ABSTRACT
Der Beruf der Intensivpflege gehört zu den Berufsgruppen, bei denen die erhöhten Belastungen und Anforderungen zu häufigen Berufsausstiegen und zu stressbedingten Erkrankungen führen. Trotzdem gibt es Personen, die den Beruf der Intensivpflege bereits länger als 12 Jahre ausüben. Die Fähigkeiten, die sie entwickelten, helfen anderen, die an den Belastungen und Anforderungen der Arbeit leiden, einen Weg aus der Krise zu finden.
Es wurde eine qualitativ empirische Untersuchung durchgeführt. Mittels neun arbeitsbiografischen Interviews konnten 35 Jahre an intensivpflegerischen Erfahrungen gesammelt und qualitativ inhaltsanalytisch ausgewertet werden. Die Untersuchung führte zu folgenden Ergebnissen: Die intrapersonellen Fähigkeiten, wie Resilienz, Humor, gute Beziehung zu sich selbst, innere Achtsamkeit, bewusste Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse und die Fähigkeit, Stress körperlich abzubauen, tragen wesentlich zur Gesundheit und zur Arbeitszufriedenheit bei und steigern die Arbeitsverweildauer des Intensivpflegepersonals.
Faktoren, die abhängig von äußeren Umständen sind, können nur bedingt vom Einzelnen beeinflusst werden. Die negativsten Auswirkungen auf die Arbeitsverweildauer, Arbeitszufriedenheit und Gesundheit haben: Ein schlechtes Arbeitsklima, destruktive Kommunikation intra- und interdisziplinär, die fehlende emotionale Präsenz, die fehlende Transparenz und die fehlende Anerkennung von den Führungsebenen. Projekte zur resilienten Unternehmensführung bieten Lösungsansätze für diese Probleme und wecken das Interesse an weiteren wissenschaftlichen Forschungen.
ABSTRACT
Background: The profession of critical care nursing is very burden and challenging. Due to the workload and stress related disorders there is a high nurse turnover. However there are some critical care nurses working for more than 12 continuous years in an intensive care unit. With their experiences and developed skills it is possible to help other nurses with stress conditional diseases out of work related crisis.
i
Methods : In this qualitative empirical study I conducted work-biographical interviews
with 9 critical care nurses and could finally evaluate experience of 35 years critical care
nursing and analyzed to the contents.
Findings : The ego strength capabilities - resilience, humour, inner relationship,
mindfulness , conscious perception of their own needs and the skill to de-stress via sport
and body activities - increase the residence time of critical care nurses and contribute to
their satisfaction and health.
Interpretation: Common negative effects depend on outside circumstances on residence
time , on satisfaction within the job and on health are: bad working atmosphere,
destructive communication intra- and interdisciplinary, missing emotional presence and
missing appreciation of the superiors.
First signs of solutions for these problems are based upon resilient corporate management
and draw interest for further studies on this topic.
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Hiermit bestätige ich durch meine Unterschrift, dass ich meine MasterThesis mit dem Titel “Ein intensives Arbeitsleben oder Berufene, die man oft vergisst. Eine qualitative empirische Untersuchung des Intensivpflegepersonals in Österreich” eigenständig verfasst habe. Ich bin damit einverstanden, dass die MasterThesis auf der Website der ARGE Bildungsmanagement Wien veröffentlicht wird.
Isabella Hausknecht
Psychotherapeutin (Hypnose)
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INHALTSVERZECHNIS SEITE
I. EINLEITUNG 4
II. THEORIETEIL 6
2. INTENSIVSTATIONEN UND INTENSIVPFLEGEPERSONAL
IN ÖSTERREICH 6
2.1 Nationale Einteilung der Intensivstationen 8
2.2 Berufsbild, Berufsprofil und
Leistungsprofil von Intensivpflegepersonal 10
2.2.1 Berufsbild 10
2.2.2 Berufsprofil und Leistungsprofil 11
2.3 Herausforderungen und Belastungen in der Intensivpflege 13
2.3.1 Psychische Belastungen 13
2.3.2 Erschwernisse im Sozialleben 16
2.3.3 Körperliche Belastungen 17
3. RESILIENZ 19
3.1 Begriffsdefinition der Resilienz 19
3.2 Historische Entwicklung des Resilienzkonzeptes 19
3.3 Die sieben Säulen des Resilienzkonzeptes 21
3.4 Bedeutung des Resilienzkonzeptes für
Erwachsene im Berufsleben 25
4. SALUTOGENESE 30
4.1 Salutogenese und Pathogenese 30
4.2 Das Salutogenese - Modell 32
5. DIE VIER EMOTIONALEN GRUNDBEDÜRFNISSE 37
1
6. DER MENSCH ALS GANZES - WECHSELWIRKUNGEN VON
K ÖRPER, GEIST UND SEELE 40
6.1 Authentic Happiness 40
6.2 Neurobiologie und Psyche 48
6.3 Achtsamkeit und Gesundheit 51
7. ZUSAMMENFASSUNG DES THEORETISCHEN MATERIALS 53
III. EMPIRISCHER TEIL 55
8. DIE UNTERSUCHUNG 55
8.1 Die Forschungsfrage und das Erkenntnisinteresse 55
8.2 Das Erhebungsverfahren: Arbeitsbiografische Interviews 56
8.3 Auswertungsverfahren: Qualitative Inhaltsanalyse 58
8.4 Beschreibung der Interviewpartner/innen und der Interviews 58
9. FORSCHUNGSERGEBNISSE:
ANALYSE UND INTERPRETATION 61
9.1 Die Anfangszeit 62
9.1.1 Herausforderungen der Anfangszeit 62
9.1.2 Zusammenfassung und Interpretation 64
9.1.3 Belastungen der Anfangszeit 65
9.1.4 Zusammenfassung und Interpretation 67
9.2 Arbeitsklima - Zusammenarbeit - Kommunikation 67
9.2.1 Das Intensivpflegeteam 68
9.2.2 Zusammenfassung und Interpretation 69
9.2.3 Das Ärzteteam 70
9.2.4 Zusammenfassung und Interpretation 72
9.3 Der Einfluss: Stationsleitung 73
9.3.1 Einfluss der SL aus der Sicht des Teams 73
9.3.2 Zusammenfassung und Interpretation 75
9.3.3 Erfahrungen einer stationsleitenden Intensivschwester 76
2
9.3.4 Zusammenfassung und Interpretation 78
9.4 Einfluss der Institution Krankenanstalt 79
9.4.1 Vorteile der Institution Krankenanstalt 79
9.4.2 Zusammenfassung und Interpretation 81
9.4.3 „Gesundheitsfalle“ Institution Krankenanstalt 82
9.4.4 Zusammenfassung und Interpretation 84
9.5 Ressourcen 85
9.5.1 Äußere Ressourcen 86
9.5.2 Zusammenfassung und Interpretation 87
9.5.3 Innere Ressourcen 88
9.5.3.1 Ausgleichende Ressourcen 88
9.5.3.2 Schützende Ressourcen 89
9.5.4 Zusammenfassung und Interpretation 91
10. ERGEBNISSE - DISKUSSION 92
10.1 Die Ergebnisse 92
10.2 Diskussion 95
III. LITERATURVERZEICHNIS 97
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS 103
GLOSSAR 104
ANHANG A 105
ANHANG B 106
ANHANG C 107
3
I. EINLEITUNG
Der Intensivpflegefachdienst zählt zu den Berufen mit einer höheren Anforderung an psychischer und physischer Belastbarkeit. Aus dieser erhöhten Belastung an die Psyche und an den Körper resultiert ein erhöhter Ausfall des Fachpersonals durch Krankheit, Wechsel in andere Fachbereiche der Gesunden- und Krankenpflege oder Wechsel in andere Berufe.
Der rasche Wechsel des Intensivpflegepersonals an den Intensivstationen kostet den Krankenanstalten viel Geld, eine Verlängerung der Arbeitsverweildauer ist deswegen erstrebenswert. Zufriedene gesunde Mitarbeiter steigern die Überlebenschancen von Intensivpatienten.
Es gibt Intensivpflegepersonal, das den Beruf der Intensivpflege bereits Jahrzehnte ausübt. Die folgende Forschungsfrage soll dem auf den Grund gehen: Welche Fähigkeiten entwickelte Intensivpflegepersonal, das länger als 12 Jahre im Beruf steht und welche Faktoren beeinflussen und fördern die Arbeitsverweildauer, die Arbeitszufriedenheit und die Gesundheit?
Im theoretischen Teil wird der Beruf der Intensivpflege vorgestellt. Die unterschiedlichen Anforderungen an das Intensivpflegepersonal werden erörtert. Die NEXT - Studie (nurses early exit study) stellt zahlenmäßig dar, wo generell europaweit die Schwierigkeiten für das Krankenpflegepersonal liegen. Österreich nahm an dieser Studie nicht teil. Simon, Tackenberg, Hasselhorn, Kümmerling, Büscher & Müller (2005) werteten die deutschen Erhebungen aus der NEXT - Studie aus und lieferten damit einige Zahlen zum Intensivpflegepersonal.
Die erhöhten psychischen Anforderungen verlangen die Entwicklung von Resilienzpsychischer Widerstandsfähigkeit.
In Kapitel drei wird das Konzept der Resilienz behandelt. Wissenschaftliche Projekte der Harvard Business School (siehe Coutu, 2003) befassen sich mit dem Resilienzkonzept für Unternehmen, ein interessanter Aspekt für die heimischen Krankenanstalten.
4
Ein Teil der beeinflussenden Faktoren auf Verweildauer, Arbeitszufriedenheit und Gesundheit von Intensivpflegepersonal liegt außerhalb des Individuums, die Struktur der Krankenanstalten gehört da dazu.
Kapitel vier und fünf befassen sich wieder mit der Einzelperson. Welche psychischen Faktoren fördern die Gesundheit - dazu geben das Salutogenese Modell (siehe Antonovsky, 1997) und das Modell der vier emotionalen Grundbedürfnisse (siehe Mende, 2006) Antworten.
Kapitel sechs schafft die Verbindung zur somatischen Ebene, in dem die Folgen der Gefühle auf die Seele und den Körper und deren Auswirkungen auf das Berufsleben von Seligman (2002), Grawe (2004), Siegel (2009), Hüther, Roth & von Brück (2009), Reddemann (2004) und Weiss, Harrer & Dietz (2010) wissenschaftlich erklärt werden. Im Anschluss folgt der empirische Teil. Da die Zahl des Intensivpflegepersonals, welches mindestens 12 Jahre im Beruf steht, gering ist, wurde eine qualitative empirische Studie durchgeführt.
Es wurden neun arbeitsbiografische Interviews mit Experten geführt, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.
Der Zeitraum, der von den Interviewpartner/innen erzählten Erfahrungen, erstreckte sich über 35 Jahre von 1975 bis 2010. Es wurden vier Intensivschwestern, vier Intensivpfleger und eine stationsleitende Intensivschwester befragt.
Aus den Interviews und den internationalen Studien von Shortell, Zimmerman, Rousseau, Gillies, Wagner, Draper, Knaus & Duffy (1994) und Laporta, Burns & Doig (2005) ging hervor, dass das Arbeitsklima und die Stationsleitung Schlüsselrollen für den Verbleib des Personals und deren Zufriedenheit spielen.
In Kapitel neun finden sich die Analysen und Interpretationen der einzelnen Kategorien: Anfangszeit, Arbeitsklima, Einfluss der Stationsleitung, Einfluss der Institution, Ressourcen.
Das letzte Kapitel behandelt die Ergebnisse und die daraus entstehende Diskussion.
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II. THEORIETEIL
2. INTENSIVSTATIONEN UND INTENSIVPFLEGEPERSONAL IN ÖSTERREICH
Prien, Scherer & Van Aken (2007) sowie Hannich (2007) erläutern die verschiedenen Facetten der Herausforderungen von Intensivstationen und deren Personal in dem Buch „Intensivmedizin, ein Manual“. Die ersten Intensivbehandlungseinheiten in Europa entstanden während einer Poliomyelitisepedemie 1952 in Dänemark (vgl. Prien, Scherer & Van Aken, 2007). Die damaligen Teams der ICU-Einheiten waren Pioniere. Kaum Personal, keine spezifischen Ausbildungen, ein Minimum an medizintechnischen Geräten und Monitorings waren Zusammenarbeit und Teamgeist die herausragenden Merkmale. Alarm schlug nicht der Monitor, sondern das Team, gleich welcher Berufszugehörigkeit. Intensiveinheiten waren ein Abenteuer und jede Neuerung ein unvorhergesehenes Risiko, Herausforderung und gleichzeitig ein Experiment, welches bei Erfolg Heilung brachte. Das Überleben eines schwerstkranken Menschen, der zum Beispiel das erste Mal eine doppellumige Beatmung erhielt, war ein Erfolgsgefühl für die gesamte Intensivmannschaft (vgl. ebd.).
Die Beziehung zu den Patient/innen war viel intensiver als heute. Dieses Gefühl haben heute nur mehr Schwestern/Pfleger, die zum ersten Mal z. B. die Dialysemaschine aufrüsten und bedienen. Das Erfolgserlebnis ist das Gefühl des Einzelnen geworden. Nicht nur mit den guten Gefühlen sind die Berufseinsteiger alleine, mit der Überforderung und dem Leid, das auf Intensivstationen miterlebt wird, ebenso (vgl. Hannich, 2007).
Die medizintechnische und medizinische Entwicklung der letzten 50 Jahre war so rasant, dass das Flair einer ICU ein ganz anderes wurde. Entwickelte sich das Pflegepersonal damals zeitgleich mit der Technik und Medizin, sind die heutigen Neueinsteiger mit einem Maximum an Technik und somit an Sicherheiten und einem Minimum an Humanität konfrontiert (vgl. ebd.). Intensivpflegepersonal mit langjähriger Erfahrung ist das Auffangnetz für die Anfänger.
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Es umfasst sowohl die pflegerische und technische Einschulung und auch als emotionales Modell zu fungieren, um die technisierte Intensivmedizin wieder mit Menschlichkeit anzureichern. Geschieht das aus Personalmangel und hohen Fluktuationsraten nicht, besteht für das junge Personal die Gefahr selbst gefühlsmäßig zu verarmen, zu verhärten und zu erkranken (vgl. Hannich, 2007).
Erfahrenes Intensivpflegepersonal ist die Ressource und Stütze von Intensivstationen. Niedrige Fluktuationsraten senken die Kosten und erhöhen die Überlebenschancen von Intensivpatienten. Eine längere Verweildauer des Personals hat eine berufspolitische und ökonomische Relevanz (vgl. Shortell et al., 1994).
Bei einem Blick auf die heutigen Fakten, Daten und Zahlen der Intensivstationen und des Intensivpflegepersonals in Österreich war folgendes zu eruieren: Laut Bundesministerium (BMGFJ, 2010) gibt es in Österreich, per 31.12.2008, 64.300 Krankenhausbetten, aufgeteilt auf 267 Krankenanstalten. 2005 waren, laut einer Studie vom Institut für Technikfolgenabschätzung (2002) unter der Projektleitung von Claudia Wild, 1803 Intensivbetten in Planung. Im Jahr 1998 gab es 1701 gezählte Intensivbetten an zirka 140 Intensivstationen.
In den 267 österreichischen Krankenanstalten sind 52.924 Personen als diplomiertes Pflegepersonal angestellt (vgl. GÖG, 2009). In Österreich gibt es keine einheitliche Registrierung des Pflegepersonals. Das ist der Grund, warum derzeit keine genaue Anzahl des Intensivpflegepersonals existiert (vgl. ebd.).
Durch die Kategorisierung der Intensivstationen in Österreich ergibt sich eine Pflegebedarfsplanung von mindestens zwei bis maximal drei
Intensivpflegepersonen : Intensivbett (vgl. Institut für Technikfolgenabschätzung, 2002). An den Universitätskliniken mit fachspezifischen Intensivstationen, zum Beispiel Intensivstation für Herz-Thoraxchirurgie, ist der Pflegepersonal- : Betten-Schlüssel bis 4,3 Pflegepersonen : 1 Bett. Indirekt ergibt sich daraus, dass 10 % des angestellten diplomierten Pflegepersonals in Österreich an Intensivstationen arbeitet. In Niederösterreich liegt der Pflegepersonal/Bettenschlüssel für allgemeine anästhesiologische Intensivstationen (= leistungsintensivste Intensivstation nach den fachspezifischen Intensivstationen) bei 3:1 (vgl. ebd.).
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Nationale Rahmenbedingungen für Intensivstationen werden im ÖKAP (Österreichischer Krankenanstalten- und Großgeräteplan) festgelegt.
Regionale Anpassungen und Detailplanungen obliegen den Bundesländern. Die ÖKAP-Standards sichern nur eine Mindestbesetzung des Intensivpflegepersonals. Das erklärt den unterschiedlichen Personaleinsatz (vgl. Institut für Technikfolgenabschätzung, 2002). So wie die Medizin komplexer und teurer wurde, ist der Personalaufwand gestiegen und die Bedarfsplanung komplexer und undurchsichtiger geworden (vgl. Prien et al., 2007). Die landesunterschiedlichen Gesetze gleichen einem Dschungel an kaum nachvollziehbaren Regelungen.
2.1 Nationale Einteilung der Intensivstationen
Die Einteilung erfolgt zwischen Intensivüberwachungseinheiten, IMCU (intermediate care unit) genannt, und Intensivbehandlungseinheiten (intensive care unit). Die Intensivbehandlungseinheiten werden weiters in drei Abstufungen eingeteilt. Je nach Bettenanzahl, medizinischen Diagnosen, Umfang des Leistungsgeschehens und finanziellen Kosten errechnet sich die jeweilige Kategorie (vgl. Institut für Technikfolgenabschätzung, 2002). Die zu erhebenden Daten sind: Administrative Daten von Patient und Aufenthalt Medizinische Dokumentation Pflege- und Therapiedokumentation (TISS-28) Medizinische Dokumentation
Seit März 1998 wurde ein eigenes Dokumentationssystem für die Patient/innen und Leistungen auf Intensivstationen eingeführt und dient als zusätzliche Grundlage für das Leistungsgeschehen von Intensivstationen (vgl. ebd.).
Ein Hauptbewertungskriterium ist das „Therapeutic Intervention Scoring System 28 (TISS 28). Es soll den Aufwand eines Intensivpatienten auf der Basis von täglichen therapeutischen und diagnostischen Maßnahmen berechnen. Obwohl es bereits effizientere Bedarfsberechnungen gibt, wird in Österreich zur Personalbedarfsplanung TISS 28 herangezogen (vgl. Dorfmeister, 1997).
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Der Nachteil dieses Scorings liegt darin, dass nur direkt am Patienten erfolgte Leistungen gemessen werden. Der organisatorische, logistische und servicetechnische Aufwand wird nicht einkalkuliert.
Der intensivmedizinische Aufwand einer internistischen Intensivbehandlungseinheit ist geringer als der einer operativen/anästhesiologischen Intensivbehandlungseinheit (vgl. Dorfmeister, 1997).
Je nach Erreichung der TISS 28-Punkte fällt die internistische Intensivstation zwischen Stufe eins und zwei. Die operative/anästhesiologische Intensivstation fällt zwischen Stufe zwei und drei. Werden Nierenersatztherapien und andere Eliminationsverfahren angeboten, fallen diese operativen/anästhesiologischen Intensivstationen in die Stufe drei (vgl. Institut für Technikfolgenabschätzung, 2002).
Intensivpersonal, das an dieser Forschungsarbeit teilnahm, arbeitet auf Intensivstationen der Kategorie zwei und drei.
TISS wurde 1974 entwickelt. Es wurde zur Einschätzung des Schweregrades der Erkrankung und zur Erhebung des medizinischen und pflegerischen Aufwandes eingeführt. Die erste Version umfasste 76 therapeutische Aktivitäten. Wegen des hohen Zeitaufwandes zur Erfassung der Punkte wurde es 1996 auf 28 bewertende Maßnahmen reduziert. So zählt ein Standardmonitoring fünf Punkte, künstliche Beatmung fünf Punkte, häufiger Verbandwechsel ein Punkt, Pulmonaliskatheter acht Punkte usw. Die Berechung der Punkte muss jeden Tag erfolgen und wird von den Ärzten auf der ICU eingegeben.
Für die Intensivpflegepersonalberechnung wurde in fast allen Bundesländern ebenso TISS 28 herangezogen, Änderungen sind gerade im Entstehen (vgl. Dorfmeister, 1997). In Wien hatte sich Mitte bis Ende der 90iger Jahre des vorigen Jahrhunderts der Krankenanstaltenverband bemüht, eine effizientere Berechung für die Personalplanung auf Intensivstationen zu erstellen: die Wiener Intensiv-Personal-Planung WIPP. WIPP ist eine standardisierte Zeitmessstudie zur Erhebung des intensivmedizinischen und intensivpflegerischen Aufwandes der Patienten (vgl. ebd.).
Das Tätigkeitsprofil der Intensivpflegeperson wird in 13 Tätigkeitsgruppen dargestellt. Der Leistungsumfang wird herausgearbeitet und dokumentiert.
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Zur täglichen Patient/innenkategorisierung in der Intensivpflege wurde TIPPS (Tägliches Intensiv Pflege Punkte System) entwickelt. Es erweitert die kontinuierliche Erfassung des Pflegeaufwandes von WIPP. Zur Erhebung der TIPPS Punkte gibt es ein Leistungsblatt für das ICU-Personal, welches täglich ausgefüllt wird und nur einige Minuten in Anspruch nimmt. Es liefert einen Pflege- und Betreuungszeitwert pro Patient (vgl. Dorfmeister, 1997).
Berufsfremde Tätigkeiten werden auch mit diesen Systemen nicht erfasst. Ob sich WIPP und TIPPS zur Intensivpflegepersonalberechung besser eignen als TISS 28, ist durch derzeit fehlende Vergleichsdaten nicht zu beurteilen (vgl. ebd.).
2.2 Berufsbild, Berufsprofil und Leistungsprofil von Intensivpflegepersonal in Österreich
2.2.1 Berufsbild
Zu den Gesundheits- und Krankenpflegeberufen zählt der gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege und die Pflegehilfe. Ausbildungsrichtlinien, Berufspflichten, Berufsrechte und Leistungsprofil sind im Gesunden- und Krankenpflegegesetz (vgl. GuKG, 2010) geregelt.
Der Pflegefachdienst untersteht dem Bundesministerium für Gesundheit (BMGFJ). Intensivpflegepersonal absolviert die Ausbildung zur allgemeinen Gesundheits- und Krankenpflege in der Dauer von drei Jahren.
Um in einer Spezialeinrichtung einer Intensivstation arbeiten zu können/dürfen, bedarf es der Sonderausbildung zur Intensivpflege, Anästhesiepflege und Nierenersatztherapie. Es ist gesetzlich erlaubt, die ersten fünf Jahre nach Erwerb des allgemeinen Gesundheits-und Krankenpflegediploms ohne Sonderausbildung auf Intensivstationen in Österreich zu arbeiten.
Spätestens nach fünf Jahren ist die Sonderausbildung verpflichtend. Die Dauer der Sonderausbildung beträgt derzeit ein Jahr (vgl. ebd.).
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Personen, die für diese Arbeit interviewt wurden, absolvierten das allgemeine Diplom zur Gesundheits- und Krankenpflege und die Sonderausbildung zur Intensivpflege, Anästhesiepflege und Nierenersatztherapie erfolgreich.
2.2.2 Berufsprofil und Leistungsprofil
Zu den allgemeinen Berufspflichten des Intensivpflegepersonals gehören die Pflegedokumentation, Verschwiegenheitspflicht, Einhaltung der Hygienemaßnahmen, Anzeigepflicht und regelmäßige Fortbildung.
Die allgemeinen und speziellen Tätigkeiten sind gesetzlich geregelt in eigenverantwortlichen, mitverantwortlichen und interdisziplinären Tätigkeitsbereichen sowie in lebensrettenden Sofortmaßnahmen (vgl. GuKG, 2010). Spezielle Tätigkeiten:
- Mitwirkung an Reanimationen 1 und Schocktherapie - Mitwirkung an Anästhesieverfahren
- Mitwirkung an der Überwachung und Funktionsaufrechterhaltung der apparativen Ausstattung
Der Begriff der Funktionsaufrechterhaltung setzt in der Praxis medizintechnisches Wissen und regelmäßige Wartungs- und Servicetätigkeiten voraus. In den großen Krankenanstalten und Universitätskliniken gibt es einen eigenen medizintechnischen Dienst.
- Überwachung und Betreuung schwerstkranker und ateminsuffizienter Patienten mit invasiven und nichtinvasiven Methoden
- Blutentnahme aus liegenden Kathetern z.B.: Arterienkatheter 2 , Cavakatheter 3 , Pulmonaliskatheter 4
- Legen von Magen-, Duodenal 5 - und Temperatursonden, deren regelmäßige Lagekontrolle und Aufrechterhaltung der Funktionstüchtigkeit Die falsche Lage einer Magensonde kann zum Beispiel zu einer schweren Ateminsuffizienz, Lungenentzündung und bei längerem Nichterkennen zum Tod des Patienten führen.
- Durchführung und Überwachung des extrakorporalen Kreislaufes, dazu gehören die Nierenersatztherapien und andere Eliminations- und Entgiftungsverfahren (vgl. ebd.)
11
Ausgenommen davon ist das Setzen des erforderlichen Katheters. Gesetzt werden die Katheter vom Arzt und das Intensivpflegepersonal assistiert dabei. - Mitwirkung an der Schmerztherapie
- Anleitung und Begleitung von Krankenpflegeschüler/innen und Praktikant/innen der Sonderausbildung zur Intensivpflege (vgl. GuKG, 2010)
Das Aufgabenfeld des Intensivpflegepersonals ist medizintechnisch geprägt. Dieser Schwerpunkt kristallisiert sich nicht nur aus dem Bundesgesetzblatt (vgl. ebd.) heraus. Gemäß einer Aufzählung von Hecker et al. (3) ist der durchschnittliche Intensivarbeitsplatz gekennzeichnet durch 12 Diagnose- und Therapiegeräte pro Patient, 85 Bedienelemente, 65 Anzeigenelemente 30 Alarmmöglichkeiten, 15 Leitungen zum Patienten,
11 Leitungen zur Logistik (Spannungs-, Gasversorgung etc.). Insgesamt werden 400 Daten pro Tag generiert, auf die reagiert werden muss. Durchschnittlich alle 90 s wendet sich der Pflegende einer neuen Tätigkeit zu, 50 % der Verrichtungen sind kürzer als eine halbe Minute. Im Vergleich zur Geräteüberwachung, der Dokumentation und Bilanzierung steht für die Grundpflege nur ein Viertel an Zeit zur Verfügung, die sich bei Gerätestörungen weiter reduziert. (Hannich, 2007, S. 80)
Weiters gehört eine menschenwürdige und respektvolle Betreuung der Patient/innen dazu. Schwerstkranke Menschen sind in einem isolierten Zustand. Ein/e Intensivpatient/in ist mit einem „Neugeborenen“ vergleichbar, völlig angewiesen auf die Umgebung (vgl. Hannich, (2007). Funktioniert das Umfeld unzureichend, droht Lebensgefahr. Es ist notwendig, dass das Pflegepersonal ein emotionales Beziehungsangebot stellt. Gibt es zu wenig emotionale Berührungsangebote, sind psychische Leidenszustände die Folge. Die psychischen Folgen betreffen nicht alleine die Patient/innen, sondern ebenso die Angehörigen und das intensivmedizinische Personal (vgl. Shortell et al., 1994).
12
2.3 Herausforderungen und Belastungen in der Intensivpflege
2.3.1 Psychische Belastungen
Laut Prien et al. (2007) entsteht der besondere psychische Druck auf das Intensivpflegepersonal nicht nur durch die hohe Sterblichkeit der Intensivpatient/innen, sondern auch dadurch, dass Intensivpatient/innen so bald wie möglich verlegt werden. Intensivstationen sind die „Kostenschlucker“ der Krankenanstalten. Deswegen ist eine hohe Auslastung der Intensiveinheiten bevorzugt (vgl. Institut für Technikfolgenabschätzung, 2002).
Das Erfolgserlebnis, gute Arbeit geleistet zu haben, ist begrenzt. Der weitere Heilungsprozess kann vom Intensivpflegepersonal nicht beobachtet und wahrgenommen werden (vgl. Prien et al., 2007).
Kollegialität, Teamarbeit, gegenseitiger Respekt und Anerkennung und Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Berufsgruppen verringern den Druck und die Belastungen. Diese Idealvorstellung findet sich nur rudimentär. In der Praxis sind auch die negativen Seiten, wie zum Beispiel Konkurrenz, mangelnde Kommunikation, fehlende Transparenz auf Seiten der Leitungen, zu beobachten.
Die von Shortell et al. (1994) durchgeführte Studie „The Performance of Intensiv Care Units: Does Good Management Make a Difference?“ untersuchte in den USA landesweit 42 Intensivstationen, basierend auf gesammelte Daten von 17.440 Intensivpatient/innen. Unter anderem wurden die Team-Kultur, Kommunikation, Korrelationen zwischen Fluktuationsraten und Risiko der Sterblichkeit der Patienten, sowie Korrelationen zwischen Fluktuationsraten und unterstützender Haltung der Leitungen erhoben. „3) caregiver interaction comprising the culture, leadership, coordination, communication, and conflict management abilities of the unit is significantly associated with lower riskadjusted length of stay (beta = .74), lower nurse turnover (beta = -.36)…“ (Shortell et al., 1994, S. 508)
Ein Ergebnis daraus ist, dass ein Ansteigen der Personalfluktuation nicht nur die Kosten steigert, sondern mit Qualitätsminderung der Versorgung der Patient/innen einhergeht.
13
Es erhöht sich das Risiko der Sterblichkeit von Intensivpatient/innen signifikant mit Erhöhung der Personalfluktuation (vgl. Shortell et al., 1994). Die Zufriedenheit des Intensivpflegepersonals beeinflusst die Produktivität und Kontinuität der Versorgung von Intensivpatient/innen.
Je zufriedener das Personal war, desto positivere Ergebnisse konnten erhoben werden (vgl. ebd.).
Zusätzlichen Druck erzeugt die Erwartungshaltung von Führungspersonen der Stationsleitungen, Bereichsleitungen, Anstaltsleitungen, Arbeitgebern, dass das Intensivpflegepersonal verantwortlich für den reibungslosen Ablauf des Stationsbetriebes sei.
Darunter fallen Tätigkeiten wie zum Beispiel Bestellungen, technische Wartungsarbeiten, Ersatz fehlender Sekretär/innen und Reinigungskräfte. Die Belastung entsteht aus den berufsfremden Tätigkeiten, die Zeit in Anspruch nehmen, die dann bei der Betreuung der Patienten abgezogen wird (vgl. Hannich, 2007).
Die folgende Darstellung von Günter Dorfmeister (1997) soll den Pflegeaufwand auf Intensivstationen demonstrieren. Die vorhin erwähnten berufsfremden Aufgaben sind dabei nicht berücksichtigt:
Eine allgemeine Erwachsenenstation, zum Vergleich, berechnet 133 Pflegeminuten/Tag Herzüberwachungsstation: 545 Pflegeminuten/Tag Intensivüberwachungsstation IMCU: 745 Pflegeminuten/Tag Intensivbehandlungsstation ICU: 900 Pflegeminuten/Tag (Minutenwertformel im Anhang A)
Um hier eine Entlastung des Intensivpflegepersonals herbeizuführen, braucht man eine Erhöhung der Personalplanstellen.
Die durchschnittlichen Personalkosten an ICU-Gesamtkosten in Europa liegen bei 46 %. 27,8 % der ICU-Gesamtkosten machen die Intensivpflegekräfte aus (vgl. Institut für Technikfolgenabschätzung, 2002). Es wird deutlich, dass eine Erhöhung der Planstellen für die Intensivpflege nicht zu finanzieren ist. Das Intensivpflegepersonal ist mit einer permanenten emotionalen Auseinandersetzung von lebensbedrohten und verletzten Patienten konfrontiert. Die Fähigkeit, innere und äußere Balance zwischen Hoffnung und Akzeptanz unser aller Endlichkeit herzustellen, ist nötig.
14
Simon et al. (2005) werteten die ersten Befragungen aus der NEXT - Studie (nurses early exit study) in Deutschland aus. Durch die NEXT - Studie wurde in 10 europäischen Ländern die Arbeitssituation von Pflegepersonal zum vorzeitigen Ausstieg aus dem Pflegebereich untersucht. 39.898 Pflegepersonen aus Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Norwegen, den Niederlanden, Polen und der Slowakei nahmen an der Befragung teil. Die Studie wurde von der Europäischen Union finanziert und von der Bergischen Universität Wuppertal koordiniert. Mittels standardisierter Fragebögen wurden die Ursachen des vorzeitigen Berufsausstieges in einer Längsschnittstudie (Beginn Herbst 2002 - Ende Herbst 2004) erhoben. Die hier erwähnten Ergebnisse aus der NEXT - Studie beziehen sich auf 75 Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und 3.565 Pflegepersonen, wobei 75 % davon in Krankenhäusern arbeiteten.
Die Häufigkeit mit Tod und Leid direkt konfrontiert zu werden, liegt beim Intensivpersonal an zweiter Stelle, nach den Alten- und Pflegeheimen. Von 100 erreichbaren Punkten liegen die Intensivstationen bei 75,7 Punkten, Alten- und Pflegeheime bei 79,1 Punkten, wobei 100 Punkte bedeuten, dass das Pflegepersonal immer mit Tod und Leid direkt konfrontiert ist (vgl. Simon et al., 2005). Die Kommunikation mit den Angehörigen, die sich schockiert, überfordert und hilflos fühlen, ist eine weitere Herausforderung an das Einfühlungsvermögen der Pflegekräfte. Intensivpatient/innen befinden sich in einer physischen und psychischen Extremsituation. Bereits 1968 beschrieben Jores und Freyberger, dass 70 % der längerfristig behandelten Intensivpatient/innen wahnhafte Episoden durchmachen. Erklärt wird dies durch den massiven Einsatz von Sedativa und Katecholaminen (vgl. Hannich, 2007). Katecholamine wirken nicht nur kreislaufstabilisierend, sondern auch auf das psychovegetative Nervensystem (vgl. Reddemann, 2004). Zum Beispiel sind Hormone, wie Noradrenalin und Dopamin, Inhaltsstoffe von Psychopharmaka ( Noradrenalin, Adrenalin, Dopamin = Katecholamine = Hormone).
Konkret sorgt das Intensivpflegepersonal dafür, dass ein/e Patient/in, der/die sich in einem wahnhaften Schub befindet, sich nicht selbst verletzt und gefährdet. Daher lässt es sich nicht vermeiden, dass die persönliche Freiheit von Patient/innen eingeschränkt wird. Das bedeutet einen Zwiespalt für das Intensivpflegepersonal (vgl. Hannich, 2007).
15
Einerseits ist Einfühlungsvermögen nötig und andererseits braucht es „Härte“ einen schwerstkranken Menschen seiner Bewegungsfreiheit zu berauben (vgl. Hannich, 2007).
2.3.2 Erschwernisse im Sozialleben
Intensivpflegepersonal arbeitet hauptsächlich im Turnus/Wechseldienst. Das heißt, es werden regelmäßig Nachtdienste und Wochenenddienste geleistet. Hannich (2007) beobachtete, dass bei längerer Berufstätigkeit die sozialen Kontakte zu anderen Menschen, die von Montag bis Freitag arbeiten, eingeschränkt werden. Die Familie und Freunde finden sich dann in gleichen oder ähnlichen Berufen. Diese Einschränkung passiert von beiden Seiten. Müssen Einladungen am Wochenende oft abgesagt werden, so ziehen sich Freunde zurück.
Es entsteht ein Rückzug auf Kontakte, die durch den Beruf gemacht werden können. Geleistete Überstunden belasten das Familien- und Sozialleben ebenso. Die sozialen Beziehungen auf Intensivstationen unter den Kollegen sind intensiv. Ist das Team nicht konfliktfähig, kommt es zu Kündigungswellen, Personalmangel, Mobbing und Erhöhung der Krankenstände. Ist das Team konfliktfähig und ressourcenorientiert eingestellt, entstehen wertvolle und tragfähige Freundschaften, die über die berufliche Tätigkeit hinausgehen (vgl. Laporta et al., 2005).
In der kanadischen Expertendiskussion von Laporta et al. (2005) wurde festgestellt, dass bei unterstützender und wertschätzender Stationsleitung beim Intensivpflegepersonal Zufriedenheit am Arbeitsplatz und eine niedrigere Fluktuationsrate die Folge waren. Bei fehlender Unterstützung der Teamleitung wurde eine Zunahme der Fluktuationsrate erhoben.
Zahlen zu Fluktuationsraten und durchschnittlicher Verweildauer von Intensivpflegepersonal sind entweder stark verfälscht oder nicht veröffentlicht. Es wird eine Verweildauer bei Dienstnehmern im Gesundheitsbereich von sechs Jahren im europäischen Durchschnitt angegeben. Da es jedoch viele Berufe im Gesundheitsbereich gibt, ist auch diese Zahl auf das Intensivpflegepersonal in Österreich nicht umsetzbar (vgl. Gleitsmann, 2009).
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In deutschen Krankenhäusern liegt das Durchschnittsalter des Pflegepersonals bei 38,3 Lebensjahren. Älteres Pflegepersonal ist weniger oft vertreten als bei den übrigen Erwerbstätigen. Mit den frühen Ausstiegen aus dem Krankenpflegeberuf steigen nicht nur die Kosten der Krankenanstalten durch die erhöhten Fluktuationsraten, sondern es geht das empirische Wissen des erfahrenen Personals verloren (vgl. Simon et al., 2005).
2.3.3 Körperliche Belastungen
Laut Wagner (1998) wirkt beim Tragen einer Last von 45 kg mit ausgestreckten Armen (Heben eines Patienten) eine Gewalt von 720 kg auf eine Lendenwirbelbandscheibe. Pflegepersonen müssen schwere Lasten bewegen. Auf der Intensivstation wird die körperliche Belastung des Hebens durch komatöse Patient/innen erhöht. Komatöse Patient/innen können sich nicht bewegen und werden deswegen in kurzen, regelmäßigen Abständen umgebettet.
Um Folgeerkrankungen bei den Intensivpatient/innen zu vermeiden, ist es Pflicht munter werdende Patient/innen so schnell wie möglich zu mobilisieren (vgl. Prien et al., 2007). Die Dienstverträge in Österreichs öffentlichen Krankenanstalten sehen bei Physiotherapeuten keinen Turnus-/Wechseldienst vor, das heißt an Sonn- und Feiertagen und in den Nachtstunden sind keine Physiotherapeuten zur Mobilisation der Intensivpatient/innen angestellt. An Sonn- und Feiertagen und in den Nachtstunden ist das die Aufgabe des Intensivpflegepersonals.
Die körperliche Belastung durch häufiges Heben ist nicht beim Intensivpflegepersonal am höchsten, sondern laut Simon et al. (2005) bei den chirurgischen Normalstationen. Das ist darauf zurückzuführen, dass in den letzten 20 Jahren Spezialbetten entwickelt wurden, um Defekte am Patient/innen und Belastungen beim Lagern zu reduzieren. Der Schichtdienst hat Auswirkungen auf den Wach-Schlafrhythmus. Schlafstörungen, Ermüdung, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwächen und Verschiebungen im Hormonhaushalt sind Symptome davon.
Der Fond Gesundes Österreich (2010) brachte einen Burnout-Leitfaden zur betrieblichen Gesundheitsförderung in Großbetrieben heraus. Es wurden sieben Großbetriebe mit Schichtarbeitsplätzen in die Praxisstudie eingebunden und 2420 Fragebögen ausgewertet.
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Ergänzend zur quantitativen Erhebung wurden 35 Interviews qualitativ ausgewertet. 67 % der Schichtarbeiter/innen wiesen Burnout-Symptome auf. Sie liegen deutlich über den Tagesarbeitenden, die auf 23 % Burnout-Symptome kamen (vgl. Fond Gesundes Österreich, 2010).
Es besteht eine erhöhte Infektionsgefahr. Die Einhaltung der Hygienemaßnahmen schützt davor. Bei Erstversorgung, bei Notfällen und Nadelstichverletzungen sind die Maßnahmen jedoch nicht immer ausreichend (vgl. Simon et al., 2005). Umfragen beim Intensivpflegepersonal in Deutschland ergaben, dass die höchsten Belastungen im Vergleich zu anderen Bereichen in der Krankenpflege beim Lärm (61 %), bei der Infektionsgefahr (71,4 %) und Belastungen durch Desinfektions- und Reinigungsmittel, Chemotherapeutika und Gasen (52,6 %) liegen (vgl. ebd.). Es konnten keine Datenerhebungen zum österreichischen Intensivpflegepersonal gefunden werden.
Interessant für die Wissenschaft ist es, dass es Intensivschwestern und Intensivpfleger gibt, die schon 20 Jahre und noch länger in diesem Bereich arbeiten und ihren Beruf mit Freude und Engagement ausüben. Um den Anforderungen der Intensivpflege gerecht zu werden, bedarf es psychischer Widerstandsfähigkeit, der Fähigkeit, Resilienz auszubilden. Intensivschwestern/-pfleger haben Fähigkeiten mitgebracht bzw. entwickelt, die sie diesen anstrengenden Beruf länger ausüben lassen.
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Arbeit zitieren:
Isabella Hausknecht, MSc, 2011, Ein intensives Arbeitsleben oder Berufene, die man oft vergisst, München, GRIN Verlag GmbH
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