Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Eigenschaften der Komposition 1
2.1 Einführung und Definition von Komposition 1
2.2 Composti larghi e composti stretti 2
2.3 Der Kopfbegriff in der Komposition 3
2.4 Exozentrische und endozentrische Komposita 3
2.5 Subordinierende und koordinierende Komposita 4
3. Komposita des Typs N-N 4
3.1 Nominalkompositionstyp N-N Modifikator 4
3.2 Nominalkompositionstyp N Modifikator -N 6
3.3 Koordinierende, exozentrische Kopulativkomposita 7
3.4 Kontamination 8
4. Nominalkompositionstyp N-A bzw. A-N 8
5. Nominalkompositionstyp V-N 9
6. Grenzfälle der Nominalkomposition 11
6.1 Terminologische Kombinatorik 11
6.2 Komposition vs. Derivation 13
6.3 Morphologie vs. Syntax 14
7. Zusammenfassung 15
8. Literaturverzeichnis 16
9. Anhang 17
Abk ürzungsverzeichnis:
N Nomen m maskulin
P Präposition f feminin
A Adjektiv Sg. Singular
V Verb Pl. Plural
Anmerkung zu den Beispielen:
Alle in dieser Arbeit genannten Beispiele stammen, soweit nicht anders angegeben,
aus dem Wörterbuch Lo Zingarelli minore bzw. die deutschen Übersetzungen aus
dem PONS Kompaktwörterbuch Italienisch.
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1. Einleitung:
Während Sprecher des Deutschen im Bereich der Wortbildung sehr produktiv die Möglichkeit nutzen, viele Wörter aneinanderzuhängen, sind die so genannten Komposita im Italienischen seltener anzutreffen. Doch dass es durchaus produktive Verfahren in der italienischen Sprache gibt, wie genau diese Komposita gebildet werden und wo ihre Grenzen liegen, soll in dieser Arbeit gezeigt werden. Größtenteils resultieren aus den Kompositionsverfahren Nomina, weshalb der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der Darstellung möglicher Nominalkomposita liegen wird. Dafür werden einige Ansätze unterschiedlicher Autoren verglichen, die Bildung der Komposita erklärt und durch Beispiele belegt.
2. Eigenschaften der Komposition
2.1. Einführung und Definition von Komposition
Sprachwissenschaft untergliedert sich in mehrere wissenschaftliche Teilbereiche. Morphologie ist einer davon und beschäftigt sich mit der „Lehre von den Formen … der Wörter“ (Kattenbusch 1999, 43). Unterteilt wird die Morphologie in die Hauptbereiche Flexion und Wortbildung. Zu den Wortbildungsverfahren werden Derivation, Komposition, Konversion und Wortkürzung gezählt (vgl. Kattenbusch 1999, 43; 54). Die Übereinstimmungen und Unterschiede möglicher Definitionen von Komposition sollen in den folgenden drei Beispielen exemplarisch aufgezeigt werden:
Hadumod / Bußmann (2002), 353:
„Komposition [lat. Com-positio >Zusammenstellung<. - Auch: Zusammensetzung]. Neben Derivation (Ableitung) wichtigster Vorgang der Wortbildung: Verbindung von zwei oder mehreren sonst frei vorkommenden Morphemen oder Morphemfolgen (Wörtern) zu einem Kompositum.“
Scalise (1994), 122:
“La composizione è un processo morfologico che, come la derivazione, consente la formazione di parole nuove a partire da parole già esistenti; ma … mentre una parola derivata è costituita da una forma libera più una forma legata, una parola composta è costituita, di norma, da due forme libere, cioè da due parole (due
Schwarze (1995), 530:
„Die Komposition ist die Bildung von Wörtern aus mehr als einem Grundlexem. Die Tatsache, dass in einem Wort mehr als ein Grundlexem enthalten ist, unterscheidet die Komposition von der Derivation. Gegenüber der Syntax ist die Komposition dadurch abgegrenzt, dass Komposita Gebilde sind, die durch die Syntax nicht erzeugt werden.“
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Zunächst fällt bei diesen Definitionen auf, dass die Autoren sehr vorsichtig von „Wörtern“ in ihren Definitionen sprechen. Es hat sich gezeigt, dass die Definition von „Wort“ einige Schwierigkeiten mit sich bringt. Ein Wort kann aus morphologischer, phonetischer oder z.B. auch syntaktischer Sicht definiert werden, doch man ist „bis heute nicht zu einer befriedigenden Definition gekommen“ (Kattenbusch 1999, 43). Diese Problematik wird umgangen, indem von so genannten frei vorkommenden Formen oder Morphemen gesprochen wird: Morphem:
„Ein Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit eines Sprachsystems.“ (Kattenbusch 1999, 44)
Grundmorphem (bzw. Grundlexem):
„Grundmorpheme sind diejenigen Morpheme, die (evtl. mit einer Flexionsendung) allein ein Wort sein können und die eine selbstständige lexikalische Bedeutung haben. Alle einfachen Wörter, die eine lexikalische Bedeutung haben, sind Grundmorpheme, und in jedem komplexen Wort muss mindestens ein Grundmorphem vorhanden sein.
Bsp.: „fertil-“ in fertilizzazione und „caric-“ in scaricare.” (Schwarze 1995, 425)
Wie in der Abbildung von Scalise (s. Anhang) dargestellt, können nicht alle Wortarten im Italienischen zu einem Kompositum kombiniert werden. So kann es zum Beispiel keinen Kompositionstyp N-P geben, da Präpositionen immer den Nomen vorangehen (vgl. Scalise 1994, 125). Außerdem geht aus der Abbildung hervor, dass es sich bei italienischen Komposita vorwiegend um Nomen handelt. Es gibt auch ein produktives Kompositionsverfahren A-A, dessen Kompositum ein Adjektiv ist, sowie weniger produktive Einzelfälle sonstiger Kompositionstypen (vgl. Scalise 1994, 123). Diese Arbeit wird sich jedoch vorwiegend mit der Nominalkomposition im Italienischen beschäftigen. Komposita lassen sich aus semantischer Sicht untergliedern in larghi und stretti, endozentrisch und exozentrisch sowie koordinierend und subordinierend.
2.1 Composti larghi e composti stretti
“I composti stretti sono composti che hanno subito un amalgama fonologico in conseguenza o del fatto che il significato del complesso non è più quello convogliato singolarmente dalle parole componenti, come in quintessenza o gentildonna che derivano rispettivamente da quinta essenza e gentile donna, oppure come conseguenza della frequenza d’uso come in benarrivato.” (Grossmann/Rainer 2004, 33)
Es handelt sich demzufolge um Komposita, deren Erstelement im Verlauf der Zusammensetzung seinen Endvokal verliert. Bei den composti larghi bleiben
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stattdessen die Konstituenten in ihrer phonologischen und semantischen Selbstständigkeit erhalten. Scalise spricht von einer starken oder schwachen Grenze zwischen den beiden Konstituenten. “Le regole di composizione formano sempre composti larghi ma poi fatti di esecuzione come la frequenza d’uso possono indebolire la forza del confine tra i due componenti” (Scalise 1994, 127). Im Verlauf des Lexikalisierungsprozesses kann also diese „Grenze“ schwächer werden und zu einer Amalgamierung des Endvokals führen.
2.2 Der Kopfbegriff in der Komposition
Bevor eine Unterscheidung nach endozentrischen und exozentrischen Komposita vorgenommen werden kann, soll zunächst der Begriff „Kopf“ eingeführt werden. Als Kopf wird diejenige Konstituente eines Kompositums bezeichnet, „die die syntaktischen, kategorialen und/oder semantischen Eigenschaften eines komplexen Ausdrucks festlegt bzw. die jene Eigenschaften an den komplexen Ausdruck vererbt“ (Gather 2001, 28). Durch die Testfrage „É UN?“ (ist ein) lässt sich unter anderem das semantische Objekt des Kompositums feststellen: Beispiel: il camposanto (Friedhof) È UN campo (Feld, Platz)
In diesem Fall ist campo der Kopf des Kompositums. Camposanto gehört zudem der gleichen Wortart an wie campo, beide sind Nomen. Sie teilen auch das gleiche Geschlecht, il campo ist maskulin, il camposanto auch (vgl. Scalise 1994, 127-128). Bei diesem Kompositum steht der Kopf also links, wie es häufig in romanischen Sprachen der Fall ist (vgl. Scalise 1994, 193-194). Allerdings lässt sich der Kopf nicht immer so leicht bestimmen. Gehören etwa beide Konstituenten der gleichen Wortart an und besitzen außerdem das gleiche Geschlecht, müssen weitere Eigenschaften zur Bestimmung des Kopfes hinzugezogen werden, z.B. die Bedeutung oder ob das Kompositum belebt ist oder nicht (vgl. Scalise 1994, 128).
2.3 Exozentrische und endozentrische Komposita
Wie zuvor beschrieben, können bei Komposita Kopfkonstituenten festgestellt werden. Dass dies jedoch nicht immer der Fall ist, soll folgendes Beispiel zeigen: il portalettere (Briefträger) port(are) (tragen) + /a/ + (le) lettere (Briefe) Auf den ersten Blick wäre anzunehmen, dass lettere der Kopf des Kompositums sei. Jedoch stimmt in diesem Fall nur die Wortart (Nomen) überein, das Geschlecht ist verschieden und portalettere ist kein lettere, sondern eine Person die diese Tätigkeit
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ausführt. Das Kompositum ist also belebt, die Konstituente lettere jedoch nicht. Dies führt zu der Annahme, dass eine einzige Übereinstimmung nicht ausreicht, um den Kopf eines Kompositums festzustellen. Komposita wie il portalettere werden als exozentrisch bezeichnet, Komposita mit Kopf werden als endozentrisch bezeichnet (vgl. Scalise 1994, 132-133).
2.4 Subordinierende und koordinierende Komposita Endozentrische Komposita können subordinierend oder koordinierend sein. “Si dicono ‘composti di subordinazione’ quei composti endocentrici in cui è possibile identificare un elemento modificato, la testa morfologica, e un elemento modificatore subordinato” (Scalise 1994, 133). Beispiel:
il capostazione (Bahnhofsvorsteher) (il) capo (Chef) + (la) stazione (Bahnhof) Stazione spezifiziert genauer um was für einen capo es sich handelt, das Verhältnis der beiden Konstituenten ist daher subordinierend und capo ist der Kopf des Kompositums.
“I ‘composti di coordinazione’, invece, sono quei composti endocentrici in cui tra i due costituenti esiste un rapporto di coordinazione e non di subordinazione.” (Scalise 1994, 133)
Beispiel: agrodolce (süßsauer) agro (sauer) + dolce (süß) Komposita dieser Art setzen sich besonders häufig aus Adjektiven zusammen, die gleichberechtigt die Eigenschaften eines Objekts bezeichnen. Es handelt sich demnach nicht um ein besonders saures süß oder umgekehrt, sondern um etwas, dass sowohl süß als auch sauer ist (vgl. Scalise 1994, 134).
3. Komposita des Typs N-N
3.1 Nominalkompositionstyp N-N Modifikator
1. Definition:
Komposita des Typs N-N Modifikator bestehen aus 2 Nomen, wobei die erste Konstituente durch die zweite Konstituente genauer definiert wird. Der erste Bestandteil stellt den Kopf des Kompositums dar und bestimmt dessen Genus und Numerus. Dieser Kompositionstyp ist im Italienischen sehr produktiv (vgl. Schwarze 1995, 531-532). Endozentrische Komposita dieser Art werden auch als Determinativkomposita bezeichnet (vgl. Grossmann/Rainer 2005, 40).
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Arbeit zitieren:
Christine Lippmann, 2010, Möglichkeiten der Nominalkomposition im Italienischen, München, GRIN Verlag GmbH
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