Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Begriffsbestimmung und Einordnung. 3
2.1 Definition Gastarbeiter 3
2.2 Typisierung der Gastarbeiterzuwanderung 4
2.3 Einordnung in das Push- Pull-Faktoren-Modell 4
3 Gründe für die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland 5
Pull -Faktoren am Beispiel Deutschlands 5
3.1
Push -Faktoren am Beispiel Italiens 6
3.2
4 Die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland 7
4.1 Die Anwerbeabkommen seit 1955 7
4.2 Die Zuwanderung 8
4.3 Anwerbestopp, Remigration und Integration 10
5 Fazit 12
6 Literaturverzeichnis 13
2
1 Einleitung
Deutschland in den 1950er Jahren. Der Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg ist im Gange, das Wirtschaftswunder beginnt. Das Problem: in der jungen Bundesrepublik fehlt es an Arbeitskräften.
Die damalige Bundesregierung beschließt ausländische Arbeitskräfte für befristete Arbeitsverhältnisse anzuwerben: Gastarbeiter.
Diese Arbeit soll einen Überblick über die Gastarbeiterzuwanderung in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1950er Jahren bis zum Anwerbestopp 1973 geben. Auf die Situation in der Deutschen Demokratischen Republik wird bewusst verzichtet, um den Umfang dieser Arbeit nicht zu sprengen, obwohl es auch hier Arbeitsmigration - insbesondere aus Vietnam - gab. Ebenso wird auf die aktuelle Diskussion über den Fachkräftemangel und deren Anwerbung aus dem Ausland nicht eingegangen. Die Arbeit befasst sich zunächst mit dem Begriff des Gastarbeiters und ordnet diesen anhand einer Gegenüberstellung der ökonomischen Situation Deutschlands und Italiens dieser Zeit, in das gängige Push- und Pull-Faktoren Modell ein. Weiter werden die Anwerbeabkommen zwischen den jeweiligen Staaten behandelt. Es wird außerdem auf die damals vorgesehene Remigration und das Rückkehrhilfegesetz, sowie kurz auf die Integration der Gastarbeiter und die aktuelle Integrationsdebatte eingegangen.
2 Begriffsbestimmung und Einordnung
2.1 Definition Gastarbeiter
Gastarbeiter sind Erwerbspersonen, die ihr (meist wirtschaftlich weniger entwickeltes) Heimatland für einen befristeten Zeitraum verlassen, um im Ausland zu arbeiten und zu wohnen (Leser 2005: S. 264).
Der Begriff des „Gastarbeiters“ entstand in den 1960er Jahren. Ausländische Arbeitskräfte wurden in Deutschland bis 1962 „Fremdarbeiter“ genannt. Dieser Begriff hatte einen eher abweisenden Beiklang und war zudem durch die Bezeichnung von Zwangsarbeitern als Fremdarbeiter, während der Zeit des Nationalsozialismus belastet (Borelli et. al. 1973: S. 17).
Er wurde daraufhin durch den Begriff „Gastarbeiter“ ersetzt: ein Gast besitzt einen gewissen Schutz und ist zumindest geduldet, jedoch beschreibt das Wort auch einen temporären Aufenthalt (ebd.).
2.2 Typisierung der Gastarbeiterzuwanderung
Die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland war ursprünglich zeitlich befristet. Eine Rückkehr in die Heimatländer der ausländischen Arbeitskräfte war grundsätzlich vorgesehen. Der Wechsel des Wohnsitzes war also nur vorübergehend, weshalb die die Wanderung zunächst den Charakter einer langfristigen Zirkulation besaß (Bähr 2010: 240).
Erst im Jahr 1979 wird die Gastarbeiterzuwanderung durch das sogenannte „Kühn-Memorandum“ (von Heinz Kühn im ersten Bericht des Amtes des Ausländerbeauf- tragtenveröffentlicht) offiziell eine Immigration, da das Rückkehrverlangen der Gastarbeiter immer stärker abnahm. „Damit wird Deutschland erstmalig von Seiten der Regierung als Einwanderungsland bezeichnet“ (bpb 2010).
2.3 Einordnung in das Push-& Pull-Faktoren-Modell
Die Zuwanderung von Gastarbeitern nach Deutschland lässt sich als Arbeitsmigration generell mit dem Modell der Pull- und Push-Faktoren beschreiben (siehe auch Abb. 2-1).
Wichtigster Pull-Faktor war hierbei der Arbeitskräftemangel in Deutschland als Ziel-land und die Aussicht auf höhere Löhne; wichtigster Push-Faktor in den Herkunftsländern war eine Überbeschäftigung in den meist ländlichen bzw. wenig industrialisierten und wirtschaftlich wenig entwickelten Gebieten (Borelli et al. 1973: 18). Ferner gab es auch sekundäre Motive, die im sozialen Bereich einzuordnen sind (Franzen 1978: 12). Auf letztere wird hier nicht näher eingegangen. Wie zuvor dargestellt, ist dabei das Motiv Geld zu verdienen besonders hervorzuheben (siehe hierzu auch Kap. 3)(Borelli et al. 1973: 18, Peters 1972: 308). So wurde durch die Aussicht auf höhere Löhne im Ausland die Arbeitsmigration für die Betroffenen attraktiv. Verstärkt wurde dies zusätzlich durch die deutsche Arbeitsmarktpolitik - nämlich durch die bilateralen Anwerbeabkommen mit den jeweiligen Herkunftsländern (siehe hierzu Kap. 4.1), durch welche die Zuwanderung erleichtert wurde.
Abb. 2-1: Modell der Pull- und Push-Faktoren in Bezug auf die Zuwanderung nach Deutschland (eigene Darstellung; nach Gebhardt et al. 2007: 791).
3 Gründe für die Gastarbeiterzuwanderung nach Deutschland
Wie in Kapitel 2.2 bereits dargestellt, existiert eine Reihe von (wirtschaftlichen) Pull-und Push-Faktoren im Zielland bzw. in den Herkunftsländern. Diese werden im folgenden Kapitel an den Beispielen Deutschland und Italien kurz näher dargestellt.
3.1 Pull-Faktoren am Beispiel Deutschlands
Nach dem zweiten Weltkrieg entstand eine „chaotische Lage auf dem [deutschen] Arbeitsmarkt“ (Bade 1984: 621).
Die Arbeitsmarktentwicklung wurde durch verschiedene Faktoren gesteuert. Zum Einen fehlten durch die Verluste der beiden Weltkriege große Teile (überwiegend Männer) von 42 Jahrgängen (1886-1927); weiter wirkten sich ebenfalls kriegsbedingte, langfristig wirksame Faktoren der Bevölkerungsstruktur (z.B. der Geburtenrückgang in Folge des Krieges) auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes aus. Zum Anderen setzte in den 1950er Jahren das „Wirtschaftswunder“ ein. Der damit verbundene Aufschwung löste einen Arbeitskräftemangel aus (Bade 1984: 621 f.). Durch das rasante Wachstum in Deutschland wurde die Erschöpfung des einheimischen Arbeitskräfteangebots deutlich.
Zwar strömten seit Ende des zweiten Weltkriegs rund acht Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten und der sowjetischen Besatzungszone (bzw. später DDR) nach Westdeutschland, wodurch auch die Zahl der Erwerbspersonen stieg (Wehler 2010: 34), dennoch meldeten 1955 25% der befragten Unternehmen Produktivitätseinbußen auf Grund eines Arbeitskräftemangels - und das,
Arbeit zitieren:
Heiko Lindner, 2011, Gastarbeiterwanderung nach Deutschland seit 1950, München, GRIN Verlag GmbH
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