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Inhaltsverzeichnis
01. Einführung 1-2
02. Analyse 2-6
03. Resümee 6-8
04. Literaturverzeichnis 9
05. Filmografie 10
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1. Einführung
„Mit Dramatikern ist das gemeinsame Drehbuchschreiben leichter als mit Erzählern. Ein Dramatiker weiß im Unterschied zum Erzähler, daß [...] ein Film wie ein Schachspiel ist, wo jeder Zug den nächsten bedingt und bestimmt. Ein Zug mag noch so schön sein - wenn er die Geschichte nicht vorantreibt, taugt er nichts. Eine große Szene, die man aus einem Film herausnehmen kann, ohne daß er seinen Sinn verliert, ist eine falsche Szene.“ 1 - So Billy Wilders Drehbuch-Credo. Beim Drehen seiner Filme hielt sich Wilder ähnlich wie Alfred Hitchcock stets eng an seine Drehbücher, die er als feste und verbindliche Grundlage betrachtete, die es lediglich umzusetzen galt. So fielen in der Regel auch keine überflüssigen Szenen an, die es nachträglich zu entfernen galt. 2 Die umfangreichen Kürzungen (ca. 70 Minuten) an The Private Life of Sherlock Holmes (1979) wurden gegen den Willen Wilders vorgenommen. 3 „Die beiden berühmtesten fehlenden Szenen in Wilders Filmen“ 4 bzw. „die [so Wilder] beiden größten Operationen, die ich durchführte“ 5 sind die ursprüngliche Schlussszene von Double Indemnity (1944) und die ursprüngliche Anfangssequenz von Sunset Boulevard. Im Falle von Double Indemnity hatte Wilder selber das Gefühl, einen doppelten Schluss zu haben bzw. eine Antiklimax, da das Ende der vorletzten, nunmehr aber letzten Szene so stark war, dass ihr nichts mehr folgen sollte („I love you, too“). Die Sequenz aus Sunset Boulevard entfernte Wilder jedoch erst nach negativ verlaufenden Previews. Das ahnungslose Testpublikum brach während der ursprünglichen Anfangssequenz in unvorhergesehenes Lachen aus und schien daraufhin eine Komödie statt eines Dramas zu erwarten. Wilder war darüber „ziemlich traurig“ und sprach sogar von „eine[m] der schwärzesten Augenblicke meiner Laufbahn“. 6 Wie ist vor diesem Hintergrund nun der neue Anfang des Filmes zu bewerten? Hat Wilder von der Publikumsreaktion profitiert und als Konsequenz seinen Filmanfang verbessert oder ist er eher einen Kompromiss eingegangen, der die Ursprungsidee zwar beibehält, aber in abgeschwächter und verwässerter Form?
1 Karasek, S. 265
2 Vgl. Cameron, S. 129
3 Hopp, S. 175 /
4 Hopp, S. 174
5 Cameron, S. 129
6 Karasek, S. 356
3
Aufbauend auf eine nähere Betrachtung der nunmehrigen Eingangssequenz versucht diese Arbeit die Fragen zu beantworten, welche Art von Film man jetzt aufgrund des Anfangs und seiner narrativen und visuellen Gestaltung wohl erwarten könnte und inwiefern die geänderte Version die ursprünglichen Intentionen des Anfanges beibehält oder verändert.
2. Analyse
Der Film beginnt mit einer sehr langen Einstellung, über die (zunächst) die Titeleinblendungen gelegt werden. Sogar das Paramount-Logo ganz zu Beginn wird nicht in einer separaten Einstellung gezeigt, sondern als erste Titeleinblendung über die ersten Bilder der Eröffnungseinstellung geblendet, einer stehenden Aufnahme eines Gehsteiges, leicht schräg von oben aus ziemlich geringer Höhe gefilmt. Abgesehen von dem den Gehsteig bedeckenden welken Laub könnte man das Liniennetz, das die Fugen der Pflastersteine bilden, auch für eine modische abstrakte Grafik halten, dann aber beginnt die Kamera nach Verschwinden des Paramount-Signets langsam nach unten zu schwenken, zum Gehsteigrand. Hier nun fallen Hinter- und Vordergrund, Realaufnahme und Titelgrafik zusammen, als der nach Art von Straßenmarkierungen auf den Randstein aufgesprühte Schriftzug „SUNSET BLVD.“ erscheint. Die Kamera benennt also den Film, den sie visuell einleitet sowie den Ort, an dem sie sich befindet, bevor sie sich dann vollends in einer Rückfahrt mitten auf die bewusste Straße begibt: Sie fährt den Sunset Boulevard entlang und zeigt - aus nach wie vor niedriger Perspektive - den vorbeigleitenden Asphalt. Die Titeleinblendungen sind konsequent in der Optik der aufgesprühten Gebrauchsschrift des Titelschriftzuges gestaltet, d. h. in einer Schrift, wie sie beim Arbeiten mit Schablonen entsteht mit den charakteristischen, die Linien bzw. das Liniengefüge der Buchstaben unterbrechenden Stegen bzw. Aussparungen. Nach der letzten Titeleinblendung erhebt sich die Kamera, dabei ihre Bewegung fast bis zum Stillstand verlangsamend, schließlich auf menschliche Augenhöhe und zeigt eine Totale des in die Bildtiefe hinein führenden, von dunklen Bäumen und Sträuchern gesäumten Boulevards.
Laut Wilders Nacherzählung seiner Erstfassung der Anfangssequenz hätte diese damit begonnen, dass ein Leichenwagen vor der Leichenhalle von Los Angeles
Arbeit zitieren:
Rosalinda Basta, 2010, Die Anfangssequenz von Billy Wilders „Sunset Boulevard“, München, GRIN Verlag GmbH
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