Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Der Stakeholderansatz. 4
1.1 Zur Bedeutung und zum Begriff des Stakeholders 4
1.2 Zur Problematik im Umgang mit Stakeholdern 5
1.3 Die Stakeholderanalyse 5
2. Der Stakeholderansatz in der Grünen Biotechnologie 7
2.1 Begriffsklärung und Fakten zur Grünen Biotechnologie 7
2.2 Zur Bedeutung des Stakeholderansatzes in der Grünen Biotechnologie 8
3. Ein Vergleich der verschiedenen Anspruchsgruppen in Industrie- und Entwicklungsländern
am Beispiel „Goldener Reis“ 10
3.1 Zur Definition von Industrie- und Entwicklungsländer 10
3.2 Der Goldene Reis 10
3.3 Die Konsumenten 11
3.4 Die Politik 13
3.5 Non-Governmental Organisations. 14
4. Die Forschung und Entwicklung und der Technologietransfer zwischen Industrie- und
Entwicklungsl ändern in der Grünen Biotechnologie 16
Schlussbemerkungen 18
Literaturverzeichnis. 20
2
Einleitung
Bereits seit mehreren Jahrzehnten widmen sich weltweit zahlreiche Institutionen des öffentlichen und privaten Sektors der Forschung und Entwicklung im Bereich der gentechnischen Veränderung von Nutzpflanzen und Nahrungsmitteln. Mitte der Neunziger Jahre kamen die ersten gentechnisch veränderten Agrarprodukte und Lebensmittel auf den Markt und versprachen der Branche eine erfolgreiche Zukunft. Doch seit der Entstehung der Grünen Biotechnologie 1 ist die Entwicklung, Einführung und Verbreitung ihrer Produkte begleitet von einer öffentlich sehr kontrovers geführten Debatte, die sehr schnell globalen Charakter bekommen, und in einigen Ländern starke Opposition hervorgerufen hat. Diese Diskussion vollzieht sich auf vielen verschiedenen Ebenen und beschäftigt Personen und Gruppen des politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens. 2 Daher ist es für Unternehmen, die in diesem Spezialgebiet der Biotechnologie aktiv sind von immenser Bedeutung die verschiedenen Stakeholder 3 und ihre Ansprüche, die sie an das Unternehmen stellen, zu kennen und zu berücksichtigen.
Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung der Wahrnehmungen und Interessen der unterschiedlichen Anspruchsgruppen sowie der Vergleich von Stakeholdern in Industrie-und Entwicklungsländern in der Grünen Biotechnologie. Zunächst werden im ersten Kapitel die theoretischen Grundlagen des Stakeholderansatzes erläutert. Es wird auf ihre Bedeutung und die Problematiken im Umgang eines Unternehmens mit seinen Anspruchsgruppen sowie abschließend auf die Stakeholderanalyse eingegangen. Das zweite Kapitel befasst sich mit der Branche der Grünen Biotechnologie und der besonderen Bedeutung des Stakeholderansatzes in diesem Wirtschaftszweig. Im dritten Kapitel werden die wichtigsten Anspruchsgruppen aus verschiedenen Industrie- und Entwicklungsländern betrachtet und miteinander verglichen. Dies wird unter anderem im Rahmen des Fallbeispiels „Goldener Reis“ erfolgen. Im Fokus der Betrachtung werden insbesondere die Konsumenten, verschiedene Non-Governmental Organisations sowie die Politik als Stakeholder der Grünen Biotechnologie stehen. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Rolle der Medien eingegangen. Abschließend stehen im Mittelpunkt des vierten Kapitels die öffentliche und private Forschung und Entwicklung sowie der Technologietransfer von Industrie- in Entwicklungsländer in der Grünen Biotechnologie.
1 Begriffsdefinition siehe Seite 5.
2 Vgl. Wagner Weick/Walchli 2002: 265-266.
3 Begriffsdefinition siehe Seite 2.
3
1. Der Stakeholderansatz
1.1 Zur Bedeutung und zum Begriff des Stakeholders
In einer dynamischen und komplexer werdenden Umwelt, in der Unternehmen in der heutigen Zeit agieren, sehen sich diese ganz neuen Anforderungen gegenübergestellt. Insbesondere gestiegenes öffentliches Interesse und öffentliche Wahrnehmung von Aktivitäten eines Unternehmens durch die zunehmende Berichterstattung in den Medien führen dazu, dass diese ihr Handeln in vielerlei Hinsicht rechtfertigen müssen. 4 Themen wie dem umweltschonenden Umgang mit Ressourcen oder dem Einsatz neuer Technologien und deren Folgen müssen heute zentrale Bedeutung beigemessen werden, möchte ein Unternehmen nicht in Konflikt mit seinem Umfeld geraten und seine wirtschaftliche Handlungsfähigkeit gefährden.
Seit mehreren Jahren gewinnt das Konzept des Stakeholderansatzes daher an Relevanz in der Betriebswirtschaftslehre, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. 5 Das Konzept befasst sich mit den Beziehungen des Unternehmens zu seinen Stakeholdern. Unter dem Begriff Stakeholder werden Interessen- beziehungsweise Anspruchsgruppen verstanden. Die klassische Stakeholder-Definition lautet:
„A stakeholder in an organization is (by definition) any group or individual who can affect or is affected by the achievement of the organization’s objectives”. 6
Als Stakeholder werden neben Gruppen und einzelnen Personen, aber auch Institutionen, die Gesellschaft oder der Staat als ganzes verstanden. Sie bilden die Umwelt in dem das Unternehmen agiert und beeinflussen die Unternehmung beziehungsweise werden von ihr beeinflusst. Interaktionen zwischen der Umwelt und dem Unternehmen bestehen vor allem durch den Prozess der Leistungserstellung und -verwertung. Die verschiedenen Stakeholder treten als Ressourcengeber (Bsp. Humankapital) und Abnehmer des Outputs der Unternehmung auf und stellen allgemeine, das Wirtschaftssystem unterstützende Leistungen (bspw. Infrastruktur) zur Verfügung. 7 Daraus können zahlreiche Ansprüche verschiedener Akteure an das Unternehmen abgeleitet werden. Als Konsequenz daraus ergibt sich ein Problem der Abhängigkeit des Unternehmens von seinen Stakeholdern, die ihrerseits abhängig
4 Vgl. Hunck-Meiswinkel 2005: 61.
5 Vgl. Friedman/Miles 2006: 3.
6 Freeman 1984: 46.
7 Vgl. Nissen 1999: 2-3.
4
sind von den angebotenen Leistungen der Unternehmung. Es besteht folglich für beide Parteien die Notwendigkeit zum Dialog.
1.2 Zur Problematik im Umgang mit Stakeholdern
Unternehmen handeln, wie zu Anfang des Kapitels bereits erwähnt, nicht nur in einem ökonomischen, sondern auch in einem gesellschaftlichen Kontext. So werden Ansprüche, die an eine Unternehmung gestellt werden aus den verschiedensten Gründen abgeleitet. Es ist insbesondere zu unterscheiden zwischen Ansprüchen eines Stakeholders, die aus expliziten vertraglichen Vereinbarungen (legal claim) resultieren und Ansprüchen, die implizit (moral claim) geäußert werden. 8
Aufgrund der verschiedenen Hintergründe der Anspruchsgruppen eines Unternehmens haben diese teilweise sehr gegensätzliche Interessen und unterschiedliche Wahrnehmungen in Bezug auf die Handlungen einer Unternehmung. Die Schwierigkeit für Unternehmen besteht darin diese soweit es möglich ist miteinander zu vereinbaren und gleichzeitig die angestrebten Unternehmensziele zu realisieren. 9 Nur auf diese Weise kann Akzeptanz für die Aktivitäten der Unternehmung im Umfeld geschaffen werden.
Eine Stakeholderanalyse, die die Austauschbeziehungen des Unternehmens mit den einzelnen Anspruchsgruppen untersucht ist daher erforderlich. Die Analyse bezieht die bestehenden Machtverhältnisse innerhalb dieses komplexen Beziehungsgeflechts, die
Einflussmöglichkeiten eines Stakeholders auf die Unternehmung sowie die möglichen Aktionen und Reaktionen eines Stakeholders auf die Handlungen eines Unternehmens mit ein. 10
1.3 Die Stakeholderanalyse
Mit Hilfe der Stakeholderanalyse ist es möglich die Umwelt des Unternehmens zu strukturieren. Sie zielt darauf ab alle Stakeholder einer Unternehmung zu identifizieren und sie nach verschiedenen Kriterien einzuteilen. Aufgrund der gewonnen Erkenntnisse wird dann versucht ihr mögliches Verhalten in der Zukunft zu prognostizieren und abschließend im Rahmen der Bewertung die wichtigsten Stakeholder zu identifizieren. 11
8 Vgl. Hunck-Meiswinkel 2005: 64.
9 Vgl. Schauer 2006: 34.
10 Vgl. Hunck-Meiswinkel 2005: 60.
11 Vgl. Hunck-Meiswinkel 2005: 69ff.
5
Der erste Arbeitsschritt der Stakeholderanalyse ist das Scanning der Unternehmensumwelt, das heißt die Identifikation und Erfassung aller Stakeholder, die in irgendeiner Form einen Anspruch an das Unternehmen stellen. Die Schwierigkeit besteht insbesondere in der vollständigen Erfassung der Anspruchsgruppen, die keine expliziten vertraglichen Ansprüche besitzen. 12
Um im Folgenden die für eine Unternehmung wichtigen, auch als „kritische Stakeholder“ oder „Key-Stakeholder“ bezeichneten 13 Anspruchsgruppen zu identifizieren, ist eine Einteilung der erfassten Stakeholder nach gewissen Kriterien nötig. In der Regel werden die Kriterien Macht, Legitimität und Dringlichkeit zu ihrer Klassifizierung verwendet. 14 Unter Macht kann die Fähigkeit eines Stakeholders zur Beeinflussung des Unternehmens und seiner Ziele durch verschiedene Mittel verstanden werden. Zu diesen Mitteln zählt beispielsweise die Fähigkeit einer Anspruchsgruppe seine Interessen mit Hilfe der Medien wirksam in der Öffentlichkeit zu formulieren und somit bei Interessenkonflikten mit der Unternehmung Druck auf diese ausüben zu können. 15 Des Weiteren kann ein Stakeholder über Macht verfügen, wenn er Ressourcen stellt, die für das Unternehmen kritisch, dass heißt nicht oder nur schwer zu ersetzen sind. 16
Die Legitimität eines Stakeholders kann sich aus einem rechtlichen oder einem moralischen Anspruch ergeben. Hier ist die Anspruchsgrundlage zu untersuchen. Daher kann der Begriff der Legitimität im Kontext der Stakeholderanalyse wie folgt beschrieben werden: „Legitimacy refers to the extent to which a group has a justifiable right to be making its claim.” 17 Das dritte Kriterium bezieht den Zeithorizont und damit die eventuelle Einräumung von Prioritäten für Ansprüche eines Stakeholders mit ein. Dringlichkeit kann in diesem Zusammenhang folgendermaßen definiert werden: „Urgency refers to the degree to which the stakeholder claim on the business calls for the business’s immediate attention or response. Urgency may imply that something is critical - it really needs to get done.” 18 Auf der Basis dieser drei Kriterien können die Anspruchsgruppen eines Unternehmens nun in verschiedene Klassen eingeteilt werden. 19
Im Rahmen der Prognose wird im Anschluss versucht aus den gewonnenen Daten und Ereignissen der Vergangenheit und Gegenwart mit Hilfe verschiedener Methoden, wie
12 Vgl. Hunck-Meiswinkel 2005: 69.
13 Vgl. Nissen 1999: 9.
14 Vgl. Mitchell et al. 1997: 864ff.
15 Vgl. Buchholtz/Carroll 2006: 72.
16 Vgl. Nissen 1999: 9.
17 Carroll 1991: 43.
18 Buchholtz/Carroll 2006: 72.
19 Siehe Mitchell et al. 1997: 874.
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Arbeit zitieren:
Constantin Thurow, 2007, Entwicklungs- und Industrieländer: Ein Vergleich der Anspruchsgruppen, München, GRIN Verlag GmbH
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