Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Begriffsklärung 3
6
2 Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsreihe insgesamt
2.1 Inhaltliche Vorgaben des Kernlehrplans über die Beschäftigung mit dem antiken 6
Griechenland
2.2 Anwendungsmöglichkeiten, Vor- und Nachteile der Methode des Stationenlernens 7
2.3 Inhaltlicher Aufbau des Stationenlernens und gesetzter Zeitrahmen 9
3 Die Lern-Stationen und ihre Themen im Einzelnen: 10
Methodisch -didaktischer und fachwissenschaftlicher Hintergrund
3.1 Griechenland - Der geografische Raum: Lebensbasis und Handlungsspielraum 10
3.1.1 Die Stationsthemen und ihr methodisch-didaktischer Hintergrund 10
3.1.2 Fachwissenschaftlicher Hintergrund 12
3.2 Der Weg durch die Geschichte Griechenlands 13
3.2.1 Die Stationsthemen und ihr methodisch-didaktischer Hintergrund 13
3.2.2 Fachwissenschaftlicher Hintergrund 15
3.3 Die Olympischen Spiele 16
3.3.1 Die Stationsthemen und ihr methodisch-didaktischer Hintergrund 16
3.3.2 Fachwissenschaftlicher Hintergrund 18
3.4 Die Götter der Griechen 19
3.4.1 Die Stationsthemen und ihr methodisch-didaktischer Hintergrund 19
3.4.2 Fachwissenschaftlicher Hintergrund 21
4 Didaktischer Verlauf der Unterrichtsreihe vom Einstieg bis zur 22
Abschlussdiskussion
4.1 Einstieg in das Thema „Das antike Griechenland“ 22
4.2 Das „Stationenlernen Griechenland“ 23
4.2.1 Aufbau der Stationenarbeit im Klassenraum und Schüler-Rundgang 23
4.2.2 Planungsphase mit dem Laufzettel und Beginn der eigentlichen Arbeit 2 5
4.2.3 Abschlussdiskussion, Leistungsbewertung und nachfolgender Unterricht 2 6
5 Schlussbemerkungen 28
6 Bibliographie 30
7 Anhang 32
2
1 Einführung und Begriffsklärung
In dieser Arbeit wird eine Unterrichtsreihe über das antike Griechenland für die Jahrgangsstufe 5 in der Gesamtschule vorgestellt, welche die Methode des Stationenlernens umsetzt. „Stationenlernen“ ist „eine der bekanntesten und beliebtesten Formen des offenen Unterrichts“, bei der Schüler/innen an Lernstationen ein „in verschiedene Teilaspekte differenzierte[s] Thema“ bearbeiten. 1 Dabei sind die Lernziele der einzelnen Stationen abgestimmt auf das „übergreifende Lernziel des Unterrichts“, wobei der gesamte Unterrichtsinhalt gleichzeitig angeboten wird. Die Schüler/innen bestimmen weitgehend selbst über die Reihenfolge ihrer Arbeit und die „Verweildauer“ an den einzelnen Stationen, welche unterschiedliche Arbeitsmaterialien und Aufträge für diese bereithalten. Die Methode des Stationenlernens ermöglicht es der Lehrperson, vielfältige Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsniveau anzubieten. Sie gibt den Lernenden die Freiheit und zugleich die Verantwortung, die Lernstationen nach eigenen Interessen auszuwählen und ihren Lernweg selbstständig und weitgehend individuell zu gestalten. 2
Das „Stationenlernen Griechenland“ besteht aus vier Stationen, die jeweils Pflicht-, Erweiterungs- und Vertiefungsthemen enthalten, welche verschiedene Aspekte des jeweiligen übergreifenden Stationsthemas behandeln. 3 Nach Bearbeitung der Pflichtthemen dürfen die Lernenden die Stationsthemen nach Wahl erweitern und vertiefen, wobei sie selbst über die Reihenfolge bestimmen. 4 Die vier Stationen gliedern sich in die folgenden Hauptthemen auf: 5 • Griechenland - Der geografische Raum: Lebensbasis und Handlungsspielraum • Der Weg durch die Geschichte Griechenlands • Die Olympischen Spiele • Die Götter der Griechen
1 Irmintraut Hegele, Stationenarbeit. Ein Einstieg in den offenen Unterricht. In: Jürgen Wiechmann (Hrsg.), Zwölf Unterrichtsmethoden. Vielfalt für die Praxis, Weinheim und Basel 1999, S. 58.
2 Vgl. ebd. sowie Peter Gautschi, Lernen an Stationen. In: Ulrich Mayer et al. (Hrsg.), Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2004, S. 515; Peter Gautschi, Geschichte lehren. Lernwege und Lernsituationen für Jugendliche, Bern, 2. erweiterte Auflage 2000, S. 96; Michael Sauer, Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze-Velber 2001, S.108; Christian Mathis, Stationenlernen. In: Hilke Günther-Arndt (Hrsg.), Geschichts-Methodik. Handbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2007, S. 95-98; Hilke Günther-Arndt, Aufgabenbasierter Geschichtsunterricht. In: Hilke Günther-Arndt (Hrsg.), Geschichtsdidaktik Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2005, S. 182 ff. 3 Vgl. Gautschi 2000 und 2004.
4 Vgl. Kapitel 3 und die Übersichtstabelle zum „Stationenlernen Griechenland“ im Anhang.
5 Anm. d. Verf.: Die Lernstationen sind mithilfe des Materials aus Rosemarie Lang, Stationentraining Griechenland. Materialien zum Erstellen eines Lernzirkels in 15 Stationen, Donauwörth 2003 sowie mithilfe des Geschichts-Lehrwerks von Sven Christoffer et al. Zeitreise 1. Ausgabe A, Leipzig 2004 und den Informationen und einigen Kopiervorlagen aus den dazugehörigen Lehrerhandreichungen entworfen worden. Die Abbildungen auf den erstellten Arbeitsblättern stammen aus diesen Büchern bzw. handelt es sich vereinzelt um ClipArts aus Microsoft Word. Die Stationenarbeit ist so erstellt, dass die Schüler/innen das Buch „zeitreise 1“ nutzen bzw. stellt die Lehrkraft Kopien der benötigten Buchseiten zur Verfügung (siehe Anhang, dort ebenfalls enthalten).
3
Laut Peter Gautschi ist die Arbeitsform des Stationenlernens in besonderem Maße für die Vermittlung von „Multiperspektivität“, und „Kontroversität“ geeignet. 6 Laut Klaus Bergmann beinhaltet die „Multiperspektivität“ die Perspektivität „der aus der Vergangenheit erhaltenen Quellen“ und die „Kontroversität“ die Perspektivität „der von späteren Betrachtern und Forschern vorgelegten Darstellungen über einen historischen Sachverhalt“. 7 Für die Inhalte der Unterrichtsreihe „Stationenlernen Griechenland“ spielt bei einigen Themen (z.B. Die Olympischen Spiele) die Multiperspektivität eine wichtige Rolle. 8
Zudem fördern die vielfältigen Themen und Aufgaben des Stationenlernens die Entwicklung von Geschichtsbewusstsein bei den jungen Lernenden. Nach der Definition Hans-Jürgen Pandels ist „Geschichtsbewusstsein“ als „mentale Struktur“ zu verstehen, die sich aus dem Erfassen und Verstehen der folgenden Kategorien ergibt: Zeitbewusstsein (früher - heute/morgen), Wirklichkeitsbewusstsein (real/historisch - imaginär), Historizitätsbewusstsein (statischveränderlich), Identitätsbewusstsein (wir - ihr/sie), politisches Bewusstsein (oben - unten), ökonomisch-soziales Bewusstsein (arm - reich) und moralisches Bewusstsein (richtig - falsch). 9
Im Besonderen soll es in der Stationenarbeit zum Thema Griechenland bei den Schüler/innen der Jahrgangsstufe 5 darum gehen, eigenständiges Arbeiten im Umgang mit Karten und Sekundärliteratur sowie auf einer einfachen Ebene mit Quellentexten und bildlichen Darstellungen einzuüben. Auch oft als selbstverständlich oder einfach angesehene Tätigkeiten wie das genaue Lesen von Aufgabenstellungen oder das ordentliche Führen einer Mappe zur Stationenarbeit usw. werden bei den Kindern geschult. Zusätzlich soll die Stationenarbeit dazu beitragen, die sozialen Kompetenzen der Lernenden zu fördern, kreatives Arbeiten zu ermöglichen und - durch das Erlebnis eigenständigen Arbeitens - die Wahrnehmung der eigenen Selbstwirksamkeit zu stärken und auf diese Weise zur Steigerung der Motivation und einer positiven Einstellung zum Geschichtsunterricht beizutragen. 10 Durch die Vielzahl der gesetzten Ziele in ganz unterschiedlichen Bereichen zeigt sich, wie viel Potential die Stationenarbeit für den Unterricht hat.
Für die Methode des Stationenlernens gibt es verschiedene Bezeichnungen und Erscheinungsformen, wie z.B. „Lernzirkel“, „Lernstatt“, „Lernwerkstatt“, „Zukunftswerkstatt“,
6 Vgl. Gautschi 2004, S. 528.
7 Klaus Bergmann, Multiperspektivität. In: Ulrich Mayer et al. (Hrsg.), Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2004, S. 65-77. 8 Vgl. die betreffenden Themen des Stationenlernens in Kapitel 3.
9 Vgl. Bernd Schönemann, Geschichtsdidaktik, Geschichtskultur, Geschichtswissenschaft. In: Hilke Günther-Arndt (Hrsg.), Geschichtsdidaktik Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2005, S. 16.
10 Vgl. zu diesen Ausführungen Kapitel 2.2.
4
„Lernstraße“, „Planarbeit“ usw., die in der Pädagogik zum Teil widersprüchlich definiert werden.
Inhaltlich unterscheidet z.B. Peter Gautschi die Zielsetzungen des klassischen
„Stationenlernens“, der „Zukunftswerkstatt“, der „Lernstatt“ und der „Lernwerkstatt“ 11 In der
hier vorliegenden Arbeit wird, wenn man Gautschis Bezeichnungen folgt, die Umsetzung einer
„Lernwerkstatt“ behandelt. Genauer handelt es sich dabei um eine „Erarbeitungswerkstatt“, bei
der nach einer thematischen Hinführung im Plenum „das Thema umfassend, aber aufgeteilt auf
unterschiedliche Stationen dargeboten“ wird, wobei dies „mit einer stärkeren Gewichtung des
Erlebens , Erkundens“ und der „intellektuellen Erarbeitung“ einhergeht als dies z.B. in einer
„Einstiegswerkstatt“ der Fall wäre, bei der es um eine erste Begegnung mit einem Thema und
das Aufwerfen von Fragen geht. 12
In dieser Arbeit werden zunächst im Rahmen didaktischer Überlegungen zur gesamten
geplanten Unterrichtsreihe die Vorgaben des Lehrplans erläutert, an der sich die Stationenarbeit
orientiert. Anschließend werden die Anwendungsmöglichkeiten sowie Vor- und Nachteile der
Methode beleuchtet. Schließlich wird der Aufbau des „Stationenlernens Griechenland“ erklärt
und der gesetzte Zeitrahmen beschrieben. Darauffolgend werden die vier Stationen und ihre
einzelnen Themen genauer vorgestellt und aus methodisch-didaktischer sowie aus
fachwissenschaftlicher Sicht erläutert. Abschließend wird der didaktische Verlauf der
Unterrichtsreihe aufgezeigt, wobei zusätzlich zum Ablauf des Stationenlernens auch die Stunden
f ür den Einstieg ins Unterrichtsthemas und die Abschlussdiskussion nach dem Stationenlernen
dargestellt werden.
11 Vgl. Gautschi 2004, S. 519-520.
12 Vgl. ebd., S. 521.
Anm. d. Verf.: Nicht zu verwechseln ist hier wiederum Gautschis „Lernwerkstatt“ mit der
„Werkstattarbeit“, die eine weitere Form offenen Unterrichts darstellt, vgl. Pallasch in Wiechmann, 143
ff. Nachdem hier nun eine Definition der beabsichtigten Variante der Stationenarbeit gegeben wurde, wird
diese im weiteren Verlauf dieser Arbeit der Einfachheit halber schlichtweg weiterhin als „Stationenarbeit“
oder „Stationenlernen“ bezeichnet.
5
2 Didaktische Überlegungen zur Unterrichtsreihe insgesamt
2.1 Inhaltliche Vorgaben des Kernlehrplans über die Beschäftigung mit dem antiken Griechenland
Die für die Jahrgangsstufe 5/6 an der Gesamtschule entwickelte Unterrichtsreihe „Stationenlernen Griechenland“ orientiert sich am Kernlehrplan des Fachs Gesellschaftslehre, welches an der Gesamtschule die Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik umfasst. 13 Der Lehrplan sieht die Beschäftigung mit dem obligatorischen „Inhaltsfeld 2“, „Antike Lebenswelten -Griechische Poleis und Imperium Romanum“, vor. 14 Der Schwerpunkt in Bezug auf das antike Griechenland liegt dabei auf den „Lebensbedingungen und Formen politischer Beteiligung in der griechischen Polis“ 15 . Die Stationenarbeit ist, nach einer kurzen Plenumsrunde, zum direkten Einstieg in das Thema konzipiert und konzentriert sich vorrangig auf die Vermittlung der Lebensbedingungen und der Kultur im alten Griechenland, wobei gedacht ist, dass sich nach der Stationenarbeit eine Beschäftigung mit den Poleis Athen und Sparta sowie der athenischen Demokratie zur Zeit des Perikles anschließt. In Bezug auf die im Lehrplan beschriebenen konkretisierten Sachkompetenzen im Inhaltsfeld 2 sollen die Inhalte der Stationenarbeit die Lernenden dazu befähigen,
• „die räumlichen und die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Entstehung der griechischen Stadtstaaten” zu erklären und
• „in elementarer Form den Zusammenhang von Götterglauben und Kultur im antiken Griechenland” zu erläutern. 16
Darüber hinaus ist mit jeder Lernstation der Erwerb weiterer Sachkompetenzen und Methodenkompetenzen wie dem Umgang mit Karten, Text- und Bildquellen, sowie teilweise Urteils- und Handlungskompetenzen verbunden, die in Kapitel 3 und auf der Übersichtstabelle zur Stationenarbeit näher konkretisiert werden.
13 Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Kernlehrplan für die Gesamtschule - Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen. Gesellschaftslehre. Erdkunde, Geschichte, Politik. (Entwurf Verbändebeteiligung: 04.10.2010). Frechen 2010. Online verfügbar unter: http://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/lehrplaene/kernlehrplaene-seki/gesamtschule/ (10.03.2011).
Anm. d. Verf.: Dieser Lehrplan muss erst noch in Kraft gesetzt werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass die darin enthaltenen Informationen bereits im Rahmen dieser Hausarbeit nutzbar sind, da die Lehrkräfte über die Seite des Ritterbach Verlages über den Lehrplan verfügen können. 14 Vgl. ebd. S. 88.
Anm. d. Verf.: Das in dieser Arbeit angewendete Verfahren der Unterrichtsplanung richtet sich nach den Ratschlägen Norbert Zwölfers, der empfiehlt zunächst von der kompletten Unterrichtseinheit auszugehen, die angestrebten Lernziele herauszustellen und dann immer kleinschrittiger bis hin zu den Einzelstunden vorzugehen. Vgl. Norbert Zwölfer, Die Vorbereitung einer Geschichtsstunde. In: Hilke Günther-Arndt (Hrsg.), Geschichtsdidaktik Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2005, S. 197-205. 15 Ebd. S. 96. 16 Ebd.
6
2.2 Anwendungsmöglichkeiten, Vor- und Nachteile der Methode des Stationenlernens
Prinzipiell ist die Methode des Stationenlernens für Themen geeignet, die sich in sinnvolle
Teilaspekte für einzelne Lernstationen aufgliedern lassen und bei denen es möglich ist, sich dem
Inhalt in einer beliebigen Reihenfolge zu widmen. 17 Dies ist bei der konzipierten
Unterrichtsreihe der Fall.
Desweiteren bietet Stationenarbeit eine „willkommene methodische Abwechslung zum gängigen
Klassenunterricht “ 18 und stellt zugleich eine Möglichkeit für selbstgesteuertes und gemeinsames
Lernen dar, welches einen motivierenden Einfluss auf die Lernbereitschaft der Schüler/innen
haben kann. Nach der Selbstbestimmungstheorie der Motivation von Deci und Ryan
beeinflussen das Erleben von Autonomie und Kompetenz bzw. eigener Fähigkeit sowie die
soziale Einbindung in einer Lernsituation die Lernmotivation. 19 Die Stationenarbeit als Form
selbstgesteuerten Lernens mit weitgehend freier Material- und Aufgabenwahl, selbstständiger
Zeit - und Arbeitsplanung, der Möglichkeit für kreatives Arbeiten (je nach Aufgabenstellung) und
der Möglichkeit zur Partnerarbeit bietet für die Entstehung von Lernmotivation folglich eine
sehr erfolgversprechende Lernumgebung. Laut Irmintraut Hegele zeigen Forschungsbefunde,
dass die Methode des Stationenlernens auf positive Weise „die Kreativität, die Einstellung zum
Schullernen und vor allem die Selbstständigkeit der Schüler/innen“ beeinflusst. 20
Au ßerdem ergibt sich durch die Methode der Stationenarbeit in besonderem Maße eine
M öglichkeit zur „Inneren Differenzierung“ Nach Klafki und Stöcker hat die Innere
Differenzierung bzw. Binnendifferenzierung die „Schaffung von Chancengleichheit“ zum Ziel und
beinhaltet den Versuch, „optimale Lernmöglichkeiten“ für jedes einzelne Kind (bzw.
Jugendlichen) zu schaffen. 21 Die Stationenarbeit, die ein individuelles Lerntempo,
Wahlm öglichkeiten bei den Themen und Aufgabenstellungen sowie den Umgang mit
verschiedenen Materialien ermöglicht, bietet hierfür eine ideale Arbeitsform, da den
verschiedenen „Lerntypen“ (visuell, auditiv, kinästhetisch global/analytisch) mehr gerecht
werden kann als z.B. der lehrerzentrierte Klassenunterricht. 22 Gutes Gelingen hängt hierbei
allerdings von einem gut zusammengestellten Lernangebot seitens der Lehrperson ab, welche
sich über die unterschiedlichen Leistungsniveaus und Lerntypen bewusst sein muss, und ebenso
davon , dass die Lehrperson die Schüler/innen z.B. bei der Auswahl von für sie geeigneten
17 Vgl. Gautschi 2004, S. 516.
18 Ebd., vgl. Silke Riedl, „Das war doch auch gar kein Unterricht “ Erfahrungen mit einer Stationsarbeit im
Fach Gesellschaftslehre. In: Pädagogik 6/08, S. 10-13.
19 Vgl. Ruth Rustemeyer, Einführung in die Unterrichtspsychologie, Frankfurt 2004, S.30.
20 Hegele, S. 61.
21 Wolfgang Klafki, Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Weinheim 1985, S. 121.
22 Vgl. Hegele, S. 60 und vgl. Gautschi 2004, S. 522.
7
(Wahl-)Stationen berät und bei Schwierigkeiten Hilfestellung gibt. 23
Die Methode des Stationenlernens wird außerdem der Erkenntnis gerecht, dass Lernen ein individueller und eigenständiger Konstruktionsprozess ist, welcher jede/r Lernende selbst vollziehen muss. 24 Daher ist es, wie Peter Gautschi formuliert, „notwendig, dass Lernende ihr eigenes Lernen selber bewusst steuern, damit sie in der Lage sind, sich selbst konkrete Ziele zu setzen, ihr Anspruchsniveau zu definieren und Erwartungen zu formulieren. Erfolgreiche Lernerinnen und Lerner setzen sich also aktiv mit ‚Wie‘ des Lernens auseinander.“ 25
Für Gautschi ist dies notwendig zur Herausbildung der „Kompetenz, selbst erfolgreich zu lernen“, welche er als „Schlüsselqualifikation“ in der heutigen Zeit sieht. 26 Da keine Lehrperson dazu in der Lage ist den Lernenden das Lernen bzw. den Konstruktionsprozess, der mit dem Wissenserwerb und der (Um-)strukturierung von Wissen einhergeht, abzunehmen, ist es sinnvoll, für die Schüler/innen einen interesseweckenden „Spielraum zur eigenaktiven Gestaltung des Lernprozesses“ zu schaffen, in welchem die Lehrperson als „Lernbegleiter“, „Berater“ oder „Coach“ bei Bedarf hilfreich zur Seite steht. 27 Genau dies kann durch die Methode des Stationenlernens geleistet werden. Neben der Tatsache, dass Stationenlernen den Schüler/innen die Möglichkeit zu einem selbstgesteuerten, interessegeleiteten Lernen bietet, besteht zusätzlich die Chance soziale Kompetenzen auszubilden, z.B. wenn es darum geht, sich gegenseitig zu helfen oder Konflikte untereinander zu lösen usw. 28 Desweiteren bietet die selbstständige Planung und Durchführung der Stationenarbeit für jede/n Schüler/in eine Gelegenheit Eigenständigkeit zu üben und Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen.
Um mit der Methode des Stationenlernens erfolgreich im Unterricht zu arbeiten, sind allerdings einige Aspekte zu berücksichtigen. Zum einen existieren bei offenen Unterrichtsformen wie der Stationenarbeit nämlich „Vorbehalte gegenüber der Effektivität des kognitiven Lernens“. 29 Diese hängen aber nicht mit der Methode selbst zusammen, sondern mit der unterrichtspraktischen Realisation der Arbeitsform durch die Lehrperson. Hier ist anzumerken, dass die didaktischmethodische Planung des Stationenlernens, die Anpassung des Stoffes an die Schülergruppe, das Sicherstellen der Vertrautheit der Schüler/innen mit den darin geforderten Arbeitstechniken
23 Vgl. Hegele, S. 65 und Gautschi 2004, S. 519.
24 Vgl. Elsbeth Stern, Lernen. Was wissen wir über erfolgreiches Lernen in der Schule? In: Pädagogik 58 (1), S. 45-49. Online verfügbar unter:
http://www.ifvll.ethz.ch/people/sterne/stern_lernen_paedagogik_2006.pdf, (10.03.2011); vgl. Hegele, S. 60. 25 Gautschi 2004, S. 518. 26 Vgl. ebd., ähnlich Hegele vgl. S. 60-61. 27 Vgl. ebd. sowie S. 516. 28 Vgl. Hegele, S. 59. 29 Vgl. ebd. S. 60-61.
8
usw. von der Lehrperson unbedingt berücksichtigt werden müssen. Zum anderen muss seitens der Lehrperson besonders darauf geachtet werden, dass für leistungsschwächere Schüler/innen Hilfen angeboten werden. Denn diese Lernenden sind aufgrund der offenen Unterrichtsstruktur möglicherweise mit der erwarteten Selbstständigkeit überfordert und bedürfen daher einer größeren Vorstrukturierung und eventuell weiterer Orientierungshilfen im Arbeitsprozess sowie abgeänderter Aufgabenformate. 30
Für den Einsatz des Stationenlernens muss die Lehrperson bereit sein, einen sehr umfangreichen zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Sammlung von Materialien und die detaillierte Vorbereitung und Erstellung der Stationenarbeit in Kauf zu nehmen. Während der Arbeitsaufwand in der Vorbereitung sehr hoch ist, ändert sich dies jedoch während der Arbeitsphasen im Unterricht, in welcher die Lehrperson in den Hintergrund tritt: Hier benötigt die Lehrperson ein „differenziertes Rollenverständnis“ in der Hinsicht, dass sie während des Stationenlernens schlicht als „Lernbegleiter“ und „Berater“ fungiert und schließlich am Ende die in der Stationenarbeit anfallenden Arbeiten „korrigier[t], kontrollier[t] oder beurteil[t]“. 31
2.3 Inhaltlicher Aufbau des Stationenlernens und gesetzter Zeitrahmen
Das „Stationenlernen Griechenland“ besteht insgesamt aus 18 verschiedenen Themen, wovon 6 Themen für die Schüler/innen obligatorisch sind. Folglich haben die Schüler/innen eine große Auswahl aus einem Überangebot von Wahlthemen, wodurch ihnen ein weitgehend selbstgesteuertes Lernen ermöglicht wird. 32 Die Vorgabe für die Schüler/innen bezüglich der Wahlthemen beinhaltet - wie auf den für die Schüler/innen zur Verfügung gestellten Hinweisblättern angegeben - die Vorgabe, dass sie von 7 Erweiterungsthemen mindestens 3 Themen, und von 5 Vertiefungsthemen mindestens 2 Themen auswählen sollen. Die vorgegebene Mindestanzahl an Stationen soll es möglich machen, dass zum einen alle Schüler/innen - auch die Leistungsschwächeren - ein bestimmtes Arbeitspensum bzw. Ziel erreichen und dass es zum anderen leistungsstärkeren oder schneller arbeitenden Schüler/innen dabei immer noch freisteht, weitere Stationen zusätzlich zu bearbeiten. 33
Wichtig ist, dass die Schüler/innen bei jeder angefangenen Station zunächst die Pflichtthemen bearbeiten, da diese eine Wissensgrundlage für die Erweiterungs- und Vertiefungsstationen bilden. Ob die Schüler/innen aber zuerst die Pflichtthemen aller Stationen nacheinander
30 Vgl. ebd. S. 61-62, vgl. Gautschi 2004, S. 518.
31 Vgl. Gautschi 2004, S. 516. 32 Vgl. Mathis, S. 96.
33 Anm. d. Verf.: Zusätzlich wird die Lehrkraft diesen Schüler/innen anbieten, das nach der Stationenarbeit anstehende Klassenquiz vorzubereiten.
9
abarbeiten und dann Erweiterungen und Vertiefungen wählen oder sich von Station zu Station durcharbeiten, bleibt ihnen überlassen. Diese Auswahlmöglichkeit soll den individuellen Lerntypen der globalen und analytischen Lerner gerecht werden. Denn während die globalen Lerner am liebsten das „große Ganze“ begreifen wollen, also am liebsten zuerst einen Überblick über alle Stationen gewinnen möchten, bevor es ins Detail geht, vertiefen im Gegenteil analytische Lerner lieber zuerst ihr Wissen in einem Thema bevor sie sich ein anderes erarbeiten.
Durchschnittlich wird für die Bearbeitung der mindestens 11 Stationen pro Schüler/in ein Zeitrahmen von 10 Stunden (und den restlichen Minuten der ersten Einführungsstunde zum Stationenlernen) 34 einkalkuliert; für den ersten allgemeinen Einstieg in das Thema „Griechenland“ selbst sind zudem eine Doppelstunde sowie für die Abschlussdiskussion, eine kurze Vertiefungsphase und die Leistungsbewertung zwei weitere Einzelstunden eingeplant, sodass sich dieses - bei drei Stunden Gesellschaftslehre pro Woche - über etwas viereinhalb Wochen erstreckt. Der Zeitrahmen für die Durchführung der Methode ist recht weit gesteckt, weil zu erwarten ist, dass die jungen Lernenden in der 5. Jahrgangsstufe einiges an Zeit benötigen werden, um das selbstständige Arbeiten an den Stationsthemen zu erlernen und um zu Beginn überhaupt den Aufbau der Methode und den Arbeitsablauf zu begreifen.
3 Die Lern-Stationen und ihre Themen im Einzelnen:
Methodisch-didaktischer und fachwissenschaftlicher Hintergrund 35
3.1 Griechenland - Der geografische Raum: Lebensbasis und Handlungsspielraum
3.1.1 Die Stationsthemen und ihr methodisch-didaktischer Hintergrund
Im Vordergrund bei dieser Station steht der Erwerb von Methodenkompetenzen im Umgang mit Karten aus Atlanten und dem Schulbuch, welcher intensiv bei ausnahmsweise gleich drei Pflichtthemen geübt wird. Das Thema „Wo liegt Griechenland?“ fordert die Beschäftigung mit dem heutigen Griechenland wohingegen das Thema „Übersichtskarte: Landschaft und Stadtstaaten im alten Griechenland“ die geografischen Verhältnisse und Bezeichnungen zur Zeit
34 Vgl. im Anhang im Unterrichtsverlaufsplan, S. 3.
35 Anm. d. Verf.: Für dieses Kapitel ist bewusst die Entscheidung getroffen worden, zuerst die Themen der Stationen vorzustellen, den methodisch-didaktischen Hintergrund zu den
Aufgabenstellungen/Materialien und die Kompetenzerwartungen zu erläutern. Erst danach wird ein fachwissenschaftlicher Teil über die historischen Inhalte selbst angeschlossen, der die historischen Zusammenhänge darstellt und dabei entsprechend der für die einzelnen thematisch weit gefächerten Stationsthemen vorgenommenen didaktischen Reduktion nicht zu weit in die Tiefe zu geht. Vgl. zu den Ausführungen in diesem Kapitel übrigens immer begleitend die Übersichtstabelle zum „Stationenlernen Griechenland“ mit den zusätzlich für die Schüler/innen ausformulierten Lernzielen sowie die einzelnen Arbeitsmaterialien der Stationen im Anhang.
10
Arbeit zitieren:
Christina Gieseler, 2011, Das Unterrichtsthema „Antike Lebenswelten – Die griechischen Poleis“ und die Methode des Stationenlernens, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte - Didaktik: Das Unterrichtsthema „Antike Lebenswelten – Die griechischen Poleis“ und die Methode des Stationenlernens ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geschichte - Didaktik: neuer Titel erschienen: Das Unterrichtsthema „Antike Lebenswelten – Die griechischen Poleis“ und die Methode des Stationenlernens
Christina Gieseler hat einen neuen Text hochgeladen
Die griechisch-römische Antike, Die griechische Polis, Alexander der G...
Fachbereich: Alte Geschichte
Hartwin Brandt, Ralf Behrwald, Martin Zimmermann
Übungsbuch zur Verbalsyntax un...
Herwig Görgemanns, Manuel Baumbach, Helga Köhler
0 Kommentare