1. Einführung
Dieser Essay beschäftigt sich mit dem sogenannten Königsmechanismus, einer soziologischen Analyse des Funktionierens des Absolutismus, welche von dem deutsch-jüdischen Soziologen Norbert Elias in der Mitte des 20. Jahrhunderts getätigt wurde. Der Königsmechanismus beschreibt einen im Bereich der gesellschaftlichen Monopolbildung entwickelten Begriff, welcher einen gesellschaftlichen Zustand beschreibt, in dem sich gesellschaftliche Schichten aufgrund von sozialen Differenzen und Machtunterschieden weder gegeneinander durchsetzen, noch einen klaren Kompromiss finden. Durch diese scheinbar festgefahrene Situation profitiert ein Aristokrat, zum Beispiel ein König, in der er seine Zentralgewalt vollends entfalten kann, diese „Pattsituation“ klar für sich ausspielt und somit seine Monopolstellung wahrt und ausbaut.
Dieser Begriff des Königsmechanismus wurde von Elias häufig im Zusammenhang mit dem Absolutismus, vor allem dem französischen Absolutismus unter Ludwig XIV. gebraucht. In diesem Essay wird zuerst theoretisch beschrieben, woraus der Königsmechanismus resultiert und was seine Akteure sind, sowie versucht deren Interessen so gegeneinader abzuwägen, dass der Königseffekt vollends zum Tragen kommen kann. Im darauf folgenden Teil wird nun versucht diese eben benannte theoretische Abhandlung auf einen historischen Prozess, nämlich den der Ausbildung und Konsolidierung des französischen Absolutismus unter Ludwig XVI. zu beziehen und zu analysieren, die Gründe darzulegen, warum der französische Absolutismus so erfolgreich war und gleichzeitig so vorbildhaft für viele spätere europäische Monarchien.
Allerdings ist zu erwähnen, dass es sich hierbei nicht um einen Geschichtsaufsatz handelt, jedoch erscheint dies als eine passende Möglichkeit für den Autor dieses Essays, ein Student des Faches Lehramt Geschichte, ein soziologisches Phänomen mit einem historischen Prozess verknüpfend zu analysieren.
2. Der Königsmechanismus
Im Folgenden wird nun versucht dem Begriff „Königsmechanismus“ mit Hilfe von Elias beschriebenen Phänomenen ein Gesicht zu geben.
Vereinfacht versucht Norbert Elias den Königsmechanismus anhand des Beispiels Tauziehen zu illustrieren: Zwei Parteien, sprich zwei praktisch gleich starke Gesellschaftsgruppen ziehen
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an verschiedenen Enden eines Taus. Dabei bewegt sich das Tau nur geringfügig, da die Kräfte wie bereits erwähnt in etwa gleich stark sind. Eine einzelne Person, in dem Fall der König, welcher keiner der beiden Gruppen angehört, kann mit relativ geringem Aufwand das Gleichgewicht der konkurrierenden Kräfte durch eigene kleine Interventionen am Tau steuern. Dabei verfolgt er das Ziel die Spannung der Kräfte aufrechtzuerhalten, indem er als dritte, unabhängige Person am Ende der kurzzeitig unterlegenen Kraft zieht. Als Hauptziel ist hierbei herauszustellen, dass der König stets das Bestreben hat ein Gleichgewicht der konkurrierenden Kräfte herzustellen und durch eigene Intervention zu wahren.
Die Interdependenz der Kräfte untereinander, wie zum König wird evident, dadurch dass der König als Einzelner zwar einen größeren Entscheidungsspielraum innehat, jedoch schlichtweg von der Erhaltung dieser Spannung und des daraus resultierenden relativen Gleichgewichts der Kräfte abhängig ist.
Die Kräfte wiederrum sind ebenfalls auf die Interventionen des Königs angewiesen. Sollte eine der beiden Kräfte einmal für kurze Zeit der Unterlegene sein, so wird der König eingreifend das Gleichgewicht zu wahren versuchen. Deshalb ist für beide Kräfte die Hilfe des Königs immer wieder unerlässlich, denn von einer Spannung, beziehungsweise ein relatives Kräftegleichgewicht profitieren beide Seiten gleichermaßen. Zum Wirken des Königsmechanismus bedarf es zu allererst laut Elias einer sehr heterogenen, ausdifferenzierten Gesellschaft, wie es beispielsweise im Frankreich des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts der Fall war. Zu jener Zeit gab es auch in Frankreich noch keinen geeinigten Nationalstaat, denn der Gedanke von einer geeinten Nation in unserem heutigen Verständnis kam erst über 100 Jahre später mit der französischen Revolution auf. Zur politischen Situation im Frankreich des späten 16. Jahrhunderts ist zu sagen, dass es sich ähnlich wie auf dem Territorium des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation um einen recht großen „Flickenteppich“ voneinander unabhängiger und weitestgehend autarker Fürstentümer handelte, die zwar nominell der Zentralgewalt des Königs in Paris unterstellt waren, jedoch praktisch allein über ihre Ländereien verfügen konnten. Dies änderte sich allerdings allmählich mit der Thronbesteigung Heinrichs IV. (Henri IV.) 1598 aus dem Hause der Bourbonen, eine Adelsdynastie, welche die französische Politik und Kultur noch für die nächsten knapp 200 Jahre prägen sollte. Diese Adelsdynastie der Bourbonen war letztlich der ausschlaggebende Punkt, eine absolute Monarchie in Frankreich
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Arbeit zitieren:
Tobias Molsberger, 2011, Der Königsmechanismus , München, GRIN Verlag GmbH
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