Inhaltsverzeichnis
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I Bedingungsanalyse 3
II Sachanalyse 4
III Didaktische Analyse 5
IV Ziele des Unterrichts 6
V Methodische Analyse 7
VI Durchführung des Unterrichts 10
VII Literaturverzeichnis 13
VIII Anhang 14
VIII.1 Tafelbild 14
VIII.2 Quelle 15
VIII.3 Arbeitsblatt Lebenslauf Luther 16
VIII.4 Folie Musterbeispiel Tafelbild 17
I Bedingungsanalyse
Im Rahmenplan des Landes Mecklenburg-Vorpommern 1 für die Sekundarstufe I an Gymnasien ist die Beschäftigung mit der Person Martin Luther, zwischen der 7. und 8. Klasse, obligatorisch im Sachgebiet „Glaubensspaltung und Glaubenskriege“ verankert. 2 Die Schülerinnen und Schüler 3 befinden sich folglich zwischen dem 13. und 14. Lebensjahr. In dieser Phase kann bereits von einer abgeschlossenen kognitiven Entwicklung 4 ausgegangen werden, was begünstigt, dass abstraktes Denken und das Ziehen von logischen Schlussfolgerungen, vorauszusetzen sind. Durch das Erreichen der Pubertätsphase kann durch die problematisierte Thematik womöglich ein produktiver Beitrag zur intrinsischen Motivation geleistet werden, da durch die Auflehnung gegen die Obrigkeit bzw. die gesetzgebende Macht, wenn auch Jahrhunderte übergreifend, ein Bezug zur persönlichen Gegenwart geknüpft werden kann. Eine Binnendifferenzierung wird hierbei nicht unumgänglich sein, da in jeder beliebigen Klasse von SuS des oberen, mittleren und unteren Leistungsniveaus ausgegangen werden muss. Ebenso sollte man SuS anderer Religionen als dem Christentum, die gesonderte Möglichkeit zur eigenen Ansicht und Auffassung einräumen. Durch das bereits thematisierte Alter der SuS kann ebenfalls angenommen werden, dass sich zumindest ein geringer Teil, im Bereich der Christenlehre in Hinblick auf die bevorstehende oder absolvierte Konfirmation, intensiv mit dem Thema Religion auseinandersetzt.
Durch Vorwissen der vorangegangenen Stunden können bereits Aussagen über die Krise der katholischen Kirche im Mittelalter zur Verflechtung der Kirche mit der Politik und zum Ablasshandel getroffen werden. Martin Luther und seine Einleitung der Reformation positionieren sich hierbei in den Kontext. Angedacht ist ein Stundenvolumen von einer Unterrichtsstunde. Dabei soll auf Luthers Leben, seine Lehre und Ansichten und die daraus resultierende Reformation eingegangen werden. Im weiteren Unterrichtsverlauf würde sich eine anschließende Problematisierung des Bauernkrieges und des Augsburger Religionsfriedens anbieten. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend könnte dann in den Themenkomplex des 30-jährigen Krieges und den dadurch hervorkommenden Westfälischen Frieden übergeleitet werden. Auf diese Weise wäre das gesamte Sachgebiet der „Glaubensspaltung und Glaubenskriege“ bearbeitet.
1 Einsehbar durch: http://www.bildungsserver-mv.de/download/rahmenplaene/rp-geschichte-7-10-gym-02.pdf.
2 Nach http://www.bildungsserver-mv.de/download/rahmenplaene/rp-geschichte-7-10-gym-02.pdf, S.26.
3 Im Folgenden unter der Bezeichnung „SuS“ - für „Schülerinnen und Schüler“.
4 Hierbei wird sich auf das Entwicklungsmodell Jean Piagets zur kognitiven Entwicklung bezogen.
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II Sachanalyse
Mit dem 31. Oktober 1517 setzte eine Folge von Umwälzungen ein, die bis heute historische Eckdaten fundieren. Angefangen bei den lutherischen Thesen selbst, über einen revolutionären Religionsfrieden, bis hin zu einem Krieg, der Europa jahrzehntelang vereinnahmen sollte. Martin Luther als Wegbereiter der Reformation. Die Reformation als Zäsur der europäischen Zeiteinteilung - der Übergang vom kirchlich dominierten Mittelalter hin zur Neuzeit.
Die Rolle des Martin Luther lässt sich bisweilen nicht eindeutig bestimmen: einerseits die Rolle als Schöpfer neuer Denkweisen und Weltansichten; andererseits als Zerstörer der kirchlichen Einheit und Ordnung des Mittelalters. 5 Die Reformation gilt als historischer Umbruch, da hier erstmals revolutionäre Charakteristika zu Tage traten. Somit wird bisweilen die Meinung vertreten, Luther habe die Revolution erst gesellschaftsfähig gemacht. 6 Dabei muss aber hinterfragt werden, wie viel Anteil Luther tatsächlich an der Reformationsentwicklung hatte, oder ob nicht etwa andere Refor-matoren einen gleichzusetzenden Einfluss auf die Geschehnisse 1517-1522 hatten. Martin Luther wird anfangs als unterwürfiger Mönch, dann als aufstrebender Dozent mit Professur in Wittenberg betrachtet. Geschockt von einer Gelehrtenreise nach Rom 1510/11 beginnt er eine eigene Meinung zur Bibelauslegung und dem Treiben mit Ablass zu entwickeln. 7 Durch seine intensive Bibelarbeit vertrat er die Auffassung, dass allein der Glaube und die Gnade Gottes dem Menschen zum ewigen Seelenheil verhelfen. Als er am 31.10.1517 seine 95 Thesen veröffentlicht, trifft er damit nicht nur den sogenannten „Nerv der Zeit“, er hat dadurch von Beginn an die Zustimmung des Volkes/des gemeinen Mannes auf seiner Seite. Doch eine Opposition im Volk zu schaffen oder gar die gesamte Glaubensmanifestation zu erschüttern, war nie durch ihn beabsichtigt. 8 Da er sich als frommer Mönch allein Gott und nicht einer vermenschlichten Inkarnation unterstellt sah, begann er unfreiwillig zu rebellieren. Die Kirche, mit Papst Leo X. als Oberhaupt, sah sich seit Thesenveröffentlichung durch Luther bedroht. Um dem Treiben um Luthers Thesen Einhalt zu gebieten, musste sich dieser 1518 in Augsburg einem Glaubensprozess unterziehen, der durch den Papstge-sandten Kardinal Cajetan vollzogen wurde. Dem Befehl zu widerrufen, widersetzte sich Luther unter der Begründung, er würde nur dementieren, wenn er durch die Heilige Schrift widerlegt werden könne. 9 Da sich der Papst nun zum Handeln gezwungen sah, belegte er Luther 1521 mit der päpstlichen Bannbulle. Martin Luther war somit exkommuniziert und von der Kirche ausgeschlossen.
5 Nach Steigertahl, Hans-Joachim: Stundenblätter Reformation und Gegenreformation, Glaubenskriege. Sekundarstufe I, Stuttgart 1993, S.9.
6 Nach Reinhard, Wolfgang: Probleme deutscher Geschichte. 1495-1806. Reichsreform und Reformation. 1495-1555, Stuttgart 10 2004, S.263.
7 Nach Genthe, Hans Jochen: Martin Luther. Sein Leben und sein Denken, Göttingen 1996, S.81ff.
8 Nach Reinhard, Wolfgang, S.263.
9 Nach Kaufmann, Thomas: Martin Luther, München 2006, S.51ff.
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III Didaktische Analyse
Wie bereits in der Bedingungsanalyse geschildert, kann die thematische Behandlung der Reformation aus einer vorhandenen intrinsischen Motivation seitens der SuS schöpfen. Eingegliedert in einen vielschichtigen Themenkomplex, wird das enorme Potenzial sichtbar, um dem Thema der Glaubensspaltung Tiefe zu verleihen. Durch das bereits bekannte Gefühl der Unterdrückung und Untergebenheit, kann das Unterrichtsthema für SuS zugänglicher gemacht werden. Der Bildungsinhalt der Thematik bezieht sich auf die exemplarische Bedeutung für SuS, da sie an klare Ablaufstrukturen einer beginnenden Umwälzung, im weitergeführten Sinne einer Revolution, herangeführt werden. Dadurch kristallisiert sich auch die Relevanz der ausgewählten Bildungseinheit heraus: das Erkennen der historischen Zäsur, die spätere/folgende Auflehnungen gegen vorgegebene Machtinstitutionen erst ermöglichte. SuS soll aufgezeigt werden, dass weltgeschichtliche Komponenten sich gegenseitig beeinflussen und bedingen.
Die reformatorische Thematik ist im Lehrplan 10 verankert, weil es vor allem im „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ des beginnenden 16. Jahrhunderts die Neue Zeit einleitete und den Weg für spätere Aufklärung und moderne Wissenschaft ermöglichte. Durch Martin Luther wird erstmalig die seit Jahrhunderten existierende religiöse Grundordnung angezweifelt, in Frage gestellt und kritisiert. Die immanente Wichtigkeit des Themenkomplexes der Reformation besteht vor allen Dingen darin, dass die Auswirkungen bis in die heutige Zeit anhalten: beispielsweise die Zelebrierung des Reformationstages am 31. Oktober jeden Jahres als Feiertag in den fünf ostdeutschen Bundesländern 11 . Auch die aus der Reformation resultierende Kirchenspaltung, in evangelische und katholische Konfessionen, ist anhaltend vorhanden. Mit etwa 1,9 Milliarden Menschen bezeichnen sich rund ⅓ der Weltbevölkerung als gläubige Christen: dabei spricht man, bei 1,25 Milliarden (ca. 65%)von Katholiken undbei 600 Millionen (ca. 35%) von protestantisch Gläubigen. Eben jene Fakten sollen SuS verdeutlichen, dass die Geschehnisse um Martin Luther und die Reformation nicht nur Ereignisse waren, die unsere eigene Nation nachhaltig prägten, sondern die sich bis heute auf die gesamte Weltgeschichte auswirken und dadurch in der Gegenwart immer noch existent sind. Den SuS soll offen dargelegt werden, dass feststehende Grundordnungen in der Gesellschaft nicht zwangsläufig unantastbar bzw. unumstößlich sind, sondern fordern, jederzeit hinterfragt zu werden. Dabei kann exemplarisch der geschichtliche Verlauf zum Beispiel der Verhütung angeführt werden und die dadurch entstehende Unabhängigkeit der Frau: Von dem anfänglichen Fehlen einer Verhütung 12 , über die Einführung der Pille 1961, hin zum 1974 verabschiedeten Abtreibungsgesetz, bis
10 Siehe http://www.bildungsserver-mv.de/download/rahmenplaene/rp-geschichte-7-10-gym-02.pdf.
11 Hierbei ist die Rede von Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
12 Bei dieser Thematisierung ist die Bedeutung und Meinung von Kirche und Papst ebenfalls sehr interessant zu betrachten.
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Arbeit zitieren:
Maxi Pötzsch, 2011, Unterrichtsstunde: Martin Luther und der Weg in die Reformation, München, GRIN Verlag GmbH
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