Überschusses von Verweisungen auf andere Möglichkeiten des Erlebens und Handelns“ 5 . Dem Überschuss ist die Möglichkeit bereits über den potenziellen Zugang inhärent (bzw. dem „potenziellen“ Zugang immanent), während der Verweis ein Resultat der Fremdreferenz (sowie die Fremdreferenz) in eine innere Ordnung integriert, in dem er an die Intention gebunden ist. So kann einiges „im Zentrum der Intention“ 6 liegen, während Anderes „marginal angedeutet“ 7 wird, um als „Horizont für ein Und-so-weiter des Erlebens und Handelns“ 8 zu fungieren. Somit hält sich die Welt in ihrer Möglichkeit offen und garantiert die Aktualität in der Zugänglichkeit. Die Zugänglichkeit wird maßgeblich von einem Verweis auf Wirklichkeit geleitet, während diese Wirklichkeit in ihrer präsumtiven (also der als Wahrscheinlich angenommenen) oder der konditionalen (und damit Wirklichem als Mögliches interpretierten) Form besteht. 9 Damit einher gehen auch Bedarf und Funktion des Negativs, also des Unwirklichen/Unmöglichen in der Gegenreferenz. Vor diesem Hintergrund stattet Sinn „das je aktuell vollzogene Erleben oder Handeln mit redundanten Möglichkeiten aus“ 10 , die in ihrer potenziellen Redundanz (und dem Verweis) faktische Stabilisation zur Folge haben. Unter der Prämisse der Andeutung als (formalisierte) Form der Aktualisierung, handelt es sich also um einen Prozess bei bestehendem Möglichen (konditional Wirklichen) unter Relativierung des präsumtiv Möglichen. Die Redundanz der Möglichkeiten übernimmt in ihrer Beliebigkeit Sicherheitsfunktion (und damit auch Stabilisierung s.o.), indem sie Fehler mit Verweis auf den non-finalen Charakter der Entscheidung relativiert. Wichtig ist hierbei vorallem, dass der Anschlussverweis von Sinn auf Sinn erfolgt. Sinn ist im Zuge dessen schon regenerativ, weil er den „Unsinn“ anschlussunfähig voraussetzt. Sinn präsentiert also Komplexität
in generalisierter Form, bei Verweis auf Redundanzen, die letztlich erst durch die Überkomplexitätsgebundene Unmöglichkeit der nicht-redundanten Aufnahme bestätigt wird. Die Komplexität, ist derart überkomplex, dass sie unfassbar wird und damit nichterschöpflich ist, aber im Verweis regenerativ ist.
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Dem muss vorausgesetzt werden, dass das zuvor über ein Negativ als Unwirklich Ausgeschlossene, trotz des Ausschlusses potenziell sinnfähig sein kann. Entscheidend ist hierbei die tatsächliche Aktualisierung, und damit auch im Sinne Seydels das „Update“
12
als Entscheidungskriterium der Selektion (und Segmentierung!). Dabei ist das Wirkliche aktualisiert, während das Mögliche Aktualitätsanspruch hat und das Negativ potenziell aktualisierbar ist (und somit im potenziellen Kontext des Potenziellen steht).
Dieser Gedanke leitet über zur grundsätzlichen Unruhe der Luhmann'schen Begrifflichkeit. Sinnvolle Unruhe?
Ein „Moment der Unruhe“ 13 ist „Grundtatbestand“ 14 des Erlebens sowie der interpretativen Reflektion von Sinn. Dabei zwingt sich der Sinn selbst zum Wechsel. So besteht ein Maß vorausgesetzter Überforderung durch die Generalisierung von Möglichkeit, sowie die ständige Selbstaktualisierung des Sinns im Verweis auf Möglichkeit oder andere Sinnsysteme. Dabei liegt die Komponente der Unruhe des Sinnsystems in ihrer Offenheit durch den Verweis auf fremreferenzielles Mögliches, sowie durch seine daraus resultierende Relativierung in
5 Ebd., S. 93
6 Ebd., S. 93
7 Ebd., S. 93
8 Ebd., S. 93
9 Vgl. Ebd., S. 93
10 Ebd., S. 94
11 Vgl. Ebd., S. 94 f.
12 Piazzi; Seydel (2010), S. 57
13 Luhmann (1987), S. 98
14 Ebd., S. 98
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der Selbstreferenz - die Erklärung der eigenen Sinnstruktur als Entwurf nebst fremdreferenziell entdeckten, weiteren möglichen Entwürfen. Diesbezüglich übernimmt der Sinn provisorischen, abgleichenden und rekonstitutiven Charakter. Dabei ist diese Annahme der Offenheit nur in der Bedeutung der Selbstreferenz erklärbar. Das Innere Sinnsystem verweist auf die Äußere Umwelt, um sich selbst als offen beschreiben zu können und einen Anlass zur erneuten Aktualisierung im regenerativen Sinne zu setzen. Dem Prinzip liegt also die latente Überalterung des inneren Sinnsystems zu Grunde, die den Wert des Sinns über die latente Suche nach Aktualität generiert. Dabei können Informationen der Äußeren Umwelt insofern internalisiert interpretiert werden, sobald Sinnstrukturen bestehen, die eine Interpretation ermöglichen.
Aktueller Sinn und potenzieller Sinnhorizont divergieren zwangsläufig. Das heißt aber auch, dass die Äußere Umwelt, in ihrer Divergenz zur Inneren Welt, das Sinnsystem permanent in Frage stellt. Da die Frage unbeantwortbar ist, müssen Informationen der Äußeren Umwelt das Innere Sinnsystem beunruhigen, um es gemäß seiner Voraussetzung am Leben zu erhalten. Der aktuelle Sinn konstituiert sich durchgehend neu, da er irritierend ist. Die Äußere Umwelt erfährt für das Innere Sinnsystem ständig neuen Kontextualisierungswert. Aktuelles inneres Sinnsystem und Verweisungshorizont befinden sich dabei in ständiger, gegenbedingter Restrukturierung, Rekontextuierung und Varietät - und damit in der Unruhe.
In diesem Falle ist die Unruhe Entwicklungs- wie Erhaltungsform systemischer Evolution. Im Zuge dessen, möchte ich die Unruhe im Sinne Luhmanns zunächst als systemführend, dergestalt stabilisierend und unabdingbar, voraussetzen. Epochenzäsur
Die Zäsur setzt einen elementaren Bruch vorhandener Struktur voraus, der den nächsten Schritt überhaupt erst aus dem Abbruch des Vorangehenden begreift. So soll es „vom Buchdruck zum Computer (…) keine Verbindung“ 15 geben und mit den Worten Bäckers:
„Die nächste Gesellschaft unterscheidet sich von der modernen Gesellschaft wie die Elektrizität von der Mechanik“ 16
Dieser Gedanke leitet zur Annahme, dass existenzielle (im Sinne von funktionsrelevanten) Elemente in der Kopplung von der modernen, zur nächsten Gesellschaft aufgelöst werden/ restrukturiert werden/ anderen Funktionen integriert werden. Die Epochenzäsur ist neben dem Selbstverständnis des Bruches, Anlass zur Brücke zur nächsten Gesellschaft, und somit der überbrückte Graben in die nächste Instanz. Im Folgenden wollen wir uns neben der strukturellen Neuordnung auch dem Brückenproblem widmen. Die „Brücke“ ist hierbei weniger als Modifikation zur Anschlussbindung zu verstehen, sondern als eigentliches „evolutionäres Moment“, das den Anschluss linearisiert einem Abbruch gleichkommen lässt.
Zielführend ist sicher, zu betrachten inwiefern Seydel die Epochenzäsur aus dem Schritt vom Buchdruck ins computerisierte Zeitalter erklärt. Unruhe
Einleitend soll sich mit dem Seydel'schen Verständnis von „Unruhe“ als strukturelles Problem auseinandergesetzt werden. Wir werden dabei Kernbegriffe erwähnen, die im Zuge dieser Arbeit
15 Piazzi; Seydel (2010), S. 22
16 Baecker (2011), S. 1
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hinterfragt/erneut kontextualisiert werden. Seydel erläutert die beunruhigende Veränderung vor dem Hintergrund eines Zwangsdeterminismus des Zukünftigen, der der Betrachtung vorausgesetzt wird. Demzufolge obliegt eine zeitgenössische gesellschaftliche Veränderung der aktiven Partizipation, sowie der passiven Selbst- und Fremdorganisation vor dem Hintergrund ihrer Unausweichbarkeit. 17 Die Veränderung ist durch aktive Teilnahme potent für den aktiv Teilnehmenden, wie auch passiv Eingreifend in die Lebenswelt des passiv Teilnehmenden. Untersuchungsführend ist für Seydel zum Einen ein zunehmender Überhang des „Contents“ 18 . Überhang, weil der Content zunächst in einer
unverarbeitbar großen Menge die Kapazität des potenziell Verarbeitbaren überfordert. Die daraus resultierende Irritation äußert sich neben der Überforderung, durch ein trivialisiertes Verständnis des tatsächlich verarbeitbaren Contents durch das
Zu-Viel
der Möglichkeit. Content wird „beliebig und belanglos“
19
. Während die Archivierung der Information die Folie in der potenziellen Zugänglichkeit verbreitert, wird der tatsächliche Zugang über die Frage nach der Kanalisierung erklärt.
Die Veränderung folgt dabei folgender Kausalität:
„technischer Wandel führt zu sozialem Wandel. Sozialer Wandel führt zu technischem Wandel“ 20 Die Verbreiterung der Folie aus ihrer technischen Möglichkeit heraus, wird hier zunächst als das Zu-Breit der Entwicklung von Unruhe gekennzeichnet. Seydel führt also eine Kausalität der Gegenbedingtheit und Gegenbezüglichkeit heran. Während die Konstellation der Kanäle, sowie ihre innere (und in Kombination mit der Konstellation ihre äußere) Struktur entscheidend von der technischen Voraussetzung bestimmt ist, ist die Zielsetzung über die Kanäle stark sozialisiert. Dabei werden jedoch Fragen zur Vorselektion der Kanäle über ihre Zugänglichkeit relevant. Woher kommt sie...
Seydel orientiert sich bei seiner Untersuchung der Unruhe an zwei elementaren Schritten. Zum Einen an dem historischen Moment des Übergangs von der Schrift zum Buchdruck, zum Anderen vom Buchdruck zum Computer. Der Schreibmaschine attestiert er den inkorporierten Übergang vom Impliziten zum Expliziten. So ermöglicht die mechanische Zusammenarbeit einzelner, sichtbarer und prinzipiell nachvollziehbarer Elemente einer Mechanik, die Fixierung und Isolierung von impliziter Information auf die explizite Publikation des bedruckten Papiers. Die Mechanik bleibt im Zuge dessen körperlich erfahrbar (direkt nachvollziehbar/betastbar, physisch manipulierbar). Die Schreibmaschine als Instrument ist insofern bezüglich ihrer Eigendynamik überschaubar instrumentalisiert, und in der Form des Instrumentes sinnvoll (in der Lösung von implizit gebundenen „Sinn“ auf die explizite Pointe). 21 Obgleich diese Voraussetzung der direkten Erfahrbarkeit im Zuge der Digitalisierung aufgelöst wird, sind weitere Kennzeichnen des Schreibmaschinenphänomens schon nahe der aktuellen Situation. So ist es unmöglich, das einmal getippt Fixierte, nachträglich unsichtbar zu modifizieren. Nach Seydel ist das in der Kant Rezeption Kennzeichen „der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ 22 . Gleichzeitig verschiebt sich die Diskurskultur, aus dem unmittelbaren Kontext in den Mittelbaren, aus dem „stillen Kämmerlein“ 23 heraus. Die Veränderung ist hier Verlust materieller Konsequenz und damit eine Form der Unverbindlichkeit materialisierter Reflektion auf die Prothese hinaus. Es findet also nicht nur eine Instrumentalisierung von Prothesen zur Kanalisierung statt, sondern auch ein Verlust materieller
17 Vgl. Piazzi; Seydel (2010), S. 13 f.
18 Ebd., S. 16
19 Ebd., S. 16
20 Ebd., S. 17
21 Vgl. Piazzi; Seydel (2010), S. 27 f.
22 Ebd., S. 29
23 Ebd., S. 29
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Selbstreferenz aus dem Instrument an sich. Damit geht ein Verlust des, von Seydel als subversiv apostrophierten, Anlasses zur Selbst- und Fremdreferenz, der körperlichen Nähe, einher. 24 Der Betrachtung liegt also eine grundlegende Sterilisierung von Interaktionsstruktur zu Grunde, die neben ihrer Ursächlichkeit, entscheidenden Einfluss auf die Form der Unruhe des Übergangs zur „nächsten Gesellschaft“ haben wird. Der Mensch erhebt sich „mit Maschinenkraft (…) aus der Masse der Gesellschaft in den aufrechten Gang“ 25 und ist Urheber eines evolutionären Moments der Übersteigerung aus der Prothese heraus, über sich selbst. Der entscheidende Konflikt erfolgt über die Publikation, indem das Trägermedium die Zurechenbarkeit auf ein Trägermedium fixiert und die Unmittelbarkeit auf ein Minimum reduziert. ...und wie ist sie?
Der Übergang vom Buchdruck zum Computer spitzt das Verhältnis von Ort und Raum bei Bezugnahme auf Flächendeckung, Zugang und Kapazität zu. Während Orte divergieren, werden Räume verallgemeinert. Das Internet könnte zum realistischen Raum werden, während analoge, örtlich getrennte Räume in den digitalen Raum überführt und formalisiert werden. Im Zuge dessen würde sich die Information in ihrer Ausrichtung und Struktur anpassen. Seydel nennt die „Hierarchie von Informationen“ 26 als Merkmal des Übergangs zur computerisierten Information. Dabei wird von einem Optionenüberschuss ausgegangen, der zur tatsächlichen Nichtauflösbarkeit von Beobachtungen führt (da jede aufnehmende und berichtende Funktion vor dem Hintergrund unzähliger anderer potenzieller Lösungsvorschläge relativiert wird.). Der Rückschluß, dass jede Nachricht im Zuge der Nichtpopularität zur „Phantasie“ 27 wird, ermöglicht die Relativierung der Interpretation „mit (…) Verlust an Glaubwürdigkeit“ 28 . Die Zugänglichkeit in Einheit mit der Relevanzsetzung von scheinbarer Irrelevanz jeglicher Information als potenziell relativ, hebelt zuvor geltende Selektionsmechanismen und -regulatoren aus. Das Selektionsmaß vergrößert sich und Kommunikation verlangt nach Individualselektion am Schnittpunkt der Überleitung. Das Vorhandensein neuer Kanäle wertet primär nicht, sondern überlässt die Wertung der Eigendynamik aller individueller (und im Anschluss kollektivierter) Ansprüche auf der Folie Internet. In der Folge werden Segmentierungen des Interessanten (und der Interessanten) bewirkt, die wiederum Anlass zur Informationsleitung aus hierarchisierten Segmenten bieten. Das aus diesem Kommunikations-und Informationsanlass resultierende Screening ist also eine Schichtung von Mehrheitsmeinung. Diese Mehrheitsmeinung generiert sich jedoch nicht aus dem klassisch-regulierten analogen Gesellschaftssystem, sondern aus der bereits bezeichneten sterilisierten Form, die das substanzielle Feedback auf ein relativ-informationelles überleitet. Es ist also (zumindest im Anachronismus der Übertragung) per se „unmenschlich“ hierarchisiert und in seiner Auswirkung omnipotent. Hiermit kommen wir zur unserem Ausgangs-kanalisierungsproblem zurück. Die Orientierung an der Abbildung dessen, was für den Großteil interessant ist, bestimmt, was für das Individuum zugänglich und relevant ist. Werden nun einzelne Informationssegmente durch ihre starke Frequentierung als relevant hervorgehoben, bewirkt die ständige mögliche Aktualisierbarkeit (durch die Potenz der Möglichkeit) faktisch ständige Aktualisierung in technisch gestützten Frequenzen, die derart eng gestaffelt sind, dass die Aufnahme neuer Updates das Individuum gar nicht mehr von der Plattform lösen lassen kann. 29 Die Anforderung liegt also nicht in der Selektion relevanter Updates, sondern in der Selektion relevanter Cluster, die dann konsequent in ihren Updates nachvollzogen werden müssen, damit sie relevant bleiben.
24 Vgl. Ebd., S. 29
25 Ebd., S. 29
26 Ebd., S. 38
27 Ebd., S. 38
28 Ebd., S. 38
29 Dazu mehr im Abschnitt zur „Informierten Verwirrtheit“
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Die Unruhe nimmt ihren Lauf.
Interessant ist hierbei zu hinterfragen, wie ein derart formalisiertes Zeichensystem der Bits und Anschlussbits, das zwangsläufig komplexitätsreduktiv ist und Phänomene bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert, zu derart exakten Ergebnissen kommt, und wieso diese Darstellungen als exakt wahrgenommen werden.
Die Antwort liegt in der Kongruenz der inneren Selbstschlüssigkeit. Diese Fragen brechen die Möglichkeit der Fixierung von Phänomenen in eine formalisierte Sinnstruktur auf. Die formalisierte Sinnstruktur übernimmt Funktion der Beruhigung ebenjener Unruhe der gegebenen Unendlichkeit und Unerklärbarkeit des Meisten. Sobald ein System über die innere Logik schlüssig sein kann, und sobald dieses System informationelle Kompetenz übernimmt, muss jede Form der endogenen Inkongruenz ausgeklammert werden. Diese Klammer umgreift irritierende Momente und trivialisiert unschlüssige Phänomene mit Lösungsverweis auf das schlüssige System. Massenmedium als Voraussetzung
Bei Betrachtung von Seydels Klassifizierung des „Substraktionskonzept“ 30 es, das mit einer Reduktion von massenmedial vermittelten, nicht direkt, und allerhöchstens indirekt, zielgruppenrelevanten Informationen einhergeht, lässt sich eine Veränderung in der Mittelbarkeitsstruktur von medial aufbereiteten, zugeschnittenen und adressierten Informationen unterstellen. Damit ist zum Einen ein effizient zugeschnittenes Medium beobachtbar, das Neues vermittelt, solange es als neu vermittelt werden will, nachdem der Wille nach Neuem aus Unkenntnis des Alten folgt.
Der das Medium zuschneidende Prinzipal folgt dabei der mittelbaren Auseinandersetzung mit Rezipientenbedürfnis, und spiegelt das Neue im Rezipienten insofern selektiv, dass der Rezipient unmittelbar screent was er konsumiert, und durch sein Konsumverhalten Indikatoren zur Anschlussausstrahlung setzt. Potenzielle Irritation als Folge von nicht erwartbarer Information, wird so bis zu einem gewissen Maß via Ausschlussprinzip aussortiert. Die Folie verkleinert sich auf das erwartbare Maß des unmittelbar entscheidenden Konsumenten. Die Information wird zur Kommunikationspointe hin ausgedünnt, und dann aus dem Übriggebliebenen in den Kanal hinein verdichtet. Das im Zuge dessen eng gewordene Selektionsmaß an der Anschlussstelle bedingt, dass Optionen, die alle „irgendwie“ passen, erst gar nicht mehr gegeneinander abgewogen werden müssen, geht man davon aus, dass sie das Aufnahmekontigent des Rezeptoren nicht übersteigen. Das Aufgenommene scheint also in seiner Struktur konsistent, und in der Rezeption durchaus schlüssig, während das Unschlüssige in Form von Widersprüchen Inkongruente, schlichtweg unsichtbar wird. Der Umgang mit Irritation aus der mittelbaren Entscheidung des Rezipienten wird negiert, das unsichtbar inkongruente besteht bis zur „plötzlichen“ (und damit unmittelbaren) Sichtbarkeit im Verborgenen. Ein weiteres Kennzeichen dieser Struktur der Epochenzäsur ist, dass die tatsächliche Vorselektion nicht nur effektiv, sondern auch prozessual verborgen bleibt. Die vorselektierten Optionen werden von ihrem Vorselektionscharakter unabhängig, sobald sie vom nächsten Rezeptor unabhängig (da unbekannt) ihres relativen Charakters interpretiert und zur Informationsweiterleitung im Organismus genutzt werden. Damit pragmatisiert der Anspruch an die Selbsterleichterung von Instanz zu Instanz, von Frequenz zu Frequenz, den eigentlichen Prozess zu einer gespitzten, aber höchst relativen faktischen Pointe (die das „konditional Mögliche“ aus dem Sichtbarkeitsspektrum vertreibt und seine eigene Relativität vergisst). Dem Ganzen muss die Prämisse vorausgesetzt werden, dass es eine gelöste Gegenreferenz zum Bedarf aus zugeschnittener Vorlage gibt (da die Vorlage Sozialzusammenhänge ex ante über eine Annahme von Bedarf abstrahiert und sie ex post zu einer erneuten Vorlage hin korrigiert), um ganz im Sinne Luhmanns den Sinn durch Verweis auf Möglichkeit zu erhalten.
30 Vgl. Piazzi; Seydel (2010), S. 45 f.
6
Wir gehen im Zuge dessen von einer Veränderung massenmedialer Realisierung aus, die Unruhe bis zu einem gewissen Moment exkludiert, und aus dieser Exklusion begreifbar macht, auf welcher Grundlage die nächste Gesellschaft erklärt wird. Die soeben angeschnittene Ebene des medialen Zuschnitts, wird im Anschluss um den Begriff der Informierten Verwirrtheit unterstützt. Nächste Gesellschaft
Was zeichnet die „Zäsur“ der Epochenzäsur effektiv aus?
Baecker betrachtet die nächste Gesellschaft unter der Veränderung von sozialen Ordnungsformen bei Hinleitung auf eine Mögliche Konsequenz, der „rekursiven Selbstreferenz“ 31 von Organismen. Mit der Innovation neuer technologischer Möglichkeiten der Informationsverbreitung, mit der Bildung neuer Kanäle, die ihrer eigenen Selektionsdynamik folgen, steht die nächste Gesellschaft vor einer Expansion der Möglichkeiten. Im Rückbezug auf die Zäsur, die der Logik vorangegangener Zäsuren durch Entwicklung der Sprache („Stammesgesellschaft“) 32 , der Schrift („antike Hochkultur“) 33 und nicht zuletzt des Buchdrucks („moderne Gesellschaft“) 34 folgt, wird die nächste Gesellschaft als Konsequenz der computerisierten Digitalisierung erklärt. Bäcker schreibt den aktuellen Technologien eine Überforderung der kulturellen Kapazität einer Gesellschaft, durch einen Überschuss an zugänglich gemachter Information, zu. Die Krise soll an der Anschlussstelle des Umgangs mit dem „Zu-Viel“ bestehen, deren einziger adäquater Umgang mit ihr über Veränderungen der Kultur in Ausrichtung an dem „Zu-Viel“ bearbeitet werden kann. „Jede Einführung eines neuen Verbreitungsmediums muss daher zur Umstellung dieser Struktur und dieser Kultur führen, soll sie auf breiter Front überhaupt möglich sein“ 35 Diesbezüglich prognostiziert Bäcker zwei elementare Organisationssysteme im Umgang mit der nächsten Herausforderung.
Zum einen eine Temporalordnung, die sich aus dem Verlust eines bestehenden Modus seinerselbst begründet. 36 Der bestehende Modus ist aktionistisches Element der modernistischen horizontalen „Gleichgewichtsfigur“ 37 , die hin zu einer Vertikalisierung am zeitlichen Index bemessen und orientiert wird. Hiermit geht ganz im Sinne der Veränderung von Präferenz- und Relevanzstruktur einher, dass ständig nächste Schritte gefunden werden (müssen). Dabei wird ausgenommen von einem „flüchtigen Blick“ 38 auf Vergangenes, schlichtweg keine Zeit mehr zur stabilisierenden Reflektion des Vergangenen, im Sinne einer umgreifenden Erklärung der Gesellschaft „als Sachordnung, als funktionale Ordnung“ 39 , bleiben. Stattdessen generiert Bäcker einen ausgleichenden „stabilen Wert“ 40 aus dem zweiten Organisationssystem, der „ökologischen Ordnung“ 41 .
Beschreibt die Temporalordnung eine Vertikalisierung von horizontalen Verweisen in die Ereignishaftigkeit, obliegt der ökologischen Ordnung eine „Radikalisierung“ 42 von Unsicherheit. Durch den Verlust des „prästabilisierenden Zusammenhangs“ 43 einer horizontalen Definition von
31 Baecker (2009a), S. 1
32 Ebd., S. 1
33 Ebd., S. 1
34 Ebd., S. 1
35 Ebd., S. 1
36 Ebd., S. 2
37 Ebd., S. 2
38 Ebd., S. 2
39 Baecker (2009b), S. 33
40 Ebd., S. 33
41 Baecker (2009a), S. 2
42 Ebd., S. 2
43 Ebd., S. 2
7
Zusammenhang, und der Einstellung auf Veränderungen durch Veränderung der Modi, muss die ökologische Ordnung in der Lage sein mit der Unsicherheit von vielen, in ökologischer Ko-Existenz stehenden, heterogenen Organismen, und deren fehlendem gleichem Referenzrahmen in Interaktionen, umzugehen. Dazu soll eine Form der „rekursiven Selbstreferenz“ 44 dienen, die „mit
einem Wissen um die Intransparenz der Verhältnisse“
45
selbstbezüglich schlüssig und stabil wird. Dieser Gedanke der Individualisierung als stabilisierendes Instrument, und der Relativierung von breiten Kontexten als Ausrichtungsreferenz, ist mit einem Verlust von Linearität verbunden. Die Dynamik der ex-ante Organisation über Zukunfts-Ereignisse, an vergangenen, nur rudimentär hinterfragten und fixierten Ereignissen, lässt auf äußerer Sinnebene ein erhebliches Irritationspotenzial vermuten.
Grundsätzlich lässt sich Bäckers Auseinandersetzung jedoch mit dem Schritt von einer modernen Gesellschaftsordnung, die über eine „Sachordnung“ 46 konstitutiert ist, zur nächsten Gesellschaftsordnung, die durch die „Ordnung des Netzwerks“ 47 konstitutiert wird, zusammenfassen.
In seinem Expose zu den Studien der Nächsten Gesellschaft wirft Baecker eine Gegenüberstellung von körperlichen „Leuten“, zu funktionalisierten „Lesern“ auf. 48 Wie schon zu Beginn angedeutet, ist dieser Kontrast bezeichnend für die Sterilisierung der Epochenzäsur. Nebst der Rückführung von Prozessen auf Kommunikationsanlässe („Leute“ - in analoger Sozialisierung, „Leser“ - in digitaler Funktionalisierung), ist es interessant die Frage nach dem Zugriff auf Information, aus der Perspektive einer sterilen Form des Verstehens zu untersuchen. Damit meine ich die Konzentration auf unwesentliches Wesentliches. Bezüglich des „explizieren, veräußern, verobjektivieren“ 49 des primär Wesentlichen, bei Ausschluss des primär Unwesentlichen, führt die Infomationsleistung mechanischen, technischen und linearkausalen Charakter vor dem Hintergrund der Immaterialität und der Zeitlosigkeit. 50 Baecker erwähnt in seiner Auseinandersetzung mit der nächsten Gesellschaft den Kernbegriff des Griffbereiten, indem er der Zunahme theoretischer Möglichkeiten zwar die theoretische Möglichkeit zuspricht, aber den tatsächlichen Zugriff verneint. 51 „Alles könnte anders sein - und fast nichts kann ich ändern“ 52 Was damit einhergeht, ist die Vermutung einer Verwirrung potenzierenden Funktion von Information auf der neustrukturierten Folie (world wide web). Diese Verwirrung ist neben der Simulation von Griffbereitschaft, vor allem ein informationelles Problem. Informierte Verwirrtheit
Ich möchte hier meine eigene Auffassung der „informierten Verwirrtheit“ auf Grundlage der bisher betrachteten Strukturen von Unruhe skizzieren.
Sie ist Resultat von Informationsüberschuss und Informationsüberangebot. Eine kurze Definition der Informierten Verwirrtheit findet sich im Anhang wieder. Es ist davon auszugehen, dass es bei gesellschaftlicher Integration (allein schon im Versuch der gesellschaftlichen Integration/der Anfrage) unmöglich ist, Überschuss und Überangebot aus dem Weg zu gehen. Die banale Idee der
44 Ebd., S. 3
45 Ebd., S. 3
46 Baecker (2009b), S. 33
47 Ebd., S. 33
48 Vgl. Baecker (2009b), S. 33
49 Piazzi; Seydel (2010), S. 35
50 Vgl. ebd., S. 35
51 Vgl. Baecker (2009b), S. 32
52 Luhmann in: Baecker (2009b), S. 32
8
Lösung von Informierter Verwirrtheit, durch schlichtweg breiteres Informieren, ist grundsätzlich
paradox. Die Lösung durch fokussierteres, und damit stärkeres Informieren geht mit der
Verarbeitung des Überschusses einher. Dabei wird von
Akteuren
ausgegangen, die Information nach subjektiver Relevanz gemäß ihrer Präferenzstruktur selektieren können und zugleich durch Empfehlungen ihres sozialen Kontextes in ihrer Präferenzstruktur beeinflusst werden. Entscheidend ist hier die Möglichkeit der Akteure, Informationen über ihre eigene Entscheidung zwischen relevanter und irrelevanter Information, zu verdichten. So gibt es potenzielle (noch nicht selektierte) Infos, die externe Empfehlung und interne Präferenzstruktur durchlaufen um tatsächliche Infos zu werden. Demnach würde die „Verwirrung (…) auf vorinformationeller und damit ungewisser Ebene“
53
vorliegen. Informierte Verwirrtheit wäre somit ein klassisches Selektionsproblem. In systemtheoretischer Hinsicht ist dieser Rückschluß sicher weder zeitgemäß, noch ausreichend differenziert. Der aktive Akteur wird durch einen passiven Adressaten ausgetauscht. Geht man vom Adressat als ins Kommunikationssystem inkludiert aus, müsste man ihn entsprechend Stichweh zwingend nach seiner „Leistungsrolle“
54
oder „Komplementär- oder Publikumsrolle“
55
beurteilen. Dieser Addresat ist in seiner Rolle potenziell System-konstitutiv. In dieser Konstitution werden Erwartungen an, und über den Adressaten hinaus gebildet, während sich die Kommunikation über den Adressaten fortsetzt. Setzt nun zunächst unerwartbar, ein neues technologisches Medium ein, das bestenfalls auch noch interaktiv ist, hat das eine erhebliche Veränderung in der relativen Verteilung von Komplementär- und Publikumsrollen zu Leistungsrollen zur Folge. Diese Irritation innerhalb des Funktionssystem (selbiges könnte auch für Irritationen der Umwelt gelten, die ihre Auswirkung im Funktionssystem finden) führt dazu, dass es plötzlich möglich wird, beispielsweise die Anzahl und Varietät von Leistungsrollen erheblich zu erhöhen. So könnte es nun neben dem „Arzt, (…) professionellen Politiker und Hochschullehrer“
56
, auch Blogger und Administratoren jeglicher Art geben. Die Rollen schließen einander dabei nicht aus - die absolute Anzahl der Leistungsrollen würde steigen. Die Verteilung der Publikumsrollen würde ähnlich stark steigen. Jeder Adressat wäre im Zuge dessen, neben seiner aktuellen Rolle, mit zunehmenden und diverseren Möglichkeiten ausgestattet. Verwirrung ergäbe sich in der quasi-erzwungenen Übernahme weiterer, neuer Rollen im digitalen Raum, wie auch in der Inkonsistenz der neuen Rollen, durch die beschleunigte Struktur veränderlicher Interaktionssysteme online (Update Struktur).
„An die Stelle sachlicher Rationalitäten treten heterogene Spannungen, an die Stelle der Vernunft das Kalkül, an die Stelle der Wiederholungen die Varianz.“ 57
Evolutionäres Moment
Gerade hinsichtlich der „rekursiven Selbstreferenz“ als Pointe der Lösung von strukturellem Aufbrechen einer vergangenen Sachordnung, wird ersichtlich inwieweit die nächste Gesellschaft über die Zäsur tatsächlich evolutionär aufgebrochen, und neu aufgelegt wird. Geht man von einem evolutionären Schritt aus, liegt die Zäsur grundsätzlich in der natürlichen Veränderung von substanziellen Strukturcodes (z.B. der Gene), die über Systeme dieser Codes verändert werden (z.B. über soziale Systeme), wobei das System einen entscheidenden, aber keinen keinen bewusst entschiedenen, Einfluß auf die Veränderung hat. Dabei wird zwangsläufig die Frage nach der Selektion sich ständig reproduzierender, variabler Systeme gestellt. Betrachten wir die Information, als den das Informationssystem durchlaufenden Anlass (von der Schrift über den Buchdruck zum
53 Mayer (2011), S. 25
54 Stichweh, S. 32
55 Ebd., S. 32
56 Ebd., S. 32
57 Bäcker (2011), S. 1
9
Computer) für technisierten Fortschritt, ist die rekursive Selbstreferenz eine Form der Auslagerung des Fremdreferenziellen an technisierte Medien, die die Information vermitteln. Zu-Viel; Zu-Breit; Zu-Anders
Die Vermutung, die im Folgenden auch den evolutionären Schritt herleiten soll, liegt also in der erzwungenen Eigenständigkeit (Eigenständigkeit = Selbstreferenz + Rekursion = Stabilität) durch fehlende horizontale Kollektivierungsmechanismen zum Einen, bei Auslagerung von Information auf ein horizontales (und damit ein Vergleichsachsen-konstruierendes) technologisiertes Netzwerk. Warum?
Die ökologische Ordnung, und damit die Heterogenisierung von Interaktionskonstellationen, bedingt, dass Interaktionspartner zunehmends auseinanderdriften. Ich will im Zuge dessen der informierten Verwirrtheit neben der Unruhe aus dem „Zu-Viel“ der Information, auch die mangelnde Bezugnahme als horizontales Organisationsproblem aus dem „Zu-Anders“ der Anschlusskommunikation zwischen zu heterogenen, potenziellen Partnern erklären. Diese Logik wird in Shannons informationstheoretischer Auseinandersetzung mit Entropie angeschnitten.
Während die Entropie als Maß der Ungewissheit, den gemittelten Informationsgehalt einer (interaktionsfähigen) Quelle beschreibt, wird das Zeichen als Verweis auf Information vorausgesetzt. Information ist hierbei kennzeichnend für die beseitigte Unsicherheit (wenn wir das bereits genannte Kapazitätenproblem ausklammern und von einer Lösung von informierter Verwirrtheit durch Information ausgehen). Jede Entscheidung entspricht hierbei der binären Entscheidung: 0 oder 1. Es handelt sich also um einen Code von bits und Anschlussbits. Die erste (alleinstehende) Entscheidung ist durch den höchsten Entropiesatz 1 bestimmt (z.B. Münzenwurf: Kopf oder Zahl 50:50) und nicht kontextualisiert durch andere Entscheidungen logarithmisierbar. Somit herrscht in der alleinstehenden Erstentscheidung höchste Entropie aka. höchste Unsicherheit. Der Münzwurf würde also die maximale Entropie, die vollkommene Ungewissheit ob Kopf oder Zahl fallen wird (bei gleicher Wahrscheinlichkeit), belegen. 58 Die Entropie reduziert sich mit jeder weiteren Entscheidung (bits), die benötigt wird um ein Zeichen aus der Zeichenmenge zu identifizieren/isolieren. Im Falle des Auseinanderklaffens (als Konsequenz des Driftens) von möglicher Zunahme des einen Kommunikators auf den anderen Rezeptor/Kommunikator, wird der gemittelte Wert von Informationsgehalt geringer, desto weniger Zeichen überhaupt empfangen (und im Anschluss als Zeichen verstanden werden) werden. Der Informationsgehalt sinkt aus dem Verweis dessen, was potenziell hätte mitgeteilt werden können, aber nicht wurde, und die Etropie wächst als Unsicherheitsindex. 59 Damit wäre eine Annahme zur Erklärung des Evolutionären Schritts aus dem bestehen einer Digitalisierungsmotivation gegeben. Der Heterogenisierungseffekt einer ökologischen Ordnung hat zwangsläufig zur Folge, dass Anschlussadressaten vermehrt die Referenz zu vorangegangenen Adressaten verlieren werden (Zu-Anders). Zeichen, die normalerweise nach einem ähnlichen Referenzrahmen verlangen, um äquivalent gedeutet werden zu können, können nach dieser Logik vermehrt falsch gedeutet werden, oder gar nicht erkannt werden. Hat der Sachverhalt eine Erhöhung der Entropie zur Folge, steigt mit der nächsten Gesellschaft auch über die Ordnungsform der ökologischen Ordnung, die Unsicherheit.
58 Vgl. Shannon (1963), S. 13 f.
59 Vgl. Roch (2009), S. 98 f.
10
Ausblick
Der Stanford-Theoretiker Ray Kurzweil machte aus dem hier angedeuten Entropiezuwachs eine Annahme zur Bestätigung seiner Hypothese:
„Die Evolution der Technologie ist nur eine Fortsetzung mit anderen Mitteln jenes evolutionären Prozesses, der die technologieerschaffende Spezies überhaupt hervorgebracht hat“ 60 Im Sinne Kurzweils ist die Unruhe Evolutions-leitend. Das heißt: Ohne das vorangestellte unruhige Moment, kein Aufbruch durch Evolution. Das Entropieproblem fasst er unter dem „Gesetz von Zeit und Chaos“ 61 zusammen und schließt Evolution aus dem chaotischen Stadium abgeschlossener Systeme (Urknall → Kriege → Entwicklungsirritationen → Heute → …).
Weitere Annahmen liegen in der Zunahme von Entwicklungsgeschwindigkeit, -zuverlässigkeit und Speicherkapazität computerisierter Intelligenzen und im zunehmenden Selbsttuning des Menschen in Form von Performance steigernden (physisch wie psychisch) intelligenten Implantaten. 62 Neben der hier außer Acht gelassenen Betrachtung von Chips, Schaltkreisen, Arbeitsgeschwindigkeit und der entscheidenden Frage nach Computerisiertem Bewusstsein, unterstreicht die Auseinandersetzung mit Kurzweil, Bäckers Auffassung von der Beziehung Technologie - Mensch, in der nächsten Gesellschaft:
„Die Technik der nächsten Gesellschaft macht die Welt zur Prothese ihrer selbst.“ 63 Beschleunigte & beschleunigende Gesellschaft Zu-Viel; Zu-Breit; Zu-Anders; Zu-Schnell
Hartmut Rosas Auseinandersetzung mit der beschleunigten Gesellschaft kann in unserem Falle, insbesondere bezüglich der prognostizierten Temporalordnung im Zuge der nächsten Gesellschaft, tiefergehende Informationen liefern. Dabei wird der Fokus zunächst auf die soziale Beschleunigung gelegt. Diese soll auf Mikroebene bemessen werden, und damit auf das Phänomen des subjektiven Beschleunigungsempfindens hinweisen.
Rosa äußerte bereits in einem Interview mit dem rbb, dass er den modernen Kapitalismus als Unruhestifter im Sinne eines Selbstläufers deutet, der „nicht auf Bedarfsdeckung hin angelegt ist“ 64 , sondern in Eigenlogik das „mehr -haben wollen“ 65 , als elementaren Bestandteil gesellschaftlich integriert. Die Ausgangslage ist hierbei, dass Unruhe ein Resultat der Zeitverknappung ist, während Zeit äquivalent auch Geld ist, und Geld notwendigerweise knapp ist (und sein muss). Beschleunigung
Grundsätzlich gehen wir nun von einer Gesellschaft aus, die bereits beschleunigt ist. Die Beschleunigung ist gleichermaßen Ursache, wie Reaktion auf Zeitnot. Mögliche Kompensation besteht in Mechanismen der Zeiteinsparung durch effizienteren Umgang (schnelleres Handeln/mehr Erleben) mit Erlebnissen, bemessen an der Dichte von Zeiteinheiten. 66
60 Kurzweil
61 Ebd.
62 Vgl. Ebd.
63 Baecker (2011), S. 2
64 Rosa (2011)
65 Ebd.
66 Vgl. Rosa (2005), S. 114
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Die These lautet: Das Lebenstempo erhöht sich durch eine „Steigerung der Handlungs- und/oder Erlebnisepisoden pro Zeitheinheit“ 67
Beschleunigung bezeichnet demnach einen Zusammenhang von Anzahl der Erfahrungen und Handlungen in einer Zeiteinheit. Desto höher die Anzahl der Erfahrungen ist, die in einer Zeiteinheit gemacht werden, desto verdichteter wird die Zeiteinheit. Dabei findet also eine Form der Erlebnis- und Handlungsverdichtung am zeitlichen Index statt. Das heißt aber auch, dass der prozentuale Anteil der Überdachung von verfügbarer Zeit, zu erlebbarer Erfahrung abnimmt. Ist eine Gesellschaft beschleunigt, wird das Individuum in gegebener Zeit mehr Erfahrungen machen (müssen), aus denen dann systemfunktional kluge Erwartungen für die Zukunft abzuleiten sind, während die erlebbare Zeit subjektiv kürzer erscheint. Die Beschleunigung konzentriert sich hierbei zunächst nicht auf ein qualitatives Maß im Sinne der Intensität von Erfahrung und der Stärke des Erlebens, sondern auf die quantitative Anzahl im Vergleich. Ausgehend von der Beschleunigungsthese Rosas, müsste Entschleunigung also als eine Abnahme der erlebten Menge pro Zeiteinheit, oder Zunahme der Zeit pro erlebter Mengeneinheit, verstanden werden. Dem zu Grunde liegt die Annahme von Zeitnot trotz (oder gerade aufgrund) eigentlichen Zeitgewinns, über technisierte und soziale Mechanismen zur Zeiteinsparung. Rosas Theorie bezeichnet also das Paradoxon von augenscheinlichem Zeitgewinn durch Einsparung, zu gefühlter und angewandter Zeitnot in Ursprung und Effekt. Dabei folgt einem Zuwachs an potenziellen Möglichkeiten, eine Zunahme der Steigerungsrate in Möglichkeit und Aufforderung zu tatsächlicher Nutzung von Möglichkeiten. Aus dieser latent übersteigerten Potenzialität, übernimmt die reine Möglichkeit verabsolutierenden Charakter, der eine funktionale Sättigung auf individueller Ebene unmöglich macht. Die Steigerungsrate übersteigt im Zuge dessen die Beschleunigungsrate und relativiert die Möglichkeit einer positiv formulierten, zielgeführten Beschleunigung. Bedeutung für die Gesellschaft
Rosa selbst spricht der Gesellschaft direkte Steuerungsmöglichkeiten an der Beschleunigung ab, und charakterisiert sie somit auf sozialer Ebene als Selbstläufer. Bei tiefergehender Beschäftigung mit der sozialen Beschleunigung, stellen sich Fragen zur Erschöpflichkeit eines überhaupt erst beschleunigbaren Kontingents, sowie die Übertragung der Beschleunigung auf eine individualisierte Kategorie: Lebensgeschwindigkeit. Orientiert sich Rosa in objektiver Hinsicht am Parameter Handlungsgeschwindigkeit, beschäftigt sich die subjektive Betrachtung mit der Kombination aus Zeitdruck und effektiver Auswirkung.
Die soziale Beschleunigung ist nach Rosa ein Kompositum aus technischer Beschleunigung, sozialem Wandel und der Beschleunigung des Lebenstempos.
Die technische Beschleunigung, gestützt durch prozessoptimierende und effizienzsteigernde (zielgerichtete) Motive, definiert er als „intentionale Beschleunigung zielgerichteter Prozesse“ 68 . Maßindikator ist, anstatt der Spitzengeschwindigkeit, die Durchschnittsgeschwindigkeit bei gegebenen Ressourcen und genannter Zielausrichtung. 69 Die technische Beschleunigung untersucht die Geschwindigkeit von Herstellung, Bewegung und Konsum (über die Distribution). 70 Erwartungsgemäß spielt die Digitalisierung in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle in der Optimierung und Organisation von Prozessen. Deswegen kennzeichnet Rosa die „digitale Revolution“ 71 als Antwort auf die „industrielle Revolution“ 72 . Auffällig sei hierbei eine „Beschleunigung der Reaktions- und Durchlaufzeiten in Richtung Echtzeit“ 73 . Diese
67 Ebd., S. 135
68 Rosa (2005), S. 129
69 Vgl. ebd., S. 125
70 Vgl. ebd., S 127
71 Ebd., S. 127
72 Ebd., S. 127
73 Ebd., S. 127
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Beschleunigung findet maßgeblich im sozialen Netzwerk statt, und wird beschleunigt über technische Möglichkeiten das Netzwerk engmaschiger zu gestalten, und die Abstände zwischen Knotenpunkten zu verkürzen (temporär).
Damit einher geht die Beschleunigung des sozialen Wandels, also eine engere Frequenzierung von Momenten des Wandels am zeitlichen Maßstab. Hiermit wird vor allem die Veränderung von „Praxisformen und Handlungsorientierungen einerseits und Assoziationsstrukturen und Beziehungsmustern andererseits“ 74 bezeichnet, die „eine in immer kürzeren Zeiträumen auftretende Reorganisation des Arbeitsprozesses“ 75 meint. Somit wird auch dieser Zusammenhang weitestgehend im Netzwerk ersichtlich/ vom Netzwerk absorbiert.
Im Zuge dieser immer verkürzteren Verortung von sozialem Wandel, führt Rosa das „Konzept der Gegenwartsschrumpfung“ 76 nach Lübbe ein. Demnach ist die Gegenwart geprägt durch ein deckungsgleiches Verhältnis von Erfahrungsraum und Erwartungshorizont. Das heißt, dass aus gemachten Erfahrungen Rückschlüsse auf und für erwartbare Resultate hinsichtlich der eigenen Handlung geschlussfolgert werden können. Die Erfahrung übernimmt dabei
„handlungsorientierende Kraft“ 77 aus der „Erwartungssicherheit“ 78 , und damit aus einer stabilen, nachvollziehbaren Konstellation heraus. Die Vergangenheit ist nach diesem Modell das, „was nicht mehr gilt“ 79 , die Zukunft das, „was noch nicht gilt“ 80 . Unter Gegenwartsschrumpfung, also der Verkleinerung der deckungsgleichen Fläche von Erfahrungsraum und Erwartungshorizont, versteht man ursächlich eine starke Zunahme der „sozialen und kulturellen Verhaltensgeschwindigkeit“ 81 . Im Zuge der steigenden Handlungsgeschwindigkeit, steigt auch die Verdichtung von aktiven Handlungsepisoden und passiven Erlebnisepisoden. 82 Die Zeiteinheiten der Gegenwart werden verdichtet und auf subjektiver Ebene über die empfundene Verschnellerung der Zeit verkürzt. Die handlungsorientierenden Erfahrungen werden je mehr verkürzt, desto schmaler die zeitliche Breite zur Auseinandersetzung mit einer Erlebnisepisode ist, oder desto mehr Erlebnisepisoden auf eine Zeiteinheit fallen. Damit steigt die „Verfallsrate“ 83 , die Gegenwart wird schneller alt, die Zukunft früher gegenwärtig und die Vergangenheit gefühlt irrelevanter.
Die Beschleunigung des Lebenstempos ist eine Folge der Zeitnot. Hier geht es um das subjektive Empfinden „der Zeitnot, des Zeitdrucks und des stressförmigen Beschleunigungszwanges“ 84 . Das heißt, die Unruhe ergibt sich aus der Orientierung am potenziell Schaffbaren, bzw. Erlebbaren in einer Zeiteinheit, das dann auch tatsächlich erlebt werden muss, um gegenwärtig sein zu können. Zu wenig innerhalb einer Zeiteinheit zu erleben/handeln, würde zum Verlust des Anschlusses führen und damit im Aufholmuster an der Rekapitulation der Vergangenheit scheitern. Dieser Zwang des Erlebens-Imperativs ist individuell spürbar, und begründet normativ. Potenzielle Teilnehmer des world-wide-webs beispielsweise, werden alleine schon durch die erfüllte „Bedingung, der Anwesenheit“ 85 in das Interaktionssystem inkludiert. Das heißt, sie sind insofern inkludiert, als dass das Interaktionssystem Internet für sie Erleben reguliert, indem es voraussetzt, dass sie als potenzielle Teilnehmer der Logik einer faktischen Teilhabe folgen müssen. Die Potenzialität des Zugriffs ist nicht mehr nur potenziell, sobald der Zugriff über Teilhabe am Erleben und Handeln der Gegenwart entscheidet. Eine Social-Network Plattform im Internet vergrößert den Kreis der Inklusion verschiedener potenzieller Anwesender. Es sind mehr potenzielle Adressaten auf der
74 Ebd., S. 129
75 Ebd., S. 129
76 Ebd., S. 131
77 Ebd., S. 131
78 Ebd., S. 131
79 Ebd., S. 131
80 Ebd., S. 131
81 Ebd., S. 132
82 Vgl. ebd., S. 201
83 Ebd., S. 133
84 Ebd., S. 136
85 Stichweh, S. 32
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Plattform, die schneller und effizienter adressiert werden können. So müsste aber auch die Frequenz erhöht werden, in der jeder Anwesende von mehr, und unterschiedlicheren, anderen Anwesenden, adressiert wird. Neben der Verbreiterung einer Folie von Information, steigt also auch das Interaktionstempo, durch eine Verdichtung interaktionsbasierter Erlebnisse pro Zeiteinheit. Das Schaff- beziehungsweise Erlebbare entscheidet also auch über Gelingen und Nicht-Gelingen von Kommunikation im Interaktionssystem. Grenzen der Beschleunigung
Zur Beantwortung der Frage müsste die Verarbeitbarkeit von Erlebnissen, wie auch die Verarbeitbarkeit von Geschwindigkeit auf soziostruktureller Ebene, untersucht werden. Rosa legt dem Beschleunigungssystem einerseits biophysische Schranken auf, in Form von wahrnehmungsspezifischen, kognitiven und regenerationsgebundenen „Geschwindigkeitsgrenzen“ 86 des menschlichen Gehirns. Gleichzeitig ist das „Reproduktionstempo natürlicher Rohstoffe“ 87 bedeutend geringer als die Beschleunigung des zukünftigen (und gegenwärtigen) Bedarfs. Des Weiteren müssen auch motivische Schranken in die Untersuchung mit einbezogen werden. Diese Form der Einschränkung spielt auf unser Unruhenproblem an. Die Frage ist hierbei, ob die durch das steigende Beschleunigungstempo steigende Unruhe nur als regenerativer Übergang zu verstehen ist, oder tatsächlich bleibt und stärker wird. Diesbezüglich geht Rosa davon aus, dass die Geschwindigkeitsveränderung „solange irritierend und verstörend wirkt, wie die Psyche der Betroffenen nicht mit einer Verstärkung der Reizschutzmechanismen reagiert“ 88 . Zur Untersuchung dieser Reizschutzmechanismen, müsste zwangsläufig ein Schritt in Richtung psychologischer und biologischer Untersuchung geleistet werden. 89
Zuletzt ist auch die Untersuchung von Kontigenz entscheidend für die weitere Zerstreuung der Unruhe am Merkmal der Beschleunigung. Kontingenz ist bei Rosa ganz im Sinne Luhmanns das,... „was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (…) sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeichnet mithin gegebenes im Hinblick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen“ 90 Diesem streng konstruktivistischen Ansatz liegt die Schlußfolgerung zu Grunde, dass die Möglichkeit des Andersseins auf Bewusstseinsebene ausschlaggebend für die unruhige, latente Selbsterfindung ist. 91 So zitiert Rosa Neckel, der aus diesem Zusammenhang auf die „Begründungspflicht des eigenen Labensverlaufs“ 92 schließt. Es gibt also eine gesellschaftsendogene Kraft, die die Konventionalität dynamisiert/ aus der Kontigenz flexibilisiert, da Alles auch anders geht, und zugleich die Einhaltung des Flexibilitätsparadigmas konventionalisiert. Diese Entwicklung erfolgt aber nicht, wie in vergangener Zeit, primär „von Generation zu Generation, sondern bereits intragenerational“ 93 .
Neben diesem konventionalisierten Anspruch, ist auch die Erwartung an den Anspruch kontingent geworden. Es ist schlichtweg legitim geworden, Beständigkeit zu Gunsten der Unbeständigkeit (mit einhergehender erzwungener Flexibilisierung) aufzulösen.
86 Rosa (2005), S. 139
87 Ebd., S. 139
88 Ebd., S. 141
89 Der hier aber nicht gewährleistet werden kann
90 Luhmann (1987), S. 152
91 Hier ist Rosa nahe der „basalen Instabilität“ Luhmanns
92 Rosa (2005), S. 181
93 Ebd., S. 178
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Beschleunigung & Unruhe
E: Erfahrung (potenziell)
Ee: erlebte Erfahrung (faktisch) ES: Erlebnissphäre
Die Skizze zeigt den Versuch der Einordnung von Bäckers Temporalordnung als Ordnungsform der nächsten Gesellschaft. So wird der Ereignisorientierte Weg von erlebtem Erlebnis zu erlebtem Erlebnis nachvollzogen. Auf der x-Achse sind die potenziellen Erfahrungen E1 bis En festgelegt, die Y-Achse bildet die Zeiteinheiten ab.
Ersichtlich wird hier zum einen die Verkürzung der Erlebnissphären (ES) von erlebtem Erfahrungsintervall zu erlebtem Erfahrungsintervall. Aus dieser Schlussfolgerung ergibt sich auch, dass die Erlebnissphären (relativ) verdichtet werden. Mit der Verkürzung der Erlebnissphären, geht die Verschnellerung der Übergänge von Erlebnissphäre zu Erlebnissphäre einher. Hinsichtlich der vertikalen Struktur von Bäckers Temporalordnung, muss zunächst angenommen werden, dass kommende erlebte Erfahrungen, ex ante unbekannt sind, sowie eine Entscheidung zwischen potenziellen Erfahrungen, die dann erlebt werden sollen, nicht bewusst entschieden wird. Die Vorbereitung auf kommende erlebte Erfahrungen muss provisorisch, anhand einer Vielzahl potenziell Erlebbarer erfolgen. Eie Verkürzung der Erlebnissphären reduziert die Reflektion des Vergangenen zum Einen, und das vorbereitende Provisorium zum Anderen. Dementsprechend stellt die Abbildung auch die bereits genannte Divergenz von reduziertem Erfahrungsraum, zu reduziertem und nicht spezifiziertem Erwartungsraum, als eben genanntes Provisorium, dar. Die Eigenlogik der Entscheidung, welche potenziellen Erfahrungen zu erlebten Erfahrungen werden lässt, ist durch die Ereignishaftigkeit vom gesellschaftlichen Entscheidungsfundament gelöst. Hier könnte man sich durchaus die Frage nach der Möglichkeit stellen, ob sich Entscheidungsstrukturen auf ein souveränes, nur indirekt beeinflussbares System (z.B. Kapitalismus) verlagern können, um dann damit beschäftigt zu sein, immer schneller bestehende und neue Kapitalismusvoraussetzungen zu befriedigen. In der Konsequenz, bei anhaltender schnellerer Frequenzierung,
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Erlebnissphärenverkürzung und -verdichtung, würde die Auslagerung der Reflexion bevorstehen. Die Reflexion, also die Notwendigkeit der Erlebnissphären, scheint das Problem der Verkürzung von Erlebnissphären zu sein, da es die Verkürzung zum Problem macht. Die Unruhe liegt dementsprechend in der mangelnden Befriedigung des Anspruchs an Reflexion. Womöglich wäre die Loslösung des reflektierenden Moments, der erste beruhigende Schritt durch Ignoranz des Irritationenverursachers. Diese Beruhigung ist systemisch aber nicht gewollt, da das System in der Beruhigung durch Auslagerung auf einen Selbstläufer, viel weniger selbsterhaltend evolutionär wäre, als tot_algorithmisiert. Fazit
Zum Ende unserer Auseinandersetzung ist die „Unruhe“ immer noch ein uneindeutiger Begriff. Klar ist, dass die Unruhe als Bewegungssynonym Voraussetzung jedweder Form der Lebendigkeit ist. Die Schwierigkeit der Deutung und Bemessung der Bedeutung von „Unruhe“ wird schon durch die häufige Verwendung des Begriffs des „Potenziellen“ ersichtlich. Potenziell Wirkliches, Mögliches, potenzielle Adressaten und potenzielle Information, bezeichnet die kontingente Unmöglichkeit des Faktischen vor dem Hintergrund einer evolutionsorientierten Auseinandersetzung. Damit ist die große Potenzialität der Kernbegriff einer Unmöglichkeit von Ruhe, und der Omnipräsenz/-potenz der Unruhe.
Diese Unruhe ist unabdingbares Element der Entwicklung unseres Gesellschaftssystems, macht den Schritt in die nächste Gesellschaft aus der Zäsur heraus erst möglich. Dabei ist ein unruhiger Status notwendig, um neue Modelle zur (scheinbaren) Beseitigung der Unruhe, beziehungsweise ihrer Regulation, möglich zu machen. Neben der Unabdingbarkeit ist die Unausweichlichkeit unruhiger Strukturen, insbesondere im Zuge der Beschleunigung, bezeichnend für Stellenwert und Notwendigkeit des Anschlusses an fundamental unruhige Struktur. Begrifflich ist Unruhe aber auch die reaktionäre Bearbeitung der Irritation, und damit ein Äquivalent der Sicherheit aus Unsicherheit bei Rückblick auf unsichere Momente. Das heißt, dass die „Unruhe“ eine diffuse Form der Unsicherheit begrifflich fixiert und dem degenerierten Raum Möglichkeit zur regenerativen Reaktion bietet. Dabei ist zwischen exogenen Irritationen, deren Resultat beispielsweise die „Informierte Verwirrtheit“ ist, und endogenen Irritationen, zum Beispiel der „basalen Instabilität von Sinn“, zu unterscheiden. Beide Formen der Irritation bilden Anlässe zum Wandel des Gesellschaftsmodells und der Selbststabilität einer evolutionären Abfolge von
Gesellschaftsmodellen. Das „Evolutionäre Moment“ ist ein Resultat aus Zu-Viel, Zu-Breit, Zu-Anders und Zu-Schnell der Evolution. Epochenzäsur + Nächste Gesellschaft = Evolutionäres Moment
Die Epochenzäsur ist der Schritt zur nächsten Gesellschaft. Die nächste Gesellschaft wird entscheidend durch den Wechsel der Ordnungsform verändert. Dieser Zusammenhang bezeichnet das Evolutionäre Moment. Die Epochenzäsur entsteht aus der Unruhe, ist selbst unruhig und sucht in der Utopie von Ruhe den nächsten Schritt. Evolutionäres Moment + Informierte Verwirrtheit = Unruhe²
Der Wechsel der Ordnungsform über die Zäsur als Evolutionäres Moment überfordert Organismen des Systems im Aufbruch der Erwartbarkeit derart, dass das Verwirrungsproblem der Veränderung der Ordnungsform unterstützend beisteuert. Unruhe ist also Anlass zur Entwicklung, und Entwicklung zugleich.
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Der Blog „Unruhestifter.posterous“
Unser Blog „Formen der Unruhe: Buchdruck und Computer; Bürokratie und Netzwerk“ sortierte eine Vielzahl verschiedener Eingangsposts nach Datierung. Der Blog stand unter dem Motto „Unruhestifter“, und versuchte so verschiedene Formen der Unruhestiftung zu dokumentieren. Die Formen der Unruhe am Blog:
1. Unruhe zertifizierendes Material auf den Blog stellen.
2. Den Blog beunruhigen; Produzenten und Rezipienten über den Blog beunruhigen. Das geht mit dem Post des Blog-untypischen einher, nachdem zunächst die blog-typische Struktur gesichtet werden müsste.
Eine Systematisierung der Dokumentation erfolgt im Zuge dieser Reflexion. Bloggen die Erste
Geht man vom grundsätzlichen Verständnis des Modells „blog“ aus, gibt es prinzipiell einen Blogger, der den blog als Plattform des eigenen individualisierten Journalismus nutzt, insofern er als relevant empfundene Themen, Fragestellungen und Probleme sichtbar macht, und dem möglichen (kritischen) Anschluss aussetzt. Dabei lastet der Blogger die Plattform aus und ermöglicht potenziellen Adressaten den Zugriff. Diese potenziellen Adressaten sind bezeichnet für die indirekte Adressierung des Bloggers, der einer breiten, nicht-definierten Zielgruppe die Teilnahme ermöglicht. Diese Zielgruppe wird über die Entscheidung einer potenziellen Zielgruppe (und damit förmlich allen, die Zugang zum Blog haben) zur Partizipation entschieden, und nicht über die Ansprache des Bloggers. Das Gepostete generiert sich aus einer Vielzahl an als relevant empfundenen (Alltags-) Erfahrungen des dilletantischen oder professionellen Bloggers, und übernimmt Überleitungsfunktion zu den gewillten Rezipienten. Das Feedback dieser Rezipienten wird an Frequenz, Intensität (also Länge der Auseinandersetzung mit blogpost X) sowie der Sichtbarkeit durch Kommentierung, für den Blogger nachvollziehbar. An dieser Stelle wird die Funktion des Bloggers entscheidend: Führt er einen kommerziellen blog, und bedarf der Aufrufe (Klicks) um Werbeeinnahmen sicherzustellen, wird er sich vermutlich am Feedback als Relevanzindex orientieren. Führt einen non-kommerziellen, womöglich idealistischen und/oder politischen blog, wird das Feedback relevant für die Reflektion des Bloggers über die Auswirkung seiner Provokation/Stimulation durch den blog. Hier wird also auch die Frage aufgeworfen, ob der Blogger den Blog organisiert, oder der Blog den Blogger.
In beiden Fällen ist der Blogger auch Gatekeeper, der sich selbst als Selektionsmaß definiert, und die Kommentare zu gewissem Maße erwartbar manipulieren kann. Prämissen dieses grundsätzlichen Blogverständnisses sind die Offenheit, beziehungsweise potenzielle Zugänglichkeit des Blogs, sowie eine bestehende Menge potenzieller Adressaten im offenen Feld. Der Blogger dieses Modells ist aktiv, und muss aufgrund seiner Alleinstellung am Blog, faktischer Blogger sein. Diese Be-/Umschreibung des Blogs ist zunächst dem sicherlich veralteten Sender-Empfänger-Modell nach Watzlawick entlehnt, ermöglicht aber ein Grundsatzverständnis über die erste Ebene der Struktur.
In unserem Fall, gab es mehrere Blogger zu einer Plattform. Diese Blogger sind allesamt namentlich dokumentiert, und jeder Blogger jedem anderen Blogger zumindest kursbedingt bekannt. Die Blogentscheidungen sind im Zuge dessen stark personalisiert, Blogger tragen Konsequenzen im Real-Life und generieren ihre Blogentscheidung aus Erfahrungen mit der Person hinter dem Blogger im Reallife. Damit ist neben der Frage nach dem eingespeisten Inhalt und der
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Form des Eingespeisten, auch eine inhalts- und formgelöste Entscheidungsinstanz nach der Frage: „Wem antworte ich warum?“, entscheidend. Gehen wir jetzt davon aus, dass ein erfolgreicher Blog der sichtbaren Reaktion bedarf, und ein Anschlusspost direkt oder indirekt auf den Eingangspost verweist, entwickelt sich der Post aktiv weiter, und wird dadurch passiv relevanter. Zugleich ist die Ignoranz von Posts grundsätzlich legitim, auch wenn in unserem Falle mit Konsequenzen im Real-Life zu rechnen sein könnte. In diesem Falle ist die Sterilität der digitalen Plattform nicht vorausgesetzt. Die Anschlussfähigkeit des Blogs, ergibt sich aus der fremdreferenziellen Beurteilung der Entscheidung anderer bei selbstreferenziellem Bezug. Das Modell vieler, einander kennender Blogger zu einem Blog, ermöglicht eine begründete Form der Fremdreferenz, und grundsätzlich auch der Selbstreferenz. Wichtig ist hierbei jedoch, dass die Rezipienten allesamt auch potenzielle Produzenten sind. 94 Das heißt, dass der Rezipient, nach Selektion dessen, was er rezipiert (rezipieren möchte), das als interessant befundene Rezipierte in seinen Produktionsprozess einfließen lässt. Sobald er produktiv kommentiert ,ist er eben nicht mehr nur Schablone, des die eigenen Produktionsentscheidungen an ihm ausrichtenden ersten Produzenten, sondern „Verfälscher“ des inhaltlichen Produkts des ersten Produzenten. Diese „Verfälschung“ löst die Erwartbarkeit in gewisser Weise auf und schafft die Grundlage eines in der Unruhe begründeten Blogs. Bewertung
An diesem Zusammenhang wird ersichtlich, dass unsere Blogger tatsächlich als potenzielle Produzenten verstanden werden müssen. Die Aktivität am Blog wurde nicht direkt erzwungen, und folglich bloggte nur ein gewisser Anteil der „Teilnehmer“. Warum folglich?
Diese Form des von „uns“ praktizierten Blogs irritiert in dem Versuch der individualisierten Kommunikation. Teilnehmer des Seminars „Formen der Unruhe“ posten gemäß ihres individuellen Verständnisses von Unruhe und Form, individuelle Information. Die Schnittmenge der Blogger ist neben dem Alter und der gewählten Universität, der Status des Seminarteilnehmers, so divers das Teilnahmeverständnis auch sein mag. Der Blog ist durch die Seminarfindung ausgelöst worden. Die Seminarstruktur verlangt den Blog über die Studenten. Die entscheidende individuelle Motivation des Bloggens am Thema „Formen der Unruhe“, wird durch die Titulierung des Seminars mit selbigem Titel, ausgehebelt. Sicher könnte man hier anfügen, dass der Blog als Teil der Prüfungsleistung zuvor ersichtlich war, und anschließend bewusst gewählt wurde. Entscheidend ist dabei aber, dass er ausgewählt wurde, aus einem Bestand auswählbarer Kurse, die allesamt über Noten definiert, und über Credits legitimiert werden. Die Auswahlentscheidung für den Kurs, aufgrund des Interesses an Formen der Unruhe, und nicht am Titel „Formen der Unruhe“ für (gute) Noten und Credits, wäre formal illegitim.
Gleichzeitig bestand die Möglichkeit fehlende Blog-Aktivität, durch ebendiese knappe Reflektion zu kompensieren. Die Kompensation ermöglicht, dass die Aktivität am Blog verfreiwilligt wird. Im Sinne dieser Verfreiwilligung, ist die Kompensation hervorragender Maßstab zur Bemessung der tatsächlichen, freiwilligen, und damit Noten-gelösten, motivationalen Partizipation am Blog. Das heißt aber auch, dass der Aufbruch der nicht-zweckmäßigen Bindung des Blogs/der Blogger an unzweckmäßige Motivation, zu Teilen mit der Verweigerung der Teilnahme am Blog einhergeht. Der Kommunikationsanlass des Blogs ist konstruiert, der mögliche Ausstieg aber auch kein Blog mehr. Die freiwilligen Blogger sind entweder motivational abgeschreckt, von Aufwand und Anforderung der verschriftlichten Blogreflektion, oder motivational Themen- und Blogaffin. Sicherlich überschneiden sich beide Argumente in der Praxis. Unser Blog war eine Simulation von
94 Rezipient ist hier nur der interaktive, sichtbare, in unserem Blog namentlich dokumentierte Rezipient.
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Blog. Zugleich wurde der Blog auf ein eigentlich unspezifisches Thema, bei aller Offenheit der Interpretation von „Unruhe“ und „Form der Unruhe“, spezifiziert. Die Offenheit war Resultat fehlender Instruktion, und nicht zuletzt Möglichkeit den Blog in einer Form der gelebten Unruhe am Leben zu erhalten. Interessant war zu Beobachten, wie sich diese Maxime der unruhigen Offenheit bei latentem Stillstand ausprägten. Durch eine überaus irritierende Betrachtung fehlender Abstimmung, und seltener nachhaltiger Anschlusskommunikation, verlagerte sich die Unruhe aus dem Blog hinaus, in den Seminarkontext. Dort wurde der Stillstand kritisiert, die Partizipation erhofft und in Frage gestellt, sowie (selbstverständlich) Kriterien auf Bewertbarkeit überprüft. Womöglich ist genau diese Verlagerung des Blogs aus der unruhigen Irritation über den Stillstand am Medium, der evolutionäre Schritt in der Verlagerung in einen anderen Kontext. Zieht man diese Möglichkeit in Betracht, ist der Blog „tot“ und Evolutionsschritt zur regen Auseinandersetzung. Trotzdem sollte die Auseinandersetzung mit dem Blog auf das Problem der scheinbaren Nicht-Funktionalität des Blogs hin überprüft werden. Bloggen die Zweite
In systemtheoretischer Hinsicht, soll die Struktur in den nächsten Zeilen sanft widerrufen werden. Der Anreiz dieses Widerrufs, ist die Möglichkeit der Reflexion in zweiter Instanz, also die Reflexion der Reflexion über den Blog. Damit werden wir jetzt die Frage aufwerfen, ob die Pointe tatsächlich bedeutet, dass der Blog den Blogger organisiert.
Grundsätzlich ist ein „primär gesetzter Prozess der Erzeugung von kommunikativen Adressen“ 95 (also Sender (primär gesetzt) und Mitteilung (Prozess der Erzeugung von kommunikativen Adressen) mit Verweis auf „die Autopoiesis sozialer Systeme“ 96 nicht haltbar, insofern, dass ebenjene Autopoiesis mit einer Verabsolutierung der Kommunikation, bei Negation der Akteure, einhergeht. Dabei findet Kommunikationsanschluss an Kommunikation statt, wenn sie sinnvoll ist. Der Sinn ist wie bereits im Essay geleistet, in der Luhmann Rezeption die komplexitätsreduzierende Form der inneren Abbildung. Also die Sichtbarkeit, losgelöst von der faktischen Umwelt, und selbstreferenziell im Selbstverständnis von Umwelt. Der Blog ist in gewisser Weise Fortsetzer (und/aber nicht ausschließlich Weiterleiter) der Kommunikation, als passives Instrument des Kommunikationssystems, und damit Teil der Kommunikation „im Management ihrer
Selbstimplifikation“ 97 . Die „soziale Adresse“ 98 ist im Sinne der selektiven Mitteilung eben nicht von produzierender, sondern durch Produktionskräfte der Information selektierter, Funktion. Setzt man voraus, dass Bewusstsein und Kommunikation ko-existent sind, hat die Nicht-Sozialisierung des bewusstseinsfähigen Individuums die eigene Degenerierung zur Folge. So muss also jedes generierte Lebewesen Teil des sozialen Systems sein, und von der Kommunikation als „adressabel“ 99 befunden und dementsprechend behandelt werden. Nach diesem Verständnis wäre der Blogger instrumentalisierte soziale Adresse, mit dem (passiven) Vermögen der Multiplikation von Selektion weiterer sozialer Adressen über die Plattform. Als Multiplikator ist der Blog Fortsetzer der Autopoiesis, zugleich aber auch selbstreferenziell. Derart selbstreferenziell, als das er ein „Eigenverhältnis“ 100 besitzt und gemäß seiner Verhältnismäßigkeit eine Form des Bewusstseins inkorporiert. Der Blogger ist in der Lage zwischen Mitteilung und Information zu selektieren. Durch dieses Merkmal, ist der Blogger in der Form des adressablen Adressanten in das Kommunikationssystem inkludiert. Diese Inklusion ergibt sich des Weiteren aus der Exklusion der Nicht-Adressablen. Ein debiler Blogger, der nicht in über das Vermögen der Trennung von Mitteilung und Information verfügen kann, wäre durch den exkludierten Status kein Blogger mehr.
95 Fuchs (2005), S. 41
96 Ebd., S. 41
97 Ebd., S. 41
98 Ebd., S. 42
99 Ebd., S. 43
100 Ebd., S. 44
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Das Überleben des Blogs ist insofern entscheidend durch den Blogger bestimmt, als dass er in der Lage ist zu selektieren, und genau das auch macht. Die Folgeadressaten der Kommunikation über den Blog, sind dann entweder wieder inkludiert, oder nicht inkludiert. 101
Der Blog ist aber auch insoweit selbstreferenziell, als er interaktiv ist. Das heißt (im Unterschied zum klassischen TV-Format), er könnte selbst ein Interaktionssystem bilden. Dieses System bleibt zu 100% abhängig vom Kommunikationssystem, obgleich es selbstreproduktiv ist. Die Selbstreproduktivität des Blogs, ist ein kleines Element der Grundlage für die Autopoiesis des Kommunikationssystems, zugleich aber absolutes Element für sich selbst. Das heißt, das Vermögen aller kleinen Elemente zur Selbstreproduktivität, ist notwendig für die Autopoiesis des Kommunikationssystems.
Ein „toter“ Blog ist demnach vom Kommunikationssystem, in der Funktion des Interaktionssystems „Blog“, exkludiert worden. Die Unterscheidung von Mitteilung und Information ist an unserem Beispiel insofern nicht gelungen, so weit die Information nicht mehr anschlussfähig war. Der tote Blog ließ die Blogger scheitern. Meine Rolle im Blog
Mein formaler Anteil am Blog beschränkt sich auf 2 Produktionen, beziehungsweise Anschlussanlässe. Zum Einen einen Eingangspost mit der Frage nach Ausblendung der, die den Blog aktualisierenden, Infomails, und zum Anderen ein Kommentar zum Eingangspost „Facebook Map - Weiterdenken....“. 102
Meine Rolle im Blog hatte ich mit der Entscheidung die Informationsmails zu ignorieren, und diese Entscheidung zu kommunizieren, beerdigt. Zugleich scheint es aber möglich, den Blog im Sinne der hier stattgefundenen Anschlusskommunikation zu recyclen.
101 Stichweh, S. 33 f.
102 Zeppelin University (2011)
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Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1. Seite 15
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Literaturverzeichnis
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Stichweh, R.: Leitgesichtspunkte einer Soziologie Zeppelin University (2011): Formen der Unruhe. Blog. http://unruhestifter.posterous.com/?page=4 Stand: 30.Juni.2011
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Anhang:
„Demnach ist zu prüfen, inwiefern denn Selektion Information kanalisiert, und relevante (bereits kanalisierte) Information pointiert werden kann. Vorausgesetzt wird hier einerseits, dass das Subjekt, direkt oder indirekt, über die Wahrnehmung und Nichtwahrnehmung von relevanter und irrelevanter Information verfügt. Zum Anderen wird angenmmen, dass sich das Subjekt in einem, die Entscheidung determinierenden sozialen Kontext bewegt, der in der Interaktion einen Teil, der nur potenziell zugänglichen Informationen, isoliert. Dabei übernimmt das Subjekt die Funktion der Verdichtung und Bündelung von ehemals potenzieller, jetzt selektierter und real gewordener Information (also der „Zu/Aufgegriffenen“). Entscheidende Einflüsse, die die Selektion zum Subjekt hin entscheiden, liegen im Rahmen sozialer Empfehlung, und damit im sozialen Kontext, wie auch in der subjektspezifischen Präferenzstruktur. Dabei trifft der soziale Kontext eine Vorselektion, an dessen Maßstab die innere Präferenzstruktur in Ausrichtung am sozialen Kontext anknüpft. Eine Selektion findet hier im Rahmen der Entscheidung nach Zugänglichkeit des Kommunikationskanals, wie auch nach inhaltlicher Relevanzsetzung hinsichtlich der Zielausrichtung, statt. Die reflektierte Form der Information des Subjekts in ihrer Darstellung, die letztlich Anlass der Anschlusskommunikation ist, wird die Folie, der für das Subjekt realen Information. Somit wird die Information nur real, nachdem sie die Präferenzstruktur vollständig durchlaufen hat und abschließend in einer postverarbeiteten Darstellung vorliegt. Durch die „Informierte Verwirrtheit“, die neben der Verwirrung, die Erklärung durch Information impliziert, wird potenzielle Information erst durch Vorselektion des Subjekts zur Information. Verwirrung besteht demnach auf „vorinformationeller“, und damit ungewisser Ebene. Die Bündelung von potenzieller Information im/über das Subjekt, ist Anlass und Ursprung der Anschlusskommunikation, die dann, in Zusammenführung mit weiteren subjektiv-realisierten Informationen, Folie einer neuen potenziellen Informationsebene wird und die nächste Selektion eines anderen Subjekts begründet. Die tatsächliche Informationsebene besteht dabei viel eher in der sichtbar gewordenen Publikation der realisierten Information des Subjekts, als in der nichtmaterialisierten Form.“ 103
103 Mayer (2011), S. 25
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Arbeit zitieren:
Henning Mayer, 2011, Formen der Unruhe: Einblick, München, GRIN Verlag GmbH
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