Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Begriffsklärungen 3
3. Symbole der GfK 4
4. Grundannahmen der GfK 4
5. Ziele in der Gewaltfreien Kommunikation 9
6. Lebensentfremdende Kommunikation 10
7. Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (das Vier-Schritte-Modell) 13
7.1 Der erste Schritt - Beobachtung / Wahrnehmung 13
7.2 Der zweite Schritt - Gefühle 14
7.3 Der dritte Schritt - Bedürfnisse 16
7.4 Der vierte Schritt - die Bitte 17
8 Der Prozess der Gewaltfreien Kommunikation 17
9. Potential der Gewaltfreien Kommunikation in der Sozialen Arbeit. 20
9.1 Gewaltfreie Kommunikation im beruflichen Kontext von Sozialarbeiterinnen und
Sozialarbeitern 20
9.1.2 Gefühle und Bedürfnisse am Arbeitsplatz 20
9.1.3 Grenzen und Möglichkeiten der Empathie 20
9.2 Das GfK-Modell in einem Tätigkeitsfeld der Sozialen Arbeit 21
9.2.1 Gewaltfreie Kommunikation in der Schulsozialarbeit. 21
10. Kritik an der theoretischen Konzeption der Gewaltfreien Kommunikation 23
10.1 Kritik an den Grundannahmen 23
10.2 Die Gewaltfreie Kommunikation sei formelhaft 24
10.3 Rosenberg unterscheidet nicht zwischen „privaten“ und „professionellen“ Rollen 24
11. Schlusswort 25
12. Literaturverzeichnis 25
12. 25
Studierende : Rebecca Kahl (2. Semester) und Jessica Kröll (2. Semester)
Studierende
1. Einleitung
„Mir kann man nicht so leicht Angst machen. Nicht weil ich tapfer wäre, sondern weil ich weiß, dass ich es mit menschlichen Wesen zu tun habe und dass ich so intensiv wie möglich versuchen muss, alles, was ein jeder jemals tut, zu verstehen. Und darum ging es genau heute Morgen: Es war nicht wichtig, dass ich von einem missmutigen Gestapooffizier angeschrien wurde, sondern dass ich darüber keine Entrüstung empfand und stattdessen echtes Mitgefühl mit ihm hatte. Ich hätte ihn gerne gefragt. „Hatten Sie eine sehr unglückliche Kindheit, hat ihre Freundin sie im Stich gelassen?“ Ja, er sah mitgenommen und angespannt aus, finster und dünnhäutig. Am liebsten hätte ich ihn gleich in psychologische Behandlung genommen, denn ich weiß, dass solch bedauernswerten jungen Männer gefährlich werden, wenn man sie auf die Menschheit loslässt.“ (Etty Hillesum. Tagebucheinträge aus dem KZ).
In der Geschichte der Menschheit konnte man Gewalt in ihren unterschiedlichsten Ausformungen schon immer vorfinden. Sei es individuelle Gewalt, die es beispielsweise schon beim Brüdermord von Kain an Abel gab, oder kollektive Gewalt die man in den unzähligen Kriegen im Laufe der menschlichen Zivilisation erleben konnte. Heute begegnen uns individuelle und kollektive Gewalt beispielsweise in Form von häuslicher Gewalt oder Mobbing am Arbeitsplatz und Schulen. Eine Gesellschaft ohne Gewalt erscheint utopisch. Jeder Mensch kennt Gewalt und die meisten Menschen haben, ob bewusst oder unbewusst, auch schon selbst Gewalt angewandt. Gewalt ist also universell verständlich und bedarf keiner kulturellen Voraussetzung. Da Gewaltanwendung weder vor bestimmten Altersgruppen, kulturellen Hintergründen oder vor sog. bildungsnahen Schichten halt macht, stellt der Umgang mit dieser auch die Soziale Arbeit ständig vor neue Herausforderungen. Als Sozialarbeiter / in kann man Gewalt oder Gewaltanwendung ignorieren, verharmlosen, verurteilen oder bestrafen, man kann allerdings auch versuchen, ihr mit ganz neuen und konfrontativen Ansätzen zu begegnen.
Ebenso wie Gewalt ist auch die Kommunikation ein alltäglicher und selbstverständlicher Bestandteil unseres Lebens. Doch was haben Kommunikation und Gewalt gemeinsam? Wir empfinden unsere Art zu kommunizieren vielleicht nicht als „gewalttätig“ und doch entstehen die meisten Verletzungen - bei uns selbst oder bei anderen - durch Worte.
Studierende: Rebecca Kahl (2. Semester) und Jessica Kröll (2. Semester) 1
Marshall Rosenberg den Begründer der „Gewaltfreien Kommunikation“ (abgekürzt GfK) beschäftigt vor allem die Frage, wie man trotz des hohen Gewaltanteils der Gesellschaft einfühlsam bleiben kann. Er betont dass die Sprache und der Gebrauch von Worten eine zentrale Rolle spielen um diese Fähigkeit zu erreichen. Mit der „Gewaltfreien Kommunikation“ hat Rosenberg ein Konzept geschaffen, das uns bei der Umgestaltung und Veränderung unseres sprachlichen Ausdrucks und unserer Art zuzuhören hilft. Es ist ein Modell, das dabei behilflich sein kann in Konfliktsituationen friedliche Lösungen zu finden.
Die Gewaltfreie Kommunikation wird als die verlorene Sprache der Menschheit bezeichnet. Als Sprache eines Volkes, das rücksichtsvoll miteinander umgeht und die Sehnsucht hat, in Balance mit sich selbst und anderen zu leben. Wenn wir dieses Konzept in unserem Leben anwenden, dann kann es uns gelingen ganz neue Perspektiven und Türen auf allen Ebenen der Kommunikation, in allen Altersklassen und in den unterschiedlichsten Situationen im Beruf und im Privatleben zu öffnen.
Die Soziale Arbeit ist in ihrem Handeln auf die Tragfähigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen angewiesen. Daher soll in dieser Arbeit das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation dargestellt und anschließend aufgezeigt werden, wie eine solche Art der Kommunikation in der Sozialen Arbeit angewendet werden kann und welche Vorteile oder eventuell auch Nachteile die Gewaltfreie Kommunikation für diese mit sich bringt.
Damit ein Grundverständnis des Konzeptes ermöglicht wird, werden zunächst die Begrifflichkeiten Gewalt und Gewaltfreiheit erklärt sowie die Grundannahmen des Konzeptes näher erläutert. Anschließend wird die „Lebensentfremdene Kommunikation“ beschrieben. Danach werden sowohl das Konzept als auch der Prozess der Gewaltfreien Kommunikation insbesondere die Haltungen und Kerngedanken sowie das sogenannte „Vier-Schritte-Modell“ dargestellt, bevor anschließend näher auf die Ziele eingegangen wird. Darauffolgend werden die Symbole der GfK beschrieben bevor abschließend das Potential des Konzeptes für die Soziale Arbeit erläutert wird.
Studierende: Rebecca Kahl (2. Semester) und Jessica Kröll (2. Semester) 2
2. Begriffsklärungen
Was genau verbirgt sich hinter den Worten „Gewaltfreie Kommunikation“? Der Begriff ist die deutsche Übersetzung der englischen Originalzeichnung „Nonviolent Communication“. In Deutschland verwendet man statt „Gewaltfreie Kommunikation“ häufig auch Bezeichnungen wie „Giraffensprache“, „Lebensbereichernde Kommunikation“ oder „Einfühlsame Kommunikation“. 1
Gewalt, Gewaltlosigkeit und Gewaltfreiheit sind Begriffe unter denen fast jeder Mensch etwas anderes versteht. Um Missverständnissen vorzubeugen, ist es daher wichtig, in kürze zu beschreiben, was das Konzept der GfK mit diesen Begriffen meint.
Marshall Rosenberg benutzt den Begriff - Gewaltfreiheit - im „Sinne von Gandhi: Er [Gandhi] meint damit unser einfühlendes Wesen, das sich wieder entfaltet, wenn die Gewalt in unseren Herzen nachlässt. Wir betrachten unsere Art zu sprechen vielleicht nicht als „gewalttätig“, dennoch führen unsere Worte oft zu Verletzung und Leid - bei uns selbst oder bei anderen. 2 “ Hier ist allerdings nicht von absoluter Gewaltfreiheit die Rede. Wenn Rosenberg wählen müsste zwischen Gewalt hinnehmen, was er mit Mutlosigkeit gleichsetzt, und Gewalt, würde er zu Gewalt raten, obwohl er trotzdem der Auffassung ist, dass die Gewaltfreiheit der Gewalt überlegen ist. 3 Gewaltfreiheit beschreibt also einen Zustand, bei dem die Bedürfnisse aller beteiligten Personen Beachtung finden. Legt man dies zugrunde kann man sagen, das Gewalt ausgeübt wird, wenn ein Mensch egoistisch handelt, das heißt, wenn er seine Bedürfnisse ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer durchsetzt.
Für Rosenberg bedeutet Gewalt hingegen also alles, was eine Person tut, um Macht über eine andere Person auszuüben und dazu „gewalttätige“ Mittel benutzt. Ein solches Verhalten äußert sich beispielsweise in Form von Schuldzuweisungen die Pflicht- und Schamgefühle bei anderen auslösen sowie durch rücksichtsloses und gieriges Handeln. Im weiteren Sinne führt laut ihm auch jedes System, welches eine ausgeglichene Verteilung von Ressourcen verhindert, den Zugang zu Gerechtigkeit im Sinne von Gleichberechtigung verwehrt oder gar Menschen diskriminiert aktiv Gewalt aus. Auf Ebene der verbalen Kommunikation bezeichnet Rosenberg destruktive Kritik, Vorwürfe, Generalisierungen und Vergleiche sowie moralische Urteile als gewaltvoll. 4
1 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltfreie_Kommunikation#Weblinks
2 Rosenberg 2007
3 vgl. Rosenberg 2004, S. 61
4 vgl. Rosenberg 2007
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Rosenberg unterscheidet außerdem zwischen „strafender Macht“ und der „beschützenden Anwendung von Macht“, wobei letztere für ihn die einzig legitime Form der Machtausübung ist. Diese äußert sich beispielsweise bei dem Versuch, Verletzungen oder Ungerechtigkeiten zu verhindern. Dies wäre der Fall, wenn ein Kind festgehalten wird, bevor es vor ein Auto läuft. Beschützende Anwendung von Macht bestraft nicht, sie möchte auch kein Leid oder Reue hervorrufen und versucht nicht andere Menschen zu verändern. 5
Neben den Begriffen „Gewaltfreiheit“ und „Gewalt“ spielt auch der Begriff der „Empathie“ eine wichtige Rolle in der GfK. In der Wissenschaft wird mit Empathie meistens ein nach außen gerichteter Vorgang beschrieben, beispielsweise „das Erfassen der
Bewusstseinsinhalte“ einer anderen Person 6 oder als „lebendige Verbindung zur Außenwelt 7 .
Für Rosenberg ist Empathie vor allem ein „respektvolles Verstehen der Erfahrungen anderer Menschen 8 “ aber auch ein nach innen gerichteter Vorgang, der durch das Bewusstwerden und Annehmen der eigenen Bedürfnisse und Gefühle charakterisiert ist. 9 Er geht also davon aus, dass Empathie ein wechselseitiger Prozess zwischen Innen und Außen ist.
3. Symbole der GfK
„Die Wahrheit ist nur Wahr,
wenn auch ihr Gegenteil in ihr Platz hat.“ (Rudolph Mann)
Der Wolf
Nicht selten enden Kommunikationssituationen unbefriedigend für beide Konfliktparteien. Darum wird ermittelt, welche Sprachkomponenten Gewalt fördern und welche Faktoren Gewalt eher verringern. Gewaltfördernde Elemente können dazu führen, dass beim Gegenüber folgende Gefühle ausgelöst werden: Frustration, Enttäuschung, Druck, negative Aggression, Widerstand, Schuld, Scham oder Angst. 10
5 vgl. Rosenberg 2007, S. 181ff
6 Holz-Ebeling / Steinmetz 1995, S. 14
7 Glasl 1999, S.39
8 Rosenberg 2007, S. 113
9 vgl. Rosenberg 2007, S. 149ff
10 vgl. www.gewaltfreiforum.de/artikel/vortrag.pdf
Studierende: Rebecca Kahl (2. Semester) und Jessica Kröll (2. Semester) 4
Durch diese Sprachanteile sind Bedürfnisse des Gegenübers nicht befriedigt, was, besonders wenn die Bedürfnisse über einen längeren Zeitraum unbefriedigt bleiben dazu führen kann, dass sich die Aggressionen und der Druck verstärken und im ungünstigsten Fall an Unbeteiligten ausgelassen wird. 11
Der Wolf ist in der Gewaltfreien Kommunikation das Symbol für die gewaltbehafteten Sprachanteile und erhält darum eine negativ besetzte Rolle. Laut Gens spricht der Wolf eine lebensentfremdende Sprache, die gekennzeichnet ist durch:
• Moralische Urteile
• Urteile darüber, was richtig und was falsch ist, gesund und krank angemessen oder unangemessen • Analysen • Vorurteile
• Verantwortung leugnen-die Ursache liegt beim Anderen • Den Glauben, keine Wahlmöglichkeiten • Forderungen • Lob oder Strafe verdiene
• Denkweisen, die uns Schlechtigkeiten, Mangelhaftigkeit und die Notwendigkeit einer Erziehung vermitteln. • Bilder von Erzogen sein und Gebildetsein 12
In dieser lebensentfremdenden Sprache werden vier sogenannte „Erziehungsmittel“ verwendet, von deren Anwendung wir uns erhoffen, dass sich unsere Gesprächspartner genau so verhalten, wie wir es von ihnen erwarten:
• Schuld: Wir halten den Menschen vor, was sie falsch gemacht haben • Scham: Wir halten Menschen vor, was an ihnen falsch ist • Strafe-Drohung-Rache • Belohnung
Gens geht davon aus, dass Menschen in Situationen, in denen die Sprache von gewaltvollen Anteilen beherrscht wird, eher außer sich sind, statt sich auf ihre eigentlichen Bedürfnisse zu konzentrieren. 13
11 vgl. www.gewaltfreiforum.de/artikel/vortrag.pdf 12 www.gewaltfreiforum.de/artikel/vortrag.pdf
13 vgl. www.gewaltfreiforum.de/artikel/vortrag.pdf
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Arbeit zitieren:
Rebecca Kahl, Jessica Kröll, 2011, Gewaltfreie Kommunikation - Eine Sprache des Lebens, München, GRIN Verlag GmbH
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