich am meisten geheult, war völlig abhängig von dem, konnte mir kein Leben ohne ihn vorstellen. Im Endeffekt habe ich drei Jahre gebraucht, um emotional von ihm wegzukommen. Habe immer noch von ihm geträumt, obwohl ich schon mit anderen Männern zusammen war. In die Beziehungen danach habe ich mich hineingestürzt, um nicht allein zu sein und aus Angst vorm Alleinsein. Das hat aber nie gepasst. Nach der Geschichte mit ihm habe ich mich nie wieder so richtig öffnen oder richtig geborgen fühlen können, so dass das gepasst hätte. Danach habe ich ein halbes Jahr lang eine Beziehung gehabt, das war so ein gegenseitiges Trösten und Nicht-allein-sein-Wollen. Das hat aber nicht geklappt, weil wir nicht zusammengepasst haben. In dem ganzen Gefühlschaos bin ich dann auch noch schwanger geworden, und dann war das Ganze sowieso aus und vorbei, weil er überhaupt keine Hilfe
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war und nicht zu mir gestanden ist. Er hat gesagt, es sei ihm egal, was ich mache. Nach dieser Abtreibung war dann überhaupt alles tot in mir. Und nachdem er sich ziemlich beschissen benommen hat, war das dann auch vorbei.
Ich bin gleich in die nächste Beziehung geflüchtet, für ein Jahr, das war aber ein Typ, der ein völliger Waschlappen war, ich hab ihn nur provoziert und fertig gemacht. Ich war gefühlsmäßig so gestört und verwirrt, habe aber Angst gehabt vor dem Alleinsein und habe mich deshalb auch nicht richtig öffnen können. Das hat also auch nicht gepasst, es war nur eine Flucht. Das klingt so dumm, wenn ich das erzähle, aber von dem bin ich ein halbes Jahr nach der Abtreibung noch einmal schwanger geworden, dann hat sich die ganze Geschichte wiederholt, dass der auch ein Trottel war und ein Waschlappen und nicht mal bereit war, zu der Abtreibung mitzugehen oder mich abzuholen.
So habe ich also ziemlich jung schon ziemlich viel Scheiße mit Männern erfahren. Danach war ich dann in Graz, war ein Jahr allein, habe aber mit einer Freundin von mir ziemlich viel Zeit verbracht und teilweise auch mit ihr zusammengewohnt. Da hab ich mir, weg von Wien, ganz allein in einer anderen Stadt bewiesen, dass ich in einer Stadt, wo ich keinen Menschen kenne, überleben kann und niemanden brauche. Dort habe ich eine Freundin wiedergetroffen, die ich aus Wien kannte, wir haben beide nur wenig Leute in Graz gekannt Wir haben ein total schönes Jahr miteinander verbracht. Da habe ich mich dann von den Geschichten in Wien erholt, Misstrauen abgebaut.
Ein Jahr später habe ich dann den O. kennengelernt, da war ich übers Wochenende auf Besuch in Wien bei meinem Vater. Mit meinem Vater bin ich zum Heurigen gegangen, und da hat der O. gekellnert. Er hat Schmäh geführt und mich angeflirtet über meinen Hund, wir haben geblödelt und uns kennengelernt.
Überhaupt ist das immer viel zu schnell gegangen mit dem Kennenlernen, ich war drei, vier Tage in Wien, und zwei Tage, nachdem ich ihn kennengelernt habe, bin ich schon mit ihm im Bett gelandet.
Dann war ich wieder in Graz, wir haben telefoniert. Ich war damals mit meiner Ausbildung an der Pädagogischen Akademie nicht besonders glücklich, ich wusste zwar nicht, was ich wirklich machen will, aber damit musste ich aufhören. O. hat mich in Graz besucht, das war sehr romantisch. Dann habe ich mal mit ihm telefoniert und ihm erzählt, dass ich mit meiner
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Ausbildung nicht zufrieden bin, das war um zehn Uhr abends, und er sagte: Pack deine Sachen zusammen, ich hole dich ab, wir ziehen nach Wien. Das habe ich dann auch gemacht. Mein Mitbewohner hat nur den Kopf geschüttelt und mich gefragt: „Was machst du denn jetzt?“ Ich habe gesagt:“Ich ziehe nach Wien.“ Dann hat er gesagt:“So blöd kann man auch nur mit zwanzig sein.“ Womit er ja recht gehabt hat.
Ja, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, ich habe einfach alles in Graz abgebrochen. Aber das war nur ein Vorwand für mich, denn ich habe nicht gewusst, was ich wollte, ich wusste nur, ich wollte nicht mehr in Graz bleiben, denn das war mir zu langweilig. Also bin ich zum O. gezogen, wodurch ich mich ihm total ausgeliefert habe. Das Ganze ist dann ziemlich bald in eine Hassliebe übergegangen - wir waren ungefähr ein Jahr zusammen, und das Jahr war ziemlich intensiv, aber nicht besonders glücklich - so eine komische Abhängigkeitsgeschichte mit Psychoterror, wir haben uns gegenseitig geschlagen, es war ziemlich irr, aber wir sind nicht voneinander los gekommen. Nach einem Jahr habe ich einen Schlussstrich gezogenich sagte mir, da bin ich lieber allein als unglücklich. Aber es hat sich noch weitere drei Jahre dahingezogen - so ein Nicht-zusammen-Können aber auch nicht Voneinander-lassen-Können.
Wie hast du dich dann endgültig von ihm gelöst?
Endgültig aus ist es noch nicht so lange. Ich bin seit vier Jahren von ihm getrennt, obwohl es ewig noch so weitergegangen ist, dass wir uns wiedergesehen, wieder geküsst haben und so, aber es war nach jedem Treffen so, dass ich mir dachte, ich brauche eine ganze Woche, um wieder zu mir selber zu finden. Endgültig war das vor einem halben Jahr, als ich dachte: Mir reicht das jetzt wirklich, als er wieder mal bei mir übernachtet hat und das ganz grauslich ausgeartet ist. Es waren immer lange Pausen zwischen unseren Treffen, ein halbes Jahr oder länger... Als ich mir dachte, mir reicht es, ich will das nicht mehr, dachte ich mir, ich muss ein Ritual machen, um ihn aus mir rauszukriegen und ihn loszuwerden. Ich dachte mir, ich gehe in den Prater, kaufe mir einen Luftballon, schreibe O. drauf und lasse ihn fliegen. Nur - das Problem war, dass es im ganzen Prater keine Luftballonverkäufer mehr gibt, das ist eine Marktlücke! Auf jeden Fall habe ich das dann mental gemacht, und das hat offenbar geklappt. Ich weiß, ich darf ihn nicht mehr sehen und hören, aber ich habe auch nicht das Bedürfnis danach, das ist offenbar so ein Suchtfaktor, aber jetzt ist es vorbei.
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Nachdem ich mich offiziell von O. getrennt habe, war mal lange nichts, fast ein Jahr lang überhaupt keine Männer, kein Sex, ich war auch mit meiner Ausbildung sehr beschäftigt und habe überhaupt wenig Privatleben gehabt. Ja, dann gab es einige Affären, wobei ich mich da gefühlsmäßig von vornherein ziemlich abgekapselt habe, oder es waren Männer, die mich nicht wirklich interessiert haben, obwohl das natürlich blöd ist, dann mit solchen Affären zu haben. Das waren meistens keine One-, sondern mindestens Two-Night-Stands. Im letzten Jahr hat sich da einiges getan. Ich merke, ich verliebe mich leicht, vor allem in Männer, die fix liiert sind, wobei mir das mittlerweile ziemlich egal geworden ist und ich mir denke, das ist vielleicht ganz gut oder genau das, was ich brauche, weil die können dann keine Ansprüche stellen an mich. Oder ich finde es ganz angenehm, wenn sie mitten in der Nacht wieder heimgehen, weil meistens wache ich auf in der Früh, da liegt dann einer neben mir, und ich denke mir: Um Gottes willen, wann geht der endlich! Ich habe das Gefühl, diese Männer bringen meinen Tagesplan völlig durcheinander, es ist ganz eigenartig, denn nach der zweiten Nacht habe ich meistens das Gefühl, das ist schon so eine Pseudo-Routine, das ist jetzt genauso abgelaufen wie in der ersten Nacht, es interessiert mich nicht mehr. Es ist so öd, so austauschbar, es könnte jeder andere sein. Und dann glaube ich, dass ich zwar ziemlich gute Schutzmechanismen habe, aber je öfter ich mit einem Mann schlafe, desto lieber mag ich ihn, oder ich mag ihn gar nicht mehr. Die letzte Geschichte war so, dass der ziemlich auf mich abgefahren ist und ich die totale Panik bekommen habe und mir gedacht habe, der will jetzt wirklich was von mir, nachdem wir ein paar Mal miteinander im Bett waren. Doch sobald ich mich ein bisschen daran gewöhnt habe, dass da jetzt was sein könnte, hat der einen Rückzieher gemacht und mir irgendwas von einem unbändigen Freiheitsdrang erzählt, und das war es dann wieder. Ich denke, ich treffe nur Männer, die schon liiert sind oder sie spinnen und sind beziehungsgestört wie ich selber.
Für mich ist das Kriterium für eine Beziehung, dass ich mehr Spaß habe und mehr Energie raushole als ich reinstecke. Und wenn mich das mehr Energie kostet, als es mir bringt, dann interessiert mich das nicht, da bin ich schon ziemlich radikal. Schon bei den kleinsten Anzeichen, wenn wer was Blödes sagt, dann serviere ich ihn ab. Denn ich denke, entweder es passt von vornherein oder nicht. Und wenn man sich das gleich von vornherein abstellt,
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wenn man merkt, der spinnt, der passt nicht zu mir, dann muss man sich nicht monatelang ärgern. Ich bin da nicht mehr bereit dazu. Ich will so was nicht mehr. Ich brauche meine Energie für andere Sachen, ich will mich nicht runterziehen oder ärgern lassen. Was wäre für dich eine Beziehung, mit der du leben könntest, von der du sagen kannst: das passt?
Das ist schwierig, vielleicht habe ich gar keine so genaue Vorstellung. Also - ich kann mir schwer vorstellen, überhaupt mit einem Mann zusammenzuleben, nachdem ich schon so lange alleine lebe. Ich denke, das müsste auch anders als bisher beginnen, viel langsamer, nicht so schnell im Bett landen, sondern langsam schauen, ob das passt. Zuerst viele nette gemeinsame Erlebnisse. Die Interessen sollten sich zumindest teilweise decken. Mein Mann muss irrsinnig witzig sein, vielleicht auch ein bisschen ausgeflippt, aber sehr wichtig ist, dass wir einen gemeinsamen Humor haben. Er soll mich aufheitern können und mich nehmen, wie ich bin, wenn ich mal spinne, so dass das nicht so tragisch wird. Eine gewisse Erotik muss natürlich auch da sein, sonst interessiert es mich schnell nicht mehr, eine erotische Anziehung. Intellektuell muss auch was da sein. Ich hätte gerne einen Mann, der künstlerisch sehr kreativ ist, um sich gegenseitig geistig und kreativ anzuregen und aneinander zu entwickeln. Es dürfte auch nicht zu unterschiedlich sein vom Lebens- und Tagesablauf her. Nicht so, dass er einen Nachtjob hat und man sich dann nie sieht. Wie hast du an dir nach der Trennung von O. gearbeitet, damit es dir besser geht? Nach dem O. habe ich mich total in die Ausbildung reingekniet und nicht mehr viel Zeit für was anderes gehabt. Das war in der Musical-Schule, da war ein ziemlicher Drill, eine Härte und Herausforderung. Ich denke, dass das teilweise gar nicht so gut war, wenn man solche Sachen in den Körper reinarbeitet, aber es war eine Ablenkung. Zu anderen Dingen bin ich nicht viel gekommen. Und dann hat sich wieder ein Freundeskreis entwickelt - da war ich ja noch nicht so lange in Wien, alte Leute sind wieder aufgetaucht. Und irgendwann bin ich dann draufgekommen: Mir geht es jetzt wesentlich besser als früher, ich möchte das einfach nicht mehr eintauschen. Es ist viel netter, wenn man machen kann was man will, wann man will, nicht drüber diskutieren muss, selber planen kann, selber für alles verantwortlich ist. Und einfach ein eigenes Leben und einen eigenen Freundeskreis haben. Vor allem - mit dem Freundeskreis vom O. habe ich überhaupt nichts anfangen können, die Leute waren völlig irr.
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Ich treffe jetzt einfach keine Leute mehr, mit denen ich mich nicht treffen will oder mit denen ich nichts anfangen kann. Bist du mit deinem jetzigen Leben zufrieden?
Ja, im Großen und Ganzen schon. Ich habe schon Karrierepläne für die Zukunft, aber ich fühle mich jetzt ganz wohl. Und irgendwann hätte ich gerne wieder einen Mann, das muss ich auch sagen. Aber es ist nicht so, dass ich totunglücklich wäre, weil ich keine Partnerschaft habe, überhaupt nicht. Aber wenn sich jetzt weitere vier Jahre nichts tut, würde ich mich schon fragen...Aber, es wird sich schon wieder was ergeben.
Mit welchen Klischees über alleinstehende Frauen hast du dich bis jetzt auseinandersetzen müssen?
In letzter Zeit fragen mich dauernd irgendwelche Leute, ob ich verheiratet bin und Kinder habe. Ich bin immer völlig schockiert, denn so alt schaue ich noch nicht aus, denke ich mir. Ich möchte das auch nicht, das sind wirklich nicht meine Pläne, ich möchte weder Kinder noch heiraten.
Klischees...Ich glaube, dass Männer, wenn sie hören, ich mache Schauspiel, na gut, das hat jetzt nichts mit alleinstehenden Frauen zu tun sondern eher mit Klischees über Schauspieldie glauben, Schauspielerinnen spielen immer was und kommen dann mit so blöden Sprüchen wie: Frauen und Schauspielerinnen kann man nicht verstehen. Alleinstehende Frauen - ich glaube, in meinem Alter ist das noch nicht so schlimm, ich habe jetzt eher den Ruf, dass ich leicht zu haben, leicht ins Bett zu bringen bin oder viele Männer habe, obwohl ich gar nicht finde, dass ich so viele Männer habe. Die Sache ist die, dass mich diese Affären nicht befriedigen. Es interessiert mich nicht, wenn das nur Sex ist. Vor einiger Zeit habe ich meine Hausmeisterin getroffen, und die hat mich gefragt: Na, wie schaut`s aus mit den Männern? Ich habe ihr gesagt: Ich habe den Richtigen noch nicht gefunden. Dann sagt sie: Na ja, ich habe auch erst mit einundzwanzig geheiratet! Was hat sich in deiner Freizeit geändert, seit du allein bist? Ich habe eine gemütliche eigene Wohnung nach meinen Vorstellungen, wo Freunde mich besuchen kommen oder öfters spontan wer vorbeikommt. Ich habe jetzt auch sehr viele
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liebe Freundinnen um mich, wo ich auch das Gefühl habe, wenn es mir schlecht geht, kann ich anrufen und über alles quatschen, oder mitten in der Nacht hinfahren, ich fühle mich nicht einsam. Ich habe viel mehr Spaß mit meinen Freundinnen, als ich jemals mit einem Mann gehabt habe! Und ich würde für keinen Mann meine Freunde aufgeben! Mein Mann müsste auch mindestens so witzig sein wie meine Freundinnen, sonst hat er keine Chance! Was hat sich beruflich geändert, seit du alleine bist?
Ich mache die Schauspielausbildung. Es hat mir sehr gut getan, mich mit Tanz, Singen und Schauspiel auseinanderzusetzen, weil das auch sehr therapeutisch wirkt und viel offener macht. Ich bin einfach wesentlich risikobereiter als früher. Ich denke, ich habe nichts zu verlieren, und wenn was nicht klappt, kann man halt nichts machen. Es ist besser, wenn man gelassener ist.
Was hast du in den Jahren deiner Beziehungen und auch in der Zeit allein über deine Beziehungsfähigkeit gelernt?
Mit Männern war ich wohl noch nicht besonders beziehungsfähig. Ich merke mit diesen Affären, dass ich bei Männern, die sich ernsthaft für mich interessieren, Panik und Angstzustände kriege beziehungsweise wirklich verlieben tu ich mich nur in unerreichbare Männer. Sogar in einen Vierzehnjährigen in Italien, so dass ich mich schon frage, was das soll. Das war sicher total wichtig für mich, allein zu sein, zu mir selber zu finden und einmal zu schauen, was für mich wirklich ist, was mein Leben ist, was meine Bedürfnisse sind und zu sehen, dass man keine Angst haben muss vor dem Alleinsein. Zu sehen, dass die meisten Männer sowieso schwächer sind als ich und keine Ahnung haben, was sie im Leben wollen. Und es ist auch so, dass ich die meisten Männer nicht besonders ernst nehmen kann. Diese ganzen Beziehungsspielchen sind ja so lächerlich - meistens interessieren sich die Männer für einen, wenn man sich nicht für sie interessiert und umgekehrt. Wenn man sich für jemand interessiert, muss man so tun, als wäre das nicht so, zumindest am Anfang, und ich halte das nie durch, und deshalb klappt es auch nicht. Ich bin zu ungeduldig. Ich hoffe, dass man mit dem Mann, mit dem es sein soll, solche Spielchen nicht braucht. Wie viel Alleinsein brauchst du oder verträgst du?
Es ist oft so, dass ich am Abend sehr gerne allein zuhause bin und lese und meine Ruhe haben und überhaupt nicht mehr fortgehen will, wenn mich wer anruft. Wie gestern zum
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Beispiel. Das sind so Phasen, wo ich lange Zeit nichts unternehme und nicht weggehe - und dann wieder dauernd. Wobei - wirklich allein sein... Ich treffe ja in der Ausbildung und in den Jobs immer viele Leute. Und wenn ich keine Zeit habe, meine Freunde zu sehen, dann telefoniere ich mit ihnen und genieße das sehr, auch wenn ich am Abend nur so allein zuhause bin.
Was würdest du anderen Frauen raten, die Single geworden sind?
Ich rate ihnen meistens - nur nutzt das nichts, weil sie sich sowieso gleich wieder in die nächste Beziehung stürzen, die genauso katastrophal ist... Also, ich sage ihnen immer wieder, dass mir meine Freundinnen wesentlich wichtiger sind als ein Typ, und dass sie mich anrufen sollen, wenn es ihnen schlecht geht. Ich finde es viel wichtiger, sich da abzulenken, mit Freunden darüber zu reden, zu überlegen: welche Leute will ich jetzt wirklich sehen, wer gibt mir Kraft? Oder einfach schauen, worauf ich Lust habe - vielleicht ins Kino gehen oder sich ein gutes Buch kaufen, einen Kurs beginnen, was auch immer, Sachen machen, die man schon lange nicht tun konnte, weil man blockiert war oder keine Zeit hatte. Ich denke, am Anfang nach der Trennung ist immer eine Phase der Trauer, wo man durch muss und nicht viel anderes machen kann. Ich handhabe das dann immer so, dass ich gute Musik auflege, mir gute Duftöle in die Duftlampe gebe, mir gute Tees koche und schaue, dass ich möglichst nett bin zu mir und in mich hinein fühle, wen ich jetzt wirklich sehen will und auf was ich wirklich Lust habe.
Welche Lebensformen hast du schon ausprobiert - außer allein leben und mit einem Mann leben?
Eine gute Freundin von mir hat mal ein paar Monate bei mir gewohnt. Was ich mir nett vorstellen würde, ist in einem großen Haus zusammenwohnen, wo jeder einen Stock oder eine Wohnung für sich hat, lauter gute Freunde, mit einem gemeinsamen Gruppenraum, wo man sich gegenseitig besuchen kann oder auch seine Ruhe haben. Was wolltest du schon immer in deinem Leben verwirklichen, bist aber nie dazugekommen? Fallschirmspringen.
Wie soll dein Leben in fünf bis zehn Jahren aussehen?
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Entweder eine bekannte Schauspielerin oder Sprecherin sein, gut verdienen, mindestens 30.000 Schilling im Monat. Dann eine große Altbauwohnung. Oder vielleicht - ich lerne Italienisch - gehe ich nach Italien, ich weiß nicht. Ich sehe mich mit vielen lieben Freunden und kreativen Leuten um mich, die wir uns gegenseitig Anregungen zur Weiterentwicklung und Kraft geben. Es soll sehr bunt und kreativ sein, mit vielen lieben Leuten, und ich möchte mir alles leisten können, was für meine kreative Weiterentwicklung nötig ist, mich wohlfühlen und Spaß haben.
Wie stellst du dir dein Alter vor, falls du dann noch oder wieder Single bist? Wenn ich alt bin, dann möchte ich mit meinen besten Freundinnen eine Alten-Single-WG gründen! Am besten am Stadtrand von Graz, im Grünen, ich hätte gerne Tiere - Hunde, Katzen, vielleicht ein Pferd zum Reiten. Wer einsam ist, hat sich das selbst gemacht, das ist die eigene Schuld. Wenn man offen bleibt, ist das alles nicht so schlimm. Und heutzutage ist man ja mit sechzig noch nicht wirklich alt. Worüber möchtest du noch gerne sprechen?
Also, ich finde die Jahre, die ich alleine war, nicht als Manko. Ich habe mich noch nie so wohl gefühlt wie jetzt. Und es ist auch nicht so, dass ich so fürchterliche Lust auf Sex hätte und irgendeinen Mann will, ich meine, wenn es sich ergibt, bin ich nicht abgeneigt, aber der soll sich dann gefälligst wieder schleichen.
Ich fühle mich jetzt nicht hässlich oder ungeliebt - na klar, manchmal hab ich schon meine Krisen, wo ich mir denke, die Männer sind alle so blöd, die wollen mich nicht. Ich glaube, man braucht einfach Geduld, muss das Ganze behutsam angehen und darf sich da auch nicht überfordern oder Stress machen. Ich hoffe nur, dass sich irgendwann mal wieder was Beziehungsmäßiges ergibt, bevor ich über die Blüte meiner Jahre hinaus bin. Mittlerweile glaube ich aber nicht mehr, dass es dran liegen könnte, dass ich so hässlich bin - ich glaube eher das Gegenteil. Ich bin zu schön und zu klug!
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„Ich kann alles machen, was ich will, ohne schlechtes Gewissen“ Ulli, Schneiderin/ Sozialpädagogin, 32
Ich fühle mich sehr gut als Single! Ich lebe seit 1 ½ Jahren getrennt. Ich habe in Berlin gewohnt, mein Freund ist ausgezogen. Das war natürlich nicht lustig, man hängt da in den ärgsten Erinnerungen, ich bin ja wegen ihm dorthin gezogen. Da habe ich mich dann relativ schnell entschieden, wieder nach Wien zurückzugehen. Ich wohne seit einem Jahr wieder da, jetzt geht es mir besser, bin ja auch weit genug weg von ihm. Ich habe schon vorher acht Jahre in Wien gelebt und habe hier viele Freunde und Freundinnen. Mein Bruder lebt auch hier mit seiner Frau und seinem Kind. Ich kenne hier viel mehr Leute als in Berlin, das ist total fein. Erzähl mir bitte über diese wichtige Beziehung in Deutschland mehr. Wir waren zwei Jahre zusammen. Er hat in Deutschland gewohnt, ich in Wien. Das erste halbe Jahr war ich noch in Wien, dann bin ich nach Köln gezogen, weil ich dort Freunde habe, und dann erst nach Berlin. Ein Jahr haben wir nicht zusammengelebt, ein Jahr schon. Ich habe vorher schon einige längere Beziehungen gehabt - aber keine länger als zwei Jahre. Meist hat es ungefähr zwei Jahre gedauert. Aber bei diesem Mann war es schon so, dass ich mir gedacht habe: Das ist jetzt mein Mann für`s Leben. Deswegen bin ich auch zu ihm gezogen - er wollte das gar nicht unbedingt - vielleicht ist es auch deshalb auseinandergegangen, weil er es nie so richtig wollte.
Wir haben dann zusammengewohnt, haben nur eine kleine Wohnung gefunden, es war in Berlin sehr schwierig. Und nach einem Jahr hat er es nicht mehr ausgehalten und ist ausgezogen. Da habe ich zuerst gespürt, ich brauche total viel Ruhe. Ich bin fast nie weggegangen, bin eigentlich nur zuhause gesessen und habe sehr viel geschlafen. Ich habe natürlich auch diesen anstrengenden Kindergärtnerinnen-Beruf gehabt, da habe ich von neun bis drei gearbeitet, und wenn ich heimgekommen bin, war ich total müde, da ist es mir nicht gut gegangen. Ich war nicht sehr belastbar. Deshalb habe ich mich auch nicht so unter die Leute gemischt - ich habe immer wieder sehr plötzlich starke Traueranfälle gekriegt, die man mit Leuten nicht so ausleben kann. Ich war viel allein und hab dann auch einiges allein gemacht - ins Kino oder Spazieren, oder ich bin nach Köln zu meinen Freunden gefahren
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oder nach Vorarlberg zu meinen Eltern. Das schlimmste waren die Wochenenden - zwei Tage frei...Unter der Woche ging es, ich bin heimgekommen um vier, und dann war schon Abend. Dann habe ich im gleichen Haus eine Frau kennengelernt und mich mit ihr angefreundet, die war ein bisschen älter als ich, auch Single und hatte immer Drama mit den Männern... Wenn ich mich einsam gefühlt habe, bin ich zu ihr raufgegangen - das war ein Glück für mich, dass ich sie gefunden habe. Mir ist es sehr schlecht gegangen. Aber es war dann auch schrecklich, von Berlin wegzugehen, denn wir haben uns immer wieder gesehen, dieser Mann und ich. Wie ich dann nach dem halben Jahr weggegangen bin, war das erst die richtige Trennung. Die ersten Monate in Wien war ich auch noch total unglücklich, wollte nicht ausgehen, habe mich auch nicht für andere Männer interessiert. Meine Strategie war, mich total zurückzuziehen. Ich bin sonst nicht der Mensch, der alleine zuhause rumsitzt. Ich habe viel alleine gemacht. Ich habe es auch überhaupt nicht ausgehalten, mich nach jemand zu richten. Ich musste mein Ding in meinem Tempo auf meine Art durchziehen - zum Beispiel spazieren gehen. Ein halbes Jahr lang habe ich eher gelitten und war viel einsam - und dann ist es plötzlich, fast von einem Tag auf den anderen umgeschlagen - ich habe wieder Lust gekriegt, auszugehen und bin dann ganz viel ausgegangen. Seit der Zeit fühle ich mich sehr wohl - bin viel unter Leuten aber auch viel daheim. Aber ich bin nicht mehr die ganze Zeit so traurig.
Weißt du noch, was da war, als deine Stimmung so plötzlich umgeschlagen ist? Ja, ich war mit einer Freundin im Kino, es war total lustig, so unerwartet, und dann bin ich wieder auf den Geschmack gekommen. Auf einmal war es wieder ein Konzept: Ausgehen. Ich habe auch nichts ausgehalten - z.B. am Abend, um acht, wenn es schon finster war, irgendwohin fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, das war mir zu mühsam, als ich so deprimiert war. Jetzt bring ich die Kraft locker auf. Was hast du in der Zeit mit dir allein gemacht?
Das frag ich mich auch manchmal. Ich hab im ersten halben Jahr viele Kindersachen genäht, die ich dann zu Weihnachten am Weihnachtsbasar verkauft habe. Da bin ich dann gehockt und hab am Abend immer genäht. Es war auch tagsüber ziemlich mühsam mit der Arbeitssuche - ich war ja arbeitslos, als ich von Deutschland zurückgekommen bin. Ich war viel mit meinem Bruder, seiner Frau und deren Kindern zusammen. Bin schon auch in die
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Stadt gegangen und habe Freundinnen getroffen - aber es war schon eine mühsame Zeit. Ich habe das Alleinsein ganz schlimm gefunden und war total einsam. Alle meine Freundinnen haben einen Freund oder sind verheiratet und haben Kinder. Alle. Frauen, die Single sind, kenne ich keine. Ich bin so ein Spaßvogel und deshalb immer gerne gesehen, wenn wir ausgehen, weil ich jetzt immer guter Laune bin. Mir kommt auch vor, als Single hat man mehr Ausgeh-Energie als die ganzen Pärchen. Die hocken dann so da - ob sie jetzt im Lokal hocken oder zuhause ist auch schon egal - und ich habe viel mehr Spaß am Ausgehen, und es ist auch nett für die Leute, weil sie jemand haben, der sie unterhält. Mit welchen Klischees über alleinstehende Frauen hast du dich bis jetzt auseinandersetzen müssen?
Extrem unangenehm war immer wieder - nicht nur im letzten Jahr, sondern auch davor, wenn ich mal allein war - die Reaktion der Leute der Generation meiner Eltern. Die gehen davon aus, dass man einen Mann haben muss. Immer, wenn wir uns getroffen haben, haben sie gefragt: Was machst du? und: Hast du einen Freund? Das waren die zwei wichtigsten Fragen. Und wenn ich dann gesagt habe: Ich bin arbeitslos, und ich habe keinen Freund, dann war ich unten durch oder zu bemitleiden. Das hat mich lange sehr genervt, ich hab das schwer ausgehalten - aber mittlerweile ist es mir total egal. Und die Freunde meiner Eltern akzeptieren das jetzt auch. Früher haben sie mir immer vermittelt: Man braucht Arbeit und einen Mann. Man ist dann erst fertig mit der Suche, wenn man beides hat. Das Konzept, dass man als Frau vielleicht nicht unbedingt einen Mann braucht, um was wert zu sein, das kennen die nicht. Jetzt strahle ich das auch nicht mehr aus, dieses Brauchen. Natürlich denke ich mir, es wäre lässig, mal wieder einen Freund zu haben. Aber ich bin jetzt nicht auf der Suche. Ich fühle mich eigentlich total wohl. Ich habe eher Angst davor, wenn einer daherkommt, dass ich mich dann wieder einschränken lasse. Dass der wieder Sachen in meinem Leben verändert, die ich gar nicht verändern will.
Ist das ein Muster von dir, dass du dich in Beziehungen einschränken lässt? Worin wirst du da eingeschränkt?
Bei allem möglichen. Das fängt an bei der Optik - dass Exfreunde von mir gesagt haben, ich soll mich anders anziehen - ein ganz extremer Eingriff. Bei meinem letzten Freund war es eher so, der hat das nicht ausgehalten, wenn ich nach der Arbeit heimgekommen bin und mich hingelegt habe - weil er hat dann gefunden, ich wäre faul, er wollte das nicht. Oder.
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wenn ich Bücher gelesen habe, hat er gesagt, das sind keine guten Bücher, ich soll andere lesen. Sehr mühsam! In allem - wenn ich beim Heimkommen nicht sein kann wie ich will, sondern irgendwelche Fragen beantworten muss, bei jeder Frage sich auch überlegen muss: was sage ich jetzt? Dass man einfach nicht in Ruhe gelassen wird die ganze Zeit. Wie gesagt, mit ihm haben nicht nur seine Freundinnen und Exfreundinnen Probleme, sondern auch Freunde - er fordert immer so viel von seinen Mitmenschen, und das habe ich als seine Freundin ganz besonders erlebt. Das war sehr mühsam - da bin ich sehr froh, dass ich das nicht mehr hab.
Ich spreche da öfter mit einer Freundin, die hat einen Freund, und sie hat dieselben Probleme. Wir sagen immer: Es ist so fein, wenn man alleine ist, man hat die ganze Zeit seine Ruhe, man kann machen, was man will. Und die Aufregung, die Spannung, wenn man fortgeht: vielleicht passiert heute was!
Diese Single-Energie finde ich sehr lustig! Ja, dass man mehr Lust hat, auszugehen und mehr Spaß daran hat. Die meisten meiner Freunde sind Paare, und die finden es dann auch fein, sich niederzulegen, weil sowieso jemand neben ihnen liegt - ich gehe da lieber fort, Party machen, tanzen, Spaß haben.
Du beschreibst mir, sobald du mit jemand zusammen bist, geht die meiste Energie in diese Beziehung hinein und weniger nach außen?
Ja. Das sollte wahrscheinlich nicht so sein, aber bei mir war das immer so - dass mich eine Beziehung so viel Energie gekostet hat, dass ich viele Sachen, die ich sonst gerne mache und mir gar nichts dabei denke, plötzlich in Frage gestellt werden, zum Beispiel, welche Musik man sich anhört oder welches Buch man liest. Man muss sich für Sachen rechtfertigen, die man gerne macht. Ja, zum Beispiel, wenn man mal faul ist. In meiner letzten Beziehung, der hat das nicht ausgehalten, wenn ich mal faul war, denn er war selber so faul. Und ich habe auch festgestellt, dass meine kreative Sache - das Kindermoden-Machenneben ihm nicht gegangen wäre. Da habe ich nur meinen Job gemacht, und wenn ich heimgekommen bin, habe ich ihm meinen Abend gewidmet und aus. Und wenn ich da noch kreativ hätte sein sollen... Ja, das wäre einfach nicht mehr gegangen. Einmal, als ich für meinen Neffen zur Geburt ein Wollmützerl gestrickt habe, da hat sich mein Freund schon beschwert, dass ich wie eine Hausfrau dasitze und stricke. Diese Klischees finde ich mühsam.
Arbeit zitieren:
Mag. Johanna Vedral , 2011, Wieder zu mir finden, München, GRIN Verlag GmbH
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