Heft 30 aus der Dokumentenreihe über den Flugplatz Berlin-Johannisthal 1909-1914.
Oberstleutnant a. D.
Dr. phil. Alfred Hildebrandt
© Alexander Kauther und Paul Wirtz, Jülich Ausgabe 2012 www.johflug.de info@johflug.de
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Anmerkungen der Autoren
Die Dokumentation soll versuchen, das Leben von Oberstleutnant a. D. Dr. phil. Alfred Hildebrandt nachzuzeichnen. Aus diesem Grunde haben sich die Autoren entschlossen, eine Chronologie anhand von Veröffentlichungen aus Büchern, Zeitungen und Archiven zu erstellen.
Bisher stellten wir fest, dass sein Name in verschiedenen Publikationen oft nur kurz erwähnt und seine Rolle als „Großer Vorkämpfer des Fluggedankens“ zu wenig gewürdigt wurde. Die Flugtechniker in Deutschland haben ihm jedoch vieles zu verdanken.
Nicht nur als Ballonführer und für seine wissenschaftlichen Arbeiten erwarb er sich beachtliche Anerkennung und Verdienste. Er war Mitorganisator erster Flugveranstaltungen vor der Eröffnung des ersten deutschen zivilen Flugplatzes in Berlin-Johannisthal und holte 1909 die Gebrüder Wright nach Berlin. Das machte ihn für die Autoren interessant.
Wir begannen zu recherchieren, nachzulesen und zusammenzutragen. Während unserer Spurensuche hatten wir Kontakt mit vielen uns bisher unbekannten Menschen, die uns anhörten und - soweit es ihnen möglich war - aktiv und mit Interesse unterstützten.
Besonders danken möchten wir dem Ehrenvorsitzenden des Heimatvereins e. V. und Ehrenbürger von Oberkochen, Herrn Gym.-Prof. a. D. Dietrich Bantel. Er veröffentlichte im Amtsblatt Oberkochen für unsere weiteren Recherchen einen Artikel. Daraufhin meldeten sich einige Zeitzeugen.
Mit großer Unterstützung des Enkels Wolfgang Hildebrandt konnten Zeitlücken im Leben von Alfred Hildebrandt geschlossen und sehr persönliche Dokumente und Fotos ausgewertet werden.
Diese Dokumentation reiht sich in die bereits vorhandenen Hefte 1-31 über den Flugplatz Johannisthal für den Zeitraum von 1909-1914 ein.
Berlin-Johannisthal 2012
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Oberstleutnant a. D. Dr. phil.
Alfred Louis Heinrich Hildebrandt
geboren: 10. Juni 1870 in Wittingen (Niedersachsen) gestorben: 24. Februar 1949, 01:00 Uhr in Oberkochen, bei Aalen (Baden Württemberg), beerdigt am 26. Februar 1949 Beruf: Dr. phil., Schriftsteller Freiballonführer-Ausweis Nr. 20 von 1897
Eltern:
Vater August Theodor Hildebrand, Pastor im Dorf Hankensbüttel (Niedersachsen) und Mutter Henriette Hildebrandt, geb. Schmidt.
Eheschließung am 25. Oktober 1905 in Berlin-Schöneberg mit:
Erna Hildebrandt, geb. Fuhrmann
Geboren am 17. August 1884 in Waldow, Landkreis Luckau in Brandenburg
Gestorben am 18. Mai 1956 im Karlsstift-Altenpflegeheim in 73614 Schorndorf/Baden-Württemberg, eingeäschert am 23. Mai 1956, Urnenbeisetzung am 16. Juni 1956 in der Grabstelle ihres Mannes in Oberkochen.
Hausfrau, 1934-1945 Mitglied der „Nationalsozialistischen Frauenschaft (NSF)“, 1
Söhne: Leutnant Wolfgang Hildebrandt Geboren 15. April 1910 in Berlin Gestorben am 11. Juni 1937 bei einem Autounfall. Bank- oder Versicherungskaufmann
Die Söhne Horst und Wolfgang Hildebrandt 1915.
Die NS-Frauenschaft war die Frauenorganisation der Nationalsozialistischen Deutschen 1
Arbeiterpartei (NSDAP). Sie entstand im Oktober 1931 als Zusammenschluss mehrerer nationaler und nationalsozialistischer Frauenverbände und unterstand der NSDAP-Reichsleitung. Diese Organisation hatte am 31. Dezember 1932 109.320 Mitglieder.
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Major Horst Hildebrandt Geboren am 04. Februar 1912 in Berlin
Gefallen am 01. April 1944 in Losiacz/Ukraine als Kommandeur der Panzeraufklärungs-Abteilung 19.
Horst Hildebrandt 1915 und 1842 Todesanzeige für Horst Hildebrandt
Ehefrau von Horst H.: Brigitte Hildebrandt, geb. Caille Geboren am 26. Dezember 1921 in Königsberg Gestorben am 9. Juli 2009 in Sulzbach Sohn: Dipl.-Psychologe Wolfgang Hildebrandt Geboren 1944, heute wohnhaft in Sulzbach verheiratet, 2 Kinder
Brigitte Hildebrandt: Schwiegertochter von Alfred Hildebrandt im Jahre 1942 und um 2007.
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Bekannte Wohn-und Aufenthaltsorte von Alfred Hildebrandt
(Mit Angabe der heutigen Postleitzahl)
1870: 29378 Wittingen/Kreis Isenhagen, Niedersachsen 1905: Berlin-Reinickendorf 1909: 10627 Berlin-Charlottenburg, Windscheidstr. 12 1910: 13467 Berlin-Schöneberg, Martin Luther-Str. 10 April 1911: Hotel Rostocker Hof in Rostock 38640 Goslar, Zwingerwallpromenade 1 2 1924-1930 1932-Juli 1943: 10627 Berlin-Charlottenburg, Windscheidstr. 12 und 13088 Berlin-Weißensee, Falkenbergstraße 43 August 1943-Juli 1944: Evakuiert in fünf verschiedenen Orten April 1944: 18573 Natzewitz b. Samtens auf Rügen Ab 3. August 1944: 73447 Oberkochen in Baden Württemberg, Aalener Str. 52
Lebensstationen von Alfred Hildebrandt
Um 1890
Abiturabschluss auf dem Königlichen Preußischen Gymnasium zu Salzwedel. Das Gymnasium ist urkundlich 1307 erwähnt und wurde 1744 mit der Lateinschule der Neustadt vereint. 1882 zog es in das heutige Gebäude „Vor dem Lüchower Tor“ um und für die Jungen wurde ein Anbau (Ziegelbau) errichtet. Auf dem Gymnasium war er in der Schulfeuerwehr tätig.
Die rechts abgebildete Blechfotografie (Ferrotypie) zeigt ihn als 19-jähriges Mitglied des „Schülerrettungskorps“ kurz vor dem Schulabschluss.
Aufnahmen vom Herbst 1890 in Salzwedel. 1889 Alfred Hildebrandt
Auf dem Foto sind die ehemaligen Abiturienten Hildebrandt (links), Paul Meyer (wurde Ingenieur) und Adolf Wedemayer (wurde Arzt) abgebildet.
2 „Der Luftweg“, Heft 1 vom 12. Januar 1924
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Vermutlich wählte er dieses Gymnasium, weil es zur Ausstellung gültiger Zeugnisse über die wissenschaftliche Qualifikation zum einjährigen Militärdienst berechtigt war. 3 Zur damaligen Zeit schickten „die Pastoren und Lehrer sowie Bauern und Handwerker aus der Hannoverschen Nachbarkreisen ihre Jungen nicht nach Celle, Uelzen oder Lüneburg aufs Gymnasium, sondern nach der altmärkischen Markgrafenstadt Salzwedel, wo de Lü dat selw platt snack’n as to Hus und wo die „Musspreußen“ 4 allzeit beliebte Schulkameraden waren“. 5
Das Königlich Preußische Gymnasium zu Salzwedel. Das Aufnahmejahr ist unbekannt.
1931 erhielt die Schule zu Ehren des „Turnvaters“ den Namen Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium.
1. Oktober 1890
Eintritt als Fahnenjunker in das 1871 gegründete Königlich Preußische Niedersächsische Fußartillerie-Regiment Nr. 10, Garnison in Straßburg/Elsass. Das Regiment gehörte zur 4. Fußartillerie-Brigade und zum XV. Armeekorps. 6 1891 wurde er zum Artillerieoffizier ernannt.
1893-1894
Hildebrandt wurde zum Studium auf die Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin-Charlottenburg kommandiert, die er mit bestandenem Examen verließ. Die Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule war eine 1816 gegründete und bis 1907 separat existierende militärische Ausbildungsstätte für Offiziere der Artillerie- und Pioniertruppe. Sie galt als eine der Vorläuferinstitutionen der heutigen Technischen Universität Berlin.
3 Bundesgesetzblatt des Norddeutschen Bundes Band 1868 Nr. 30, Seite 497-512, Fassung vom 2. September 1868.
4 Als Musspreußen werden diejenigen Bürger Preußens bezeichnet, die aufgrund territorialer Hinzugewinne infolge von Kriegen, Erbschaften, Käufen oder internationaler Verträge ohne Volksabstimmung aus anderen deutschen Staaten zu „Preußen mussten“.
5 Salzwedeler Stadtarchiv
6 Das XV. Armee-Korps war ein Großverband der preußischen Armee des Deutschen Kaiserreiches, der sein Hauptquartier in Straßburg hatte und zu Beginn des Ersten Weltkrieges der V. Armee-Inspektion unterstellt war.
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Das Gebäude der Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin-Charlottenburg, Hardenbergstr./Ecke Fasanenstraße um 1880.
1896
Alfred Hildebrandt beteiligte sich an der Gründung des Oberrheinischen Vereins für Luftschiffahrt, dessen Vorsitzender er wurde.
1897
Lehrkurs von 5 Monaten auf der Königlichen Militärturnanstalt zu Berlin. Auf der Militärturnanstalt wurden die kommandierten Offiziere u. a. zu Turn- und Fechtlehrern ausgebildet. Ferner sollte die Lust und Liebe für das Turnen und auch für das Bajonett-, Hieb- und Stoßfechten gefördert werden. Nebenbei erfolgte auch die Ausbildung im Radfahren.
1897
Übernahme der Leitung der ersten in Deutschland unternommenen Drachenversuche für meteorologische Zwecke, die auf Veranlassung von Prof. Hergesell 7 , Prof. Julius Euting 8 , Dr. August Stolberg 9 und Alfred Hildebrandt in Straßburg im Elsass ausgeführt wurden.
1897
Hildebrandt erwarb seinen Freiballonführer-Ausweis Nr. 20 beim Königlich-Preußischen Luftschiffer-Bataillon. 10
Bis zum 1. 10. 1912 führte er insgesamt 122 Ballonfahrten durch, davon ca. 100 selbstständig. 11
7 Hergesell, Hugo Emil (29.05.1859 in Bremberg-06.06.1938 in Berlin)
8 Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Julius Euting (1839-1913)
9 Dr. August Stolberg, am 1. Mai 1864 in der Familie eines Brennereibesitzers in Nordhausen/Thüringen geboren, am 15. Mai 1945 hier verstorben. Er studierte Kunstgeschichte in München, in Straßburg Geographie und Meteorologie und promovierte in Philosophie, war als Meteorologe Ballon- und Luftschiffahrer, dann in Grönland Polarforscher und seit 1923 Museumsdirektor in der Stadt Nordhausen bis 1935 und dann erneut ab 1939.
10 Schon 1884 wurde in Berlin das erste Luftschiffer-Bataillon gegründet, allerdings mit Fessel- und Drachenballons
11 "Jahrbuch des deutschen Luftfahrerverbandes 1913", Seite 83, 84 und 91
10
1898
Kommandierung zur Luftschifferabteilung in Berlin. Nach Beendigung dieses Kommandos wurde er Führer des Festungs-Luftschiffertrupps in Straßburg im Elsass.
Offiziere der Luftschifferabteilung Berlin um 1898. Neunter von rechts: Hauptmann Georg v. Tschudi, der spätere Direktor des Flugplatzes Johannisthal. Unbekannt ist, ob Alfred Hildebrandt ebenfalls abgebildet ist.
1899
Für Graf Zeppelin wurde Hildebrandt für den Bau seines ersten Zeppelin-Starrluftschiffs LZ 1 12 als Helfer zugeteilt.
12 Abbildung stammt aus dem „Lexikon der gesamten Technik“ (1904) von Otto Lueger.
13 Das LZ 1 stieg zum ersten Mal am 2.7.1900 um 20:00 Uhr auf. Dabei waren 5 Personen und 350 kg Ballast an Bord. Der erste Flug dauerte 18 Minuten. Das LZ 1 war mit 2 Daimlermotoren, mit je 16 PS ausgestattet.
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1899
Er unterstützte Prof. Hugo Hergesell bei der Durchführung der Registrierballonaufstiege und unternahm selbst eine Vielzahl von Ballonfahrten für wissenschaftliche Zwecke, u. a. zur Beobachtung
Aufnahmejahr 1915
1900
Hildebrandt wurde endgültig zur Luftschifferabteilung versetzt und nahm dort seine Tätigkeit als Lehrer an der Offizierslehranstalt auf. Hier erhielten ab 1894 jährlich 10 Offiziere aller Waffengattungen in einem einjährigen Ausbildungskurs ihren Unterricht. Außerdem wurde ihm die Leitung der Arbeiten in der Ballon-Fotografie und Fotogrammetrie sowie die Ausbildung der Brieftauben zur Verwendung bei der Luftfahrt übertragen.
September 1900
Hildebrandt begleitete Prof. Hugo Hergesell als Assistent auf dem Internationalen Aeronautischen Kongress in Paris.
10. Januar 1901
Gemeinsam mit Prof. Joseph Arthur Stanislaus Berson (1859-1942) führte er die erste deutsche Ballonfahrt über die Ostsee durch. Es war ein Weltrekord. Die Fahrt dauerte fast 14 Stunden über Sassnitz bis nach Schweden.
Im „Salzwedeler Wochenblatt“ wurde geschrieben:
„Aus Wexiö in Schweden wird vom 11. Januar gemeldet: Gestern abend 9 Uhr landete bei Horgahiltau in Smaaland nach glücklich verlaufener Fahrt ein Ballon, dessen Insassen der Oberleutnant Hildebrandt und Herr Berson vom Berliner meteorologischen Institut waren. Über die Fahrt berichtet das „Wexiöbladet“: Der Aufstieg in Berlin erfolgter gestern 8 Uhr 17 Minuten morgens. Um 1 Uhr 17 Minuten wurde Stralsund passiert, um 2 Uhr Rügen, um 4 Uhr 45 Minuten Trelleborg. Der Weg über die Ostsee wurde also in 2 3/4 Stunden zurückgelegt. Die größte Höhe, die der Ballon erreichte, war 3000 Meter. Als Trelleborg passiert wurde, betrug die Höhe 600 Meter. Die Kälte schwankte zwischen 2 und 3 Grad Celsius. Der unterste Luftstrom ging in die Richtung auf Dänemark, der mittlere auf Schweden, der oberste auf Rußland.“ 14
14 „Salzwedeler Wochenblatt“ vom 16. Januar 1901 (69. Jahrgang), Seite 3. Der Artikelinhalt ist vom Salzwedeler Stadtarchivar Steffen Langusch übermittelt worden.
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1901
Eine neu gebildete Militärkommission begann mit Untersuchungen zum Kraftballon 15 . Dabei waren Major Hermann Klussmann (1854-1944), Hildebrandt und Hans Bartsch v. Sigsfeld (1861-1902). Gemeinsam erarbeiteten sie erste militärische Anforderungen an Luftschiffe. 16
Im gleichen Jahr richtete Prof. Aßmann 17 das Königlich-Preußische aerologische Observatorium auf dem Tegeler Schießplatz ein. Alfred Hildebrandt führte für ihn die meteorologischen Beobachtungen durch und beteiligte sich mehrfach bei Freiballonfahrten zur Erforschung der höheren Schichten der Atmosphäre.
Im April 1901 wurde Oberleutnant Hildebrandt in die erste militärische Kommission berufen, die für die Prüfung von Konstruktionen lenkbarer Luftschiffe und Flugmaschinen eingesetzt worden war.
1904
Am 17. September stieg in Salzwedel der Ballon „Süring“ 18 vom Deutschen Verein zur Förderung der Luftschiffahrt 19 auf. Ballonführer war Alfred Hildebrandt mit den Passagieren Apotheker Gustav Plaß und Lederfabrikant Michaelis, beide aus Salzwedel.
Der erste Aufstieg des Ballons „Süring“ fand am 1. März 1903 in Barmen bis Einbeck statt. Weitere 32 Fahrten bis zum Mai 1904 wurden von Offizieren der Preußischen Luftschiffer-Bataillone durchgeführt.
Überliefert ist, dass „Hildebrandt nach Salzwedel gekommen war, um seiner alten Pennälerstadt einen militärischen Freiballonaufstieg vorzuexerzieren“. 20
15 Kraftballon, Lenkballon war ein wenig gebräuchlicher Ausdruck für Luftschiffe.
16 „120 Jahre Luftfahrt in Tegel“, Heft 2 der Reihe „Deutsche Heeresluftschiffahrt 1884-191“, Jürgen Schneevogt, Eigenverlag.
17 Richard Adolph Aßmann (13. April 1845 in Magdeburg bis 28. Mai 1918 in Gießen) war ein deutscher Meteorologe und entwickelte das nach ihm benannte Aspirationspsychrometer. Er wirkte für eine Popularisierung der Wetterkunde und gilt als Mitbegründer der Aerologie.
18 Benannt nach dem bedeutendsten deutschen Meteorologen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Reinhard Joachim Süring (1866-1950).
19 Der am 8. September 1881 gegründete Deutsche Verein zur Förderung der Luftschifffahrt war die erste luftfahrttechnische Organisation Deutschlands. Zu den bekannten Mitgliedern zählten die Luftschiffpioniere Paul Haenlein, Friedrich Hermann Wölfert, die Meteorologen Richard Aßmann, Arthur Berson und Reinhard Süring, der Militärluftschiffer Hans Bartsch von Sigsfeld und der Flugtechniker Otto Lilienthal.
20 Siehe Anlage 2 dieser Dokumentation.
13
1905
Beförderung zum Hauptmann und zum Lehrer an der Luftschiffer-Lehranstalt des Königlich-Preußischen Luftschifferbataillons.
Am 25. Oktober 1905 heiratet Alfred Hildebrandt Erna, geb. Fuhrmann in Berlin-Schöneberg.
Leider sind die Gästeliste und der Ort der Feierlichkeiten nicht überliefert. Erhalten geblieben ist aber die Speisekarte des Hochzeitsmahls und das Musikprogramm für die Hochzeitsfeier.
Alfred Hildebrandt beschäftigte sich schon sehr früh mit der Luftschiffahrt. Dass auch Graf Zeppelin bereits zu den Wegbereitern des Flugzeugs gehörte, hat zum ersten Mal Alfred Hildebrandt bekannt gemacht (weiteres dazu siehe „Das Buch der deutschen Fluggeschichte“, Peter Supf, Seite 126, 127, Ausgabe 1935). „Einer der nicht all zu vielen Männern, die damals Deutschland mit klarem Blick, die große Hoffnung des Flugzeuges erkannten, war Hauptmann Alfred Hildebrandt. Er sah die Gefahr voraus, die darin lag, dass Deutschland hinter anderen Völkern auf dem Gebiet der Flugtechnik zurückblieb und machte es sich zur Aufgabe, das deutsche Volk über die wahre Bedeutung des Flugzeugs aufzuklären. Was Alfred Hildebrandt in Wort und Schrift in den Jahren 1907-1909 an Aufklärungsarbeit geleistet hat, das sichert ihm für immer einen Ehrenplatz in der der deutschen Fluggeschichte.“ 21
Schon 1907 gab Hauptmann Hildebrandt als Lehrer im Königlich-Preußischen-Luftschifferbataillon folgende Definition für die Flugmaschine: „Als Flugmaschine bezeichnet man Apparate, welche ohne Hilfe von Gassäcken mit von ihnen selbst getragenen Mitteln in die Luft erhoben und nach beliebiger Richtung in derselben fortbewegt werden sollen“. 22
An dieser Definition ist besonders bemerkenswert, dass darin von der Flugmaschine in der Zukunftsform gesprochen wird. Sie war in Deutschland noch nicht Realität. 23
Frühjahr 1907
Hildebrandt nahm infolge zahlreicher bei Freiballonfahrten erlittenen Verletzungen seinen Abschied aus dem aktiven Militärdienst und widmete sich der wissenschaftlichen Arbeit.
Er besuchte die Kaiser-Wilhelm-Universität zu Strassburg und hörte dort Vorlesungen in Physik, Meteorologie und Mathematik, auch bei Prof. Hugo Hergesell.
Kaiser-Wilhelm Universität um 1903.
Er bereitete sich dort für die mehrere Monate später durchgeführte wissenschaftliche Schiffsexpedition in die Gewässer von Island und das nördliche Eismeer zur Erforschung der höheren Schichten der Atmosphäre vor.
In Anerkennung des Ergebnisses dieser Expedition verlieh ihm König Oskar II. von Schweden und Norwegen 24 den „Nordstern-Orden“.
21 „Das Buch der Deutschen Fluggeschichte“, Peter Supf, Band 1, Ausgabe 1935, Seite 203
22 „Die Luftschiffahrt nach ihrer geschichtlichen und gegenwärtigen Entwicklung“, A. Hildebrandt
23 „Schwerer als Luft. Die Frühzeit der Flugtechnik in Deutschland“, Werner Schwipps, Bernhard & Graefe Verlag.
15
März 1907
Veröffentlichung seines Werkes „Die Luftschiffahrt“. Bereits 1909 erschien die zweite Auflage. Diese wurde ins Englische und auf Wunsch der spanischen Militärverwaltung ins Spanische übersetzt.
Am 23. Oktober 1907 gehörte Hildebrandt zur deutschen Delegation für das 2. Gordon Bennett Rennen in St. Louis, Missouri Forest Park.
Die Gewinner waren der deutsche Oscar Erbslöh (1879-1910) und der US-amerikanische Meteorologe Henry Helm Clayton (1861-1946). Sie fuhren mit dem Gasballon Pommern (2200 m³) in 40 Stunden bis nach Bradley Beach, New Jersey (1403,55 km). Dieser Sieg führte dazu, dass dieser international renommierte Cup im darauffolgenden Jahr in Deutschland ausgetragen werden konnte.
Oscar Erbslöh im Ballon „Pommern“.
24 Oskar II. König von Schweden und Norwegen (1829-1907), vollständiger Name: Oskar Friedrich Bernadotte.
16
Auf seiner Heimfahrt aus St. Louis machte Hildebrandt halt in Dayton, eine Stadt im Montgomery County in Ohio (USA). Dort wollte er die Gebrüder Wright besuchen, die aber sich zu dieser Zeit in Europa aufhielten. Hildebrandt reiste auf Kosten des Berliner Großverlegers und Eigentümer des „Lokalanzeigers“ August Scherl 25 als Berichterstatter in die USA, um sich von der Entwicklung der Flugtechnik zu informieren. Der Verleger Scherl war auf den Gedanken gekommen, dass ein großer Reklamecoup für seine Zeitung sein würde, wenn er eine große öffentliche Vorführung eines Wright-Flugzeuges zustande bringen und hierzu die allgemeine Öffentlichkeit als Gäste seiner Zeitung einladen würde.
Aus dem am 18. November 1907 erschienenen Bericht Hildebrandts war zu entnehmen, dass er verschiedene Augenzeugen der Wright-Flüge „verhörte“, die ihm übereinstimmend bezeugten, wie zuverlässig die Wrights fliegen. Zu diesen Augenzeugen gehörten der Sekretär eines Bankinstituts, ein Handwerker, ein Apotheker, ein Justizbeamter und ein Bankpräsident.
Außerdem kam er in Kontakt mit anderen fluggeschichtlich interessanten Personen und wichtigen Stellen. Aus allem, was Hildebrandt erfuhr, gelangte er schließlich zu der Überzeugung: „Ich glaube, die Tatsache des Vorhandenseins der ersten praktisch erprobten Flugmaschine kann wohl niemand mehr ernstlich bestreiten; es ist unmöglich, dass sich so viele angesehene Leute der verschiedensten Berufsklassen und des verschiedensten Alters verabredet haben sollten, einem Erfinder zuliebe das Blaue vom Himmel herunterzulügen (…).“ 26
Aber auch dieser zeugengestützte Bericht vom Ort des Geschehens half nicht viel. „Fachleute“ in Deutschland, jedenfalls nannten sie sich so, machten Hildebrandt den Vorwurf, dass er auf einen “echt amerikanischen Bluff“ hereingefallen sei. Und das drei Jahre nach dem ersten erfolgreichen Flug der Wrights! 27
„Um 1908 glichen die europäischen Kriegsministerien aufgescheuchten Bienenschwärmen. Erregt steckten die Militärs aller Länder ihre Köpfe zusammen. Es muss etwas geschehen, riefen sie. Die Leistungsfähigkeit der dynamischen Flugapparate ist unter Beweis gestellt!. Wir müssen nicht mehr untätig verharren! Wenn wir uns nicht beeilen, geraten wir ins Hintertreffen! Wir müssen uns sichern!
Das sagte auch der Lehrer der deutschen Luftschiffer-Lehranstalt, Hauptmann Hildebrandt.“ 28
25 August Hugo Friedrich Scherl (1841-1921), ab 1900 "August Scherl Verlag GmbH Berlin". Seit 1916 im Besitz des Hugenberg-Konzerns. Hildebrandt schrieb später Fachartikel für die verschiedenen Zeitungen dieses Verlages.
26 Günter Schmitt, „Fliegende Kisten von Kitty Hawk bis Kiew“, transpress Verlag 1985, Seite 27
27 ebenda
28 „Die Straße der Piloten“, C. C. Bergius, Manfred Pawlack Verlagsgesellschaft mbH, 1983, Seite 272
17
1908 trafen die Wrights erstmalig in der in den Pyrenäen gelegene Stadt Pau mit Hildebrandt zusammen. Dort lud er die Wrights im Auftrage des Verlegers Scherl nach Berlin ein. 29 Man kam überein, dass einer der Gebrüder Wrights Ende des Jahres gegen eine ansehnliche Summe eine Anzahl Flüge in Berlin machen sollte. Die Brüder einigten sich, dass diese Berliner Flüge von Orville Wright durchgeführt werden sollten.
Orville Wright. Orville, Katharine und Wilbur Wright.
Von der Stadt Pau zogen die Brüder Wright und ihre Schwester Katharine weiter nach Italien. Hier schlossen sie mit einem weiteren Deutschen
Freundschaft. Hauptmann Richard von Kehler 30 , den sie schon in Berlin getroffen hatten, ist extra nach Rom gereist, um mit den Wrights zu sprechen. Er teilte Ihnen mit, dass einige wohlhabende Herren gern eine deutsche Wright-Gesellschaft gründen würden. Bevor er Rom verließ, wurde ein vorläufiger Vertrag unterschrieben. Seine Bedingungen sahen vor, dass die Brüder Wright eine Summe in bar, einen Aktienanteil in der Gesellschaft und eine 10-prozentige Tantieme für jedes verkaufte Flugzeug erhalten sollten.
Richard v. Kehler.
Der Vertrag wurde im August 1909 in Berlin unterzeichnet. Orville Wright begann dann im September 1909 mit dem Anlernen eines Fliegers für die Deutsche Wright-Gesellschaft, nachdem er die mit Hauptmann Hildebrandt vereinbarte Flugvorführung auf dem Tempelhofer Feld durchgeführt hatte.
29 Geschichte der Raum- und Luftfahrt in Mecklenburg Vorpommern“, Peter Schubert, Verlag Redieck & Schade.
30 Major a. D. Richard von Kehler (1866-1943) war ein deutscher Luftschiffpionier, Militär, Ballonfahrer und Unternehmer.
18
Am 28. Juni 1908 leitete Hildebrandt die Erste öffentliche deutsche Flugvorführung des Kieler Verkehrsvereins.
Zur Enttäuschung Hildebrandts nahm daran allein der dänische erfolgreiche Uhrmacher, Erfinder und Flugzeugführer Jacob Christian Hansen Ellehammer (1871-1946) teil. Er flog nur 50 m, wobei bei der Landung ein Rad seines Drachenfliegers brach.
Voller Entsetzen soll sich Alfred Hildebrandt gefragt haben: „Gibt es denn in ganz Deutschland keinen einzigen Piloten?“ 31
Nach der „Kieler Blamage“, wie der Flugtag auch genannt wurde, hatte Hildebrandt erklärt: „Wenn es nicht anders geht, müssen wir ausländische Piloten nach Deutschland holen, damit unserem Volk die Augen geöffnet werden. Mit Veranstaltungen wie die Kieler Flugvorführung versetzen wir dem deutschen Flugwesen nur den Todesstoß“. 32
Erna und Alfred Hildebrandt bei der „Kieler Woche“ im Sommer 1908.
1909
Der Berliner Verein für Luftschiffahrt führte Testfahrten in Berlin-Wilmersdorf mit dem zur Ehrung Hildebrandts nach ihm benannten Ballon durch.
31 ebenda
32 ebenda
19
Das Ehepaar Hildebrandt im Ballon.
Im Korb waren das Ehepaar Hildebrandt und sein Bruder Professor Dr. August Hildebrandt.
20
Am 9. Februar 1909 richteten Hauptmann Hildebrandt, der alte Afrikaner Hauptmann Dr. E Weiss und der Telegrafen-Assistent Willy Lenk 33 an die zuständigen deutschen Behörden eine Denkschrift zum Thema:
„Vorschläge zur Verbesserung der Verbindung in Deutsch-Ostafrika für politische, wirtschaftliche und militärische Zwecke mit Hilfe von Flugzeugen“.
Der damals 26jährige Berliner Willy Lenk hatte sich seit dem Jahre 1910 mit dem Gedanken beschäftigt, Flugzeuge für den Postdienst in den deutschen Schutzgebieten einzusetzen. Die „Aeroplane“ waren zwar zu jener Zeit noch längst nicht brauchbar für die Verwirklichung dieser Idee. Das tat jedoch der Begeisterung des Telegrafen-Assistenten keinen Abbruch, er wollte vielmehr selbst der erste Postflieger in Afrika werden.
Willy Lenk um 1910.
Das Reichspostministerium gab ihm für seine Pilotenausbildung in Leipzig-Lindenthal Urlaub. Am 3. Dezember 1912 erhielt er die Pilotenlizenz, stürzte aber zwei Monate später im Februar 1913 auf dem Flugfeld Leipzig-Lindenthal tödlich ab. Er wurde vorher gewarnt nicht zu hoch zu fliegen, drosselte in 800 m Höhe stark den Motor. Die Maschine fiel schnell auf 200 m, wo Lenk noch mehr Tiefensteuer gab. Der Flugapparat überschlug sich, er stürzte aus der Maschine und war sofort tot. Eine Revision der abgestürzten Maschine, die kaum beschädigt war, ergab, dass sie völlig intakt war. Wäre Willy Lenk festgeschnallt gewesen, hätte der Unfall vermieden werden können. 34
Im damaligen Reichspostmuseum in Berlin erinnerte an ihn eine Gedenktafel.
Hildebrandt schrieb 1912 in der Zeitschrift „Luftwelt“, Jahrgang 1, Nr. 23 einen Nachruf:
„An der Bahre des jüngsten Opfers in Deutschland, des in Leipzig gestern abgestürzten Telegraphen-Assistenten Lenk, müssen wir einen Augenblick länger verweilen als sonst. Lenk war ein begeisterter Jünger des Flugsports. Nach vielen Mühen und Entbehrungen gelang es ihm, Flugzeugführer zu werden. Den Flugsport betrieb er nicht seiner selbst willen, sondern er hoffte, bald in den deutschen Kolonien als Flugzeugführer eines Post- und Verkehrsflugzeuges seinem Vaterland besonders nützlich zu sein.
33 Willy Lenk (1884-1913), Flugzeugführererlaubnis Nr. 338 am 3. Dezember 1912 auf Mars-Zweidecker, Flugfeld Leipzig-Lindenthal.
34 „Flugsport“ Nr. 4 vom 19. Februar 1913, Seite 142
21
Der Plan von Professor Archenhold 35 , auf dem Kilimandscharo einen Beobachter für astronomische Zwecke zu stationieren, der mit dem Flugzeug auf seine hohe Warte befördert werden sollte, beschäftigte uns ganz besonders seit längerer Zeit. Mitte Januar, bei einer Besprechung in Leipzig, hofften wir, bis Ende 1914 diesen Plan durchführen zu können. Lenk war glücklich bei dem Gedanken, den ersten Beobachter selbst auf die Höhe führen zu können.“ 36
Lenk war der erste Postbeamte (Oberpostassistent), dem durch Pilotenzeugnis die Berechtigung zu selbstständiger Führung eines Flugzeugs erteilt wurde.
Pilotenzeugnis Willy Lenks, unterzeichnet vom Freiherrn von der Goltz. 37 Foto: Lufthansa-Archiv.
In öffentlichen Lichtbildervorträgen warb Lenk für seine Flugpläne. Durch seine lebendige und gewinnende Art verstand er es, die Hörer zu fesseln und zu überzeugen. 38
Am 20. Februar 1913 erfolgte die Erdbestattung auf dem Berliner Zentralfriedhof in Friedrichsfelde im Bezirk Lichtenberg, in die Grab-Wahlstelle 67 (heute Erdwahlstelle 3), Wahlabteilung II. 39 Seine Eltern wohnten in Berlin-Friedrichshain, Samariterstr. 15/III. Stock. Sein Vater, Artur Lenk, war im Berliner Adressbuch mit der Berufsbezeichnung Buchhalter eingetragen gewesen.
35 Friedrich Simon Archenhold (1861-1939). Er wurde Ehrenvorsitzender des am 17. Juli 1928 gegründeten Berliner Flugvereins, der das Flugwesen in jeder Richtung fördern wollte. Er war Astronom und Mitbegründer der seit 1946 nach ihm benannten Archenhold-Sternwarte in der damaligen Landgemeinde Treptow bei Berlin (heute im Berliner Ortsteil Alt-Treptow). Auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Lichtenberg befindet sich das Archenhold-Familiengrab.
36 „Das Buch der deutschen Fluggeschichte“, Band 2, Peter Supf, Verlag Hermann Klemm AG, Berlin 1935, Seite 182 und „Erinnerungen an den ersten Postflieger Willy Lenk“ von Alfred Heerhartz, Berlin, „Archiv für Deutsche Postgeschichte“, 1963, Heft 2.
Wilhelm Leopold Colmar Freiherr von der Goltz (1843-1916) war ein preußischer 37
Generalfeldmarschall, Militärhistoriker und -schriftsteller und im Vorstandsmitglied im Deutschen Luftfahrer Verbandes“ (DLV).
38 „Erinnerungen an den ersten Postflieger Willy Lenk“ von Alfred Heerhartz, Berlin, „Archiv für Deutsche Postgeschichte“, 1963, Heft 2.
39 Bezirksamt Berlin-Lichtenberg von Berlin, Friedhofsverwaltung
22
Willy Lenk am Steuer seines Apparates als Flugschüler bei den Deutschen Flugzeug-Werken. 40
Die Anregung, die Lenk zusammen mit Hildebrandt und Dr. Weiss gegeben hatte, wirkte sich erst ein Jahr nach seinem Tode aus.
1914 bildete sich ein Komitee mit Staatsminister a. D. Victor Adolf Theophil von Podbielski (1844-1916) an der Spitze, das sich die Einrichtung von Flugstützpunkten in Deutsch-Ostafrika, Südwest-Afrika und in Kamerun zum Ziel setzte. Die hier stationierten Flugzeuge sollten für die Schutztruppe, jedoch vor allem für die Postbeförderung zur Verfügung stehen. Schon nach kurzer Zeit stellten die Nationalflugspende 100.000 Mark und das preußische Kriegsministerium Offizierspiloten für die Verwirklichung des Planes zur Verfügung. Grabstein Podbielski.
Als erster Fliegeroffizier wurde der 27jährige Leutnant Alexander von Scheele (1887-1939) nach Deutsch-Südwest-Afrika entsandt.
Er hatte am 14. März 1912 den Pilotenschein Nr. 169 auf einem Albatros-Doppeldecker in Berlin-Johannisthal erworben.
Leutnant Alexander v. Scheele.
Zur gleichen Zeit kamen ein Roland-Stahl-Doppeldecker, ein Pfalz- und ein Aviatik-Zweidecker und drei weitere Flieger nach Deutsch-Südwest.
40 Deutsche-Luftfahrer-Zeitschrift“ vom 16. Oktober 1912, Heft 21, Seite 507.
23
Einer der Flieger war der ehemalige Radrennfahrer Bruno Büchner (1871-1916), der am 3. Februar 1911 das Flugzeugführerpatent Nr. 53 erwarb.
Bruno Büchner. Mitte Willy Trück.
Es folgten der österreichische Leutnant d. R. Fiedler und der Monteur und Werkpilot Willy Trück (1888-?). Trücks Pilotenschein Nr. 658 war erst am 9. Februar 1914 auf einem Aviatik-Eindecker ausgestellt worden.
„Weißer Mann kann fliegen wie Vogel“, gestanden staunend die Afrikaner, als sich die deutschen Flieger mit ihren Flugapparaten zum ersten Mal zeigten. Die Unvollkommenheit des Fluggeräts und der Motoren brachten jedoch zahlreiche Brüche mit sich, zumal den Piloten anfangs auch jegliche fliegerische Erfahrung in den Tropen fehlte.
Glücklicherweise gingen die meisten Unfälle jedoch ohne nennenswerte Verletzungen für die Piloten selbst ab, und die Beschädigungen an den Maschinen wurden in langwieriger Arbeit durch geschickte Handwerker wieder behoben.
Ein Plan von Bruno Büchner, auf dem Luftwege von Deutsch-Südwest-Afrika nach Deutsch-Ost-Afrika zu gelangen, wurde durch ein Überflugverbot der Kapkolonie 41 zunichtegemacht. Als sein Flugzeug auf dem Wasserweg in Sansibar anlangte und entladen wurde, war der Erste Weltkrieg ausgebrochen.
41 Die Kapkolonie war eine zunächst niederländische, später britische Kolonie im heutigen Südafrika. Sie blieb bis zur Bildung der Südafrikanischen Union 1910 britische Kolonie und wurde dann als Kapprovinz Teil der Union.
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Bruno Büchner auf einem Erkundungsflug in Deutsch-Ostafrika, Richtung Sansibar und Bagamoyo 1914.
Büchners Pfalz-Doppeldecker von Askaris 42 bewacht. 43
Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges verging nahezu ein Jahrzehnt, ehe sich wieder ein deutsches Flugzeug über dem schwarzen Erdteil zeigte. Über die Entwicklung des Verkehrsfluges wird hier nicht weiter eingegangen, da keine nennenswerten Aktivitäten Hildebrandts zu finden waren.
42 Als Askari (abgeleitet von Swahili für Soldat, im Deutschen Askaris) wurden vor allem in Afrika einheimische Soldaten oder Polizisten in den Kolonialtruppen der europäischen Mächte bezeichnet.
43 Beide Fotos aus „Das Buch der deutschen Fluggeschichte“, Band 2, Peter Supf, Verlag Hermann Klemm AG, Berlin 1935, Seite 437.
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Hildebrandt mit seiner Katze. Zweite von rechts Erna Hildebrandt. Das Foto mit weiteren Luftschiffern entstand 1909 vor der Reise nach England.
Alfred Hildebrandt war Teilnehmer der außerordentlichen Konferenz des internationalen Luftschifferverbandes zu London am 11. und 12. Januar 1909. Die Konferenz fand im Hotel Ritz in London statt.
Zur Delegation aus Deutschland mit insgesamt 12 Stimmen gehörte neben Alfred Hildebrandt (Nr. 9):
(Siehe Nr. auf dem Gesamtfoto 44 auf der nachfolgenden Seite 25)
x 4: Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Karl Busley (1850-1928), Mitbegründer des DLV 1902 x 6: Oberstleutnant a. D. Hermann W.L Moedebeck (1857-1910) 45 x 28: Rechtsanwalt Eschenbach 46 , Syndikus des Deutschen Luftschifferverbandes x 14: Prof. Dr. Hermann Stade (1867-1932), Freiballonführer Nr. 76 vom 15. April 1907
x 16: Fabrikant Hans Hiedemann, Freiballonführer Nr. 78 vom 28. April 1907 x Fabrikant Julius Wurmbach jun. (1860-?), Freiballonführer Nr. 102 vom 29. Dezember 1907
x 10: Fabrikant Eugene Clouth (1875-1944), Sohn des Firmengründers, Großkaufmann und Repräsentant in London x Oberstleutnant Oesterreich x Bankier Hermann x Kaufmann Schütze x 12: H. Manns
44 Foto aus der Deutschen Zeitschrift für Luftschiffahrt (DLZ), 27. Januar 1909, XIII. Jahrgang, Heft 2.
45 Mitbegründer der „Flugplatzgesellschaft Johannisthal“, des dortigen späteren Flugplatzes
46 ebenda
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Arbeit zitieren:
Alexander Kauther, Paul Wirtz, 2011, Oberstleutnant a. D. Dr. phil. Alfred Hildebrandt - Freiballonführer, Luftfahrtpionier und Schriftsteller, München, GRIN Verlag GmbH
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