Herausgeber & Autoren: Alexander Kauther, Berlin und Paul Wirtz, Jülich Dokumentenreihe „Flugplatz Johannisthal 1909-1914“, Heft Nr. 1 © 1. Ausgabe, April 2011
Umschlaggestaltung: D&M agentur, Winckelmannstraße 70, 12487 Berlin (www.dundm-agentur.de)
Inhalt:
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Anmerkungen der Autoren
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Der Motorflug entwickelte sich
Wie kam der Flugplatz in den Ort Johannisthal-Adlershof? 10
Die „B.Z. am Mittag“ berichtete über die Entstehung des Flugplatzes 22
Der Flugplatz Johannisthal wurde am 26. September 1909 eröffnet 31
Der Flugplatz nach den beiden Weltkriegen 32
Personenregister 35
Literatur 36
Quellen 36
Zeitungen und Periodika 36
Bildnachweis 36
Anmerkungen der Autoren:
Zur Veranstaltung von Wett- und Schauflügen, vor allem aber zum Erlernen des Fliegens, sind geeignete freie Felder notwendig. So ist das älteste Flugfeld der Welt, Issy les-Moulineaux bei Paris, ein militärischer Übungsplatz, ebenso wie das Tempelhofer Feld, auf welchem Schauflüge in Deutschland von Latham und Wright stattfanden. Später flog Orville Wright auf dem Bornstedter Feld bei Potsdam auf einem Exerzierplatz. Das große Manöverfeld von Döberitz bei Berlin und der Exerzierplatz bei
Darmstadt dienten schon 1910 als Flugfeld. Der erste besondere Flugplatz wurde bei Juvisy in Frankreich im Mai 1909 eröffnet. Die bedeutendsten Flugveranstaltungen fanden aber auf dem Flugplatz von Betheny bei Reims und bei Bordeaux statt. Der bedeutendste zivile Motor-Flugplatz in Deutschland war und ist der Flugplatz von Berlin-Johannisthal, welcher am 26. September 1909 eröffnet wurde. Eingerichtet wurde dieser Flugplatz von der für diesen Zweck gegründeten „Deutschen Flugplatz-
umgewandelt und von Major a.D. Georg v. Tschudi geleitet wurde. Das Flugfeld wurde auf der Fläche zwischen den Gemarkungen Johannisthal und Adlershof gebaut, wurde kurze Zeit auch als Flugplatz Johannisthal-Adlershof bezeichnet, dann aber seit der Eröffnung mit dem Namen Flugplatz Johannisthal festgeschrieben. Das belegen die Flugplatzhefte, Topografische- und Ansichtskarten, veröffentlichte Flugplatzskizzen, Presseveröffentlichungen der damaligen
Fachzeitschriften und auch die Berichterstattungen durch die „B. Z. am Mittag“.
Auf diesem Flugplatz sind die großen deutschen nationalen und internationalen Flugwochen abgehalten worden.
Der zweite deutsche Flugplatz liegt etwas weiter von Berlin entfernt als Johannisthal, dafür aber direkt neben der Bahn, bei Bork i. d. Mark. Dieser Flugplatz wurde im Frühjahr 1909 von Rotgießer gegründet und Flugplatz „Mars“ genannt. Wegen seiner günstigen Lage in der Nähe von Berlin und zwei Bahnhöfe Johannisthal und Adlershof war er für Schau- und Wettflüge geeigneter, hat der Flugplatz „Mars“ den Vorzug, dass er sehr eben und glatt war und daher für Anfänger in der Fliegekunst zum Lernen sehr geeignet erschien. Auch die ruhige Lage war hierfür kein Nachteil. 1 1910 wurden dann noch in der Nähe von Berlin die Flugplätze bei Schulzendorf und bei Teltow errichtet.
Heute stehen viele neue Häuser auf dem Flugfeld Johannisthal und fast nichts erinnert mehr an diesen historischen Ort. Kennen die jetzt dort angesiedelten Haus- und Grundstückbesitzer die Geschichten, die mit den Straßen, benannt nach Luftfahrtpionieren, verbunden sind? Diese Dokumentation ist keine wissenschaftliche Arbeit und kann auch nicht als vollständiges Dokument betrachtet werden. Sie soll dem interessierten Leser zum Zurückschauen oder Erinnern dienen.
1 „Jahrbuch über die Fortschritte auf allen Gebieten der Luftschiffahrt 1911“, Ansbert Vorreiter
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Der Motorflug entwickelte sich:
Der preußische Kriegs- und Marineminister, Generalfeldmarschall Albrecht Theodor Emil Graf von Roon (1803-1879), antwortete einmal gegenüber einem Erfinder: „Fliegen Sie mir von Berlin nach Potsdam und wieder zurück, so lege ich Ihnen die Million auf den Tisch!“ 2 Er erlebte es nicht mehr, dass die Wiege der Luftfahrt auf dem Flugplatz-Johannisthal stattfand und unweit davon 1893 die Roonstraße (ab 1951 Winckelmannstraße) ihm zu Ehren benannt wurde.
Die internationale Entwicklung der Flugkunst, insbesondere in den USA und Frankreich, machten auch in Deutschland die Errichtung von Flugplätzen zwingend erforderlich.
„Die alte Rivalität zwischen Frankreich und Deutschland, der Vorsprung der sich dort deutlicher etablierenden Luftfahrt und die sich anbahnende Orientierung der Militärs auf diese neue Möglichkeit der Kriegsführung, führte zu einem sich immer stärker abzeichnenden Denkprozess auch in Deutschland. Der Bruder des Kaisers, Prinz Heinrich von Preußen (1862-1929), war der Luftfahrt äußerst zugetan und wurde ihr großer Förderer“. 3 Er erwarb am 28. November 1910 das Pilotenzeugnis Nr. 38 bei dem Fluglehrer und Unternehmer August Euler (1866-1957), der das Flugzeugführerzeugnis Nr. 1 am 1. Februar 1910 des Deutschen Luftfahrer Verbandes erwarb. Es erwies sich überall als schwierig, verlassene Landstriche zu finden, auf denen in einsamer Zurückgezogenheit und unbelästigt von ungebetenen Neugierigen die ersten Flugversuche durchzuführen. Zuerst wurde auf militärische Exerzierplätze zurückgegriffen, wie das Tempelhofer Feld in Berlin oder auch Pferderennbahnen. Ein Flugfeld mußte sehr groß und eben sein, sich in abgelegener Gegend befinden, um ungestört arbeiten zu können und sollte auch mit modernen Verkehrsmitteln aller Art erreichbar sein. Die finanziellen Investitionen müssten sich rentieren. Das ist nur zu erreichen, wenn die Benutzer des Flugplatzes ihre Miete zahlen und große Flugveranstaltungen vorgeführt werden, an welchen Besucher gegen Eintrittsgeld teilnehmen können. Der Platz mußte auch so beschaffen sein, dass nicht nur Flugzeuge ihn nutzen. Auf ihm müssten Luftschiffhallen für Drachen- und Luftschiffversuche baulich möglich sein.
In Frankreich wurde weltweit der erste zivile Motorflugplatz in Betrieb genommen. In Betheny bei Reims, die Stadt im Nordosten Frankreichs, etwa 129 km von Paris entfernt, fand die erste große Flugveranstaltung in der Geschichte der Luftfahrt vom 22. bis 29. August 1909 mit dem Namen "Grande Semaine d'Aviation de la Champagne", später als "Reimser Flugwoche" bekannt, statt.
Die Flugwoche wurde von der Stadt Reims und den ortsansässigen Winzern finanziert. 38 wagemutige Flugzeugführer, unter ihnen Berühmtheiten, wie der Engländer Henri Farman (1874-1954), Glenn Curtiss (1878-1930) aus den USA und der Franzose Louis Bleriot (1872-1936), reisten mit ihren Flugzeugen in die Champagne, um dort den mit 25.000 Franc dotierten Gordon-Bennett-Cup zu gewinnen.
2 „Fliegende Menschen“, Hermann W. L. Moedebeck, Verlag von Otto Salle, 1909, Seite 4.
3 „Die Geschichte des Flugfeldes Johannisthal “, Dr. Bernd-Rüdiger Ahlbrecht, BAAG, Mai 2000.
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Dieses erste Luftrennen, bei dem die Teilnehmer zwei Runden um einen 6-Meilen-Kurs fliegen mussten, war der Höhepunkt dieser ersten Flugschau der Welt. Außerdem wurden verschiedene Wettbewerbe in den Disziplinen Geschwindigkeit, Streckenflug, Gipfelhöhe sowie Anzahl an transportierten Passagieren ausgetragen. Etwa eine halbe Million begeisterte Besucher verfolgten die atemberaubenden Rekorde ebenso wie die häufigen Abstürze bei der "Reimser Flugwoche". Am 20. September 1909 wurde die Flugschau in der Nähe der italienische Stadt Brescia durchgeführt.
In Deutschland wuchs dadurch noch mehr das Bedürfnis auch Plätze zu haben, wo die Bauleiter von Luftschiffen, Flugzeugen und Drachen ihre Kräfte gegeneinander messen können.
Fliegerhallen auf dem Flugfeld in Reims im August 1909. 4
Am Flugfeld in Reims 1909. 5
4 Foto Sammlung Thomas Fessler, Schweiz.
5 ebenda.
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Arbeit zitieren:
Alexander Kauther, Paul Wirtz, 2011, Wie der Flugplatz zwischen Johannisthal und Adlershof entstand, München, GRIN Verlag GmbH
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