Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Der Dichter und sein Werk 4
2. Textanalyse 6
2.1. Rahmenhandlung. 6
2.2. Binnenhandlung. 10
3. Der Dichter, sein Werk und die Kritik. 16
4. Schlusswort. 18
Bibliographie 19
Einleitung
„...Es sollte ein Film in der ersten Person werden, die Kamera sollte Marlow sein, was für diese spezielle Art der Erzählung ideal ist; Marlow steht im Ruderhaus und kann sich selbst als Spiegelbild im Glas erkennen, durch welches man den Dschungel sieht. ... „Heart of Darkness“ ist eine der wenigen Geschichten, für die diese Aufnahmetechnik gut geeignet ist, weil sie sich in erster Linie auf erzählten Text stützt und weil dies ein Film ist, der vieler Worte bedarf. ... Joseph Conrad - ich wüsste gar nicht, wie man Conrad ohne diese vielen Worte verfilmen könnte....“ 1
Orson Welles, einer der bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts war begeistert von Conrads Erzähltechnik und Conrads Art, die Dinge so in Worte zu kleiden, dass einem beim Lesen ein Film in seinen prächtigsten Bildern und Farben vor Augen abläuft. „... Es ist tragisch, ja, es ist so dunkel, wie etwas nur dunkel sein kann. Es ist das Herz der Dunkelheit, ganz gewiss. Vermutlich ist „schwermütig“ das beste Wort dafür, aber die Geschichte ist auch so beängstigend. ...“ 2
Nicht nur Welles hatte Schwierigkeiten die Wirkung in Worte zu fassen, die Conrads Erzählung bei den meisten Lesern hinterlässt. Jedes Wort in Conrads Geschichten müsste -
1 aus:Welles, Orson/Bogdanovich, Peter: Hier spricht Orson Welles, Hg. Von Kodar, Oja u.a. im Verlag Harper
Collins, New York. 1992. Deutsche Ausgabe ersch. im Quadriga Verlag, Weinheim, Berlin. 1994. S. 91-93. O.W. sollte 1939 in Hollywood mit der Verfilmung des Conrad-Romans „Heart of Darkness“ sein Regie-Debüt
geben.
Das Vorhaben scheiterte an der Produktionsgesellschaft, die eine Investition in einen aus der Ich-Erzähler-
Perspektive
gedrehten Film zu experimentiell und damit zu riskant fand. Welles war jedoch so angetan von dem Stück, dass er es 1945 auf Radio CBS als Hörspiel ausstrahlte.
2 ebd.
oder besser :wäre es wert - auf seine psychologische Bedeutung hin untersucht zu werden. Und selbst wenn man dies noch so akribisch tun würde, hätte man die wirklich „richtige“ Intention dieses Autors nicht unbedingt herausgefunden. Da eine solche Untersuchung den Rahmen dieser Proseminar -Arbeit sprengen würde, möchte ich mich bei „Heart of Darkness“ darauf beschränken, die typischen und immer wiederkehrenden Eigenarten der Conradschen Erzählung zu betrachten.
Im Folgenden werden in einer kurzen Zusammenfassung zunächst der Autor und seine Geschichte„Heart of Darkness“ vorgestellt.
Im zweiten Kapitel wird eine Textanalyse vorgenommen, wobei die Rahmenhandlung von der Binnenhandlung gesondert betrachtet wird. Abschließend gebe ich einen Abriss über die Kritik an Conrads Werken und werde sie im Schlusswort mit meinen eigenen Eindrücken kommentieren.
1. Der Dichter und sein Werk
Der am 3. Dezember 1857 in Polen geborene Jozef Teodor Konrad Nalecz Korzeniowski wird mit elf Jahren Vollwaise. Das introvertierte, oft traurig wirkende Kind wird von dem aristokratischen Onkel - dem Bruder seiner Mutter - aufgezogen. Es verkriecht sich meist in die Welt der Bücher. Da die Familien beider Elternteile der Oberschicht angehören, wird ihm die Möglichkeit zuteil, an der St. Anne High School in Krakau Latein, Deutsch, Geografie und Geschichte zu studieren. Doch schon mit fünfzehn Jahren äußert er den Wunsch zur See zu fahren und bereits mit siebzehn verlässt er - zum Missfallen seines Onkels - Polen, um von Marseilles aus die Welt zur See zu befahren.
Conrad-Biografen vermuten in seinem so frühen Fernweh die Flucht aus einem Land, für dessen Befreiung von russischer Herrschaft seine Eltern gekämpft hatten. Als Conrad vier Jahre alt ist, wird sein Vater mit der Familie als Revolutionär ins Exil nach Sibirien verbannt.
In der Erzählung „Chance“ legt Conrad der Figur Young Powell die mögliche Erklärung für sein frühes Verlassen der polnischen Heimat.in den Mund: „ After a childhood weighed down by oppression, how excellent and moving it was to be free from social conventions and political tyranny, alone, and face to face with the wide spaces of the sea.“ 3 Conrad verschreibt sich der englischen Marine und lernt die englische Sprache aus Büchern und Zeitungen. 1886 erlangt Conrad den Grad eines britischen Schiffsmaats und bringt es 1888 zum Kapitän seines ersten Schiffs, der „Otago“. 1894 beschließt Conrad, sich ausschließlich seinen schriftstellerischen Ambitionen zu widmen. Conrads Erzählungen lassen sich in drei Kategorien einteilen: die „sea stories“ wie zum Beispiel „Typhoon“, die „political novels“ denen „The Secret Agent“ unterzuordnen ist, und die „ jungle novels“ zu denen die hier zu betrachtende Erzählung „Heart of Darkness“ zu zählen ist. Seine Werke enthalten sehr häufig biografische Züge. Sie spiegeln meist Conrads eigene Erlebnisse auf See wider.
In „Heart of Darkness“ gibt die Hauptfigur Marlow die Umstände wieder, unter denen auch Conrad 1889 bis 1890 die Verhältnisse im damaligen Britisch-Kongo erlebt hat. Nachdem er schon als kleiner Junge den Wunsch verspürt, Afrika zu bereisen, bekommt Marlow (genau wie Conrad) durch Beziehungen einer Tante die Möglichkeit als Lotse auf einem französischen Dampfer in den Kongo zu fahren.
Auf den drei Stationen der Dampferfahrt erfährt Marlow die gleichzeitig bedrückende wie auch beeindruckende und geheimnisvolle Eintönigkeit der ihm zuvor unbekannten Dschungel-Landschaften. Er sammelt Eindrücke von Situationen und lernt verschiedene Persönlichkeiten - wie zum Beispiel den Elfenbeinjäger Kurtz - kennen. Es wird vermutet, dass Conrad zu der Figur des Kurtz inspiriert wurde, als er im Kongo das Grab eines Majors namens Edmund Musgrave Barttelot besichtigte. Dieser Major war wegen seiner sadistischen Methoden der Eingeborenen gegenüber berüchtigt. Bezeichnend für dessen Charakter war die Tatsache, dass Barttelot von einem Häuptling erschossen wurde, dessen Frau er vergewaltigt hatte. 4 Auf den Namen „Kurtz“ brachte ihn dann vermutlich der Name des erkrankten Kapitäns Georges-Antoines Klein, den Conrad im Rahmen seiner Kongo-Fahrt aus dem Dschungel
3 Conrad, Joseph: Chance.
herausholen sollte (siehe d ie deutsch-englische Wort-Konstelation „klein-small“, beziehungsweise „kurz-short“).
Die Krankheit, von der Marlow in der Erzählung spricht, hatte Joseph Conrad sich während der Kongo-Reise zugezogen. Er kämpfte seitdem stets gegen Gichtanfälle und andere körperliche Leiden, die der Aufenthalt in den tropischen Gefilden mit sich brachte.
2. Textanalyse
2.1. Rahmenhandlung
Die Rahmenhandlung wird von dem Ich-Erzähler (Conrad selbst) berichtet und umfasst ausschließlich das Geschehen auf dem Segelboot „Nellie“.
Anfangs wird Marlow vom Ich (Rahmen) - Erzähler eingeführt und vorgestellt. Der Ort, an dem er sich befindet (die „Nellie“), deren Standort und er selbst als Person werden sehr ausführlich beschrieben. Wie auch in „The Lagoon“ fällt die Stagnation in der Atmosphäre auf Gleichzeitig könnte man meinen, dass sich bei all diesem beschriebenen Mangel an Bewegung doch etwas anbahnt. Folgende Bemerkungen bei der Lagebeschreibung der „Nellie“ deuten darauf hin: „...the wind was nearly calm,...“ Es war fast windstill - aber nicht völlig. Diese leichte Brise deutet bei all der Stagnation in der Atmosphäre und der Passivität ( den Gezeiten ausgeliefert: „...the only thing for it was to come to and wait for the turn of the tide...“) 5 eine doch existierende Lebendigkeit, die sich möglicherweise zu etwas Stärkerem, vielleicht sogar Gefährlichem entwickeln kann.
Die Umgebung wird einerseits mit Adjektiven beschrieben, die an Flammen und Feuer erinnern. Wie bei Conrad üblich (zum Beispiel auch in „The Lagoon“) verleiht diese glamouröse Beschreibung des Sonnenuntergang der Landschaft ein künstliches Aussehen
4 Allen, Jerry: Joseph Conrad - Die Jahre zur See, S. 382-387
5 aus: Conrad, Joseph: Heart of Darkness. An authoritive Text. Backrounds and Sources. Critisicm. Edited by
Kimbrough, Robert. W.W. Norton&Company. New York.1963.S.3...Alle folgenden Textausschnitte aus dieser
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Arbeit zitieren:
M.A. Tamara Olschewski, 1999, Heart of Darkness - Joseph Conrad, München, GRIN Verlag GmbH
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