1. Einleitung
Durch die Veränderung in der Weltwirtschaft wirken sich nachteilige Faktoren auf den Arbeitsmarkt aus, weshalb eine stärkere Zusammenarbeit in Europa wichtig erscheint. Die Europäische Union spricht deshalb der Verbesserung und dem Ausbau der Bildungsberatung höchste Priorität zu, damit der europäische Bürger in Zukunft noch leichter Informationen sowie Beratung erhalten kann, um Berufs- oder Bildungsentscheidungen besser fällen zu können. 1
Es gilt daher zu überprüfen, welche Verbesserungsvorschläge, Programme, Empfehlungen oder allgemein Richtungen der Bildungsberatung auf nationaler und europäischer Ebene aufgezeigt werden können und welchen Weg die Bildungsberatung in Europa zukünftig einschlagen könnte.
1.1 Aufbau der Arbeit
Diese Arbeit setzt sich thematisch mit der Bildungsberatung in Europa auseinander. Dazu werden die Initiativen, Konzepte und Vorhaben zur Bildungsberatung in Deutschland sowie von unterschiedlichen Nationen der EU herangezogen und näher betrachtet.
Zu Beginn bedarf es einer Erläuterung des Konzeptes des Lebenslangen Lernens, um die Relevanz für die Bildungsberatung herauszustellen.
Kapitel zwei beschäftigt sich mit der Bildungsberatung in Deutschland und versucht einen Aktualitätsbezug herzustellen. Der Schwerpunkt liegt auf der Vorstellung des Innovationskreises Weiterbildung, welcher vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Erarbeitung von Zielen und Empfehlungen für die Zukunft der Weiterbildung beauftragt worden ist. 2 Damit ist gleichzeitig gewährleistet, dass ein Blick auf die gegenwärtigen Vorhaben und Zielsetzungen zur Bildungsberatung in Deutschland geworfen werden kann, da sich der Innovationskreis ebenfalls mit der Thematik der Bildungsberatung auseinandergesetzt hat.
1 Vgl. Beyer, M. u.a. (2008): neues aus europa. Ausgabe 14. 2008. [online] URL: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/foko6_neues-aus-europa_14.pdf [PDF-Datei, S. 2] [Stand: 06.01.2010].
2 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2010): Innovationskreis für Weiterbildung. [online] URL: http://www.bmbf.de/de/7023.php [Stand: 04.01.2010].
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Kapitel drei befasst sich mit der Beschreibung der Bildungsberatung in Europa. Hierzu werden vor allem relevante Ergebnisse aus dem Bericht (Strategien zur Bildungs- und Berufsberatung/ Trends, Herausforderungen und Herangehensweisen in Europa) zu den Studien der Europäischen Union, der Weltbank und der OECD, welche von Sultana (2004) zusammengefasst und dargestellt wurden, aufgezeigt. 3 Weiterhin wird auf die Verantwortung der einzelnen europäischen Staaten in Bezug auf das Lebenslange Lernen in Europa eingegangen.
Kapitel vier versucht mit einem Ausblick in die Zukunft eine tendenzielle Richtung der Bildungsberatung in Europa zu prognostizieren. Dazu werden relevante Punkte und Faktoren, welche in den vorangegangenen Abschnitten aufgezeigt werden konnten, nochmals aufgegriffen und in einen Kontext mit der Zukunft der Bildungsberatung in Europa gestellt.
Im Anschluss daran erfolgt das Fazit, in welchem zusammenfassend die wichtigsten Punkte und Erkenntnisse aufgeführt werden.
1.2 Lebenslanges Lernen und die Bedeutung für die Bildungsberatung
Mit Lebenslangen Lernen ist das Lernen während des gesamten Lebens gemeint, welches der Verbesserung von Wissen, Qualität und Kompetenzen dient und im Rahmen einer persönlichen, bürgergesellschaftlichen, sozialen bzw.
beschäftigungsbezogenen Perspektive erfolgt. 4 Diese Definition ist der Mitteilung (einen europäischen Raum des lebenslangen Lernens schaffen) der Europäischen Kommission von 2001 zu entnehmen.
Ebenfalls definiert die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung in ihrem Dokument Strategie für Lebenslanges Lernen in der Bundesrepublik Deutschland (2004) Lebenslanges Lernen. 5 Es bezeichnet das
3 Vgl. Sultana, R. G. (2004): Strategien zur Bildungs- und Berufsberatung. Trends, Herausforderungen und Herangehensweisen in Europa. Ein Synthesebericht des Cedefop. Luxemburg: Panorama, 2004. [online] URL: http://www2.trainingvillage.gr/etv/publication/download/panorama/5152_de.pdf [PDF-Datei, S. 155] [Stand: 09.01.2010].
4 Vgl. BildungsBeratung-Berlin.de (2010): Definition Lebenslanges Lernen. [online] URL: http://www.bildungsberatung-berlin.de/ueber-uns/weitere-unterseiten/bedeutung/definition-lebenslangeslernen.html [Stand: 04.01.2010].
5 Vgl. Bund-Länder-Kommission (2004): Strategie für Lebenslanges Lernen. Materialien zur Bildungsplanung und Forschungsförderung. Heft 115. Bonn: 2004. [online] [PDF-Datei] [Stand: 04.01.2010].
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formale, nicht-formale und informelle Lernen an verschiedenen Lernorten von der frühen Kindheit bis einschließlich der Phase des Ruhestandes und wird als konstruktives Verarbeiten von Informationen und Erfahrungen zu Kenntnissen, Einsichten sowie Kompetenzen verstanden. 6
Die beiden Definitionen spiegeln somit die Priorität des individuellen Aneignens von wichtigen Informationen, Kompetenzen und allgemein Wissen über die gesamten Lebensphasen hinweg wider. Diese Priorität basiert auf der Tatsache, dass jeder Einzelne sein Leben selbst planen und ordnen möchte 7 .
Durch den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und soziodemographischen Wandel, dem Übergang zur Wissensgesellschaft in Europa und primär durch die Globalisierung hervorgerufen, wird Wissen zu einer wichtigen Ressource. 8 Eine Teilnahme am Lebenslangen Lernen soll jedem Menschen ermöglicht werden. Selbstgesteuertes, selbstbestimmtes und kreatives Lernen muss deshalb angeregt werden (vgl. Tippelt, R. u.a. 2009, S. 24).
Der Europäische Rat bezeichnet vor dem erwähnten Hintergrund Lebenslanges Lernen als ein Grundelement der europäischen Gesellschaft und spricht diesem eine Priorität in der europäischen Bildungs- und Beschäftigungsstrategie zu. Von den europäischen Mitgliedsstaaten wird infolgedessen erwartet, dass allen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, aktiv am europäischen Gesellschaftsleben teilnehmen zu können und das dafür nötige Wissen bereitzustellen (vgl. Tippelt, R. u.a. 2009, S. 20).
Informationsweitergabe und Beratung stellen deshalb Elemente des Lebenslangen Lernens dar und sind aus heutiger Sicht nicht mehr wegzudenken (vgl. Arnold, R. u.a. 2009, Vorwort). Die Bildungsberatung steht demnach mit im Fokus des
6 Vgl. BildungsBeratung-Berlin.de (2010): Definition Lebenslanges Lernen. [online] URL: http://www.bildungsberatung-berlin.de/ueber-uns/weitere-unterseiten/bedeutung/definition-lebenslangeslernen.html [Stand: 04.01.2010].
7 Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaft (2000): Arbeitsdokument der Kommissiondienststellen. Memorandum über Lebenslanges Lernen. Brüssel: 2000. [online] URL: http://www.bologna-berlin2003.de/pdf/MemorandumDe.pdf [PDF-Datei, S. 5] [Stand: 06.01.2010].
8 Vgl. Böcher, D. u.a. (2006): Lebenslanges Lernen. Sammlung-Begriffe-Erläuterungen-Quellen. Genf: 2006. [online] URL: http://www.bildungsberatungberlin.de/fileadmin/redakteure/dateien/lebenslanges_lernen/lebenslanges_lernen_sammlung.pdf [PDF-Datei, S. 2] [Stand: 06.01.2010].
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Lebenslangen Lernens und erfährt zur Umsetzung der genannten Ziele in erster Linie eine spezifische Aufmerksamkeit.
In Deutschland führten die Debatten um das Lebenslange Lernen und dessen Umsetzung bis heute zu unterschiedlichen Konzepten, um zum einen die notwendige Qualität der Weiterbildungsangebote sicher zu stellen und zum anderen eine gewisse Transparenz und Übersichtlichkeit der vielen Angebote herbeizuführen (vgl. Zeuner, C. in Arnold, R. u.a. 2009, S. 23).
Die Bildungsberatung bekommt auf bundesdeutscher Ebene einen besonderen Stellenwert u.a. im Programm Lernende Regionen - Förderung von Netzwerken (2001-2008) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zugesprochen. Bildungsberatung hat in diesem Zusammenhang neben der Zielsetzung den Bildungsinteressenten Wege der Weiterbildung aufzuzeigen, die Aufgaben, Angebote zu analysieren, den Bildungsbedarf auf regionaler Ebene zu erheben, Marketing zu betreiben (Öffentlichkeitsarbeit), um so ebenfalls die Teilnahmequoten zu erhöhen (vgl. Zeuner, C. in Arnold, R. u.a. 2009, S. 24-25). Dieses Programm zielt darauf ab, das Lebenslange Lernen aller Bevölkerungsgruppen zu fördern. Die Umsetzung dieses allgemeinen Zieles setzt in den regionalen Ebenen an. So wurden örtliche Lernkulturen gebildet, welche miteinander, in Form von Netzwerken kooperieren können (vgl. Tippelt, R. u.a. 2009, S. 7). Diese Netzwerke zeichnen sich dadurch aus, dass bildungsbereichsübergreifend möglichst viele Träger, Bildungsanbieter und Einrichtungen vereint werden. Mit der Netzwerkkonstellation werden den Bildungsinteressenten die regional bestehenden Strukturen der Bildungsangebote sichtbarer und gleichzeitig transparenter gemacht (vgl. Zeuner, C. in Arnold, R. u.a. 2009, S. 24). Somit steht das Programm Lernende Regionen -Förderung von Netzwerken als Beispiel für die Umsetzung konkreter Konzepte im Bereich des Lebenslangen Lernens in Deutschland (vgl. Zeuner, C. in Arnold, R. u.a. 2009, S. 23).
Nachdem im vorangegangenen Abschnitt die Relevanz der Bildungsberatung aus Sicht des Lebenslangen Lernens aufgezeigt worden ist, soll im Folgenden das aktuellste Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vorgestellt werden.
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2. Der Innovationskreis Weiterbildung
„Um die Leistungsfähigkeit unseres Bildungssystems zu verbessern und lebenslanges Lernen effektiv zu fördern, brauchen wir einheitliche Qualitätsstandards in der Beratung“. 9
Eine durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebene Studie zur Situation der Bildungsberatung in Deutschland von 2007 belegt, dass die Bildungsberatung in Deutschland sehr heterogen gestaltet ist und bestätigt damit die oben erwähnte Aussage von Schavan. 10
Die Bildungsberatung wird zum einen meist von einer Vielzahl von Institutionen angeboten, was in vielerlei Hinsichten Probleme nach sich zieht. Diese Angebote werden zum anderen nur einem speziellen Kreis von Ratsuchenden aufgezeigt. Deshalb ist es für die Zukunft wichtig, ein Beratungssystem zu schaffen, welches allen Interessierten und Zielgruppen ermöglicht, Beratung in Anspruch nehmen zu können. 11
Wie im Zitat von Bundesbildungsministerin Schavan am Anfang dieses Kapitels ersichtlich, wird der (Bildungs-) Beratung zur Förderung des Lebenslangen Lernens ein hoher Stellenwert zugesprochen. Die Aussage des Zitates wird durch die Einberufung des Innovationskreis Weiterbildung bestätigt, welcher durch die Bundesbildungsministerin Schavan im Mai 2006 eingesetzt wurde und den Grundstein zur Stärkung der Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland legen soll. Der Innovationskreis liefert mit seinen Empfehlungen, welche darauf abzielen, die Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland signifikant zu erhöhen, die ersten Ansätze, auf denen eine Umsetzung des Lernens im Lebenslauf in Zukunft aufbauen kann. 12
9 Schavan, A. (2007): Schavan fordert Qualitätsstandards in der Bildungsberatung. [online] URL: http://www.bildung.koeln.de/beratung/artikel/artikel_03275.html [Stand: 06.01.2010].
10 Die Inhalte der Studie sind dem Abschlussbericht des BMBF vom Mai 2007 „Bestandsaufnahme in der Bildungs-, Berufs- und Beschäftigungsberatung und Entwicklung grundlegender Qualitätsstandards“ zu entnehmen. Vgl. Niedlich, F. u.a. (2007): Bestandsaufnahme in der Bildungs-, Berufs- und Beschäftigungsberatung und Entwicklung grundlegender Qualitätsstandards. Abschlussbericht des BMBF. Hamburg: Ramboll Management, 2007. [online] URL: http://www.bmbf.de/pub/berufsbildungsforschung.pdf [PDF-
Datei] [06.01.2010].
11 Vgl. Beyer, M. u.a. (2008): neues aus europa. Ausgabe 14. 2008. [online] URL: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/foko6_neues-aus-europa_14.pdf [PDF-Datei, S. 5] [Stand: 06.01.2010].
12 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2010): Innovationskreis Weiterbildung. [online] URL: http://www.bmbf.de/de/7023.php [Stand 06.01.2010].
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Ein Teil der Ergebnisse des Innovationskreises befasst sich ausschließlich mit der Ausgestaltung und Verbesserung der Bildungsberatung in Deutschland. 13 Dies ist für die vorliegende Arbeit Grund genug, die Empfehlungen des Innovationskreises zur Bildungsberatung aufzuführen.
2.1 Aufbau, Struktur und Arbeit des Innovationskreises Weiterbildung
Der Innovationskreis Weiterbildung (IKWB) ist ein Zusammenschluss von Experten aus der Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis sowie Vertretern der Sozialpartner und der Kultusministerkonferenz der Länder. Die Inhalte und Ergebnisse des Innovationskreises Weiterbildung sind durch vier Arbeitskreise zusammengetragen worden, welche zur Unterstützung des Innovationskreises eingesetzt worden sind, um bestimmte Problemlagen diskutieren zu können. 14 Diese Vorschläge und Empfehlungen zur Beitragsleistung für die Weiterbildung in Deutschland richten sich nicht gänzlich an den Staat selbst, sondern sprechen gleichzeitig auch Unternehmen und Verbände, Bildungsträger und öffentliche Arbeitgeber sowie alle Bürgerinnen und Bürger an. 15
Insgesamt wurden nach zweijähriger Arbeit zehn Empfehlungen für eine Zielsetzung zur Gestaltung des Lebenslangen Lernens (Lernen im Lebenslauf) 16 erarbeitet und im März 2008 der Öffentlichkeit präsentiert, nachdem die Ergebnisse des Innovationskreises zuvor Fachleuten aus dem In- und Ausland zur Diskussion vorgelegt worden waren. 17
13 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2010): Innovationskreis Weiterbildung. [online] URL: http://www.bmbf.de/de/7023.php [Stand 06.01.2010].
14 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008): Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf. Bonn: Bertelsmann Verlag, 2008. [online] URL: http://www.bmbf.de/pub/empfehlungen_innovationskreis_weiterbildung.pdf [PDF-Datei, S. 5] [Stand: 07.01.2010].
15 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2008): Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf. Bonn: Bertelsmann Verlag, 2008. [online] URL: http://www.bmbf.de/pub/empfehlungen_innovationskreis_weiterbildung.pdf [PDF-Datei, S. 7] [Stand: 07.01.2010].
16 Im Dokument des BMBF „Empfehlungen des Innovationskreises Weiterbildung für eine Strategie zur Gestaltung des Lernens im Lebenslauf“ wird nicht der Begriff des Lebenslangen Lernens verwendet. Hier ist die Rede vom Lernen im Lebenslauf. Diese Begrifflichkeit ist nach Ansichten des Verfassers dieser Arbeit synonym zum Begriff des Lebenslangen Lernens, da die Inhalte kongruent zueinander sind.
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Arbeit zitieren:
Johannes Keller, 2010, Die Zukunft der Bildungsberatung in Europa, München, GRIN Verlag GmbH
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