Inhalt
1. Prolegomenon. 4
2. Ziel, Struktur und Methode der Semesterarbeit 5
3. Definitionen. 6
3.1 Definition Therapie 6
3.2 Definition Kunsttherapie 6
3.3 Kunst in der Kunsttherapie. 8
4 Ansätze in der Kunsttherapie nach Menzen 8
4.1 Der kunstpsychologische Ansatz. 9
4.2 Der kunstpädagogische und kunstdidaktische Ansatz. 9
4.3 Der ergotherapeutische Ansatz in der Psychiatrie. 10
4.4 Der heilpädagogisch-rehabilitative Ansatz. 11
4.5 Der kreativ- und gestaltungstherapeutische Ansatz 12
4.6 Der tiefenpsychologische Ansatz 13
5 Derzeitig praktizierte Formen der Kunsttherapie 15
5.1 Rehabilitativ orientierter kunsttherapeutischer Bereich 15
5.2 Psychosomatisch- tiefenpsychologisch orientierter Bereich 16
5.3 Psychiatrisch orientierter Bereich. 16
6. Kunsttherapie als Behandlungsmethode bei Suchterkrankungen. 17
6.1 Definition süchtigen Verhaltens 17
6.2 Ausgewählte Angaben zu Prävalenzen 18
6.3 Das Rauscherleben 19
7 Kunsttherapie und Sucht. 20
7.1 Charakteristika des Bilderlebens suchtkranker Menschen 21
7.2 Interpretation der Charakteristika. 22
8 Über die Vorzüge der Kunsttherapie bei Abhängigkeitserkrankungen. 23
8.1 Kunsttherapie als nonverbales Therapieverfahren 24
8.2 Stärkung der Persönlichkeit durch kunsttherapeutische Arbeit. 25
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9. Zusammenfassung der Vorzüge 26
10. Grenzen der Kunsttherapie 27
11. Konklusion 28
Literaturverzeichnis. 30
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1. Prolegomenon
„Das Bewusstsein der Fähigkeit eines jeden Menschen kreativ sein zu können ist verloren gegangen“ (Thomas, 1998, S. 14), beschreibt die folgende Problematik zusammenfassend: Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ist eine tiefgreifende Veränderung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Menschen feststellbar. Vor der industriellen Revolution lebten die Menschen auf dem Land und hatten einen direkten Bezug zu den Gebrauchs- und Alltagsgegenständen, die sie umgaben. Diese unmittelbare Beziehung zeigt sich u.a. im Anbau von Lebensmitteln, dem Herstellen von Kleidung und dem traditionellen Handwerk der damaligen Zeit. Die Chance des Menschen, seinen „… kreativen Funken …“ (Rubin, 1993, S. 329) zu entfachen, wird in der heutigen technisierten Welt immer schwächer. Auf den Philosophen Martin Buber geht die Annahme eines „… Urheberinstinktes …“ (Ebd., S. 239) zurück. Rubin äußert sich in diesem Zusammenhang ebenfalls mit der Vorstellung „… daß [sic] alle Menschen das Bestreben in sich tragen, in irgendeiner Weise Formen zu erschaffen“ (Ebd., S.329).
Die zunehmende Technisierung führte zu einer Entfremdung des Menschen und der von ihm hergestellten Produkte. Die Kunsttherapeutin Kramer (2004) spricht in diesem Zusammenhang vom „… Verfall des Handwerks ...“ (S. 20), das nach ihrer Meinung für den Verlust der einfachen Form der Kunst verantwortlich ist. Die Autorin erklärt weiterhin: „Die vom Menschen geschaffene Umwelt war von dem Charakter der Bevölkerung geprägt, die sie geschaffen hatte. Dadurch war ein gewisses Maß von persönlichem Ausdruck im täglichen Leben mitgegeben, was den Bedürfnissen der meisten Menschen entsprach“ (Ebd., S. 20). Durch den zunehmenden Einfluss der Maschinen, der die Lebensumwelt der Menschen prägt, „… geht das Gefühl des Wohlbefindens verloren, das entsteht, wenn die Umgebung das Lebensgefühl der Gemeinschaft ausdrückt und dadurch bestätigt“ (S. 20), so Kramer. Für sie besteht die Problematik in der Unmöglichkeit, die Umwelt durch das Nachgehen der täglichen handwerklichen (schöpferischen) Arbeit zu gestalten. Diese Unvollständigkeit führt nach Meinung der Kunsttherapeutin zu „… Angst vor dem Verlust der persönlichen Identität, die dazu beiträgt, Kunsterlebnisse zu suchen, wo immer sie noch aufzufinden sind“ (S. 20). Zu diesem Sachverhalt sei auf Lammers (1998), S. 28-32 verwiesen, der sich mit der Problematik der „… veränderten Arbeits- und Produktionsbedingungen durch die Industrialisierung und der dadurch hervorgerufenen gesellschaftlichen Stellung des Individuums seit Mitte des 19.
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Jahrhunderts“ (S. 29), im Zusammenhang mit jahrhundertealten Mythen und Riten, die für Menschen in ihrer identitätsstiftenden Funktion grundlegend wirkten, auseinandersetzt. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die ursprünglich alltägliche Auseinandersetzung mit Kunst und Gestaltung im weitesten Sinne nicht mehr gegeben ist und somit Leerstellen entstanden sind, die zu füllen sich u. A. die Kunsttherapie zur Aufgabe gemacht hat (Vgl. Schottenloher, 2000, S. 12). Kramer (2004) spricht sogar vom „… Problem der inneren Leere als Massenerscheinung …“ (S. 23). Dannecker (2000) fasst dies in seiner Aussage wie folgt zusammen: „In der Kunsttherapie treffen wir auf Menschen, die offensichtlich nicht mehr innere und äußere Welt zur Integration bringen können“ (S. 181). Besonders im Hinblick auf die Unterstützung von Menschen mit Defiziten in unterschiedlichsten psychischen und physischen Bereichen haben sich die vielfältigen Methoden der Kunsttherapie bewährt und so zunehmend an Interesse gewonnen. Das elementare Erleben persönlich Anteil am Entstehen von Dingen zu haben, darf nicht unterdrückt werden, da sonst „…. Ein Gefühl der Deprivation …“ (Rubin, 1993, S. 329), zurückbleibt.
2. Ziel, Struktur und Methode der Semesterarbeit
Die vorliegende Arbeit soll exemplarische Einblicke in das vielseitige Gebiet der Kunsttherapie geben. Herausgestellt werden soll ein allgmeiner Überblick über die verschiedenen theoretischen und praktizierten Ansätze der Kunsttherapie nach Karl-Heinz Menzen. Im Anschluss wird am Beispiel der Suchterkrankung die Kunsttherapie als spezifische Behandlungsmethode vorgestellt. Gefragt wird, ob die Kunsttherapie eine gewinnbringende Therapiemethode bei Abhängigkeitserkrankungen darstellt. Welche Vorzüge kann die Behandlung suchtkranker Menschen mit kunsttherapeutischen Elementen haben? Gibt es Grenzen dieser Behandlungsmethode? Die Ergebnisse werden anhand eines hermeneutischen Zugangs zusammengetragen, da sich die vorliegende Arbeit ausschließlich auf die Untersuchung von gegebenen Texten stützt.
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3. Definitionen
3.1 Definition Therapie
Therapie sowie therapeutische Maßnahmen beziehen sich „… auf individuelle, nicht reguläre Zustände …“ (Seminar „Grundlagen der sprachspezifischen Prävention, Förderung/Therapie und Intervention“, Dozentin: Fr. Dr. Diehl, 22.04.2010). Ihr Ursprung ist medizinisch und psychotherapeutisch anzusiedeln. Sie versucht Veränderungsprozesse der betreffenden Person und ihrer Umwelt langfristig zu unterstützen. Dafür ist ein Ich- Bewusstsein zu erlangen und es ist nötig die Lebensumwelt wahrnehmen zu können und „… sich zur Umwelt in Beziehung setzen zu können …“ (Schottenloher, 2000, S. 136).
3.2 Definition Kunsttherapie
Um den Gegenstandsbereich abzugrenzen sollen exemplarisch ausgewählte Definitionen der Kunsttherapie vorgestellt werden, so dass deutlich wird, welche Schwierigkeit in Fachkreisen hinsichtlich einer zufriedenstellenden Definition der Kunsttherapie existieren. „In der Kunsttherapie geht es um einen innerpsychischen Formbildungs- und Gestaltungsvorgang, der sich in der bildnerischen Formdynamik eines ästhetischen Mediums spiegelt“ (Menzen, 2000, S. 5).
Nach Mayer-Brennstuhl (1999) werden Kunst und Kunsttherapie wie folgt definiert: Das Anliegen der Kunsttherapie ist der Mensch im schöpferischen Prozess - im
äußeren Gestaltungsprozess von Bildern und im inneren Wandlungsvorgang seiner
Psyche. Kunsttherapie verwendet dabei die Mittel und Materialien der Bildenden
Kunst - Farben, Formen, Bildinhalte. Sie will jedoch keine Kunstwerke
hervorbringen, vielmehr ist das Bildnerische Arbeiten Medium des therapeutischen
Prozesses. (S. 23)
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Beide Definitionen führen sogenannte Gestaltungshandlungen an, die dazu dienen, dass sich Personen mittels des künstlerischen Angebotes mit sich selbst auseinandersetzten. Nach Meinung von Trüg und Kersten (2002) ist „der Gestaltvorgang ein strukturierender Vorgang in dem sowohl innerer wie äußerer Raum individuell Ausdruck bekommt“ (S. 4). Aus den vorangestellten Definitionen geht hervor, dass Kunst in der Lage ist, unter therapeutischer Wirkung psychische Gesundheit zu (be)-fördern. Theunissen (2009) erläutert den Ursprung dieser Sichtweise, der in den Schriften des Aristoteles zu finden ist. Aus diesen Schriften geht eine „kathartische 1 Funktion von Kunst“ (S. 300) hervor. Bewusst werden gesicherte Situationen geschaffen, in denen unter Zuhilfenahme bildnerisch, gestalterischer Elemente Spannung abgebaut werden soll, sowie „… psychische Entlastung …“ (Ebd., S. 300), möglich wird. Dieser Funktion wird durch das Schaffen von Neuem entsprochen, nicht durch „Wiederherstellung, Restauration oder Reproduktion von schon Vorhandenem …“ (Tretter und Bender, 1995, S. 11). Zu betonen ist, dass somit nicht automatisch eine Problemlösung eintritt, so dass ein allumfassender kathartischer Effekt nicht in jedem Fall eintritt (vgl., Theunissen, 2009, S. 300).
Nach Schottenloher (2000) geht es um den Versuch, „… Energie, die aus einem [ungelösten] Konflikt stammt (jedoch nicht stammen muß! [sic] ) in kreative Tätigkeit…“ (S. 136) umzusetzen. So wird es unnötig, diese Energie durch Symptome zu veräußern. Eine umfangreiche Definition von Petzold (1991) möchte ich abschließend vorstellen, sie vereint Elemente der Definitionen von Menzen, Mayer- Brennstuhl, Trüg und Kersten, Theunissen und Schottenloher und führt zusätzlich den Aspekt der Ganzheitlichkeit („... körperlich- seelisch- geistiger Realität…“ (Ebd., S. 588) an: Kunsttherapie bzw. Therapie mit kreativen Medien ist die theoriengeleitete
Einwirkung auf den Menschen als Ganzen in seiner körperlich- seelisch- geistigen
Realität, seinen bewussten und unbewussten Strebungen und seinem sozialen und
ökologischen Eingebundenheiten, die geplante Beeinflussung von Haltungen und
Verhalten durch den indikationsspezifischen Einsatz von kreativen Medien und
kunstbezogenen Methoden im Rahmen einer therapeutischen Beziehung mit den
1 Katharsis = Reinigung
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Zielen der Heilung und Linderung von Krankheit und der Entwicklung und
Bereicherung der Persönlichkeit. (S. 588)
Da keine übereinstimmende Definition der Kunsttherapie vorliegt, lässt sich nach Theunissen (2009) nur „… ein gemeinsamer Aspekt ausmachen, indem ästhetische [bildnerische] Prozesse und Produkte als Vehikel für psychische Gesundheit betrachtet werden“ (S. 299).
3.3 Kunst in der Kunsttherapie
Zahlreiche Autoren diskutieren die vermeintliche Widersprüchlichkeit der Begriffe Kunst und Therapie. Beispielhaft möchte ich Limberg (1998) zitieren, die sich zusammenfassend zu dieser Problematik wie folgt äußert: „Der kleinste gemeinsame Nenner kann wohl in der Feststellung gefunden werden, daß [sic] die Produkte vom Patienten, die in der Kunsttherapie entstehen, nicht am Maßstab von „Kunst“ zu messen sind“ (S.83).
4 Ansätze in der Kunsttherapie nach Menzen
Die moderne Kunsttherapie lässt sich nach Menzen (2001) bezüglich ihrer Herkunft in sechs Ansätze differenzieren. Menzens Veröffentlichung „Grundlagen de Kunsttherapie“ listet diese auf S. 13 auf:
1. Kunstpsychologischer Ansatz in der Entstehungszeit der Disziplin 2. Kunstpädagogischer/-didaktischer Ansatz
3. Psychiatrischer Ansatz (entspricht dem arbeits-,ergo- und beschäftigungstherapeutischen Ansatz) 4. Heilpädagogischer Ansatz 5. Kreativ- und Gestaltungstherapeutischer Ansatz 6. Tiefenpsychologischer Ansatz
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4.1 Der kunstpsychologische Ansatz
Die ästhetische Psychologie wird auch unter dem Begriff der Kunstpsychologie gefasst, da sie sich mit „rezeptiven, reproduktiven und produktiven Äußerungsformen des künstlerischen Vorgangs, insoweit diese auf ein psychisches Korrelat der Empfindung oder des Gefühls, also auf die Organisierung von Bewusstseinsprozessen verweisen“ (Menzen, 2001, S. 13), befasst. Menzen beschreibt die allgegenwärtige Verwissenschaftlichung hinsichtlich der menschlichen Erfahrung ausgehend von Emanuel Kant. Der Versuch, „… die spezifisch einbildungskräftige Erfahrung bildhafter, plastischer oder musikalischer Art in ihrer subjektiv-innersinnlichen Gefühlshaftigkeit einer jeweils objektiven-sinnlichen Wahrnehmung zuzuordnen“ (Ebd., S. 13 f.) wurde von Wissenschaftlern unternommen. Dies bildet die Grundlage für das Zusammenkommen des von den Sinnen des Menschen ausgehende, also sinnlich wahrnehmbare Vorstellungsbild und der intellektuellen Herangehensweise, die sinnlich Wahrnehmbares ausschließt, so dass eine experimentell ausgerichtete psycho-physische Analyse des Erlebens möglich ist, die herausfinden will, „…wie ästhetisch wirkende physikalische Gegebenheiten und psychische Erfahrung korrelieren“ (Fechner, 1871/1978; zitiert nach Menzen, 2001, S.14). Der Wechsel von der ästhetischen Theorie zur Psychologie ist durch ein Bewusstseinsverständnis gekennzeichnet, das den von W. v. Humboldt (1767-1835) benannten ästhetischen Sinn sowohl didaktisch als auch kunstpsychologisch auszugestalten versucht (vgl., Menzen, 2001, S. 14).
4.2 Der kunstpädagogische und kunstdidaktische Ansatz
Dieser Ansatz lässt sich nach Menzen (2001) seit dem Zeitalter der Aufklärung verzeichnen. Zu Beginn stellt dieser Ansatz ein von erzieherischen Vorstellungen geprägtes Vorgehen dar, im weiteren Verlauf ist er zunehmend von therapeutischen Maßnahmen mit musischbildnerischen Elementen geprägt. Hervorzuheben ist Friedrich Schiller (1759-1805), der die ästhetische Erziehung als Voraussetzung für die spätere allumfassende Organisationsfähigkeit des Menschen auf spielerischem Weg sieht (vgl., Menzen 2001, S. 14). Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) betont die Rolle des Erziehers, der die Aufgabe hat, das Kind im Sinne der Natur anzuleiten. Auf naturgemäße Weise soll die Entwicklung der menschlichen
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Arbeit zitieren:
Marie-Elisabeth Wöhlbier, 2010, Kunsttherapie als Behandlungsmethode bei Suchterkrankungen, München, GRIN Verlag GmbH
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