11.4 Themophorien 28
11.4.1 Thesmophorien in Bitalemi 28
12 Haloa 28
13 Liberalia 29
Literaturverzeichnis 30
2
1 Die Panathenäen
Es ist nicht ganz klar, ob mit panathena ein Fest für alle Bürger gemeint ist oder ein Fest zu Ehren der Athena. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen den kleinen Panathenäen, die jährlich stattfanden, und den großen Panathenäen, die alle vier Jahre stattfanden. Die Penteteris fanden am 28. Hekatombaion, dem Geburtstag der Göttin Athene, statt. Diesen Festtag gab es schon im 7. Jahrhundert. 1
Durch den Peisistratiden Hippokleides kamen um 566 die athletischen Agone hinzu, die über die Jahre hinweg auch immer größer wurden. 2
Unter seinem Nachfolger Peisistratos wurde das athletische Programm der Panathenäen erweitert.
Das Fest bestand aus einer Nachtfeier (παννυχίς) vor den eigentlichem αγών, dem αγών und der Prozession mit den Opfern. 3
Über das Programm der Panathenäen wissen wir dank einer Inschrift 4 aus der Mitte des 4. Jh. sehr gut Bescheid, obwohl sie nur mehr in Fragmenten erhalten ist.
2 Sportliche und musische Wettbewerbe
2.1 Pannychis
Die Pannychis fand in der Nacht vor dem 28. Hekatombaion statt 5 und bestand aus einem Fackelwettlauf und einer musikalischen Feier. Die gesamte Pannychis fand unter Aufsicht des Archon basileus statt. 6
2.1.1 Fackellauf
Beim Fackellauf, der ein Staffellauf war 7 , galt es, die Fackel am Altar des Eros in der Akademie außerhalb des Dipylon zu entzünden und möglichst schnell zur Akropolis zu laufen. Die Laufstrecke betrug zirka 3 Kilometer. Mit der Fackel, die als erste brennend auf
1 Parke 1977, 40
2 Parke 1977, 41
3 Davison 1958, 23
4 Ditt. Syll.³ 1055
5 IG II² 334, 30 und Eurip. Her. 777
6 Arist. Ath. Pol. 57, 1
7 RE XVIII³ s.v. Panathenaia, 484
3
der Akropolis ankam, wurde das Altarfeuer für die nachfolgende Opferhandlung entzündet. 8 Der Sieger bekam eine Hydria. 9 Schon im Programm des Jahres 566. 10
2.1.2 Musikalische Feier
Die musikalische Feier ist laut Plutarch 11 unter Perikles eingeführt worden und hatte mehrere Unterteilungen:
Gesang zur Kithara: war der am meisten angesehenen Wettkampf, da der Preis 1500 Drachmen waren.
Gesang zum Spiel auf der Doppelflöte: der Sänger war meistens ein junger Bub wegen seiner Sopranstimme.
Spiel auf der Doppelflöte: Durch epigraphische Hinweise wissen wir, dass es zwei Auloden Bewerbe gab: den für Männer und den für Knaben. Ab der Perikleischen Zeit dann nur mehr Darstellungen von Knaben mit dem Aulos. Spiel auf der Solo Flöte: war am wenigsten angesehen
Lieder von Jugendchören, wobei Jünglinge die Paian sangen und Jungfrauen die Ololygai anstimmten.
Die musischen Wettkämpfe begannen im 6. Jahrhundert und waren bis zum Hellenismus im Programm. Flöten und Kitharawettbewerbe.
Für die archaische Periode gibt es keine literarischen Quellen, die auf die musischen Agone bezogen sind. Aber es gibt einige attische Vasen aus dieser Zeit, die es uns beweisen. Der αγών, der am 28. Hekatombaion stattfand, bestand aus fünf Hauptbereichen, dem Opfer und der Pompe. Die Hauptbereiche waren: der sportlichen Agon, der hippischen Agon, den rhapsodischen Vorträgen, den kleineren Agonen und der Schiffsregatta. Bei den sportlichen Disziplinen gab es drei Altersklassen, für die das Programm unterschiedlich war.
8 Parke 1977, 65
9 Syll. ³ 1055, 77
10 Neils 1992, 96
11 Plut. Perikl. 13
4
2.2 Sportlicher Agon
Bei den Jungen gab es folgende Bewerbe: Dauerlauf (dolichos), Stadionlauf (stadion, erst ab 330 v. Chr), Doppellauf (diaulos), Fünfkampf (das Ringen war der Bewerb, der erst am spätesten dazukam), Ringkampf, Faustkampf, Allkampf.
Bei den Junioren waren die Bewerbe: Stadionlauf, Fünfkampf, Ringkampf, Faustkampf und Allkampf.
Bei den Senioren gab es Dauerlauf, Stadionlauf, Doppellauf, Pferdewettkampf, Fünfkampf, Ringkampf, Faustkampf, Allkampf und Waffenlauf. (erst ab 520 - 480 das erste Mal auf den Preisamphoren)
Das Programm erfuhr im Laufe der Zeit Veränderungen, da in einer Inschrift 12 sowohl das Festprogramm des 4. als auch des 3. Jahrhunderts erhalten ist und wir das daraus wissen. Der Lauf war sicherlich einer der frühesten Agone bei den Panathenäen. 13 Der Ort dieser sportlichen Agone war eine Senkung jenseits des Ilissos, wo sie ein panathenäisches Stadion mit Zuschauerraum befunden haben soll. 14
2.3 Hippischer Agon
Dieser Agon war sehr reichhaltig und das Programm änderte sich oft, was vermutlich damit zusammenhing, welche Besucher anwesend waren. Eine Inschrift 15 überliefert uns 24 verschiedene Wettbewerbe.
Bei dem Pferdewettkampf - oder Apobathenkampf - handelt es sich um eine speziell attische bzw. boiotische Sportart. Den Ursprung finden wir in heroischer Zeit, denn König Erechtheus gilt als Begründer des Apobathenkampfes. Dabei sprang ein Mann von einem fahrenden Viergespann, rannte ein Stück und sprang schließlich wieder auf seinen Wagen auf 16 . Das war sowohl für den Lenker als auch für den Apobath ein schwieriges Unterfangen, weswegen beide einen Preis bekamen. 17
Eine weitere Disziplin der hippischen Agone war das Schildstechen. Dabei musste ein Reiter im Galopp seine Lanze auf einen Schild werfen und diesen durchbohren. Dieses Disziplin tritt in den Vasendarstellungen erst ab dem Ende des 5. Jahrhunderts auf. Von einer weiteren Disziplin kennen wir den Namen, wissen aber nicht genau, was man darunter zu verstehen hat.
12 IG II² 2311
13 Neils 1992, 82
14 Syll.³ 228
15 IG II 2316
16 Neils 1992, 90
17 RE XVIII³ s. v. Panathenaia 478
5
Weitere Disziplinen waren das Wagenrennen und das Pferderennen. Das Pferderennen entstand wahrscheinlich durch das militärische Training. Die Jockeys (siehe bei den Darstellungen unten) sind meistens junge Männer. Die früheste Darstellung eines Pferderennens ist aus dem letzten Viertel des 6. Jahrhunderts. Beim Wagenrennen unterscheidet man zwischen den Viergespann, den Dreigespann und den Zweigespann Rennen.
2.4 Rhapsodische Wettbewerbe
Auf diese folgten die rhapsodischen Vorträge und ein weiterer musischer Agon. Diese Vorträge wurden entweder durch Peisistratos oder durch Solon eingeführt. 18 Es ging darum, dass einer mit dem rezitieren von Homer begann und ein zweiter musste dort fortsetzen, wo der erste aufgehört hatte. 19
Der Ort der Rhapsoden war das Odeion und nach dem Ausbau des Dionysostheaters eben dieses Theater.
Die Art und die Höhe der Preise sind uns unbekannt.
2.5 Pyrrhiche
Der Waffentanz (Pyrrhiche) geht auf Athena zurück, die ihn zum ersten Mal getanzt hat, als die Titanen besiegt waren. 20 Es handelt sich um einen Stammeswettbewerb, der vom Flötenspiel begleitet wurde. 21 Um 400 bestand dieser Waffentanz ganz sicher schon. Der Sieger und die siegende Phlye bekamen einen Preis.
2.6 Kleinere Agone
Auf die Rhapsoden folgten die kleinere Agone, die sich wieder in zwei Arten unterteilen lassen: in die Euandria und in den Waffentanz.
18 RE XVIII³ s.v. Panathenaia 480
19 IG II 996
20 Dion. Hal. 7, 72
21 Poll. IV, 73
6
2.7 Euandria
Bei der Euandria handelt es sich um einen Wettkampf der männlichen Volltrefflichkeit. Dabei waren Größe und Kraft wichtig. Jede Phyle stellte eine Schar ausgewählter Männer, die von einem Mannschaftsleiter (Leiturgias) geführt wurde. Die siegende Phyle erhielt ein Rind, in späterer Zeit einen Schild. 22
3 Pompe
Die Prozession der Panathenäen begann sich am Kerameikos zu sammeln 23 und ging durch den Dipylon die Panathenäenstraße entlang zwischen den Kaufhallen durch bis zum Staatsmarkt. Für den weiteren Weg sind noch zwei Stationen bezeugt: das Eleusinion 24 und der Areopag. 25
Die Lage des Eleusinions war immer umstritten. Grabungen haben Inschriften zu Tage befördert, die Demeter erwähnen. Deswegen liegt das Eleusionion östlich und westlich der großen Straße.
Vom Areopag begann der Aufstieg zur Akropolis.
Der Höhepunkt auf der Akropolis war die Übergabe des Peplos, eines wollenen, gelben Gewandes 26 , das von Jungfrauen gewebt worden ist, zu Ehren der Athena Polias. Die Szenen, die in den Peplos hineingewebt waren, waren Szenen der Gigantomachie. 27 Der Peplos wurde nur bei den großen Panathenäen dargebracht 28 . In der späteren Forschung stellt man sich vor, dass der Peplos auf einem Schiffskarren gefahren worden ist, das geht zumindest aus einer Urkunde des Königs Lysimachos 299/298 v. Chr. hervor 29 . Der Komödiendichter Strattis vergleicht den Peplos mit einem Segel 30 .
Dieses Schiff finden wir auch auf dem Kalenderfries in der kleinen Metropolis dargestellt. Im 5.Jahrhundert hat der Peplos gar nicht an der Pompe teilgenommen, sondern ist auf der Akropolis geblieben 31 .
22 Arist. Ath. Pol. 60, 3
23 Thuk. VI 57
24 Schol. Aristoph. Equ. 566
25 Paus. I 29, 1
26 IG II² 1034
27 Eurip. Hec. 466f.
28 Eurip. Hec. 467
29 IG II² 657
30 RE XVIII³ s.v. Panathenaia 461
31 RE XVIII³ s.v. Panathenaia 462
7
An dem Festzug nahmen die neun Archonten, die Prytanen, die Hieropoioi, die Athlotheten, die Schatzmeister der Göttin sowie Kaphephoren (Metöken), Skaphephoren (Metöken), Hydriaphoren (Metöken) und die Ergastinnen teil 32 .
Die Athlotheten waren für das Weben des Peplos, für die Organisation des Festzuges, für die Organisation des Opfers zuständig.
Die Hieropoioi mussten die Opfertiere ankaufen. Die Kanephoroi trugen vermutlich für die Priester Schirme.
Die Skaphephoren trugen Schalen aus Erz oder Silber, in denen Opferbeigaben waren. Die hydriaphoroi trugen in den Hydrien Wein oder Wasser für das Opfer. Die Ergastinnen waren für das Weben und das Tragen des Peplos verantwortlich 33 .
Der Peplos ist bekannt als eine Bekleidung griechischer Frauen in der Antike. Der Peplos wurde auch in verschiedenen anderen Ländern seit der Eisenzeit getragen. Er besteht im Unterschied zu dem leichten Chiton aus einem langen schweren Stoff. Das viereckige Tuch wird zunächst waagerecht so gefaltet, dass oben ein Teil als Überfall (Apoptygma) umgeschlagen wird; dann wird es, mit dem Apoptygma nach außen, um den Körper gelegt. Hierbei entstehen die Varianten des seitlich offenen (ionischen oder lakonischen) und des seitlich zugenähten (dorischen) Peplos. Meist verleiht ein Gürtel dem Peplos zusätzlichen Halt; er kann sowohl über dem Apoptygma als auch unter diesem liegen. Zuweilen wird das Gewand über dem Gürtel hervorgezogen und bildet einen Bausch (Kolpos). An den Schultern wird er mit jeweils einer Fibel befestigt. Häufig finden wir den Peplos außer der schwarz- und rotfigurigen Vasenmalerei bei statuarischer Plastik seit der Archaik vor wie bei dem Typ der Kore ebenso wie bei Architekturplastik wie auf Metopen. Beim Himation handelt sich um ein rechteckiges Manteltuch, das in unterschiedlicher Weise drapiert werden konnte. Das Himation wurde von Männern und Frauen gleichermaßen getragen. Man trug es meist über dem Chiton, einem Untergewand aus dünnerem Stoff. Das Himation konnte auf sehr verschiedene Art und Weise getragen werden. In der Regel umhüllte es den ganzen Körper, während ein Arm unbedeckt blieb. Frauen zogen es dabei meist über ihren Kopf und trugen es als Kopftuch, ein Ende konnte auch als als Schleier verwendet werden.
32 RE XVIII³ s.v. Panathenaia 467
33 RE XVIII³ s.v. Panathenaia 463
8
Arbeit zitieren:
Dr. Sigrid Vollmann, 2011, Kulte und Feste in der Antike: Aufbau, Organisation und archäologische Reste der austragenden Städte, München, GRIN Verlag GmbH
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