Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Verschiedene Wechselkursregime und asymmetrische Probleme 2
2.1 Feste Wechselkurse 2
2.2 Das Currency Board System 4
2.3 Theoretischer Hintergrund - das Zinsparitätentheorem 5
2.4 Exkurs: Die Wechselkurskrise des EWS in den Jahren 1992/93 7
2.5 Flexible Wechselkurse 9
3. Der Weg in die Krise Argentiniens anhand von Politikentscheidungen und
adversen Schocks 10
3.1 Der Konvertibilitätsplan 1991 10
3.2 Die Mexikokrise 1994/95 und deren Folgen 12
3.3 Infragestellung des CBS 15
3.4 Weitere Krisen in Entwicklungsländern zwischen 1996 und 1999 16
3.5 Die Krisenjahre 2000-2002 18
4. Strukturelle Ursachen der Krise 22
4.1 Die Fiskalpolitik 22
4.2 Die Reform der Rentenversicherung 26
4.3 Das Finanzsystem 27
4.4 Der Arbeitsmarkt 31
4.5 Die Sparquote 32
5. Die Rolle des IMF 34
6. Der Weg aus der Krise 38
6.1 Die wirtschaftliche Entwicklung ab 2002 38
6.2 Lehren aus der argentinischen Krise 44
6.3 Lehren für den IMF 46
7. Schlussbetrachtung 48
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: Das Zinsparitätentheorem 58
Abbildung 2: Argentiniens Inflationsraten, 1980-1998 59
Abbildung 3: Argentiniens Inflationsraten, 1999-2009 60
Abbildung 4: Argentiniens Wirtschaftswachstum, 1980-2009 61
Abbildung 5: Inflationsraten Argentinien und USA, 1991-1998 62
Abbildung 6: Argentiniens Leistungsbilanzsaldo, 1980-2009 63
Abbildung 7: Argentiniens FDI, 1990-2009 64
Abbildung 8: Argentiniens Gesamtschulden, 1993-2010 65
Abbildung 9: Argentiniens Beschäftigung nach Sektoren 66
Abbildung 10: Argentiniens Arbeitslosenraten, 1990-2008 67
Abbildung 11: Sparquoten ausgewählter Länder, 1980-2009 68
Abbildung 12: Argentiniens Schulden in Relation zu den Exporten, 1993-2000 69
Abbildung 13: Argentiniens Wechselkurs, Peso/USD, Q4/2001 - Q4/2008 70
Abbildung 14: Argentiniens Haushalt, 1996-2004 71
Tabelle 1: Argentiniens BIP und Komponenten, 1994-2001 72
Tabelle 2: Argentiniens Fiskaldaten, 1993-2001 73
Tabelle 3: Schuldendienst/Exporte ausgewählter Länder im Jahr 2000 74
Tabelle 4: Argentiniens BIP und Komponenten, 2002-2005 75
Abkürzungsverzeichnis
Bruttoinlandsprodukt BIP Currency Board System CBS Europäische Union EU Europäisches Währungssystem EWS Exporte EX Foreign Direct Investment FDI Industrieland IL Importe IM International Monetary Fund IMF
International Financial Statistics IFS
Importsubstituierende Industrialisierung ISI Leistungsbilanz LB Leistungsbilanzdefizit LBD Optimum Currency Area OCA Public Information Notice PIN Partido Revolucionario PRI Stand-By Arrangement SBA
SCRER Stable and Competitive Real Exchange Rate Special Drawing Right SDR
Sovereign Debt Restructuring Mechanism SDRM United States Dollar USD Zinsparität ZP
1. Einleitung
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte Argentinien ein BIP pro Kopf, welches nur knapp hinter dem von Europa, Australien oder Kanada lag. 1 Nach vielen Jahrzehnten politischer Fehlentscheidungen und wirtschaftlicher Unruhen wurde die Diskrepanz zwischen diesem lateinamerikanischen Land und westlichen Ländern allerdings immer größer.
Eine protektionistische Wirtschaftspolitik, die zu laxe Fiskalpolitik und eine exzessive Geldpolitik sind einige Faktoren, warum Argentinien immer wieder mit wirtschaftlichen Problemen und Hyperinflation zu kämpfen hatte. Ende der 1980er Jahre litt Argentinien enorm unter diesen ökonomischen Problemen; das Wirtschaftswachstum war negativ, die Inflation sowie die Arbeitslosenzahlen stiegen an.
Der Staat und seine Bürger waren nach vielen Jahrzehnten ökonomischer Schwierigkeiten jedoch nicht mehr gewollt diese Entwicklung weiter zu akzeptieren und so führte der damalige Präsident Carlos Menem ein Festkurssystem, in Form eines Currency Board Systems, ein. Der argentinische Peso wurde 1:1 an den Dollar gekoppelt und musste zu 100 Prozent durch USD Reserven gedeckt sein. Das CBS mit seinen verbindlichen Regeln beendete damit die eigene Geldpolitik und es war damit nicht mehr möglich, beliebig Geld zu drucken, um Staatsausgaben zu finanzieren. Überdies liberalisierte er die Wirtschaftspolitik und privatisierte viele Staatsunternehmen.
Im Zuge dieser neuen Politik konnte Argentinien seine sehr hohe Inflation in den Griff bekommen und der Verbraucherpreisindex sank von über 3000 Prozent im Jahr 1989 auf unter 4 Prozent 1995. Zudem erlebte Argentinien in den ersten Jahren ein sehr hohes Wirtschaftswachstum und das Vertrauen der Finanzmärkte stieg zunächst. Auf der anderen Seite konnte Argentinien mithilfe dieser Maßnahmen seine Leistungsbilanzdefizite nicht in den Griff bekommen. Im Gegenteil stiegen diese in den 1990er Jahren immer weiter an. Das lag daran, dass zu Beginn des CBS die Inflationsraten noch über denen der USA lagen und somit der Peso real aufwertete und an Wettbewerbsfähigkeit einbüßte. Auch deswegen stiegen in dieser Periode trotz des hohen Wirtschaftswachstums und der liberaleren Wirtschaftspolitik die Arbeitslosenzahlen.
1 Vgl. Jonas, J., 2002, S. 1.
88
In diesem Kontext erhöhten sich zudem Argentiniens Staatsschulden in den 1990er Jahren von knapp 30 Prozent auf über 50 Prozent. Diese Entwicklung wurde von einigen Ökonomen als nicht nachhaltig angesehen und somit als Hauptargument für die wirtschaftliche Krise von 2001/02 genannt. Für den Ökonom Mussa war es sehr problematisch, dass Argentinien diese Defizite generierte, da Argentinien hohe Wachstumsraten und damit einhergehend steigende Steuereinnahmen erzielte. 2
Neben dieser Entwicklung spielten allerdings auch andere Faktoren sowie viele externe Effekte, wie beispielsweise die Mexikokrise 1995 oder die Abwertung des brasilianischen Reals, eine große Rolle. Nachdem in Kapitel 2 zunächst theoretische Grundlagen bezüglich fester und flexibler Wechselkurse beleuchtet werden, werden die äußeren Einflüsse sowie die Krise im 3. Kapitel eingehend beschrieben.
Die Kapitel 4 und 5 dienen dazu, die strukturellen Probleme Argentiniens sowie die Rolle des IMF aufzuzeigen. Der IMF wurde stark kritisiert, da er Argentinien zu lange mit finanziellen Mitteln unterstützte, obwohl der Staatsbanktrott nicht mehr abzuwenden schien. Auch wurde argumentiert, der IMF habe Argentiniens Lage zu oberflächlich analysiert und es nicht geschafft, das Land durch seine gestellten Bedingungen zu disziplinieren.
Im 6. Kapitel gibt es Aufschluss über die Folgen sowie die wirtschaftliche und politische Entwicklung Argentiniens ab dem Jahr 2002. Zudem werden die allgemeinen Lehren sowie speziell für den IMF aus dem Staatsbankrott Argentiniens erörtert, bevor im letzten Kapital die Rückschlüsse aus dieser Arbeit bezüglich der Krise dargestellt werden.
2. Verschiedene Wechselkursregime und asymmetrische Probleme
2.1 Feste Wechselkurse
In einem System fester Wechselkurse sind die Länder gezwungen, eine gemeinsame Geldpolitik zu verfolgen und müssen daher denselben nominalen Zinssatz aufrechterhalten. Haben diese Länder vergleichbare makroökonomische Entwicklungen und Schocks,
2 Vgl. Mussa, M., 2004, S. 320 ff.
99
wäre die gemeinsame Geldpolitik nicht problematisch und sie würde keine Einschränkung darstellen. 3
Sind die Länder eines Festkurs-Systems bzw. einer Währungsunion unterschiedlichen Schocks ausgesetzt, so ist es laut Robert Mundell erforderlich, dass sie einen hohen Grad an Faktormobilität aufweisen. Die Arbeitnehmer müssen beispielsweise bei einer schlechten konjunkturellen Situation gewillt sein, in ein anderes Land dieses Systems zu migrieren, welches einen wirtschaftlichen Aufschwung genießt. Das Angleichen der Arbeitslosenraten kann die Wirtschaftspolitik ersetzen und dazu dienen, dass sich die Länder wieder konjunkturell anpassen. 4 Daher darf der Arbeitsmarkt nicht durch einen zu hohen Kündigungsschutz geprägt sein und Arbeitnehmer sollten örtlich flexibel sein. Generell sollten marktwirtschaftliche Regulierungen gering sein, um die Arbeitsmobilität zu gewährleisten.
Aufgrund eines festen Wechselkurses können die Inflation sowie deren Erwartungen herabgesetzt werden, da sich auf diese Weise an eine stabile Währung mit niedriger Teuerungsrate gebunden wird und damit Glaubwürdigkeit importiert wird. Daher wird diese Methode des Wechselkursankers als Möglichkeit angesehen, Inflationsraten schnell zu begrenzen. 5
Entscheidend ist allerdings, die Kapitalmärkte von der dauerhaften Fixierung zu überzeugen. Hat das Land eine große Schuldenlast, könnte die Glaubwürdigkeit leiden, da die Finanzmärkte damit rechnen, dass das Instrument des Geldmengenwachstums herangezogen wird und es somit zu einer realen Abwertung kommt. Dieser Umstand würde den Nutzengewinn wieder zunichte machen. 6
Die Geldpolitik ist in diesem System wirkungslos. Kauft die Zentralbank Devisen mit heimischer Währung steigt das Geldangebot und daraus resultierend müsste der Zinssatz sinken. Dies wird durch einen Abfluss von Kapital verhindert, was zu einer Verschlechterung der Zahlungsbilanz führt. Damit jetzt der Wechselkurs nicht sinkt, muss die Zentral-
3 Vgl. Blanchard, O./Illing, G., 2004, S. 623.
4 Vgl. Mundell, R., 1976.
5 Vgl. Ohr, R., 1996, S. 222 f.
6 Vgl. Blanchard, O./Illing, G., 2004, S. 625.
::
bank Devisen verkaufen und heimische Währung kaufen. Durch diesen notwendigen Mechanismus stellt sich das ursprüngliche Geldangebot ein. 7
Anders als die Geldpolitik kann eine expansive Fiskalpolitik einen positiven Effekt auf das Wohlfahrtsniveau einer Volkswirtschaft haben. Eine Ausgabensteigerung hat einen Multiplikatoreffekt auf das Einkommen, steigert die Sparquoten, Steuern und Importe. Die Steuereinnahmen erhöhen sich dabei allerdings nicht im selben Maße wie die Ausgabensteigerung. 8
Eine mögliche Variante fester Wechselkurse ist der Hard Peg Ansatz. Damit wird es erschwert, die gegebene Parität zu verändern. Zum Beispiel kann die inländische Währung vollständig durch die ausländische Währung ersetzt werden. Da die ausländische Währung in der Vergangenheit meist der Dollar war, wird auch von Dollarisierung gesprochen. 9
Vielen Ländern ist die Aufgabe der eigenen Währung jedoch zu extrem, daher kann eine abgeschwächte Form fester Wechselkurse, das Currency Board System Abhilfe schaffen.
2.2 Das Currency Board System
Ein mögliches Instrument der Wechselkursbindung stellt das sog. Currency Board dar. In der reinen bzw. orthodoxen Form besteht dieses ohne zentralbankähnliche Elemente. 10 In der Vergangenheit diente das reine System des Öfteren im Kolonialismus. Der Zweck war der Wechsel von Bargeld heimischer Währung in Auslandswährung. 11
Das modifizierte Currency Board stellt hingegen eine eigene Institution dar. Die Zentralbank wird durch eine Währungsbehörde (Currency Board) ersetzt. 12 In diesem System wird die inländische Währung an eine Leitwährung bzw. Ankerwährung gekoppelt. Der Wechselkurs zwischen den beiden Währungen wird festgesetzt und die Währungsbehörde
7 Vgl. Mundell, R., 1963, S. 479.
8 Vgl. Mundell, R., 1963, S. 479.
9 Vgl. Blanchard, O./Illing, G., 2004, S. 625.
10 Vgl. Dornbusch et al, 2003, S. 640.
11 Vgl. Janssen, O, 2002, S. 20.
12 Vgl. Görgens et al, 2003, S. 378 f.
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ist nach dem Konvertibilitäts-Prinzip dazu verpflichtet, die heimische Währung zu dem fixierten Wechselkurs zu wechseln. 13
Eine weitere Grundlage ist, dass die gesamte monetäre Basis durch die Leitwährung gedeckt sein muss und somit keine Inlandsaktiva gehalten werden dürfen. 14 Dies hat zur Folge, dass die inländische Geldmenge sich nur im selben Maße wie die Auslandsreserven bewegen kann. 15 Durch das Verbot von Offenmarktoperationen kann das Currency Board auch nicht zur Finanzierung von Budgetdefiziten beitragen und die Möglichkeit diskretionärer Geldpolitik sinkt. 16
Der größte Vorteil eines CBS besteht in dem Gewinn an Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die Geldpolitik, da sie sich vollständig an eine stabile Währung bindet. Durch den vollständigen Verzicht auf die eigene Geldpolitik kann das Land nun leichter an den internationalen Finanzmärkten agieren und profitiert überdies von den vorteilhafteren Konditionen. Schließlich steigt auch die Attraktivität für Direktinvestitionen im eigenen Land, da nun aufgrund von Disinflation die Gefahr von realen Abwertungserscheinungen reduziert wird. In der Vergangenheit wurde dieses Mittel oft in Ländern eingesetzt, die mit Hyperinflation zu kämpfen hatten (z.B. Argentinien und Bulgarien). 17
Die eigene Geldpolitik aufzugeben bringt aber auch Nachteile mit sich. Die Vulnerabilität gegenüber exogener monetärer und realer Schocks steigt. 18 Daher ist es notwendig, dass die Flexibilität der nationalen Güter- und Faktormärkte erhöht wird und eine homogene ökonomische Entwicklung des Currency Board Landes und des Reservelandes herrscht. Liegt keine ähnliche Konjunkturentwicklung vor, ändert sich das reale Austauschverhältnis. 19
2.3 Theoretischer Hintergrund - das Zinsparitätentheorem
Anhand des Zinsparitätentheorems lässt sich darstellen, wie Finanzmärkte auf Zinsänderungen am Kapitalmarkt reagieren und welche Auswirkung dies auf den Wechselkurs hat.
13 Vgl. Janssen, O, 2002, S. 20 f.
14 Vgl. Krugman, P./Obstfeld, M., 2006.
15 Vgl. Rübel, G., 2003, S. 129.
16 Vgl. Jarchow, H.-J./Rühmann, P., 2002, S. 234.
17 Vgl. Rübel, G., 2003, S. 129 und Liviatan, N., 1992, S. XIV.
18 Vgl. Janssen, O, 2002, S. 232 f.
19 Vgl. Rübel, G., 2003, S. 129 f.
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Unter der Bedingung vollkommener Märkte mit vollkommener Substituierbarkeit stellen sich im Gleichgewicht für in- und ausländische Wertpapiere die gleichen Erträge ein. Dieser Vorgang nennt sich Arbitrage. Analytisch lässt sich die Bedingung der Zinsparität wie folgt darstellen:
Im Gleichgewicht muss der inländische Zins dem ausländischen Zins plus Swapsatz
entsprechen. Aufgelöst nach gilt:
Unter Beachtung, dass sich der Terminwechselkurs und der erwartete Kassawechselkurs angleichen, gilt auch:
2021
Aus dieser Gleichung folgt ein negativer Zusammenhang zwischen dem inländischen Zinssatz und dem Kassawechselkurs. Sind der ausländische Zinssatz und der Terminwechselkurs gegeben, so steigt der Swapsatz, wenn der inländische Zinssatz steigt. Die-ser Mechanismus erzeugt Kapitalströme auf dem Devisenmarkt. Die Kapitalanlage wird im Inland rentabler und somit steigt das Angebot ausländischer Währung. Dies führt zu einem Rückgang des Kassawechselkurses. 22 Der Zusammenhang zwischen Kassawechselkurs und inländischem Zins ist in Abb. 1 (Das Zinsparitätentheorem) durch die Zinspa-und der erwartete Kasritäten-Kurve dargestellt. Zudem sind der ausländische Zinssatz eingetragen. Das langfristige Gleichgewicht wird durch Punkt A darsawechselkurs
gestellt. Inlandszins, Auslandszins sowie der aktuelle Kassawechselkurs und der erwartete Kassawechselkurs sind im Gleichgewicht, woraus folgt, dass der Swapsatz gleich Null würde sich bei unveränderter Wechsel-ist. Bei einem Anstieg des ausländischen Zins
kurserwartung die ZP-Kurve nach rechts verschieben. Bleibt der Inlandszins konstant,
20 = Terminwechselkurs, = Kassawechselkurs, = erwarteter Kassawechselkurs.
21 Vgl. Blanchard, O./Illing, G., 2004, S. 580 f, Rübel, G., 2003, S. 110 f und Kaufmann, R., 1998, S. 142 ff.
22 Vgl. Rose, K./Sauernheimer, K., 1992, S. 219.
==
wird Punkt B erreicht und der Wechselkurs erhöht sich auf . Aus diesen Überlegungen
wird deutlich, dass das Inland sich nur vom ausländischen Zinsniveau losbinden kann, wenn es seine Währung abwertet. Passiert dies nicht, wird Punkt C erreicht. 23
Die gleiche Entwicklung kommt zustande, wenn es bei konstantem ausländischen Zins ). Der erwartete und
der tatsächliche Kassawechselkurs steigen auf und die ZP-Kurve verschiebt sich wieder nach rechts. Es wird also Punkt B erreicht. 24
Zu bedenken ist, dass es in der Praxis durch Länderrisiken oder Transaktionskosten (z.B. einer broker’s fee) zu Abweichungen der Zinsparität kommen kann. Denkbar sind auch nicht-unendliche Geldangebots- und Nachfrageelastizitäten oder verschiedenartige Steuergesetzgebungen. 25
Das Zinsparitätentheorem macht die Wechselwirkungen zwischen dem Wechselkurs und dem Zinssatz deutlich. Es zeigt den Zielkonflikt, den oft Notenbanken schwacher Währungen haben. Binden sie sich an eine stabile Währung, können sie diese Stabilität und Vertrauen importieren, hingegen besteht die Gefahr, dass sie bei hohen Zinsen die eigene Wirtschaft nicht ausreichend stimulieren können. Wollen sie das Vertrauen der Finanzmärkte nicht verlieren, dürfen sie ihre Währung nicht abwerten und müssen das nominale Zinsniveau des Auslandes akzeptieren. Diese theoretische Veranschaulichung soll dem Verständnis der folgenden Kapitel dienen und die Schwierigkeiten aufzeigen, die sich in der Vergangenheit auf dem lateinamerikanischen Kontinent, aber auch im EWS, ergaben.
2.4 Exkurs: Die Wechselkurskrise des EWS in den Jahren 1992/93
Die Problematik unterschiedlicher realwirtschaftlicher Entwicklungen lässt sich anhand der Krise des EWS von 1992/93 sehr gut verdeutlichen. Das EWS wurde 1979 gegründet, um alle Mitglieder der Gemeinschaft in einen Wechselkursverbund einzubeziehen. Auf-grund der hohen Stabilität der D-Mark und des Vertrauens in sie, entwickelte sich Deutschland ab Mitte der 1980er quasi zur Ankerwährung. Die meisten Länder des EWS
23 Vgl. Rübel, G., 2003, S. 111 f.
24 Vgl. Rübel, G., 2003, S. 111 f.
25 Vgl. Kaufmann, R., 1998, S. 145.
>>
versuchten ihren Wechselkurs an die D-Mark zu binden. Die Deutsche Bundesbank war nun Leitnotenbank. 26
In diesem System etablierten sich feste Wechselkursparitäten mit einer Bandbreite von 2,25 Prozent. Die Mitglieder (u.a. Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien und von 1990 bis 1992 Großbritannien) waren nun verpflichtet, ihren Wechselkurs in dieser Bandbreite aufrecht zu erhalten. 27 Dies funktionierte Anfang der 1990er Jahre noch relativ gut; es gab von 1987 bis 1992 nur zwei Wechselkursanpassungen. 28
Durch die heterogenen wirtschaftlichen Entwicklungen änderte sich diese Situation. Die Konjunktur stagnierte bzw. Wachstumsraten sanken in vielen Ländern des EWS, während Deutschland aufgrund der Wiedervereinigung einen Nachfrageschock erlebte. Die Deutsche Bundesbank beließ die Zinsen daher auf einem hohen Niveau, um einen deutlichen Anstieg der Inflation zu vermeiden. Einige Partnerländer hätten allerdings niedrigere Zinsen benötigt, um ihre Wirtschaft zu stimulieren und Rezession und Arbeitslosigkeit bekämpfen zu können. Um das Vertrauen auf den Finanzmärkten nicht zu verlieren, hielten die Partnerländer die Paritäten aufrecht. 29
Dennoch appellierten viele Regierungen des EWS, vor allem Frankreich, an die gesamteuropäische Verantwortung, welche Deutschland trage. Die Deutsche Bank sei Leitwährungsnotenbank und müsse geldpolitische Maßnahmen im Hinblick auf die beschlossene Währungsunion an den Erfordernissen aller Partnerländer orientieren. Diese Argumentation negierte die Deutsche Bundesbank mit dem Verweis auf ihre Unabhängigkeit sowie dem alleinigen Ziel der stabilitätsorientierten Politik. 30
Im September 1992 spekulierten die Finanzmärkte daher auf eine rasche Abwertung bzw. den Austritt einiger Partnerländer und verkauften diese Währungen. Die Wechselkursparitäten der einzelnen Länder wurden durch drastische Devisenkäufe einiger europäischer Notenbanken sowie durch Zinserhöhungen versucht weiterhin aufrecht zu halten. Am Ende dieser Entwicklung schieden Italien und Großbritannien aus dem EWS aus und ei-
26 Vgl. Rübel, G., 2003, S. 184 ff.
27 Vgl. Jarchow, H.-J./Rühmann, P., 2002, S. 286 ff.
28 Vgl. Blanchard, O./Illing, G., 2004, S. 615.
29 Vgl. Blanchard, O./Illing, G., 2004, S. 615.
30 Vgl. Rübel, G., 2003, S. 189 f.
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nige Währungen wie die spanische Peseta, die schwedische Krone und der portugiesische Escudo wurden abgewertet. 31
Die Regierungen und Notenbanken Deutschlands und Frankreichs versuchten daraufhin das Vertrauen der Finanzmärkte in das EWS zu bekräftigen und versicherten, der Leitkurs zwischen dem Franc und der Deutschen Mark gebe die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder. Nachdem es dennoch zu keiner Harmonisierung kam, wurden die Bandbreiten von 2,25 Prozent auf 15 Prozent erweitert. Somit war das EWS in der Praxis eher ein flexibles Wechselkurssystem. 32
2.5 Flexible Wechselkurse
Entgegengesetzt zum Festkurssystem steht das System flexibler Wechselkurse. Die Wechselkurse der einzelnen Länder bilden sich frei ohne Intervention durch Angebot und Nachfrage am Markt. Seit der Aufgabe des Bretton Woods Systems 1973 agieren die bedeutendsten Währungen der Welt, der USD, der japanische Yen und die D-Mark bzw. der Euro nach diesem Prinzip. Es ist jedoch zu konstatieren, dass die Notenbanken dennoch an den Devisenmärkten aktiv sind und Währungen kaufen bzw. verkaufen. Diese Einschränkung der komplett freien Entwicklung von Wechselkursen wird auch als kontrolliertes Floaten bezeichnet. 33
Ein freier Wechselkurs kann von Vorteil sein wenn eine Wechselkursstabilisierung schwer einzuhalten ist; also die Währungsreserven unzureichend sind und die Stabilisierung anhand makroökonomischer Instrumente versagt. 34 Es lässt der Geldpolitik die Möglichkeit, Ziele wie eine Stabilisierung von Beschäftigung und Preisen zu verfolgen, anstatt die Ressourcen für die Aufrechterhaltung der Wechselkursparität zu verwenden. 35 Bei einem Kauf von ausländischer Währung durch heimische Währung kann die Notenbank ihre Reserven sowie das Angebot von Geld und Krediten steigern. Dies erzeugt einen Abwärtsdruck auf den Zinssatz, welcher durch einen Abfluss von Kapital ins Ausland kompensiert wird. Dadurch wird wiederum ein Defizit der Zahlungsbilanz verursacht und der Wechselkurs wertet ab. Diese Entwicklung hat normalerweise eine Verbesserung der
31 Vgl. Blanchard, O./Illing, G., 2004, S. 615 f.
32 Vgl. Rübel, G., 2003, S. 190 f.
33 Vgl. Rübel, G., 2003, S. 134.
34 Beispielsweise eine zu geringe Faktormobilität.
35 Vgl. Mankiw, N., 2003, S. 382.
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Handelsbilanz zur Folge, da die Exporte steigen. Dies führt zu steigenden Löhnen und mehr Arbeit. In diesem neuen Gleichgewicht steigt das Einkommen im gleichen Maße wie das Geldmengenwachstum. Die gestiegenen Exporte erhöhen die Nachfrage nach heimischer Währung und das höhere Einkommen sorgt für steigende Importe. Dies erzeugt einen Aufwärtsdruck auf den Wechselkurs. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass sich die Zahlungsbilanz unter freien Wechselkursen stets angleicht. 36
Der expansive Effekt führt allerdings zu einer Steigerung der Inflationsrate und wird dadurch zum Teil aufgehoben. Dennoch haben geldpolitische Maßnahmen in einem System freier Wechselkurse eine größere Wirksamkeit als unter festen Wechselkursen. Ferner wird die Inflation aus dem Ausland nicht importiert und internationale Liquiditätsprobleme werden gelöst.
Fiskalpolitische Maßnahmen hingegen haben unter flexiblen Wechselkursen langfristig keinen Effekt und führen nicht zu einem höheren Gleichgewicht. 37
Gegner freier Wechselkurse argumentieren, dass starke Wechselkursschwankungen den internationalen Handel erschweren. Diese Volatilität wird von einigen Wissenschaftlern auf irrationale und destabilisierende Spekulationen internationaler Anleger zurückgeführt. Ferner wird gesagt, dass feste Wechselkurse die geldpolitischen Entscheidungsträger eher zu einer disziplinierten Finanzpolitik veranlassen, da übermäßiges Geldmengenwachstum realen Abwertungsdruck erzeugen würde. 38
3. Der Weg in die Krise Argentiniens anhand von Politikentschei-
dungen und adversen Schocks
3.1 Der Konvertibilitätsplan 1991
Der Konvertibilitätsplan wurde im April 1991 durch den neu gewählten Präsidenten Carlos Menem umgesetzt. Das übergeordnete Ziel war es, Argentinien nach Jahrzehnten monetärer und wirtschaftlicher Probleme zu stabilisieren und die Hyperinflation zu bekämpfen. Daher wurde der argentinische Peso im Rahmen eines Currency Board Systems 1:1
36 Vgl. Mundell, R., 1963, S. 477 f.
37 Vgl. Mundell, R., 1963, S. 478.
38 Vgl. Mankiw, N., 2003, S. 383.
877
an den USD gebunden. Es gab die Garantie, jederzeit Peso gegen USD wechseln zu können und umgekehrt. Die argentinische Zentralbank wurde komplett unabhängig und hatte die Pflicht, alle Verbindlichkeiten 100 Prozent in USD zu decken. In Notsituationen gab es die Ausnahme, diese Reservepflicht auf 80 Prozent zu senken. Durch die Einführung dieses Konvertibilitätsplans konnte die Zentralbank kein Geld mehr drucken, um Schulden bzw. eine unkontrollierte Fiskalpolitik zu finanzieren. Der bedeutendste Grund der Hyperinflation war damit beseitigt. 39
Des Weiteren wurde daran appelliert, Löhne und Gehälter in Verhandlungen mit Gewerkschaften nur im selben Maße wie das Produktivitätswachstum zu erhöhen und sich nicht mehr an den Inflationsraten zu orientieren. Die Regierung hat in den frühen 1990er Jahren ebenso die importsubstituierende Strategie aufgegeben und die Wirtschaft radikal liberalisiert. Viele Handelsbarrieren wurden beseitigt und die durchschnittlichen Importzölle sanken von 30 auf 14 Prozent. 40
Zudem wurde der Geschäftsbankensektor reformiert. Sehr viele Banken wurden privatisiert und meist von spanischen oder nordamerikanischen Großbanken übernommen. Den privaten Banken wurden strenge Kapitalisierungsanforderungen auferlegt und sie mussten eine weitsichtige Politik verfolgen. Nach der Mexikokrise 1995 (siehe Kapitel 3.2) wurde beschlossen, Kreditlinien bereitzuhalten, falls es zu erneuten Währungskrisen des Aus-lands kommen sollte. Den Privatbanken war es erlaubt, ihre Geschäfte in Peso und Dollar zu tätigen, sie mussten aber ein vernünftiges Verhältnis von Aktiva und Verbindlichkeiten nachweisen. Die Banken wurden dabei durch die vereinbarte Konvertibilität vermeintlich abgesichert. Sollte es zu einer Aufgabe dieses Umtauschverhältnisses kommen und der argentinische Peso deutlich abwerten, hätten Kreditnehmer in Dollar aufgenommene Kredite zu merklich höheren Raten bedienen müssen. 41
Obwohl durch diese Maßnahmen auch viele regulierte Preise liberalisiert wurden, konnte die Regierung schnell ermutigende Erfolge erzielen. Die Inflation sank von 3079,81 Prozent 1989 auf 171,67 Prozent 1991 und erreichte 1994 4,18 Prozent (siehe Abb. 2: Argentiniens Inflationsraten, 1980-1998). Darüber hinaus schien sich diese deutliche Disinflation sehr positiv auf die heimische Wirtschaft auszuwirken. Waren die Wachstumsraten Ende der 1980er Jahre stets negativ (-2,56 Prozent in 1988 und -7,5 Prozent in 1989), so
39 Vgl. Mussa, M., 2004, S. 329.
40 Vgl. Jonas, J., 2002, S. 8 f.
41 Vgl. Mussa, M., 2004, S. 330.
888
stiegen sie schnell auf über 10 Prozent in den Jahren 1991 und 1992 (siehe Abb. 4: Argentiniens Wirtschaftswachstum, 1980-2009). Auch die Geldmenge, welche in einem CBS exogen durch die Zahlungsbilanz und der Höhe der Reserven gegeben ist, stieg von 4 Mrd. USD in 1989 auf 18 Mrd. USD Ende 1994. 42
Als Konsequenz dieser Reformen gewann Argentinien somit Preisstabilität und ein hohes Wirtschaftswachstum. Dies führte wiederum zu mehr Vertrauen im Ausland und FDI stiegen. Dieser Kapitalzustrom wurde durch die Privatisierungen von Staatsunternehmen noch verstärkt. Zwischen 1992 und 1994 gab es einen Nettozustrom von 32,2 Mrd. USD, was 10 Prozent des BIP von 1994 ausmachte. Es ist hervorzuheben, dass ein bedeutender Teil dieses Kapitals, anders als in Vorperioden, von privaten Unternehmen getätigt wurde. 43
Trotz dieser bis dato positiven wirtschaftlichen Entwicklung kam es zu keinem positiven Effekt auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenrate stieg bis 1995 auf 18,8 Prozent an (siehe Kapitel 4.3). Außerdem wertete der reale effektive Wechselkurs gegenüber der USA deutlich auf, da die Inflationsraten in Argentinien bis 1996 höher waren als in den Vereinigten Staaten (siehe Abb. 5: Inflationsraten Argentinien und USA, 1991-1998). Diese reale Aufwertung verschlechterte Argentiniens Wettbewerbsfähigkeit in den ersten Jahren nach Einführung des CBS. Im Zuge dieser Entwicklung stieg das jährliche Leistungsbilanzdefizit deutlich an (siehe Abb. 6: Argentiniens Leistungsbilanzsaldo, 1980-2009).
3.2 Die Mexikokrise 1994/95 und deren Folgen
Mexiko stellte in der ersten Hälfte der 1990er Jahre ein beliebtes Land für FDI dar und genoss große Kapitalzuflüsse. Das Land war aber sehr anfällig für exogene Schocks auf-grund seiner Abhängigkeit externer Finanzierung. Als es 1994 zu politischen Unruhen kam und der Präsidentschaftskandidat Luis Donaldo Colosio sowie der Chef der Regierungspartei PRI ermordet wurden, entstanden Vertrauensverluste und der Abzug von Kapital war die Folge. Verstärkt wurde diese Bewegung durch die Leitzinserhöhung der USA. Die Regierung war nicht mehr in der Lage den am Dollar fixierten mexikanischen Pesokurs zu halten. Nach dem Zusammenbruch der Bindung an den Dollar, wertete dieser
42 Vgl. Jonas, J., 2002, S. 8 f.
43 Vgl. Jonas, J., 2002, S. 9.
899
Arbeit zitieren:
Master of Arts Lukas Brinkmann, 2011, Die wirtschaftliche Krise Argentiniens in den Jahren 2001/02 – Ursachen, Verlauf und Konsequenzen, München, GRIN Verlag GmbH
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Ausarbeitung, 39 Seiten
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik: Die wirtschaftliche Krise Argentiniens in den Jahren 2001/02 – Ursachen, Verlauf und Konsequenzen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik: neuer Titel erschienen: Die wirtschaftliche Krise Argentiniens in den Jahren 2001/02 – Ursachen, Verlauf und Konsequenzen
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