1. Einleitung
„Coaching is a journey in search of patterns” (Cavanagh, M. 2006, S. 313). Die Suche nach bestimmten Mustern, wie das Zitat von Cavanagh (2006) beschreibt, nimmt mit Blick auf das Seminar „Evaluation von Coachingprozessen“ von Herrn Prof. Dr. Geißler, welches während des Wintertrimesters 2011 an der Helmut Schmidt Universität, Universität der Bundeswehr Hamburg, im Stile eines Lehrforschungsprojektes absolviert wurde, eine wichtige Position. Inwiefern das Zitat Bestätigung erfährt, soll im Laufe der Arbeit aufgezeigt werden.
1.1 Zielsetzung und eigenes Forschungsinteresse
Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, die Fragestellung, auf die während des Seminars „Evaluation von Coachingprozessen“ von Herrn Prof. Dr. Geißler immer wieder rückwirkend Bezug genommen wurde, nämlich ob eine gewisse Struktur bzw. eine Regelhaftigkeit in Coachingsitzungen und -prozessen besteht, empirisch-analytisch, reflektierend sowie interpretierend zu überprüfen. Als Datenmaterial dient dazu zum einen die Auseinandersetzung mit dem theoretischen Ansatz zum Themenschwerpunkt Coaching von Cavanagh (2006). Zum anderen wird ein Bezug zu dem Forschungsprojekt, das im Seminar abgehalten wurde, hergestellt. Dabei geht es erstens um eine systematische und reflektierende Beschreibung der eigenen Erfahrungen bei der Nutzung der Codier- und Interpretationsmethoden nach Geißlers Kategoriensystem der Mirkoanalyse. Zweitens werden die Ergebnisse ausgewählter Codierkategorien, die sich auf insgesamt drei bereits transkribierte Coachingsitzungen beziehen, präsentiert, die während des oben genannten Seminars durch die jeweilige Arbeitsgruppe (in diesem Fall Arbeitsgruppe zwei) den Seminarteilnehmern vorgestellt wurden. Demnach besitzt die vorliegende Arbeit einen deskriptiven, aber auch einen normativen Charakter in Bezug auf die Interpretation und Auswertung des Datenmaterials. Es muss jedoch angemerkt werden, dass im Hinblick auf den Umfang der Arbeit keine erneute sowie explizite Erläuterung des Kategoriensystems der Mikroanalyse nach Geißler (2011), mit dem gearbeitet wurde, von Nöten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung und eigenes Forschungsinteresse
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Ein theoretischer Ansatz zum Coaching nach Michael Cavanagh
2.1 A Complex Adaptive Conversation
2.2 Bezug und Verbindung zum Mikrokategoriensystem nach Geißler (2011)
2.3 Zusammenfassung und Bewertung
3. Methodologische Reflexion der Codierungs- und Paraphrasierungsarbeit im Rahmen des Seminars Evaluation von Coachingprozessen
3.1 Kennzeichnung der Codierungsarbeit
3.2 Kennzeichnung der Paraphrasierungsarbeit
3.3 Reflexion und Bewertung der vorgestellten Arbeitsmethoden
4. Empirisch-quantitative Analyse sowie Interpretation ausgewählter Codierkategorien
4.1 Rahmensetzende Kommunikationsaktivitäten – A/A´-Dimension (mit und ohne Rollenspiel)
4.2 Problemlösungsvermittelnde und -steuernde Aktivitäten BA/BA´- & BB/BB´-Dimension (mit und ohne Rollenspiel)
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die in einem Lehrforschungsseminar aufgeworfene Fragestellung, ob in Coachingsitzungen eine gewisse Struktur bzw. Regelhaftigkeit besteht, empirisch-analytisch und interpretierend zu überprüfen. Dabei werden theoretische Ansätze mit der praktischen Anwendung eines spezifischen Mikroanalyse-Kategoriensystems verknüpft.
- Systemtheoretische Betrachtung von Coaching nach Michael Cavanagh
- Anwendung und methodologische Reflexion des Geißlerschen Mikrokategoriensystems
- Empirisch-quantitative Auswertung von Coaching-Transkripten
- Untersuchung von Mustern in rahmensetzenden sowie problemlösungsvermittelnden Aktivitäten
- Vergleichende Analyse von Coaching-Gesprächen und integrierten Rollenspielen
Auszug aus dem Buch
2.1 A Complex Adaptive Conversation
Für Cavanagh (2006) ist Coaching eine Suche nach bestimmten Mustern, die genutzt werden müssen, um die Klientenziele zu klären. Die Klienten haben oftmals kleinere Probleme. Hinzu kommt, dass sie ein schon selbst konstruiertes Ziel besitzen. Sie äußern jedoch den Wunsch, ihre eigenen Erfahrungen zu nutzen, damit sie vorwärts kommen bzw. damit sie ihr Ziel erreichen und die Problematik, welche zu dem Bedürfnis geführt hat, ein Coaching in Anspruch nehmen zu müssen, bereinigt werden kann. Der Coach hilft nach Ansichten Cavanagh (2006) den Klienten nun dabei, diese Erfahrungen oder auch Merkmale zu ordnen sowie aufzudecken (vgl. Cavanagh, M. 2006, S. 313).
Cavanagh (2006) verfolgt mit seinem theoretischen Ansatz des adaptiven Systems, dass die Welt insgesamt als eine Reihe von Systemen innerhalb von Systemen verstanden werden muss. (vgl. Cavanagh, M. 2006, S. 314). Betrachtet man exemplarisch die hierarchische Struktur der Natur, so fällt auf, dass die kleinste Einheit eines Systems Zellen darstellen, die als eigenständiges System dem übergeordnetem System der Organe wiederum zur Verfügung stehen. Die Organe dagegen, ebenfalls ein eigenständiges System, arbeiten dem System der Person zu. Diese hierarchische Struktur lässt sich immer weiter ausbauen (vgl. Cavanagh 2006, S. 315). Cavanagh (2006) führt dieses Schaubild als Exempel an, um sein Verständnis eines komplexen adaptiven Systems einzuleiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Zielsetzung der Arbeit vor, die darin besteht, empirisch zu prüfen, ob Coaching-Prozesse einer internen Struktur oder Regelhaftigkeit folgen.
2. Ein theoretischer Ansatz zum Coaching nach Michael Cavanagh: Hier werden die Grundlagen der Theorie der "komplexen adaptiven Konversation" erläutert und eine erste inhaltliche Verbindung zum verwendeten Kategoriensystem hergestellt.
3. Methodologische Reflexion der Codierungs- und Paraphrasierungsarbeit im Rahmen des Seminars Evaluation von Coachingprozessen: Der Autor reflektiert das methodische Vorgehen bei der Codierung und Paraphrasierung von Transkripten unter Anwendung heuristischer Regeln.
4. Empirisch-quantitative Analyse sowie Interpretation ausgewählter Codierkategorien: In diesem Hauptteil werden die statistischen Ergebnisse der Analyse verschiedener Kommunikationsdimensionen präsentiert und auf soziale Regelhaftigkeiten hin interpretiert.
5. Fazit: Das Kapitel schließt die Untersuchung ab, indem die empirischen Ergebnisse mit der theoretischen Ausgangslage verknüpft werden und die Wirksamkeit des gewählten Analyseinstruments bewertet wird.
Schlüsselwörter
Coaching, Mikroanalyse, Kategoriensystem, Komplexe adaptive Konversation, Systemtheorie, Codierung, Paraphrasierung, Empirische Analyse, Kommunikation, Struktur, Regelhaftigkeit, Problemlösung, Rollenspiel, Evaluation, Coachingprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Coaching-Prozesse auf der Basis von Transkripten, um festzustellen, ob darin spezifische kommunikative Muster und soziale Regelmäßigkeiten nachweisbar sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die systemtheoretische Fundierung von Coaching nach Cavanagh, die Anwendung eines spezifischen Kategoriensystems zur Mikroanalyse und die statistische Auswertung von Coaching-Gesprächen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die theoretische Konzeption der "komplexen adaptiven Konversation" empirisch anhand des Kategoriensystems von Geißler zu überprüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirisch-quantitative Analyse von transkribierten Coachingsitzungen durchgeführt, wobei das Datenmaterial mittels eines 11-dimensionalen Kategoriensystems codiert und anschließend deskriptiv-statistisch ausgewertet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der methodischen Reflexion des Codierungsprozesses sowie auf der detaillierten Präsentation und Interpretation der Häufigkeitsverteilungen in verschiedenen Kommunikationsdimensionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Coaching, Mikroanalyse, Kategoriensystem, Komplexe adaptive Konversation, Codierung und Empirische Analyse.
Welche Rolle spielen die "wohlgeformten Paraphrasen" in der Methodik?
Sie dienen als Zwischenschritt in der Codierung, um die Konsensfähigkeit und logische Nachvollziehbarkeit der Analyseergebnisse zu erhöhen.
Was ist die Schlussfolgerung bezüglich der Rolle des Coachs?
Der Coach agiert in den untersuchten Fällen primär problemlösungssteuernd, während der Klient vermehrt problemlösungsvermittelnde Aktivitäten zeigt, was als spezifische Struktur des Coaching-Prozesses interpretiert wird.
- Arbeit zitieren
- Johannes Keller (Autor:in), 2011, Evaluation von Coachingprozessen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177021