Die Wirtschaftsentwicklung im Land Berlin Seite 2 von 16
EINLEITUNG 3
GESCHICHTE DES WIRTSCHAFTSSTANDORTES BERLIN 3
STRUKTURWANDEL DER BERLINER WIRTSCHAFT 5
DAS 3-SEKTORE-NMODELL 8
BERLIN ALS DIENSTLEISTUNGSSTADT 8
WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG IN BERLIN 10
AUSBLICK 13
LITERATURVERZEICHNIS 16
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Einleitung
Berlin stellt aufgrund seiner Geschichte einen Sonderfall unter den Bundesländern dar und kann daher nicht ohne weiteres mit diesen verglichen werden. Um die besonderen Herausforderungen für die Wirtschaft und auch die Wirtschaftsförderpolitik in Berlin zu verdeutlichen, wird zu Beginn der Arbeit ein kurzer Abriss der Geschichte des Wirtschaftsstandortes Berlin im 19. und 20. Jahrhundert geliefert. Dem schließt eine Betrachtung des Strukturwandels der Berliner Wirtschaft an, die zu der These hinführt, dass der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsstadt vorerst als gescheitert angesehen werden muss.
Geschichte des Wirtschaftsstandortes Berlin
Die preußische Residenzstadt Berlin und seit 1871 Hauptstadt des Deutschen Reiches hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer bedeutenden Industriemetropole und zum Mittelpunkt des industriellen Fortschritts entwickelt: „Mit der Gründung des Reiches wird Berlin beides: eine Entscheidungszentrale in der europäischen und später auch in der Weltpolitik und eine Metropole der Wirtschaft“ 1 . Neben der Bedeutung als Industriestandort war Berlin auch wichtiger Finanzplatz und konnte sich selbstbewusst in die Reihe anderer europäischer Metropolen wir London, Paris und Wien stellen.
Seit 1875 gab es erstmals mehr als eine Million Einwohner 2 , von denen die Mehrheit aus Schlesien und anderen östlichen Provinzen kamen, so dass man auch bis heute geflügelt davon spricht, dass in Berlin stets mehr als die Hälfte der Einwohner nicht aus Berlin gebürtig sind. Um die Jahrhundertwende wohnten in Berlin etwa 2 Millionen Einwohner, davon arbeiteten nach einer Statistik von 1905 etwa 55% in der Industrie, 25% in Handel und Verkehr und nur 7% im öffentlichen Dienst oder in den freien Berufen. 3 Auf den massiven Zuzug von Neu-Berlinern wurde 1920 mit dem Groß-Berlin-Gesetz reagiert, durch das 6 kreisfreie Städte, 59
1 IHK Berlin (1987): Berlin und seine Wirtschaft, S. 3
2 Anmerkung zu den verwendeten statistischen Zahlen in der Hausarbeit: Da jede Statistik eigene Definitionen für
ihre Kenngrößen verwendet (z.B. Produzierendes vs. Verarbeitendes Gewerbe) und zudem die Erhebungsmethoden
auch höchst unterschiedlich waren, ist die Vergleichbarkeit teilw. nur schwer herzustellen. Ich habe mich aber nach
besten Gewissen bemüht, vergleichbare Zahlen zu verwenden.
3 Vgl. IHK Berlin (1987): Berlin und seine Wirtschaft, S. 85
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Gemeinden und 27 Gutsbezirke eingemeindet wurden. Die Fläche der Stadt vergrößerte sich auf einem Schlag von 66km² auf 883km², die Einwohnerzahl verdoppelte sich auf nahezu 4 Millionen Einwohner.
In Berlin hatten sich namhafte Industriekonzerne wie die
Maschinenbaufabrik Borsig, der Elektroriese Siemens & Halske, AEG, Schering und die 1870 gegründete Deutsche Bank angesiedelt. Während Berlin im 1. Weltkrieg von der Kriegsproduktion profitieren konnte und weitere Industrieansiedlungen nach sich zog, hatte der 2. Weltkrieg mit den Bombardierungen, dem Kampf um Berlin und der Verlagerung von „kriegswichtiger“ Produktion aus Berlin negative Folgen für den Wirtschaftsstandort Berlin. Neben der Zerstörung sorgte die Demontage durch die sowjetischen Truppen dafür, dass praktisch kaum noch Industrieanlagen vorhanden waren.
Mit der Teilung der Stadt setzte auch eine geteilte Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Berlin ein: Während in West-Berlin nur noch wenige Industriebtriebe erhalten blieben und die Stadt sich in Richtung Dienstleistungs-und Wissenschaftsstandort (mit einem über-proportionalem Anteil Beschäftigter im öffentlichen Dienst) entwickelte, war Ost-Berlin weiterhin der Mittelpunkt industrieller Produktion in der östlichen Besatzungszone und dann auch in der DDR. Diese oftmals veraltete Industrieproduktion brach nach der Wiedervereinigung 1990 wie fast überall in den Neuen Bundesländern weitestgehend zusammen. West-Berlin war während der Zeit der Teilung der Stadt von ernormen Subventionen aus dem Westen angewiesen, die zum Beispiel über die Umsatzsteuerpräferenz oder die Arbeitnehmerzulage nach dem
Berlinförderungsgesetz gewährt wurden und zu enormen Verzerrungen in der Wirtschaft führten.
Relativ bald nach der Wiedervereinigung wurden diese Sonderhilfen eingestellt bzw. innerhalb weniger Jahre massiv gekürzt. Der Wegfall dieser Sonderhilfen hatte auch zur Folge, dass viele Industriebtriebe ihre Produktion in Berlin einstellten und sich wieder an ihre Stammwerke in den alten Bundesländern zurückzogen bzw. ihre reinen
Zulieferbetriebsstätten in Berlin schlossen.
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Strukturwandel der Berliner Wirtschaft
Die Berliner Wirtschaft zeichnet sich seit der Widervereinigung 1990 durch einen einflussreichen Strukturwandel aus. Während in Ost-Berlin der Wegfall von Abnehmermärkten in den ehemaligen Ostblock-Staaten und der Modernisierungsrückstand zu einem Zusammenbruch der Betriebe führten, hatte der Wegfall der Subventionen für West-Berlin ähnlich nachhaltige Konsequenzen. Hinzu kam eine bis dahin durch die Einmauerung verhinderte Abwanderungsbewegung ins kostengünstigere und für flächenintensive Unternehmen attraktivere Brandenburger Umland, das als „Neues Bundesland“ wiederum Subventionen bieten konnte. Das industrielle Potential von Berlin verringerte sich daher auf Grund seiner besonderen Geschichte erheblich stärker, als das in anderen Bundesländern der Fall war (Zur Änderung der Branchenstruktur siehe Grafik).
Im Zeitraum von 1991 bis 1999 sank die Zahl der Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten im Bereich der Industrie um 32,9% von 1397 auf 938 Einheiten. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Arbeitsplätze um 56,1%. Waren im Jahr 1991 noch ca. 263.800 Arbeitnehmer in diesem Sektor (nur Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten) beschäftigt, waren es
Arbeit zitieren:
Dipl.-Pol. Martin Reiher, 2008, Die Wirtschaftsentwicklung des Landes Berlin, München, GRIN Verlag GmbH
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