I
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1. Begriffsabgrenzung 1
1.2. Problemstellung 5
1.3. Gang der Untersuchung 9
2. Rahmenbedingungen eines systematischen Lieferantenmanagements 11
2.1. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 11
2.2. Rechtliche Rahmenbedingungen 14
2.3. Ziele und Aufgaben des Lieferantenmanagements 15
2.4. Bedeutung der ISO 9000ff. für das Lieferantenmanagement 18
3. Bestandteile eines systematischen Lieferantenmanagements 21
3.1. Lieferantenmanagement in theoretischer Hinsicht 21
3.1.1. Determinanten des Lieferantenmanagements 21
3.1.1.1. Beschaffungsobjektmerkmale 22
3.1.1.2. Beschaffungsstrategien 26
3.1.1.3. Nachfrage- und Angebotsstruktur 29
3.1.1.4. Bewertungsmotiv und Kaufsituation 31
3.1.2. Lieferantenmanagement-Prozess 33
3.1.2.1. Lieferantenvorauswahl und -analyse 34
3.1.2.1.1. Lieferantenidentifikation 36
3.1.2.1.2. Lieferanteneingrenzung 37
3.1.2.1.3. Lieferantenanalyse 39
3.1.2.2. Lieferantenbewertung und Lieferantenauswahl 40
3.1.2.2.1. Lieferantenbewertung 41
3.1.2.2.2. Lieferantenauswahl 48
3.1.2.3. Lieferantencontrolling und Steuerung 49
3.1.2.3.1. Lieferantencontrolling 51
3.1.2.3.2. Steuerung der Lieferantenbeziehung 55
3.1.3. Kritische Würdigung 57
3.2. Lieferantenmanagement in anwendungsbezogener Hinsicht 61
3.2.1. Soll-Zustand 61
3.2.2. Ist-Analyse 65
3.2.3. Handlungsempfehlung 68
3.3. Gesamtkritische Würdigung 71
4. Fazit und Ausblick. 74
Literaturverzeichnis V
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: der Beschaffungsprozess
Abbildung 2: Prozessschritte des Lieferantenmanagements
Abbildung 3: Beschaffungs- und Lieferantenmanagementprozess
Abbildung 4: Herausforderungen an den Einkauf im 21. Jahrhundert
Abbildung 5: Schlüsselrolle der Lieferanten im Wertschöpfungsprozess
Abbildung 6: Beschaffung gestern und heute
Abbildung 7: Gang der Untersuchung
Abbildung 8: KMU-Anteile 2008 in Deutschland IfM Bonn
Abbildung 9: Bruttoinlandsprodukt Deutschland
Abbildung 10: Aufgabengebiete des strategischen Beschaffungsmanagements
Abbildung 11: Prozessmodell des Qualitätsmanagements aus der ISO 9001
Abbildung 12: Grundsätze des Qualitätsmanagements.
Abbildung 13: Determinanten des Lieferantenmanagements
Abbildung 14: Arten von Klassifikationsmerkmalen
Abbildung 15: Methoden zur Bildung von Beschaffungsobjektgruppen
Abbildung 16: Portfolio-Einteilung nach strategischer Bedeutung
Abbildung 17: Übersicht der Beschaffungsstrategien
Abbildung 18: Wirkungsmatrix Abnehmer-/Lieferantenbeziehung
Abbildung 19: Entscheidungssituationen - Kaufsituation und Bewertungsmotiv
Abbildung 20: Lieferantenmanagement-Prozess mit Instrumenten
Abbildung 21: Informationsquellen der Beschaffungsmarktforschung
Abbildung 22: Lieferantenbewertungsverfahren im Überblick
Abbildung 23: Lieferantenbewertungen auf Basis von Qualitätskennzahlen.
Abbildung 24: Scoring-Modell
Abbildung 25: Spannungsfeld zwischen Ausgewogenheit und Konsistenz
Abbildung 26: Beispiel einer ABC-Analyse.
Abbildung 27: strategisches und operatives Controlling
Abbildung 28: Informationsflüsse im Rahmen des Lieferantencontrollings
Abbildung 29: Balanced-Scorecard in der Beschaffung
Abbildung 30: Instrumente zur Beeinflussung der Lieferantenbeziehung
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Mittelstandsdefinition EU-Kommission. 12
Tabelle 2: Mittelstandsdefinition IFM Bonn. 12
Tabelle 3: Vorteilsaspekte Sourcing-Strategien 28
Tabelle 4: Lieferanteninformationen der Marktrecherche 36
Tabelle 5: Haupt- und Subkriterien der Lieferantenbewertung 41
Tabelle 6: Bekanntheit und Nutzung der Lieferantenbewertungsverfahren in KMU 43
Tabelle 7: Fragenkatalog zur Bilanzanalyse 44
Tabelle 8: Lieferantenklassifizierung nach VDA 46
Tabelle 9: operatives Lieferantencontrolling - Auswertungstabelle 51
Tabelle 10: Methoden/Instrumente nach Prozessphasen 57
Tabelle 11: Checkliste zum Lieferantenmanagement 68
1
1. Einleitung
1.1. Begriffsabgrenzung
Für die Definition von Lieferantenmanagement ist es erforderlich, auf die Beschaffung als Ganzes einzugehen und eine entsprechende Einordnung und Abgrenzung der Ansatzpunkte des Lieferantenmanagements festzulegen. Um eine Einordnung in die Beschaffung zu ermöglichen, soll zunächst erläutert werden, was unter Beschaffung zu verstehen ist und in welche Phasen der Beschaffungsprozess aufgeteilt werden kann. In der Literatur finden sich verschiedene Definitionen des Beschaffungsbegriffes. So umfasst die Beschaffung nach Arnold „…sämtliche unternehmens- und/oder marktbezogenen Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen.“ 1 Um Produkte zu erstellen oder zu verwerten, sind in Unternehmen verschiedenartige Güter einzusetzen. Diese Güter umfassen im Allgemeinen Arbeitskräfte, Materialien, Räume, Informationen sowie finanzielle Mittel. 2 Um eine stärkere Präzisierung des Beschaffungsbegriffes zu ermöglichen, soll dieser anhand der zu beschaffenden Objekte enger gefasst werden. So wird die Beschaffung von Arbeitskräften, Rechten und Kapital für die Definition des Beschaffungsbegriffes ausgeklammert, da diese Aufgaben in der Praxis von der Personal- bzw. Finanzabteilung übernommen werden. 3
Der gesamte Beschaffungsprozess kann in einzelne Prozessphasen unterteilt werden, um einzelne Problembereiche von Beschaffungsentscheidungen besser darstellen zu können (siehe Abbildung 1). 4
Abbildung 1: der Beschaffungsprozess 5
Koppelmann unterscheidet im Einzelnen folgende Phasen innerhalb des Beschaffungsprozesses, die alle im Rahmen der Beschaffung durchzuführenden Aufgaben
1 Vgl. Arnold (1997), S. 3.
2 Vgl. Küpper (1989), S. 195.
3 Vgl. Arnold (1997), S. 5.
4 Vgl. Koppelmann (2000), S. 85.
5 Vgl. in Anlehnung an Koppelmann (2000), S. 85.
2
beinhalteten: Situationsanalyse, Bedarfsanalyse, Beschaffungsmarktanalyse und -auswahl, Lieferantenanalyse und -auswahl sowie Lieferantenverhandlung und Beschaffungsabwicklung. 6 Koppelmanns Modell der Beschaffung liegt dieser Arbeit zugrunde und soll dazu dienen, das Lieferantenmanagement innerhalb dieser Phasen einzuordnen, da nicht alle Bereiche der Beschaffung vom Lieferantenmanagement tangiert werden.
Lieferantenmanagement wird in der Literatur unterschiedlich definiert und es finden sich unterschiedlich weit gefasste Definitionen. So verstehen Hildebrandt /Koppelmann unter Lieferantenmanagement hauptsächlich die Steuerung der Wertschöpfung in der Beziehung zum Lieferanten, mit dem Schwerpunkt der Lieferantenbewertung. Hierzu ist der Austausch von wichtigen Informationen über die Lieferanten, eine qualifizierte Lieferantenauswahl sowie das Aufzeigen und Nutzen von Entwicklungspotenzialen notwendig. 7 Glantschnig fasst unter Lieferantenmanagement die Phasen zusammen, die sich mit der Analyse, Bewertung, Auswahl und Kontrolle der Lieferanten befassen. 8 Janker hingegen versteht das Lieferantenmanagement als einen Aufgabenschwerpunkt innerhalb der Beschaffung, der sich mit der Identifikation potenzieller Lieferanten, Bewertung vorhandener Lieferanten bis über die Kontrolle und Steuerung der Lieferanten-Abnehmerbeziehung erstreckt. Innerhalb der Beschaffung und des Lieferantenmanagements wird dem managen von Informationen eine hohe Bedeutung beigemessen. So müssen durch die Beschaffungsmarktforschung und interne Informationsquellen Daten bereitgestellt werden, welche die Identifikation neuer oder bereits vorhandener Lieferanten ermöglichen. Die Daten, die im Rahmen des Lieferantenmanagements gewonnen werden, stellen wiederum die Ausgangsbasis für die Aktivitäten innerhalb der Be-schaffungsmarktforschung dar. Neben den Informationen, die über die Bedarfs-und Beschaffungssituation Auskunft geben, stellt dies die Informationsbasis dar. 9
Die Definition von Janker stellt im Rahmen eines systematischen Lieferantenmanagements die umfassendste Begriffsauslegung dar, da diese den gesamten Pro- 6 Vgl.Koppelmann (2000), S. 85.
7 Vgl. Hildebrandt/Koppelmann (2000), S. 123f.
8 Vgl. Glantschnig (1994), S. 12ff.
9 Vgl. Janker (2008), S. 23f.
3
zess von der Lieferantenidentifikation bis hin zur Steuerung der Lieferantenbeziehung umfasst (siehe Abbildung 2). 10
Abbildung 2: Prozessschritte des Lieferantenmanagements 11
Obwohl das Lieferantenmanagement als eigenständiges Gebiet betrachtet wird, kann es trotzdem nicht losgelöst von der Beschaffung gesehen werden, da dessen Aufgaben stets im Kontext der jeweiligen Prozessphase der Beschaffung und den damit verbundenen Rahmenbedingungen gesehen werden müssen. Die Situations-, Bedarfs- und Beschaffungsmarktanalysen bilden die Grundlagen des Lieferantenmanagements. So hat die Wahl des Beschaffungsmarktes direkte Auswirkungen auf den nächsten Schritt, die Lieferantenidentifikation. Darauf folgen die Schwerpunktaufgaben des Lieferantenmanagements, die Lieferantenanalyse und die Lieferantenauswahl. Im Anschluss daran finden die Lieferantenverhandlungen statt. Die Kontrolle und Steuerung der Beziehung zu den Lieferanten schließt sich dem an und berührt die letzte Phase des Beschaffungsprozesses, die Beschaffungsabwicklung, die jedoch nicht mehr Teil des Lieferantenmanagements ist. 12
10 Vgl. Janker (2008), S. 33.
11 Vgl. in Anlehnung an Janker (2008), S. 33.
12 Vgl. Janker (2008), S. 23f.
4
Wird nun die vorgenannte Beschaffungsdefinition mit der des Lieferantenmanagements zusammengeführt, kann eine Einordnung im Rahmen des Beschaffungsprozesses getroffen werden (siehe Abbildung 3). 13
Abbildung 3: Beschaffungs- und Lieferantenmanagementprozess 14
Im Rahmen dieser Arbeit wird der Begriff Lieferantenmanagement in Anlehnung an die Begriffsdefinition von Janker verwendet, da diese die umfassendste ist und das Lieferantenmanagement in seinem vollen Umfang beschreibt.
13 Vgl. Janker (2008), S. 23.
14 Vgl. in Anlehnung an Janker (2008), S. 23.
5
1.2. Problemstellung
Bedingt durch die Wirtschaftskrise hat sich der Fokus der Unternehmen wieder verstärkt auf den Einkauf gerichtet, wobei viele Potenziale dort ungenutzt sind. Immer mehr Branchen, bei denen die Beschaffung in der Vergangenheit eine geringe Relevanz besaß, beschäftigen sich mittlerweile mit Beschaffungsthemen. Ebenso fangen zunehmend mittelständische Unternehmen an, ihre Beschaffung zu optimieren. 15 Eher vertriebsorientierte mittelständische Unternehmen beginnen die Optimierungskonzepte der Großunternehmen auf ihre Bedürfnisse zu übertragen. Speziell bei kleineren, mittelständischen Unternehmen ist das Optimierungspotenzial in diesem Bereich groß. 16 Nur 65% der deutschen Mittelständler, führen einer Studie aus dem 1. Quartal 2011 zufolge, regelmäßige Lieferantenbewertungen, Besuche oder Audits, bei ihren Lieferanten durch. Im Vergleich zu Großunternehmen kann dies zu Wettbewerbsnachteilen führen, da diese dort besser aufgestellt sind. 17 Abbildung 4 zeigt die Herausforderungen, denen sich die moderne Beschaffung stellen muss.
Abbildung 4: Herausforderungen an den Einkauf im 21. Jahrhundert 18
Die Bedeutung der Beschaffung gewinnt, aufgrund des steigenden Trends zum Outsourcing, zunehmend an Bedeutung. Wenn Arbeitsleistungen ausgelagert und
15 Vgl. Makowski/Walter (2010), S. 8ff.
16 Vgl. Appelfeller/Buchholz (2011), S. 1.
17 Vgl. Kerkhoff (2011) http://www.kerkhoff-
consulting.com/de/presse/pressemitteilungen/artikelansicht/aktuelle-allensbach-umfrage-mittelstaendler-kaufen-schlechter-ein-als-konzerne/3dc6314efb.html?type=98&tx_ttnews[backPid]=42, Stand 09.05.2011
18 Vgl. Kerkhoff (2007), S. 19.
6
zugekauft werden, fällt dies in den Aufgabenbereich der Beschaffung. Durch den steigenden Anteil zugekaufter Materialien und Dienstleistungen an den Gesamtkosten gewinnt somit auch die Beschaffung zunehmend an Bedeutung. Die von starker Konkurrenz geprägten, globalen Märkte machen es Unternehmen immer schwerer, sich im Wettbewerb zu behaupten. Die Märkte werden zunehmend von Überkapazitäten, Globalisierung und immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen geprägt. Die ständig wachsende Verbreitung von Internettechnologien im Beschaffungsprozess führt zu einer immer stärkeren Vernetzung mit den externen Partnern und bietet eine Fülle an Informationen, welche die vorhandenen Prozesse und Strukturen vor Herausforderungen stellen, und Umgestaltungen oft unumgänglich machen. 19 Die Beschaffung hat sich zu einem Unternehmensprozess entwickelt, der gravierende Auswirkungen auf das Ergebnis hat und bei vielen Unternehmen noch unterentwickelt ist. 20 Abbildung 5 macht die Bedeutung der Lieferanten auf die Unternehmensprozesse deutlich und zeigt, wie sich schlechte Zulieferer auf die Kundenzufriedenheit auswirken. 21 Um wettbewerbsfähig am Markt agieren zu können, ist es von Bedeutung, den Kunden in das Zentrum unternehmerischen Handelns zu stellen, und eine möglichst hohe Kundenzufriedenheit bei ihnen zu erreichen. Schlechte Lieferanten führen in der Konsequenz zu unzufriedenen und somit zu ausbleibenden Kunden. 22
Abbildung 5: Schlüsselrolle der Lieferanten im Wertschöpfungsprozess 23
19 Vgl. Janker (2008), S. 1.
20 Vgl. Appelfeller/Buchholz (2011), S. 1.
21 Vgl. Hartmann (2004), S. 14.
22 Vgl. Jung (2009), S. 610.
23 Vgl. in Anlehnung an Hartmann (2004), S. 14.
7
In der Vergangenheit wurde die Beschaffung ausschließlich als operative Unterstützungsfunktion der Produktions- und Absatzaktivitäten der Unternehmen gesehen, heute wird sie jedoch als strategischer Erfolgsfaktor betrachtet, der beträchtlichen Einfluss auf das Betriebsergebnis haben kann. 24 Im Rahmen von Konzepten wie dem Supply-Chain-Management (SCM), das im Vordergrund eine ganzheitliche Optimierung der Prozesse über die gesamte Wertschöpfungskette sieht, geht die Entwicklung zunehmend in Richtung einer engeren, integrierenderen partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Ziele dieser Zusammenarbeit sind in erster Linie Kostensenkung, Nullfehler Belieferung und Übertragung von Entwicklungs- und Logistik-verantwortung auf den Lieferanten. 25 Um diese Ziele zu erreichen, muss das Unternehmen über eine leistungsfähige Lieferantenstruktur verfügen, da sich nicht geeignete Zulieferer für das Unternehmen negativ auf den Unternehmenserfolg auswirken und hohe Zusatzkosten verursachen können. 26 Abbildung 6 verdeutlicht den Wandel innerhalb der Beschaffung und zeigt, wie sie heute gesehen wird. 27
Abbildung 6: Beschaffung gestern und heute 28
Ein konsequentes, systematisches Lieferantenmanagement soll helfen, die Lieferanten zu identifizieren, zu bewerten, die richtigen Zulieferer auszuwählen und diese erfolgreich zu integrieren, um den langfristigen Unternehmenserfolg sicher zu
24 Vgl. Arnold/Eßig (2000), S. 122ff.
25 Vgl. Giunipero/Brand, (1996), S. 29ff.
26 Vgl. Maron/Brückner (1998), S. 23ff.
27 Vgl. Appelfeller/Buchholz (2011), S. 3.
28 Vgl. in Anlehnung an Appelfeller/Buchholz (2011), S. 3.
8
stellen. 29 Ein systematisches Lieferantenmanagement kann entscheidend sein für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens. 30
Ziel dieser Arbeit ist die Konzeptionierung eines systematischen Lieferantenmanagements, welches sich im Mittelstand umsetzen lässt, um den Herausforderungen des Marktes zu begegnen. Dazu werden Instrumente und Methoden vorgestellt, die es erlauben Entscheidungen systematisch und strukturiert zu treffen.
29 Vgl. Janker (2008), S. 2.
30 Vgl. Simpson/Siguaw/White (2002), S. 39ff.
9
1.3. Gang der Untersuchung
Ziel dieser Arbeit ist die Konzeptionierung eines systematischen Lieferantenmanagements für ein mittelständisches Guss- und Stahlteilhandelsunternehmen, unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Nach der bereits vorangegangenen Begriffsabgrenzung des Lieferantenmanagements und der Einordnung in den Beschaffungsprozess, werden die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Konzeptionierung in einem mittelständischen Guss- und Stahlteilhandelsunternehmen festgelegt. Zunächst wird der Mit-telstandsbegriff näher definiert und auf seine Bedeutung in Deutschland eingegangen, da dieser für das behandelte Thema von Bedeutung ist. Dann folgt ein Überblick auf die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland und speziell auf die Entwicklung des Großhandels. Anschließend werden die wichtigsten rechtlichen Regelungen, die für die Gestaltung des Lieferantenmanagements von Bedeutung sind, angesprochen. Dem schließen sich die Ziele und Aufgaben, die mit einem Lieferantenmanagement verfolgt werden, an. Aufgrund der wachsenden Bedeutung der ISO 9000 Reihe im Hinblick auf die Kunden und im Besonderen auch für die Gestaltung der Beziehung zu den Lieferanten, soll auf diese ebenfalls eingegangen werden. Nach der Festlegung der Rahmenparameter schließt sich der Hauptteil an, der zunächst theoretisch die Bestimmungsgrößen des Lieferantenmanagements benennt und erläutert. Dies sind die Beschaffungsobjektmerkmale, Beschaffungsstrategien, Nachfrage- und Angebotsstruktur sowie das Bewertungsmotiv und die Kaufsituation. Diese Determinanten haben entscheidenden Einfluss auf die Konzeptionierung eines Lieferantenmanagements in den jeweiligen Phasen. Anschließend folgt eine prozessorientierte Konzeption des Lieferantenmanagements. Dieser Prozess wird im Rahmen dieser Arbeit in drei Hauptphasen eingeteilt: Lieferan-tenvorauswahl und Analyse, Lieferantenbewertung und Lieferantenauswahl sowie Lieferantencontrolling und Steuerung. Diese Aufteilung wurde so gewählt, weil da sich die enthaltenen Unterphasen diesen thematisch zuordnen lassen. Da die Instrumente und Methoden des Lieferantenmanagements phasenübergreifend genutzt werden können, sollen diese i. d. R. bei der ersten Benutzung im Prozesskreislauf erläutert werden. Zentrales Element des Lieferantenmanagements bildet die Lieferantenbewertung und -auswahl. Das Controlling und die Steuerung der Lieferantenbeziehung mit möglichen Instrumenten wird anschließend erläutert. Abschluss des Kapitels bildet eine kritische Würdigung der vorgestellten Instrumente und Methoden. Im praktischen Teil des dritten Kapitels wird ein systematisches
10
Lieferantenmanagement für ein fiktives mittelständisches Unternehmen konzipiert. Dabei finden die begrenzenden Faktoren im Hinblick auf personelle und finanzielle Ressourcen Berücksichtigung. Zunächst wird der Soll-Zustand skizziert und die vorliegende Ist-Situation des fiktiven Unternehmens analysiert, um eine entsprechende Handlungsempfehlung ableiten zu können. Abbildung 7 gibt einen Überblick über die Struktur der vorliegenden Arbeit und verdeutlicht den prozessorientierten Aufbau.
Abbildung 7: Gang der Untersuchung 31
Die Gliederung der Arbeit wurde in Anlehnung an den Lieferantenlebenszyklus gewählt. Nachdem die Determinanten des Lieferantenmanagements erläutert wurden, werden die Phasen beschrieben, in denen sich ein Lieferant in seinem Lebenszyklus innerhalb des Unternehmens befinden kann. Der Kreislauf beginnt mit der Liefe-rantenvorauswahl und Analyse, führt über die Lieferantenbewertung und -auswahl bis hin zum Lieferantencontrolling und zur Lieferantensteuerung. Zuletzt wird eine gesamtkritische Würdigung vorgenommen, der sich das Fazit und der Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Themas anschließen.
31 eigene Darstellung in Anlehnung an die Themenstellung.
11
2. Rahmenbedingungen eines systematischen Lieferantenmanagements
2.1. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Der Mittelstandsbegriff verfügt in Deutschland, trotz seiner großen ökonomischen Bedeutung, über keine einheitliche Definition. Um die Bedeutung des Mittelstandes für die Wirtschaft in Deutschland zu verdeutlichen, eignet sich Abbildung 8, die die Anteile von KMU in Bezug auf die Gesamtwirtschaft im Hinblick auf die Merkmale: Anzahl der Unternehmen, Anzahl der Beschäftigten und Anteil am Umsatz, zeigt. Für eine Definition lassen sich grundsätzlich quantitative oder qualitative Kriterien zugrunde legen. Quantitative Kriterien beziehen sich zum Beispiel auf die Höhe des Umsatzes, die Zahl der Beschäftigten oder den Gewinn. 32 Abbildung 8 verdeutlicht den hohen Anteil von KMU an der Gesamtzahl der Unternehmen und macht deutlich, dass der Mittelstand zwar im Vergleich zur Industrie bei den Umsätzen nicht führend ist, aber in Deutschland die meisten Arbeitsplätze bietet.
Abbildung 8: KMU-Anteile 2008 in Deutschland IfM Bonn 33
Um Mittelstand qualitativ zu definieren, eignet sich die folgende Definition anhand von qualitativen Kriterien. Schauf charakterisiert den Mittelstand wie folgt: 34
x Einheit von Eigentum, Risiko, Kontrolle und Leitung
x Einheit von Leitung, Selbstständigkeit der Entscheidung und Tragen der Verantwortung
x verantwortliche Mitwirkung der Führung an allen unternehmenspolitischen Entscheidungen
32 Vgl. Wolf/Paul/Zipse (2009), S. 14f.
33 Vgl. IfM Bonn, http://ifm-bonn.de/index.php?utid=959&id=101, Stand 9.5.2011.
34 Vgl. Schauf (2009), S. 8f.
12
x enge Verbindung der wirtschaftlichen Existenz von Inhaber und Unternehmen x weitgehende Konzernunabhängigkeit und damit rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit x persönliche Selbstständigkeit verbunden mit einem starken Unabhängigkeitsbedürfnis
x überwiegend flache Hierarchien und Konsens zwischen Leitung und Mitarbeitern
x lokaler Bezug durch zahlreiche persönliche Beziehungen zwischen dem Unternehmer und dessen Umfeld
Es existieren aber auch Möglichkeiten, den Mittelstand anhand quantitativer Kriterien zu bestimmen. Die EU-Kommission definiert Mittelstand wie in Tabelle 1 dargestellt. Zudem darf sich das Unternehmen nicht zu 25 % oder mehr im Besitz eines oder mehrerer Unternehmen befinden, die nicht die KMU-Kriterien erfüllen. 35
Tabelle 1: Mittelstandsdefinition EU-Kommission 36
Eine weitere Definition stammt vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM). Tabelle 2 zeigt die Kriterien, die bei dieser Definition zugrunde gelegt werden. 37
Tabelle 2: Mittelstandsdefinition IFM Bonn 38
35 Vgl. Europäische Kommission (2006), S. 14ff.
36 Vgl. in Anlehnung an Europäische Kommission (2006), S. 14
37 Vgl. IfM Bonn, http://www.ifm-bonn.de/index.php?utid=89&id=101, Stand 9.5.2011.
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