Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.2-3
2. Grundlagen S.3
2.1 Die Millenniums-Erklärung S.4
2.2 Die Millennium-Entwicklungsziele S.4-5
2.3 Kennzeichen des Paradigmenwechsels in S.5
der internationalen Entwicklungspolitik
3. Das Aktionsprogramm 2015 der Bundesregierung S.5-6
3.1 Handlungsfelder der Armutsbekämpfung S.6
3.2 Ansatzpunkte des Programms S.7
3.3 Vorläufige, kritische Bewertung S.7-10
4. Maßnahmen zur Umsetzung: Pilotland Mosambik S.10-11
4.1 Gegenwärtige Projekte S.11-12
4.2 Bewertung S.12-14
5. Fazit S.14-16
6. Literaturverzeichnis S.17-18
1
Einleitung
Im September des Jahres 2000 verabschiedeten 189 unabhängige Staaten im Rahmen der 55. Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) in New York die
Millenniums-Erklärung. 1 Mit dieser Erklärung verpflichteten sich die teilnehmenden Staaten gemeinsam eine sicherere, wohlhabendere und gerechtere Welt zu schaffen. Im Anschluss an diesen Millenniumsgipfel erarbeiteten Vertreter der Vereinten Nationen, der Weltbank, der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und anderer internationaler Organisationen eine Liste von Entwicklungszielen, die Millennium-Entwicklungsziele (Millennium Development
Goals). 2 Die teilnehmenden Länder des Millenniumsgipfels wurden größtenteils durch ihre jeweiligen Staats- oder Regierungschefs repräsentiert, so auch Deutschland, das durch den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder vertreten wurde. Schröder gab eine kurze Stellungnahme ab, bekräftigte ausdrücklich das überdeterminierte Ziel der Halbierung der extremen Armut weltweit und versprach einen konkreten deutschen Beitrag zur Umsetzung eben dieses Ziels: „Generalsekretär Kofi Annan hat die Staatengemeinschaft dazu aufgerufen, sich das Ziel zu Eigen zu machen, bis zum Jahr 2015 den Anteil der in extremer Armut lebenden Menschen zu halbieren. Ich begrüße und unterstütze diese Initiative nachdrücklich. Die von mir geführte Bundesregierung wird daher einen Aktionsplan entwickeln, der aufzeigt, auf welche Weise auch Deutschland selbst, und zwar konkret, dazu beitragen kann, dass dieses Ziel tatsächlich
erreicht wird.“ 3 Im April 2001 wurde sodann das „Aktionsprogramm 2015“ 4 , welches hauptsächlich unter der Federführung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entstand, durch Kabinettsbeschluss in Kraft gesetzt. Damit verpflichtete sich die gesamte Bundesregierung Deutschlands auf Grundlage eines nationalen Strategiepapiers zur Umsetzung der Millenniums-Erklärung und der Millennium-Entwicklungsziele beizusteuern. Inwieweit es dem Aktionsprogramm gelungen ist, die Vorgaben der Millenniums-Erklärung und der Millennium-Entwicklungsziele einzubinden und diese in die Praxis der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu integrieren, gilt es in dieser Arbeit zu klären. Zu diesem Zweck gibt der erste Abschnitt der Arbeit einen Überblick über die Grundlagen
1 Vgl. UN: United Nations Millennium Declaration, New York 2000,
http://www.un.org/millennium/declaration/ares552e.pdf, 02.11.2009.
2 Vgl. UN: Millennium Developement Goals, New York 2000, http://www.un.org/millenniumgoals/,
02.11.2009.
3 Vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Bulletin Nr.551, Berlin 2000.
4 Vgl. BMZ: Aktionsprogramm 2015. Armut bekämpfen. Gemeinsam handeln. Der Beitrag der
Bundesregierung zur weltweiten Halbierung extremer Armut, Bonn 2001.
2
des Aktionsprogramms und zeigt die wesentlichen Kennzeichen eines einhergehenden Paradigmenwechsel in der internationalen Entwicklungspolitik auf. Im Hauptteil der Arbeit werden zunächst die wesentlichen Handlungsfelder und die Ansatzpunkte des Aktionsprogramms rekapituliert um dann das Aktionsprogramm vorläufig zu bewerten. Schließlich setzt sich die Arbeit mit den Umsetzungsbemühungen der Bundesregierung auf bilateraler Ebene anhand eines exemplarischen Länderbeispiels auseinander.
2. Grundlagen
Der Millenniumsgipfel kann als vorläufiger Kulminationspunkt einer Entwicklung in der internationalen Entwicklungsdebatte angesehen werden, die nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes begann. Die Millenniums-Erklärung und die Millennium-Entwicklungsziele stellen eine Synthese von zahlreichen Beschlüssen und Absichtserklärungen dar, die im Laufe der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts in unterschiedlichen Foren und Weltkonferenzen von der internationalen
Staatengemeinschaft abgegeben worden waren. 5 Von besonderer Bedeutung für die Millenniums-Erklärung und die Millennium-Entwicklungsziele ist der Kopenhagener Weltsozialgipfel von 1995. Dort wurden erstmalig bei einem internationalen Gipfeltreffen ausschließlich soziale Fragen behandelt. Im Ergebnis wurde ein Aktionsprogramm verabschiedet, dessen Schwerpunkt hauptsächlich auf der
Armutsbekämpfung lag. 6 Ein Jahr nach dem Weltsozialgipfel legte das Development Assistance Committee (DAC) der OECD eine entwicklungspolitische Strategie für das neue Jahrhundert vor. In der verabschiedeten Resolution wurden die sogenannten International Development Goals aufgeführt. In dieser Resolution war auch das erste
Mal vom konkreten Ziel der Armutshalbierung bis 2015 die Rede. 7
5 Vgl. Loewe, Markus: Die Millennium Development Goals: Hintergrund, Bedeutung und Bewertung
aus Sicht der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, Bonn 2005, S. 1, http://www.die-
gdi.de/CMS-Homepage/openwebcms3.nsf/%28ynDK_contentByKey%29/ADMR-
7BSBSW/$FILE/12-2005.pdf, 05.11.2009.
6 Vgl. World Summit for Social Development: Programme of Action of the World Summit for Social
Development, Kopenhagen 2005, http://www.un.org/esa/socdev/wssd/pgme_action.html,
05.11.2009.
7 Vgl. OECD: Shaping the 21st Century - The Contribution of Development Co-operation, Paris 1996,
S. 2, http://www.oecd.org/dataoecd/23/35/2508761.pdf, 04.11.2009.
3
2.1 Die Millenniums-Erklärung
Die Millenniums-Erklärung greift im Wesentlichen fünf sich gegenseitig bedingende Themenfelder auf und übernimmt fast wortwörtlich Ziele der OECD/DAC-Resolution. Zentrale Themen sind: Frieden, Sicherheit und Abrüstung; Entwicklung und Armutsbekämpfung; Schutz der gemeinsamen Umwelt sowie Menschenrechte, Demokratie und Good Governance. Außerdem beschäftigt sich die Erklärung mit sozialen Gruppen, die besonders großen Risiken ausgesetzt sind. Im Vergleich zur Resolution von 1996 kam als weiteres Ziel hinzu, der Ausbreitung von HIV/Aids, Malaria und anderen gravierenden Krankheiten Einhalt zu gebieten. Die Millenniums-Erklärung basiert insgesamt auf einem umfassenden Verständnis von Entwicklung und auf einem Armutsbegriff, der nicht nur materielle, sondern auch immaterielle Aspekte beinhaltet. Im Mittelpunkt steht die Bekämpfung von Armut in all ihren Dimensionen. Diesbezüglich wurden in der Erklärung Aspekte des Humankapitals, wie beispielsweise Bildung und Gesundheit, der politischen Partizipationsmöglichkeiten und Bürgerrechte, der Transparenz von Verwaltung und Justiz sowie die Möglichkeiten einer sozialen Sicherung berücksichtigt. Zudem wird der ökologischen, sozialen und ökonomischen
Nachhaltigkeit eine entscheidende Bedeutung beigemessen. 8
2.2 Die Millennium-Entwicklungsziele
Aus der Millenniums-Erklärung wurden anschließend die Millennium-Entwicklungsziele extrahiert. Insgesamt bestehen acht Ziele, welche jeweils mit Unterzielen und messbaren Indikatoren versehen sind. Die Entwicklungsziele wiederum sind fast ausschließlich der Millenniums-Erklärung entnommen. Allerdings finden auf politischer Ebene entscheidende Themen keine Nennung. Bereiche wie Frieden, Sicherheit und Abrüstung sowie Menschenrechte, Demokratie und Good Governance, die in der Millenniums-Erklärung noch aufgeführt werden, entfallen hier gänzlich. Die Millennium-Entwicklungsziele verwenden demnach einen verengten
Entwicklungsbegriff, Multikausalitäten werden vernachlässigt. 9 Keiner der aufgeführten Indikatoren zur Messung des Umsetzungsstands der Ziele misst oder thematisiert beispielsweise Menschen- und Bürgerrechte, Partizipationsmöglichkeiten der Bevölkerung, Rechtsstaatlichkeit, Transparenz der Verwaltung, die Ausgrenzung sozialer Gruppen oder den Mangel an allgemeiner sozialer Sicherheit. Konkrete Maßnahmen und Instrumente sowie Finanzierungskonzepte finden keine Erwähnung.
8 Vgl. Loewe, Die Millennium Development Goals, S. 13.
9 Vgl. ebd., S. 17.
4
Insgesamt mangelt es bei den Millennium-Entwicklungszielen an einer klaren entwicklungspolitischen Struktur, da unter den zehn Zielen keine einschlägige Prioritätensetzung erkennbar ist, ausgenommen der überdeterminierten Halbierung weltweiter Armut. Die Millennium-Entwicklungsziele stellen somit lediglich einen programmatischen Orientierungsrahmen in der internationalen Entwicklungspolitik dar. Bei aller Kritik, die hier nur ansatzweise ausgeführt werden kann, wurde durch die Millenniums-Erklärung und die Formulierung der Millennium-Entwicklungsziele dennoch erstmalig ein von allen relevanten Akteuren der internationalen Politik
anerkanntes Zielsystem geschaffen. 10 Ferner bewirkten die Millenniums-Erklärung und die Millennium-Entwicklungsziele einen Paradigmenwechsel in der internationalen Entwicklungsdebatte.
2.3 Kennzeichen des Paradigmenwechsels in der internationalen Entwicklungspolitik
Zunächst ist eine Fokussierung auf eine nachhaltige menschliche Entwicklung statt einer Wachstumsfokussierung zuerkennen. Der menschliche Aspekt tritt statt der ökonomischen Komponente vermehrt in den Vordergrund. An zweiter Stelle ist eine Ergebnisorientierung feststellbar. Auch beinhaltet vor allen die Millenniums-Erklärung ein politisches Kohärenzgebot. Kohärenz dahingehend, dass die
Entwicklungszusammenarbeit einer Gebernation mit anderen außenwirksamen Politiken, wie der Agrar- oder Handelspolitik abgestimmt sein muss. Ein viertes Kennzeichen ist die Herausbildung einer globalen Entwicklungspartnerschaft. Die Entwicklungsländer sollen Entwicklungskonzepte durch sogenannte Poverty Reduction Strategy Papers (PRSPs) darlegen. Die Geberländer sollen sich folglich gemeinsam
darauf konzentrieren, die Umsetzung dieser Pläne partnerschaftlich zu unterstützen. 11
3. Das Aktionsprogramm 2015 der Bundesregierung
Die Bundesregierung reagierte relativ zügig auf die neuen entwicklungspolitischen Vorgaben und den einhergehenden Paradigmenwechsel in der internationalen Gemeinschaft. Am 4. April 2001 verabschiedete sie das „Aktionsprogramm 2015. Armut bekämpfen. Gemeinsam handeln. Der Beitrag der Bundesregierung zur
Halbierung extremer Armut“. 12 Wie sich bereits am Untertitel feststellen lässt, bezieht
10 Vgl. ebd., S. 19.
11 Vgl. ebd., S. 16-17.
12 Vgl. BMZ: Aktionsprogramm 2015, 2001.
5
Arbeit zitieren:
M.A. Jonas Kirstein, 2009, Das „Aktionsprogramm 2015“ der Bundesregierung – Der Versuch der Implementierung der Millennium-Entwicklungsziele, München, GRIN Verlag GmbH
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