Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VI
1 Einleitung 1
2 Chronik und wirtschaftliche Bedeutung Googles 3
2.1 Gründung und Aufstieg 3
2.1.1 Grundlegende Philosophie 4
2.1.2 Anfangsfinanzierung und Börsengang 5
2.1.3 Wachstum und Marktanteile 6
2.2 Googles Stärken und Alleinstellungsmerkmale 7
2.2.1 Unternehmensimage und Markenwert 8
2.2.2 Strategische Partnerschaften 9
2.2.3 Technologischer Vorsprung 10
2.3 Suchmaschinenmarketing 11
2.3.1 Wirtschaftliche Bedeutung und Sanktionen 12
2.3.2 Suchmaschinenoptimierung 13
2.3.3 Suchmaschinen-Spamming 14
3 Produkte, Kernkompetenzen und Unternehmensprofil 15
3.1 Zentrale Produkte des Unternehmens 15
3.1.1 Marketinglösungen 15
3.1.2 Geoinformationsdienste 17
3.1.3 Personalisierte Dienste 18
3.1.4 Google Books und Google Scholar 19
3.2 Kernkompetenzen 20
3.2.1 Kurze Entwicklungs- und Testphasen 20
3.2.2 Stetige Imageförderung 21
3.2.3 Personalarbeit 22
3.2.4 Die Googleware 24
3.3 Politik und Strategie 25
3.3.1 Unternehmenskultur - „Don’t be evil“ 26
3.3.2 Übernahmen und Akquisitionen 27
Inhaltsverzeichnis III
3.3.3 Datenspeicherung 29
4 Neue Geschäftsfelder und Zukunftspläne 30
4.1 Googles Eintritt in die mobile Kommunikation 30
4.1.1 Wachstumschancen und Hindernisse 31
4.1.2 Die Vernetzung der Dritten Welt - Konsortium O3B 33
4.2 Einstieg in den Bereich der klassischen Medien 34
4.2.1 IPTV als Zukunftsformat 35
4.2.2 Chancen bezüglich Rundfunk und Printmedien 36
4.3 Positionierung im Gesundheitswesen 37
4.3.1 Die persönliche Krankenakte - Google Health 37
4.3.2 Beteiligung an Unternehmen der DNA-Forschung 38
4.4 Cloud Computing - Software aus der Steckdose 39
4.4.1 Angriff auf Microsoft 41
4.4.2 Konkurrenz mit Amazon 42
4.4.3 Google Wave 43
5 Streitpunkte, Herausforderungen und Missbrauchsgefahren 44
5.1 Rechtliche Hindernisse 44
5.1.1 Europäische Union 45
5.1.2 Problemfall China 46
5.2 Gefährdung der Unternehmensidentität 47
5.2.1 Image-Fehlschläge 48
5.2.2 Entwicklung klassischer Unternehmensstrukturen 49
5.3 Die Datenkrake - „Google is watching you“ 50
5.3.1 Datenintegrität und Missbrauchspotenzial 51
5.3.2 User-Tracking und Cookies 53
5.3.3 Fehlende Datenschutzsensibilität 54
5.4 Weitere Konkurrenten und Widersacher 56
5.4.1 Konkurrenzsituation zu Ebay 57
5.4.2 Soziale Netzwerke - Platzhirsch Facebook 57
5.4.3 Antwort auf Groupon und Twitter - Google Buzz 59
5.4.4 Abschaffung der Netzneutralität 60
5.4.5 Medienkonzerne 61
Inhaltsverzeichnis IV
6 Schlussbetrachtung 62
Literaturverzeichnis 64
Buchquellen 64
Internetquellen 65
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Googles Weltmarktanteile
Abbildung 2: Entwicklung der Markenwerte
Abbildung 3: Einnahmeverteilung Googles
Abbildung 4: Eindeutige Besucher der E-Mail-Anbieter
Abbildung 5: Google Video vs. Youtube in Deutschland
Abbildung 6: Verteilung der Mobilbetriebssysteme
Abbildung 7: Anzahl internetfähiger Endgeräte in China und Indien
Abbildung 8: Mediennutzung in Deutschland
Abbildung 9: Vertrauen gegenüber Cloud-Computing-Dienstleistern
Abbildung 10: Googles und Facebooks Marktanteile bei Internetbesuchern
Abkürzungsverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis
CEO Chief Executive Officer DNA Deoxyribonucleic acid E-Book Electronic Book E-Commerce Electronic Commerce HTML Hypertext Markup Language IP-Adresse Internetprotokoll-Adresse IPO Initial Public Offering IPTV Internet Protocol Television IT Informationstechnik NBC National Broadcasting Company PC Personal Computer PR Public Relations RIM Research in Motion SIM Subscriber Identity Module WLAN Wireless Lokal Area Network
Einleitung 1
1 Einleitung
Google hat die dritte Revolution der Informationstechnologie eingeleitet. Nachdem IBM mithilfe von Großrechnern die moderne Datenverarbeitung für Unternehmen nutzbar gemacht und Microsoft mit dem Personal Computer Rechenleistung auch privaten Haushalten ermöglicht hat, hat Google die Art und Weise der Informationsbeschaffung mittels des Internets revolutioniert. Dank einer wegweisenden Suchtechnologie konnte Google als erster Anbieter verlässlich Suchergebnisse nach ihrer Relevanz für den Nutzer sortieren und stellte ihm das notwendige Werkzeug zur Verfügung, um die großen Informationsportale zu verlassen und das World Wide Web nach eigenem Belieben zu durchstreifen.
Seine Dominanz als Informationsvermittler und Zugangstor zum Internet erlaubt es dem Unternehmen, Konsumenten genau dann Werbung zu präsentieren, wenn diese hierfür am empfänglichsten sind. Googles kontextbasiertes Werbesystem bedient nicht nur täglich Hunderte an Millionen Zugriffen des Suchdienstes, sondern auch die Anzeigenflächen tausender Partnerseiten des AdSense-Netzwerkes. Dabei baut Google die Reichweite seiner Marketinglösungen anhand neuer Partnerschaften sukzessive aus und erhöht durch stetige Sammlung von Nutzerdaten deren Präzision. Das Ergebnis sind regelmäßige Rekordgewinne, in 2010 zuletzt 8,5 Milliarden US-Dollar nach Steuern. 1 Diese Summen werden seit Jahren zur Wegbereitung Googles in neue Absatzmärkte und in den Ausbau des zu verwaltenden Informationsbestandes investiert. Selbstbewusst durch eine bisher unerreichte Erfolgsgeschichte treibt Google mit einer außerordentlich großen Innovationsbereitschaft die eigene Branche vor sich her und attackiert Geschäftsmodelle, die in der Technisierung zurückliegen. Mit dem Android Betriebssystem versucht man sich in der mobilen Kommunikation zu etablieren, während Microsoft durch den Vertrieb der kostenlosen Google Docs Office-Produkte mittels des Cloud Computing Verfahrens unter Druck gesetzt wird. Die klassischen Medien sollen digitalisiert und so für Googles Werbetechnologien zugänglich gemacht werden, derweil man als Vorreiter im Bereich der DNA-Forschung und in der personalisierten Medizin mitwirkt.
1 Vgl. Google Inc. (2011a), http://investor.google.com/financial/tables.html, Abruf am 1.02.2011.
Einleitung 2
Das Unternehmen aus Mountain View, Kalifornien, ist bekannt für seine unorthodoxe Personalführung, sein hippes Image als Herausforderer des Branchenprimus Microsoft und sein in der Unternehmenskultur verankertes Bekenntnis, die Welt durch mehr In-formationstransparenz verbessern zu wollen. Doch die Fassade des Vorzeigeunternehmens hat erste Risse. Mit dem Aufstieg Facebooks hat man den Markttrend der sozialen Netzwerke verschlafen und bemüht sich vergeblich den Besucherrückgang durch den Traffic Giganten zu kompensieren. Der Vorsprung im Suchmaschinenmarkt muss durch regelmäßige Investitionen gegen Microsofts Angebot Bing verteidigt werden und Bemühungen im Bereich des Cloud Computings gegenüber Geschäftskunden scheitern bisher an deren mangelndem Vertrauen gegenüber Googles Datenschutzzusagen. Mittels des User-Trackings und umfangreicher Speicherung von Anwenderprofilen legt man zudem bedenklich genaue Dossiers von Internetnutzern an und ist über einzelne Personen bei Bedarf besser informiert als staatliche Stellen. Ein mangelndes Verständnis für die Sorgen der Öffentlichkeit und immer neue Image-Fauxpas wie die Kollaboration mit der Zensur in China, dem Scanning von Nutzertexten bei Google Mail oder die Gefährdung der Privatsphäre anhand von Street View heizen die Diskussion um Googles Datenmacht und Missbrauchspotenzial kontinuierlich an. Zudem besteht die allgegenwärtige Gefahr, dass Außenstehende sich Zugriff zu den Daten über Hacker oder durch Erpressung von Mitarbeitern verschaffen.
Diese wissenschaftliche Arbeit soll dem Leser verdeutlichen, wie aus dem ehemaligen Start-Up, trotz Konkurrenz finanzstarker und etablierter Unternehmen wie Microsoft oder Yahoo, in weniger als einem Jahrzehnt ein Weltkonzern werden konnte, der weite Teile des Internets kontrolliert. Es wird erläutert, auf welchen Produkten und Kernkompetenzen Googles aktueller Erfolg fußt und wie seine zukünftige medienübergreifende Rolle als Informationsdienstleister und Werbeanbieter manifestiert werden soll. Ferner wird dem Leser ein Einblick in die Vorgehensweise von Googles Datenspeicherung und dessen Missbrauchspotenzial gewährt und auch die wichtigsten Problemfelder, Konkurrenten und Widersacher von Googles Zukunftsplänen werden offengelegt. Eine Bewertung von Googles Zukunftschancen erfolgt anhand der Darstellung der Wettbewerbssituation, insbesondere mittels genauer Betrachtung der bedeutendsten Konkurrenten. Auch Bedrohungspotenziale für das eigene Unternehmensimage werden aufgezeigt.
Chronik und wirtschaftliche Bedeutung Googles 3
2 Chronik und wirtschaftliche Bedeutung Googles
2.1 Gründung und Aufstieg
Google wurde 1998 von den beiden Stanford Doktoranden Lawrence Page und Sergey Brin gegründet, deren Ziel die Bildung einer auf dem PageRank Konzept basierenden Internetsuchmaschine war. Das Verfahren war aus einem universitären Forschungsprojekt von Page hervorgegangen und erlaubt die Bewertung von Internetseiten auf der Grundlage ihrer Hyperlinkstrukturen. Ähnlich der wissenschaftlichen Zitation nehmen Internetseiten demnach an Relevanz zu, umso mehr Quellen in Form von Hyperlinks auf sie verweisen. Die Kombination mit dem gängigen Verfahren der Stichwortsuche in Dokumenten resultierte in Suchergebnissen, die denen der Konkurrenzsysteme überlegen waren. 2
Führende Internetunternehmen dieser Zeit maßen den Suchdiensten keine große Bedeutung bei, da die vorherrschende Internetkultur aus Informationsportalen bestand, die für den Nutzer relevante Inhalte kombiniert bereithalten sollten. Die Refinanzierung erfolgte über Werbung und kostenpflichtige Dienste wie E-Mail-Konten. Folglich hatten die Portalbetreiber kein Interesse für Verbesserungen ihrer Suchdienste und die damit ver-bundene Weiterleitung der Besucher auf fremde Internetseiten. Yahoo war zu diesem Zeitpunkt der erfolgreichste Dienstleister dieser Art und 1998 Ausgangspunkt für 75 % aller Internetbesuche. 3 Originären Suchmaschinenbetreibern fehlte aufgrund mangelhafter Einnahmequellen das Kapital zur Verbesserung ihrer Suchtechnologie. Nach dem Beginn der Beta-Phase Googles 1998 mit damals ca. 10 000 Suchanfragen pro Tag hatte man beim offiziellen Start der Suchmaschine im Herbst 1999 bereits 3,5 Millionen und ab 2004 rund 200 Millionen Zugriffe täglich zu verzeichnen. Mit der Einführung des Geschäftsmodells der kontextabhängigen Anzeigenplatzierung bei Suchanfragen im Jahr 2000 war Google zu einem der profitabelsten Unternehmen seiner Branche geworden. Das erwirtschaftete Kapital wurde sukzessive in die Verfeinerung der Technologie investiert, was eine nahezu komplette Verdrängung bekannter Konkurrenten wie AltaVista oder Inktomi zur Folge hatte. Lediglich die Suchangebote von
2 Vgl. Smith, J. (2010), S. 83 ff.
3 Vgl. Brandt, R. L. (2010), S. 12.
Chronik und wirtschaftliche Bedeutung Googles 4
Microsoft und Yahoo konnten über die Jahre einen nennenswerten Marktanteil behaupten. 4
2.1.1 Grundlegende Philosophie
Neben Googles Suchtechnologie war auch die Philosophie der Gründer für das schnelle Wachstum verantwortlich. Diese beabsichtigten einen freien Fluss von Informationen und Ideen zu ermöglichen ohne Intermediäre oder Barrieren. Das Wissen der Erde sollte gesammelt, organsiert und anschließend jedem frei zugänglich gemacht werden. Der Dienst wurde den Anwendern kostenlos zur Verfügung gestellt, eine Refinanzierung des Unternehmens sollte durch die Vergabe von Lizenzen erfolgen. 5 Auf die Verwendung von Werbung wurde verzichtet, da Page und Brin diese als störend für den Nutzer betrachteten. Das Design der Suchmaske ist bis heute aufs Notwendigste beschränkt, was dieser zu einem schlichten Design verhalf, das aus der Masse der mit Werbung und Diensten überfüllten Konkurrenzangebote herausstach. Ferner garantierte es einen schnellen Ladevorgang der Seite. Google verschloss sich der gängigen Praxis, Platzierungen in den Suchergebnissen käuflich zu erwerben, was Sergey Brin unter anderem bei einem öffentlichen Hochschulauftritt in Israel 2003 versicherte: „Wir lassen die Ergebnisse nicht durch Geschäftsbeziehungen beeinflussen. Die Resultate der Suchmaschine sind unvoreingenommen.“ 6
Das Angebot sollte durch die Relevanz seiner Suchresultate überzeugen und den Anwender schnellstmöglich an sein Ziel führen. Die Nutzerorientierung Googles verhalf dem Unternehmen ein kommerzielles Erscheinungsbild zu vermeiden, was die Akzeptanz in der Internetgemeinde förderte. Ab dem Jahr 2000 konnte das Wachstum des Unternehmens, vornehmlich der IT-Infrastruktur, nicht mehr allein über das Lizenzmodell finanziert werden. 7
Mit der Einführung des Werbesystems AdWords schlossen die Gründer einen persönlichen Kompromiss, denn mit der Verwendung kontextabhängiger Anzeigen konnte sich Google seine bis heute wichtigste Einnahmequelle schaffen. Gleichzeitig wurde den
4 Vgl. Reischl, G. (2008), S. 19.
5 Vgl. Reppesgard, L. (2010), S. 27 ff.
6 Vise, D. A. (2006), S. 30.
7 Vgl. Brandt, R. L. (2010), S. 68 f.
Chronik und wirtschaftliche Bedeutung Googles 5
Nutzern durch mit ihrer Suchanfrage in Zusammenhang stehende Reklame ein Mehrwert geboten. Es war der Beginn einer Neuausrichtung des Unternehmens, in der Google sich in den Folgejahren von einem reinen Suchdienst zu einem professionellen Werbedienstleister wandelte.
2.1.2 Anfangsfinanzierung und Börsengang
Google war 1998 nach seiner ersten Finanzierungsrunde mit einem Startkapital von rund einer Million US-Dollar ausgestattet. Diese Summe wurde zu größten Teilen von Stanford Professor David Cheriton, Silicon-Valley-Gründer Andreas Bechtolsheim und verschiedenen Business Angels gestemmt. Die Qualität von Googles Suchergebnissen ist abhängig von dem Umfang der archivierten Internetquellen, weshalb Page und Brin planten, langfristig das gesamte World Wide Web auf eigenen Servern abzulegen. Die Personalkosten konnten in den ersten vier Jahren nach Gründung durch den Einsatz von Aktienoptionen gesenkt werden. Als wesentlicher Kostenfaktor verblieb der Ausbau der Gerätetechnik, der das Startkapital in wenigen Monaten aufzehrte. 8 Obwohl weder Page noch Brin über einschlägige betriebswirtschaftliche Erfahrung verfügten, konnte im Frühjahr 1999 in einer zweiten Finanzierungsrunde der Einstieg der beiden Risikokapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Buyers zu je 12,5 Millionen US-Dollar ausgehandelt werden. Diese erwarben gemeinsam eine Minderheitsbeteiligung an Google, wodurch die Mehrheit der Stimmrechte bei Page und Brin verblieben. Dies war ein Novum, da Beteiligungsgesellschaften dieser Größe es gewohnt sind, Investitionen in Start-Ups allein zu tätigen und nicht ihr Mitspracherecht mit anderen Geldgebern zu teilen. Die Google-Führung konnte weiterhin eigenständig agieren, musste allerdings der Verpflichtung eines erfahrenen Managers zustimmen. Ihre Wahl fiel auf den ehemaligen Novell CEO Eric Schmidt. 9 Der Börsengang am 19.08.2004 war ein Weckruf für die gesamte Branche. Google zeigte mit einem Nettogewinn von 105 Millionen US-Dollar 2003 und einer Steigerung auf 400 Millionen US-Dollar 2004, dass der Suchmaschinenbetrieb nicht nur hohe Wachstumsraten aufwies, sondern auch hochprofitabel geführt werden konnte. Trotz des allgemeinen Vertrauensverlustes in Technologiewerte nach der im März 2000 geplatzten
8 Vgl. Kaumanns, R., Siegenheim, V. (2009), S. 34 ff.
9 Vgl. Vise, D. A. (2006), S. 76 f.
Chronik und wirtschaftliche Bedeutung Googles 6
Dotcom-Blase und einer zurückhaltenden Informationspolitik Googles gegenüber Anlegern hatte der IPO zwei Milliarden US-Dollar eingebracht. Google war Ende 2004 bereits mit einer Marktkapitalisierung von rund 60 Milliarden US-Dollar bewertet und konnte eine Zunahme auf 130 Milliarden US-Dollar Ende 2005 verzeichnen. Es war der Beginn des technologischen Wettrüstens mit dem neuen Erzrivalen Microsoft, der schlagartig das Potenzial internetbasierter Werbung vorgeführt bekam und seinen Marktanteil im Bereich der Suchanfragen auszubauen versuchte. 10
2.1.3 Wachstum und Marktanteile
2001 nahm Eric Schmidt seine Funktion als neuer CEO von Google auf und war in den folgenden Jahren bemüht einen der wachsenden Unternehmensgröße angemessenen Geschäfts- und Managementplan zu gestalten. Lawrence Page und Sergey Brin hatten die Belegschaft zuvor gezielt mit flachen Hierarchien, flexibler Arbeitszeitgestaltung und einer liberalen Unternehmenskultur geführt. Dies war sowohl der Motivation der Mitarbeiter als auch dem Unternehmensimage zuträglich gewesen, hatte aber die Bildung essenzieller betrieblicher Strukturen wie einer eigenen Rechts-, Personal- oder Finanzabteilung erschwert. 11
Schmidt erkannte zudem das ungenutzte Potenzial von Googles Werbeprodukten und professionalisierte die Vertriebsstrukturen. Zur Förderung des Absatzes von bezahlten Anzeigen eröffnete man weltweit Verkaufsbüros, um die Kundennähe zu Großabnehmern zu erhöhen. Das Marktanalysewerkzeug Google Analytics half den Werbetreibenden zudem den Erfolg und die Schwachstellen ihrer Anzeigenkampagnen transparent nachzuvollziehen. Mit AdSense wurde das System der kontextabhängigen Anzeigenplatzierung externen Seitenbetreibern angeboten. Teilnehmer des Systems konnten Google die Verwaltung ihrer Werbeflächen überlassen und bis zu 80 % der Einnahmen für sich beanspruchen. Die Maßnahmen ließen den Umsatz von 80 Millionen US-Dollar 2001 bis auf 23,7 Milliarden US-Dollar 2009 ansteigen. Der Gewinn nach Steuern konnte trotz Finanzmarktkrise von 4,2 Milliarden US-Dollar 2008 auf 6,5 Milliarden US-Dollar 2009 angehoben werden. 12 Brin und Page nutzten die Einnahmen weiterhin
für die Verbesserung der Suchtechnologie und bauten Googles Internetpräsenz durch
10 Vgl. Google Inc. (2011b), http://www.google.com/finance?q=google, Abruf am 6.02.2011.
11 Vgl. Vise, D. A. (2006), S. 112.
12 Vgl. Google Inc. (2011a), http://investor.google.com/financial/tables.html, Abruf am 1.02.2011.
Chronik und wirtschaftliche Bedeutung Googles 7
immer weitere Dienste in den Bereichen Geoinformation, Blogging, Nachrichten-Dienst, E-Mail und Video aus. 13
2008 hatte man bereits einen weltweiten Marktanteil bei Suchanfragen von 70 % erreicht und wurde damit zum wichtigsten Meinungsmacher im Internet. 14 Die aktuellen Zahlen von 2010 (Abbildung 1) zeigen, dass man sich mit 9397 % Marktanteil in Europa der totalen Kontrolle des Marktes nähert. Vergleichsweise schwach etabliert ist man trotz umfangreicher Bemühungen in großen Teilen Asiens und in Russland. Konkurriert man in Japan mit 38 % Marktanteil vornehmlich mit Yahoo, haben in Ländern wie Russland oder China einheimische Produkte wie Baidu eine bessere Akzeptanz bei den Nutzern.
In Anlehnung an: Greenlight Marketing Ltd. (2010),
http://www.greenlightsearch.com/assets/images/market-share-large.png, Abruf am 2.02.2011.
Abbildung 1: Googles Weltmarktanteile
2.2 Googles Stärken und Alleinstellungsmerkmale
In den Jahren seines Bestehens hat Google einige Alleinstellungsmerkmale entwickelt, die es dem Unternehmen erlaubten, auch gegen Mittbewerber zu bestehen, die aus einer besseren Ausgangslage agierten. Neben der besonderen Unternehmenskultur und Mitarbeiterführung, auf die später noch im Detail eingegangen wird, sind hier vor allem das herausragende Image des Unternehmens, sein Netz aus strategischen Partnerschaften und der technologische Vorsprung zu nennen, den man durch Schaffung einer innovationsfreudigen Organisation aufrecht zu erhalten versucht.
13 Vgl. Reppesgard, L. (2010), S. 38.
14 Vgl. Kaumanns, R., Siegenheim, V. (2009), S. 18.
Chronik und wirtschaftliche Bedeutung Googles 8
2.2.1 Unternehmensimage und Markenwert
Google hat es geschafft, die wertvollste Marke der Welt zu formen. 2010 wurde diese von dem Marktforschungsunternehmen Millward Brown Consulting mit 114 Milliarden US-Dollar bewertet und ist damit rund fünf Mal wertvoller als BMW, die höchstbewertete deutsche Marke mit knapp 22 Milliarden US-Dollar. 15 Obwohl das eigene Geschäftsmodell bisher nahezu komplett auf dem Verkauf von Werbeanzeigen beruht, verwendete man keine klassischen Marketingmethoden für die Imageförderung. Brin und Page waren der Überzeugung, dass ein auf die Nutzeranforderungen optimiertes Unternehmen in Form begeisterter Anwender und damit einhergehender Mundpropa-ganda seine Bekanntheit am besten fördern könne. Zudem kam eine Verwendung der klassischen Medien als Werbeträger nicht infrage, um die eigene Botschaft der Überlegenheit der Onlinewerbung nicht zu gefährden. 16
In Anlehnung an: Millward Brown Consulting (2011),
http://www.brandz.com/output/PreviousReports.aspx, Abruf am 4.02.2011.
Abbildung 2: Entwicklung der Markenwerte
Google verstand es, sich als Förderer der Open-Source-Bewegung zu inszenieren, der als Außenseiter gegen Microsoft, den Verfechter geschlossener Systeme, dessen Image durch zahlreiche Kartellrechtsverfahren und Zerschlagung von Unternehmen massiv gelitten hatte, antritt. Das klar strukturierte Feindbild verschaffte Google Zuspruch im Milieu selbstständiger Programmierer und Softwareentwickler. 17 Man versuchte sich
vom üblichen Image eines kühl kalkulierenden Großkonzerns ohne Gesicht nach außen
15 Vgl. Millward Brown Consulting (2010),
http://c1547732.cdn.cloudfiles.rackspacecloud.com/BrandZ_Top100_2010.pdf, Abruf am 6.02.2011.
16 Vgl. Kaumanns, R., Siegenheim, V. (2009), S. 115 f.
17 Vgl. Matthes, S. (2010), http://www.wiwo.de/technik-wissen/microsoft-vs-google-der-tanz-mit-dem-
teufel-428293/, Abruf am 6.02.2011.
Chronik und wirtschaftliche Bedeutung Googles 9
zu distanzieren und auf die Menschen als kreatives Technologieunternehmen ohne Zwänge und Regeln zu wirken. So bewies man Witz und Humor im Umgang mit dem eigenen Markenzeichen bei der Einführung von Doodles, bei denen historische Ereignisse, Feiertage oder bekannte Persönlichkeiten in das Google Markenzeichen mit eingearbeitet wurden. Auch der unorthodoxe Führungsstil von Page und Brin ohne strikte Hierarchien oder die Organisation der Unternehmenszentrale wie eine Mischung aus Universitätscampus und Kinderhort haben Google konstant Sympathien verschafft. 18 Das Ergebnis zeigt sich in einem eindrucksvollen Anstieg des Markenwertes Googles im Vergleich zu den drei Technologieschwergewichten Apple, IBM und Microsoft über die vergangenen fünf Jahre (Abbildung 2). Google konnte eine Verdreifachung von 37 auf 114 Milliarden US-Dollar verzeichnen und ist damit zusammen mit Apple, dem im gleichen Zeitraum gar eine Steigerung von 500 % gelang, der große Gewinner der Entwicklung. IBM konnte ebenfalls an Bedeutung gewinnen, während Microsofts beinahe Stagnation von 62 auf 76 Milliarden US-Dollar bezeichnend für den Werdegang des Unternehmens in den letzten Jahren ist. Man musste sich bei verschiedenen Übernahmeversuchen, neuen internetbasierten Produkten und Nachwuchsgewinnung regelmäßig dem Kontrahenten aus Mountain View geschlagen geben und ist nach wie vor eingeschränkt auf die Vermarktung der Betriebssysteme und Office-Produkte.
2.2.2 Strategische Partnerschaften
Die Führungsriege Googles hat sich seit jeher strategischer Partnerschaften als Methode der Popularitätssteigerung bedient. Im Juni 2000 integrierte Yahoo Google als offiziellen Suchdienst. Google profitierte durch Yahoos damaliger Bedeutung als Startseite vieler Internetnutzer von einem erhöhten Traffic, während Yahoo, das nur über einen redaktionell geführten Suchkatalog verfügte, seinen Nutzern ohne hohe Investitionen eine qualitativ hochwertige Suchmaschine bieten konnte. 19 Im Mai 2002 wurden ähnli-
che Verträge mit dem strauchelnden Internetprovider AOL geschlossen, die bis heute Gültigkeit besitzen.
AOLs Portalseiten fehlte es infolge mangelnder Kompetenzen im Werbesegment an Einnahmen, konnte aber dank 34 Millionen Kunden hohe Besucherzahlen verzeichnen.
18 Vgl. Reppesgard, L. (2010), S. 16.
19 Vgl. Röhle, T. (2010), S. 19 f.
Arbeit zitieren:
Johannes Wilhelm Eßer, 2011, Der stille Datensammler, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Informatik - Wirtschaftsinformatik: Der stille Datensammler ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Informatik - Wirtschaftsinformatik: neuer Titel erschienen: Der stille Datensammler
Johannes Wilhelm Eßer hat einen neuen Text hochgeladen
Still Talking That Book!: Booktalks to Promote Reading Grades 3-12
Cathlyn Thomas, Carol Littlejohn
Projekt objektINFO. Analyse der Informationsbedürfnisse ausgewählter A...
CD mit der Gesamtübersicht all...
Christoph Rohde, Thomas Lützkendorf, Matthias Schulz, David P. Lorenz, Jürgen Kertes, Andrea Immendörfer
Google AdWords - Punktgenau und zielgerichtet werben
So nutzen Sie das größte Werbe...
Sabrina Zebisch
Google Hacks: Tips & Tools for Finding and Using the World's Informati...
Rael Dornfest, Paul Bausch, Tara Calishain
Google for Seniors: Get Acquainted with Free Google Applications
Jolanda Ligthart, Mara Kok, Rilana Groot
0 Kommentare