• Das Fremde als das letztlich Unerkennbare. Damit ist ein „Außen“ gemeint, bei dem die Möglichkeiten des Kennenlernens prinzipiell ausgeschlossen sind.
• Das Fremde als das Unheimliche. Seine Bedeutung ergibt sich aus dem Gegensatz zu Geborgenheit und Vertrautem. (vgl. Schäffter 1991, S. 14)
Dabei zeigt sich, dass das „Fremde“ begrifflich nicht gerade einfach zu fassen ist. Mit dieser Einteilung versucht Schäffter Kategorien zu bilden. Es zeigt sich aber, dass diese teilweise recht schwer zu fassen sind und noch recht unklar ineinander übergehen.
Für den Aufenthalt in einer fremden Kultur ergibt sich etwa dieses Bild: Geht ein Mensch in die Fremde, bedeutet das, er tritt aus dem gewohnten Zuhause, aus dem Kreis seiner Selbstverständlichkeiten, heraus und begibt sich in ein faszinierendes, aber fast immer auch bedrohliches Draußen. Er vertauscht damit Bekanntes mit Unbekanntem.
Einerseits erscheint es als gefährlich, weil unbekannt, andererseits lockt aber auch das „Fremde“. Das Andere und Neue verspricht neue Erfahrungen, Horizonterweiterung und Persönlichkeitsbildung. Fremdsein beruht auch auf Wechselseitigkeit. „Der Fremde in der Fremde erlebt die Menschen der Gastkultur als fremd, zugleich aber ist er selber für die Einheimischen ebenfalls ein Fremder, der zudem als „Eindringling“ erlebt wird und somit eine potentielle Gefahr darstellt. Potentiellen Gefahren begegnet man oft - in meist sehr urtümlichen Reaktionen - mit Mißtrauen und Ablehnung.“ (vgl. Maletzke, 1996, S. 31)
Das Individuum bewertet jede Begegnung mit Fremdem zuerst aus seiner ethnozentrischen Perspektive und beurteilt andere Kulturen nach den Maßstäben der eigenen Kultur. Dieser Vergleich fällt meist für das Fremde schlechter aus. Diese Abwertung des Fremden führt aber gleichzeitig zu einer Aufwertung des Eigenen, d.h. zu einem höheren Selbstwert. Zudem wird die soziale Identität eines jeden Menschen davon bestimmt, welche Interessen die jeweiligen Gruppen, denen er angehört, haben. „Um sich selbst zu definieren, grenzen sich Gruppen von anderen ab, entwickeln dabei ihr eigenes Selbstbild aus dem Kontrast zum Fremdbild.“ (vgl. Grundlagen und Perspektiven der interkulturellen Kommunikation, 2010, S. ^^
115) Stereotypen steigern das Zusammengehörigkeits-Gefühl und stärken die Gruppenidentität. Stereotype sind schablonenhaft vorgefertigte, vereinfachte und verallgemeinerte Kategorisierungen sozialer Gruppen. Unsicherheit und Angstgefühle führen oft zu negativen Stereotypen und Vorurteilen. Dieser Schutzmechanismus ist sehr häufig Ursache von Sündenbocktheorien. In der Interkulturellen Kommunikation spielen besonders nationale Stereotype eine wichtige Rolle.
Manche Menschen haben gegen bestimmte soziale Gruppen von Fremden Ängste und Abwehrhaltungen, weil sie diese durch negativen Erfahrungen in der Kindheit in Verbindung bringen und bestätigt sehen. Aber es können auch überhöhte Erwartungen an Fremde gestellt werden, wenn diese mit positiven Bildern und Informationen belegt sind. Zwei grundsätzliche Haltungen zum Fremden stellen damit Exotismus und Xenophobie dar. Nicht die Stereotypisierung, als notwendiger Mechanismus menschlicher Existenz, ist das eigentliche Problem, sondern deren unreflektierte Anwendung. Im Umgang mit diesem Phänomen ist es daher v.a. wichtig, dass Stereotype nur als „erstbeste“ Vermutungen angesehen werden und man bereit ist, bei diesen auch zuzulassen Modifikationen vorzunehmen. Denn die Gefahr besteht darin, dass Stereotypen unreflektiert und ohne Perspektivenwechsel angewendet, zu Vorurteilen werden, die gegenüber Veränderungen der Realität lange resistent sind. Vorurteile sind damit Vorverurteilungen. So entstehen negative Bilder vom Fremden in unseren Köpfen - z.B. welche Vorstellung wir von Angehörigen einer anderen Kultur haben - bevor wir sie überhaupt kennengelernt haben.
^^
2. Aufgabe
Kalvero Oberg prägte den Begriff „Kulturschock“. Setzen Sie ihn in Beziehung zu den Kategorien von Schäffter und Lippmann. Leiten Sie mögliche Ursachen eines Kulturschocks ab. Der Begriff „Kulturschock“ wurde 1958 erstmalig vom amerikanischen Anthropologen Oberg gepägt. Oberg hält folgende Merkmale für charakteristisch:
• Angestrengtes Bemühen, die neuen Eindrücke zu verarbeiten, • Angst vor der fremden Kultur,
• Das Gefühl, isoliert und verlassen dem Unbekannten hilflos ausgeliefert zu sein,
• Unsicherheit in der eigenen Identität und in den eigenen Rollenvorstellungen,
• Die Meinung, von den Einheimischen nicht akzeptiert zu werden. (vgl. Bochner, 1983, S. 168)
Oberg bezog sich dabei auf die psychische Desorientierung von Menschen, die plötzlich in einer für sie völlig fremden kulturellen Umgebung arbeiten und leben. Dabei scheinen alle bekannten kulturellen Muster beim Eintritt in die neue Kultur ihre Gültigkeit verloren zu haben.
Der „Kulturschock“ betrifft v.a. Personen, die für längere Zeit, d.h. mind. sechs bis 18 Monate, im Ausland tätig sind.
Die erste Zeit in der Fremde ist besonders belastend. Unzählige neue Eindrücke stürmen auf diese Personen ein; verwirrende Eindrücke, denn sie stimmen nicht mit den bis dahin für sie selbstverständlich gehaltenen Verhaltensmustern, Denkweisen und Wertorientierungen überein. Die gewohnten Muster werden erschüttert, und man ist zunächst nicht im Stande das Neue einzuordnen und zu verarbeiten. Deprimierend und verwirrend können oft auch die sozialen Verhältnisse im Gastland sein: Armut, Hunger, Krankheiten, Slums, Bettler. All das kann in einen „Kulturschock“ münden. Damit wird auch deutlich, dass sowohl Verhaltensmuster, Denkweisen und Wertorientierungen als auch damit einhergehende Vorurteile und gebildete Stereotype, die einmal der Reduktion von Komplexität bei der menschlichen Wahrnehmung und Informationsverarbeitung dienten, nun neu „überarbeitet“ werden müssen. - Jeder Mensch hat Vorurteile und bildet Stereotype, da ^^
Arbeit zitieren:
Monika Welzmüller, 2010, Grundlagen und Perspektiven der interkulturellen Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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