Hans Jonas und die Utopie
Hans Jonas' Prinzip der Verantwortung als Gegenmodel zur Utopie
Inhalt
1.0 Begriffserklärung Utopie 3
2.0 Jonas Kritik an Bloch und Marx 4
3.0 Gegenmodell zum Utopiegedanken 5
4.0 Fazit 7
5.0 Quellen 8
2
1.0 Begriffserklärung Utopie
Der Begriff Utopie ist ein Kunstbegriff, der sich aus den Wörtern „nicht“ und „Ort“ aus dem Griechischen zusammen setzt und kann mit "der Ort, der nirgends ist, Nirgendsort" sinngemäß übersetzt werden.
Der ursprüngliche Begriff, war zuerst ein Raumbegriff. Er beschrieb das Land Utopia außerhalb der bekannten Welt, mit einem idealen Gemeinwesen. Es stand, wie heute auch der Utopiebegriff, für eine Kritik der Wirklichkeit und dem Wunsch nach einer besseren Welt. Im Allgemeinen bezeichnet Utopie einen nicht durchführbaren Plan bzw. eine hypothetische Gesellschaftsform, die nicht entwickelt werden oder erst in später Zukunft real werden kann. Jedoch muss eine gewisse Doppeldeutigkeit beachtet werden. Utopie ist zum einen positiv belastet - durch den Wunsch nach einer besseren Welt, zum anderen aber auch negativ, durch die Kritik an der Vorstellung einer utopischen Welt.
Seit dem 19. Jahrhundert wurde der Begriff der Utopie ein politscher Kampfbegriff mit dem die sozialistischen und kommunistischen Ziele in Frage gestellt wurden. Utopie wurde nicht länger als unrealisierbares Wunschbild behandelt, sondern immer mehr in politischen Zusammenhang gebracht und somit dazu gedrängt, ein realisierbares Ziel in der Zukunft zu werden. Kurz nach dem ersten Weltkrieg beschäftigte sich Ernst Bloch mit dem Utopiebegriff und definierte sie als eine „anthropologisch sowie ontologisch begründete Kategorie der Hoffnung“. Sein „Prinzip der Hoffnung“ beschreibt ein Potential der Hoffnung, dass durch den Wunsch erst eine bessere Welt in der Zukunft möglich sei. Durch die Hoffnung wird die Utopie zu einer „konkreten Utopie“. Seit dem 20. Jahrhundert beinhaltet der Begriff Utopie nicht nur positive Zukunftsbilder, sondern ebenso auch negative, die Schreckensbilder von Unterdrückung und Gewalt zum Ausdruck bringen. Diese Art der Utopie ist unter dem Begriff „schwarze Utopie bekannt“. Einer der Gründe für das Aufkommen der schwarzen Utopie ist der Wandel der Wertschätzung von Technik und dessen Verhältnis zum Fortschrittsglauben. So schreibt Sloterdijk beispielsweise:
"Seit der Fortschritt selbstläufig geworden ist, hat sich der Zukunftsoptimismus in Prozeßmelancholie verwandelt." 1
Die Selbstläufigkeit des Fortschritts spricht gegen jegliche Vernunft. Dieses wird in der Gegenwart unter anderem von Hans Jonas kritisiert mit der Begründung, dass der Gedanke der Utopie nie das leisten könne, was im Grundgedanken beabsichtigt sei.
1 Sloterdijk, Eurotaoismus, 269.
3
2.0 Jonas Kritik an Bloch und Marx
Die Denkansätze von Marx und Bloch waren für Jonas dahingehend ausschlaggebend, dass sie versuchen ein „Reich der Freiheit“ jenseits einem „Reich der Notwendigkeit“ zu gründen 2 . Er untersucht dabei den Fortschrittsglauben der beiden und erkennt gerade im Marxismus den Drang nach technischer Perfektion. Die Technik soll durch deren Anwendung eine zweite Natur hervorrufen. Jonas kritisiert hier, dass der Technik keine Grenzen gesetzt werden um dieses Ziel zu erreichen und dass der Mensch eine Welt schafft, die mehr Macht über den Menschen hat, als er (der Mensch) selbst 3 . Hans Jonas kritisiert also beim Marxismus die utopische Vorstellung des „neuen Menschen“.
Er vermutet eine gewisse Parallelität zwischen dem „neuen Menschen“ und dem „Übermenschen“ aus Nietzsches Rede . Durch den „neuen Menschen“ soll eine klassenlose Gesellschaft herangeführt 4
werden, die zu einem Kollektiv von „guten Menschen“ führen soll. Jonas jedoch weist darauf hin, dass es keine Hinweise darauf gibt, welches Wissen dem Menschen in Zukunft zur Verfügung steht und dass kein bisheriges Wissen auf einen „neuen Mensch“ hinweist. Der bisherige Mensch wird durch den Staat in Schach gehalten und so bezweifelt er die zukünftige Existenz eines selbstständigen „guten Menschen“.
„Dass … die Menschen überhaupt in einem bisher ungekannten Grad gutartig, neidlos, fair, brüderlich, ja liebevoll zueinander werden, dass sie insgesamt die institutionell verkörperte, sozusagen „objektive“ Ethik auch verinnern und dann autonom praktizieren werden, so dass der Staat nur noch aus Tugendhaften besteht - das kann kein Wissender im Ernst glauben und auch der sozialitische Staat glaubt es nicht, wie die Gründlichkeit seines Polizei- und Angebersystems beweist“ 5 . Jonas selbst ist der Überzeugung, dass der Mensch von Natur aus nie nur „gut“ oder „böse“ sein kann. „Aber solange Versuchung da ist - und daran wird das Menschenherz (hoffentlich, so möchte man sagen) es nie fehlen lassen - wird die Tatsache sich zur Geltung bringen, dass die Menschen eben Menschen und nicht Engel sind. Man schämt sich fast, dies auszusprechen.“ 6 Desweiteren kritisiert er beim Marxismus den andauernden Fortschrittsoptimismus, der immer nach „Mehr“ und nie nach „weniger“ schreit. „Hier kann also der Zauber der Utopie für das, was wirklich zu tun ist, nur hinderlich sein, da er auf „Mehr“, nicht „Weniger“ hinlenkt und die Warnung vor größerem Übel wäre nicht nur die wahrere, sondern auf die Dauer wohl auch die wirksamere Politik.“ 7 . Um sein Verlangen nach „Weniger“ zu begründen, untersucht Jonas den Fortschritt in Bezug auf den Menschen und seine Möglichkeiten sowie den Fortschritt in Wissenschaft und Technik 8 . Durch seine Untersuchung gelangt er zu dem Schluss, dass die, durch einen Utopiegedanken, hervorgerufene Tugend dem Individuum an sich zu einer Verbesserung seines Verhaltens behilflich sein kann. „Hier ist also die Idee des „Fortschritts“ sowohl als Begriff wie als Ideals beheimatet, und es darf sogar eine persönliche „Utopie“ geben. Aber bei all dem ist vom Einzelnen die Rede, dem psychophysischen Individuum und vor allem seiner „Seele“. Gibt es etwas ähnliches für das Kollektiv? Für die Gruppe, die historische Gesellschaft, ja die Menschheit? Gibt es so etwas wie eine sittliche “Erziehung des Menschengeschlechts“?“ 9 . Womit wir bei der Frage nach dem
Fortschrittsgedanken in Bezug auf Technik und Wissenschaft angelangt wären. Hier hingegen weißt er dem Utopiegedanken eine gewisse Schuld an einer Risikogesellschaft zu. Zwar gewinnt der Mensch immer mehr Wissen in Bezug auf Technik, jedoch fehlt ihm eine Menge um die komplette Auswirkung von Technik und deren Fortschritt beurteilen zu können. Durch das Verlangen nach immer mehr Fortschritt, ist der Mensch auch zu immer mehr Risiko, ohne Bedacht auf die Folgen, bereit. Hierfür macht Hans Jonas den Utopiegedanken des 19. Jahrhunderts verantwortlich, der dem
2 Vgl. Richert, Der endlose Weg, 280
3 Vgl. Jonas, Verantwortung, 276f 4 Vgl. Jonas, Verantwortung, 280f 5 Jonas, Verantwortung, 284f 6 Jonas, Verantwortung, 285 7 Jonas, Verantwortung, 288 8 Vgl. Jonas, Verantwortung, 293f 9 Jonas, Verantwortung, 291
4
Arbeit zitieren:
Natascha Ungereit, 2011, Hans Jonas und die Utopie , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache): neuer Titel erschienen: Hans Jonas und die Utopie
Natascha Ungereit hat einen neuen Text hochgeladen
Das Prinzip Verantwortung von Hans Jonas aus der Perspektive des objek...
Wellistony C. Viana
The Legacy of Hans Jonas: Judaism and the Phenomenon of Life
Hava Tirosh-Samuelson, Christian Wiese
The Legacy of Hans Jonas (Paperback): Judaism and the Phenomenon of Li...
Hava Tirosh-Samuelson, Christian Wiese
Los hijos de Heidegger : Hannah Arendt, Karl Löwith, Hans Jonas y Herb...
Richard Wolin, María Cóndor
0 Kommentare