Monika Welzmüller
__________________ __________________________________ Fernsehen hat sich seit den 1950er Jahren in den Industriestaaten - so auch in Deutschland - zu einem Leitmedium entwickelt. Die neue Medientechnologie hob sich gegenüber den anderen Technologien ab und setzte neue Standards. Besonders schwierig hatten es nach dem Aufkommen des Fernsehens die heimischen Kinos und Filmtheater. Nicht nur durch das gemeinsame Fernsehen in Gaststätten und Cafés oder bei den Nachbarn - das im Gegensatz zum Kino meist kostenlos möglich war - sondern auch in der Programmgestaltung orientierte man sich am Format des Kinos und lief ihm so den Rang ab.
Zunächst waren Fernsehgeräte zwar kaum erschwinglich - ein durchschnittlicher Apparat kostete mehrere Monatsgehälter eines Angestellten - dies änderte sich aber in Folge des Wirtschaftswunders: mit der deutlichen Steigerung des Durchschnittseinkommens der Bevölkerung nahmen auch die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu und sie fokussierten sich nicht mehr auf den Kinobesuch. Auch wurden Fernsehgeräte von den 1950er zu den 1970er Jahren immer preiswerter. Während im Jahr 1953 nur 10.000 Fernsehempfänger registriert waren, stieg ihre Anzahl im Jahr 1962 auf 7 Mio. (vgl. Schneider: Film, Fernsehen & Co., S. 49).
Nicht nur die immer attraktivere Preisgestaltung des Medienangebots „Fernsehen“ führte zu seinem Erfolg, sondern auch der Zugang dazu und das Medienangebot selbst. Es erfüllte die Grundbedürfnisse nach Unterhaltung und Wissensaneignung optimal.
Fernsehen stellte aber auch eine Verbesserung der Filmtechnologie dar und ermöglichte die Wiedergabe von Bewegtbildern ohne Zeitverzögerung. Das Fernsehen konnte auch die schnelle(re) Weitergabe von Informationen - was gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung gewann - gewährleisten. Damit veränderte sich das Kino auch in seiner inhaltlichen Programmgestaltung. Wurden bis Anfang der 1960er Jahre traditionelle Unterhaltungsfilme gezeigt, wandelte sich dies ab den 1960er Jahren mit dem „Neuen Deutschen Film“, der anspruchsvoller und gesellschaftskritischer war. Mit der Etablierung des Videorekorders in den 1980er Jahren gingen die Besucherzahlen in den Kinos abermals deutlich zurück und zahlreiche Kinos mussten schließen. Durch das Filmangebot der damals gegründeten privaten Fernsehsender wurde die Stellung des Kinos weiter geschwächt. Erst mit der Einführung der Multiplex-Kinos mit ihren großen Sälen Anfang der 1990er Jahre erlebte die Massenkinokultur eine gewisse Renaissance. So wurden auch Ton- und Bildwiedergabe deutlich verbessert. Daneben bedie- ^^
Monika Welzmüller
__________________ __________________________________ nen spezialisierte Programmkinos oder Filmtheater in den Großstädten das anspruchsvolle Publikum.
Das Kino wurde zunächst, so hat es den Anschein, vom Fernsehen als Medium verdrängt. Doch es fand eine „Spezialisierung“ des Kinos statt. Es wurde zum Event, zum Ereignis, für das man gerne auch einmal etwas mehr zahlt. Die für den Kinobesuch besonders relevante Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht jedoch infolge der Überalterung der Gesellschaft zurück. Computerspiele und sonstige Freizeitaktivitäten in Zusammenhang mit dem Internet sind eine starke Konkurrenz für den Kinobesuch. Daher wird es für die Institution Kino auch in Zukunft wichtig sein, sich weiter zu spezialisieren, indem sie ihren Erlebnischarakter weiter heraus stellt, mit Qualität und modernster Technik überzeugt und ihr Programm besonders auch für ältere Zielgruppen attraktiver macht. (Produktdifferenzierung)
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Monika Welzmüller
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ckelten Thesen die Verwendung des Medienbegriffs in einer aktuellen Tageszeitung oder Illustrierten.
„Als Medien werden […] technische Verbreitungsmittel von Informationen, ihre Nutzungsformen sowie die Institutionen, die sie verwenden bzw. hervorbringen, verstanden.“ (vgl. Einführung in die Medienwirtschaft, 2009, S.4) Damit unterscheidet man Medientechnologien, Mediennutzungsformen und Medieninstitutionen.
Als eine der Nutzungsformen der Medientechnologie Druck soll hier die Tageszeitung herausgegriffen werden: ganz allgemein wird eine Tageszeitung als ein Druckwerk von mäßigem Seitenumfang, das in kurzen periodischen Zeitspannen, mindestens zweimal wöchentlich, öffentlich erscheint (Publizi- tät) verstanden.Heute ist es ein meist täglich von Montag bis Samstag erscheinendes Printmedium (Periodizität).
Eine Zeitung ist, anders als die Zeitschrift, ein der Aktualität verpflichtetes Printmedium und gliedert sich meist in mehrere inhaltliche Rubriken (Res-sorts) wie Politik, Lokales, Wirtschaft, Sport, Feuilleton und Immobilien (Uni- versalität).
Die Medieninstitution, d.h. der Zeitungsverlag, ist mit seinen Redaktionen u.a. für die journalistische Arbeit zuständig; ebenso wie für den Druck und ein funktionierendes Vertriebssystem (Pressevertrieb). Bei der Tageszeitung handelt es sich um ein Kommunikationsmittel, das einerseits eine Botschaft zum Empfänger transportiert und darüber hinaus ist dies möglich, ohne dass der Empfänger ein Gerät benötigt, um die Bedeutung entschlüsseln zu können (Sekundärmedium).
Die o.g. vier charakteristischen Merkmale machen deutlich welche Grundbedürfnisse dieses Medium erfüllt: es besteht hauptsächlich darin die Bevölkerung zu informieren, Ereignisse zu kommentieren und zu analysieren. (Wis- sensvermittlung) Folglichspielt es eine bedeutende Rolle für die tägliche Informationsverbreitung und damit auch für die aktuelle Berichterstattung und die aktuelle Meinungsbildung in der Gesellschaft. Damit befriedigt die Tageszeitung v.a. das Grundbedürfnis Wissen. Sie ist nicht kommunikativ, d.h. es findet kein zeitgleicher, persönlicher Austausch von Informationen zwischen zwei oder mehr Menschen statt.
Außerdem zielt der heutige Medienbegriff bezogen auf die existierenden Massenmedien wie Presse, Rundfunk und Fernsehen in aller Regel nicht auf Unterhaltung ab. Die Tageszeitung, als Printmedium, gehört zu den klassischen ^^
Monika Welzmüller
__________________ __________________________________ Massenmedien, da sie von so gut wie allen Mensch eine Landes gelesen werden kann. Charakteristisch für Massenmedien ist auch, dass durch Vervielfältigung und Verbreitung von Informationen eine weder eindeutig festgelegte noch eine quantitativ begrenzte Anzahl von Personen erreicht werden kann.
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Monika Welzmüller
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len Differenzierung einher. Bitte diskutieren Sie zwei Beispiele für diese These aus dem 5. Kapitel.
Die Verbreitung eines neuen Mediums schließt den Prozess des Medienwandels - auf dieses Medium bezogen - ab. Grundsätzlich gibt es drei Stufen im Prozess des Medienwandels:
• Erfindungsphase
• Etablierungsphase
• Verbreitungsphase
Der Beginn der Verbreitungsphase ist schwer zu bestimmen. Anhaltspunkte dafür sind die massenhafte Verbreitung des Mediums durch die Verbilligung der Technologie und ihr selbstverständlicher Einsatz in der Alltagskultur breiter Bevölkerungsschichten, die Entwicklung einer Standardnutzungsform und meist zuletzt der Erlass von medienspezifischen Gesetzen. Bei der Verbreitung bereits etablierter Medien spielt der Nutzer eine entscheidende Rolle: „Ein neues Medium hat umso mehr Chancen sich durchzusetzen, umso mehr Vorteile es gegenüber der jeweils älteren Technologie hatalso je attraktiver das Produkt, desto besser der Zugang und umso preiswerter es ist.“ (vgl. Einführung in die Medienwirtschaft, 2009, S.29) - Gerade was die Qualität angeht, wollen die Nutzer sie nur, wenn sie nicht zu teuer ist. Optimale Lösungen sind also solche, bei denen sich Kosten und Nutzen die Waage halten.
Der Film hat sich zum Beispiel schnell etabliert, weil er attraktiver, verfügbarer und preiswerter als jede Theaterunterhaltung war. Die Institution Kino etablierte sich zunächst als Wanderkino und schließlich als ortsfeste Spielstätte. Das Wanderkino war die Institution, die den Film breiten Bevölkerungsschichten zugänglich machte und zugleich das kulturelle Modell für die späteren ortsfesten Kinos lieferte, die den Film als Massenmedium durchsetzten. Wanderkinos entstanden im Kontext der entwickelten Kultur des Schaustellergewerbes. Schausteller nutzten die kulturelle Infrastruktur der Feste und Märkte, die in regelmäßigen Turni stattfanden. Die Schausteller zogen mit ihrem Attraktionen von Ort zu Ort und von Veranstaltung zu Veranstaltung, wobei sie bis in die entlegene Provinz kamen. Der Film konnte kostengünstig als Speicher- und Verbreitungsmedium eingesetzt werden. Somit konnten auch Arbeitskräfte eingespart und die Rentabilität gesteigert werden. Die Wanderkinos waren außerordentlich erfolgreich. Sie erreichten schon innerhalb weniger Jahre über 36 Millionen Zuschauer aus allen sozialen Schich- ^^
Arbeit zitieren:
Monika Welzmüller, 2010, Einführung in die Medienwirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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