VORWORT
In Israel geboren und in Deutschland aufgewachsen, habe ich zwei Heimatländer. Gleichzeitig stellt diese Arbeit den Abschluss meines Studiums der internationalen Weinwirtschaft dar. Für mich persönlich war es also von großer Wichtigkeit, diese zwei Faktoren zu vereinen. Mein Ziel israelische Weine bekannter zu machen, sowohl in Deutschland als auch europaweit, habe ich schon während meines Studiums verfolgt durch Präsentationen, Messearbeiten und POS-Promotion. So kam es auch zu dem Thema „Marktanalyse israelischer Weine in Deutschland“.
DANKSAGUNGEN
für ihre Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft, Engagement und die unerlässlichen
für seine Offenheit und die Überlassung des von mir gewählten Themas Markus Vahlefeld
für die zur Verfügung gestellten Weine und seine Diskussionsbereitschaft
VORBEMERKUNGEN
Tiefergehende Literatur in Bezug auf das gewählte Thema gibt es nur sehr wenig. Die Beschaffung detaillierter und zuverlässiger Quellen erwies sich somit als relativ schwierig. Deswegen stammt ein großer Teil der Informationen aus persönlichen Interviews mit Geschäftsführern, Managern und weiteren Führungskräften sowohl der israelischen als auch der deutschen Weinwirtschaft. Hinzu kommen Quellen aus dem Internet aufgrund von Relevanz, Aktualität und Verfügbarkeit. Diese stammen ausschließlich aus offiziellen Seiten der jeweiligen Institutionen.
Die Vervielfältigung oder Übertragung von Textmaterial, Tabellen und Abbildungen ist nur nach Absprache und schriftlicher Genehmigung des Verfassers zulässig.
I. INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 1
1.1 Problemstellung 1 1.2 Zielsetzung der Arbeit 3 1.3 Aufbau der Arbeit 3 1.4 Definition Produktqualität 4 2 GEGENSTAND DER UNTERSUCHUNG 5
2.1 Die israelische Weinwirtschaft 5
2.1.1 DIE GESCHICHTE DES ISRAELISCHEN WEINES 5
2.1.2 BEDEUTUNG DES WEINSEKTORS FÜR DIE ISRAELISCHE LANDWIRTSCHAFT 8
2.1.3 PRODUKTIONS- UND ABSATZFÖRDERUNGSINSTITUTIONEN 9 2.1.4 WEINRECHT IN ISRAEL 11
2.1.5 KASCHRUT UND KOSCHERER WEIN 11
2.1.6 WEINBAU UND ANBAUGEBIETE IN ISRAEL 16
2.1.7 DER WEINMARKT IN ISRAEL 20
2.1.7.1 Entwicklung der jährlichen Weinproduktion 21 2.1.7.2 Lagerbestand 21
2.1.7.3 Außenhandel mit Wein in Israel 22
2.1.7.4 Weinverbrauch in Israel 23
2.1.8 WEINTOURISMUS IN ISRAEL 23 2.2 Der Sekt- und Weinmarkt in Deutschland 24
2.2.1 DIE WEINERZEUGUNG IN DEUTSCHLAND 26 2.2.2 LAGERBESTAND 27 2.2.3 WEINEXPORTE 27 2.2.4 WEINIMPORTE 28
2.2.5 WEINVERBRAUCH IN DEUTSCHLAND 28
2.2.6 PREISSTRUKTUREN UND ALTERSGRUPPEN 29
2.2.7 STRUKTUR DER ABSATZWEGE IN DEUTSCHLAND 31
I
2.3 Der Importweinmarkt in Deutschland 33
2.3.1 FASSWEINIMPORTE NACH DEUTSCHLAND 34
2.3.2 FLASCHENWEINIMPORTE NACH DEUTSCHLAND 35
2.3.3 RELATIONEN ZWISCHEN FLASCHEN- UND FASSWEINIMPORTEN NACH DEUTSCHLAND 38
2.3.4 ISRAELS WEINIMPORTE NACH DEUTSCHLAND IM VERGLEICH ZU ANDEREN AUSGEWÄHLTEN MITTELMEERLÄNDERN 39 2.3.5 ZUSAMMENFASSUNG 42
2.4 Israelischer Wein im Wettbewerbsvergleich 43
2.5 Zusammenfassung 44
3 ERFOLGSFAKTOREN DES ABSATZES ISRAELISCHER
WEINE IN DEUTSCHLAND 45
3.1 Bestandsaufnahme israelischer Weine in Deutschland 46
3.1.1 ZIELSETZUNG UND METHODIK 46
3.1.2 ISRAELISCHE WEINE IN EINKAUFSSTÄTTEN 48
3.1.3 ISRAELISCHE WEINE IM FACHHANDEL 49
3.1.4 ISRAELISCHE WEINE IN DER GASTRONOMIE 50 3.1.5 ZUSAMMENFASSUNG 52
3.2 Händlerbefragung zur Bewertung von Marktchancen israelischer Weine in Deutschland 53
3.2.1 ZIELSETZUNG UND METHODIK 52 3.2.2 FIRMENDARSTELLUNG 53
3.2.3 ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE FÜR ISRAELISCHEN WEIN 54
3.2.4 ABSATZENTWICKLUNG ISRAELISCHER WEINE 55
3.2.5 VORSCHLÄGE ZUR ABSATZVERBESSERUNG 55 3.2.6 WETTBEWERB 56
3.2.7 STÄRKEN UND SCHWÄCHEN ISRAELISCHER WEINE 57
3.2.8 CHARAKTERISTIKEN ISRAELISCHER WEINE 58
3.2.9 KUNDSCHAFT UND VERBRAUCHERVERHALTEN 59 3.2.10 PRODUKTAUSSTATTUNG 59
II
3.2.11 PROBLEMATIK UND MARKTCHANCEN ISRAELISCHER WEINE IN DEUTSCHLAND 60
3.3 Expertenbefragung zur Bewertung der objektiven Qualität der am deutschen Markt angebotenen israelischen Weine 61
3.3.1 ZIELSETZUNG UND PROBLEMSTELLUNG DER EXPERTENBEFRAGUNG 61 3.3.2 METHODIK 62
3.3.2.1 Aufbau des Bewertungsbogens 62
3.3.2.2 Durchführung der Befragung 64
3.3.3 KRITERIEN ZUR AUSWAHL DER TESTWEINE 64
3.3.4 BESCHREIBUNG DER STICHPROBEN 64
3.3.5 AUSWERTUNG DER DESKRIPTIVEN BEGRIFFE 65
3.3.6 ANALYSE DER EXPERTENBEWERTUNGEN 66
3.3.7 KORRELIERENDE MITTELWERTE 68
3.3.8 ANALYSE DES PREIS-LEISTUNGS-VERHÄLTNISSES 71
3.3.9 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE 73 3.4 Endverbraucherbefragung zur Bewertung der subjektiven Qualität der am deutschen Markt angebotenen israelischen Weine 74 3.4.1 ZIELSETZUNG UND PROBLEMSTELLUNG DER ENDVERBRAUCHERBEFRAGUNG 74 3.4.2 METHODIK 74
3.4.2.1 Aufbau des Fragebogens „Angaben zur Person“ 75
3.4.2.2 Aufbau des Fragebogens „Trinkgewohnheiten“ 75
3.4.2.3 Aufbau des Bewertungsbogens „innere Produktqualität“ 75
3.4.2.4 Aufbau des Bewertungsbogens „Flaschenausstattung“ 76
3.4.2.5 Durchführung der Befragung 76
3.4.3 KRITERIEN ZUR AUSWAHL DER TESTWEINE 76
3.4.4 BESCHREIBUNG DER STICHPROBEN 76
3.4.5 BESCHREIBUNG DER ENDVERBRAUCHERGRUPPE 78
3.4.5.1 Auswertung der Personenangaben 78
3.4.5.2 Auswertung der Trinkgewohnheiten 79
3.4.6 ANALYSE DER ENDVERBRAUCHERBEWERTUNGEN 81
3.4.6.1 Mittelwertsanalyse der Weinbewertungen 82
3.4.6.2 Mittelwertsanalyse der Ausstattungsbewertungen 83
3.4.7 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE 84
III
3.5 Befragung israelischer Weinerzeuger zur Bewertung der zukünftigen Absatzchancen auf dem deutschen Markt 85
3.5.1 ZIELSETZUNG UND METHODIK 85
3.5.2 UNTERNEHMENSDARSTELLUNG 86
3.5.3 PRODUKTION NACH WEINFARBE 86
3.5.4 EXPORTE UND EXPORTLÄNDER DER BEFRAGTEN ERZEUGE 87
3.5.5 WEINEXPORT NACH DEUTSCHLAND UND DISTRIBUTION 87
3.5.6 ERZEUGERANGEBOT NACH WEINFARBE UND PREISSEGMENTEN 88
3.5.7 GRÜNDE FÜR DEN WEINEXPORT NACH DEUTSCHLAND 88
3.5.8 PROGNOSE DER ISRAELISCHEN WEINERZEUGER FÜR IHREN ZUKÜNFTIGEN WEINABSATZ IN DEUTSCHLAND 89
3.5.9 EINSCHÄTZUNG DES WETTBEWERBS IM DEUTSCHEN MARKT 89
3.5.10 DIE SCHWÄCHEN DES EXPORTES ISRAELISCHER WEINE UND DEREN MÖGLICHE LÖSUNGEN 89
3.5.11 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE 90 3.6 Zusammenfassung 91
4 MARKETINGKONZEPT 93
4.1 Ausgangssituation, Zielgruppedefinition und Methodik 93 4.2 Kommunikationspolitik 94 4.3 Leistungspolitik 98 4.4 Distributionspolitik 99 4.5 Preis- und Konditionenpolitik 100 4.6 Fazit 101
5 DISKUSSION 102
6 ZUSAMMENFASSUNG 106
II. QUELLENVERZEICHNIS 108
IV
III. ANHANGSVERZEICHNIS 112 A 1 Länderprofil und volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen Israels 112 A 2 Erfassungsbogen Bestandsaufnahme 113 A 3 Händlerfragebogen 114 A 4 Expertenbewertungsschema innere Produktqualität 115 A 5 Erzeugerfragebogen zur Bewertung des Angebotspotentials 116 A 6 Endverbraucherbewertungsschema innere Produktqualität Rotwein 119 A 7 Endverbraucherfragebogen allgemeine Angaben zur Person 120 A 8 Endverbraucherfragebogen Trinkgewohnheiten 121 A 9 Endverbraucherbewertungsschema zur Flaschenausstattung 122
IV. TABELLENVERZEICHNIS
Tab. 1: Top 4 Konsumländer der EU; Importe-Gesamtkonsum-Relation 2004 1 Tab. 2: Produktqualität: Abgrenzung der Begrifflichkeiten 4 Tab. 3: Grade und Arten der Kaschrut 13 Tab. 4: Die Top 5 Abnehmer deutscher Weine 2005 28 Tab. 5: Der deutsche pro Kopf Verbrauch von 96/97 - 05/06 29 Tab. 6: Mengenverhältnisse Flaschen-/Fassweinimporte gesamt, im Jahr 2006 in Mio. hl (geschätzt) 39 Tab. 7: Entwicklung der Importmengen ausgewählter Mittelmeerländer
Tab. 8: Entwicklung der Durchschnittswerte (€/l) der Weinimporte
Tab. 9: Methodisches Konzept zur Erfassung der Erfolgsfaktoren israelischer Weine in Deutschland 46
Tab. 10: israelische Weine in Einkaufsstätten 48
Tab. 11: Gesamtsumme gefundener israelischer Weine im Facheinzelhandel nach Farbe und Preissegmente (EVP) 50
Tab. 12: Preisspannen (EVP) der fünf befragten koscheren Restaurants 51
Tab. 13: Stärken und Schwächen israelischer Weine 58
V
Tab. 14: Beschreibung der zehn Testweine bei der Expertenbefragung in der Verkostungsreihenfolge 65
Tab. 15: Auswertung der deskriptiven Begriffe, Reihenfolge nach Häufigkeit 66 Tab. 16: Mittelwerte der von den 20 Experten bewerteten Weine 67
Tab. 17: Qualitäts-Preis-Relation aller Testweine der Expertenbefragung 73
Tab. 18: Beschreibung der acht Testweine bei der Endverbraucherbefragung in der Verkostungsreihenfolge 77
Tab. 19: Identische Weine bei der Endverbraucher- und Expertenverkostung 77 Tab. 20: Ausstattungsmerkmale der Endverbraucher-Testweine 78
Tab. 21: Übersicht der allgemeinen Endverbraucher-Personenangaben 79
Tab. 22: Allgemeine Daten zu den Trinkgewohnheiten der befragten Endverbraucher 80
Tab. 23: Prozentuale Konsumverteilung der befragten Endverbraucher nach Weinfarbe und speziell ausländischen Rotweinen 81
Tab. 24: Mittelwerte der von den 11 Endverbrauchern bewerteten Weine mit Vergleichszahlen der Expertenauswertung 82
Tab. 25: Mittelwerteübersicht zu den Ausstattungsbewertungen 85
Tab. 26: Weinerzeugung der befragten Betriebe, nach Betriebstyp und Weinfarbe 86
Tab. 27: Gesamtexporte der befragten Betriebe, nach Betriebstyp und in Anteile von der Gesamtproduktion 87
Tab. 28: Erzeugerangebot nach Weinfarbe und Preissegmenten 88
V. ABBILDUNGSVERZEICHNIS Abb. 1: Der 7-Jahres-Zyklus koscherer Weingüter 16 Abb. 2: Gebietskarte Israel 19 Abb. 3: Israels Jahresernten von Weintrauben 1975-2007 in Tonnen 21 Abb. 4: Umsatzentwicklung des israelischen Weinexports in Mio. US-Dollar von 2001 bis 2007 22 Abb. 5: Der Wein- und Sektmarkt in Deutschland 25 Abb. 6: Entwicklung der bestockten Rebflächen nach Rebsorten 1975-2006 in Deutschland in % 27 Abb. 7: Durchschnittspreise: Preisniveaus ausgewählter Weinsegmente
Abb. 8: Preissegmente: Anteile an den Einkäufen privater Haushalte in Deutschland 2007 im Handel 31 Abb. 9: Weinkonsum der Haushalte nach Einkaufsstätten in Deutschland im Jahre 2005 32
Abb. 10: Flaschenweinimporte gesamt (Menge) 36
Abb. 11: Flaschenweinimporte gesamt (Wert) 37
Abb. 12: Flaschenweinimporte Alte Welt (Menge) 37
Abb. 13: Flaschenweinimporte Neue Welt (Menge) 38
Abb. 14: Korrelation Qualitätszahl und persönliche Geschmackspräferenz 68
Abb. 15: Korrelation persönliche Geschmackspräferenz und geschätzter Preis 69
Abb. 16: Korrelation Aroma, Fülle, Tannin und persönliche Geschmackspräferenz 70
Abb. 17: Korrelation Aroma, Fülle, Tannin und geschätzter Preis 71
Abb. 18: Verhältnis EVP und geschätzter Preis bei der Expertenbefragung 72
VI. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
DLG Deutsche landwirtschaftliche Gesellschaft EU Europäische Union F&B Food & Beverage FH Fachhandel Ha Hektar Hl Hektoliter (=100l) LEH Lebensmitteleinzelhandel OIV Organisation Internationale de la Vigne et du Vin QbA Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete SBA Statistisches Bundesamt €/hl Euro pro Hektoliter ICC International Chamber of Commerce EVP Endverbraucherpreis QPR Qualitäts-Preis-Relation
VII
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
Der deutsche Weinmarkt ist ein heterogener Markt. Im Gegensatz zu anderen EU-Weinbauländern, wie zum Beispiel Frankreich, Italien und Spanien, in denen weit über 80% einheimischer Wein konsumiert wird, trinken deutsche Verbraucher nur knapp 40% 1 deutschen Wein (vgl. Tab. 1). Folglich ist der Weinmarkt in Deutschland in sehr hohem Maße von Importen abhängig.
Tab. 1: Top 4 Konsumländer der EU; Importe-Gesamtkonsum-Relation 2004
Quelle: Eigene Berechnungen, basierend auf Daten der OIV KATALOGE (2004) World
Situation and Statistics of the vitiviniculture sector
Je nach Quelle, können die Daten etwas variieren. Aus diesem Grund sollten die Zahlen nicht als exakte Werte verstanden werden, sie dienen vielmehr der Darstellung von Größenordnungen. In erster Linie soll Tab. 1 verdeutlichen, dass der Weinimport für Deutschland eine immense Rolle spielt, im Gegensatz zu den anderen Top Weinkonsumländern Europas. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass die jährliche Weinproduktion Deutschlands den inländischen Konsum theoretisch nur knapp zur Hälfte decken könnte (vgl. Tab. 1). Das jedoch, ist nicht der Fall bei den anderen angeführten Ländern, bei denen die jährliche Weinproduktion den inländischen Konsum bis um das Dreifache übersteigt (vgl. Spanien). Letztendlich ist es also auch nachvollziehbar, dass Deutschland vom Importmarkt stärker abhängig ist als die anderen angeführten Länder.
Durch Tab. 1 wird außerdem ersichtlich, dass Deutschland das drittgrößte Weinkonsumland Europas ist. So kommen also zwei ausschlaggebende Aspekte zusammen: einerseits die hohen Konsummengen, andererseits die hohen
1 38% laut DWI (1/2007) „Anteile an den Einkaufsmengen privater Haushalte in Deutschland im Handel“
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Importmengen. Somit ist der deutsche Markt weltweit einer der interessantesten Märkte für exportierende Länder. Die Konsequenz daraus ist aber auch, dass der deutsche Markt einer der Wettbewerbsintensivsten ist, sodass der Markteintritt für ausländische Produzenten sich als durchaus schwierig erweisen kann. Für den Endverbraucher jedoch, spiegelt sich das vorteilhaft im Weinangebot wieder: Deutschland hat als EU-Weinbauland nicht nur ein internationales Angebot an Weinen, sondern auch das Vielseitigste.
Israelische Weine sind jedoch kaum vertreten, trotz all der Vielfalt. Diese Thesis soll in erster Linie eine Marktanalyse israelischer Weine in Deutschland bieten, aber auch ein Marketingkonzept in seinen Grundrissen, welches einen möglichen Weg in den deutschen Markt ebnen soll.
Mit gerade mal 4000ha Gesamtrebfläche für die Weinerzeugung ist Israel von der Produktionsmenge her stark eingeschränkt. Seit 2001 liegt die Gesamterntemenge bei rund 45 000 Tonnen ohne erkennbaren Aufwärtstrend. Die Gesamtrebfläche nimmt zwar tendenziell zu, im Jahre 2005 waren es noch 3800ha, jedoch bedeutet das einen Anstieg von nur 5% (ISRAELISCHES EXPORTINSTITUT, 2008, S. 5). Folglich wird Israel auch in Zukunft nicht den Weg eines Massenproduzenten gehen können, wie andere Weinbauländer mit einem Vielfachen dieser Fläche.
Die Exportumsätze jedoch, steigen kontinuierlich. Im Jahre 2001 lagen sie noch bei 8,01 Millionen US$, im Jahre 2007 lagen sie schon bei 21,1 Millionen US$. Die Hauptabnehmer israelischer Weine sind die Vereinigten Staaten von Amerika 2 , gefolgt von Frankreich und Großbritannien. Deutschland belegt den vierten Platz (ISRAELISCHES EXPORTINSTITUT, 2008, S. 13). Somit scheint Deutschland ebenfalls ein bedeutender Markt für den Absatz israelischer Weine zu sein. Inwiefern das wirklich zutrifft, wird sich im Verlauf dieser Thesis herausstellen. Erwähnenswert ist, dass sich sechs israelische Weingüter zusammengeschlossen und sich zum ersten Mal für einen Auftritt Israels auf der ProWein 3 2008 entschieden haben, um den Bekanntheitsgrad bei dem deutschen Fachpublikum zu erhöhen und um einen Markteintritt zu erreichen.
2 55% der Gesamtexporte gehen in die USA (ISRAELISCHES EXPORTINSTITUT, 2008, S. 14)
3 Die ProWein ist eine der größten internationalen Weinmessen und findet jährlich in Düsseldorf statt.
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Da die Gesamtproduktion an israelischem Sekt und Schaumwein extrem gering ist und nur in sehr seltenen Fällen von Weingütern produziert wird, bezieht sich diese Arbeit ausschließlich auf Stillwein, vor allem auf Rotwein, welcher den Großteil der gesamten Weinproduktion Israels ausmacht 4 .
1.2 Zielsetzung der Arbeit
Die Zielsetzung dieser Arbeit lässt sich in drei primäre Ziele aufteilen: Aufnahme der Ist-Situation:
Bestimmung der Qualität israelischer Weine
Aufbau eines Marketingkonzeptes für israelische Weine in Deutschland
1.3 Aufbau der Arbeit
Der strukturelle Aufbau dieser Arbeit entstand in Anlehnung an die Dissertation „Marktanalyse eines kleinen Anbieters in einem heterogenen Markt - das Beispiel portugiesischer Weine in Deutschland“, vorgelegt von Dipl. Kauffrau Teresa Campos de Melo Colaço do Rosário.
Im zweiten Kapitel wird auf den Gegenstand der Untersuchung eingegangen, den Rahmenbedingungen. Diese sind die israelische Weinwirtschaft, der deutsche Weinmarkt und spezifischer der deutsche Importweinmarkt.
4 Schon die drei roten Hauptrebsorten Israels, Carignan, Cabernet Sauvignon und Merlot machen 54% der gesamten Erntemenge aus. (ISRAELISCHES EXPORTINSTITUT, 2008, S. 7)
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Im dritten Kapitel werden fünf Themenbereiche behandelt, die die Erfolgsfaktoren des Absatzes israelischer Weine in Deutschland ausmachen: Bestandsaufnahme israelischer Weine in Deutschland Händlerbefragung zur Erfassung der Marktchancen israelischer Weine Expertenbefragung zur objektiven Qualität israelischer Weine durch Bewertung der inneren Produktqualität laut BLANKENHORN
Endverbraucherbefragung zur subjektiven Qualität israelischer Weine durch Bewertung der inneren und äußeren Produktqualität laut BLANKENHORN Befragung der israelischen Weinerzeuger zur Bewertung der künftigen Absatzchancen auf dem deutschen Markt.
Im vierten Kapitel wird ein Marketingkonzept erstellt durch eine Adaption der vier Marketinginstrumente auf das behandelte Thema.
1.4 Definition Produktqualität
Da die Begrifflichkeiten der Produktqualität häufig verwendet werden, vor allem in Kapitel 3, sollen nun ihre Abgrenzungen in Tab. 2 verdeutlicht werden, basierend auf Informationen von BLANKENHORN.
Tab. 2: Produktqualität: Abgrenzung der Begrifflichkeiten
Quelle: eigene Darstellung, basierend auf BLANKENHORN, 2008, S. 11, S. 24FF
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2 GEGENSTAND DER UNTERSUCHUNG
Ziel dieses Kapitels ist die Darstellung der Rahmenbedingungen. Es wird auf die israelische Weinwirtschaft, den deutschen Weinmarkt und auf die Position israelischer Weine im Letzteren eingegangen.
2.1 Die israelische Weinwirtschaft
2.1.1 DIE GESCHICHTE DES ISRAELISCHEN WEINES
Dieses Kapitel basiert größtenteils auf Informationen von GOLDFISHER UND SACKS, 2006, S. 8FF.
Der Nahe Osten und das östliche Mittelmeer gelten als die Wiege der Weinrebe. 10000 Jahre alte Traubenkerne wurden in der Türkei, Libanon und Syrien gefunden. Vor ungefähr 7000 Jahren erreichten die Reben das Land Kanaan, das heutige Israel. Man geht davon aus, dass die weltweit ersten Weinproduktionen um den See Genezareth und das schwarze und kaspische Meer stattfanden.
Die Blütezeit der israelischen Weinproduktion der Antike war während der Ära des zweiten Tempels, die von 516 v. Chr. bis 73 n. Chr. andauerte (MICROSOFT ENCARTA ENZYKLOPÄDIE, 2005, JUDENTUM). Wein war damals das Hauptexportgut und die größte wirtschaftliche Stütze. Als dann die Römer den zweiten Tempel zerstörten und die Juden fliehen mussten, kam die Weinproduktion zum Erliegen. Die spätere arabische Eroberung des Landes und die religiös begründete Alkoholprohibition hatten zu einer ganzflächigen Rodung noch bestehender Rebanlagen geführt. Zwar belebten später die Kreuzritter den Weinbau in Israel für kurze Zeit wieder, jedoch kam er später wieder zum Erliegen durch die ottomanische Herrschaft, für die der Weinbau keine Bedeutung hatte und der Alkoholkonsum eher nicht verbreitet war. Erwähnenswert ist noch, dass durch die Kreuzritter einige Rebsorten nach Europa gelangten, die bis heute in der Weinproduktion verwendet werden: Chardonnay, Muskateller und Shiraz haben ihren Ursprung im Nahen Osten. Grundsätzlich ist zu betonen, dass für das jüdische Volk, seit seinen Anfängen, der Wein von großer Bedeutung und Teil der meisten religiösen Rituale war, im Gegensatz
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zur moslemischen Religion, die den Alkoholkonsum verurteilte. Schon im Alten Testament wird auf die Produktion und den Konsum von Wein hingewiesen. Insgesamt wird das Wort „Wein“ 207mal in der Bibel genannt 5 .
Die moderne Weinhistorie Israels beginnt im Jahre 1882. Anfangs entstanden in Israel (damals noch Palästina) verstärkt neue jüdische Siedlungen durch Immigranten aus Osteuropa, die sich gezwungen sahen vor Antisemitismus und Pogromen zu fliehen. Große finanzielle Unterstützung erhielten sie von Baron Edmond de Rothschild, welcher mitgeholfen hat, diese neuen Siedlungen aufzubauen. Sein Wunsch war es, dass der Weinbau zur wirtschaftlichen Basis dieser Siedlungen wird. So wurde der frühere Anbau von Getreide und Kartoffeln, der wenig erfolgreich war, im Jahre 1884 in Traubenerzeugung umgewandelt. Die angepflanzten Rebsorten kamen aus Südfrankreich, ausgewählt durch den Baron und seine Berater. Anfangs wurden die Trauben an schon bestehende israelische Kellereien geliefert. Durch den Baron wurden dann zwei große Kellereien errichtet, die Erste im Jahre 1890 in Rishon Le ZionP 5 F 6 P , die Zweite 1892 in Zikhron Ya’akov. Der Bau dieser zwei Kellereien kostete den Baron damals 11 Millionen Francs, was dem Dreifachen des Kaufbetrages des Chateau Lafite entsprach. Außerdem subventionierte der Baron durch hohe Traubengeldauszahlungen die Traubenerzeuger, sodass diese einen angemessen Lebensstandard führen konnten, auch während der Reblausplage in den Jahren 1890 und 1891. Im Jahre 1895 wurden die Erzeugnisse der beiden Kellereien unter dem Namen Carmel Wine Company vermarktet, seit 1902 auch unter dem Namen Carmel Mizrachi bekannt. Die Haupterzeugnisse waren Branntwein und KidduschweineP 6 F 7 P , die
auch in einige Länder exportiert worden sind. Heute sind diese zwei Kellereien, die die
5 DOMINÉ, 2004, S. 742
6 „Der Erste in Zion“ (eigene Übersetzung): erste größere jüdische Siedlung und heutige Stadt in Israel.
7 Koschere, rote Süßweine für religiöse Zwecke. Auf wöchentlicher Basis dient der Kidduschwein zum feierlichen Empfang des Sabbats.
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größte Winzergenossenschaft Israels darstellen, unter dem Namen Carmel Winery bekannt.
Baron Edmond de Rothschild gilt als Gründer der modernen israelischen Weinwirtschaft. Gelenkt vom zionistischen Ideal, den Staat Israel wieder aufzubauen, hat er nicht nur den Weinbau in Israel wiederbelebt, sondern auch die Gründung, Entwicklung und Ausdehnung einiger jüdischer Siedlungen entscheidend beeinflusst. Bis heute werden seine Taten in Israel sehr geschätzt. Die Stadt Binyamina ist benannt nach dem jüdischen Namen des Barons, Benjamin. Der Name der Kellereistadt Zikhron Ya’akov bedeutet übersetzt „Das Gedenken an Jakob“ (eigene Übersetzung), welcher an den Vater des Barons erinnern soll. In dieser Stadt wurde auch der damals in Frankreich lebende Baron Edmond de Rothschild begraben im Jahre 1934. Das Grab des Barons liegt in dem eigens dafür errichteten Park Ramat Ha’nadiv, übersetzt „Die Höhen des Wohltäters“.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Weine nicht von hoher Qualität, sondern einfache, meistens süße Rotweine für religiöse Zwecke. Erst in den Achtzigern fand eine Qualitätsrevolution statt durch die Gründung der Golan Heights Winery im Jahre 1983. Durch kalifornische Berater mit dem Know-how der University of Davis wurde Israel zu einem Land mit Qualitätsweinen, die nun auch erfolgreich an internationalen Weinwettbewerben teilnahmen.
Die Rebsorten Israels sind international, auch bekannt als Cépages Nobles. Folglich hat Israel an sich keine autochthonen Rebsorten, auch wenn ursprünglich Muskateller, Chardonnay und Syrah aus dem Nahen Osten kommen. Heute ist der Muscat of Alexandria vor allem im östlichen Mittelmeer stark verbreitetet. Zwar stammt die Kreuzung Argaman 8 aus Israel und diente ursprünglich als Verschnittsorte zur Farbverbesserung von Rotweinen, jedoch wird diese Sorte heute kaum noch genutzt. Hier haben sich Cabernet Sauvignon und Merlot durchgesetzt. Die im Jahre 1950 an der University of Davis entwickelte weiße Rebsorte Emerald Riesling, einer Kreuzung zwischen Riesling und Muscadelle of California, fand nur in Israel Anklang. In den Neunzigern waren Weine aus Emerald Riesling die Absatzstärksten im israelischen Markt.
8 Argaman ist eine Kreuzung zwischen Carignan x Souzao (GOLDFISHER UND SACKS, 2006, S. 11); argaman bedeutet im Hebräischen „purpurn“ (eigene Übersetzung)
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Zur gleichen Zeit fand die Boutique Winery Revolution in Israel statt. Man unterscheidet hier zwischen drei Typen: im Ausland ausgebildete Winemaker 9 , Hobbywinzer, die ihre Weinproduktion zu ihrer Haupteinnahmequelle erweiterten und Traubenerzeuger, die sich entschieden haben auch die Weinerzeugung selbst in die Hand zu nehmen. Da die Boutique Wineries einen sehr guten Ruf genießen und erfolgreich im inländischen Markt sind, eröffneten auch die großen Kellereien Israels wie Carmel, Barkan und Binyamina ihre eigenen Boutiquegüter.
In den Neunzigern fand im Allgemeinen eine kulturelle Neuordnung statt, was den kulinarischen Aspekt anbelangt. Die Durchschnittsqualität der Gastronomie stieg deutlich an, es wurden zum ersten Mal Magazine und Bücher zum Thema Wein veröffentlicht. Es war auch die Zeit, in der der israelische Weinfachhandel entstand. Israelis, die durch Europa reisten, entdeckten den Wein für sich und wollten ihn auch in Israel verfügbar machen. So wurden die ersten israelischen Weinimporte ins Leben gerufen.
Nun kam das French Paradox und der verstärkte Rotweinkonsum der Alten Welt 10 mit ins Spiel und veränderte die israelische Weinwirtschaft. Vor 1990 wurden noch 70% Weißwein und 25% Rotwein konsumiert, in 2007 sind es 75% Rotwein und 20% Weißwein. (ISRAELISCHES EXPORTINSTITUT, 2008, S. 11).
Durch die rasante Entwicklung der israelischen Weinwirtschaft stand man nun vor neuen Herausforderungen, aufgrund überhöhter Neuanpflanzungen zwischen 1998 und 2002 und einer Überproduktion (ROGOV, 2005, S.8 f.). Infolgedessen haben einige Betriebe ihren Fokus stärker auf den Exportmarkt gerichtet.
2.1.2 BEDEUTUNG DES WEINSEKTORS FÜR DIE ISRAELISCHE LANDWIRTSCHAFT
Laut der Daten des israelischen Außenministeriums lag im Jahr 2000 der Gesamtwert landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Israel bei 3,3 Milliarden US$, davon wurden 20%
9 ein sehr großer Teil der israelischen Kellermeister waren auf der Davis Universität, haben Winzerausbildungen oder ein Weinbaustudium absolviert, vor allem in Frankreich, Italien und Spanien
(VAADIA, 2007)
10 Sammelbegriff für die europäischen Weinbaunationen Frankreich, Italien und Spanien.
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exportiert, was einem Wert von 660 Millionen US$ entspricht. Außerdem wächst der israelische Landwirtschaftssektor stetig. Im Jahr 2000 hatte er einen Anteil von 2,4% am Bruttoinlandsprodukt. Im gleichen Jahr betrug die landwirtschaftlich genutzte Gesamtfläche 420000ha. Die drei landwirtschaftlich erzeugten Hauptgüter sind Früchte (vor allem Zitrusfrüchte), Geflügel und Gemüse. Diese drei Güter machen gemeinsam etwa 60% der gesamten landwirtschaftlichen Erzeugnisse Israels aus. 11 Im Vergleich dazu ist der Weinsektor Israels relativ klein. Die rund 4000ha Gesamtrebfläche für die Weintraubenerzeugung machen knapp 1% der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche aus. Der Gesamtumsatz des israelischen Weinsektors von schätzungsweise 150 Millionen US$ im Jahr 2000 hat einen Anteil von 4,5% am Gesamtwert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in 2000. Man kann davon ausgehen, dass der prozentuale Anteil des Weinsektors am gesamten Landwirtschaftssektor heute noch kleiner ausfällt.
2.1.3 PRODUKTIONS- UND ABSATZFÖRDERUNGSINSTITUTIONEN
In Israel gibt es drei Institutionen, die im Weinbereich tätig sind (GOLDFISHER UND SACKS, 2006, S. 20 f.):
The Israel Wine and Grapes Board wurde 1962 gegründet und gehört zum israelischen Landwirtschaftsministerium. Dieser Ausschuss verwaltet
weinbauliche Aktivitäten im Land, wie zum Beispiel Genehmigungen für Neupflanzungen, Einführung neuer Rebsorten und Klone, Forschung und computergesteuertes Kartieren israelischer Weinbauregionen. Außerdem vertritt der Ausschuss die Traubenerzeuger in Handelsbeziehungen mit den Weingütern und bietet ihnen Beratung rund um den Weinbau an. Auch die empfohlenen Traubenpreise werden hier festgelegt. Konferenzen und Kurse werden ebenfalls organisiert. Im Vorstand sitzen zu 50% Traubenerzeuger, 25% Vertreter der Weingüter und 25% berufene Amtspersonen aus Industrie, Handel, Finanzwesen und Landwirtschaft. Darüber hinaus dient der Ausschuss als neutraler Versammlungsort für Traubenerzeuger und Weingüter.
11 Quelle: offizielle Internetseite des israelischen Außenministeriums www.mfa.gov.il, „Focus on Israel: Israel’s agriculture in the 21st century“; 16.05.2008 um 13:44 Uhr
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The Israel Wine Institute wurde 1957 gegründet mit dem Ziel die Qualität israelischer Weine zu verbessern und den Export zu fördern. Im Vorstand sitzen Weinproduzenten und Amtspersonen aus Industrie, Handel, Landwirtschaft und Finanzwesen. Die primären Tätigkeitsbereiche sind Forschung und die Qualitätskontrolle von Weinen, die für den Export gedacht sind. Das bedeutet, dass israelische Weine nur dann exportiert werden dürfen, wenn sie die Richtlinien des Institutes erfüllen.
The Israel Export Institute ist eine gemeinnützige Organisation zur Förderung israelischer Exporte. Die F&B Abteilung ist auch für den Weinbereich zuständig und vertritt die schon genannten Institutionen in Sachen Promotion und Öffentlichkeitsarbeit. Das Institut organisiert Messestände auf internationalen Weinmessen und Verkostungen weltweit in verschiedenen Großstädten. Laut ROGOV mangelt es jedoch an Koordination zwischen den Institutionen, was auch den Mangel an zuverlässigen und genauen Daten über die israelische Weinwirtschaft zur Folge hat (ROGOV, 2005, S. 7).
Aus Gesprächen mit israelischen Weinerzeugern während der ProWein 2008 und laut BADLER, haben diese Institutionen schwachen Einfluss auf die Branche. Vor allem was den Export anbelangt ist die Wirksamkeit sehr gering. Das liegt hauptsächlich an den unterschiedlichen kurzfristigen Interessen und Ziele der Weinproduzenten, was auch den Export betrifft. Ein wirksames Gemeinschaftsmarketing mit Hilfe dieser Institutionen ist bis jetzt nicht möglich, da nicht genug israelische Weingüter an einem Strang ziehen wollen und eigene kurzfristige Interessen verfolgen anstatt weitsichtiger zu handeln und zum Beispiel eine gemeinsame Exportstrategie auszuarbeiten (BADLER, 2006, S. 40 F.).
Trotzdem ist ein Trend in Richtung Gemeinschaftsmarketing zu erkennen, was nicht nur durch den ersten israelischen Gemeinschaftsstand auf der ProWein 2008 bewiesen wurde, der durch die Initiative von sechs Weingütern und mit Hilfe des israelischen Exportinstitutes zustande kam. Eine Initiative Namens „Handcrafted Wines of Israel“ bildet ein Konsortium aus zehn israelischen Premium-Weingütern, welches im
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Februar 2004 ins Leben gerufen und auf der Vinitaly 12 auf internationaler Ebene vorgestellt wurde. Ziel dieser Initiative ist es, Israels Image als ein Premiumwein produzierendes Land zu fördern. Die Umsetzung dieses Projektes lief jedoch durch die Carmel Winery, Israels größter Kellerei, und nicht durch die beschriebenen Institutionen (PREKER, 2007).
2.1.4 WEINRECHT IN ISRAEL
Laut Aussagen des Israel Wine Institute, basiert das israelische Weinrecht auf europäischer Gesetzgebung. Was jedoch Israel von anderen Weinbauländern unterscheidet, sind zusätzlich die Gesetze der Kaschrut (Kapitel 2.1.5). Im Gegensatz zum Weinrecht müssen diese aber nicht von jedem Betrieb angewendet werden, die Entscheidung hierfür ist grundsätzlich freiwillig.
Allgemein ist das israelische Weinrecht weniger einschränkend als beispielsweise das deutsche Weinrecht. Im Gegensatz zur Alten Welt gibt es in Israel keine Qualitätsstufen. Oft stammen die Trauben für einen Wein aus verschiedenen Anbaugebieten und nicht wie bei einem deutschen QbA aus einem einzigen bestimmten Anbaugebiet. Wenn also ein israelischer Wein in den deutschen Markt kommt, kann er weinrechtlich nicht als Qualitätswein bezeichnet werden.
2.1.5 KASCHRUT UND KOSCHERER WEIN
Ein unabdingbarer Aspekt für gläubige Juden ist der koschere Status ihrer Lebensmittel. Da Israel das Land mit der weltweit höchsten Dichte an jüdischer Bevölkerung ist (AUSWÄRTIGES AMT, 2007), spielt die Kaschrut eine der bedeutendsten Rollen für die Lebensmittelbranche des Landes. Somit hat die Sicherstellung der Kaschrut auch direkt Einfluss auf die inländische Weinwirtschaft. Die Kaschrut kann wie folgt verstanden werden: für den jüdischen Konsumenten ist es ein Speisegesetz, für den jüdischen Produzenten eine Art Lebensmittelgesetz. Das hebräische Wort kaschér bedeutet übersetzt rein oder sauber. Laut der Halacha 13
12 Eine internationale Weinmesse, die in Italien stattfindet.
13 Halacha: Teil über Gesetze im Talmud; nach dem Alten Testament die wichtigste Schrift der Juden.
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bedeutet koscher in Bezug auf Lebensmittel „passend“, also geeignet zum Verzehr durch Juden. Die Ursprünge der Kaschrut liegen im Alten Testament. Im alltäglichen Leben bedeutet das, dass es gläubigen Juden untersagt ist Krustentiere, Meerestiere ohne Schuppen und Schweinefleisch zu essen, da diese Lebensmittel als unrein gelten. Ebenfalls ist es untersagt, Milch und Fleisch zur gleichen Zeit zu verzehren. An Pessach, einem hohen jüdischen Feiertag, darf kein Chametz 14 genutzt oder verzehrt werden. Im Wein dürfen keine tierischen Produkte enthalten sein oder in der Produktion verwendet werden, das heißt Hausenblase und Speisegelatine sind als Weinbehandlungsmittel streng verboten. Koschere Ernährung wird durch philosophische, rituelle, oder hygienische Aspekte begründet. Der koschere Status von Lebensmittel muss durch einen streng gläubigen Kaschrutaufseher (hebräisch: maschgiach kaschrut) bestätigt werden. Die Zertifizierung (hebräisch: hechscher) von koscheren Lebensmitteln findet durch einen Rabbiner in der Region statt.
In Israel greift das bürgerliche und religiöse Recht ineinander. Grundsätzlich gilt, dass koschere Lebensmittelgeschäfte auch nur koschere Waren führen dürfen. Die großen israelischen LEH-Ketten sind verpflichtet nur koschere Lebensmittel anzubieten. Infolgedessen sind die großen Weingüter und Kellereien Israels ihrerseits verpflichtet, koschere Weine herzustellen, um diese im LEH und in anderen koscheren Läden überhaupt erst vertreiben zu können. In den koscheren Lebensmittelgeschäften findet ebenfalls eine Kontrolle statt durch Kaschrutaufseher. Diese Aufsicht ist bei größeren Geschäften eine fest angestellte Arbeitskraft (EHRENREICH, 2007; CASPARY, 2007). Kaschrutaufseher findet man auch in Restaurants, Hotels und Schlachthäusern. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen drei verschiedenen Arten der Kaschrut. Bei Wein unterscheidet man außerdem zwischen jajin kaschér, stam jejinam und jajin nessech. Wein gilt als kaschér parwe (vgl. Tab. 3).
14 Chametz: Lebensmittel, die ein Gemisch aus Getreide, Hefe und Wasser enthalten (z.B. Brot); Begründung: weil es an Pessach um die biblische Flucht der Juden aus Ägypten handelt und davon
ausgegangen wird, dass das jüdische Volk während der Wüstenwanderung kein Brot herstellen konnte.
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Tab. 3: Grade und Arten der Kaschrut
Quelle: eigene Zusammenstellung
Jajin kaschér, koscherer Wein, wird von streng gläubigen Juden produziert, die die jüdischen Gesetze strikt befolgen. Man unterscheidet zwischen zwei Arten koscheren Weins: Die erste Variante heißt mewuschal (deutsch: “gekocht”), welche einer Hoch-Kurzzeit-Erhitzung unterzogen wurde. Dieser Wein kann von Nichtjuden eingeschenkt werden, ohne dass der Wein seinen koscheren Status verliert, sodass gläubige Juden trotzdem davon trinken können. Die zweite Variante ist lo mewuschal, also “nicht gekocht”. Dieser Wein muss von gläubigen Juden eingeschenkt werden, damit er seinen koscheren Status nicht verliert. Solange die Flasche doppelt versiegelt ist (hebräisch: chotam betoch chotam), das heißt originalverpackt durch einen Korken und einer Kapsel verschlossen, darf die Flasche von jeder Person transportiert werden ohne ihren koscheren Status zu verlieren.
Stam jejinam, Wein von ungewissem Ursprung, wird von Nichtjuden produziert. In diesem Fall ist die Bezeichnung nicht im weinbaulichen Sinne zu verstehen, es handelt sich also nicht um die Frage der Anbaugebiete, sondern um die Ungewissheit, ob der Wein für den Götzendienst hergestellt worden ist oder nicht. Stam Jejinam sollte nicht von streng gläubigen Juden getrunken werden, jedoch ist der Konsum noch gestattet, was bei Jajin nessech nicht mehr der Fall ist.
Jajin nessech, im Deutschen “Götzenwein”, ist ein nicht koscherer Wein, der von Nichtjuden produziert wurde für ihre Rituale. Dieser Wein darf nicht von streng gläubigen Juden konsumiert werden.
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Der Ursprung dieser Unterscheidungen kann am Beispiel der römischen Besatzung in der Antike (vgl. Zerstörung des zweiten Tempels, Kapitel 2.1.1) festgemacht werden: um sich vor Angriffen durch die Römer zu schützen, musste darauf geachtet werden, welcher Wein getrunken worden ist, da er durch die Römer mit Giften hätte versetzt sein können. Natürlich existiert diese Ausgangssituation heute nicht mehr. Dennoch hat sich die Unterscheidung zwischen koscherem und nicht koscherem Wein als eine Art religiös-historisches Relikt bis heute durchgesetzt, vor allem weil Wein eine sehr wichtige Rolle bei jüdischen Ritualen spielt (in Anlehnung an GABAI, 2007). Heutzutage taucht diese Problematik vor allem in der Gastronomie und bei Verkostungen auf, wenn die ausschenkende Person nichtjüdisch und der Gast streng gläubiger Jude ist. In dem Fall muss die Weinflasche vom Gast geöffnet und der Wein von ihm persönlich eingeschenkt werden. Jedoch sei deutlich erwähnt, dass solche Maßnahmen nur nötig sind, wenn es sich um streng gläubige, also orthodoxe Juden handelt.
Bei der Herstellung von koscherem Wein gibt es an sich keine Unterschiede zur konventionellen Herstellung von Wein. Wie auch in anderen Weingütern der Welt, spielt die Sauberkeit eine wichtige Rolle (kaschér = „rein“). Einige Regeln der Kaschrut ähneln sogar dem deutschen Weinrecht (vgl. Orla, Kalai hakerem). Die meisten Regeln beziehen sich auf die Traubenerzeugung und nur wenige auf die Weinerzeugung. Es müssen sieben Regeln beachtet werden, damit der Wein als koscher zertifiziert werden kann:
Orla, „Unkoscheres“: die Lese darf erst dann stattfinden, wenn die Reben
mindestens vier Jahre alt sind.
Kalai Hakerem, „unreine Rebfläche“: es ist untersagt, andere Früchte oder Gemüse in den Rebflächen anzubauen. Verschiedene Arten der Begrünung sind jedoch erlaubt.
Schnat Schmita, das Brachejahr: am Schabbatjahr (jedes siebte Jahr) sind Arbeiten an der Rebe, wie Rebschnitt und Laubarbeiten, auf ein Minimum zu reduzieren. In manchen koscheren Weingütern findet gar keine Lese statt. An diesem aus religiöser Sicht wichtigen Jahr sind die Traubenerzeuger
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verpflichtet, die Reben regenerieren zu lassen. Weine aus Jahrgängen, die gleichzeitig ein Schabbatjahr waren, haben einen sehr hohen religiösen Stellenwert. Reste eines solchen Weines dürfen erst dann weg geschüttet werden, wenn sie zu Essig geworden sind. Der koschere Status der technischen Ausrüstung und der Behältnisse, die bei der Lese, der Weinbereitung und der Abfüllung gebraucht werden, muss sichergestellt sein. Dazu wird einfach eine gründliche Reinigung durchgeführt. Von der Traubenannahme an, dürfen nur Schomrej Schabbat, streng gläubige Juden, mit den Gerätschaften im Keller in Kontakt kommen. Die meisten israelischen Kellermeister sind keine streng gläubigen Juden und dürfen mit den Gerätschaften nicht in Kontakt kommen. Aus diesem Grund wird der Kellermeister von streng gläubigen Mitarbeitern und dem Kaschrutaufseher assistiert.
Alle Weinbehandlungsmittel müssen als koscher zertifiziert sein. Wie bereits erwähnt, dürfen bei der Weinbereitung keine tierischen Mittel verwendet werden. Eine Ausnahme bilden dabei Eiweiße, die aus Eiern stammen, da diese als parwe gelten. Eiweiße, die von Milch stammen, sind nicht erlaubt. Da der Keller selbst das ganze Jahr lang den Status „koscher für Pessach“ haben muss, dürfen keine Produkte die Chametz enthalten in den Kellerbereich mitgeführt werden. Aus diesem Grund ist die Mitnahme von Lebensmitteln in den Kellerbereich, abgesehen von Wasser, in den meisten koscheren Weingütern nicht gestattet.
Truma wema’aser: in der Antike spendeten Weingüter 10% ihrer Produktion (ma’aser = ein Zehntel, eine Art Steuer) an die hohen Priester des Tempels, die wiederum ein Zehntel davon an Arme spendeten (Ma’aser Min Ha’ma’aser). Bis heute wird dieses eine Prozent der Gesamtproduktion von koscheren Weingütern weg geschüttet, als symbolische Spende. Es wird für kostenfreie Verkostungen oder als Traubensaft für die minderjährigen Besucher des Weinguts verwendet. (ROGOV, 2005, S. 23; GABAI, 2007)
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Arbeit zitieren:
Tom Helman, 2008, Marktanalyse israelischer Weine in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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