Inhaltsverzeichnis
I. Vorbemerkungen S.3
II. Zur Person Ludwig Feuerbachs S.4
1. Seine Eltern S.4
2. Sein schulischer und studentischer Werdegang S.5
3. Seine Dozententätigkeit und Universitätskritik S.6
4. Feuerbach und die Politik S.7
5. Sein Leben in Bruckberg S.8
6. Sein Leben und sein Tod in Rechenberg S.10
III. Die Werke Ludwig Feuerbachs S.11
1. Die Gliederung der Werke S.11
1.1 Die philosophischen Werke S.11
1.2 Die religionsphilosophischen Werke S.13
2. Feuerbachs Religionstheorie und die Kritik daran S.14
IV. Der Einfluß auf Gottfried Keller und dessen Roman Der grüne Heinrich S.18
V. Schlußbemerkungen S.23
Literaturverzeichnis 24
3
I. Vorbemerkungen
Diese Arbeit befaßt sich mit Ludwig Feuerbach (1804-1872), einem "der bedeutendsten Religionsphilosophen und Ethiker des 19.Jahrhunderts". 1
Hier soll sein Leben und sein Werk vorgestellt werden, jedoch nicht mit Hinblick auf die Rezeption und Kritik durch andere Philosophen und seine Wirkungsgeschichte im allgemeinen, sondern mit Blick auf den speziellen Einfluß auf den Roman Der grüne Heinrich von Gottfried Keller (1819-1820).
Gottfried Keller lernte Feuerbach während eines Deutschlandaufenthaltes in Heidelberg (1848-50) 2 kennen, hörte seine Vorlesungen, traf sich zu Unterredungen mit ihm und war - wie es seinen Briefen zu entnehmen ist 3 sichtlich beeindruckt von Feuerbachs Lehre, die ihn zu einem Umdenken hinsichtlich der Gottesfrage - besonders inbezug auf die persönliche Unsterblichkeit - veranlaßte.
Nachdem ich im nun folgenden Leben und Werk Feuerbachs vorgestellt habe, soll in einem weiteren Teil der Einfluß auf Keller anhand von examplarischen Textstellen aufgezeigt werden.
1 Austeda (1989) S.109
2 vgl. Heigenmoser/Richter (1991) S.978
3 vgl. Kohut (1909) S.230
4
II. Zur Person Ludwig Feuerbachs
1. Seine Eltern
Ludwig Andreas Feuerbach, der sich als Autor stets nur Ludwig Feuerbach nannte, wurde am 28. Juli 1804 in Landshut als vierter von fünf Söhnen - und acht Kindern insgesamt - der Eheleute Paul Johann Anselm Feuerbach und Wilhelmine Feuerbach, geb. Tröster, geboren. 1
Über das Leben der Mutter läßt sich sagen, daß sie die ihr in der damaligen Gesellschaft zugedachte Rolle der treuliebenden Ehefrau, Mutter und Hausfrau erfüllte.
Außer daß Ludwig Feuerbach eine innige Beziehung zu ihr hatte, 2 ist mir darüber hinaus leider nichts über sie bekannt.
Hingegen lassen sich über das Leben und Wirken seines Vaters weitaus mehr Informationen finden:
Paul Johann Anselm Feuerbach (1775-1833) war seit frühester Kindheit von dem Gedanken beseelt, berühmt zu werden und seinen Namen über den Tod hinaus bekannt zu machen.
Er begann ein Jurastudium, das er dann wegen des mehr geliebten Philosophiestudiums - in dem er auch promovierte - zunächst aufgab. Als er dann Wilhelmine Tröster heiratete, erschien ihm die Philosophie als brotlose Kunst, 3 und er vollendete das begonnene Jurastudium und wurde Rechtstheoretiker. Aufgrund seiner Tätigkeiten als Kriminalist, Schriftsteller und
Universitätsprofessor wurde er im Jahre 1808 in den Ritterstand erhoben. Paul Johann Anselm Feuerbach hatte zeitlebens großen Einfluß auf seinen Sohn Ludwig, der seine Entscheidungen auch meist von den Ratschlägen seines Vaters abhängig machte.
Nach dem Tod des Ritter von Feuerbach veröffentlichte Ludwig Feuerbach viele seiner Schriften postum und erfüllte somit anteilsweise den Wunsch des Vaters, über den Tod hinaus berühmt zu sein. 4
1 vgl. Schneider (1972) S.238
2 vgl. Kohut (1909) S.27f
3 vgl. Anselm Feuerbachs Bedenken gegen Ludwigs Entschluß, Philosophie zu studieren; Kap.II.2.
4 vgl. Kohut (1909) S.1ff
5
2. Sein schulischer und studentischer Werdegang
Feuerbachs Vater bestimmte ihn zur Theologie, so daß er bereits mit dreizehn Jahren im Gymnasium von Ansbach darauf vorbereitet wurde. Die bloße Lektüre der Bibel genügte Feuerbach allerdings nicht, und er nahm deshalb Hebräisch-Unterricht, um auch Zugang zu anderen Quellen über den christlichen Glauben zu erhalten.
1820 schloß er das Gymnasium ab, widmete sich jedoch noch drei Jahre einem Selbststudium über Kirchengeschichte, bevor er in Heidelberg - sehr zur Zufriedenheit des Vaters - das Theologiestudium aufnahm. 1 In der Retrospektive schildert Feuerbach seine Entscheidung für die Theologie so:
Diese religiöse Richtung entstand aber in mir nicht durch den Religionsresp. Konfirmationsunterricht, der mich vielmehr, was ich noch recht gut weiß, ganz gleichgültig gelassen hatte, oder durch sonstige religiöse inflüsse, sondern rein aus mir selbst, aus einem Bedürfnis nach einem Etwas, das mir weder meine Umgebung noch der Gymnasialunterricht gab.In Folge dieser Richtung machte ich mir dann die Religion zum Ziel und Beruf meines Lebens und bestimmte mich daher zu einem Theologen. 2
Der Vater hatte ihn in Heidelberg an einen Rationalisten verwiesen, dessen Lehre Feuerbach jedoch ablehnte, stattdessen tendierte er zu Carl Daub, durch den er die Philosophie Hegels kennenlernte. 3 Zu diesem Zeitpunkt begann bereits sein Interesse an der Philosophie zum Nachteil der Theologie zu wachsen, und er beabsichtigte, nach Berlin zu wechseln, um Hegels Vorlesungen zu hören.
1824 zog er dann auch - gegen die Bedenken der Eltern, die erstens wegen der Verhältnisse in einer Großstadt und zweitens wegen der schlechten finanziellen Aussichten nach einem Philosophiestudium 4 besorgt waren - nach Berlin um.
Zwar ging Feuerbach noch einen Kompromiß mit seinem Vater ein, indem er auch noch Theologie-Vorlesungen hörte, doch wird aus den folgenden Zitaten seine Entscheidung für die Philosophie bereits erkennbar:
1 vgl. Kohut (1909) S.28f
2 Esser (Hg.) (1983) S.9f
3 vgl. Schneider (1972) S.239
4 vgl. Kap.I.2.: Anselm Feuerbachs Bedenken bezüglich seines eigenen Philosophiestudiums
6
Palästina ist mir zu eng; ich muß, ich muß in die weite Welt, und diese trägt bloß der Philosoph auf seinen Schultern. 1
Es war, wie er später sagte, etwas in seinem Wesen aufgegangen, was noch nicht in sein Bewußtsein trat. 2
So kam es, daß er 1825 vollends in die Philosophische Fakultät übertrat, wo er noch zwei Jahre Hegel hörte, bevor er nach Erlangen wechselte, um dort Naturwissenschaften zu studieren und seine Doktorarbeit zu verfassen.
Die Dissertation De ratione una, universali, infinita (Über die Einheit, Allgemeinheit und Unbegrenztheit der Vernunft) zeigt eindeutig hegelianische Züge, aber dennoch wird auch hier bereits Feuerbachs eigene Philosophie deutlich. 3
3. Seine Dozententätigkeit und Universitätskritik
Feuerbachs akademische Karriere ließ sich gut an, da er bereits 1829 in Erlangen als Privatdozent tätig werden konnte.
Ein jäher und - wie sich später herausstellte - endgültiger Bruch zwischen ihm und den akademischen Würden wurde jedoch 1830 durch seine Abhandlung Gedanken eines Denkers über Tod und Unsterblichkeit hervorgerufen. Zwar erschien diese Schrift anonym, aber Feuerbach wurde als Autor ausgemacht und das Werk polizeilich konfisziert.
Das reaktionäre Zeitalter, in dem die Schrift als zu freisinnig und freimütig klassifiziert wurde, erlaubte es auch in späteren Jahren nicht, daß Feuerbach eine Anstellung an einer Universität in Deutschland erhielt. 4
Nur in den Jahren 1848/49 wurde er im Heidelberger Rathaus, wo er Vorlesungen über das Wesen der Religion hielt, noch einmal als Dozent tätig (bei dieser Gelegenheit fand das Treffen mit Gottfried Keller statt). 5
1 Esser (Hg.) (1983) S.11
2 Kohut (1909) S.34
3 vgl. ebd. S.51f
4 vgl. ebd. S.69f
5 vgl. Esser (Hg.) (1983) S.17
7
Obwohl Feuerbach nie ein begnadeter Redner war (er sah sich selbst als Forscher und nicht als Lehrer), regte ihn die Verweigerung einer Dozententätigkeit an deutschen Universitäten zu einer Kritik an derselben an: Erlangen bezeichnete er wegen der ihn ablehnenden Haltung seitens der Würdenträger als "Pietistennest", und mit einem gewissen Stolz verkündete er, daß er sich nicht in die "spanischen Stiefel" der Erwartungshaltung "akkommodiert" hatte. 1
4. Feuerbach und die Politik
Es ist nicht verwunderlich, daß ein Mann mit dem Bekanntheitsgrad Feuerbachs - den er nach der Veröffentlichung von Das Wesen des Christentum 1841 erreichte -auch für die politiktreibenden Kräfte interessant war.
Seine frühen religionskritischen und anti-idealistischen Schriften veranlaßten die Behörden in den Jahren 1843 und 1851, Hausdurchsuchungen bei ihm durchzuführen, da er im Verdacht stand, mit verbotenen Organisationen zu kooperieren 2 - was jedoch nicht der Fall war. Ebenso wurde er 1851 nach einer Einladung seines Verlegers Otto Wigand nach Leipzig als angeblich gefährlicher Revolutionär ausgewiesen. 3
Allerdings war Feuerbach nicht nur für die Staatsgewalt von Interesse, sondern vor allem auch für die Arbeiterbewegung.
So übersandte ihm Ferdinand Lassalle (Allgemeiner deutscher Arbeiterverein) seine sämtlichen Schriften, Flugblätter und philosophischen Abhandlungen, um ein Urteil Feuerbachs einzuholen. Es ist allerdings nicht bekannt, ob und gegebenenfalls wie Feuerbach darauf reagierte. 4
1848 forderte ihn die Heidelberger Studentenschaft in einem offenen Brief auf, ein Mandat in der Nationalversammlung anzunehmen. Feuerbach nahm jedoch nur an einem demokratischen Kongreß teil, und obwohl er noch nicht einmal eine Rede hielt, wurde in einer Zeitung über seine vermeintliche Agitation berichtet. 5
1 vgl. Kohut (1909) S.261
2 vgl. ebd. S.233
3 vgl. ebd. S.311
4 vgl. ebd. S.273
5 vgl. ebd. S.210
Arbeit zitieren:
Manfred Müller, 1994, Ludwig Feuerbach - Sein Leben, sein Werk und der Einfluß auf Gottfried Keller und dessen Roman "Der grüne Heinrich", München, GRIN Verlag GmbH
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